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Full text of "Joseph Haydn - Gesammelte Briefe und Aufzeichnungen"

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Joseph Haydn 

Gesammelte Briefe und Aufzeichnungen 



UNTER BENÜTZUNG DER QUELLENSAMMLUNG VON 

H. C. Robbins Landon 

HERAUSGEGEBEN UND ERLÄUTERT VON 

Denes Bartha 




Bärenreiter Kassel ■ Basel • Paris • London • New York 1965 



© Corvina 1965 



Gemeinsame Ausgabe: Bärenreiter- Verlag, Kassel, Basel, 
Paris, London, New York — Corvina-Verlag, Budapest 



Einbandgestaltung und Schutzumschlag: Vera Csillag 



Printed in Hungary 1965 
Druckerei Kossuth, Budapest 



Eine kritische Gesamtausgabe 
sämtlicher Briefe, Notizbücher und 
persönlicher Dokumente Haydns 
in den Originalsprachen war 
eine längst fällige Ehrenschuld 
diesem Großmeister der klassi- 
schen Musik gegenüber. 
Was die älteren Briefausgaben 
enthielten, erwies sich nur als ein 
Bruchteil des tatsächlich auffind- 
baren Materials. Namentlich aus 
dem einstigen Esterhäzy-Archiv 
kamen wichtige Briefe und Doku- 
mente zum Vorschein, die hier 
erstmalig erscheinen. Auch von 
den hochinteressanten Londoner 
Notizbüchern Haydns sind bisher 
nur Bruchstücke und Auszüge ver- 
öffentlicht worden. 
Die vorliegende Ausgabe beruht 
weitgehend auf der ausgezeichne- 
ten, nahezu erschöpfenden mo- 
dernen Ausgabe der Haydn-Briefe, 
die der amerikanische Haydn-For- 
scher H. C. Robbins Landon in 
englischer Übersetzung veröffent- 
lichte (The Collected Correspondeme 
and London Notebooks of Joseph 
Haydn, London, Barrie and Rockliff, 
1959). Das durch Landon vor- 
gelegte Material konnte durch eine 
Reihe von Dokumenten vervoll- 
ständigt werden, die hauptsächlich 
Haydns Tätigkeit als Esterhäzy- 
scher Hofkapellmeister erstmalig 
beleuchten. 

Der Herausgeber dieser Ausgabe, 
Prof. Dr. Denes Bartha, ist an der 
Erschließung der in Budapest auf- 
bewahrten Haydniana in maßge- 
bender Weise beteiligt. Er hat 
über seine Forschungen an vielen 
Universitäten Europas und Ameri- 
kas berichtet und ist Mitarbeiter 
der Joseph-Haydn-Gesamtausgabe 
die vom Joseph- Haydn-Insti tut 
Köln herausgegeben wird. Für 
seine Haydn-Forschungen ist ihm 
im Jahr 196} die Dent-Medaille 
zuerkannt worden. 



INHALT 

Vorwort \- 5 

Literatur- und Abkürzungsverzeichnis 2 6 

Chronologisches Verzeichnis der Briefe und Aufzeichnungen 28 

Briefe und Aufzeichnungen 39 

Londoner Notizbücher 477 

Nachwort des Herausgebers 559 

Register 5 61 

A. Adressaten 563 

B. Register der in den Briefen und Dokumenten erwähnten Haydn-Werke .... 571 

C. Operntitel , 575 

D. Generalregister (Personen, Sachen, Orte, Titel) 578 



VORWORT 



Als Joseph Haydn am Ende einer langen, arbeitsreichen Laufbahn am 31. 
Mai 1809 seine Augen für immer schloß, war der einstige Wagnerssohn 
aus Rohrau bereits seit vielen Jahren ein weltberühmter Mann. Seine 
großen Oratorien wurden in der damaligen Kulturwelt überall aufgeführt, 
um seine Kammermusikwerke und Sinfonien bewarben sich Verleger, 
Musikfreunde und Institute in London, Paris, Amsterdam, Berlin und 
Petersburg; die Könige von England und Neapel, der Prinz von Wales, 
die Fürsten Esterhazy und Grassalkovich bemühten sich darum, den 
Meister für sich zu verpflichten. 

Seine aus drückender Armut und unscheinbaren Anfängen langsam, aber 
unaufhaltsam-stetig emporgestiegene Komponistenlaufbahn stand damals 
schon so sehr im Mittelpunkt des Interesses, daß bereits wenige Jahre 
nach seinem Hinscheiden die ersten Biographen — Griesinger, Dies (1810) 
und Carpani (18 12) — ihre Arbeiten herausgaben. Diese inhaltlich wichti- 
gen Erstlinge der Haydn-Biographie bieten uns in dokumentarischer Hin- 
sicht eine verhältnismäßig bescheidene Ausbeute. Von der mehr ästhetisch 
ausgerichteten Schrift Carpanis abgesehen, basieren die wertvollen Bänd- 
chen von Griesinger und Dies zumeist auf mündlichen Mitteilungen des 
alternden Meisters. Nur ausnahmsweise wird ihre Darstellung durch ein- 
gestreute Zitate aus schriftlichen Dokumenten unterbaut: durch Exzerpte 
aus den Londoner Notizbüchern (die — ursprünglich vier an der Zahl — 
damals offenbar noch Haydn selbst verwahrte), durch den Abdruck von 
einigen Brieftexten, Ehrendiplomen und Huldigungsadressen der letzten 
Lebensperiode, die der betagte Haydn (oder sein auf die Nachwelt 
bedachter Famulus Elßler?) schon allein der lieben Eitelkeit wegen der 
Aufbewahrung für würdig erachtet hatte. An Haydn gerichtete persön- 
liche Briefe (auch wenn sie von ihm so nahestehenden Personen wie Luigia 
Polzelli oder Marianne von Genzinger stammten) hat Haydn — mit alleini- 
ger Ausnahme der 22 Briefe der Frau Schröter, die er 1792 in das zweite 
Londoner Notizbuch kopierte — niemals aufbewahrt; keine einzige Zeile 
seiner geliebten Polzelli, kein einziger Brief der Herzensfreundin Marianne 



von Genzinger, kein einziger Geschäftsbrief aus der Feder seiner vielen 
und eifrigen Verleger Artaria, Breitkopf, Thomson, Forster usw. ist im 
Nachlaß Haydns zum Vorschein gekommen. 1 

Was aber Haydn selbst im Laufe von nahezu einem halben Jahrhundert 
an Fürsten, Notabilitäten, Freunde und Verleger geschrieben hat, lag 
damals noch unerschlossen im Archiv der Fürsten Esterhazy, 2 unter den 
Familienpapieren des 1793 verwitwetenDoktors Leopold von Genzinger in 
Wien (26 Haydn-Briefe), in den Geschäftsarchiven der Verleger Breitkopf 
& Härtel in Leipzig, Artaria in Wien, Forster in London, Thomson in 
Edinburgh, im Privatbesitz der Sängerin Luigia Polzelli in Bologna (bzw. 
ihrer Nachkommen) 5 — um hiermit nur die wichtigsten Briefpartner 
Haydns zu nennen. Von diesem für Haydns Leben und Schaffen höchst 
belangvollen und reichen Stoff war damals noch, wie die Schriften von 
Griesinger und Dies verraten, so gut wie nichts erschlossen; keiner dieser 
beiden hat aus den Briefen in erwähnenswertem Maße geschöpft. 
Nach diesen bescheidenen Erstlingen der Haydn-Literatur mußte noch 
ein halbes Jahrhundert vergehen, ehe die erste philologisch vollwertige 
einschlägige Veröffentlichung erschien: die bahnbrechende Publikation 
des Wiener Literarhistorikers Theodor G. von Karajan: Joseph Haydn in 'London 
iypi und 1792 (im Jahrbuch für Vaterländische Geschichte und auch separat, 
Wien 1 861). Darin ist eine der wichtigsten Quellengruppen unserer Aus- 
gabe, die Korrespondenz Haydns mit Marianne von Genzinger aus den 
Jahren 1789-1792 (26 Briefe Haydns und 4 Briefentwürfe Mariannes), in 
einwandfreier Ausgabe vorgelegt worden; eine hervorragende philo- 
logische Leistung und eine Ausgabe, aus der alle späteren Biographen 
und Brief -Editoren Haydns immer wieder geschöpft haben. 4 
In demselben Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts sind dann noch zwei 
wichtige Publikationen mit Haydn-Dokumenten und Briefen erschie- 



1 Wenn Briefe Frau von Genzingers, Thomsons u. a. an Haydn dennoch erhalten geblieben 
sind, ist das einzig dem Umstand zu verdanken, daß die Absender davon gelegentlich 
Entwürfe oder Kopien zurückbehalten haben. 

2 Etwa 40 Briefe und autographe Gutachten Haydns nebst einer Unzahl durch ihn revi- 
dierter oder unter2eichneter Rechnungen, Quittungen usw. 

3 Trotz der allmählichen Erkaltung der gegenseitigen Gefühle hat die Sängerin Polzelli 
acht an sie gerichtete längere Briefe Haydns aufbewahrt und somit für die Nachwelt 
gerettet. 

4 Unsere eigene Revision dieser (heute im SammelbandCod. 14300 der ÖNB, Wien, vereinig- 
ten) Briefe hat nur ganz wenige, unbedeutende Korrektuten zum Text Karajans ergeben. 



nen:' zunächst die grundlegende Monographie des späteren Haydn- 
Biographen C. F. Pohl: Haydn in 'London-? in welcher (neben gelegentlicher 
Heranziehung der von Karajan bereits publizierten Genzinger-Briefe) 
längere Abschnitte aus den Londoner Notizbüchern Haydns erstmalig 
veröffentlicht wurden; ebenda ist die Chronologie von Haydns Londoner 
Aufenthalt auf Grund aller damals erreichbaren Quellen (besonders der 
Presseberichte) zuverlässig und nahezu erschöpfend dargestellt. Ferner ist 
hier der erste eingehende Bericht über die Briefe der Mrs. Schröter an 
Haydn auf Grund des 2. Londoner Notizbuchs zu finden. 
Die andere für unser Thema ausschlaggebende Publikation ist der Band 
Musiker-Briefe des fleißigen Musikerbrief-Spezialisten Ludwig Nohl (Leipzig 
1867, 2., vermehrte Auflage 1873). Die erste Auflage Nohls enthält 82 
Briefe von und an Haydn (darunter die aus Karajan bereits bekannte 
Gruppe der 30 Genzinger-Briefe); die zweite ist durch 10 neue Briefe 
vermehrt worden. Die ganze Ausbeute beträgt also 92 Briefe; an der 
damaligen Quellenkenntnis gemessen, eine durchaus respektable Zahl. 
Nohl hatte sich zum Ziel gesetzt, eine nach damaligen Begriffen möglichst 
komplette Ausgabe von Haydns Briefen zu bieten. Seine Hauptquelle 
war (neben den bereits genannten Genzinger-Briefen) das Geschäftsarchiv 
des Verlagshauses Artaria, dem er 35 (in der 2. Auflage noch 3 weitere) 
Briefe Haydns zu erstmaliger Publikation entnehmen konnte. Wie wir 
heute wissen, war damit etwas mehr als die Hälfte der gesamten erhaltenen 
Korrespondenz Haydn — Artaria erfaßt worden. Die übrigen 24 (an ver- 
schiedene Adressaten gerichteten) Briefe Haydns bei Nohl sind allerdings 
nur ein bescheidener Bruchteil des tatsächlich vorhandenen (und seither 
erschlossenen) Materials. Heute, nach nahezu 100 Jahren, gilt Nohls 
Sammlung natürlich als überholt. Dennoch muß hier dankbar anerkannt 
werden, daß Nohl erstmalig den Versuch unternommen hat, alle damals 
erreichbaren Briefe Haydns gesammelt zu veröffentlichen. Leider ist seine 
Arbeit vom philologischen Standpunkt aus nicht ganz einwandfrei; ver- 
stümmelte Texte, weggelassene Grußformeln usw. beeinträchtigen den 
Wert seiner Publikation nicht unwesentlich. 



5 Die chronologisch hierher gehörende Spezialarbeit: Sandys-Forster, The History of the Violin 
(London 1864), in der 5 Briefe Haydns an den englischen Verleger Forster erstmalig publi- 
ziert wurden, sei hier nur nebenbei anerkennend erwähnt. 
Als 2. Abteilung des Buches Mozart und Haydn in London (Wien 1867). 



Acht Jahre nach der Erstausgabe von Nohls Briefsammlung erschien 
dann (nach jahrelangen, umfassenden Vorarbeiten in Bibliotheken und 
Archiven) Band I des bis heute unentbehrlichen Standardwerks der Haydn- 
Biographik: Joseph Haydn vonC F. Pohl (Bd. I: Berlin 1875, unveränderter 
Nachdruck. Leipzig 1877; Bd. II: Leipzig 1882). Derselbe Verfasser hatte 
acht Jahre vorher mit seiner grundlegenden Monographie die Dokumente 
zu Haydns Londoner Jahren bereits mustergültig bearbeitet. Es ist hier 
nicht der Ort, auf die allgemeinen Vorzüge und die (seinerzeit u.a. von 
Spitta angemerkten) Mängel seiner Arbeit einzugehen; uns interessiert 
hier einzig und allein der durch Pohls fleißige und gewissenhafte Arbeit 
erschlossene Beitrag zur Kenntnis der Haydn-Dokumente. Es versteht 
sich von selbst, daß Pohl das bis dahin veröffentlichte Briefmaterial (die 
30 Genzinger-Briefe und die durch Nohl publizierten weiteren 62 Briefe, 
zumeist an Artaria) sorgsam verarbeitet hat. Als Neues kam der große 
Stock der Esterbä^j-Archivalien hinzu, eine Fundgrube für die Haydn- 
Forschung, die erstmalig durch Pohl (und seine im Vorwort genannten 
Mitarbeiter) erschlossen wurde. Als Mangel seiner Arbeit muß hier ver- 
merkt werden, daß er nirgends die Archivsignaturen der Dokumente 
angegeben hat, was heute die Identifikation und Erfassung der durch 
ihn (oft nur fragmentarisch) zitierten Archivdokumente vielfach 
erschwert. 

Mit dem II. Band von Pohls Werk war Haydns Lebenslauf bis zum Jahre 
1790 behandelt worden. An der Weiterführung seiner Arbeit wurde er 
durch den Tod(i887) verhindert, so daß Pohl sein groß angelegtes Werk 
als ein Torso der Nachwelt hinterließ. Auch als solches genoß es jedoch 
in Fachkreisen ein so hohes Ansehen, daß sich viele Jahrzehnte hindurch 
niemand weder an eine ähnlich groß angelegte Biographie Haydns noch 
an eine organische Weiterführung seines Werkes heranwagte. Pohls 
diesbezügliche Notizen lagen unbenutzt im Archiv der Gesellschaft der 
Musikfreunde in Wien. 

Nach Pohl folgte in der Haydn-Quellenforschung (einschließlich der 
Dokumentenpublikation) ein Stillstand von mehreren Jahrzehnten. 
Das Haydn-Zentenarium 1909 brachte dann einerseits den Beginn der 
längst fälligen Haydn-Gesamtausgabe, zu der Pohls Nachfolger als Archivar 
der Gesellschaft der Musikfreunde, Eusebius von Mandyczewski, mit der 
Bereitstellung der Quellenbasis eine überaus wichtige bibliographische 



Vorarbeit geleistet hatte und andererseits vier wichtige Dokumenten- 
publikationen von bleibendem Wert: 

Die Monographie Joseph Haydn und das Verlagshaus Artaria von Fran% 
Artaria und Hugo Botstiber (Wien 1909) mit insgesamt 57 Briefen (ein- 
schließlich der Dokumente) Haydns an Artaria. Die Zahl der darin erfaß- 
ten Briefe ist seit Nohl ganz erheblich (von 38 auf 57) gestiegen. Diese 
numerische Bereicherung ist das Hauptverdienst dieser gut gemeinten 
Ausgabe, die sonst philologisch viel zu wünschen übrigläßt: die Brief- 
texte sind vielfach verstümmelt und voller Lesefehler. 
Im gleichen Jahr erschien die Monographie Joseph Haydn und Breitkopf 
und Härte/ von H. von Hase (Leipzig 1909). Hier werden die Beziehungen 
Haydns zum alten Leipziger Verlagshaus zwar gewissenhaft, jedoch nur 
durch auflallend wenig Urkunden (6 Briefe Haydns) beleuchtet. Dies lag 
hauptsächlich daran, daß die Beziehungen Haydns zum Verlagshaus Breit- 
kopf erst in den späten Jahren angeknüpft wurden, als Haydns Schwer- 
fälligkeit im Briefschreiben bereits stark überhandnahm und er seine 
Angelegenheiten mit Breitkopf lieber mündlich durch dessen Wiener 
Mittelsmann Griesinger zu erledigen suchte. Hase versäumte leider, alle 
im Leipziger Verlagsarchiv aufbewahrten Briefberichte Griesingers über 
seine mündlichen Verhandlungen mit Haydn in extenso zu veröffent- 
lichen. 

Als dritte Jubiläumspublikation von dokumentarischem Wert sei ferner 
der wichtige Aufsatz von Hugo Botstiber: Zur Entstehung der Schottischen 
Lieder von Joseph Haydn (in Der Merker, Jg. I, Heft 19) registriert. Er enthält 
in deutscher Übersetzung eine Reihe von Haydns Briefen an den schot- 
tischen Verleger George Thomson in Edinburgh. Von Haydns heute 
bekannten (insgesamt 1 5) Briefen an Thomson war hierdurch der größere 
Teil (12 Briefe) erfaßt worden. 

Ebenfalls im Jubiläumsjahr 1909 erschien die Publikation des sogenannten 
„3. Londoner Notizbuchs", herausgegeben von Johann Ev. Engl: Joseph 
Haydns handschriftliches Tagebuch aus der Zeit seines ^weiten Aufenthaltes 
in Eondon 1794 und i^jj (Leipzig 1909); eine Veröffentlichung, die infolge 
der zahllosen Lesefehler und des unzulänglichen Kommentars allerdings 
weit hinter den philologischen Erfordernissen zurückbleibt. 
Durch den ersten Weltkrieg und seine wirtschaftlichen Folgen wurde auch 
die Haydn-Forschung auf mehrere Jahre stillgelegt. Dann folgten zunächst 



nur Detailarbeiten und Populärbiographien von unterschiedlichem Wert. 
Unter letzteren kommt der (besonders ikonographisch wichtigen, doku- 
mentarisch aber nur bereits Bekanntes wiederholenden) Biographie des 
Kirchenmusik-Spezialisten Alfred Scbnerkh: Joseph Haydn und seine Sendung 
(Zürich-Leipzig-Wien 1922, 2. Aufl. 1926), relative Bedeutung zu. — 
Eine Detailarbeit von dokumentarischem Wert ist vor allem die Veröffent- 
lichung des Archivars A. Diemand: Joseph Haydn und der Öttingen-W aller - 
steinsche Hof, 1 durch die einige, früher von Sandberger 8 zu diesem Thema 
nicht ganz einwandfrei publizierte Briefe Haydns an den Wallerstein- 
schen Hof in gereinigten Textfassungen zugänglich wurden. 
Im Jahre 1927 erschien dann endlich (nach einer Unterbrechung von 
45 Jahren) der dritte, abschließende Band von Pohls großer Haydn- 
Biographie unter dem Titel Joseph Haydn. Unter Benutzung der von C. F. Pohl 
hinterlassenen Materialien weitergeführt von Hugo Botstiber, III. Band (Leipzig 
1927), mit dem Anspruch, eine definitive Darstellung von Haydns letzter 
Lebensperiode (1790-1809) zu geben. Hinsichtlich der Londoner Reisen 
Haydns konnte sich der neue Bearbeiter neben den ihm zugänglichen 
wertvollen Notizen Pohls auch auf dessen oben genannte ältere Mono- 
graphie (Haydn in London, 1867), in bezug auf die letzten 14 Lebensjahre 
Haydns wiederum auf die reichlichen Berichte u. a. von Griesinger und 
Dies, auf die Tagebücher Rosenbaums und des Grafen Zinzendorf stützen. 
Hinsichtlich der Briefpublikation bietet sich uns dabei folgendes Bild: Im 
III. Band sind insgesamt 44 Briefe von und an Haydn mitgeteilt, von denen 
10 aus den Publikationen von Griesinger, Dies, Nohl und Pohl übernommen 
sind, während weitere 34 Briefe aus verstreuten Einzelpublikationen stam- 
men bzw. hier erstmals publiziert wurden (so namentlich die Briefe 
Haydns an Luigia Polzelli). Somit ist die Ausbeute an neuem und altem 
Briefmaterial in diesem III. Band nicht gering — wobei aber mit Bedauern 
festgestellt werden muß, daß die Brieftexte in Hinsicht auf philologische 
Zuverlässigkeit viel zu wünschen übriglassen: Lesefehler, falsche Datierun- 
gen, verstümmelte Texte usw. haben uns im Gebrauch dieser Brief quellen 
höchste Zurückhaltung und (wo es nur irgend anging) eine erneute gründ- 
liche Revision auf Grund der Originale auferlegt. 



' In der Zeitschrift des Hist. Vereins für Schwaben und Neuburg. Bd. 45. Augsburg 1920-22. 
8 In Altbayerische Monatsschrift 1900, dann neugedruckt in Sandbergers AAMG, Mün- 
chen 1921. 



IO 



Das Haydn- Jubiläumsjahr 1932 brachte dann die erste, mit modernen 
wissenschaftlichen Methoden erarbeitete Monographie über Haydn aus 
der Feder des Wiener Forschers Karl Geiringer: Joseph Haydn (in der Serie 
Die großen Meister der Musik, Potsdam 1932), die vor allem stilgeschicht- 
lich ausgerichtet war und demgemäß in dokumentarischer Hinsicht zu- 
meist auf die zuverlässigen Ergebnisse der bis dahin geleisteten Quellen- 
forschung baute. 

Ein wichtiger Detailbeitrag zur Quellenforschung wurde damals vom 
ungarischen Kulturhistoriker A. Csatkai geleistet, als er 1932 unter dem 
Titel Aus dem Haydn^immer der Wolfsammlung (in Burgenländische Heimat- 
blätter 1932, Heft 1) acht bis dahin unbekannte Briefe bzw. Brief konzepte 
Haydns erstmals veröffentlichte. 

Eine andere Quellengruppe, diesmal von stark umstrittener Authen- 
tizität, bilden jene 12 angeblichen Briefe des Grafen Morzin(aus den Jahren 
1778 bis 1782 datiert), die in den 1930er Jahren durch den Sammler 
S. Wolf von einer Privatperson nacheinander angekauft und von S. Wolf 
teilweise (5 Briefe) in der Tageszeitung Pester Lloyd (12. Juli 1938) veröffent- 
licht wurden; die „Originale" befinden sich heute im S.- Wolf -Museum 
zu Eisenstadt. Zur Frage der Authentizität dieser Briefe sei hier folgendes 
gesagt (im wesentlichen in Anlehnung an die Argumente von Landon 
CCLN, der diese Briefe im Vorwort in ihrer Gesamtheit als re^enteFälschungen 
ablehnt). Die Briefe sind mit stark nachgedunkelter Tinte auf unzweifel- 
haft altem Papier des 18. Jahrhunderts geschrieben. Eine Kontrolle der 
Handschrift selbst war nicht möglich, da uns zum kritischen Vergleich 
vorläufig kein authentisches Schriftstück von der Hand des Grafen Morzin 
vorliegt. Die Beurteilung der Echtheit oder Unechtheit kann sich also 
einstweilen allein auf die inneren, inhaltlichen Momente der Brieftexte 
stützen. Auf Grund solcher Kriterien aber hält Landon (und wir mit 
ihm) sämtliche angeblichen Briefe des Grafen Morzin für raffinierte 
Fälschungen aus neuerer Zeit. Landon gründet seine ablehnende Kritik 
auf folgende Hauptpunkte: In den Briefen werden (angebliche) Haydn- 
Werke erwähnt, die Haydn tatsächlich niemals komponiert hat; so im 
März und Dezember 1779 eine Oper Alceste. 9 Der anonyme Fälscher 

9 Im Brief vom 4. März 1779: „Seine Opera Alceste habe ich einem Freund aus Paris 
mitgegeben. . ." Im Brief vom 2. Dezember 1779: „Seine Opera Alceste habe ich als 
Gast seines Gnädigsten Fürsten in Wien gehört und würde ich wünschen, ein solches 
italienisches Marionettentheater selber zu besitzen ..." 

II 



wußte davon, daß eine Marionettenoper dieses Titels von Haydns 
Ensemble irgendwann in den 1770er Jahren gespielt worden war. Er hat 
aber nicht gewußt, daß diese Marionettenoper nicht von Haydn, sondern 
von Ordonnez und nicht in italienischer, sondern in deutscher Sprache 
verfaßt war und eigentlich eine Parodie der italienischen Oper darstellt. 
Das Stück von Ordonnez wurde in Eszterhdza am 30. August 1775, dann 
zwei Jahre später, im Sommer 1777, auch im Schönbrunner Schloß- 
theater vor der Kaiserin Maria Theresia gegeben. 10 Der Fälscher wußte 
davon offenbar aus der einschlägigen Literatur und folgerte, daß es sich 
dabei natürlich um ein Werk Haydns gehandelt haben müsse ... — Das 
andere in diesen Morzin -Briefen erwähnte Pseudo -Haydn- Werk ist eine 
Oper Flora." Eine Oper dieses Titels hat aber Haydn niemals kom- 
poniert. — Drittens spricht der angebliche Graf Morzin am 10. Januar 
1782 von „Streichquartetten" Haydns, wozu Landon kritisch bemerkt, 
daß diese Form der Gattungsbezeichnung erst im 19. Jahrhundert aufkam 
(im 18. Jahrhundert sprach man von Quartett, Quadro, Divertimento usw., 
aber niemals von „iVraV^quartett"). 12 — Wir finden die Argumentation 
Landons im wesentlichen überzeugend und haben demgemäß von einer 
Mitteilung dieser offenbaren Fälschungen ohne Bedenken Abstand ge- 
nommen. 

Um die Jahre 1938-40 folgten dann die eingehenden Quellenforschungen 
des dänischen Haydn-Forschers Jens Peter Larsen, durch die vor allem die 
handschriftliche Überlieferung von Haydns Werken auf eine neue, solide 
Basis gestellt wurde. 13 — Dieser durchgreifenden Quellenforschung hatte 
die deutsche Haydn-Forschung von damals nichts Ebenbürtiges an die 



10 Vgl. hierzu neuestens die reich dokumentierte Spezialstudie von Landon: Haydn's 
Marionette Operas and the Repertoire of the Marionette Theatre at Esterbd^ Castle, in Tbe Haydn 
Yearbook 1962, 111 ff., 190 ff. 

11 Im Brief vom 6. Juli 1781: „ebenso die Oper Flora, von der er mir in . . .gesprochen 
hat". Allerdings muß, streng genommen, diese Briefstelle nicht unbedingt auf eine Oper 
von Haydn selbst bezogen werden. Unverricht GBT J4 äußert hiezu das Bedenken: „Es ist 
möglich, wenn auch zur Zeit nicht belegbar, daß hier eine der Opern gemeint ist, die 
Haydn in sein Esterhäzy -Repertoire aufnehmen wollte. . ."Diese Erklärung scheint uns 
aber dennoch etwas weit hergeholt, besonders da die Esterhäzy-Archivalien nichts über 
eine Oper dieses Titels wissen. 

12 Um diesem negativen Beweis die nötige Schlagkraft zu geben, müßte allerdings das 
Aufkommen des Terminus im 19. Jahrhundert noch genauer präzisiert werden, wie 
auch schon Unverricht GBT J4 betont. 

15 Die Haydn-Überlieferung, Kopenhagen 1939. — Drei Haydn-Kataloge in Faksimile, Kopen- 
hagen 1 941; letztere Ausgabe mit wichtigem kritischem Anhang. 

12 



Seite zu stellen. Die umfangreiche Spezialmonographie von Carl M. Brand 
(Die Messen von J. Haydn, Würzburg 1941) brachte zwar auf dem gewähl- 
ten Spezialgebiet manche willkommene Klärung im Detail, hinsichtlich 
des Dokumentarischen begnügte sie sich aber mit einer Bearbeitung der 
schon publizierten Quellen. 

Nach einer durch den zweiten Weltkrieg bedingten Pause folgte zunächst 
eine englische Ausgabe der (erstmals 1932 publizierten) ausgezeichneten 
Monographie von Karl Geiringer (Haydn, a Creative Life in Music, New 
York 1946). Nach drei weiteren Jahren erschien dann eine wertvolle 
Spezialstudie desselben Verfassers (Haydn and the Folksong of the British 
Isles, in Musical Quarterly 1949), in der auch die bislang nur wenig beach- 
teten Briefe Haydns an Thomson (diesmal in englischer Übersetzung) 
veröffentlicht wurden (z.T. dieselben, die Botstiber 1909 in deutscher 
Übersetzung vorgelegt hatte; Haydns Originale sind zumeist in italieni- 
scher Sprache abgefaßt). 

Weitere drei Jahre später folgte die wichtige und aufschlußreiche Disser- 
tation des schwedischen Forschers C. G. Stellan Mörner,^ die Haydns 
freundschaftliche Beziehungen zum schwedischen Diplomaten und Musik- 
freund F. S. Silverstolpe mit wichtigen Originaldokumenten und Briefen 
beleuchtet. 

Inzwischen war in Wien eine mit authentischen Dokumenten und instruk- 
tivem Bildmaterial reich belegte volkstümliche Biographie Haydns aus 
der Feder des österreichischen Forschers Leopold Nowak erschienen (Joseph 
Haydn, Wien 195 1, in 2., revidierter Ausgabe 1959). Als ein besonders 
wertvoller (und auch von uns mehrfach dankbar benutzter) Abschnitt 
dieser soliden und inhaltsreichen Arbeit sei hier die instruktive Zeittafel 
am Ende des schön ausgestatteten Bandes besonders hervorgehoben. 
In der Zwischenzeit sind aber auch zusammenfassende Arbeiten größten 
Stils langsam herangereift, die in den 1950er Jahren dann zu einem un- 
geahnten Aufschwung der Haydn-Quellenforschung geführt haben. Der 
amerikanische Haydnforscher H. C.Robbins Landon hat im Jahre 1955 
eine ausnehmend groß angelegte und an neuem Quellenmaterial besonders 
reiche Monographie über Haydns Sinfonien vorgelegt, The Symphonies of 
J. Haydn (London 1955). Sie war zwar vordringlich einer erneuten musika- 



14 Joban Wikmanson und die Brüder Silverstolpe, Stockholm 1952. 

13 



lisch-stilgeschichtlichen Erforschung von Haydns sinfonischem Schaffen 
gewidmet, hat aber daneben (ganz besonders im Hinblick auf die Erstauf- 
führungen der Londoner Sinfonien) auch unsere Dokumentenkenntnis 
um eine große Fülle neuen Materials (in Ergänzung zu der seit Pohl 
kaum angerührten Dokumentargeschichte von Haydns Londoner Jahren) 
bereichert. 

Fast gleichzeitig mit dieser großen Arbeit Landons ist durch den verdien- 
ten Sammler und Haydnforscher Anthony van Hoboken, den Besitzer der 
weitaus größten Sammlung von Erstausgaben und sonstigen zeitgenös- 
sischen Drucken der Haydn-Zeit, der monumentale erste Band des seit 
langem vorbereiteten und angekündigten thematischen Katalogs vor- 
gelegt worden (Joseph Haydn. Thematisch-Bibliographisches Werkver^eichnis. 
Bd. I, Mainz 1957). Da ist auch eine Fülle von Briefen und Briefzitaten 
mit den im Katalog registrierten Werken Haydns in Zusammenhang ge- 
bracht und sachkundig kommentiert worden. 

Um dieselbe Zeit war auch schon die erneute Sichtung und kritische 
Bearbeitung des nach dem zweiten Weltkrieg in Budapest verbliebenen 
Esterhazy- Archivmaterials begonnen worden. Dabei handelte es sich im 
wesentlichen um dasselbe Material, das seinerzeit schon Pohl vorgelegen 
hatte. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß durch die drei Bände Pohls 
das auf Haydn bezügliche Esterhazy-Archivmaterial keineswegs aus- 
geschöpft war. Dem mit der erneuten Sichtung und sukzessiven Ver- 
öffentlichung der einschlägigen Archivalien beauftragten Kulturhistoriker 
Dr. Aristid Valkö ist es gelungen, die Zahl der seinerzeit durch Pohl 
zitierten Aktenstücke (Briefe und Gutachten Haydns sowie durch den- 
selben revidierte Rechnungen usw.) um ein beträchtliches zu vermehren. 
In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, daß der frühere Archivar 
der Esterhäzy-Sammlung in Budapest, Dr. Jdnos Hdrich (gegenwärtig 
Archivdirektor in Eisenstadt), dieser Ausgabe Valkös insofern schon vor- 
gearbeitet hatte, als er (in den 1930er Jahren) eine bedeutende Gruppe von 
Aktenstücken aus dem ungeheuren Familienarchiv der Fürsten Esterhazy 
heraushob und in die Spezialgruppe der Acta Musicalia (heute in der 
Theatersammlung der Nationalbibliothek Szechenyi in Budapest) zusam- 
menfaßte. Dennoch blieb aber für Valkö noch eine ungeheure Menge 
an Pionierarbeit zu leisten, da einerseits sich unter den Acta Musi- 
calia viele Hunderte von Aktenstücken befanden, die mit Haydn nichts 

14 



zu tun haben, andererseits aber damals (archivtechnischer Gründe 
wegen) bei weitem nicht alles auf Haydn und seine Musik bezügliche 
Material aus den geschlossenen Faszikeln des fürstlichen Familienarchivs 
durch Janos Harich gehoben werden konnte und über alle diese Archiva- 
lien sich in Budapest weder eine Übersicht noch irgendein Nachweis 
befand. So mußte zu diesem Zweck sozusagen das gesamte Esterhäzy- 
Archivmaterial neu gesichtet werden. Aus diesem im Laufe von vielen 
Jahren unendlich mühsam erarbeiteten Material sind die Grundlagen zu 
den zwei einschlägigen Publikationen Valkös hervorgegangen.' 5 — Hierzu 
muß auch bemerkt werden, daß noch vor diesen beiden Publikationen 
viele der durch Valkö erstmalig ermittelten (bzw. neu identifizierten) 
Brieftexte in Mikrofilm oder Textkopie den interessierten Haydnforschern 
Landon und Geiringer zur Veröffentlichung mitgeteilt wurden. 
Durch das von Valkö erarbeitete Archivmaterial ist die bisher größte 
Lücke des auf Haydns Leben bezüglichen Dokumentenmaterials geschlos- 
sen worden. So konnte es der unermüdlich aktive Haydnforscher H. C. 
Robbins "Landon schließlich unternehmen, nach umfangreichen Vorarbeiten, 
im Haydn- Jahr 1959 eine erste Gesamtausgabe aller Briefe und Notiz- 
bücher Haydns in englischer Sprache vorzulegen (The Collected Correspondence 
and London Notebooks of Joseph Haydn, London 1959, im folgenden immer 
als Landon CCLN abgekürzt). 

In dieser zusammenfassenden Publikation Landons sind rund 331 Briefe 
(von und an Haydn) in englischer Übersetzung veröffentlicht (rechnet 
man die 18 datierten Briefe der Mrs. Schröter aus dem 2. Londoner 
Notizbuch, die Landon nicht in die chronologische Folge aufnimmt, noch 
hinzu, dann sind es insgesamt 34p Stücke) . Was diese Zahl bedeuten will, 
mag daraus erhellen, daß in den bislang reichhaltigsten Editionen: bei 
Nohl 92, bei A.rtaria-Botstiber 57, im IJI. Band von Pohl-Botstiber nur 44 
Haydn-Briefe enthalten waren. Die sprunghaft angewachsene Zahl der 
durch Landon ermittelten und publizierten Briefdokumente ist erstaun- 
lich, selbst wenn wir in Betracht ziehen, daß von diesen 349 Stücken 
insgesamt 74 Briefe und Dokumente nicht von Haydn selbst stammen, 
sondern an Haydn gerichtet sind. 



15 Haydn mag/arors%agi müködise a kvütäri aktäk tUkriben. (1. Teil) Zenctudomänyi Tanulmä- 
nyok VI, Budapest 1957; und dass. (II. Teil) Zenetudomdnyi Tanulmänyok VIII, Budapest 
i960. Beide Studien sind auch separat erschienen. 

15 



Wie konnte es Landon gelingen, die Zahl der verfügbaren Haydn-Briefe 
plötzlich so bedeutend anwachsen zu lassen? Hierüber gibt das Vorwort 
seines Briefbandes Auskunft. Da unsere eigene Ausgabe hinsichtlich der 
Quellenbasis weitgehend auf die Ausgabe Landons gestützt ist, sei es 
gestattet, den betreffenden Abschnitt aus seinem Vorwort hier in deutscher 
Übersetzung zu zitieren: 

„Mehrere hundert Anfragebriefe an Bibliotheken, Buchhändler -Antiquare 
und Privatsammler lieferten die Grundlage zu dieser Sammlung . . . Die 
Autographe von Haydns Briefen sind über vier Kontinente und etwa 
14 Länder verstreut, von Japan bis Südrhodesien und den Vereinigten 
Staaten, fast alle europäischen Staaten inbegriffen. Bei der Aufgabe, die 
ich mir stellte, die Privatsammlungen aufzuspüren, in denen möglicher- 
weise Haydn-Briefe vorhanden sein könnten, wurde mir große Hilfe zuteil 
von etwa zwei Dutzend Buchhändler -Antiquaren, die mir die Namen 
und Adressen ihrer Klienten bekanntgaben. . . Meine Erfahrungen mit 
diesen vielbeschäftigten Herren und Damen waren die denkbar besten, 
und ich möchte ihnen hier sowohl gemeinsam als einzeln meinen Dank 
aussprechen. Auch jene Privatsammler, an die ich in dieser Angelegenheit 
schrieb, zeigten sich überaus hilfsbereit, ein bis zwei Ausnahmen ab- 
gerechnet . . . Ohne ihre Zuvorkommenheit würden einige Dutzend Briefe 
aus dieser Sammlung überhaupt fehlen, während die Texte von vielen 
anderen ungenau oder unvollständig erscheinen würden. — Ich habe 
auch Informationen und Quellen mit zwei Forschern ausgetauscht, die 
sich seit Jahren der Sammlung von Haydn-Briefen gewidmet hatten: 
mit Dr. Anthony van Hoboken in Ascona, der mir Fotokopien von Briefen 
aus seinem Besitz und auch von einigen anderen Stücken zuschickte, die 
mir zur Zeit unzugänglich waren; und mit Dr. E. H. Müller von Asow, 
dem Direktor des Internationalen Musikerbrief -Archivs (IMBA), der mir 
Fotoaufnahmen von Briefen verschaffte, deren Originale teils verschollen 
sind, teils sich (nicht zugänglich) in Privathand befanden . . . Beiden Herren 
gebührt mein Dank für ihre Mühewaltung und sachkundige Hilfe. 
Dr. E. F. Schmid aus Augsburg, der (i960 verstorbene) erste Editions- 
leiter der Mozart-Ausgabe, hat mir seinen Zettelkatalog der Haydn-Briefe 
zur Verfügung gestellt. . . Herr Paul Badura-Skoda unterzog sich — in- 
mitten anstrengender Konzerttourneen — zweimal der Mühe, unbekannte 
Haydn-Briefe für mich zu beschaffen, wofür ich ihm herzlichen Dank 

16 



schulde. Professor Jan LaRue (New York) erwies sich, wie immer, als ein 
unermüdlicher Mithelfer. Graf C. G. Stellan-Mörner in Stockholm hat für 
mich freundlicherweise zwei Haydn-Briefe aus schwedischem Privatbesitz 
kopiert. Miss Emily Anderson (London) war so freundlich, mir alle jene 
Privatsammlungen namhaft zu machen, in denen sie Beethoven-Briefe 
entdeckt hatte; auf diese Weise bin ich zu fünf ,neuen' Haydn-Auto- 
graphen gekommen. Mr. John Pashby von der Firma Sotheby and Co. nahm 
sich die große Mühe, mir eine Liste von all jenen Haydn-Briefen zuzu- 
schicken, die im Laufe der letzten Jahre durch seine Firma gingen. Für 
ähnliche Hilfe bin ich den Buchhändler -Antiquaren Herrn AM Rosenthal 
in Oxford, Mr. Cetil Hopkinson in London, Mr. Luden Goldschmidt in 
New York, Herrn Heinrich Eisemann in London, Herrn Heinrich Hinterberger 
in Wien, V. A. Heck in Wien, den Damen Miss Mary Benjamin in New 
York, Mrs. H. J. Lauf er in London, die sich bei meinen Nachforschungen 
besonders hilfreich zeigten, Dank schuldig . . . ". 

Soweit die Informationen Landons über die Methode seiner Sammler- 
tätigkeit und die von vielen Seiten genossene Hilfe bei seinen Nach- 
forschungen. — Aus alledem dürfte mit genügender Klarheit hervor- 
gehen: Wir betrachten die Briefausgabe Landons als eine bahnbrechende 
wissenschaftliche Quellensammlung, deren Bedeutung kaum hoch genug 
bewertet werden kann. Die eben angeführten Bemerkungen Landons 
mögen dartun, welch ungeheure Agilität und Energie dazu gehört haben 
muß, diese umfassende Briefsammlung zustande zu bringen. 
In bezug auf Landons Briefausgabe sei hier schließlich auf die in Auf- 
satzform verfaßte gründliche Besprechung von Hubert Unverricht hin- 
gewiesen (Die gesammelten Briefe und Tagebücher Joseph Haydns, in Die Musik- 
forschung 1963, H. 1, S. 53-62), die neben einer eingehenden Würdigung 
von Landons Sammelarbeit und Editionsmethode auch mehrere wichtige 
Ergänzungen bringt, die wir in unsere Ausgabe selbstverständlich ein- 
gearbeitet haben. 

Anläßlich der Budapester Haydn-Konferenz des Jahres 1959, an der 
H. C. R. Landon teilnahm, ist der Gedanke aufgeworfen worden, auf 
Grund dieser beispiellos reichen Quellensammlung Landons eine kritische 
Gesamtausgabe der Haydn-Briefe und Notizbücher endlich auch in der 
deutschen Originalsprache der meisten Dokumente herauszugeben. Der 
naheliegende Gedanke ist dann vom Corvina-Verlag in Budapest freudig 

17 



aufgegriffen und von diesem die gesamte Quellensammlung Landons 
(eine nahezu komplette Folge von Fotokopien und Mikrofilmen aller 
erreichbaren Haydn -Briefe) erworben worden. Mit der Arbeit der Heraus- 
gabe wurde der Unterzeichnete betraut, der sich inzwischen in den Stoff 
der Haydn-Dokumente gründlich eingearbeitet und im Jahre 196p (ge- 
meinsam mit Lds^ld Somfai) einen Dokumentenband, betitelt Haydn als 
Opernkapellmeister. Die Haydn-Dokumente der Esterhä^y-Opernsammlung 
(Budapest- Mainz i960), vorgelegt hat. Bestärkt wurden Herausgeber 
und Verlag in ihrem Vorhaben durch einen Budapester Besuch des be- 
kannten Haydnforschers Prof. Dr. Karl Geiringer, der die Dringlichkeit 
dieser Aufgabe auch seinerseits mit allem Nachdruck betonte. Dabei wurde 
auch die Gelegenheit benutzten die Neuausgabe des nunmehr als klassisch 
geltenden Haydn -Buches von Prof. Geiringer (Mainz 1959) Einsicht zu 
nehmen. Was diesen ausgezeichneten Band — ein überaus kluges und 
mit überlegener Sachkenntnis entworfenes Porträt des Komponisten und 
Menschen Haydn — von den älteren Ausgaben desselben (deutsch 1932, 
englisch 1946) positiv unterscheidet, ist eben die Einbeziehung einer Reihe 
von Briefen und Dokumenten, die in den letzten Jahren in Budapest 
ans Licht kamen und die bislang kaum erhellten Kapellmeister] ahre Haydns 
in Eisenstadt und Eszterhäza mit neuen Zügen beleuchten. 



Hier erhebt sich nun die Frage: Wie verhält sich die vorliegende Ausgabe 
der Briefe Haydns zur englischen Ausgabe Landons? — Zunächst war 
uns allen von vornherein klar, daß sowohl die vorbildlich komplett er- 
arbeitete Quellenbasis als auch die als ungemein praktisch erkannte 
Anordnung der Briefausgabe Landons im wesentlichen unverändert über- 
nommen werden sollte. Demgemäß ließ sich die Problematik der Aus- 
gabe für den Herausgeber auf folgende Punkte reduzieren: 

a) auf die genaue Umgrenzung des Stoffes, d. h., ob die durch Landon 
seinerzeit gezogenen Grenzen des eingearbeiteten Materials unverändert 
übernommen oder etwa leicht modifiziert werden sollten; 

b) auf die Textgestaltung selbst, d. h. die philologische Revision der 
Texte und die Prinzipien der Ausgabe. 

Auf diese zwei Aspekte unserer Arbeit sei im folgenden kurz eingegangen. 

18 



Es stand außer Frage, daß das gesamte Briefmaterial, das durch Landon 
mit ungeheurer Mühe erarbeitet worden war, auch in unsere deutsche 
Ausgabe aufgenommen werden mußte. Somit stand fest, daß jene 74 
Briefe und Dokumente, die nicht von Haydn geschrieben, sondern an Haydn 
gerichtet sind, ebenso wie bei Landon, auch in unserer Ausgabe stehen 
sollten. Einerseits ist ihre Zahl nicht so groß, daß sie den Band über 
Gebühr belasteten, andererseits wird durch sie das Zeitbild um ein 
beträchtliches farbiger und lebensvoller (vgl. z. B. die Antwort des Bonner 
Kurfürsten an Haydn in der Angelegenheit von Haydns großem Schüler 
Beethoven: Nr. 203 usw.). 

Dagegen sahen wir uns vor die Frage gestellt, wo die Grenze zwischen 
einem eigentlichen Brief und einem nicht mehr hierher gehörenden Doku- 
ment zu ziehen sei. ■ — Schon Landon selbst hat in dieser Hinsicht eine 
gewisse Freiheit walten lassen; in seinem Vorwort (S. VII) schreibt er 
darüber: „Das Esterhäzy -Archiv und andere private und öffentliche 
Bibliotheken enthalten viele Quittungen, entweder in Haydns Hand- 
schrift oder durch einen Beamten aufgesetzt und durch Haydn unter- 
zeichnet. Quittungen sind sicherlich keine Briefe, und darum habe ich 
von solchen nur wenige und nur solche hier eingeschaltet, die von ganz 
besonderem biographischem oder musikwissenschaftlichem Interesse zu 
sein schienen." — Schon Landon selbst hat also hier die Grenze nicht 
ganz scharf gezogen, indem er einige solcher Dokumente (die streng 
genommen doch nicht als Briefe gelten können) in seine Sammlung auf- 
nahm. Hier sind wir nun noch einen Schritt weiter gegangen. Im Laufe 
unserer Forscherarbeit um die Tätigkeit Haydns als Opernkapellmeister 
in Eszterhäza stießen wir im Esterhazy-Archiv auf eine Gruppe durch 
Haydn eigenhändig revidierter Dokumente (vornehmlich Opernkopiatur- 
kontenausden Jahren 1780-1790), die zur quantitativen und qualitativen 
Umgrenzung von Haydns dortiger Operntätigkeit von großer Bedeutung 
sind und die in den Partituren der Esterhazy-Opernsammlung nachweis- 
bare eigentliche Kapellmeisterarbeit von Haydn dokumentarisch unter- 
bauen. 

Wir haben die Grenze also prinzipiell ebendort gezogen wie Landon: 
als ausschlaggebendes Kriterium sollte die musikhistorische Bedeutsamkeit 
des Dokuments gelten. Eine bloße Quittung über das laufende Gehalt, 
eine schablonenhafte Rechnung über Notenpapier oder Rohrblätter für 

2 * 19 



Oboen (solche sind massenhaft für Eszterhdza berechnet worden) konnte 
natürlich ohne Schaden weggelassen werden. Wo es sich aber um ein 
Kopiaturkonto für genau benanntes Opernmaterial handelte (das von 
Haydn ausgewählt, einstudiert und aufgeführt wurde), da glaubten wir 
das betreffende Dokument mit Fug und Recht in unsere Sammlung aufneh- 
men zu müssen. Auf diese Weise hat sich (Landon gegenüber) ein Plus von 
3 7 Dokumenten und Briefen ergeben, von denen nur der kleinere Anteil 
tatsächlich neu aufgetauchte Briefe, der weitaus größere Teil dagegen mit 
Haydns Eszterhizaer Kapellmeistertätigkeit zusammenhängende und von 
Haydn eigenhändig revidierte Dokumente sind.' 6 Sie vermögen eben auf 
das (in der Literatur bis etwa i960 sonst etwas unerhellt gebliebene) 
Jahrzehnt 1780-1790 ein Licht zu werfen, das durch die Masse der 
Artaria-Briefe etwas allzu einseitig auf das Verlegerische beschränkte Bild 
des damaligen fürstlichen Kapellmeisters und Operndirektors Haydn 
organisch zu ergänzen und dadurch unbedingt lebensvoller, realistischer 
zu zeichnen. 

Somit beansprucht unsere Ausgabe gleichsam eine Art Mittelstellung 
zwischen einer eigentlichen Briefsammlung und einer Dokumentarbio- 
graphie von jenem Typ, wie er durch die hervorragenden Arbeiten von 
Otto Erich Deutsch in bezug auf Schubert, Händel (und jüngst auch auf 
Mozart) mit beachtlichem Erfolg geprägt worden ist. Auch die Methode 
von Deutsch, die erklärenden Notizen und Kommentare zu den einzelnen 
Dokumenten weder in Fußnoten noch am Ende des Bandes, sondern 
unmittelbar an die Einzeldokumente angeschlossen folgen zu lassen, hat 
sich bestens bewährt und ist sowohl von Landon als auch von unserer 
Ausgabe dankbar übernommen worden. Hierdurch wird die Benützung 
der Ausgabe um ein bedeutendes einfacher und handlicher. In einem 
ziemlich weit vorgeschrittenen Stadium unserer Arbeit (kurz vor der 
Drucklegung) hatten wir endlich Gelegenheit, die ersten drei Bände der 
hervorragend angelegten Gesamtausgabe der Briefe und Aufzeichnungen 



16 Zur ersten Orientierung seien hier jene Nummern unserer Sammlung aufgezählt, die 
bei Landon CCLN fehlen: Nr. i, 2, 10, 16, 17, 19, 22b, 24, 30, 32, 36, 37, 45, 50, 51,51b, 
57» 5 8 > 67, 73, 76, ioi, 113, 115, 125, 136, 138, 139, 205b, 216b, 237, 258, 260, 262, 267, 
305, 320: insgesamt 37 Stücke. Zählen wir noch die 18 datierten Briefe der Mrs. Schröter 
hinzu, so ergibt sich die Summe: 37 + 18 und dazu die 331 Nummern von Landon, 
so erhalten wir die Gesamtzahl unserer Ausgabe: 386 Briefe und Dokumente (ausschließ- 
lich der Londoner Notizbücher). 

20 



der Familie Mozart 17 noch heranziehen und hinsichtlich der Editions- 
prinzipien dankbar verwerten zu können. So haben wir gleichsam noch 
im allerletzten Moment unsere Ausgabe in vielen Details dieser muster- 
gültigen Mozart -Briefausgabe angleichen können. 

Hinsichtlich der Textgestaltung fand sich der Herausgeber dieser kri- 
tischen Ausgabe einer ganzen Reihe von Problemen philologischer Natur 
gegenüber, die bei orthographisch modernisierten oder in Übersetzung 
publizierten Briefausgaben (so z. B. auch bei Landon) von vornherein 
wegfielen. Da es sich hier um den ersten Versuch einer kritischen Gesamt- 
ausgabe der Originaltexte Haydns (bzw. seiner Briefpartner) handelte, soll- 
te — sogar auf Kosten der leichteren Lesbarkeit — die größtmögliche phi- 
lologische Originaltreue angestrebt werden. So mußte jede Art von „sinn- 
gemäßer", interpretativer Änderung der Originale von vornherein abge- 
lehnt werden, sowohl was die vielfach unlogische und fehlerhafte „Ortho- 
graphie" Haydns und seiner Partner, als auch was die vielfach irreführende 
undregellose Interpunktion der Originale anbelangt, ganz zu schweigen von 
der barbarischen Orthographie der fremdsprachigen (französischen, engli- 
schen, etwas weniger der italienischen) Texte. Ganz besonders die engli- 
schen Eigennamen sind von Haydn zumeist auf sonderbar verdrehte, oft 
phonetische Art geschrieben (so Ba%e für Bates, um nur ein besonders 
bezeichnendes Beispiel zu nennen). Natürlich haben wir Haydns origi- 
nale Schreibweise überall belassen bis auf die (maßvoll in Anspruch 
genommene) Freiheit, daß wir bei sehr auffallend verdrehten Namen die 
richtige Schreibung in eckiger Klammer beifügten. In der (u. a. von Landon 
geübten) Praxis, solche sonderbaren und überraschenden Schreibungen 
mit [sie] anzumerken, haben wir uns größte Zurückhaltung auferlegt. Im 
Falle einer konsequenten Handhabung dieses Mittels müßten nämlich 
manche Brieftexte mit solchen Zeichen förmlich übersät werden. In dieser 
Hinsicht sei uns gestattet, auf die diesbezügliche Bemerkung im Vorwort 
des I. Mozart-Brief bandes hinzuweisen (S. XI): „[Sic] oder ähnliche Hin- 
weise auf überraschende Schreibungen wurden vermieden. Der Leser wird 
also gebeten, selbst bei den merkwürdigsten Rechtschreibungen, bei Wie- 
derholung ein und desselben Wortes in zwei oder mehreren Lesarten 

17 MOZ ART. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe. Herausgegeben von der Intern. Stiftung 
Mozarteum Salzburg. Gesammelt und erläutert von W. A. Bauer und O. E. Deutsch. Bärenreiter, 
Kassel-Basel-Paris-London-New York 1962/196J (4 Textbände). 

21 



auch innerhalb eines engen Raumes überzeugt zu sein, daß hier dem Origi- 
nal genau gefolgt worden ist. — Im Falle eines immerhin möglichen 
Fehlers sei schon hier als Entschuldigung die menschliche Unzuläng- 
lichkeit angeführt." i 



Diese uns selbst vernünftigerweise auferlegte Angleichung an die Mozart- 
Ausgabe bezieht sich vor allem auf die Auflösung der von Haydn und 
seinen Zeitgenossen massenhaft verwendeten Sigeln und sigelartigen Ab- 
kürzungen, die von uns (im Einklang mit den Prinzipien der Mozart- 
Briefausgabe) zumeist als selbstverständlich stillschweigend aufgelöst wur- 
den, so u. a. v (in der Bedeutung: von), u (und), H oder Hr (Herr, Herrn), 
P (P er )> höfl. (höfliche, höflicher), G"' Cassa (General Cassa) , d (die, selten 
angewendet), Compl. (Compliment) usw. ; in italienischen Briefen: n (non). 
D r steht in der Grußformel der meisten Briefe für Diener (und nicht für 
Doctor, wie gelegentlich von älteren Herausgebern irrtümlich gelesen); 
einigemal auch/r. u. dr. (Freund und Diener) usw. Zwei von Haydn über- 
aus häufig angewendete Abkürzungen sind: d mit einer angeschlossenen 
(1-ähnlichen) Schlinge in der Bedeutung von das oder daß; und dieselbe 
Schlinge am Wortende in der Bedeutung von -en oder -em. In den wenigen 
Fällen, wo es problematisch schien, ob Haydn mit der schematischen 
Abkürzung -en oder -em meinte, haben wir die Tatsache der abgekürzten 
Schreibung besonders angemerkt. — ■ Die in Haydns Kopien der Schröter- 
Briefe von Haydn verwendeten besonderen Abkürzungen sind in dem 
jenen Briefen angeschlossenen Kommentar erklärt. Ebenfalls im Einklang 
mit der Mozart-Ausgabe wurden die sogenannten Faulheitsstriche über 
m und n (an Stelle der Verdoppelung) stillschweigend aufgelöst. Auch 
haben wir die von Haydn zumeist als 781 usw. (anstelle von 1781) geschrie- 
benen Jahreszahlen einheitlich auf die volle Jahreszahl ergänzt. 
Ein nicht ganz leicht zu lösendes Problem ergab sich hinsichtlich der 
kleinen oder großen Initialbuchstaben. Hierin hat sich Haydn an kein System 
gehalten; er gebraucht in buntem, regellosem Durcheinander große oder 
kleine Anfangsbuchstaben. Prinzipiell haben wir Haydns Willkür respek- 
tiert und die von ihm angewandte unlogische Schreibweise beibehalten. 
Schwierigkeiten und Probleme ergaben sich vor allem bei jenen Buch- 



staben, bei denen in Haydns Schrift die großen und kleinen Buchstaben 
sich nicht deutlich voneinander unterscheiden lassen: dies ist in seiner 
deutschen (gotischen) Kurrentschrift besonders bei den Anfangsbuch- 
staben „v" und „h" der Fall, die meist ganz nach Belieben klein oder groß 
gelesen werden können; ebenso können aber ganz offenbar klein gemeinte 
„v" und „h" als Großbuchstaben angesehen werden (daher bei Artaria- 
Botstiber die vielen sinnlosen Großbuchstaben). Wir haben in diesen 
strittigen Fällen eine sinnvolle Mäßigung walten lassen und nur dort 
Großbuchstaben angewendet, wo Haydn ganz offenkundig tatsächlich 
solche gemeint hat. Ähnliche Probleme ergeben sich in der lateinischen 
Schrift (der französischen und italienischen Briefe) mit dem langen „s"; 
dieser Buchstabe wird von den meisten Herausgebern groß gelesen, ob- 
wohl es sich doch offenbar nur um eine (aus der gotischen Kurrentschrift 
gedankenlos übernommene) Schreibgewohnheit, keineswegs aber um 
tatsächlich groß gemeinte Buchstaben handelt. Hier haben wir also zu- 
meist die sinnvollere Lesart mit kleinem „s" gewählt. 
Weiter oben wurde schon bemerkt, daß wir die vielfach befremdliche und 
wenig logische Interpunktion Haydns überall, wo es nur anging (d. h. wo 
uns die Originalhandschrift zur Verfügung stand), beibehalten haben, bis 
auf die einzige Freiheit, daß wir Haydns altertümliche Klammersetzung 
/: :/ einheitlich durch die besser lesbare moderne Form ( ) ersetzt haben. 
Die Stelle der (bei Haydn oft fehlenden) Interpunktionszeichen ist durch 
ein angemessenes Spatium angedeutet worden. 

Ein besonderes Problem bot schließlich die typographische Wiedergabe 
der verschiedenen (von Haydn in scheinbar buntem und regellosem Durch- 
einander gehandhabten) Hervorhebungsmethoden. Haydn hat dreierlei Arten 
von Hervorhebung angewendet: i. das Unterstreichen (verhältnismäßig 
selten, viel seltener als etwa die Familie Mozart), 2. die Vergrößerung 
der Buchstabentypen (z. B. in den Briefen an seinen Fürsten: „Durch- 
laucht" usw.) und 3. (dies am weitaus häufigsten) in den in deutscher 
Kurrentschrift geschriebenen Briefen: die häufige Untermischung von 
Einzelworten in Lateinschrift. Die ersten zwei Arten der Hervorhebung 
haben wir (dem Beispiel Landons folgend) einheitlich durch Kapitälchen- 
satz wiedergegeben, aber in den Fällen der (bei Haydn überaus seltenen) 
Hervorhebung durch Unterstreichung im Kommentar auf diesen Um- 
stand auch noch besonders hingewiesen. Die dritte Art (Lateinschrift der 

23 



italienischen, lateinischen usw. Fremdworte in den sonst mit gotischen 
Lettern geschriebenen Briefen) haben wir ursprünglich durch Kursivsatz 
hervorheben wollen, um dem originalen Schriftbild auch hierin so nahe 
wie möglich zu kommen. Wir sind aber von diesem an sich durchaus 
gerechtfertigten Vorgehen abgekommen — einerseits, um eine Verwechs- 
lung mit dem Kursivsatz der an Haydn gerichteten Briefe und Dokumente 
zu vermeiden, andererseits, um auch hierin mit der Mozart-Briefausgabe 
konform zu bleiben, in der auf diese Unterscheidung der Buchstaben- 
typen von vornherein verzichtet worden ist (Vorwort S. XI: Eine Unter- 
scheidung der „Kurrent-" von der „Lateinschrift" der Originale fällt 
infolge der durchgehenden Verwendung der Antiqua weg). 



Zum Schluß sei hier schließlich die Frage berührt: Inwiefern darf diese 
erste deutsche Gesamtausgabe der Briefe und Notizbücher Haydns als 
vollständig betrachtet werden? — Schon Landon macht in seinem Vor- 
wort auf den bezeichnenden Passus in einem Brief Haydns (Nr. 117) 
aufmerksam, wo Haydn an Eybler schreibt: „Verzeihen Sie mein kurz 
abgefastes schreiben, diss ist der 10 brief, so ich Expedier." Von den hier 
erwähnten zehn Briefen dieses Tages ist aber nur dieser einzige Brief 
erhalten. Sollen wir daraus etwa folgern, daß ungefähr der 9/10 Teil 
der Briefe Haydns spurlos verschollen ist? — Wir glauben, nicht so weit 
gehen zu müssen: der Tag mit den 10 Briefen muß eine Ausnahme gewe- 
sen sein. Haydn hat die Pflicht des Briefschreibens immer als eine drückende 
Last empfunden und sich dieser Pein nur widerwillig unterzogen. Er 
dürfte seine Korrespondenz für gewisse Tage der Woche aufgespart haben 
(ein solcher Tag wird eben jener des Briefes Nr. 117 gewesen sein), an 
dem er dann die verhaßte Korrespondenz auf einmal in aller Eile erledigte. 
Zweifellos ist eine große Anzahl seiner Briefe verlorengegangen (so z. B. 
die in Madrid vermuteten, aber heute nicht nachweisbaren Briefe an 
Boccherini, ferner die von UnverrichtGBT jj erwähnten Briefe an den Hof- 
kammerrat von Mastiaux in Bonn usw.). Aber das Ausmaß des Verlustes 
scheint doch nicht so katastrophal zu sein, wie man nach diesem einzigen 
Briefzeugnis annehmen könnte! Und dazu noch eines: Es ist leider wenig 
wahrscheinlich, daß in naher Zukunft noch eine größere Menge unbe- 

24 



kannter Haydn-Briefe irgendwo in der Welt auftauchen sollte. Schon die 
paar Jahre, die seit dem Erscheinen von Landons Sammlung (1959) bis 
zu dieser Ausgabe verstrichen sind, haben gezeigt, daß eine wesentliche 
Bereicherung und Ausweitung von Landons Quellenbasis in absehbarer 
Zeit nicht zu erwarten ist. Womit wir selbst das be; Landon vorliegende 
Quellenmaterial bereichern konnten, ist (abgesehen von den weiter oben 
genannten, streng genommen nicht als Briefe geltenden Dokumenten zum 
Opernbetrieb in Eszterhäza) zahlenmäßig wenig bedeutend. — Auf jeden 
Fall wollen wir aber hier jenen Personen und Instituten, die uns in der 
Beschaffung dieses neuen Materials mit Hinweisen und Quellen behilflich 
waren, unseren besonders herzlichen Dank aussprechen. Diese sind: Pro- 
fessor Dr. O. E. Deutsch in Wien, der uns auf den unveröffentlichten 
Haydn -Brief an Viotti (Nr. 205 b) aufmerksam machte und uns mehrere 
Besitzeradressen vermittelte; Archivdirektor Dr. Albert Hadnagy in Szek- 
szard (Ungarn), der die Originale der Briefe Nr. 69 und 74 in Szekszärd 
ermittelt und uns Fotokopien zugänglich gemacht hat; Dr. Anthony van 
Hoboken in Ascona, der uns den (bei ~Landon CCLN noch fehlenden) Brief- 
text Nr. 262 aus Edinburgh verschaffte und uns die erstmalige deutsche 
Publikation der in seinem Besitz befindlichen Briefe ausdrücklich ge- 
stattete; Bibliothekar O. W. Neighbour im British Museum, der uns mit 
Mikrofilmen aus London in dringender Not aushalf; Dr. Hubert Unverricbt, 
der uns über die Existenz der Jahnschen Brief kopien in Berlin freundlich 
informierte und durch private Mitteilung seines zur Veröffentlichung 
vorgesehenen Materials uns zu weiterem wertvollen Zuwachs der Quel- 
len verhalf; Dr. Wolf gang Reh/n in Kassel, der uns wichtige Besitzeradres- 
sen vermittelte und uns in der gesamten Textgestaltung wertvollste 
Hilfe zuteil werden ließ. Unser ganz besonders herzlicher Dank gebührt 
aber vor allem Frau Christa Landon in Wien, die schon seinerzeit für die 
englische Ausgabe H. C. R. Landons einen Großteil der deutschen 
Originaltexte bereitgestellt und uns jetzt mit einer großen Anzahl neu 
überprüfter Textkopien und mit der gründlichen Kollationierung vieler 
in Wien befindlicher Brieftexte überaus hilfreich beigestanden hat. Ihnen 
allen und noch vielen anderen Helfern, Freunden und hilfreichen Insti- 
tuten sei an dieser Stelle auf das herzlichste gedankt. 

Denes Martha 



LITERATUR- UND ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 
(Aus der Literatur sind hier nur die am häufigsten zitierten Quellen registriert) 

A. M. = Acta Musicalia (in der Theatersammlung der Nationalbibliothek Szechinyi, 
Budapest) ' 

AMZ = Allg. Mus. Zeitung = Allgemeine Musikalische Zeitung, Leipzig. 

Art-Bot. = F. Artaria und H. Botstiber: Joseph Haydn und das Verlagshaus Artaria. 
Wien 1909, 

B.M. = British Museum, London. 

Bartha-Somfai HOK = D. Bartha und L. Somfai: Haydn als Opernkapellmeister. Buda- 
pest-Mainz i960. 

Brand = C.M. Brand: Die Messen von Joseph Haydn. Würzburg 1941. 

Csatkai = A. Csatkai: Aus dem Haydnzimmer der Wolfsammlung. Burgenländische Heimat- 
blätter, Jg. I, Heft 1, 1932. 

Deutsch MDL = 0. E. Deutsch: Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Kassel-Basel- 
London-New York 1961. 

Diemand = A. Diemand: Joseph Haydn und der Wallersteinsche Hof. Zeitschrift des 
Histor. Vereins für Schwaben und Neuburg, Bd. 45, 1920-22. 

Dies = A. C. Dies: Biographische Nachrichten von Joseph Haydn. Wien 1810. Neu- 
ausgabe von H. Seeger, Berlin 1959. 

EA-TS, A. M. = Esterhäzy-Archiv (Theatersammlung der Nationalbibliothek [N. B.] 
Szechenyi, Budapest), Acta Musicalia. 

ED = Erstdruck. 

(eÜb) = englische Übersetzung. 

Geiringer/i = K. Geiringer: Joseph Haydn. Potsdam 1932. 

Geiringer MQ = K. Geiringer: Haydn and the folksong of the British Isles; in The Musical 
Quarterly, 1949. 

Geiringer/2 = K. Geiringer: Joseph Haydn. Der schöpferische Werdegang eines Meisters 
der Klassik. Mainz 1959. 

Gerber HBLT = E. L. Gerber: Historisch-biographisches Lexicon der Tonkünstler, 
Bd. I — II. 1790-1792. 

Gerber NHBLT = E. L. Gerber: Neues Hist.-Biogr. Lexicon der Tonkünstler, Bd. 
1 — 4. 1812-14. 

Griesinger = G. A. Griesinger: Biographische Notizen über Joseph Haydn. Leipzig 18 10. 
Neuausg. von Franz Grasberger, Wien 1954. 

Hdrich EMG = /. Hdrich: Esterhäzy-Musikgeschichte im Spiegel der zeitgenössischen 
Textbücher. Eisenstadt 1959. 

Härich ROKH = /. Hdrich: Das Repertoire des Opernkapellmeisters J. Haydn in Eszter- 
häza (1780-1790). Haydn-Jahrbuch, Bd. I, 1962, S. 9 fr. 

Hase = H. von Hase: Joseph Haydn und Breitkopf und Härtel. Leipzig 1909. 

Hob. I = A. van Hoboken: Joseph Haydn. Thematisch-bibliographisches Werkverzeichnis, 
Bd. I. Mainz 1957. 

Horänyi EF = M. Horänyi: Das Esterhäzysche Feenreich. Budapest 1959. 



IMBA = Internationales Musikerbrief-Archiv (Berlin). 

K. = Kopie. 

Karajan = T. G. von Karajan: J. Haydn in London, 1791 und 1792. Jahrbuch für Vaierl. 
Geschichte, Wien 1861 (auch separat). 

Landon CCLN = H. C. R. London: The Collected Correspondence and London Note- 
books of Joseph Haydn. London 1959. 

LS = H. C. R. Landon: The Symphonies of Joseph Haydn. London 1955. 

Larsen HÜb = /. P. Larsen: Die Haydn-Überlieferung. Kopenhagen 1939. 

Larsen 3HK = /. P. Larsen: Drei Haydn-Kataloge in Faksimile. Kopenhagen 1941. 

Mörner JWBS = C.-G. Stellan Mörner: Johann Wikmanson und die Brüder Silverstolpe. 
Stockholm 1952. 

Nohl/i = L. Nohl: Musiker-Briefe. Leipzig 1867. 

Nohl/2 = L. Nohl: Musiker-Briefe. 2., vermehrte Ausg. Leipzig 1873. 

Nowak/i = L. Nowak: Joseph Haydn. Wien 195 1. 

Nowak/2 = L. Nowak: Joseph Haydn. z., rev. Ausgabe. Wien 1959. 

O = Originalhandschrift. 

ÖNB = Österreichische Nationalbibliothek, Wien. 

Pohl I, II = C. F. Pohl: Joseph Haydn, Bd. I: Berlin 1875 und Leipzig 1878; Bd. II: 
Leipzig 1882. 

Pohl III = Joseph Haydn. Unter Benützung der von C. F. Pohl hinterlassenen Materialien 
weitergeführt von H. Botstiber. Leipzig 1927. 

Pohl HiL = C.F. Pohl: Haydn in London. Wien 1867. 

Pohl Denkschrift = C. F. Pohl: Denkschrift aus Anlaß des hundertjähr. Bestehens der 
Tonkünstler-Societät. . . Wien 1871. 

Sandberger GHS = Sandberger: Zur Geschichte des Haydnschen Streichquartetts. 
Altbayer. Monatsschrift, 1900, S. 1 ff. 

Sandberger AAMG = Sandberger: Ausgew. Aufsätze zur Musikgeschichte. München 
1921 (darin auch der Aufsatz GHS). 

Sandberger NH = Sandberger: Neue Haydniana; in Jahrbuch der Musikbibl. Peters für 1933. 
Leipzig 1934. 

Sandys-Forster HV = W. Sandys and S. A. Forster: The History of the Violin. London 
1864. 

S chmid BVHM = E. F. Schmid: Joseph Haydn. Ein Buch von Vorfahren und Heimat des 
Meisters, Kassel 1934. 

Unverricht GBT = H. Unverricht: Die gesammelten Briefe und Tagebücher Joseph 
Haydns; in Die Musikforschung, Jg. XVI, 1963, S. 53 ff. 

Unverricht SD = H. Unverricht: Die Simrock-Drucke von Haydns Londoner Sin- 
fonien. Studien %ur Musikgeschichte des Rheinlandes II: Beiträge zur rheinischen Musik- 
geschichte, Heft 52. Köln 1962, S. 235 ff. 

Valkö I. = A. Valkö: Haydn magyarorszägi müködese a leveltari aktäk tükreben. Zene- 
tudomänyi Tanulmdnyok VI. Budapest 1957. 

Valk6 II. = A. Valkö: Haydn magyarorszägi müködese a leveltari aktäk tükreben. 
Zenetudomdnyi Tanulmänyok VIII. Budapest i960. 

27 



3- 
4- 
/• 
6. 

7- 
8. 

9- 
io. 
ua 
nb 

12. 

13- 
14. 

15- 
16. 

17- 
18. 
19. 

20. 

21 . 

22a. 

22b 

23. 

24. 

25- 
26. 

2 7- 
28. 
29. 
30. 

3 1 - 

32. 

33- 
34- 



CHRONOLOGISCHES VERZEICHNIS DER BRIEFE UND 
AUFZEICHNUNGEN 

(Die an Haydn gerichteten Briefe sind durch Kursivdruck kenntlich gemacht.) 

Dekret des Fürsten Esterhazy über die Anstellung 

J. Haydns Wien, 1. 5 

Haydns Befehlsschreiben an Melchior Grießler Wien, 4. 3 

Haydns Eingabe an den Fürsten Nikolaus I Esterhazy Eisenstadt, 9. 9 

Bericht Rahiers an den Fürsten N. I Esterhazy Eisenstadt, 13. 9 

Fürst Esterhd%j an Haydn: „Regulatio Chori KissMartoniensis" Silttör, — — 

Haydn an den Fürsten N. I Esterhazy 

Haydn an den fürstl. Sekretär Anton Scheffstoß 

Haydn nach Zwettl: Begleitbrief zum Applausus 

Haydn an den fürstl. Sekretär Anton Scheffstoß 

Haydns Verrechnung über Reisekosten nach Preßburg 
, Haydns Eingabe an den Fürsten N. I Esterhazy 
.Haydn an den Fürsten N. I Esterhazy 

Kontrakt zwischen Pohl und Marteau in Haydns 

Gegenwart Eisenstadt, 21. 12. 

Haydn an den fürstl. Sekretär Anton Scheffstoß Eisenstadt, 9. 1. 

Haydns Eingabe an den Fürsten N. I Esterhazy — März 

Haydns Quittung über ein Legat Eisenstadt, 29. 4. 

Haydns Quittung über Ausgaben zur Oper Eisenstadt, 30. 11. 

Fürst N. I Esterhazy an den Regenten Rahier Wien, 16. 3. 

Haydns Eingabe an den Fürsten N. I Esterhazy — März 

Meldung Rahiers an den Fürsten N. I Esterhazy Eisenstadt, 9. 9. 

Haydns Eingabe an den Fürsten N. I Esterhazy — März 

Haydn an Mlle. Leonore: autobiogr. Skizze Estoras, 6, 

Haydn an den Esterhazy-Kanzleibeamten Seitz 



— 5. 12 
Eisenstadt, 20. 3 

Eisenstadt, 22. 
Eisenstadt, 16. 

— Herbst 
— Nov. 



Eisenstadt, 

Eisenstadt, 

Wien, 

Eisenstadt, 

Estoras, 
Estoras, 1. 
.Neuer Dienstkontrakt Haydns mit dem Fürsten Esterhazy Estoras, 1. 

Haydn an Th. Huber (Tonkünstler-Societät in Wien) Estoras, 4. 

Haydn an? — Konzeptfragment in ital. Sprache — 

Haydn an Artaria Estoras, 31. 

Haydn an Artaria Estoras, 8. 

Haydn an Artaria Estoras, 25. 

Haydn an Artaria Estoras, 20. 

Haydn an Artaria Estoras, 29. 

Kopiaturkonto für den Opernbetrieb in Eszterhaza, 

von Haydn rev. 

Haydn an einen unbenannten Esterhazy-Gutsbeamten 

Haydns Rechnung über Notenpapier-Ankäufe 

Haydn an Artaria 

Haydn an Artaria 



Estoras, 19. 6. 
Estoras, 7. 11. 
Estoras, — Dez. 
Estoras, 27. 5. 
Estoras, 23. 6. 



1761 
1762 
1765 
1765 
176J 
1766 
1768 
1768 
1768 
1769 
1770 
1771 

1771 
1772 

1773 
1773 
1773 
1774 
1774 
1775 
1776 
1776 
"777 
1779 
1779 
1779 
1780 
1780 
1780 
1780 
1780 

1780 
1780 
1780 
1781 
1781 



28 



3 5 . Haydn an Attaria 

36. Jahres-Kopiaturkonto für den Opernbetrieb, 
von Haydn tev. 

37. Haydn an die Tonkünstler-Societät in Wien 
38a. Haydn an Artaria 

3 8b. Haydn an Artaria (verschollen) 

39. Haydn an J. C. Lavater 

40. Haydn an den Fürsten K. E. zu Öttingen-Wallerstein 

41 . Haydn an Artaria 

42. Haydn an Artaria 

43 . Haydn an Artaria 

44. Hofkammerrat St. George an Haydn 

45 . Jahres-Kopiaturkonto für den Opernbetrieb, 
von Haydn rev. 

46. Haydn an Artaria 

47. Haydn an Artaria 

48. Haydn an Artaria 

49. Haydn an Artaria 

50. Jahres-Kopiaturkonto für den Opernbetrieb, 
von Haydn rev. 

51a. Notenpapiet -Ankauf 

51b. Haydn: Besetzungslisten zu zwei Opern in Eszterhäza 

52. Haydn an Artaria 

5 3 . Haydn an Artaria 

54. Haydn an Artaria 

5 5 . Haydn an Artaria 

56. Haydn an den Verleger Boyer 

57. Ankauf von Opernmaterial, von Haydn rev. 

58. Jahres-Kopiaturkonto zur Oper, von Haydn rev. 

59. Haydn an Artaria 

60. Prinz Heinrich von Preußen an Haydn 

61 . Haydn an Artaria 

62. Haydn an Artaria 

63 . Haydn an Artaria 

64. Haydn an Artaria 

65 . Haydn an den Verleger Nadermann 

66. Haydn an Artaria 

67 . Jahres-Kopiaturkonto für den Opernbetrieb, 
von Haydn rev. 

68. Haydn an den Hofsekretär F. Ph. v. Weber 

69 . Haydn an den Grafen Anton Georg Apponyi 

70. Dedikation einer Quartettserie Mozarts an Haydn 

71. Haydn an Artaria 



Estoras, 20. 7. 1781 



Estoras, 


— 


9 


1781 


— Sept.-Okt 


1781 


Estoras, 


18. 


10 


1781 


Estoras, 


23. 


11 


1781 


Wien, 


3- 


12 


1781 


Wien, 


3- 


12 


1781 


Estoras, 


4- 


1 


1782 


Estoras, 


20. 


1 


1782 


Estoras, 


15- 


2 


1782 


allerstein, 


18. 


2 


17 S 2 


Estoras, 


20. 


6 


1782 


- 24- 


- 2 5- 


?7- 


1782 


Estoras, 


16. 


8 


1782 


Estoras, 


29. 


9 


1782 


Estoras, 


20. 


10. 


1782 


Estoras, 


_ 


12 


1782 


Estoras, 


1. 


1 


1783 


— 


Jan 


. 


1783 


Estoras, 


27- 


1. 


1783 


Estoras, 


20. 


3- 


1783 


Estoras, 


8. 


4- 


1783 


Estoras, 


18. 


6. 


1783 


Estoras, 


*5- 


7- 


1783 


Estoras, 


30. 


9 


1783 


Estoras, 


24. 


11 


1783 


Estoras, 


3- 


2. 


1784 


Berlin, 


4- 


2 


17S4 


Estoras, 


1. 


3 


1784 


Estoras, 


5- 


4- 


1784 


Estoras, 


8. 


4- 


1784 


Estoras, 


18. 


5- 


1784 


Estoras, 


25- 


10, 


1784 


Estoras, 


20. 


11 


1784 


Estoras, 


3' 


12 


1784 


Wien, 


29. 


12 


1784 


Estoras, 


2. 


2. 


1785 


Wien, 


1. 


9- 


i 7 Sf 


Estoras, 


26. 


11. 


1785 



29 



72. Haydn an Artaria 

73 . Jahres-Kopiaturkonto für den Opembetrieb, 
von Haydn rev. (verschollen) 

74. Haydn an Nanette Peyer 

75 . Haydns Kontfakt mit dem Verleger W. Forstet 

76. Jahres-Kopiatuikonto für den Opernbetrieb, 
von Haydn rev. 

77. Haydn an Artaria 

78. Haydn an Artaria 

79. Haydn an Artaria 

80. Haydn an Artaria 

81. Haydn an den Verleger W. Forster 

82. 'Friedrich Wilhelm IL von Preußen an Haydn 

83. Haydn an Artaria 

84. Haydn an Artaria 

85. Haydn an Joseph Eybler 

86. Haydn an Artaria 

87. Haydn an Artaria 

88. Haydn an Artaria 

89. Haydn an Artaria 

90. Haydn an den Verleger W. Forster 

91 . Haydn an Artaria 

92. Haydn an J. Gallini 

93 . Haydn an G. A. Kreusser 

94. Haydn an Artaria 

95 . Haydn an den Verleger W. Forster 

96. Haydn an Artaria 

97. Haydn an den Verleger W. Forster 

98. Haydn an Artaria 

99. Haydn an Artaria 

100. Haydn an Artaria 

101 . Jahres-Kopiaturkonto für den Opembetrieb, 
von Haydn rev. 

102. Haydn an Franz Rott 

103 . Haydn an den Hofagenten F. v. Müller 

104. Haydn an Artaria 

ioj. Haydn an den Verleger W. Forster 

106. Haydn an Artaria 

107. Haydn an Artaria 

108. Haydn an Artaria 

109. Haydn an Artaria (verschollen) 

110. Haydn an Artaria 
m. Haydn an Artaria 



Estoras, 10. 12. 1785 





— 




[1785] 


Estoras, 


5- 


5 


1786 


Esterhaz 


> ' 




.1786 


Estoras, 


29. 


12 


1786 


Estoras, 


11. 


2 


1787 


Estoras, 


14. 


2 


1787 


Estoras, 


27- 


2 


1787 


Estoras, 


7- 


3 


1787 


Estoras, 


8. 


4 


1787 


Potsdam, 


21. 


4 


1787 


Estoras, 


26. 


4 


1787 


Estoras, 


2. 


5 


1787 


Estoras, 


2. 


5 


1787 


Estoras, 


19. 


5- 


1787 


Estoras, 


10. 


6. 


1787 


Estoras, 


ZI. 


6 


1787 


Estoras, 


23. 


6 


1787 


Estoras, 


28. 


6 


1787 


Estoras, 


IZ. 


7- 


1787 


Estoras, 


19. 


7- 


1787 


Estoras, 


28. 


7- 


1787 


Estoras, 


2. 


8 


1787 


Estoras, 


8. 


8. 


1787 


Estoras, 


16. 


9- 


1787 


Estoras, 


20. 


9- 


1787 


Estoras, 


7- 


10 


1787 


Estoras, 


22. 


11. 


1787 


Estoras, 


27- 


11 


1787 


Estoras, 


I. 


12 


1787 




— Dez 


1787 


Estoras, 


3- 


2 


1788 


Estoras, 


16. 


2 


1788 


Estoras, 


28. 


2 


1788 


Estoras, 


22. 


5 


1788 


Estoras, 


10. 


8 


1788 


Estoras, 


17- 


8 


1788 


Estoras, 


29. 


8 


1788 


Estoras, 


22. 


9 


1788 


Estoras, 


z6. 


10 


1788 



3 C 



uz. Haydn an Attaria 

113. Jahres-Kopiaturkonto für den Opernbetrieb, 
von Haydn rev. 

114. Haydn an Artaria 

it} . Chr. G. Breitkopf an Haydn 

116. Haydn an J. Traeg 

117. Haydn an Joseph Eybler 

118. Haydn an Artaria 

119. Haydn an den Verleger Chr. G. Breitkopf 

120. Haydn an den Verleger J. G. Sieber 

121. Haydn an Artaria 

122. Marianne von Genzinger an Haydn 
12}. Haydn an Marianne von Genzinger 
124. Haydn an Artaria 

125 . Ankauf von Opernpartituren, von Haydn rev. 

126. Haydn an den Verleger J. G. Sieber 

127. Haydn an den Verleger J. G. Sieber 

128. Haydns Eingabe an den Fürsten Nikolaus I Esterhäzy 

129. Haydn an den Hofagenten F. v. Müller 
1} . Marianne von Genzinger an Haydn 

131. Haydn an Marianne von Genzinger 
i)2 . Marianne von Genzinger an Haydn 

133. Haydn an Artaria 

134. Haydn an Marianne von Genzinger 
135 . Haydn an den Hofagenten F. v. Müller 

136. Jahres-Kopiaturkonto für den Opernbetrieb, 
von Haydn rev. 

137. Haydn an Artaria 

138. Haydns Bestätigung an Artaria 

139. Haydns Bestätigung und Quittung an Artaria 

140. Haydn an Marianne von Genzinger 

141 . Haydn an Marianne von Genzinger 

142. Haydn an Marianne von Genzinger 
143a. Haydn an Marianne von Genzinger 
143b. Haydn an Artaria 

144. Haydn an Marianne von Genzinger 

145 . Haydn an Marianne von Genzinger 

146. Haydn an Marianne von Genzinger 

147. Haydn an F. J. van der Null 

148. Haydns Empfehlungsschreiben für Joseph Eybler 

149 . Haydn an Marianne von Genzinger 

150. Haydn an Marianne von Genzinger 

151. Haydn an Marianne von Genzinger 



Estoras, 


16. 


11. 


1788 


Estoras, 


29. 


12. 


1788 


Estoras, 


8. 


3- 


1789 


Leipzig, 


10. 


/. 


'7h 


Estoras, 


8. 


3- 


1789 


Estoras, 


2 7- 


5- 


1789 


Estoras, 


Z9. 


}• 


1789 


Estoras, 


5- 


4- 


1789 


Estoras, 


5- 


4- 


1789 


Estoras, 


6. 


4- 


1789 


Wien, 


10. 


6. 


i 7 8 9 


Estoras, 


14. 


6. 


1789 


Estoras, 


5, 


1- 


1789 


— 


14. 


7- 


1789 


Estoras, 


2 7- 


7- 


1789 


Estoras, 


28. 


8. 


1789 


Kismarton, 


10. 


10. 


1789 


Estoras, ca. 


17- 


10. 


1789 


Wien, 


29. 


10. 


i 7 8 9 


Estoras, 


7- 


11. 


1789 


Wien, 


12. 


//. 


17h 


Estoras, 


15- 


11. 


1789 


Estoras, 


18. 


11. 


1789 


Estoras, 


29. 


11. 


1789 


Estoras, 


30. 


12. 


1789 


Wien, 


11. 


1. 


1790 


Wien, 


J 3- 


1. 


1790 


Wien, 


13^ 


1. 


1790 


Wien, 


Z3. 


1. 


1790 


Wien, 


3- 


2. 


1790 


Estoras, 


9- 


2. 


1790 


Estoras, 


14. 


3- 


1790 


Estoras, 


6. 


5- 


1790 


Estoras, 


!3- 


■)■ 


1790 


Estoras, 


30. 


5- 


1790 


Estoras, 


6. 


6. 


1790 


Estoras, 


7- 


6. 


1790 


Estoras, 


8. 


6. 


1790 


Estoras, 


zo. 


6. 


1790 


Estoras, 


27- 


6. 


1790 


Estoras, 


4- 


7- 


1790 



3 1 



lyz . Marianne von Genzinger an Haydn 

153. Haydn an den Beamten Joseph Züsser 

154. Haydn an Marianne von Genzinget 

155. Haydns Erklärung an Artaria 

156. Haydn an Marianne von Genzinger 

157. Haydn an Marianne von Genzinger 

158. Haydn an den Fürsten Anton Esterhdzy 

159. Haydn an Luigia Polzelli 

160. Haydns offener Brief an Mr. Hayward 

161 . Rebecca Schröters Billett an Haydn 

162. Haydn an Luigia Polzelli 

163. Haydn an Marianne von Genzinger 

164. Haydn an Marianne von Genzinger 
165 . Haydn an Marianne von Genzinger 

166. Haydn an Luigia Polzelli 

167. Haydn an Marianne von Genzinger 

168. Haydn an J. M. Puchberg 

169. Haydn an Luigia Polzelli 

170. Haydn an Marianne von Genzinger 

171. Haydn an Marianne von Genzinger 

172. Rebecca Schröter an Haydn 

173. Haydn an J. J. Dussek 

174. Haydn an Marianne von Genzinger 
17 J. Rebecca Schröter an Haydn 

176 . Rebecca Schröter an Haydn 

177. Rebecca Schröter an Haydn 

178. Haydns offener Brief an Ch. Clagget 

179. Haydn an den Fürsten Anton Esterhäzy 

180. Rebecca Schröter an Haydn 

181. Rebecca Schröter an Haydn 

182. Haydn an Marianne von Genzinger 
18). Rebecca Schröter an Haydn 

184. Rebecca Schröter an Haydn 
18 j. Rebecca Schröter an Haydn 

186 . Rebecca Schröter an Haydn 

187. Haydn an Luigia Polzelli 

188 . Rebecca Schröter an Haydn 
18 '9. Rebecca Schröter an Haydn 
19 . Rebecca Schröter an Haydn 

191. Rebecca Schröter an Haydn 

192. Haydn an Luigia Polzelli 
19) . Rebecca Schröter an Haydn 
194. Rebecca Schröter an Haydn 



Wien, 


11. 


7 


1790 


Estoras, 


3i- 


7 


1790 


Estoras, 


15- 


8 


1790 


Wien, 


22. 


11 


1790 


Calais, 


31- 


12 


1790 


London, 


8. 


i 


1791 


London, 


8. 


1 


1791 


London, 


14. 


3 


1791 


London, ca 


• 25- 


5 


1791 


London, 


29. 


6 


179' 


London, 


4- 


8 


1791 


London, 


17- 


9- 


1791 


London, 


13- 


10 


1791 


London, 


17. 


11 


1791 


London, 


13- 


12 


1791 


London, 


20. 


12 


1791 


London, 


- Jan 


1792 


London, 


14. 


1 


1792 


London, 


17- 


1 


1792 


London, 


2. 


2 


1792 


London, 


8. 


2 


1792 


London, 


26. 


2 


1792 


London, 


2. 


i- 


1792 


London, 


7- 


} 


1792 


London, 


4- 


4 


1792 


London, 


8. 


4- 


1792 


London, 


April 


1792 


London, 


10. 


4 


1792 


London, 


12. 


4 


1792 


London, 


19- 


4 


1792 


London, 


24. 


4 


1792 


London, 


24. 


4 


1792 


London, 


2. 


/ 


1792 


London, 


8. 


/ 


1792 


London, 


17- 


/ 


1792 


London, 


22. 


5 


1792 


London, 


22. 


/ 


1792 


London, 


1. 


6 


1792 


London, 


6. 


6 


1792 


London, 


10. 


6 


1792 


London, 


13- 


6 


■ i79 2 


London, 


14. 


6 


. 1792 


London, 


16. 


6 


1792 



32 



iyj. Rebecca Schröter an Haydn 

196. Haydn an Mafianne von Genzinger 

197. Pietro Polzelli und Haydn an Luigia Polzelli 

198. Haydn an Marianne von Genzinger 

199. Haydns Quittung an Artaria 

200. Haydn an Luigia Polzelli 

20 1 . Haydn an den Wiener Magistrat 

202. Haydn an den Kurfürsten Maximilian Franz 
20 ß. Kurfürst Maximilian Franz an Haydn 

204. Haydn an Joseph Weigl 
205a. Haydn an John Parke 
205b. Haydn an G. B. Viotti 

206. Haydns Billett an Thomas Holcroft 

207. Haydn an Charles Burney 

208. Haydns Vertrag mit Salomon 

209. Haydns Vertrag mit Salomon 

210. Haydn an F. J. van der Null 

21 1 . Haydn an die Kommission des englischen Parlaments 

212. Haydn an Chr. G. Breitkopf 

213. Haydn an Chr. G. Breitkopf 

214. Haydn an einen Esterhäzyschen Verwaltungsbeamten 
21 j. Salier! und Wranit^ky an Haydn 

21 6a. Haydn an den Grafen Franz Saurau 

2 ifb, Billett des Verlegers N. Simrock an Haydn 

217. Haydn an den Kammerdiener Kürchner 

218. Haydn an C. F. Fredenheim 

219. Haydn an J. P. Salomon 

220. Haydn an Chr. G. Breitkopf 

221. Haydns Ankündigung der Schöpfung 

222. Haydn an einen Freund in England (Papendiek ?) 

223 . Haydn an einen unbekannten Freund 

224. Haydn an Artaria 

22/. Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn 

226. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy 

227. Haydn an Artaria 

228. Haydn an F. X. Glöggl 

229. Haydn an den Grafen Brühl (?) 

230. Haydn an den Musikdirektor Knoblich 

231. Haydn an Artaria 

2)2 . Charles Burney an Haydn 

233. Haydn an Charles Burney 

234. Haydn an den Organisten Veitmann 

235. Haydn an den Lexikographen E. L. Gerber 



London, 26. 6. 1792 

Wien, 4. 8. 1792 

Wien, 22. 10. 1792 

Wien, 13. 11. 1792 

Wien, 7. 12. 1792 

Eisenstadt, 20. 6. 1793 

Wien, 14. 8. 1793 

Wien, 23. 11. 1793 

Bonn, 2). 12. ijy) 

Wien, 11. 1. 1794 

London, 22. 10. 1794 

London, 19. 12. 1794 

London, — 1794-95 

London, — 

London, 13. 

Wien, 27. 

Wien, 25. 

Wien, 15. 

Wien, 16. 

Wien, 9. 



1794-95 
8. 1795 

2. 1796 

3. 1796 

4. 1796 
4. 1796 

11. 1796 
1796-97 
1. 1707 
1. 1797 



Wien, 20 
Wien, ca. 28 

Bonn, 20. 10. 1797 

Wien, 1. 6. 1798 
— Ende Apr. 1799 

Wien, 18. 5. 1799 

Wien, 12. 6. 1799 

Wien, 15. 6. 1799 

Wien, 25. 6. 1799 

Wien, 5. 7. 1799 

Eisenstadt, 12. 7. 1799 

Eisenstadt, 18. 7. 179) 

Eisenstadt, Juli-Sept. 1799 

Eisenstadt, 20. 7. 1799 

Wien, 24. 7. 1799 

Wien, 10. 8. 1799 

Wien, 10. 8. 1799 

Eisenstadt, 15. 8. 1799 

Chelsea, 19. 8. 1709 

Wien, 14. 9. 1799 

Wien, 21. 9. 1799 

Wien, 23. 9. 1799 



33 



2} 6. Simrock an Haydrt 

237. Haydns Billett an I. Seyfried (verschollen) 

238. Haydn an Cht. G. Bteitkopf 

239. Haydns Eingabe an den Magisttat Baden bei Wien 

240. Haydn an einen Freund (Hummel ?) 

241 . Eheversprechen Haydns an Luigia Polzelli 

242. J. B. Böbeim (Berlin) an Haydn 

243 . Haydn an Griesinger (verschollen oder gar nicht existiert) 

244. Haydn an G. Chr. Härtel 

245 . Haydn an Anton Stoll 

246. G. Chr. Härtel an Haydn 

247. Haydn an Luigia Polzelli (Fragment) 

248. Haydn an G. Heibig 

249. Haydn an Attaria 

250. Haydn an Artaria 

251. Haydns Zeugnis für Johann Spech 
25 2 . Haydn an Artaria 

253. Haydn an Paul Wranitzky 

254. Haydn an Artaria 

255. Haydn an Artaria 

256. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy 
2} 7. Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn 

258. Haydn an die Philharmonische Gesellschaft in Laibach 
(Fragment) 

259. Haydn an A. Härtung (verschollen) 

260. Haydns Vorbericht zu den Sieben Worten 

261. Fürst Nikolaus II Esterbdzy an Haydn, 

262. Haydn an George Thomson 

263 . Haydn an Hyde & Clementi 

264. Haydn an Ignaz Pleyel 
26 j. Die Gesellschaft Felix Meritis an Haydn 

266. Haydn an den Freiherrn Droste-Hülshoff 

267 . Schulmeister Ockl an Haydn (verschollen) 

268. Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn 

269. Haydn an G. A. Griesinger 

270. Haydn an G. A. Griesinger 

271. Schulmeister Ockl an Haydn, (verschollen) 

272 . Haydn an G. A. Griesinger 
27) . Huldigungsschreihen 142 französischer Musiker an Haydn 

274. Haydn an G, A. Griesinger 

275 . Haydn an den Schulmeister Ockl 

276. A. Bi/ijn (Amsterdam) an Haydn 

277. Haydn an die 142 französischen Musiker 



Bonn, 


)0. 


9- 


"799 


Wien, Ende Okt. 


1799 


Wien, 


1. 


11. 


1799 


Baden, 


24. 


3- 


1800 


Wien, 


11. 


5- 


1800 


Wien, 


23. 


5- 


1800 


Berlin, 


16. 


g. 


1S00 


et) Wien, 


1. 


7- 1 


800 ? 


Wien, 


1. 


7- 


1800 


Wien, 


7- 


7- 


1800 


Leipzig, 


18. 


7- 


1S00 


Eisenstadt, 


2. 


8. 


1800 


Eisenstadt, 


3- 


8. 


1800 


Eisenstadt, 


11. 


8. 


1800 


Eisenstadt, 


22. 


8. 


1800 


Eisenstadt, 


28. 


8. 


1800 


Eisenstadt, 


3- 


9- 


1800 


Eisenstadt, 


3- 


9- 


1800 


Eisenstadt, 


6. 


10. 


1800 


Eisenstadt, 


16. 


10. 


1800 


— 


Okt. 


1800 


Eisenstadt, 


10. 


72. 


1800 


— 






1800? 







um 


1800 


Wien, 


M 


ärz 


1801 


Wien, 


)0. 


3- 


1801 


Wien, 


27- 


4- 


1801 


Wien, 


28. 


4- 


1801 


Wien, 


4- 


5- 


1801 


Amsterdam, 


4- 


/• 


1801 


Wien, 


20. 


5- 


1801 


Plan, 


2 9 . 


J- 


1801 


Eisenstadt, 


2. 


6. 


1801 


Eisenstadt, 


I. 


7- 


1801 


Eisenstadt, 


3- 


7- 


1801 


Plan, 


J- 


7- 


1801 


Eisenstadt, 


10. 


7- 


1801 


Paris, 


20. 


7- 


1801 


Eisenstadt, 


21. 


7- 


1801 


Eisenstadt, 


24. 


7- 


1801 


Amsterdam, 


2J- 


7. 


1801 


Wien (?), 


IO. 


8. 


1801 



34 



278. Haydn an G. A. Griesinger 

279. Haydn an einen ungenannten Aristokraten 
(v. Swieten ?) (verschollen) 

280. Haydn an Thaddäus Weigl 

281. Haydns Zeugnis für Th. Weigl 

282. Fürst Nikolaus II Esterbdzy an Haydn 
285. Haydn an G. A. Griesinger 

284. Haydn an George Thomson 

285 . Haydn an die Gesellschaft Felix Meritis 

286. Haydn an den Baron G. van Swieten 

287. Haydn an George Thomson 

288. Haydn an G. A. Griesinger (verschollen) 

289 . Haydn an George Thomson 

290 . Haydns Erklärung an Breitkopf & Härtel 

291 . Haydns Gutachten zur Eingabe Luigi Tomasinis 

292. Haydn an A. E. Müller 
2f). Institut National an Haydn 

294. Haydn an George Thomson 

295 . Haydn an George Thomson 

296. Haydn an G. A. Griesinger 

297. Haydn an George Thomson 

298. Haydn an F. S. Silverstolpe 

299. Haydn an A. von Kotzebue 

)00 . Fürst Nikolaus II Esterbdzy an Haydn 

301 . Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhazy 

302. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhazy 
ßO). Fürst Nikolaus II Esterbdzy an Haydn 

304. Haydn an das Institut National 

305 . Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhazy 
}o6. Fürst Nikolaus II Esterhazy an Haydn 

307. Haydn an G. Chr. Härtel 

)o8. Fürst Nikolaus II Esterbdzy an Haydn 

309. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhazy 

)io . Fürst Nikolaus II Esterbdzy an Haydn 

311. Haydn an Anton Stoll 

)I2. Fürst Nikolaus II Esterbdzy an Haydn 

313. Haydn an Breitkopf & Härtel 
(verschollen) 

314. Haydn an Antonio Polzelli 

315. Haydn an J. Ph. Krüger 

316. Haydn an die Witwe J. G. Naumanns 
}I7. Concert des Amateurs an Haydn 

318. Haydn an Jacob Hyrtl 



Eisenstadt, 


21. 


8 


1801 


Eisenstadt, 


26. 


8 


1801 


Eisenstadt, 


11. 


9 


1801 


Eisenstadt, 


11. 


9 


1801 


Eisenstadt, 


2g. 


9 


1801 


Eisenstadt, 


I. 


10 


1801 


Eisenstadt, 


7- 


10 


1801 


Eisenstadt, 


18. 


10 


1801 


Eisenstadt, 


21. 


10 


1801 


Wien, 


27- 


10 


1801 


Wien, 


4- 


11 


1801 


Wien, 


5- 


12 


1801 


Wien, 


6. 


12. 


1801 


Eisenstadt, 


Dez 


1801 


Wien, 


11. 


12. 


1801 


Paris, 


26. 


12. 


i8ot 


Wien, 


2. 


1. 


1802 


Wien, 


Januar 


1802 


Wien, 


Januar 


1802 


Wien, 


29. 


1. 


1802 


Wien, 


6. 


2. 


1802 


Wien, 


24. 


2. 


1802 


Wien, 


4- 


}• 


1802 


— 


10. 


}■ 


1802 


— 


[M 


ärz 


1802] 


Wien, 


24. 


}■ 


1802 


Wien, 


14. 


4- 


1802 


— 


Apri 


1802 


Wien, 


}0. 


4- 


1802 


Wien, 


8. 


5- 


1802 


Eisenstadt, 


Juni 


1802 


Wien, 


14. 


6. 


1802 


Preßburg, 


21. 


6. 


1802 


Wien, 


30. 


1- 


1802 


Eisenstadt, 


14. 


8. 


1802 


Eisenstadt, 


22. 


8. 


1802 



Eisenstadt, 28. 8. 1802 

Wien, 22. 9. 1802 

Wien, 22. 9. 1802 

Paris, 7. 10. 1802 

Wien, 28. 11. 1802 



35 



319- Haydn an Ignaz Pleyel 

320. Haydns Verrechnung an den Fürsten Esterhäzy 

)2i. Das Concert des Amateurs an Haydn 

322. Haydns Brief konzept an seinen Bruder Michael 

323. Haydn an den Verleger Barth 

324. Haydn an G. A. Griesinger 
325 . Haydn an Sigismund Neukomm 
)26. Der Wiener Stadtmagistrat an Haydn 

327. Haydn an den Wiener Stadtmagistrat 

328. Haydn an J. N. Fuchs 

329. Haydn an Jos. Elßler jun. 

330. Haydn an George Thomson 

331. Haydn an George Thomson 

332. Haydn an George Thomson 

))). Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn 

334. Haydn an Madame Moreau 

335. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy 

336. Haydn an George Thomson 
))7. George Thomson an Haydn 

338. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy 

339. Haydn an K. F. Zelter (Entwurf) 
)4o. K. F. Zelter an Haydn 

341. Hof rat J. Karner an Haydn 

342. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy 

343 . Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy 

344. Haydn an den Fürsten Nikolaus II. Esterhäzy 
)4J . Der Wiener Stadtmagistrat an Haydn 

346. Haydn an George Thomson 

347. Haydn an George Thomson 

348. Haydn an den Bankier Hammersley (Entwurf) 

349. Haydn an Charles Burney (Entwurf) 

350. Haydn an einen Unbekannten (Entwurf) 

351. Haydn an einen Fürsten (Nikolaus II Esterhäzy?) 

352. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy 
)j). William Gardiner an Haydn 

354. Haydn an eine Dame 
(verschollen) 

355. Haydn an J. N. Hummel 
};6. J. N. Hummel an Haydn 

357. Haydn an George Thomson 

358. Haydn an George Thomson 

359. Haydn an einen Unbekannten (verschollen) 

}6o. Die russische Kaiserinwitwe Maria Feodorowna an Haydn 



Wien, 


6. 12. 


1802 


Wien, 


20. 12. 


1802 


Paris, 


//. /. 


180) 


Wien, 


22. 1. 


1803 


Wien, 


i- i- 


1803 


Wien, 


13. i. 


1803 


Wien, 


3. 4. 


1803 


Wien, 


10. /. 


180) 


[Wien, Mitte Mai 


1803] 


Wien, 


18. 5. 


1803 


Wien, 


5. 6. 


1803 


Wien, 


30. 6. 


1803 


Wien, 


1. 7. 


1803 


Wien, 


6. 7. 


1803 


Eisenstadt, 


iß. 10. 


180} 


Wien, 


1. 11. 


1803 


— 


Nov. 


1803 


Wien, 


18. 12. 


1803 


Edinburgh, 


20. 12. 


1803 




l 


1803] 


Wien, 


25. 2. 


1804 


Berlin, 


16. }. 


1804 




Frühling 


1804 


Frühling 


1804 


Frühling 


1804 


Frühling 


1804 


Wien, 


1. 4. 


1804 


Wien, 


6. 4. 


1804 


Wien, 


10. 5 . 


1804 


Frühling 


1804 




Mai 


1804 


[Frühling 


1804] 


Wien, 


21. 6. 


1804 


Wien, 


6. 7. 


1804 


Leicester, 


10. 8. 


1804 


Wien, 


14. 9. 


1804 


Wien, 


28. 9. 


1804 


Eisenstadt, 


8. 10. 


1804 


Wien, 


17. 10. 


1804 


Wien, 


30. 10. 


1804 


Wien, 


5. 11. 


1804 


Petersburg, 


//. 2. 


180} 



36 



)6i. Mitgliedsurktmde des Institut National für Haydn 
)6z. Das Pariser Conservatoire an Haydn 
36 3 . Haydn an Artaria 

364. Haydn an einen Unbekannten (verschollen) 

365. Haydn an das Conservatoire in Paris 

366. Haydn an Bonifazio Asioli 

367. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhazy 
}68. Fürst Nikolaus II Esterhazy <"> Haydn 

369. Haydns Eingabe an den Wiener Stadtmagistrat 

370. Fürst Nikolaus II 'Esterhazy an Haydn 

371 . Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhazy 

372. Haydn an F. S. Silverstolpe 
}?}. J. G. Albruht sberger an Haydn 

Sigismund Neukomm an Haydn 

Haydn an S. Neukomm (verschollen) 

Die Künstlergruppe Les enfans d'Apollon an Haydn 

Haydn an Antonio Polzelli 

Haydn an die Künstlergruppe Les enfans d'Apollon 

Luigi Cherubini an Haydn 
)8o. Die Philharm. Gesellschaß Petersburg an Haydn 
}8i. Sigismund Neukomm an Haydn 
ßSj>. Fürst Kurakin an Haydn 

383. Haydn an die Philharm. Gesellschaft Petersburg 

384. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhazy 

ERSTES LONDONER NOTIZBUCH HAYDNS (1791— 1792) 

ZWEITES LONDONER NOTIZBUCH HAYDNS (1791— 1792) 

DRITTES LONDONER NOTIZBUCH HAYDNS (1794— 1795) 

AUS DEM VIERTEN LONDONER NOTIZBUCH HAYDNS (1794— 1795) 



}74 
375 
376 

377 
37» 
379 



Paris, 20. 


6. 


i8oj 


Paris, 26. 


6. 


i8oj 


Wien, 17. 


8. 


1805 


- 6. 


11. 


1805 


Wien, 6. 


3- 


1806 


Wien, 23. 


4- 


1806 


Wien, 3. 


5- 


1806 


Wien, /. 


}■ 


1806 


Wien, 25. 


11. 


1806 


Wien, 26. 


//. 


1806 


— Dez. 


1806 


Wien, 30. 


12. 


1806 
1806 


Petersburg, }.\ij 


4- 


1807 


(Juni?) 


1807 


Paris, }o. 


12. 


1807 


Wien, 20. 


3- 


1808 


Wien, 7. 


4- 


1808 


Paris, 26. 


4- 


1808 


Petersburg, 2p. 


/• 


1808 


Petersburg, 4.\i6 


i. 


1808 


Wien, 2j. 


7- 


1808 


Wien, 28. 


7- 


1808 


Wien, 22. 


12. 


1808 



37 



Briefe und Aufzeichnungen 



i. Haydn wird als Vice-Kapellmeister des Fürsten Esterhäzy 

ANGESTELLT. — VON HAYDN SIGNIERTES DOKUMENT 

[Wien, den i. Mai 1761] 

Convention und Verhaltungs-Norma 
des Vice-Capel-Meisters 

Heüthe Endes angesetzten Tag, und Jahr ist der in Österreich zu Rohrau 1 
gebürtige Joseph Heyden bey Ihro Hochfürstlicher 2 Durchlaucht, Herrn 
Paul Anton des Heyl en Röm en Reichs Fürsten, von Eszterhäzy und Galantha 
Tit. 8 etc. etc. als ein ViCE-CAPEL-Meister, in die Dienste an- und aufgenommen 
worden, dergestalten, das weilen 

i mo Zu Eysenstadt ein Capel- Meister nahmens Gregorius Werner schon 
lange Jahr hindurch dem HocHFÜRSTlichen Hause, Treu-emsige Dienste 
geleistet, nunmehro aber seines hohen Alters, und daraus öfters ent- 
stehender unpäslichkeit halber, seiner Dienst-schuldiget nach zukommen, 
nicht allerdings im stände ist, so wird er Gregorius Werner dannoch 
in Ansehung seiner Lang-Jährigen Diensten ferners, als Ober-Capel- 
Meister verbleiben, er Joseph Heyden hingegen, als Vice-Capel- Meister 
zu Eysenstadt in der Chor-Musique Ihme Gregorio Werner, qua Ober- 
Capel- Meistern subordinirt seyn, und von Ihme Dependiren, In all- 
andern begebenheiten aber, wo eine Musique immer gemacht werden 
solle, wird alles, was zur Musique gehörig ist, in genere und specie an 
ihne [sie] ViCE-CAPEL-Meister angewiesen. so fort 
2 do Wird er Joseph Heyden, als ein haus-Officier angesehen, und gehalten 
werden. Darum hegen Seine Hochfürstl. Durchlaucht zu ihme das 
gnädige vertrauen, daß er sich also, wie es einem Ehrliebenden haus- 
Officier bey einer fürstlichen Hoff-stadt wohl anstehet, nüchtern, 
und mit denen nachgesetzten Musicis nicht Brutal, sondern mit 
glimpff, und arth, bescheiden, ruhig, Ehrlich, aufzuführen wissen wird, 
haubt-sächlich, wann vor der Hohen Herrschafft eine Musique gemacht 
wird, solle er ViCE-CAPEL-Meister samt denen subordinirten allezeit 
in Uniform, und nicht nur er Joseph Heyden selbst sauber erscheinen, 
sondern auch alle andere von Ihme dependirende dahin anhalten, daß 
sie der ihnen hinausgegebener Instruction zu folge, in weissen strümp- 
ffen, weisser wasche, eingepudert, und entweder in Zopf, oder harbeütel, 
Jedoch durch aus gleich sich sehen lassen. Derohalben 

4i 



3 ,io Sind an ihne ViCE-CAPEL-Meister die andern Musici angewiesen worden, 
folglich wird er sich um so viel EXEMPLARischer CoNDUiTiziren, damit 
die SuBORDinirten von seinen guten eigenschafften sich ein beyspiel neh- 
men können, mithin wird er Joseph Heyden all-besondere Familiarität, 
gemeinschafft in essen, trincken, und andern umgang vermeiden; um 
den ihme gebührenden Respect nicht zu vergeben, sondern auffrecht 
Zu-erhalten, auch die SuBORDinirten zu schuldiger pariTion desto leichter 
Zu vermögen, Je unangenehmer die daraus entstehen könnende fol- 
gerungen, müss-verständnüß, und Uneinigkeiten der Herrschafft seyn 
dörffen. 

4 to Auf allmaligen befehl S r Hochfürstl. Durchlaucht solle er Vice- 
CAPEL-Meister verbunden seyn solche MusicALien zu CoMPONiren, 
was vor eine Hochdieselbe verlangen werden, sothanne Neüe-CoMPOSi- 
tion mit niemand zu CoMMUNiciren, viel weniger abschreiben zulassen, 
sondern für Ihro Durchlaucht eintzig, und allein vorzubehalten, 
vorzüglich ohne vorwissen, und gnädiger erlaubnus für Niemand an- 
dern nichts zu CoMPONiren. 

5" Wird er Joseph Heyden all-täglich (es seye demnach dahier zu Wienn, 
oder auf denen Herrschafften) vor- und nach-Mittag in der Anti- 
Chambre erscheinen, und sich melden lassen, allda die Hochfürstl. 
Ordre, ob eine Musique seyn solle? abwarthen, als dann aber nach 
erhaltenem befehl, solchen denen Andern Musicis zu wissen machen, 
und nicht nur selbst zubestimmter zeit sich accurate einfinden, sondern 
auch die andern dahin ernstlich anhalten, die aber zur Musique ent- 
weder spath kommen, oder gar ausbleiben, specifice ANNOTiren. 
Wann demnach 

6 to Zwischen ihnen Musicis wider-all-besseres verhoffen, Uneinigkeiten, 
Disput, oder einige beschwerden, wider den andern sich äusserten, 
wird er ViCE-CAPEL-Meister trachten, nach gestalt der umständen die- 
selbigen auszumachen, damit der hohen herrschafft mit jeder kleinigckeit 
und BAGATELLE-Sache, keine ungelegenheit verursachet werde; solte aber 
etwas wichtigeres vorfallen, welches er Joseph Heyden von sich Selbsten 
ausgleichen, oder vermitteln nicht könnte, sothannes muß Ihro Hoch- 
fürstl* Durchlaucht gehorsambst einberichtet werden. 

7 mo Solle er ViCE-CAPEL-Meister auf alle MusicALien, und MusiCALische 
iNSTRUMENTen all-möglichen fleiß, und genaue Obsicht tragen, damit 

42 



diese aus Unachtsamkeit, oder nachlässigkeit nicht verdorben, und un- 
brauchbar werden (auch für solche repondiren.) 4 
8° Wird er Joseph Heyden gehalten seyn, die Singerinnen zu iNSTRUiren, 
damit sie das jenige, was sie in Wienn mit vieler mühe und SPEEsen, 
von vornehmen Meistern erlehrnet haben, auf den Land nicht abermal 
vergessen, und weihen er Vi ce-Capel- Meister in unterschiedlichen 
iNSTRUMENTen erfahren ist, so wird er auch in all- Jenen, deren erckundig 
[sie] ist, sich brauchen lassen. 
9 m0 Wird ihme ViCE-CAPEL-Meister hiemit eine Abschrift von der Con- 
vention, und verhaltungs-NoRMA deren ihme SuBORDiNiRten Musi- 
QUANTen hinaus gegeben, das er dieselben nach dieser Vorschrift: zu 
ihrer Dienst-Leistung anzuhalten wissen möge. / übrigens 

10™ Wie man all-seine schuldige Dienste zu Papier zu setzen um so weniger 
nöthig erachtet, als die durchlauchtigste Herrschafft ohne dem 
gnädigst hoffet, daß er Joseph Heyden in allen vorfallenheiten, aus 
eigenem Trieb, nicht nur oberwehnte Dienste, sondern auch all — andere 
befehle, die er von hoher herrschafft, nach bewandnus der Sachen, 
künfftig beckommen sollte, auf das genaueste beobachten, auch die 
Musique, auf solchen fuß setzen, und in so guter Ordnung erhalten wird, 
das er sich eine Ehre, und andurch der ferneren fürstl. Gnaden würdig 
mache, also lasset man auch jene seiner geschücklichkeit, und eyfer 
über. / In solcher Zuversicht 

n mo Werden ihme Vice-Capel- Meister alle Jahr 400. frn Rhein. [?] von der 
Hohen herrschafft hiemit ACCORDirt, und beym Ober-Einnehmer-Amt 
angewiesen QuARTAL-weise zu empfangen. Über dies 

12™ Auf denen Herrschafften solle er Joseph Heyden den Officier Tisch, 
oder ein halben gülden des Tags-Kost-geld haben. Endlich 

i3 m0 Ist diese Convention mit ihme Vi ce-Capel- Meister von i ttD May 1761 
an, wenigstens auf drey Jahr lang beschlossen worden, solchergestalten, 
das wann er Joseph Heyden nach vollgestreckter frist, dreyen Jahren, 
sein glück weiters machen wollte, sein diesfällige Intention ein halbes 
Jahr vor auß, das ist anfangs des dritten halben Jahrs, der herrschafft 
Kund zu machen schuldig seye. Ingleichen 

14™° Verspricht die herrschafft ihne Joseph Heyden, nicht nur so lang in 
Diensten zubehalten, sondern wann, er eine vollckommene SatisfacTion 
Leisten wird, solle er auch die expectanz auf die Ober-CAPEL-Meisters- 

43 



stelle haben, widrigenfalls aber ist HoCHDERselben allezeit frey, ihne 
auch unter dieserzeit des dienstes zu entlassen. Urckund dessen sind 
zwey gleich-Lauthende exemplaria gefertiget, und ausgewechslet wor- 
den. Geben Wienn den i ,en May 1761. ; 

Joseph Haydn mppria 5 

O: Von dieser berühmt gewordenen Anstellungs-Urkunde sind seinerzeit in der Esterhazy- 
Kanzlei mindestens zwei (im Wesen gleichlautende) Ausfertigungen in Kanzleikopisten- 
schrift ausgestellt worden: A das von Haydn selbst signierte Exemplar; heute im Staats- 
archiv Budapest EA Fase. 801, pag. 329-333 (in Faks. mitgeteilt von Valkd I, auf den 
Tafeln zwischen S. 632-633) und — B das vom fürstlichen Sekretär Johann Stifftel unter- 
fertigte Exemplar, welches seinerzeit Haydn ausgehändigt wurde und mit seinem Nachlaß 
ebenfalls in das fürstliche Archiv gelangte; die gegenwärtige Signatur ist EA-TS, A. M. 
Fase. 1, Nr. 88; aus dieser Quelle ED: Pohl (Signale 1868 Nr. 2) und Pohl i,^/ -^4 (wort- 
getreu, bis auf die kleine, weiter oben registrierte Lücke). Alle späteren, gangbaren Publi- 
kationen dieses wichtigen Schriftstückes stützen sich (wie aus der sich in allen wieder- 
holenden Lücke ersichtlich) auf die Mitteilung von Pohl (L. Schmidt: Haydnß, i)}-i)^; 
Geiringerj 2, )j-}6\ NomakJ2, ij2-ijr usw.). — Unser oben mitgeteilter Text stützt sich auf 
das von Haydn selbst unterfertigte Dokument A. — Die Hervorhebung gewisser Textteile 
durch besondere Typen entspricht dem Original, in dem besonders wichtige Wörter 
oder Wortgruppen entweder durch lateinische Schrift (der Text ist sonst in gotischer 
Schrift kopiert) oder durch besonders groß kalligraphierte Buchstaben (gelegentlich 
durch beides) hervorgehoben sind; dieses Verfahren wird übrigens vom Kopisten sehr 
inkonsequent und regellos angewendet, indem die mit lateinischen Lettern geschriebenen 
Fremdwörter im O zumeist gleichzeitig auch bedeutend größer geschrieben sind. 
1. Rohrau: der Ortsname findet sich nur in der Ausfertigung B. Im Exemplar A ist dafür 
Platz frei gelassen, aber nicht ausgefüllt. — 2. Hochfürstlicher: dieses Wort ist im Exemplar 
B weggelassen. — 3. Tit.: dieses Wort fehlt beiPohl I, )$i (und ihm folgend in allen späteren 
Veröffentlichungen, bei Schmidt, Geiringer, Nowak usw.). Pohl hat diese (ziemlich unklar 
geschriebene) Abkürzung offenbar nicht deuten können und sie darum einfach wegge- 
lassen. — 4. auch für solche repondiren: dieser von uns in Klammern gesetzte Satz fehlt in der 
Quelle A; er steht nur in B (und danach bei Pohl usw.). — 5. Haydns Unterschrift: in 
der Quelle B steht an deren Stelle die Gegen Signatur: „Ad Mandatum Celsissimi Prin- 
cipis /Johann Stifftel/ Secret." 

Mehrere Bestimmungen dieser Anstellungsurkunde mögen dem heutigen Leser er- 
niedrigend und beengend, ja empörend erscheinen (wie etwa das tägliche uniformierte 
Erscheinen im fürstlichen Vorzimmer, um den Musizierbefehl entgegenzunehmen, oder 
das Verbot, Kompositionen weiterzugeben usw.). Man möge aber bedenken, daß dieser 
Vertragstext nicht von einem Musiker, sondern vom Sekretär Stifftel, offenbar nach 
einer alten Schablone der fürstlichen Verwaltung, ohne individuelle Anpassung an die 
besonderen Umstände in Haydns Fall, formuliert und niedergeschrieben wurde. Neben 
dem (dabei einzig wichtigen) Faktum der Anstellung waren die formellen Einzelheiten 

44 



der Dienstregulierung für Haydn offenbar unwesentlich (oder sie sind es nachher ge- 
worden); er hat sich ja selbst über viele Bestimmungen dieses Anstellungsdekrets recht 
bald (spätestens in den 1770er Jahren) bedenkenlos hinweggesetzt, am augenfälligsten 
gerade in Hinsicht der anbefohlenen Geheimhaltung seiner Kompositionen. Eben diese 
unsere Brief- und Dokumentensammlung vermag sprechend darzutun, wie skrupellos- 
zielbewußt Haydn mit seinen Kompositionen in Wien, Paris, London usw. gehandelt 
hat, anscheinend ohne dadurch bei seinem Fürsten Anstoß zu erregen. In diesem Lichte 
gesehen, erscheinen die Disziplinarbestimmungen des Dokuments (etwa ab 1770) bereits 
als überholt und im Wesen gegenstandslos. Bezeichnend ist, daß, als 1 8 Jahre später, am 
1. Januar 1779 (aus nicht bekannt gewordener Ursache) mit Haydn ein neuer Kontrakt 
geschlossen wurde, daraus eine ganze Anzahl dieser erniedrigenden Punkte des Originals 
von 1761 (darunter auch der Abschnitt, welcher das Eigentumsrecht an allen Haydnschen 
Kompositionen ausschließlich dem Fürsten vorbehielt und deren Kopiatur strengstens 
verbot) einfach weggelassen wurde. Vgl. dazu unser Dokument Nr. 22b. 



2. Befehls schreiben Haydns an den Bassisten 
Melchior Grie ssler 

[Zeitgenössische Kanzleikopie der fürstlich Esterhäzyschen Verwaltung] 

[Wien, den 4. März 1762] 

Befehl-schreiben des Capel-Meisters an Melchiorem Grießler Bassisten 
und Violinisten aus Wienn den 4 ,en Merzen 1762 ergangen: 
Wohl Edler 

Geehrter herr! Nachdeme des Fürsten Durchlaucht den vorigen ganzen 
Sommer dahier gewesen, folglich des Herrn seine diensten leistung nur in 
der dortigen 1 Chor-Musique bestanden, als wolle nun hochdieselbe zu 
dero Cammer-Musique den herrn, lauth hinaus gegebener Convention, 
dahier brauchen, und alß 2 habe den Befehl erhalten dem H rD3 [Herrn] 
zu schreiben, das derselbe nach empfang dises [gestrichen: „schreiben"] 
brieffes, sich hieher verfügen, auch auf etliche monath (das ist zu ver- 
stehen, so lang, bis die hohe Herrschafft nach Eisenstadt wird abgehen) 
mit quartier, und Kost versehen solle. Welches zu folge des mir er- 
theilten befehls hiemit berichte, und verbleibe des H™ 3 
Wienn den 4 tcn Merzen / 1762 Bereitwilligster diener 

Heydn Capell-/Meister. 



45 



O verschollen. K: Kanzleikopie der fürstlich Esterhazyschen Verwaltung, jetzt im Staats- 
archiv Budapest, EA Fase. 715, pag. 1660. BD: Valkö II, j}6 (mit nicht ganz einwandfreier 
Lesung). Mit berichtigter Textlesung erstmals bei Unterricht GBT jj. Nicht bei Landon 
CCLN. Der im Dokument genannte Melchior Grießler (Bassist und Violinist) war in der 
Zeit 1761-1790 Mitglied des Eisenstädter Kirchenchors; er ist für kleinere Baßrollen gele- 
gentlich auch zur Oper zugezogen worden (so u. a. zu Aride, Uincontro improtvisö; vgl. 
Pohl I, 2)7, II, 74 und Bartha-Somfai HOK <fß,ßS))- 

1. dortigen: dieses Wort ist über der Zeile nachträglich eingefügt. — 2. alß: das unklar 
kopierte Wort kann auch „also" gelesen werden. — 3. Herrn: dieses (abgekürzt kopierte 
und nicht ganz leicht zu entziffernde) Wort wurde von Valkö als „Ehren" gelesen, was 
keinen Sinn ergibt. Die verbesserte Lesung steht erstmalig bei Unterricht. 



3. Haydns Eingabe an den Fürsten Nikolaus I Esterhäzy 

[Eisenstadt, den 9. September 1765] 

Durchleuchtig Hoch gebohrner Reichsfürst. 
Gnädigst Hochgebiettender Herr HerrI 

Euer Hochfürstlichen Durchlaucht untern 8 len dieses an mich ab- 
geschicktes schreiben habe mit all: unterthänigst gehorsamsten Respect 
erhalten, und daraus ersehen, wie das Hochderoselben sehr ungnädig 
genohmen, daß ich wider die Arretirung des Flautroversistens Frantz 
Sigl' bey Herrn v. Rahier 2 protestiret, und hinführe dessen Befehlen bey 
zu beförchten habender Hochfürstlichen Ungnaden besser nach zu 
leben ermahnet werde. 

Durchleuchtigster FürstI Gnädigster HerrI Es ist deme [?], daß 
mich weegen erst benannten Flautroversisten, durch welchen das Feuer 
entstanden mit gesamter Musique zu den Herrn v. Rahier begeben, 
habe jedoch nicht weegen Arretirung, sondern nur weegen der unartigen 
Arretirung, und harten Verfahren gegen den einführenden [?] doch mit 
allen gegen Herrn v. Rahier gebührenden Respect protestiret, Es wäre 
aber bey Ihme Herrn Regenten mit nichten was auszurichten, sondern 
müste Selbsten noch erfahren, daß er mir die Thüre vor dem angesicht 
zu geschlagen, die übrige gesamte per Ihr tractiret, und allen den Arrest 
angedrohet hat, gleichwie heuntigen tag noch dem Friberth,' deme herrn 
Regent (weegen nicht abgenohmenen Huth, so aus übersehung geschehen 
seyn müste) passioniret, in flüchten umgehet, und sich aus forcht annoch 



46 



Arretiret zu werden, nicht nacher haus zu komen getrauet, indeme ge- 
dachter Herr Regent vorschützen will, daß erst bemelter Friberth Ihme 
eine Grobheit angethan, dauor aber sich Selbsten Satisfaction nehmen 
wolle. Ich bezeige es aber samt denen übrigen Musicis, daß der Friberth 
nichts anderes, wie Herr Regent allen sammentlich mit der Arretirung, 
und zwar ohne ursach gedrohet, gesprochen, er habe keinen anderen Herrn 
als Seine Durchlaucht Fürsten Esterhazy: Ich Selbsten vermeldete 
Herrn Regenten, wan selbter an eigener Persohn beleydiget worden, bey 
Euer Hochfürstlichen Durchlaucht Satisfaction anverlangen solle, 
allein ich muste in andworth hören, daß Herr Regent sein eigener Richter 
seyn, und sich selbst Satisfaction verschaffen wolle, die leuthe seynd 
derohalben sehr bestürtzt, und fallet denen Ehrliebenden dieses Tracta- 
ment sehr beschwerlich, und hoffen, daß Euer Hochfürstlichen 
Durchlaucht gnädigste gesinnungen dahin sich gewis nicht erstrecken, 
und eben derowegen ein solches Potere, wo ein jeder sein eigener Richter 
ohne unterscheid des schuldig oder unschuldigen seyn kan, gnädigst 
einstellen werden. 

Die Befehle des oft gedachten Herrn Regentens (wie Euer Hochfürst- 
lichen Durchlaucht ohnediss beckant) seynd allzeit richtig vollzohen 
worden, so oft ich nur durch demeselben Euer Hochfürstlichen 
Durchlaucht ordre erhalten, werde auch allzeit denenselben nachzu- 
komen beflissen seyn; wan also Herr Regent hierinfahls sich beschwehret 
hätte, mus es nur der zornigen federn zugemuethet werden. Übrigens 
aber werden Euer Hochfürstliche Durchlaucht selbst allergnädigst 
ermessen, daß ich zweyen Herren nicht dienen, und eben also Herrn 
Regentens eigene Befehle nicht annehmen, und mich Ihme unterthänig 
machen könne, allermassen Euer Hochfürstliche Durchlaucht 
selbsten dereinstens zu mir gemeldet: führohin komme er zu mir, 
dan Ich bin sein Herr. 

Bin also getröstet, daß Euer Hochfürstliche Durchlaucht dieses 
mein unterthänigst gehorsamstes schreiben nicht ungnädig aufnehmen, 
sondern mich und die gantze Musique mit gnädigen Augen ansehen, 
und da derselben jederman mißgünstig ist, vätterlich protegiren werden, 
der mich zu ferneren Hochfürstlichen Hulden und Gnaden unterthä- 
nigst gehorsamst reccommendire und mit all: Submissesten Respect 
ersterbe. 

47 



Euer Hochfürstlichen Durchlaucht 
Eisenstadt den 9'" 7 blh [Sept.] 1765. 

Unterthänigst Gehorsamster 
Josephus Haydn. 

[Auf der Außenseite Datum:] 1765. 9°* 7 1 " [Sept.] [und der Kanzleiver- 
merk:] Excusatio Capellae Magistri Haydn / adversus delationem D. 
Regentis de Rahier. 

(Autograph): Budapest, EA-TS, A. M. Fase, i, Nr. 49. ED: Valkö I, 64) (nicht ganz 
buchstabengetreu, orthographisch ungenau). Von Valkö (etwas gekürzt) übernommen 
bei GeiringerJ2, ß^-40; London CCLN 3-4. 

1. DerFlötistFraw^Ä^/istimEsterhazy-Orchesterinder Zeit 1 762-1 769 bezeugt. — 2. Der 
„Regent" (Wirtschaftsrat) von Kahler spielt auch in der weiteren Korrespondenz Haydns 
eine wichtige und ziemlich unrühmliche Rolle. Dieser Beamte hat sich Haydn und seiner 
Musikerschaft gegenüber zumeist feindselig und selbstherrlich benommen. — 3. Carl 
Vriberth (auch Friebert geschrieben) war 1759-1776 geschätzter Tenor der Esterhazy- 
Truppe und in den meisten Opernaufführungen (bis 1776) mit wichtigen Rollen bedacht. 
Er hat sich auch als Textdichter betätigt; das Libretto zu Haydns Oper Uincontro im- 
provviso (1775) stammt von ihm. — - Haydns Einschreiten im Interesse seiner Musiker 
ist übrigens erfolgreich gewesen, wie der Inhalt des nachfolgenden Dokuments (Nr. 4) 
beweist. 



4. Bericht des Regenten Rahier an den Fürsten Nikolaus I 
Esterhäzy 

[Eisenstadt, den 13. September 1765] 

Durchlauchtigst Hochgebohrner Reichs-Fürst etc. 
Gnädigster Herr Herr etc. etc. 

Gestern ist endlich der Kapelmeister Hayden und der Friberth bey mir ge- 
weßen; der letztere hat sich wegen der jüngsthin ausgestossenen ungebühr- 
lichen Reden und darauf andictirten Arrest submittiret, Depreciret und gebetten, 
daß es ihme verzeihen möchte: Ich habe ihme zur Antwort gegeben, ich 
hätte es bereits Ewer Durchl. gemeldet, und von dannen muste anjetzo das 
weitere erwartet werden, weillen Er sich aber submittirt und deprecirt hätte, 
so würde ich Ewer Durchl. Selbst unterthänigst bitten, es vor diesmahl bey 
der geschehenen Submittir: und Depreckung gnädigst bewenden zu lassen; 
Um dessen Bestättigung dann auch unterthänigst bitten thue. 

48 



Heute Nachmittag habe in Gegenwart der gantzen Music den Siegl anbefohle- 
ner massen seines Arrest und zugleich seiner diensten entlassen, und anbefoh- 
len, daß der Kapelmeister alles, was an Kleydung, instrumenten und Musica- 
lien Ewer Durchl. gehörig seyn möchte, übernehmen, und sodann der 
OberEinnetimer Zoller ihn bis heute inclusive auszahlen solle. 
Die zwey Waldhornisten hätten heute noch, wie mir der Hayden meldet, 
nacher Süttör abgehen sollen, allein weillen Einer eben heute früh Unpäß- 
lichkeit halber Medicin eingenohmen und dahero nicht reyßen können, so 
werden Sie morgen früh mit sambt dem Tag aufbrechen, um zu Mittag aldorten 
eintreffen zu können; womit in tiefesten respect verharre, 

Ewer Durchlaucht etc. etc. 
Eisenstadt den 13" 1 -j bti ' [Sept.] Unterthänigst gehorsamster diener 

1765. Rahier mppria. 

[Auf der Außenseite Kanzleivermerk:] 1765 13* 7 bt [Sept.] 

Bericht des H. v. Rahier: In betracht einiger Individuen von der Musique. 

0: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 3, Nr. 175. ED: Valkö II, J40. Im Auszug mitgeteilt 
von Landon CCLN 4-j. 

Dieses zwar nicht von Haydn selbst stammende, aber ihn und seine Musiker betreffende 
Dokument beinhaltet die Erledigung des oben mitgeteilten (Nr. 3) Schriftstücks vom 
9. Sept. 1765. Seinem Ton ist zu entnehmen, daß Haydn sein Ziel im wesentlichen erreicht 
hat; der Bericht des Regenten Rahier an den Fürsten ist in auffallend versöhnlichem 
Ton abgefaßt. Erwähnenswert ist ferner, daß die hier gemeldete Verabschiedung des 
Flötisten Siegl in Wirklichkeit nicht erfolgt ist; Siegl ist noch weitere vier Jahre (bis 1769) 
im Dienste behalten worden. 



5. Verordnung des Fürsten Nikolaus Esterhäzy an Haydn 

[Süttör, 1765] 
[„Regulatio Chori KissMartoniensis" 1 ] 

Nachdeme auf dem Chor der Eisenstädter Schloß-Kapellen unter denen Musicis, 
Saumseeligkeit undt übler Einverständniß wegen, bey denen Chor-Instrumenten aber 
wegen schlechter Obsicht und Verwahrung derenselben eine sehr grosse Unordnung 
verspühret worden; So wird dem Kapellmeister Hayden hiermit ernstlich anbe- 
fohlen 

4 49 



Erstlich ein dreyfaches gleichlautendes Inventarium über alle befindliche Chor- 
Instrumenten und Musicalien nach beyliegenden formulare mit Benennung deren 
Authorn, Stimmen etc. vom heutigen dato an innerhalb acht Tagen z u verfassen, 
%u unterschreiben, und von dießen eines Uns, das andere in die Buchhalterey, und 
das dritte auf dem Chor abzugeben: \ 

Andertens dem Schulmeister Joseph Die%l z bey jeden Chor-Dienst die nöthige Musica- 
lien hervorzugehen, dieße durch denselben austheilen, auch durch ihme nach den dienst 
wieder ^usamm klauben und sich übergeben %u lassen, damit solche in dem dar%u 
bestirnten Kasten wieder richtig aufgehoben, verschlossen, und keine verschießt oder 
verlohren werden können: 

Drittens auf den Schulmeister acht %u haben, daß Er alle Chor-Instrumenten 
allezeit in guten brauchbahren Standt und Ordnung erhalte, v>u welchem Ende Er 
Schulmeister allemahl ein viertl Stund vor jedem dienst auf dem Chor zu erscheinen 
befehliget ist: 

Viertens besondere Sorge darauf z>* tragen, daß alle Chor-Leuthe bey jedem Kirchen 
dienste ihrer Pflicht und Schuldigkeit nach erscheinen, und ihre Chor dienste mit 
guter Einverständniß wohl und Pflichtmässig verrichten: 
Fünftens in Unßerer Abweßenheit in dem Eisenstädter Officier Zimmer wöchentlich 
Zwey Musicalische Accademien alß am dienstag und donnerstag von zpty bis vier 
Uhr Nachmittags von gesamten Musicis zu halten, und damit 
6. sich keiner in hinkunft, wie bishero geschehen, unterfangen möge, von den Chor- 
und Kirchen diensten, oder von erstgedachten Accademien sich z u absentiren, ohne 
darummen der Billigkeit nach angesehen z u werden, Uns alle vierzehen Tage einen 
Schriftlichen Kapport derjenigen mit Nahmen und Beyruckung [?] der Ursach 
einzuschicken, welche von dießem oder jenen dienst auszubleiben, sich werden 
angemasset haben. [„Sechstens" gestrichen] 
Sättör* den 176?- 

Endlichen wird ihme Capelmeister Haydn bestermassen anbefohlen[,J sich Selb- 
sten embsiger alß bißhero auf die Compositionen z u legen, und besonders solche 
stücken, die man auf der Gamba* spielten mag, und wouon wir noch sehr wenig 
gesehen haben, zu Componiren um seinen Fleiß sehen z u könen, von allen 

waß immer einen Compositionen das erste stuckh sauber, und rein abgeschriebener 
unß jeder z^'t einschicken. 

Formulare 
Inventarium 

5° 



Über die Musicalien und Instrumenten, welche sich auf dem Chor der Eisenstädter 
Schloß Kapellen heut dato befinden: alß: 



Nro 


Musicalien 


Stimmen 


I. 


Missae Solemniores 
Missa Primitiva cum Tympanis et Clarinis. hier muß 
die Orgl mit 2 od. 3 tact ausgesetzt werden etc. Auth. 

und also die Messen, Vespern, Litaneyen, Symphonien, 
Offertorien etc. was immer vorhanden ist. 


10. 




Instrumenten 
Violinen alte 


Stuck 


Violen alte 




deto neue 

Bassetlen alte 








etc. etc. 
Eisenstadt den ij6j 





[Auch hier ist Plat^für den Tag und Monat leergelassen.] [Auf der Außenseite 
Kan^leivermerk:] Regulatio Chori KissMartoniensis 

O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 6, Nr. 346. BD (auszugsweise und im Titel verlesen): 
Pohl I, 247. — Erste vollständige Publikation: Valkö II, }}9-J40 (brauchbar, aber nicht 
ganz buchstabengetreu) und London CCLN /. — Die seit Pohl I, 247 oft zitierte und 
nachgedruckte Kanzleivermerk-Titulatur dieses Dokuments („Regulativ...") hat Pohl 
verlesen. Im steht deutlich: Regulatio. . .. 

1. Kismarton ist der ungarische Name für Eisenstadt. — 2. Der hier in seiner Eigenschaft 
als Schulmeister apostrophierte Tenorist des Eisenstädter Kirchenchors, Joseph Dietzl (der 
Kopist schreibt den Namen hier Diesel), stand von 1753 bis zu seinemTode 1777 in fürstli- 
chem Dienst. — 3. SilttBr war der alte ungarische Name jenes kleinen Jagdschlosses, an 
dessen Stelle die Bauarbeiten des neuen prächtigen Schlosses (welches bald darauf den 



51 



Namen Esz/erbd^", italianisiert Estoras erhielt, bereits (spätestens seit dem Jahr 1764) im 
Gange waren. Das Hauptgebäude ist vermutlich 1766 fertig geworden, während sich die 
Arbeit an den übrigen Baulichkeiten und an der Parkanlage bis 1784 hinzog. Die reich- 
haltigste Monographie über das neue Schloß und seine erlesene Theaterkultur ist bisher 
die Arbeit des Theaterhistorikers Mätyäs Horänyi: Das Esterhä%\sche Feenreich (Beitrag zur 
ungarländischen Theatergeschichte des 18. Jahrhunderts), Budapest, Akademieverlag 1959. 
— 4. auf der Gamba: hiemit ist natürlich das Baryton gemeint. 

Seit Pohl haben sich schon zahllose Kommentatoren am unerwartet harten Ton dieses 
energischen Verweises gestoßen. Ausdrücke, wie „Saumseligkeit", Haydn solle sich 
„embsiger als bishero auf die Composition legen" usw. muten uns, angesichts von Haydns 
sprichwörtlichem Fleiß, unverständlich an. Die Erklärung dafür ergibt sich aus einer 
kurz vorher, mit Oktober 1765 (der Tag ist nicht angegeben), datierten Eingabe von 
Haydns Vorgänger, dem damaligen ersten Kapellmeister Gregor Werner an den Fürsten, 
in dem der alte, verärgerte und kränkliche Mann gegen den jungen Vizekapellmeister 
scharfe Klage führt. Von der Existenz dieser Eingabe Werners hat schon Pohl I, 367 
gewußt; er hielt sie für verloren. Sie ist aber tatsächlich erhalten (Budapest, EA-TS, 
A. M. Fase. 1, Nr. 84) und durch den damaligen Esterhäzy -Archivar Janas Hdrich erstmals 
in ungarischer Übersetzung veröffentlicht worden (Zeitschrift Mu^sika, Jg. 19)0, Nr. 4-j, 
i8j). Der deutsche Originaltext ist erstmals bei Valkö II, j)8 mitgeteilt. Da es sich um 
ein (in bezug auf Haydn) wichtiges Dokument handelt, sei seine Mitteilung hier gestattet: 
„Hochgebohrner Reichs-Fürst. 
Gnädigst und Hochzugebietender Herr Herrl 

Es bezwinget mich, die grosse Nachlässigkeit in hiesiger Schloß-Capellen, die grosse un- 
verdiente Hochfürstl. Spesen, und der faule Müssiggang der dermaligen gesammten 
Music, woran aber die Haupt-Ursache des jezig trägen Ober- Vorsteher, als der nur allen 
durch die Finger siehet, um den Namen eines guten Heyden zu erhalten: dann ich kan mit 
Gott bezeugen, daß es jezo viel liederlicher, dann unter denen 7 Kindern [? das Schriftbild 
ist hier unklar und kaum zu entziffern. Diese Lesung Valkos ergibt keinen rechten Sinn. 
Härich liest an dieser Stelle „unter denen Lind-Brüdern", was aber ebensowenig einen 
Sinn ergibt] zu gangen; Maßen es scheinet, daß unter den Chor-Leuten nur lauter Liberti- 
ner wären, als welche nach belieben 5 oder auch 6 Wochen lang, nach Gutachten ihrer 
Recreation pflegen: die arme Capellen aber oft kaum 5 und 6 [Sänger] zur Nothdurft hat, 
auch keiner auf des andern Tact parken will. Die Chor-Instrumenten aber bis über die 
Hälfte verlohren gangen: da doch erst vor Sieben Jahren auf vieles bitten, durch den 
Hochseeligen Fürsten erhalten habe. Nebst allen deme, so gehen nun auch die meisten 
Kirchen-Musicalien in alle Welt aus; da vorhin der verstorbene Organist noch fleißige 
Obsorg darüber gehalten: da aber nach seinem Tode nothwendig erfolgen müssen, daß 
ich die Schlissel dem jezigen Capell-Meister Heyden überantworten sollen; jedannoch 
mit diesen Vorbehalt: daß Er hierüber einen gebührenden Cathalocum deren vorbefind- 
lichen Chor-Sachen stellen solte, welcher drey Mal hätte sollen coppiret werden . . . 
Darüber Herr Heyden ganz williglich seinen Consens gegeben; auch mit Verfertigung 
des Cathalogij mir solchen zu meinem Kranken-Bette bringen werde, worüber aber 
bis auf diese Stunde nichts erfolget ist. 

52 



Der Musicalien-Kasten aber, wie mir von wahrhaftig Christlichen Männern berichtet wird, 
ziemlicher Maßen spolliret worden, welches um so viel leichter zu glauben; maßen mir in 
meiner Krankheit schon drey Partheyen zugeschrieben, um Ihnen Kirchen-Stücke zu 
vergüngstigen, weilen dermalen die Wienstadt von denen Kirchen-Compositoren ziemli- 
cher Maßen evacuiret worden. 

Ich aber solche Briefe ohnbeantwortet gelassen: wo demnach leichtlich zu vermuthen, 
daß Sie Ihre bitte an den Heyden werden gestellet haben. Wo also der Kirchen-Chor 
mittler Zeit völlig könte spolliret werden, wann nicht ein ernstlicher Befehl an ermeldten 
Heyden erfolge, daß Er wenigstens über die noch vorhandene Partes einen Cathalocum 
verfertigte. 

Nebstbey demüthigst bittend: Eure Hochfürstl. Durchlt. wolten Ihm einen Severen Befehl 
ertheilen, daß Er strictissime Ordre unter denen fürstl. Chor Musicijs ordentlich halte, 
auf daß Sie ins künftige alle, ohne Ausnahme, möchten bey denen Diensten erscheinen. 
Und weilen wol zu vermuthen, daß Er Heyden sich mit Läugnen werde purgiren wollen, 
so dörfte nur weiters der Hohe Befehl ergehen, daß man die alda befindliche Chor Instru- 
menten untersuche, allwo sich müssen von alt- und neuen Violinen 12 Stuck befinden. 
Von denen Violen 2 alte, und 2 Neue, Passetel aber 2, nebst 2 guten großen Violonen: 
dabey wird man gar bald sehen, wo der Warheits-Grund stehe. 

Es ist unter Hochseel. Fürsten, nebst außer gewöhnlichen Sommer-fatique, anbefohlen 
worden: daß wir zur Winters-Zeit in dem fürstl. Officier-Zimmer wöchentlich zwey 
Accathemien [Akademien] halten solten, worzu am Erchtag [Dienstag] und Donnerstag 
jeden zwey Stunde erforderet waren; wann dann dieses also beschehen solte, so würde 
der schädliche Müßiggang also ausbleiben, einfolglich keine solche üble Folgerungen 
entstehen dörften, welche leiderl die Erfahrnus gegeben hat. 

Weilen nun dermalen, als ein Creuz alter, und 37 Jahre dienender Capellmeister alhier den 
Titeil trage, und dermalen das Holz in einen ziemlichen Werth steiget: ich solches als 
kranker nicht persöhnlich behandlen kan; und folglich auswärtigen Leuten diesfals Zu 
erhandlen kommen muß, solche aber auf ihren Nuzen nicht vergessen. Als habe Eure 
Hochfürstliche Durchlaucht allerunterthänigst anflehen sollen, mir aus lauter Barm- 
herzigkeit von Dero Deputat-Holz in Gnaden, zwey klafter möchten erfolgen lassen: 
Massen mir ohne deme ein kurzes Ziel seze, diesen Winter schwärlich zu überleben: 
weilen die Natur dermassen wegen abnehmender Leibes-Nahrung geschwächet, daß fast 
nichts als Haut, und Knochen an meinem kranken Leibe zu finden seyn. Vor solche 
hoch erfolgende Wolthatt, ich sowol lebendig, als tod, Gott, um langwirig-glückliche 
Regierung, Vermehrung deren Renden und Einkünften, inständigst anflehen werde. 
Womit mich in Dero Hochfürstl. Hulden und Gnaden unterthänighst empfehle, und ver- 
harre/Euer Hochfürstl. Durchlaucht 

unterhänigster Diener 
Gregorius Werner" 
Es dürfte ohne weiteres klar sein, daß der harte Ton der Regulatio eine Folge dieses denun- 
ziatorischen Schreibens ist; manche Wendung der fürstlichen Verordnung ist fast wörtlich 
dem Schreiben Werners entnommen. — Die ziemlich schroffe Textfassung der Regulatio 
mag höchstwahrscheinlich auf den Regenten Kahler zurückgehen, der ja unserem Meister 

53 



ohnehin nicht eben wohlgesinnt war. Der Fürst selbst verhielt sich in der Angelegenheit 
mehr passiv, vermittelnd und abwartend, was sich aus seiner (bei Pohl I, 367 mitgeteilten) 
Glosse zu Werners Schreiben ergibt, als er dieses zur Erledigung an Rahier weitergibt: 
„Übrigens lege ich hier des Kapellmeisters Werner Zuschrift bei [es ist das oben zitierte 
Schriftstück]; was seine Klagen anbetrifft, werden Sie dieselben bestmöglichst zu ver- 
mitteln suchen." Hieraus darf man wohl schließen, daß der Fürst selbst für die „Regulatio" 
vermutlich einen milderen, versöhnlicheren Ton gewählt hätte, als es dann durch Rahier 
geschah. — Übrigens befinden sich im Schreiben Werners einige recht interessante Details: 
so z. B. der Mangel an Kirchenkompositionen in Wien, welcher (nach Werners offenbar 
etwas übertriebener Darstellung) zu einer Spoliierung (Ausplünderung) des Eisenstädter 
Kirchenchors geführt haben soll. Daß Haydn aus dem fürstlichen Notenarchiv Kirchen- 
musik-Material entwendet haben sollte, ist kaum glaubhaft; daß er aber aus Freundlichkeit 
gelegentlich ein Auge zudrückte, Wenn diese oder jene Noten nach Wien ausgeliehen 
wurden, ist sehr wohl denkbar. Auf jeden Fall sind Ton und Inhalt der „Regulatio" nur 
in Kenntnis dieses Dokuments voll zu verstehen. 

Was den fürstlichen Aufruf zur „embsigeren" Kompositionsarbeit anbelangt, so war 
Haydn offenbar bestrebt, seinen Fürsten wenigstens hierin zufriedenzustellen. Bald darauf, 
schon am 4. Januar 1766, schreibt nämlich der Fürst an den Regenten Rahier folgendes 
(hier zitiert nach Pohl I, 249; das Originaldokument ist in Budapest nicht aufgetaucht): 
„Diesen Augenblickh erhielt ich 3 stuckh vom Hayden, mit welchen ich sehr zufrieden 
bin. Sie [Rahier] werden dahero demselben 12 Ducaten aus der Cassa in meinem Namen 
geben lassen und ihm zugleich sagen, daß er noch 6 solche stuckh, wie Er mir dermahlen 
zugeschickt, und nebst dem auch 2 Solo machen und ehestens anhero zu übersenden 
trachte." (Offenbar handelte es sich dabei um Baryton-Kompositionen, welche vom 
Fürsten ganz besonders begehrt waren,) 

Landen CCLN 6 bringt auch die Anlegung des sog. Entwurf katalogs (welcher ziemlich ge- 
nau um 1765 begonnen wurde, vgl. Larsen HÜb und )HK, passim) mit der in der „Regu- 
latio" ausgesprochenen fürstlichen Mahnung zu Fleiß und Ordnung in Zusammenhang. 
Tatsächlich konnte Haydn mit einem imposanten Katalog des von ihm bis dahin Ge- 
leisteten dem Vorwurf mangelnden Fleißes am eindrucksvollsten begegnen. 



6. Haydn an den Fürsten Nikolaus I Esterhäzy 

[Den 5. Dezember 1766] 
Durchlauchtig Hochgebohrner / Reichs Fürst! 
Gnädigst: und höchst gebiethender Herr / Herr! 

Das höchst erfreuliche Nahmens Fest 1 (welches Euer Durchl: mit der 
Göttlichen Gnade in vollkommensten Wohlstand und vergnügen voll- 
bringen mögen) hat mich schuldigst verpflichtet, Ho chdero selben nicht 
nur allein 6 Neue Divertimenti 1 in aller Submission zu übermachen, 

54 



sondern auch (weillen wür vor einigen Tagen mit denen Neuen Winter 
Kleydern höchstens consoliret worden) vor diese besondere Gnad Euer 
Durchl. unterthänigst den Rockh zu küssen, mit den Beysatz, daß wür 
obschon in Hoch Dero von uns billich bedaurender abwesenheit, uns 
dannoch unterfangen werden, an Euer Durchlaucht hohen Nahmens 
Tag bey Celebrirenden Solennen Amt in diesen Neuen Kleydern das 
erstemahl zu erscheinen. Anbey habe zwar den hohen Befehl erhalten, 
das ich die durch mich Componirte Divertimenti (zwölf Stuckh zusam- 
men) solte einbinden lassen. allein weillen Euer Durchl: einige 
derenselben zur Veränderung mir zugeschückhet, und ich in meiner 
Spartitur die Veränderungen nicht annotiret habe, als bitte ich unterthä- 
nigst, die bey handen habende erstere 12 Stuckh nur auf 3 tag, sodan 
auch die übrige nach und nach mir zukommen zu lassen, damit nebst 
denen beschehenen Veränderungen alles gut und genau abgeschrieben, 
und eingebunden werden könne: worbey mich zu gleich gehorsambst 
anfragen wollen, auf was arth selbe einbinden zu lassen? Euer Durchl: 
beliebig seye? 3 

Übrigens melden mir die zwey hautboisten (gleichwie ich auch Selbsten 
eingestehen mus) das ihre 2 hautboi alters halber zu grund gehen, und 
den rechtmässigen Tonum nicht mehr geben, wesswegen Euer Durchl : 
den schuldigsten Vortrag mache, das ein Meister Rockobauer in Wienn 
sich befinde, welcher meines erachtens dissfahls der kündigste ist. 4 
weillen nun dieser Meister mit derley arbeith zwar stätts beschäfftiget ist, 
dermahlen aber sich besondere zeit nehmete, ein Paar gute daurhaffte 
hautboi mit einen extra stuckh auf satz (womit alle erforderliche Toni 
genohmen werden könten) zu verfertigen, dauor aber der nächste Preyß 
in 8 Ducaten bestehet. als habe Euer Durchl. hohen Consens zu 
erwarthen, ob besagte 2 höchst nöthige hautboi um erstgemelten Preyß 
eingeschaffet werden dürfften. Der ich mich zu hohen hulden und 

gnaden empfehle 

Euer Hochfürstlichen Durchlaucht 

Unterthänigster 
Joseph Haydn. 
[Undatiert, aber außen Kanzleivermerk:] den j'X 1 "'' [Dez.] 1766. 



55 



O (Autograph): Budapest, EA-TS, A. M. Fase, i, Nr. 53. ED: Valköl, 646--] (nicht ganz 
buchstabengetreu). Danach London CCLN 6-7. 

1. Der Namenstag des Fürsten Nikolaus fiel auf den 6. Dezember. — 2. Bei den erwähnten 
Divertimenti handelt es sich sicherlich um Trio-Divertimenti für Baryton. Viola und 
Violoncello. Angesichts der verwirrenden Masse der einschlägigen (zumeist undatierten) 
Kompositionen ist eine genaue Identifizierung der hier gemeinten Stücke unmöglich. Das 
Trio Nr. 24 (Hob. XI: 24) ist im Autograph mit „1766" datiert; demnach dürfte es sich 
hier um Stücke aus der Serie Nr. 21-31 handeln. — 3. Die für den persönlichen Gebrauch 
des Fürsten bestimmten Barytontrios sind in besonders kostspielige, reich vergoldete rote 
Lederbände gebunden worden. Aus einem späteren Jahre (1772) besitzen wir noch die 
Quittung des Buchbinders über einen solchen Luxuseinband (vgl. Valkö II, Nr. jp, Jjj). 
— 4. Der Name des Wiener Instrumentenbauers Mathias Rockobauer kehrt in den von 
Haydn revidierten Rechnungen des Esterhäzy -Archivs immer wieder (vgl. Valkö I und II); 
zumeist werden Mundstücke für Oboen und Englischhörner dutzendweise von ihm 
bezogen. Ob die hier geforderten zwei neuen Oboen damals tatsächlich bestellt und 
angeschafft wurden, ist auf Grund des bisher erschlossenen Archivmaterials nicht festzu- 
stellen. 



7. Haydn an den fürstl. Sekretär Anton Scheffstoss, 1 Wien 

Eisenstadt den 2o ten Mertz / 1768 

Wohl Edl gebohrn 

Insonders Hochgeehrtister Herr! 

Es wird Ihnen onehin [?] beckant seyn, daß ich voriges Jahr den so 
hochschätzbaren Hymnum, Stabat Mater 2 genant, in die Music nach allen 
meinen Kräften übersetzet, und Selben den grossen und weidberühmten 
Hasse' aus keinen anderen absichten eingehändiget, als daß, in fall ich 
etwan die worth eines so grossen wehrts nicht genugsam solte ausgeübet 
haben, dieser mangel von einen in allen stücken so glücklichen Meister 
hierinfahls verbesseret werde: da mich aber wider meiner Verdienste 
dieser aus erlesene Ton: künstler mit unaussprechlichen lob über dieses 
werck beehrte, und sich nichts anderes als mit einer dazu gehörig wohl 
besezten Music zu hören wünschete, dermahlen aber ein grosser mangel 
in Wienn an denen Sängern utriusque generis, gelanget danenhero durch 
Euer Wohl Edl meine unterthänigst gehorsambste bitt an S e Hoch- 
fürstl: Durchlaucht, Mich, den Weigl, 4 und dessen Frau, und den Friberth 5 
künfftigen donerstag nach Wienn zu erlauben, um alda freytag nach- 
mittag bey denenen[sic]FFr: Miseric: 6 die Ehre unseres gnädigsten fürstens 



56 



durch producirung seiner Diener zu beförderen, samstag abends würden 
wir in Eisenstadt eintreffen: wan S° Durchlaucht befehlen, wolte alsobald 
stat den Friberth einen anderen hinabschücken: Liebster Mons: Scheff- 
stoss bitte um beschleunigung meines ersuchens der ich mit aller venera - 
tion verbleibe 

Euer Wohl Edlen 

Ergebenster diener 
Josephus Haydn mppria. 
P:S: Mein Compliment an alle Messieurs, 
die versprochene Divertimenten werde 
S r Durchl: diese wochen gewis einhändigen. 

O (Autograph) : Budapest, EA-TS, A. M.Fasc. i, Nr. ^CFaks. Valkö I (gegenüber S. 656) 
und Landon CCLN, Tafel XI-XII. ED: Valkö I, 6ji (brauchbar, aber nicht buchstaben- 
getreu). Dann bei Landon CCLN 8; GeiringerJ2, ;j. 

1. Der Adressat des Briefes, der fürstl. Sekretär und Oberbuchhalter Anton Scheffstoß, war 
Haydn ganz besonders wohlgesinnt und freundlich zugetan; er hat sich mit der Befür- 
wortung von Haydns Wünschen beim Fürsten wiederholte Male warm eingesetzt. Seine 
Tochter (?), die ausgezeichnete Sopranistin Anna Maria J. Scheffstoß, war 1760-1769 beim 
Eisenstädter fürstlichen Kirchenchor angestellt, trat aber gelegentlich auch als Opern- 
sängerin auf (so u. a. in den Premieren der Haydn-Opern Acide und La Canterina). 1764 
heiratete sie den Cellisten Joseph Weigl, mit dem sie 1769 nach Wien zog (vgl. Pohl 1, zgf). 
— 2. Es kann sich hier nur um Haydns berühmtes Siabat mater in g-Moll handeln (die 
Existenz eines zweiten Stabat Haydns, wie es Fetis annahm, hat sich nicht beweisen lassen). 
Pohl II, 6j hat dieses Werk (etwas voreilig) ins Jahr 1773 datiert (auf Grund einer „1773" 
datierten Kopie in Göttweig, welche aber natürlich nur einen „terminus ante quem" 
bedeutet). Pohl folgend, ist die Haydn-Literatur bis etwa 1950 bei dieser Datierung ge- 
blieben. Auf Grund stilistischer Kriterien hat LS )iz erstmals ein etwas früheres Datum 
(etwa 1771) vorgeschlagen. Nun wissen wir aber aus diesem Brief, daß die Komposition 
spätestens gegen Ende 1767 vorgelegen haben muß (die betr. Datierungen bei Geiringer/ 2 
und Noi»akJ2 sind bereits dementsprechend korrigiert). — 3. Jobann Adolf Hasse, der 
damals weltberühmte Opernkomponist (1699-1783), hat sich 1761 und dann wieder in 
der Zeit 1764-1773 in Wien aufgehalten. Das im Briefe Haydns angedeutete Zusammen- 
treffen der beiden mag um 1766 oder 1767 stattgefunden haben. • — 4. Der Cellist Joseph 
Weigl sen. war 1761-1769 in der Esterhäzy-Kapelle engagiert. 1764 heiratete er die oben 
erwähnte Sopranistin Anna Maria J. Scheffstoß. Haydn war mit beiden gut befreundet und 
wurde der Taufpate ihres 1766 geborenen Sohnes, des späteren Hofkapellmeisters und 
erfolgreichen Opernkomponisten Joseph Weigl jun., des Autors der berühmten Schmi^er- 
familie. Vgl. weiterhin unseren Brief Nr. 204 (vom 11. Januar 1794). — 5. Der Tenorist 
Carl Friberth war 1759-1776 im fürstl. Dienst. Über ihn vgl. oben zu Nr. 3. — 6. FFr. 
Miseric: damit ist die Kirche der Barmherzigen Brüder in der Wiener Leopoldstadt gemeint. 

57 



B. Haydns Begleitbrief zu seiner ,,Applausus"-Kantate, an ein 

UNGENANNTES KLOSTER (ZwETTL IN UNTERÖSTERREICH?) 

[I 7 68] 

Weilen Ich bey diesen Applaus nicht selbst zu gegen seyni kan, 
habe ein und andere Erklärungen vor nöthig gefunden und zwar 

Erstens Bitte ich, daß das Tempo in allen Arien und Recitativen 
genau in obacht genohmen werde, und da der gantze Text aplau- 
dirend, ist mir lieber, wan ein und anders Allegro etwas schärffer 
wie sonst gewähnlich Tractiret wird, besonders im allerersten 
Rittornello und in ein und anderen Recitativen; wie nicht minder 
in denen 2 Baß Arien. 

2 ten " Ist von der Sinfonie nichts anderes zu machen nothwendig, als 
Ein Allegro und das Andante, indem das Erste Rittornell stat 
den letzten Allegro dienet: Wenn mir der Tag der Production 
bewust wäre, würde vielleicht bis dahin eine neue Sinfonie über- 
schücken. 

3 ten ' ist in denen Accompagnirenden Recitativen wohl zu observiren, 
daß das Accompagnement nicht eher herein trette, als bis der 
Sänger vollckomen den Text abgesungen, obwohlen sich das 
Contrarium in der Spartitur öffters zeiget, als z: E: am anfang 
bey den Repetirten Worth Metamorphosis, wo die stimmen 
auf -phosis ihren anschlag haben, mus ungeacht 1 dessen die letzte 
Sylbe von den Recitirenden vollkomen gehöret werden, alsdan 
aber geschwind den einfall machen; dan es würde sehr lächerlich 
seyn, wan man den Sänger das worth von mund herab geigete, 
und von selben nichts anders als qua Metamo verstünde: dieses 
aber lasse ich den Cembalisten über, und nach Ihme müssen sich 
alle andere richten: NB: unsere gelehrte in Eisenstadt deren 
zwar sehr wenig disputirten sehr über das worth Metamorpho- 
sis, einer wolte die vorletzte Sylbe kurtz, der andere aber lang, 
ungeachtet aber in welscher sprach Metamorphösi gesagt wird, 
habe doch in latein jederzeit gehöret Metamorphosis, solte ich 
geirret haben, wäre dieser Fehler leicht zu verbessern. 

4 tcn " daß die forte und piano durchgehends richtig geschrieben, und 



selbe in ihren werth genau Betrachtet werden, dan es ist ein sehr 
grosser unterscheid zwischen piano und pianissimo, forte und 
fortiss: zwischen crescendo und forzando und dergleichen. Es ist 
auch zu mercken, daß wan in der Spart ein forte oder piano nicht 
bey allen stimmen ausgesetzt, diesen mangel der Copist bey ab- 
schreibung ersetzen soll. 

weil ich mich in verschiedenen Accademien öffters geärgeret über 
manchen geiger, welcher da die so genanten ligaturen als eine der 
schönsten Figuren in der Music so jämerlich geschändet, und die 
ligatirte Notte, so mit der vorhergehenden zusam gezogen seyn 
solte, mit wideraufhebung des Bogens kurtz abgestossen, Reco- 
mendier ich dieses den Primier Violinisten: Es würde danenhero 
albern seyn, wen man (wie in 47"° Tact zu sehen) anstat, 



da die 2 erste Notten einen strich erfordern, auf solche unange- 
nehme und fehlerhafte arth als z. E. 




alles gestossen, als ob keine ligatur vorhanden, abspiellete. 
Bitte, daß Beständig ihrer zwey die Viola spiellen, dan die Mittel- 
stim erfordert in manchen fällen mehr gehöret zu werden als die 
Oberstim, man wird auch in allen meinen Compositionen sehen, 
daß selbe selten mit den Bass anhergehet. 

Wen die Violinstimmen dopelt müssen geschrieben werden, solle 
der Copist trachten, daß nicht alle zu gleicher zeit umwenden 
müssen, dan dieses nihmt bey einer schwach besetzten Music 
vielle Krafft hinweg: Er solle auch bey denen Da Capo zeichen 
S S sich in obacht nehmen, und derohalben eine Prim Violin stimm 
schreiben so, wie die Spartitur aufweiset, der anderen aber kan 
Selber zwey Tact so nach diesen zeichen £ J folgen noch hinzu- 
setzen, und alsdan das zeichen an sein gehöriges orth machen. 
Recomendire ich vor allen denen zwey knaben [Solosänger] eine 

59 



gute aussprach, langsam in Recitativen, damit man jede Sylbe ver- 
stehen kan, ingleichen die arth des gesanges in Recitiren, z. E. 



muß also gesungen 
werden 



quae me- ta-mor- pho - sis 



quae me - ta - mor - pho - sis 



und nicht 



10" 



quae me- ta- mor - pho - 



sondern die vorlezte Notte g bleibet vollkomen aus, und auf 
solche arth in allen übrigen fällen: 2 Ich verlasse mich dessen auf 
die geschicklichkeit des Herrn Tenoristen, so denen knaben hierin- 
fals alle anweisung geben wird. 

Verhoffe ich wenigstens von den gantzen werckh 3 oder 4 Proben. 
In der Sopran Aria kan allenfahls der Fagot ausbleiben, jedoch 
wäre es mir lieber, wan selber zugegen wäre, zu mahlen der Bass 
durchaus obligat, und schätze jene Music mit denen 3 Bässen, als 
Violoncello, Fagot und Violon höher, als 6 Violon mit 3 Violon- 
cello, weil sich gewisse Passagen hart distinguiren. 
letztens/Bitte jeden besonders von denen Herrn Musicis um meine 
und ihre eigene Ehre zu beförderen Ihren möglichsten Fleiß an- 
zuwenden: Solte ich etwan mit meiner arbeith den geschmack 
derselben nicht errathen haben, ist mir hierinfals nicht übl zu 
nehmen, weil mir weder die Persohnen, noch der orth beckant 
sind, die verhellung dessen hat mir in Wahrheit diese arbeith sauer 
gemacht; übrigens aber wünsche ich, daß dieser Applausus sowohl 
dem Herrn Poeten und denen wehrtesten Herrn Tonkünstlern als 
auch dem Hochlöblichen Auditorio gefallen möge, der ich mit 
gröster Veneration allerseitig geharre 
Dero 

gehorsambster diener 

Giuseppe Haydn. Maestro di Cape : 

die Sua Alt: Sere: Prencipe d'Estorhazy 



60 



O (Autograph, als Begleitschreiben zur sogenannten Applausus-Kantate Haydns): Archiv 
der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. ED (nur auszugsweise): Pohl II, 41-42. R. Haas: 
AuffUhrungspraxis der Musik (Potsdam 19)1) 2)8-40; Geirittger/2, }I7-)19! Österr. Musik^eit- 
schrifi, Jg. 14 (19/9), 198 — 200 (mit Faks.); London CCLN 9-1 1. 

1. Haas: „ungeacht"; Geiringer: „ungeachtet". Da uns der komplette Originalbrief nicht 
vorlag, konnten wir in diesem Falle keine Entscheidung fällen. — - 2. Dieser hier endende 
Satz (von „sondern" bis „fällen") fehlt in den deutschsprachigen Publikationen (Pohl, 
Haas, Geiringer) . Wir haben diese Ergänzung durch Christa Lattdon mitgeteilt bekommen. 
Dieser lange und aufschlußreiche Brief ist bekannterweise eine unserer wichtigsten Quellen 
zur musikalischen Aufführungspraxis der Zeit um 1 760-1 770. So ist es nur allzu verständ- 
lich, daß sich die Haydn-Literatur seit eh und je eingehend mit der konkreten Veranlassung 
dieses Dokumentes beschäftigte. Der Brief ist nicht datiert; da aber die Handschrift der 
Applausus-Kantate das Datum 1768 trägt, so kann auch der dazugehörige Begleitbrief 
nur demselben Jahr angehören. — Ein ausnehmend schwierig zu lösendes Problem bildete 
aber jahrzehntelang die genaue Festlegung des Bestimmungsortes und der besonderen Ver- 
anlassung zu dieser lateinischen Gratulationskantate. Die Verwirrung hinsichtlich des 
Bestimmungsortes hat Haydn selbst angestiftet, indem er im sog. Entwurfkatalog seiner 
Werke das Incipit der Kantate eintrug und darüber nachträglich (wohl viele Jahre später) 
notierte: „bey Gelegenheit einer Prälaten Wahl zu kremsmünster" (im großen Elßlerschen 
Katalog seiner Werke aus 1805 hat Haydn dieses Werk ganz vergessen). Schon Pohl II, 
40 hat darauf hingewiesen, daß diese Angabe Haydns unmöglich richtig sein kann; in 
Kremsmünster hat 1768 überhaupt keine Prälatenwahl stattgefunden! Da aber im Stift 
Göttweig (zu welchem Haydn bekanntlich in guten Beziehungen stand und wo seine Werke 
besonders häufig aufgeführt wurden) gerade am 7. August 1768 tatsächlich eine Prälaten- 
Installation stattfand, so hat Pohl den Bestimmungsort der Kantate (und des Begleit- 
briefes) logischerweise in Göttweig gefunden zu haben geglaubt. Pohls großes Ansehen 
hat dieser Ansicht lange Zeit hindurch uneingeschränkte Geltung verschafft, obwohl 
es immerhin zu bedenken gab, daß sämtliche handschriftliche Unterlagen des Werkes 
(Partitur, Stimmen und der Brief) nicht aus Göttweig, sondern von einem anderen (unter- 
österreichischen) Stift, Zwettl (1832 bzw. 1835), der Gesellschaft der Musikfreunde ge- 
schenkt wurden. (Bedenken hierüber ist schon von Larsen HÜb 79 mit gebührendem 
Nachdruck geäußert worden.) In Zwettl hat aber 1768 gar keine Prälatenwahl stattge- 
funden, so daß sich Haydn nicht nur im Ort, sondern auch in der Art der Veranlassung 
geirrt haben mußte. Erst dem verdienten Wiener Forscher Leopold Nowak ist es schließlich 
gelungen, die Sachlage zu klären ( Nowak] t , 206; Nowak] 2, 184), indem er nachwies, daß 
Haydns Werk mit einer Prälatenwahl nichts zu tun habe (auch hierin hat sich also das 
geschwächte Gedächtnis des alten Haydn getäuscht), sondern für den 70. Geburtstag des 
Abtes Rainer Kollmann von Stift Zwettl als Gratulationskantate geschrieben wurde. Daß 
sich Haydn auf diese Art doppelt irren konnte, erklärt sich einerseits aus der großen 
zeitlichen Distanz der Eintragung im Katalog, andererseits aus dem Umstand, daß Haydn 
ja (wie aus dem Brief ersichtlich) nicht persönlich bei der Aufführung in Zwettl zugegen 
war, sondern mit dem Stift nur brieflich verkehrte. 



6l 



9- Haydn an den fürstlichen Sekretär Anton Scheffstoss, 1 Wien 

[Eisenstadt, den 22. Dezember 1768] 
Wohl Edl gebohrn 
Insonders HochgeEhrtister Herr Secretaire! , 

Übersende Ihnen meine bittschrift an S e : Durchl: den Fürsten also lautend. 

Durchl: Hochgebi et: 
Eure hochfürstliche Durchl: haben mir jüngsthin gnädigst zu wissen 
gemacht, daß nicht nur der alhiesige Räntmeister Frantz Nigst als 
Violinist, sondern auch der Joseph Diezl als Tenorist bey der Music 
überflissig [sie] befunden worden, 2 sondern auch mir anbefohlen, von 
den ersteren die 2 Uniform abzufordern: diesen ersteren nemlich Frantz 
Nigst betreffend, mus Euer Durchl: ich unterthänigst beybringen, und 
in Wahrheit gestehen, daß in denen bishero producirten opern bey den 
Violin Secund mit selben als den einzigen, so den Secund zu dirigiren in 
stand ist, bestens versehen wäre, folglich, wan dieser abgethann wäre, 
künfftighin wegen unterlauffenden Fehlern in Forchten stund, es seye dan, 
daß etwan Eure Durchlaucht gnädigst gesonnen wären, einen anderen 
festen Secund geiger aufzu nehmen, oder zu producirenden opern einen 
von Wienn kommen zu lassen, dan zu den Secund ist sodan niemand 
als der Waldhornist Frantz und Mäy, 3 mit denen führwahr nicht versehen 
wäre. Wahr ist es zwar, daß, wan die gantze Music künfftiges Jahr nacher 
Esterhaz kommet, er wegen dem Räntamt nicht beständig in Esterhaz 
seyn könte, jedoch wäre meine unterthänigste Meinung, denselben (wan 
der K: K: Hof, oder andere hoche herschaften anwesend wären) nacher 
Esterhaz kommen zu lassen. Euer Durchl: demnach unterthänigst bitte, 
ihme noch ferners die Jährliche 50 Fl. dan die Winter und Sommer Kleider 
(mit welche-letzteren er in Esterhaz schon dienste geleistet hat) gnädigst 
zu ertheillen. Der Joseph Dietzl ist meines erachtens auf den Chor be- 
sonders dazu mahlen nöthig, wan die gantze Music nach Esterhaz ab- 
gehet, damit der gewöhnliche Gottes dienst durch ihn, seinen preeeptor, 
und seine in der lehr befindliche Singer buben bestritten würde. ich 
höre von mehreren, daß er mit dem schullmeister dienst allein ohn- 
möglich sich ernähren kan. bittete also eben unterthänigst ihme doch 
so vieles gnädigst aus zu werffen, daß Er zu leben habe. 
Solte Ihnen hierinfals etwas nicht anständig seyn, bitte gehorsambst mich 

62 



dessen baldigst zu berichten, ich schmeichle mir durch mein bitt und Dero 
beckräfftigung in ansehung Ihres Caracteurs bey S r Durchl: etwas aus 
zu würcken, solte dieses nicht seyn, kan mir wegen der liebe des nächsten 
keine schuld beygemessen werden. Der ich nebst anwünschung deren 
herannahenden Feuertägen, glücklichen aus und eingang des alt und 
neuen Jahr Ersterbe 

Meines hochgeEhrtisten Herrn 

Ergebenster Diener 
Eisenstadt den 22 ten Dec m / 1768 Joseph Haydn mppria. 



[Von demselben Schriftstück hat sich Haydn auch noch eine besondere Skizze angelegt, 
welche direkt an den Fürsten adressiert ist. Der Text dieser Skizze ist im Wesen mit obigem 
identisch; nur ist die an Scheffstoß gerichtete Schlußpartie ^von „Solte Ihnen hierinfals ..." 
an) durch diesen Absatz ersetzt:] 

Nächste Tagen werde Euer hochfürstlichen durchlaucht einige neue 
Trio 4 gehorsamst übermachen, der ich zu hohen Hulden und gnaden mich 
unterthänigst befehle. Euer hochfl. durchl. unterthänigster 
Eisenstadt, den 22 ten Decembris 1768. 

Josephus Haydn mppria. 

O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 1, Nr. 47. ED: Valkö I, 6jz (mit nicht ganz einwandfrei 
buchstabengetreuer Lesung). Danach bei Geiringer/2, 42 und Landon CCLN 11-12 (mit 
Faksimile der 1. Seite auf Tafel XIV). 

i. Die Person des Adressaten ist uns schon aus dem Brief Nr. 7 bekannt. — 2. Die Musiker, 
für deren Beibehaltung sich Haydn hier einsetzt, sind der Violinist Franz Nigs/ (er diente 
seit 1760) sowie der seit 1753 dienende Tenorist und Schulmeister Joseph Diezl (auch 
Dietzl; ihm sind wir schon in der „Regulatio" Nr. 5 begegnet). Haydns Fürsprache hatte 
Erfolg: Nigst diente bis 1772, der vielseitig brauchbare Diezl sogar bis zu seinem 1777 
erfolgten Tode. — 3. Die beiläufig erwähnten zwei Orchesterspieler sind die (haupt- 
beruflichen) Hornisten Johann May (1765-1772 im Dienst) und Kar/Franz (auch ausgezeich- 
neter Barytonspieler, der 1763-1776 diente). — 4. Die in der Nachschrift erwähnten Trios 
sind sicherlich (nicht mehr näher bestimmbare) Barytontrios. 



63 



io. Eigenhändige Verrechnung Haydns über Reisekosten nach 
Pressburg 

[Eisenstadt, den 16. Mai 1769] 

Specification \ 

Was ich auf Befehl Seiner Hochfürstlichen Durchlaucht in der Reiß nach 

Presburg ausgeleget, um Neue Singerinnen aufzunehmen. 

Die Fuhr von Presburg' auf 3 Tag wegen üblen Wetter accordirt 7 Fl. 

Die Fuhr von Eisenstadt nach Estoras : 4 Fl. 

Die Kost vor 5 Tag ■ : 5 Fl. 30 xr. 

Summa : 16 Fl. 30 xr. 

Eisenstadt, den i6 ten May 1769 

Josephus Haydn mppria. 

Habe diese 16 Fl. 30 xr. von den Herrn RentMeister Nigst richtig Empfangen. 

(Autograph): Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 13, Nr. 740. ED: Valkö II, J46. tyieht bei 
London CCLN. 

Es ist mit unseren Mitteln vorläufig nicht einwandfrei festzustellen, ob Haydn in diesem 
Jahre, 1769, die Fahrt unternahm, um für den Eisenstädter Kirchenchor oder aber für die 
Eszterhäzaer Oper „in Preßburg neue Singerinnen aufzunehmen". Die Wahrscheinlichkeit 
spricht mehr für das letztere. Gerade in jüngster Zeit (1962) ist es Hdrich (ROKH i/) 
gelungen, die Eszterhäzaer Erstaufführung der Oper La contadina in corte (von Sacchini?) 
dokumentarisch zu belegen; eine Erstaufführung, von welcher wir bisher nicht das ge- 
ringste wußten. Vorläufig ist dies die einzige aktenmäßig belegte Premiere im Jahr 1769. 
Im nächsten Jahr 1770 läßt Haydn dann das Opernleben in Eszterhäza bereits tüchtiger 
anlaufen: im März 1770 fährt er mit seiner Operntruppe nach Wien, um Lo speciale beim 
Freiherrn von Sumerau aufzuführen (vgl. Pohl II, 4}), und im September 1770 folgt dann 
die Premiere der neuen Haydn-Oper, Le Pescatrici. Die in der Besetzungsliste der letztge- 
nannten Oper auftauchende Sängerin Gertruds Cellini ist übrigens 1769 engagiert worden ; sie 
mochte also eine der in Preßburg engagierten „neuen Singerinnen" gewesen sein. 



64 



na. Eingabe Haydns an den Fürsten Nikolaus I Esterhäzy 

[Ohne Datum. Herbst 1770] 

Durchlauchtig: Hochgebohrner Reichs Fürst! 
Gnädigst: Hochgebiethender Herr Herr! 

Da ich zu erkauflung meines Hauses 1 400 Fl. baares geld vor etlichen 
Jahren entlehnen muste, und dieses Capital mir jezo aufgekündet worden, 
Als habe in ermanglung dessen schon verschiedener Orthen zu abstossung 
dieser schuld widerum so vieles gegen bezahlenden Interesse aufnehmen 
wollen, 

Weihen aber alhier in Eisenstadt keinen Creditorem ertragen könen, und 
ich dieses aufgekündete geld in kürtze erlegen solte dahero 

Euer Durchlaucht unterthänigst bitte mir diese 400 Fl. gegen deme 
aus der General Cassa gnädigst erfolgen zu lassen, daß mir die aus der- 
selben quartaliter assignirte 50 Fl. (deren die erste mit Ende Januarij 
1771 mir schon fallen) in so lang abgezohen werden, bis die gantze schuld 
ersetzet seyn wird. Der mich zu hohen hulden und gnaden unterthä- 
nigst befehle 

Euer Hochfürstlichen Durchlaucht 

Unterthänigster 
Josephus Haydn. 

[Auf der Außenseite Kanzleivermerk:] Joseph Hayden bittet womit ihme 
400 Fl. zur auszahlung seines Haußes aus der G ral: Cassa entlehnet 
werden möchten. 

(Autograph) : Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 1, Nr. 50. ED: Valkö I, 6} 3. Danach Landon 
CCLN i). 

1. Es handelt sich hierbei um Haydns Haus in Eisenstadt. — Laut einer Notiz bei London 
CCLN 13 ist Haydns Bitte vom Fürsten bewilligt worden. 



11b. Eingabe Haydns an den Fürsten Nikolaus I Esterhäzy 

[November 1771] 

[Das Original dieser Eingabe ist im Budapester Archivmaterial bisher nicht aufgetaucht 
(vielleicht ist es in Eisenstadt erhalten ?). Den Inhalt kennen wir nur aus einem Auszug 
bei Pohl II, 48.] Was Haydn betrifft, hebt er in seiner Zuschrift an den Fürsten gleichsam 
als mildernden Umstand hervor, daß er, seit er in dessen Diensten stehe, ihn noch niemals 

5 65 



für seine Person mit einer Supplique belästigt habe, und er -würde sich auch dermalen die 
Kühnheit nicht erlaubt haben, wenn ihn nicht die Noth dazu drängte . „Die jetzige sehr 
theuere Zeit", in welcher aller Unterhalt doppelte Auslagen erfordert, träfe ihn schon jetzt 
und werde ihm voraussichtlich auch noch weiterhin fühlbar werden, und so sei er in derThat 
genöthigt, Se. Durchlaucht demüthigst zu bitten, ihm zum „besseren Auskommen monat- 
lich einen Eimer Offiziers-Wein und eine halbe Klafter Brennholz" gnädigst anzuweisen. 
Auch diese Bitte Haydns ist vomFiirsten am i. Dezember 1771 prompt bewilligt wordeq. 
Der diesbezügliche Bescheid lautet (vgl. Pohl II, 48): „Wird verwilliget und solle dem 
Instanten täglich eine Maaß Offiziers-Wein, dann jährlich sechs Klafter Brennholz ver- 
abfolgt und an Behörde angewiesen werden." Dieser Bescheid ist im Budapester Archiv- 
material nicht im Original, nur in Form eines Kommissionsprotokoll-Auszugs gleichen 
Inhalts vorhanden (mitgeteilt bei Valkö II, j;o). 



12. Kontrakt zwischen den fürstl. Musikern Pohl und Marteau 
in Gegenwart Haydns 

[Bis auf die Unterschriften Kopistenschrift] 

[Eisenstadt, den 21. Dezember 1771] 
[Archivrubrik auf der Außenseite:] 

Contractus inter Zachariam Pohl, et Xaverium Marteau Musicos, vi cujus 
hie ob laesum Musici Pohl oculum ad respondas [? restituendas ?] in curam 
habitas expensas semet obligat. 1 
[Innenseite:] 

Heute zu Ende gesetzten Dato und Jahr ist zwischen dem fürstl. Eszterhazy- 
schen Hauboisten Zacharias Pohl, und dem auch fürst. Eszterhazyschen 
Bassetlisten Xavier Marteau wegen den — den 24'° des verflossenen Monaths 
Junij in dem Eszterhäzer Schloß-Wirthshauß mit einander gehabten Rauff- 
handel, wobey Zacharias Pohl seines rechten Augs beraubt worden ist, nach- 
folgender Vergleichs Contract erichtet, und beschlossen worden; alß: 
Nachdeme aus denen Aussagen beeder theilen, und verschiedener Zeugen 
zu Muthmassen ist, daß der Xavier Marteau dem Zacharias Pohl diesen 
Schaden am Aug mit dem Ring, nicht zwar vorsetzlich zugefügt habe, der 
Zacharias Pohl aber nicht gäntzlichen ausser Schuld seye, weillen Er zu 
diesen Handel auch Anlaß gegeben hat; so haben sich beyde in Gegenwart des 
H. Kapelmeisters Hayden dahin verglichen, daß Xavier Marteau dem 
Zacharias Pohl die wegen besagten Schaden gehabte K.ur- und Reiß Un- 
ckosten mit Viertzig Neun Gulden 43 Xr: und zwar innerhalb Sechs Monathe 

66 



mit Monathlichen Acht Gulden 17 1/6 Xr; und zwar die erste 8 Fl 17 1/6 Xr. 
mit ersten January 177z bezahlen werde, Zacharias Pchl aber über dieses 
wegen den am Aug überkommenen Schaden an ihrre Marteau zu keiner 
zeit etwas forderen könne, oder wolle. Urckund dessen haben sich beyde 
eigenhändig unterschrieben, und ihr gewöhnliches Petschafft beygedruckt. 
Eisenstadt den 21 m Decembris 1771. 

L. S. Zacharias Pohl mp. 

Hochfürstlicher Hautboist 
L. S. Xavjer Marteau 

Hochfürßlicher Bassetlist. 
In meiner Gegenwarth. L. S. Josephus Haydn mppria 

Hoch fürstlicher Capell-Meister. 

0: Unter der Archivsignatur Budapest, EA-TS, A, M. Fase, i, Nr. 4 befinden sich von 
diesem Kontrakt drei (im Wesen gleichlautende) Ausfertigungen: A das Exemplar mit 
den Original-Unterschriften (dieses haben wir oben im Haupttext mitgeteilt);^ ein Kanzlei- 
konzept mit Korrekturen und ohne Unterschriften, betitelt: „Fragmentum Contractus 
inter Musicos Pohl et Marteau"; C eine Kanzleikopie (mit kleinen orthogr. Abweichungen) 
nach dem (unter A verzeichneten) Original, betitelt: „Contractus inter Musicum Pohl et 
Martau [sie] respectu rigas inter se ortas". Eine (moderne) K. befindet sich in der ÖNB, 
danach ED: Landoii, Mttsica,Jg. 19)9, Heft V,z8y und (eÜb) LandonCCLN /^/ im Original- 
text ValköII, j}2 (nicht ganz buchstabengetreu). 

1. Der lateinische Text dieser Archivrubrik ist bei Landon CCLN 14 an einigen Stellen 
verlesen. Die zwei weiteren Ausfertigungen des Dokuments haben abweichend formu- 
lierte Rubriken. — Der Oboist ZacbariasVobl wurde 1769 für Eszterhäza engagiert und diente 
daselbst bis zu seinem 1781 erfolgten Tode. — Der (auch als Komponist bekannt ge- 
wordene) Cellist und Kontrabassist Fran% Xavier Marteau (eigentlich hieß er Hammer) 
wirkte 1771-1778 im fürstlichen Ensemble. 



13. Haydn an den fürstl. Sekretär Anton Scheffstoss, Wien 

Eisenstadt den 9"" Jenner 1772 

Hoch Edl gebohrn und Sonders hochzu Ehrender 
Monsieur Scheffstoss; 

Sage verbundensten dancke vor alle diese gute gesinnungen, so Sie in 
betraf meiner wünsche, und deren Erfolge durch Ihre Vorsprechungen 
an mir Erfülleten, ich würde diese dancksagung vermög meiner schuldig- 

5* 6 7 



keit schon längstens Erstattet haben, wan mich nicht ein und andere 
unbässlichkeiten dauon abgehalten: 

Liebster Monsieur Scheffstoß, helfen Sie auch den Marton [Marteau] 
durch Ihre gute dahin, damit Ihme Seine gebührende 6 Klaffter Bren- 
holtz, 30 Loth Kertzen, und 30 Fl. Quartier geld, 1 welche Seine Durch- 
laucht mit Ihme durch mich Accordirt) erfolget werden; und ist hierinfals 
der fehler in Seinen Contract, daß Er das Deputat wie der lidl zu geniessen 
habe, indeme doch in des lidls Contract von denen 30 Loth Kertzen 
(welche S: Durchl: mit mir bey meiner Ehre Accordirt) nichts zu finden 
übrigens bitte meinen gehorsambsten Respect an Dero frau gemahlin 
und Weiglische Familie (welcher ich mit nächsten schreiben werde) und 
an alle übrige gute freund, ich aber verbleibe mit aller hochachtung 

Euer Hoch Edlen 

dienstErgebenster D* [Diener] 
Josephus Haydn mppria. 
[Darunter, von anderer Hand, Kanzleivermerk:] circa meliorationem 
salarii Musico Marton [sie] exoperand. 2 

O (Autograph): Budapest, EA-TS, A. M. Fase, i, Nr. 51. BD: Valkö I, 6jz (mit vielen 
Lesefehlern und nicht ganz buchstabengetreu). Danach Landott CCLN ij. 
1. Hier hat Haydn den Anfang der Klammer, welche bis einschl. „Accordirt" reicht, 
vergessen. — 2. Der lateinische Text dieser Kanzleirubrik ist beiLandon CCLN ij mehrfach 
verlesen. — Interessanterweise haben nicht nur der Kanzleibeamte, sondern auch Haydn 
selbst den französisierten Namen des Cellisten Marteau (mit ungarischer Orthographie) 
als Marton geschrieben; der Name ist also damals in Eszterhäza vermutlich als Marton 
ausgesprochen worden. Hier hat sich Haydn wieder einmal für einen seiner Orchester- 
musiker, den (aus unserem Dokument Nr. 1 2 bereits bekannten) Cellisten F. X. Marteau, ein- 
gesetzt. Dabei beruft er sich auf den Präzedenzfall des Cellisten und Barytonspielers 
Andreas Lidl , welcher 1769-1774 in fürstlichem Dienste stand. — Über die Familie Scbeff- 
stoß- Weigl vgl. unseren Brief Nr. 7. 

Die durch Haydn so nachdrücklich unterstützte Bitte Marteaus ist vom Fürsten prompt 
bewilligt worden. Die diesbezügliche Resolution des Fürsten (datiert vom 14. Januar 1772) 
befindet sich im Sammelband „Prothocoll über verschiedene hochfürstl. Commissiones, 
Decretationes, Intimata und andere Buchhaltereys Verordnungen" im Esterhäzy-Archiv- 
rnaterial (Fase. 2488, Nr. 776) des Staatsarchivs Budapest (vgl. Landen CCLN //, Note 4). 



68 



14. Eingabe Haydns an den Fürsten Nikolaus I Esterhäzy 

[Zeitgenössische Kanzleikopie] [Kein Datum. Vermutlich: März 1773] 

Durchlauchtig-Hochgebohrner Reichs-Fürst 1 
Gnädigst Hochgebiethender Herr, Herr! 

Da Euer Durchlaucht durch Hochdero Secretarium Scheffstoß mir be- 
deuten laßen, daß Hochdieselbe gnädigst gesonnen wären mir so wohl, 
als der übrigen — bey hintritt S r Hochfl. Durchl: Herrn Bruders in 
diensten gestandenen Kammer Music eine Jahrs Besoldung (wann jeder 
derenselben Euer Durchl: dieserwegen supplicando belangen würde) 
freygebigst zu ertheillen. 

derowegen Euer Durchl: demüthigst bitte, höchstdero Gesinnung und 
ausnehmende Gnade mit einer gütigsten Anweisung zu bestättigen. 
Wofür meine eyfrigste Dienste jederzeit leysten werde, und mich zu 
Höchsten Hulden und Gnaden empfehle 

Euer Hochfürstlichen Durchlaucht 

unterthänigster 
Joseph Hayden 
Capell: Meister 

[Die Genehmigung des Fürsten ist in folgender Klausel — auf der Außenseite — enthalten:) 
Wann keine gegenforderung ist, solle dem Instanten die Jahrs Besoldung, welche er 
damahls contractmässig hatte, gegen Abzug der Erbsteuer per 10 prozento bezahlet, 
und in unserer General Cassa beausgaabet, der Betrag der Erbsteuer aber gegen erforder- 
licher Quittung H rD Doctor Sonleithner 1 übergeben werden. Wienn den i ten April 1773. 

Nicolaus Fürst Esterhäzy. 

(Haydns Autograph) im Budapester Archivmaterial nicht aufgetaucht. Textquelle: 
zeitgenössische Kanzleikopie der Esterhazy-Verwaltung, EA-TS, A. M. Fase. 12, Nr. 625. 
ED: Valkö II, ;6} (mit kleinen Lesefehlern und nicht ganz wortgetreu). Laiidon CCLN 
ij-i6. 

1. Der (aus Szeged in Ungarn gebürtige) Wiener Rechtsanwalt Dr. Christoph Sonnhithner 
(1734-1786) war nebenbei auch ein enthusiastischer Musikliebhaber und Komponist. 
Einige seiner Sinfonien wurden handschriftlich unter Haydns Namen vertrieben. 4 Streich- 
quartette von ihm wurden gedruckt. 

Diese Bitte Haydns an den Fürsten hängt offenbar mit der um diese Zeit (1771-1773) in 
Mitteleuropa belegten Lebensmittelknappheit und allgemeinen Teuerung Zusammen. 
Schon um 1771 gab es eine Reihe von Gesuchen, in welchen die Mitglieder der fürstlichen 
Kapelle „bei dermahliger übermässiger Theuerung" um Aufbesserung ihres Gehaltes 

6 9 



durch eine Extra-Unterstützung baten (vgl. Pohl II, 47-48). Damals hat sich Haydn selbst 
nur um die Zuteilung von Naturalien (Wein, Brennholz) beim Fürsten bemüht. Jetzt aber 
geht es um eine (extra zu gewährende) ganze Jahresbesoldung, welche Haydn und allen 
jenen Musikern, die schon beim Hinscheiden von Fürst Paul Anton Esterhdzy (am 18. März 
1762) im Dienste gestanden hatten, gewährt werden soll. Ob diese Extra-Zuteilung den 
Musikern noch durch den verstorbenen Fürsten testamentarisch vermacht wurde oder ob 
es sich um eine Bitte rezenten Datums handelt, geht aus dem Dokument nicht klar hervor. 
Daß die 10-prozentige Erbsteuer davon abgezogen werden sollte, könnte immerhin 
auf das Bestehen eines Legats hinweisen (ebenso auch die Fassung des anschl. unter Nr. 15 
mitgeteilten Quittungstextes). Dann aber scheint es geradezu rätselhaft, wieso die Aus- 
zahlung dieses Legats bis volle 11 Jahre nach dem Tode des verstorbenen Fürsten ver- 
zögert wurde. — Oder sollte etwa die Nachricht von dem ihnen zugedachten Legat den 
Musikern erst jetzt, im Jahr 1773, (gleichsam zufallsweise) durch den ihnen wohlgesinnten 
Sekretär Scheffsloß mitgeteilt worden sein? — ■ Tatsache ist, daß Haydn und seine Musiker 
die längst fällige Summe jetzt endlich ausgezahlt bekamen. 



1 5 . Haydns eigenhändige Quittung über das im obigen Dokument 
petitionierte legat 

[Eisenstadt, den 29. April 1773] 
Ich Endes Unterschriebener Beckene hiemit, daß Ich vermög der von S r Hoch- 
fürstlichen Durchlaucht heraus gegebenen Decretation die Jenige von 
S r Durchlaucht weyland Fürst Antonj Estorhazy Hoch Seeligen angeden- 
ckens Lauth Testaments qua Hauß Officier Legirte Jahrs Besoldung per 
400 Fl. Sage Vier Hundert Gulden Aus der Hochfürstlichen General Cassa 
und Händen des Ober-Einnehmers Herrn Züsser Baar und Richtig solcher 
gestalten Empfangen habe, daß weithers an Hochfürstlichen Hause nicht die 
mindeste Anforderung mehr machen köne. 

Schloß Eisenstadt den 29*™ Aprill / 1773 
Josephus Haydn mppria. 
Capell Meister 

O (Autograph): Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 12, Nr. 626. ED: Valkö II, j6i. Landon 
CCLN 16-17 (Faks. daselbst auf Tafel XV). 



7° 



i6. Haydns eigenhändige Quittung über Ausgaben zur Oper 

[Eisenstadt, den 30. November 1773] 

Was ich vor S e Hochfürstliche Durchlaucht ausgegeben 

als dem Bassisten von Oedenburg zur Marionetten fl. xr. 

1. Opera für 5 Tag des Tags 3 Fl. Accordirt macht 15 — 

2. Der Altistin Griesslerin v. Eysenstadt vor 8 Tag 

des Tags einen Gulden macht 8 — 

3. Item den Tenoristen Johann Haydn vor 8 Tag 8 — 

4. Dem Friseur vor beede Opera 7 40 

5. Dem Harpfenisten Krumpholtz Discretion 4 Cremnitzer 

Ducaten macht 17 12 



Summa: 55 Rfl. j2xr. 

Obige 55 fl. 5 2 xr. seynd mir aus der Eisenstädter General Cassa, und Händen 
des Herrn Ober Einnehmer Joseph Züsser richtig und baar bezahlet worden. 

Eisenstadt den 3o t<:a 9 bt ' 8 [Nov.] 1773 
Josephus Haydn mppria. 

(Autograph): Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 11, Nr. 610/a. ED: Valkdll, /;?. — Nich 
bei Laiidon CCLN. 

Wie bekannt, sind beim Besuch der Kaiserin Maria Theresia am 1.-2. September 1773 
die Buffooper L'lnfedeltä delusa und das Marionettenstück Philemon und Bauch (beide mit 
Musik von Haydn) in Eszterhäza aufgeführt worden. Offenbar mußten zu dieser besonderen 
doppelten Beanspruchung Hilfskräfte aus Ödenburg und Eisenstadt herangezogen 
■werden. Bei der „Altistin Grießlerin" handelt es sich um die Kirchensängerin Elisabeth 
Grießler (später verehelichte Wutkovätz, welche 1769-1782 in fürstlichem Dienste stand); 
beim „Tenoristen Haydn" um Haydns jüngeren Bruder Jobann (er diente 1765-1790); 
beide wurden aus dem Eisenstädter Kirchenchor nach Eszterhäza beordert. — Der Har- 
fenist Job. Baptist Krumpholtz stand 1773-1776 in fürstlichem Dienst; er soll in Eszterhäza 
auch Unterricht bei Haydn genommen haben (Pohl II, 101). Sein Name wird viele Jahre 
später, in den Londoner Notizbüchern Haydns, wieder erwähnt. Seine bevorzugte Be- 
handlung ergibt sich aus der respektablen Höhe der ihm zugedachten „Discretion" (d. h. 
„besonderen Zulage"; das Wort wurde auch im Sinne von Trinkgeld gebraucht). Übrigens 
hat Krumpholtz schon am 29. Juli 1773 eine „Gratification" von 4 Dukaten empfangen 
(vgl. Valkdll, ) 60) . Damals(am 26.-27. Juli) haben die Festlichkeiten zu Ehrendes Namens- 
festes der verwitweten Fürstin Esterhäzy (mit der Premiere von UInfedeltä delusa) stattge- 
funden. Es ist aber auch möglich, daß es sich beidemal um dieselbe Summe handelt, 
welche erst jetzt, vier Monate später, von Haydn nachträglich an die fürstliche Ver- 
waltung verrechnet wurde. 

7 1 



17. Verordnung des Fürsten Nikolaus I Esterhäzy an seinen 
Regenten Rahier 



[Wien, den 16. März 1774] 



Wohl Edl Gebohrn 
Hochgeehrter Herr v. Rahier! 1 



Die Specification deren Musicis habe Rechtens erhalten, aus welcher ersehen, 
das der Christian Spech, Xaveri Marteau, Carl Corus, und Joseph Oliva ab- 
wesend seynd. 2 Mithin müssen Sie weder gegen den Capel meister Heyden 
noch gegen die übrigen etwas mercken lassen, sondern nur ganz gleichgültig 
in der Sache bleiben. 

Übrigens aber Sorg tragen zu wissen wie lang ein Jeder deren Vier obbenan- 
ten Musicis abwesend bleiben wird, demnach die Tage zusammen zehin, 
auf ihrer besoldung ausrechnen, und von dem Ober Einnehmer ein Jeden 
von seinen Monath geld oder quartal wie Sie es zu Empfangen haben, ab- 
ziehen lassen! 

Zur Sicherheit aber mus gleich der Verboth in mein Nahmen gemacht werden, 
damit selbe vielleicht nicht zum voraus von ihrem gehalt heraus nehmen. 
Verbleibend 

Euer Wohl Edl gebohrn 

Bereitwilliger 
Wien, den i6' n Merzen 1774. Nicolaus Fürst Esterhazy 



O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 20, Nr. 1372. ED: Valk.6 II, jj). Auszugsweise bei 
Landon CCLN, Note 17-18. 

1. Der Person des Güterregenten Rahier sind wir schon weiter oben (Dok. 3-4) be- 
gegnet. Dieses Schreiben des Fürsten ist zwar nicht direkt an Haydn gerichtet, betrifft 
aber seine Orchestermusiker und war der Anlaß zu Haydns weiter unten mitgeteiltem 
Schreiben (Nr. 18). — 2. Christian Spech (auch Specht geschrieben), Violaspieler und Bassist, 
stand 1768-1790, der Oboist Karl Corus (auch Chorus) 1771-1776 im fürstlichen Dienst. 
Über den Cellisten Marteau s. weiter oben unter Nr. 12-13. Joseph Oliva war 1769-1790 als 
Hornist und Violinist angestellt (vgl. Pohl II, )y)) . 

Die Textfassung des Dokuments verrät übrigens, daß Haydn um 1774 am fürstlichen 
Hofe bereits als Respektsperson galt, auf die man Rücksicht nehmen mußte. Bezeichnend 
hierfür ist jener Absatz der fürstlichen Verordnung, die Feststellung der Musiker-Absenzen 
durch den Regenten solle im Geheimen stattfinden, damit Haydn und die übrigen Kapell- 
mitglieder davon nichts merkten! Aber auch diese Taktik hat nichts genützt; Haydn hat 

7 2 



natürlich von der Verordnung und ihren Folgen Kenntnis erhalten und es sich nicht 
nehmen lassen, im Interesse seiner dadurch betroffenen Musiker sofort einzuschreiten, 
wie die folgende (undatierte) Eingabe zeigt. 

[Inhaltlich an dieses Schreiben anschließend (vermutlich also kurz danach 
verfaßt) erfolgt nun eine undatierte Eingabe Haydns an den Fürsten, im 
Interesse seiner betroffenen Musiker.] 

18. Eingabe Haydns an den Fürsten Nikolaus I Esterhäzy 

[März 1774] 
Durchlauchtigst Hochgeborener Herr Reichsfürst 
Gnädiger Fürst und Herr Herr! 

Nachdem Eure Hochfürstliche Durchlaucht denen Musicis als Marteau, 
Specht und Chorus vor einen Monath geld abzihen befohlen, unterfange 
mich Euere Hochfürstliche Durchlaucht gnädigst zu erinnern, wie ich 
es selbst letzthin in Wienn Euer Durchlaucht vor den Marteau auf einige 
Tage um die Erlaubniß gebetten, auch selbe von Ihro Durchlaucht 
gütigst erhalten, daß er aber etwas länger verblieben, war die ursach, 
diesweilen er sich allda einige neue Concerte abschreiben, ingleichen sein 
Violoncello zu richten lassen mußte. Den Chorus betreffend war die 
Zeit zu kurtz, es Euer Durchlaucht vorher zu wissen zu machen, indem 
er vor ohngefähr mit den Doctor Bertrand (welcher ihm wegen wegen 
[sie] seiner ständigen unbässlichkeit befohlen die luft zu verändern) 
umsonst und ohne Bezahlung hianauff?] fahren könnte, unterstünde mich 
danenhero die Erlaubniß zu geben. Den Specht anbelangend, Ereignete 
es sich, daß seine Schwiegermutter in Neustat plötzlich erkrankt, Er- 
laubte ich ihm just zur Zeit, da er keinen Kirchendienst versäumte, auf 
drei tag dahin zu gehen. Gelanget danenhero an Euere Hochfürstliche 
Durchlaucht meine unterthänigst gehorsamste Bitte denenselben diese 
Geldstrafe gnädigst nach zu setzen [sehen?], von welcher so hohen 
Gnade in der tiefsten unterthänigkeit ersterbe 

Euer Hochfürstlichen Durchlaucht 
unterthänigst gehorsamster 

Haydn 



73 



O im Budapester Esterhäzy-Archivmaterial gegenwärtig nicht nachweisbfir; auch in den 
beiden Dokumenten -Publikationen von Valkö (I und II) ist es nicht zu finden. Als Vorlage 
diente uns eine rezente (sog. Martonsche) Kopie (ohne genaue Quellenangabe) in der ÖNB, 
deren genauer Wortlaut uns durch Chrita London übermittelt wurde. ED nach derselben 
Textquelle: Geiringerl2, 41-42 und "London CCLN 17. \ 

Von den durch die oben (unter Nr. 17) mitgeteilte fürstliche Verordnung besoffenen vier 
Musikern erscheinen hier nur drei, für die sich Haydn (übrigens mit ziemlich lahmen 
Ausflüchten! einsetzt. Der vierte (Oliva) scheint sich unterdessen selbst verantwortet 
zu haben. Es ist bezeichnend, daß Haydn selbst in solchen Bagatellsachen nicht die Mühe 
scheut, für seine Musiker Partei zu ergreifen. 



19. Meldung des Güterregenten Rahier an den Fürsten über 
Musiker-Entlassungen 

[Eisenstadt, den 9. September 1775] 

Durchlauchtigst Hochgebohrner Reichs Fürst! 
Gnädigster Herr Herr etc. etc. 

Ich habe vermög hohen befehl dem Brüdern des Hayden gleich gestern, und 
heute dem Bassetlist Marteau die Entlassung ihrem dienste angedeutet, dem 
Ober Einnehmer aber die Verordnung gegeben, Niemandten von der Musique, 
auch unter waß immer für einen Vorwandt, ein Geldt, ausser Euer Durchl. 
Anordnung, erfolgen zu lassen; dem Fribert, und Schiringer jedem 1 Fl. von 
der Monath Gage abzuziehen, und das Capital des Vatters der Fribertin gleich 
aufzukündigen. 

Der Marteau hat dem hießigen Schloß Pfleger den Rock, und die Weste von 
der Sommer Uniform zur Verwahrung übergeben, und wird mit der erst 
überkommenden Gelegenheit sich nacher Eszterhaz begeben, alwo Er seine, 
und die übrige Uniforms Sachen hat; Euer Durchl. geruhen demnach dem 
Kapelmeister zu befehlen, daß Er sich von ihme dorten die übrige noch 
abgängige Stückhe übergeben lasse. Womit in tieffesten respect verharre. 
Euer Durchlaucht Unterthänigst gehors[ams]ter diener 

Eisenstadt den 9 ten 7 bris [Sept.] 

1775- 

Rahier mppria. 

O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 3, Nr. 1 94. ED: Valkö II, J78-J79 (nicht ganz wortgetreu). 
Nicht bei London CCLN. 

74 



Dieses Dokument stammt weder von Haydn selbst, noch ist es persönlich an ihn ge- 
richtet, es betrifft aber wieder „seine" Musiker. Die Musik ist dem Güterregenten Rahier 
offenbar immer noch ein Dorn im Auge. Jetzt sollen der Tenorist Jobann Haydn und 
der Cellist Marteau entlassen, dem Sänger Fribertb und dem Fagottisten Karl Schirmger 
(Schieringer; er diente 1767-1790) eine kleine Geldbuße auferlegt werden. — Wie immer 
in solchen Fällen, ist Haydn offenbar auch diesmal für die Betroffenen eingetreten, denn 
Johann Haydn und Marteau sind auch weiterhin im fürstlichen Dienste behalten worden. 
— Möglicherweise ist Haydns Intervention diesmal auf mündlichem Wege erfolgt; eine 
diesbezügliche Eingabe ist bisher nicht aufgetaucht. 



20. Haydns Eingabe an den Fürsten Nikolaus I Esterhäzy 

[März] 1776. 

[Diese „ausnehmend schön geschriebene Bittschrift an den Fürsten" ist sei- 
nerzeit Pohl noch bekannt gewesen, seitdem aber verschollen. Über ihren 
Inhalt vgl. Pohl II, 23 :] 

Haydn berichtet dem Fürsten, daß ihm vom Grafen Erdödy „wegen 
Zufriedenheit seines Scholarens" zwei Pferde und ein Wagen geschenkt 
worden seien. Da er [Haydn] aber außer Stande sei, die Pferde zu erhal- 
ten, so bitte er den Fürsten, ihm „nach höchster Willkühr Heu und 
Haber zu resolviren". [Mehr ist aus dem verschollenen Brief nicht be- 
kannt geworden.] 

verschollen. ED: (Auszug) Pohl II, 2). Pohl weiß als Datum dieser verschollenen Bitt- 
schrift Haydns nur das Jahr 1776 anzugeben. Der genauere Zeitpunkt der Abfassung 
kann aber (wenigstens annähernd) aus dem Datum der fürstlichen Genehmigung von 
Haydns Bitte nachgewiesen werden (Eszterhäza, den 29. März 1776): „Hochfürstl. Resolu- 
tion, womit. . . dem Capellmeister Haydn auf 2 Pferde die benöthigte Fourage passirt 
wird" (Staatsarchiv Budapest, ~EA,Prothocoll über verschiedene hfl. Commissiones . . . Fase. 2488, 
Nr. 1091). Mitgeteilt von Valkö II, //$>,• (eÜb) Landon CCL.N iS. Die erbetene Fourage 
wurde fortab bis zum Tode des Fürsten Nikolaus (1790) Haydns jährlichem Gehalt zu- 
geschlagen (vgl. Pohl II, 2)). 

Die Familie der Grafen Erdödy spielte im damaligen Ungarn (namentlich in der ungari- 
schen Krönungsstadt Preßburg) eine hervorragende Rolle. Haydn war mit der gräflichen 
Familie befreundet; die berühmte Streichquartettserie Op. 76 von 1797 ist (in der authenti- 
schen Artaria- Ausgabe des Jahres 1799) dem Grafen Joseph ErdSdy gewidmet. Hier, 1776, 
kann es sich aber nur um ein älteres Mitglied der Familie, höchstwahrscheinlich um den 
Grafen L,ds^ld (Ladisla/ts) Erdödy, handeln, welcher u. a. als Gönner des jungen Pleyel 

75 



bekannt geworden ist (vgl. Pohl II, 102). Landons (CCLN 18) Annahme, daß es sich bei 
diesem „Scholaren" (mit dessen Fortschritten Erdödy so besonders zufrieden gewesen 
ist) eben um Igttaz Pleyel (1757-1831) handle, hat viel Wahrscheinlichkeit für sich. 



21. Skizze zu einer Autobiographie 
Haydn an Mademoiselle Leonore* 

Estoras den 6" n July 1776 
Mademoiselle! 

Sie werden es mir nicht für übl nehmen, wan ich Ihnen ein allerhand 
Misch mäsch ob den anverlangten einhändige: solche Sachen ordentlich 
zu beschreiben, fordert zeit, diese habe ich nicht, derohalben getrauete 
ich mich nicht an Mon: [Monsieur] Zoller selbst zu schreiben, bitte 
derohalben um Vergebung: 

ich übersende nur einen rohen aufsatz, dan weder stoltz noch Ruhm, 
sondern die allzugrosse gute, und überzeugende Zufriedenheit einer so 
gelehrten National gesellschaft über meine bisherige wercke Veranlasset 
mich Dero begehren zu willfahren. 

Ich wurde gebohren Anno 1733 2 den letzten Mertz in den Markflek 
Rohrau in unteröstereich bey Prugg an der Leythä. 3 mein Sei: Vatter 
wäre seiner profession ein Wagner, und unterthan des grafen Harrachs, 4 
ein von Natur aus grosser liebhaber der Music, Er spielte ohne eine 
Notte zu kennen die Härpfe,' und ich als ein knab von 5 Jahren sang 
ihn alle seine simple kurze stücke ordentlich nach, dieses verleitete meinen 
Vatter mich nach Haimburg 6 zu dem schull Rector meinen anverwandten 
zu geben, um allda die Musicalischen anfangs gründe samt andern Jugent- 
lichen Nothwendigkeiten zu erlehrnen. Gott der allmächtige (welchen 
ich alleinig so unermessene gnade zu dancken) gab mir besonders in der 
Music so viele leichtigkeit, indem ich schon 7 in meinen 6"° Jahr ganz 
dreist einige Messen auf den Chor herab sang, auch etwas auf dem Ciavier 
und Violin spielte: 

in den j tca Jahr meines alters hörete der Seel; Herr Capell Meister v. 
Reutter 8 in einer Durchreise durch Haimburg von ungefähr meine schwa- 
che doch angenehme stime, Er nähme mich alsogleich zu sich in das 
Capell Hauß, allwo ich nebst dem Studiren die sing kunst, das Ciavier, 

76 



und die Violin von sehr guten Meistern erlehrnete. ich sang allda sowohl 
bey St: Stephan als bey Hof mit grossen Beyfall bis in das? i8 te Jahr 
meines alters 10 den Sopran. Da ich endlich meine stimme verlohr, muste 
ich mich in unterrichtung der Jugend ganzer [?] 8 Jahr 11 kumerhaft 
herumschleppen (NB: durch dieses Elende brod gehen viele genien zu 
grund, da ihnen die zeit zum studiren manglet) die Erfahrung trafte 
[drafte?] mich leyder selbst, ich würde das wenige nie erworben haben, 
wan ich' 2 meinen Compositions Eyfer nicht in der nacht fortgesezt hätte, 
ich schriebe fleissig, doch nicht ganz gegründet, bis ich endlich die 
gnade hatte von dem berühmten Herrn Porpora 1 ' (so dazumahl in 
Wienn wäre) die ächten Fundamente der sezkunst zu erlehrnen: endlich 
wurde ich durch Reccomendation des Sei: Herrn v. fürnberg' 4 (von 
welchen ich besondere gnaden genossen) bey Herrn grafen v. Morzin 15 
als Directeur, von da aus als Capell Meister bey S : Durchl. dem fürsten 16 
an und aufgenohmen, allwo ich zu leben und zu sterben mir wünsche. 

unter andern meinen wercken haben folgende den meisten beyfall erhalten 

le Pescatrice [sie] 

dieoperen. ) L'incontro improviso. welche in gegenwarth Ihro k.k: Ma- 
jestät ist aufgeführt worden. 17 
l'infedeltä delusa. 
das oratorium II Ritorno di Tobia. in wienn aufgeführt, 
das Stabat Mater. 18 über welches ich von einen guten freund 

die handschrift unsres grossen Ton künstlers Hasse mit unverdienten 

lobsprüchen erhalten, eben diese Handschrift werde ich zeit lebens 

wie gold aufbehalten; nicht des Inhalts sondern eines so würdigen 

Mannes wegen. 

In dem camer Styl hab ich ausser denen Berlinern fast allen Nationen zu 

gefallen das glück gehabt, dieses bezeugen die öffentlichen blätter, und 

die an mich ergangene Zuschriften: mich wundert nur, daß die sonst 

so vernümftige Herrn Berliner in ihrer Critic über meine stücke kein 

Medium haben, da sie mich in jener [einer?] wochen schrift 19 bis an 

die sterhe erheben, in der andern 60 Klaffter tief in die Erde schlagen, 

und dieses ohne gegründeten warum: ich weis es wohl; weil sie ein und 

andere meiner Stücke zu produciren nicht in stände, solche wahrhafft 

einzusehen aus eigenlieb sich nicht die mühe geben, und andere Ursachen 

77 



mehr, welche ich mit der Hülf gottes zu seiner zeit beantworten werde: 
Herr Capell Meister v. Dittersdorf 20 aus Schlesien schriebe mir unlängst 
mit bitte, mich über Ihr hartes Verfahren zu rechtfertigen, ich andwortete 
aber demselben, daß ein schwalbe keinen Somer mache, Vielleicht wird 
denenselben von unpartheyschen der mund mit nächsten so gestopft, 
als es ihnen schon ein mahl wegen der Monotonie ergangen: über alles 
das aber bemühen sie sich Eüsserst alle meine wercke zu bekomen, ein 
welches mich der K:K: gesandter zu Berlin Herr Baron v.Sviten 21 diesen 
verflossenen winter als derselbe in wienn wäre, versicherte: genug 
hievon. 

Liebe Mademoisell Leonore! Sie werden also die gute haben dem Mon. 
Zoller nebst höfl. Empfhelung gegenwartiges schreiben seinen einsichts 
vollen gut achten überzu lassen: mein gröster Ehrgeitz bestehet nur 
darin, vor aller weld, so wie ich es bin, als ein rechtschaffener Mann 
angesehen zu werden; 

alle lobes Erhebungen widme ich gott dem Allmächtigen, welchen al- 
leinig für solche zu dancken habe: mein wünsch sey nur dieser, weder 
meinen nächsten, noch meinen gnädigsten fürsten, vielweniger mein 
[sie] unendlich barmherzigen gott zu beleydigen: 
übrigens verbleibe mit aller hochachtung Mademoiselle 

Dero aufrichtigster freund und diener 
Josephus Haydn mppria 22 

O: Von diesem wichtigen Haydn-Biief sind gegenwärtig drei handschriftliche Exemplare 
bekannt: A: Haydns autographe Skizze, mit einigen Korrekturen (s. oben), in Budapest, 
EA-TS, A. M. Fase. 68, Nr. 4225; ermittelt und mitgeteilt von Valkö II, j8z (Faks. auf 
Tafeln 2-5 nachS. 5 60). Danach (eÜb) London CCLN iS. — B: Zeitgenössische K. (Kopisten- 
schrift) unter genauer Beachtung der Seiten- und Zeileneinteilung des Originals (also 
offenbar danach angefertigt), in der N. B. Szechenyi, Budapest, Handschriftenabt. Ep. 
Mus. 287 (nicht aus Esterhäzy-Beständen stammend, sondern um 1880 von einem Hand- 
schriftensammler, mit mehreren Artaria-Briefen, angekauft). Format 24 X 46 cm. — C: Zeit- 
genössische (?) K., ohne Berücksichtigung der originalen Zeileneinteilung, aber textlich 
genau mit A und B übereinstimmend. Format 38,8X23,2 cm; Wasserzeichen: J. R, Im 
Besitz von A. v. Hoboken, Ascona. Vorbesitzer: Stargardt Cat. (Meyer-Cohn) No. 3068 
-> Antiquariat Hans Schneider -> Hoboken. Faks. in W. Kahl, Selbstbiographien deutscher 
Musiker des 18. Jhs. Köln 1948, 83. Druckausgaben (in Auswahl): de Lucca, Das gelehrte 
Österreich, Bd. I, 3. Stück, 1778, 309 (nur auszugsweise). — Erste vollständige Ver- 

78 



öffentlichung durch /.F. Weigl, in Wiener Zeitschrift für Kumt, Literatur und Mode, 1838, 
4. Quartal Nr. 156, 1241. — Danach weitere Abdrucke in der Europa von Lewald (1837); 
im Echo (18 5 7); Iris (185 8); weiter in Nobl/iuad 2, yj; ferner Fohl I, 381 (Text nach Weigl) 
usw.; seitdem in vielen Nachdrucken, alle nach dem Text von Pohl (bzw. Weigl), demnach 
ohne eigenen Quellenwert. 

Über die Veranlassung zur Abfassung der Selbstbiographie und über die älteren Ver- 
öffentlichungen vgl. Fohl II, 7 f. Als Pohl den Text dieser Selbstbiographie in I, )8i (1875 
bzw. 1878) abdruckte, hat er noch keine der Handschriften zu sehen bekommen. Einige 
Jahre später, als er seinen II. Band veröffentlichte (1882), konnte er bereits darüber be- 
richten, daß „sich seitdem das Original als in Privathänden befindlich vorgefunden hat". 
Welche von den drei heute vorliegenden Handschriften damit gemeint war, ist ungewiß, 
doch kann es sich wohl nur um eine der Abschriften B oder C gehandelt haben. Ebenso- 
wenig kann heute festgestellt werden, welche von den drei Handschriften (oder gar eine 
weitere vierte?) Pohls Gewährsmann, Weigl, für die Erstveröffentlichung 1838 vorgelegen 
hat. Laut Pohl I, )8i soll dieser Weigl „das Original [welches?] in Händen gehabt haben" 
(da Pohl nach Weigl die Unterschrift als „Josephus Haydn" angibt, möchte man hiebei 
am ehesten an die Handschrift C denken). Wenn Weigl tatsächlich eine von unseren drei 
Handschriften benützt hat (wovon wir nicht ganz überzeugt sind), dann ist es aber unver- 
ständlich, wieso er das (auf allen dreien genau bezeichnete) Datum „Estoras, den 6 en 
July 1776" einfach übersehen konnte. 

Über das Schicksal dieser drei Handschriften und ihren Quellenwert läßt sich folgendes 
sagen: Die absolute Authentizität der Quellen! steht über allem Zweifel. Ob diese jedoch 
vor ihrer Erstveröffentlichung (i960) durch Valkö II, J82 und schon ein Jahr vorher durch 
(eÜb) Landon CCL.N 18 einem Haydnforscher überhaupt zugänglich war, muß bezweifelt 
werden. Dieses eigenhändige Konzept (mit den Korrekturen) hat Haydn anscheinend 
gar nicht aus der Hand gegeben; nach seinem Tode kam es mit den anderen Schriftstücken 
ins Esterhazy-Archiv und blieb dort lange Zeit unerkannt. Als Pohl um 1870 für seine 
Haydn -Biographie die fürstlichen Archivalien durcharbeiten ließ, war ihm dieses Auto- 
graph auf jeden Fall noch unbekannt geblieben; sonst hätte er sich diesbezüglich nicht 
auf die späte, sekundäre Veröffentlichung von Weigl als Quelle stützen müssen. Und als 
Pohl einige Jahre später (1882) im Text seines zweiten Bandes angibt, das „Original" 
habe sich als „in Privathänden befindlich" vorgefunden, da kann es sich bei dieser In- 
formation doch wohl nur um eine der Handschriften B oder C handeln; das fürstliche 
Archiv würde Pohl kaum als einfache „Privathand" bezeichnet haben. Ebenso bezieht sich 
die Bemerkung bei Geiringerji, ij („ihr Original befindet sich im Budapester National- 
museum") unmißverständlich auf die K. B, welche seit etwa 1880 in der Bibliothek des 
Nationalmuseums (heute Nationalbibliothek) lag, während das Esterhäzy-Archiv damals 
(1932) noch keineswegs darin einverleibt war. 

Nun stellt sich unabweislich die Frage: Wenn das Autograph A (wie wir annehmen zu 
müssen glauben) von Haydn nur zu eigenem Gebrauch zu Papier gebracht und niemals 
aus der Hand gegeben wurde, welches Exemplar ist dann nach Wien geschickt worden, 
und überhaupt zu welchem Zweck sind die beiden (oder etwa noch weiteren) hand- 
schriftlichen Kopien hergestellt worden? — Zunächst muß festgestellt werden, daß inhalt- 

79 



lichtextlich alle drei Exemplare Wort für Wort übereinstimmen; höchstens können solch 
kleine orthographisch-dialektmäßige Varianten hierbei angemerkt werden, wie: Leythä 
(A und C),Leytba (B)\ oder Härpfe (A und C), Harpfe (B). Ähnlicherweise sind die 
(meist nur rein orthographischen) Abweichungen in der (durch Pohl 1875-78 reprodu- 
zierten) Druckfassung von Weiglso unbedeutend, daß sie zu einer sauberen Unterscheidung 
der Quellenfiliation nicht genügen. So beginnt z. B. der fünfte Absatz in allen drei 
Handschriften mit den Worten Unter andern meinen Wercken, während Weigl-Pohl an 
dieser Stelle „Unter andern meiner Werke" gibt, was aber offensichtlich nur eine will- 
kürliche stilistische Glättung Weigls darstellt und zur genaueren Quellenidentifikation 
nicht ausreicht. 

Zur Einschätzung des relativen Quellenwertes der drei Handschriften steht uns somit 
nichts weiter zur Verfügung als der Handscbriftenbefimd selbst. Die absolute Authentizität 
der Quelle A bedarf keines näheren Beweises. — Wie steht es aber mit der Authentizität 
der zwei anderen Handschriften, welche doch von so ausgezeichneten Forschern wie Pohl 
oder Geiringer seinerzeit für das „Original" gehalten wurden? Die Quelle B ist einge- 
standenermaßen die Handschrift eines Berufskopisten; bei genauester Texttreue trachtet 
sie nicht im mindesten die Schriftzüge Haydns nachzuahmen, den Eindruck eines Originals 
zu erwecken. Der Respekt für Haydns Original verrät sich hierbei einzig durch die genaue 
Übernahme der Zeilen- und Seiteneinteilung der Vorlage, woraus natürlich hervorgeht, daß 
dem unbekannten Kopisten das Haydnsche Konzept unbedingt im Original vorgelegen 
haben muß. Da aber Haydn sein Original (wie wir vermuten) niemals aus der Hand 
gab, so kann diese Kopie B nur gleichsam unter seinen Augen, als eine authentische 
Kopie, hergestellt worden sein, vermutlich eben zum Zwecke, nach Wien geschickt zu 
werden. 

Wie steht es nun in dieser Hinsicht um die Kopie C? (Hier möchte ich dem gegenwärtigen 
Besitzer dieser Handschrift, Herrn Anthony van Hoboken in Ascona, meinen aufrichtigen 
Dank aussprechen, daß er mir eine Fotokopie zur Verfügung gestellt und dadurch diesen 
Handschriftenvergleich ermöglicht hat.) — Von der regelmäßigen Kanzleikopistenschrift 
der Quelle B findet sich hier keine Spur; der Schreiber bemüht sich offensichtlich, mit einer 
gewissen flotten Zügigkeit zu schreiben und hierdurch den Eindruck eines Haydn-Auto- 
graphs zu erwecken. Auf den ersten Blick ist man denn auch leicht getäuscht und glaubt 
ein Autograph vor sich zu haben. Wenn man dann aber näher hinsieht und die Ein- 
zelheiten der Schrift (etwa in der Unterschrift, aber auch sonst an vielen Stellen) mit der 
autographen Skizze Haydns vergleicht, so erkennt man sofort, daß dieses Schriftstück 
unmöglich von der Hand Haydns stammen kann. Der Duktus der Schrift deutet unmißver- 
ständlich auf eine fremde Hand (es ist übrigens auch kaum glaubhaft, daß Haydn je Lust 
verspürt hätte, einen so langen Brief zweimal genau abzuschreiben; so etwas hätte doch 
irgendein Kanzleikopist anstatt seiner besorgen können, wie es ja im Falle der Quelle 
B unzweifelhaft geschehen ist). Auch fehlt bei dieser Quelle C das Zeugnis der mit dem 
Original übereinstimmenden Seiten- und Zeileneinteilung; der Schreiber von C konnte also 
seinen Text aus irgendeiner beliebigen Quelle (sogar aus einem Druck) hergenommen 
haben. Hierbei wollen wir nicht unbedingt an eine bewußte Fälschung denken (die dann 
irgendwann im 19. Jahrhundert hergestellt sein dürfte); aber die Tatsache, daß jemand 

80 



einen Haydnschen Brieftext wortwörtlich genau, und zwar mit dem vorgetäuschten 
Duktus eines Autographs abschrieb, legt immerhin den Täuschungsverdacht nahe. 
i. Die Adressatin dieses Briefes, Mademoiselle Leonore, ist später die Gattin des Esterhäzy- 
schen Wirtschaftsrats und Güterdirektors Lecbner geworden (vgl. Pohl II, jj). — Die 
Lebensdaten Haydns waren für das Sammelwerk Das gelehrte Österreich von de Lutea, durch 
die Vermittlung eines (nicht näher identifizierten) Herrn Zoller angefordert worden. — 
2. 17}} (recte: 17)2): Ob Haydn sich hier absichtlich oder nur irrtümlicherweise um 
ein Jahr jünger ausgibt, bleibe dahingestellt. — 3. Prugg an der Lejilhä: Brück a. d. Leitha. 
4. Der Schloßherr von Rohrau, Graf Harrach, war sein Leben lang Haydn freundlich Zu- 
getan. Im Jahre 1793 (also noch zu Lebzeiten Haydns) ließ er im Schloßgarten zu Rohrau 
ein Monument zu Ehren Haydns errichten. — 5. Harpfe: Im Original sind die Punkte 
über Härpfe ziemlich undeutlich. Auch die beiden Kopien sind in der Lesung des Wortes 
untereinander uneinig: B schreibt Harpfe, C Härpfe. Pohl I, )8i liest Harpfe; hieraus könnte 
vielleicht darauf geschlossen werden, daß die seinerzeit (1776) nach Wien übersandte 
(und dort zum Druck beförderte) K. mit unserer Quelle B identisch gewesen sein dürfte. 
— 6. Haimburg; Hainburg a. d. Donau. — ■ 7. schon: dieses Wort ist in A über der Zeile 
nachträglich von Haydn eingefügt. — 8. Georg Karl Reutier jun. (1708-1772). — 9. iS te : 
hier steht in A eine bis zur Unkenntlichkeit getilgte Angabe, wahrscheinlich „siebzehnte"; 
dann hat Haydn „i8 te " darüber geschrieben. — 10. meines alters: diese zwei Worte sind 
von Haydn in A nachträglich über die Zeile geschrieben und mittels Zeichen (versehentlich 
an falscher Stelle, vor „Sopran") in den Text einbezogen worden. Beide Kopien (B und C) 
bieten hier bereits die stillschweigend berichtigte, sinngemäße Wortfolge. • — 11. 8 Jahr: 
hier stand in A ursprünglich eine andere (von Haydn unleserlich getilgte) Zahl. Darüber 
ist dann von Haydn die Korrektur „8" nachgetragen. — • 12. ich. . .: hier hat Haydn ein 
überflüssiges Wort („nicht") durchgestrichen. — 13. Niccold Porpora (1686-1768), der 
berühmte Meister der spätneapolitanischen Opernschule. — 14. F 'Urnberg: Haydns erste 
Streichquartette (um 1755 oder 1757) sind für die Musikabende des Freiherrn Karl Joseph 
von Filrnberg auf dessen Schloß Weinzierl in Niederösterreich (bei Melk) komponiert worden. 
Vgl. Pohl 1, 181 und Fritz Dmorschak, Joseph Haydn und K. J. Weber von Filrnberg (in Unsere 
Heimat, 1932.) — -15. Haydn ist im Jahre 1759 aufschloß Lukavice in Böhmen in den 
Dienst des Grafen Morzin getreten, — 16. dem Fürsten. . . : an dieser Stelle ist der Name 
des Fürsten (EsterhJzy) von Pohl sinngemäß (aber willkürlich, in Klammern) dem Text 
eingefügt worden; der Name des Fürsten findet sich in keiner der drei Handschriften, und 
es ist auch kein Platz dafür leer gelassen. — 17. Die Bemerkung Haydns „welche in Ge- 
genwarth Ihro k. k. Majestät ist aufgeführt worden", gehört nicht zur Oper L.'Incontro 
improvviso, sondern richtig zur Ulnfedeltä delusa. — 18. „Stabat mater" : Auf dieses Werk 
und das ihm gespendete Lob des berühmten Hasse scheint Haydn ganz besonders stolz 
gewesen zu sein (hierüber schrieb er schon in seinem Brief vom 20. März 176Ü an Scheff- 
stoß, vgl. oben Nr. 7). Der Brief von Hasse ist nicht erhalten, wie ja Haydn überhaupt 
sehr nachlässig mit den an ihn gerichteten Briefen umging; sie sind (bis auf ein paar Stücke 
der Spätzeit) fast ausnahmslos verlorengegangen. ■ — 19. Hier ist wieder ein Wort („doch"?) 
von Haydn unleserlich gestrichen worden. — 20. Der Komponist Karl Ditters von Ditlers- 
d" r f( l 759-'<-799) war mit Haydn aufrichtig befreundet. In den Jahren 1776-1777 ließ Haydn 

6 8l 



vier Buffoopern seiner Komposition in Eszterhaza aufführen (II ßnto pa?&o, Lo sposo 
burlalo, 11 Barone di Rocca Anlica, Arcifanfano) . — 21. Der Baron Gottfried van Stielen hat im 
Leben Haydns auch später eine bedeutende Rolle gespielt, als deutscher Bearbeiter der 
Textbücher zu den Sieben Worten, der Schöpfung und den Jahreszeiten. — 22, Die Unter- 
schrift lautet in A und C: „Josephus Haydn mppria", inB: „Joseph Haydn mppria", wobei 
zu bemerken ist, daß von den drei Quellen A die einzige autographe Unterschrift auf- 
weist; weder ß noch C sind von Haydn signiert, obwohl C den Charakter einer autographen 
Signatur erwecken möchte; beim Vergleich mit A springt aber das Gekünstelte dieses 
Pseudo-Autographs in die Augen. 



22a. Haydns Zettel an den Esterhäzy-Kanzleibeamten Seitz 1 

[Estoras, den 1. Juni 1777] 
Monsieur Seite! 

Sie werden höflichst ersuchet, dem Herrn Svoboda gegen verabfolgter 
quittung zwey Bund E per 3 Fl. verabfolgen zu lassen, womit verbleibe 

Monsieur 
Dero 
Estoras den i' en Juni 1777. dienstfertigster d r [Diener] 

Josephus Haydn mppria. 
Capell Meister 
[Bis hieher Haydns Schrift. Von hier an Svobodas Hand:] 
diese drey Gulden sind mir aus dem Eisenstätter Rentamt Richtig be- 
zahlt worden. Eisenstatt den 16' X blis [Dec] 1778. 

Joseph Swoboda 

O (Autograph): Budapest, EA-TS, A. M.Fasc. 16, Nr. 1036. ED: ValköII, J84 und London 

CCLN 21. 

1. Im ED von Valkö ist der Name des Adressaten „Szity" gelesen. Die Lesung von Landon 

(Seitz) entspricht aber dem (hier ziemlich unklaren) Schriftbild bedeutend besser. — In den 

Musikerlisten von Eisenstadt und Eszterhäza sind bisher die Namen Svoboda (Swoboda) 

und Seit% nicht nachgewiesen. Vermutlich waren beide in der Esterhäzy-Administration 

beamtet. 



82 



22b. Neuer Dienstkontrakt Haydns mit dem Fürsten Esterhäzy 

[Esterhaz, i. Januar 1779] 
[Kopistenschrift, nur die Unterschriften autograph] 

An heute zu Ende gesezten Dato und Jahr ist auf Genemhaltung S' Durch- 
laucht des Heiligen Römischen ReichsFürsten und Herrn Herrn Nicolai 
Eszterhäzy v. Gallantha, ErbGrafens zu Forchtenstein, Ritter des Goldenen 
Vlieses, Comendeur des millitarischen Maria Theresia Ordens, Ihrer Kays. 
Königl. und Apostolischen Maitt: Camerers und würcklichen geheimen Raths, 
Generali Feldmarschals, Obrist und Inhabers eines Hung. Regiments zu Fuß, 
Capitaine der Hungarischen Adelichen Leib Garde, wie auch der Oedenburger 
Gespanschafft würcklicher Erb und OberGespanns mit dem als Officier anzu- 
sehenden Capelmeister Herrn Joseph Haydn folgender Contract geschloßen 
worden. 

Primo: Solle Herr Haydn einen auferbaulichen Christlichen Gott gefälligen 
Lebenswandel führen. 

Secundo: Wird Herr Capell-Meister seine Subalternen jederzeit mit aller gute 
und Glimpflichkeit tractiren. 

Tertio: Solle Herr Contrahent aller Orthen, und zu allen Zeiten wo, wozu, 
und wann es S r Durchlaucht gefahlen wird, sich allenthalben in der Musique 
nach seiner Arth und Gattung gebrauchen zu lassen verbunden seyn. 
Quarto: Solle Herr Contrahent ohne besonderer Erlaubnus S r Durchlaucht 
seinen Dienst nicht verabsäumen, noch von dem Orth, wo S e Durchlaucht 
die Musique haben, sich entfernen. 

Quinto: Wird beyden Contrahirenden Theilen eine wechselseithige viertl- 
j ährige Aufkindung vorbehalten. 

Sexto: Wird Herr Capell-Meister alle zwey Jahr einen Winter und einen Sommer 
Uniform wechselweis nach belieben S 1 Durchlaucht überkommen, und weithers 
nachstehende Convention, 1 ausser dieser aber sonsten Nichts weder in Geld 
noch in Natura zu empfangen haben, und zwar 
Alß CapellMeister 

In Baaren 782 f. 30 X r . 

Officier Weine in Eszterhäz 9 Emmer* 

gutes authentisches Brennholtz in Eszterhäz 6 Klafter 

Alß Organista / alles in Eszterhäz 

Waitzen — 4. / Kohrn — 12. / Greißl — 3/4 Metzen 

6* 83 



Rintfleisch — 300. / Saltz — 50. / Schmaltz — 30. 

Kertzen — 36. Pfundt 

Weine — 9. / Krauth und Rüben zusammen — 1 Emmet." 

Schwein — 1 Stuck 

gutes Brennholtz — 6 Klafter j 

dann auf 2 Pferd die benötliigte fourage. 
Schließlichen seynd zwey gleichlautende Exemplaria dieses Contracts errichtet, 
und gefertigter gegen ein ander ausgewechslet worden, und werden dahero 
alle vorhinige Relationes, 5 Conventiones, und Contracte hiemit Cassiret. 
Schloß Eszterhaz den i ten Jenner 1779. 

Josephus Haydn mpria 

Mit obigem Deputat und denen 100 f. welche lezteren zwar hieroben nicht 
mitbegriefen, doch eben in Eisenstadt ausgezahlet werden, hat es die Be- 
wandtnus, daß ich, wann ich in Eisenstadt nicht selbst die Orgel schlagen kann, 
davon einen eigenen Organisten aufsuchen, und unterhalten, aber bezahlen 
müsse. 

Josephus Haydn mpria 

O: Esterhäzy-Archiv, Eisenstadt (im Budapester Archivmaterial nicht nachgewiesen). 
Vaks. in Joseph Haydn und seine Zeit. Ausstellung Schloß Petronell, Niederösterreich 19J9 (Wien 
i 9 W)Faks. Nr. 8. ED: Unnerricht GBT ;}-<6. 

1. Unverricht liest hier „Coveation", was keinen Sinn ergibt (Druckfehler?). — 2. Hiermit 
kann natürlich nur Eimer gemeint sein. — 3. Unverricht liest „Acselationes", was keinen 
Sinn ergibt. Dem Sinne nach kann es nur Relationen heißen. 

Es ist uns nicht bekannt, aus welchem besonderen Anlaß dieser neue Kontrakt mit dem 
Kapellmeister Haydn aufgesetzt und geschlossen wurde. Vergleicht man diesen neuen 
Text mit dem ursprünglichen Anstellungsdekret vom 1. Mai 1761 (Nr. 1 unserer Ausgabe), 
muß es auffallen, daß die Disziplinarvorschriften hier 1761 gegenüber wesentlich lockerer 
geworden sind. Namentlich auch jener berüchtigte Paragraph, welcher das Eigentums- 
recht aller Kompositionen Haydns ausschließlich dem Fürsten vorbehielt (Nr. 4 des 
Kontrakts von 1761) ist hier weggelassen. Hierin verrät sich Zweifellos die inzwischen 
gefestigte Stellung und das gehobene Ansehen Haydns. 



84 



23. Haydn an Th. Huber, Sekretär der Tonkünstler-So cietät 
in Wien 

Estoras, den 4. Febr. 1779. 

Wohl Edel gebohrner, insonders Hochzuehrender Herrl 

Aus Dero Zuschrift vom 18. Jenner 1779 habe ich unter anderen, den 
von einer Hochlöbl. Societät verfaßten, und unten angesetzten revers (so 
ich unterschriebener einhändigen solte), in Ermangelung dessen aber die 
Bedrohung einer so schnellen Annullirung meiner schon besehe- 
henen Aufnahme mit vieler Verwunderung durchlesen: Dan, 
daß mich eine Hochlöbl. Societät unter denen Bedingnissen auf allmalliges 
Begehren, Oratorien, Cantaten, Chori, Sinfonien etc. (zu componiren) 
an- und aufgenommen, widerspricht sich platterdings folgender Ursachen, 
zumallen ich bey dermals gehaltenen Session vor meiner Aufnahme noch, 
in Gegenwart des Herrn Kapellmeisters v. Bonno,' Herrn v. 
S t a r z e r 2 und übrigen Rechtschaffenen Männern, wider diesen so 
eingeschränkten, und verbindlichen revers schnurgerade (darwider pro- 
testirte, mit gründlich folgender Vorstellung, wie daß ich zu Einem) 
so außerordentlichen Begehren, und zu dessen Beförderung wenigstens 
zwey bis drey Monat des Jahrs hindurch von nöthen haben würde, 
folglich wehrend dieser Zeit meinem allergnädigsten Fürsten und Herrn 
dem ihme gebührenden Dienst nicht leisten könnte, sondern, daß ich 
einen revers mit diesen [sie] hiebey gefügten Ausnahme (wenn es 
die Zeit und Umstände mir erlauben werden) 
diesen revers alsdann mit allen obigen ausgesetzten Forderungen bereit- 
willigst unterschreiben wolle, worauf einhellig dieser mein Vortrag ge- 
billiget, und das Urtheil meines Aufnahmes gesprochen wurde; zum 
Beweis dessen wurde mir an der Stelle befohlen, um in der That auf- 
genommen zu seyn, das Geld bestehend in 368 fl. 10 kr. alsogleich in 
Gegenwart der ganzen Session zu erlegen, weil man mir ausdrücklich 
sagte, daß sobald das Geld depositiret ist, der Aufnahm seine Richtigkeit 
habe. Ich erlegte das Geld, wäre also ohne Revers aufgenoh- 
men. — Man gratulirte mir, — ich sagte in aller Unterthänigkeit vielen 
Dank des Aufnahmes: Freylich solte bey derley Functionen die ganze 
Sache von einem Bevollmächtigten Notario protocolliret und dem Neu 
aufgenohmenen Mitglied ein revers seines schon beschehenen 

85 



Aufnahmes zugestellt werden, allein bis dahin hat, eine Hochlöbl. 
Societät wegen meiner nicht gedenken wollen: Ferners — 
Hängt dieses Klausul, oder das sogenannte discrete Begehren 
meines Erachtens bloß von der Einbildungs-Kraft, oder von der ^Miß- 
gunst einiger Herrn Mitglieder ab, oder es könnte mit der Zeit, 1 und 
vielleicht meistens von denen abhängen, so die allerwenigste Einsicht 
in die Composition haben, letztere könnten also das indiscrete für discret 
(zum Beyspiel ein Oratorium für ein baar Sinfonien) ansehen, ich müßte 
also aus Zwang einer für deren Recht gehaltenen Indiscretion die aller 
discreteste Oratorien in plurali verfassen, wo nicht, so wurden die mehrere 
Vota aus purer Discretion geradezu auf meine Annullirung sine jure, 
und Rücksicht (so wie man mir schon dermallen drohet) einher stürmen, 
und warum? vielleicht darum, weil ich einer Hochlöbl. Societät frey- 
willig, ohneigennützig großen Dienst, und Nutzen verschaffet habe? 
Vielleicht darum, weil ich ein Auswärtiger bin? bei mir heißt in diesem 
Fall nur jener auswärtig, dessen Persohn denen Inwärtigen in keiner 
Sache nüzet: Ich bin durch meine wenige Werke nur gahr zu einheimisch; 
wann schon der Verfasser nicht, so seind doch fast in allen Musicken 
seine Kinder zugegen, und verschaffen viellen nützliche Beyträge. 
Bester Freund! Ich bin ein Mann von zu vieler Empfindung, als daß ich 
beständig der Gefahr solte ausgesezet seyn cassiret zu werden: Die 
freyen Künste, und die so schöne Wissenschaft der Composition dulden 
keine Handwerks-Fesseln: Frey muß das Gemüth, und die Seele seyn, 
wenn man denen Wittwen dienen, und sich Verdienste sammlen will. 
Noch eines: 

Diesen mir geschänkten Nachtrag per 300 fl. betrachte ich als ein sehr 
nothwendiges Wider-Vergeltungs-Recht, indem ich der Societät dafür 
1000 fl. durch meinen Neu und unentg eidlichen Ritorno di 
T o b i a verschaffte. Gott der allzuweiseste Versorger aller unser wird 
mich, und mein Weib durch meinen allergnädigsten Fürsten und Herrn 
hierinfals schüzen, besonders, da ich überzeigt bin, daß die mindeste 
Persohn in Hochfürstl. Estorhazy'schen Haus eine hinlängliche pension 
bishero erhalten hat. Es wird demnach am 1 5 ten dieses Fürst Estorhazyscher 
Herr Inspector v. K 1 e i n r a t h in Namen meiner erscheinen, welchem 
eine Hochlöbl. Societät meine 368 fl. 10 kr. in eben jener Münze zuruck- 
bezahlen wird. 

86 



Ich aber werde trachten, unerachtet eines so drohenden rauhen Ver- 
fahrens, wenn es änderst Zeit und Umstände mir 
erlauben werden, für die Wittwen verschiedene piecen Neu und 
unentgeldlich zu verfassen. Der ich übrigens bin mit ausnehmender 
Hochachtung meines hochzuehrenden Herrn 

Dienstfertigster Diener 

Josephus Haydn. m. p. 
Kapelln [ ?] Meister. 

verschollen (einst im Archiv der Tonkünstler-Societät in Wien). ED (durch Hanslick) 
in Signale, Jg. XXIII No. 47 (1865). Pohl Denkschrift 2iff (nicht ganz komplett; die von 
uns in spitze Klammern gesetzten Textpartien sind von Pohl weggelassen), Nobl/2, LI-LIII 
(ungenau, mit Lesefehlern) ; Pohl IL, 84-86. Diese anscheinend kompletteste und zuverlässig- 
ste Mitteilung haben wir als Vorlage benützt. Dieselbe diente auch London CCLN 22-23 
als Quelle. 

Die angesehene Tonkünstler-Societät in Wien war 1771 zum Zwecke gegründet worden, 
die bedürftigen Musikerwitwen und Waisen zu unterstützen. Um das Fonds der Societät 
zu mehren, wurden regelmäßig Konzerte veranstaltet, welche in Wien in hohem Ansehen 
standen. • — Haydn, der sich in Eisenstadt und Eszterhäza einigermaßen von der Wiener 
Musikwelt isoliert fühlen mochte, wollte der Gesellschaft beitreten. Schon i. J. 1775 
hat er sein Oratorium // ritorno di Tobia der Societät Zur Aufführung überlassen und die 
Premiere am 2. April in Wien selbst geleitet. Diese Aufführung wurde zu einem großen 
Erfolg und hat der Societät die beträchtliche Summe von Z085 Gulden eingebracht (wovon 
nur 373 Gulden für Auslagen in Abzug kamen). Aus diesem Anlaß hat die K. K. Priv. 
Realzeilung der Wissenschaften ( 177 J, 14. Stück vom 6. April, 218) einen begeisterten Bericht 
über Haydns Werk veröffentlicht (Pohl II, 68-69). Seitdem waren dreieinhalb Jahre ver- 
gangen. Haydn hielt nun die Zeit für gekommen, dem angesehenen Verein als Mitglied 
beizutreten. (Die Details der Aufnahmeprozedur entnehmen wir dem Bericht von Pohl 
II, 84.) In seiner Eingabe an die Societät (deren Autograph nicht erhalten ist und deren 
genaues Datum wir deshalb nicht wissen) ersuchte er „in Ansehung seiner sich schon 
erworbenen Meriten um Aufnahme in die Societät wie auch um Nachsicht des ihm als 
einem Auswärtigen [d. h. nicht in Wien ansässigen] zu erlegen kommenden Beitrags- 
Kapitals pr. 300 Gulden, wogegen er sich noch erbietet, künftighin auf allmahliges Ver- 
langen der Societät ein Oratorium, Cantate, Sinfoni oder Cori etc. zu den musikalischen 
Societäts-Academien zu Componiren" (Pohl II, 84, offenbar aus einem Auszug im Protokoll 
der Societät). Diesem Antrag wurde zwar sofort entsprochen, doch mit der Klausel, 
daß er über sein Anerbieten einen Revers (d. h. eine Verpflichtung) über seine noch fernerhin 
zu leistenden Dienste einzulegen habe, wogegen die Societät ihn versicherte, „dass die 
Forderung in Betreff seines reversmässig einzulegenden Anerbietens niemals indiscret 
[d. h. zudringlich, lästig] seyn werde". (Wörtlich aus dem Protokoll der Societäts-Sitzung 

87 



vom 18. Nov. 1778.) Dieses war aber für Haydn dennoch zuviel; ganz besonders die 
plumpe Schlußklausel „daß die Forderung. . . an ihn. . . niemals indiscret seyn werde", 
welche die Ausnutzung von Haydns Popularität und seiner Talente einigermaßen be- 
mänteln sollte, brachte den sonst gutmütigen und geduldigen Meister in helle Wut, und 
er schrieb an den Sekretär der Societät den oben mitgeteilten, mißmutigen und schroffen 
Absagebrief. Gewiß dachte er dabei auch daran, daß im Direktorium der Gesellschaft 
nicht nur einige echte Freunde, sondern auch erbitterte Feinde und Neider saßen, welche 
ihn den Nachteil, daß er kein in Wien ansässiger Komponist war, immer wieder fühlen 
lassen mochten. Dies erklärt den auffallend unduldsamen Ton des Briefes. 

1. Joseph (Giuseppe) Bonno (1710-1788) war ab 1739 Hofkomponist, ab 1774 (als Nachfolger 
Gassmanns) bis 1788 Hofkapellmeister in Wien. Als Komponist ist er mit Opern (über 20) 
und Serenaden, Oratorien, 30 Messen und sonstiger Kirchenmusik hervorgetreten. — 

2. Josef Starker (1726-1787), damals geachteter Komponist und Violinist (Konzertmeister), 
war besonders seiner zahlreichen (über zo) Ballette und Singspiele wegen bekannt. An 
Instrumentalmusik schrieb er Sinfonien, Divertimenti, Violinkonzerte, Kammermusik usw. 



24. Haydn an ? — Konzeptfragment eines Briefes 

[1779] 

[Dieses Brieffragment ist heute nicht greifbar <auch Landon übergeht es mit Still- 
schweigen). Seinen ungefähren Inhalt kennen wir nur aus einer kurzen Inhaltsangabe 
im Versteigerungskatalog XXXVII von Liepmannssohn <zitiert bei Brand 55:) 
„Konzeptfragment eines Briefes in italienischer Sprache, vermutlich an seinen Verleger 
(Artaria?) geschrieben. Mit Aufzählung einer Anzahl größerer Werke, die Haydn um 
diese Zeit — wahrscheinlich 1779 — fertig hatte: „Una Messa solenne... lo Stabat, 
l'oratorio II Ritorno di Tobia, l'isola disabitata. . . etc."] 



88 



25. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 31 1 " 1 Jenner 1780. 
Hoch Edl gebohrne 

Übersende die 6" Ciavier Sonate, weil dieselbe die längste und schwerste 
ist: die 5 K werde ich dieser tagen ganz sicher einhändigen; verbleibe 
unterdessen in gröster Eyle 

Messieurs 

dero dienstschuldigster d r [Diener] 
Josephus Haydn mppria 

[Keine Adresse. Archivvermerk:] Haydn. / Esterhase 31. gen° 1780. 

(Autograph): Mayeda-Ikutoku-Stiftung in Tokio (durch Leo Liepmannssohn am 8. Ma 
1929 versteigert). ED: (eÜb) Lattdon CCLN 24. (Nicht in Art-Bot.) Unsere Ausgabe 
stützt sich auf eine Fotokopie des Originals. 

Dies ist (unseren heutigen Kenntnissen nach) der erste erhaltene Brief Haydns an den 
Wiener Verleger Artaria, welcher sich durch die Aufbewahrung von Haydns an ihn 
gerichteten Geschäftsbriefen ein großes Verdienst erworben hat. Nur ein geringer Bruchteil 
scheint gänzlich verloren zu sein; allein aus dem Jahrzehnt 1780-1790 sind nicht weniger 
als 60 Briefe Haydns [I | an Artaria erhalten, mehr als an irgendeinen anderen Zeitgenossen. 
Die erste Haydn -Ausgabe von Artaria umfaßte jene 6 Klaviersonaten, welche im April 1780 
mit einer Widmung an Fräulein Franziska und Marianne von Auenbrugger erschienen sind 
(Hob. XVI: 20, }}-)9). Diese als ausgezeichnete Klavierspielerinnen bekannten Damen 
waren die Töchter des wohlrenommierten Arztes und Wissenschaftlers Leopold von Auen- 
brugger. 



26. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras, den 8. Februari 1780. 
Hoch- und wohlgebohrne Herrn! 

Übersende hiermit die 5 . als letzte Sonate mit Bitte, mir alle 6 zur Cor- 
rectur nochmahlen zu übermachen; übrigens hoffe ich, mir mit dieser 
Arbeit wenigstens bey der einsichtsvollen Welt Ehre zu machen; der 
Critic derselben wird blos von Neydern (deren ich eine Menge habe) 
betrachtet werden; sollten sie einen nuzbaren abgang haben, so wird 
mich derselbe künftig hin durch mehrere Arbeith überzeugen, des ich 

89 



mich jederzeit befleissigen werde vor allen andern zu dienen und zu 
verbleiben 

Messieurs 

Dero ganz ergebenster Diener 
Josephus Haydn i 

Capellmeister. 

verschollen. ED: Nobl 82. Von dorther (unverändert) übernommen: Art-Bot. 8 und 
(eÜb) Landon CCLN 24-2). Auch unsere Textfassung stützt sich auf Nohl. Der Brief 
bezieht sich auf dieselbe Sonatenserie (Auenbrugger-Sonaten) wie Nr. 25. 



27. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 2 5 Kn Februarj/i78o. 
Insonders HochzuEhrende Herrn. 

Übersende hiemit die ganze Correctur deren 6 Sonaten, mit bitte dieselbe 

so viel möglich zu beobachten: jene Numern so mit roth unterzeichnet, 

sind die allernothwendigste. 

Der beyfall deren Freuen v. Auenbrugger ist mir der allerwichtigste, 

indem Ihre spielarth und die Ächte einsieht in die Tonkunst denen grösten 

Meistern gleichkomt: Beede verdienten durch öffentliche Blätter in ganz 

Europa beckant gemacht zu werden. 

Unter anderen finde ich nothwendig um der Critic einiger Wizlinge auszu 

weichen auf der anderen seite des titul blats folgendes unter strichen 

beyzudrucken. 

A WERTI S SEMENT. 

[Der ganze folgende Absatz von 3 Zeilen ist von Haydn durch Unterstreichung beson- 
ders hervorgehoben worden.] 

Es sind unter diesen 6 Sonaten zwey einzelne Stücke, in welchen sich 
etwelche Täcte einerley Idee zeigen: der Verfasser hat dieses um den 
unterschied der Ausführung mit Vorbedacht gethan. 
Dan ganz natürlich hätte ich stat diesen hundert andere Ideen nehmen 

9° 



könen; damit aber dem ganzen wercke wegen einer vorbedachten kleinig - 
keit (welche die herrn Criticker, und besonders meine feinde auf der 
üblen seite nehmen könten) kein Tadl ausgesezt werden kan, derohalben 
glaube ich dieses avvertissement, oder so etwas dergleichen beyzufügen, 
indem es sonst dem abgang hinderlich seyn könte. ich unterwerfe mich 
hierinfals der einsichts vollen meinung beeder freuen v. Auenbrugger, 
an welche mein gehorsambster Hankuß [sie] erfolgt. 
Von meinen versprochenen 6 Exemplaren bitte eines dauon dem herrn 
Zäch v. Hartenstein 1 in konigl. Bayr. Postambt einzu händigen, die 
andere 5 aber nach Estoras zu addressiren. 

Verhoffe über den obigen Punct eine baldige andworth, und habe die 
Ehre mit ausnehmender Hochschäzung zu seyn 

Dero 

dienstfertigster diener 
Josephus Haydn mppria. 

(Autograph): Budapest, N. B. Szechenyi, Handschriftenabt. Ep. Mus. 286/1 (nicht aus 
Esterhäzy-Beständen). Vorbesitzet: Fr. Cohen, Cat. Posonyi Nr. 470. ED: Nohl 82-8) 
(unbrauchbar, mit vielen Lücken und Fehllesungen). Aus Nohl (mit allen Fehlern) über- 
nommen bei Ari-Bot. 8; komplett (eÜb) London CCLN 2f. 

Der von Haydn gewünschte „Vorbericht" ist vom Verleger Artaria in folgender Text- 
fassung der Ausgabe beigedruckt worden: „Avertimento. Tra queste sei Sonate vi si 
trovano due Pezzi che cominciano con aleune battute dell'istesso sentimento, cioe l'Allegro 
scherzando della Sonata No. II, e l'Allegro con brio della Sonata No. V. L'Autore previene 
averlo fatto a bella posta, cangiando pero in ogn'una di esse la Continuazione del Senti- 
mento medesimo." (So nach Hob. y6\ und Landon CCLN 2J-26; mit zwei Druckfehlern 
auch bei Art-Bot. p-10). — Über die Damen von Auenbrugger vgl. unsere Notiz zum 
Brief Nr. 25. 

1. Zach von Hartenstein. Im österr. Adelslexikon von F. G. Nägeli von Mühlfeld (Wien 
1822) sind zwei österr. Edelmänner dieses Namens verzeichnet: Johann Franz. (geadelt 
1764) und Joseph (geadelt 1756), beide als Postoffiziere. Im Hof- und Staats-Schematismus 
(Wien 1785) S. 5 lesen wir: „Franz Zach von Hartenstein, k. k. Hof-Postamtsverwalter- 
Adjunkt" (diese Angaben nach London CCLN 26). 



91 



28. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 20 ten Merz [1780] 

Tnsonders hochzu Ehrender Herr! 

Alles, so Sie mir schrieben, finde ich unverbesserlich; 1 nur eines bedaure 
ich, daß ich nicht selbst die Ehre genüssen konte, diese Sonaten denen 
Fräulen v. Auenbrugger zu dediciren. übrigens verbleibe mit gebührender 
Hochachtung 

deroselben 
Ergebenster D' [Diener] 
Josephus Haydn mppria 
[Adresse:] Monsieur 

Monsieur Artaria et a Compag. 
press: 

Vienne. 
[Archivvermerk Artarias:] Haydn. / Esterhas. 20 März. / 1780. 

(Autograph) bis 1953 im Besitz von H. Hinterberger; seitdem im Besitz von R. Kallir 
(New York) vermutet. Eine Fotokopie des Autographs ist uns von H. C. R. Landon als 
Vorlage überlassen worden. Im unveröffentlicht. ED: (eÜb) London CCL.N it. 
1. Unverbesserlich heißt hier (in Haydns altertümlichem Wortgebrauch) soviel wie: voll- 
kommen zufriedenstellend. 



29. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 29"° Mertz 1780. 
Messieurs! 

Ich erhielt dieser Tagen ein schreiben des Herrn Humel, 1 königl. Preuss. 
Musique und Comertiens Rath, in welchen unter andern mit Verwunde- 
rung gelesen, daß meine Sonaten schon eine geraume Zeit nach Berlin 
abgeschückt wurden. Bitte demnach mit den fünf Exemplaren auf mich 
nicht ganz und gar zu vergessen. Der ich mit viel 2 Hochachtung ver- 
bleibe 

Messieurs 

dero dienstfertigster Diener 
Joseph Haydn mppria 

92 



O verschollen. ED: Art-Bot. 10, die aber das Autograph auch nicht mehr zur Verfügung 
hatten (?); als Quelle berufen sie sich auf Nohl, wo aber dieser Brief gar nicht zu finden ist. 
Woher Art-Bot. ihren Text hernahmen, konnten wir nicht ermitteln. Sowohl 'London 
CCLN 26 als auch unsere eigene Textfassung stützen sich notgedrungen auf die einzige 
Quelle, Art-Bot. 10. 

1. Der im Brieftext gennante Humel ist der berühmte (seit 1756 in Amsterdam und später 
auch in Berlin tätige) Verleger /. /. Hummel, einer der Hauptkonkurrenten von Artaria. 
Mit der Nennung seines Konkurrenten will Haydn offenbar seinen (etwas „schläfrigen", 
wie er ihn einmal nennt) Wiener Verleger, Artaria, zur schnelleren Arbeit anspornen. 
Artarias Ausgabe der sechs Sonaten wird in der Wiener Zeitung am 12. April angekündigt, 
während die Hummelsche Ausgabe (in Amsterdam) erst im September desselben Jahres 
in Berlin angekündigt wird; und zwar ist die Reihenfolge der Sonaten in dieser Ausgabe 
von jener Artarias abweichend. Hummel wird also seine Stichvorlage nicht von Artaria, 
sondern von irgendwo anders her bezogen haben (vgl. Hob. I, y6i-i). — 2. viel: Art-Bot. 
lesen hier „vielen", was aber nur verlesen sein kann. Einige kleine sonstige Fehllesungen 
bei Art-Bot. (unserer einzigen Quelle) haben wir stillschweigend sinngemäß korrigiert. 



30. Von Haydn revidiertes Opernkopiaturkonto für Eszterhäza 
[Kopistenschrift] [Esterhaz, den 19. Juni 1780] 

Copiatur Conto 
Dell Opera Le Gelosie Villane: 
Dichtler: 59 Bögen, Pezivall 63 Bögen, Pescko 41: 163 Bögen. 
Den Bogen zu 5 xr, betragt an Geld zusammen 13 Fl. 35 xr. 
[Von da an Handschrift Haydns:] 

Diese 163 Bogen seind richtig geschrieben, und von mir übersehen worden. 

Josephus Haydn mppria 
Capell Meister. 



O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 16, Nr. 1097. ED: Valkö II, ;8y. Nicht bei London 
CCLN. 

Bei diesem Kopiaturdokument handelt es sich um das Aufführungsmaterial zur Buffooper 
Le gelosie villane (von Sarti), welche schon im Jahre 1779 von Haydn in Eszterhäza ein- 
studiert und aufgeführt wurde. Beim Brand von 1779 ist anscheinend das ganze Auf- 
führungsmaterial vernichtet worden; deshalb mußte zur Reprise (im Juni 1780) neues in 
aller Eile, in geteilter Arbeit hergestellt werden, deren Spesen hier unter der Kontrolle 
Haydns verrechnet wurden; Vgl. Bartba-Somfai HOK #?. Mit insgesamt 16 Aufführungen 
in den Monaten Juni bis Nov. war dies die meistgespielte Oper der Saison 1780 in Eszter- 

93 



haza (vgl. die genauen aufführungsstatistischen Daten bei Hdrich ROKH ))). — Die in 
diesem Kopiaturkonto dem Namen nach genannten authentischen Eszterhäzaet Kopisten 
sind zur Identifizierung der für Haydn arbeitenden Kopistenhände von Wichtigkeit. — 
Dicbtler stand als Tenorist 1763-1790, Pet^imall (Pec^ival) als Fagottist 1771-1790, Pescbko 
als Trompeter 1780-1781 im Dienste der fürstlichen Kapelle. Vgl. Pohl II, }?} und Bartha- 
SomfaiHOKi 7 2 ff. ' 



31. Haydn an einen unbenannten Esterhäzy-Gutsbeamten 

Estoras den 7'" o. bris [Nov.] 1780. 

Hoch Edel Gebohrner 
Gnädiger Herr! 

Aus befehl S 1 Hochfürstl. Durchlaucht sollen Euer Gnaden dem forch- 
tensteiner Herrn Verwalter, oder dem ZeigMeister den befehl ertheillen, 
daß dieselbe bey Erster gelegenheit Ein Baar gute feld Paucken (so in 
dortigen Zeughaus aufbehalten sind) nach Estoras überschücken solten: 
zu dem Ende wäre meine unmassgebliche Meinung dem forchten- 
steiner schullmeister und dem P. Regens Chori von den denen [?] 
P: [Patres] Serviten zu melden, daß Sie als Kenner die besten, und 
taugligste dauon aussuchen solten: wormit mit vollkomenster Hoch- 
achtung verbleibe 

Euer Gnaden 

gehorsambster diener 
Josephus Haydn mppria 
Capell Meister. 
[Keine Adresse] 



(Autograph): Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 1, Nr. 52. ED: Valkö I, 6jj (nicht ganz 
buchstabengetreu und mit einigen Fehllesungen. Faks. daselbst auf Tafel nach S. 656), 
danach (eÜb) Landau CCLN 2/. 

Die befestigte ButgForchiens/eitt(ungat.Fraknö) im Burgenland war einer der alten Herren- 
sitze der Familie Esterhäzy; sie hat schon im Türkenfeldzug 1683 gute Dienste geleistet. 
Das in Haydns Brief erwähnte Servitenkloster besteht daselbst noch heute und besitzt 
einige zeitgenössische Kopien von Haydns Werken. Vgl. LandonCCLN 27. 



94 



32. Haydns Rechnung über Notenpapier-Ankäufe 

[Estoras, Dezember 1780] 

Da das letzthin erkaufte Notten Papier theils zur Neuen Opera, theils zu denen 

zwey Neuen Sinfonien, und das übrige für die Pichlische Quartetten 1 nun 

gänzlich verbraucht worden, so ist nun in der Erst folgenden Opera alle Sing 

Parten heraus zu schreiben folgendes Notten Papier herbey zu schaffen, als 

6 buch breites mit 10 Linien 

6 buch Langes mit 10 Linien 

3 buch breites mit 12 Linien, das Buch zu 40 xr. macht/ 10 Fl. 

Josephus Haydn mppria 
Capell Meister 
[Ohne Datum. Die Genehmigung des Fürsten ist datiert:] 
Esterhaz den 23' X br [Dec] 1780. 

(Autograph): Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 17, Nr. 1131. ED: Valkö II, jSf.Faks. bei 
Bartha-Somjai HOK Tafel 3. Nicht bei London CCLN. 

Haydn steht nun inmitten des Eszterhäzaer Musik- und Opetnbetriebes; er läßt es sich 
nicht nehmen, selbst solche Kleinigkeiten wie die Notenpapier-Bestellung eigenhändig 
zu erledigen. Mit der „erst folgenden Opera" sind offenbar die Stimmen zu einer der 
ersten Opernpremieren von 1781 (entweder La fedeltä premiata von Haydn oder Isabella 
e Kodrigo von Anfossi), mit den „zwei neuen Sinfonien" vermutlich zwei der Haydn- 
Sinfonien Nr. 70-72 gemeint. 

1. Pichliscbe Quartetten. Der aus Bechyne in Böhmen gebürtige Violinist Wen^elPichl (1741- 
1805) war einer der geschätztesten Sinfoniker und Kammermusik-Komponisten seiner 
Zeit; von seinen 89 Sinfonien sind 66, von seinen 172 Quartetten nicht weniger als 163 
gedruckt worden. (Vgl. R. Kol/sko, W. P.-s Kammermusik. Diss. Wien 1918.) 



33. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 27. May 1781. 

Edelgebohrner 

Insonders Hochzu Ehrender Herr! 

Sage Verbundesten Dank für die so sauber gestochene 4 Exemplair. 1 
Die Lieder 2 betreffend, habe ich derselben 14 mit besonderen Fleisse 
verfertiget, die Zahl würde schon längst complet seyn, wenn ich den 
Text dazu hätte, ich kann demnach nicht begreifen, warum mir Herr 

95 



Hofrath v. Greiner 3 dieselben nicht wieder übersendet, zumahlen ich sie 
schon in Händen hatte, ich wollte nur das Gutachten in Betreff des Aus- 
druckes von ihme wissen, zu diesem Ende überschickte ich sie ihme durch 
den Orgelmacher Hrn. Walther, und ich erhalte weder von einem noch 
von dem andern hierüber eine Antworth, wollten Sie die Liebe fütf mich 
haben, und die Sache durch Hrn. Walther zu beschleunigen suchen, 
würden sie mich sehr verbinden, denn ich versichere, daß meine Lieder 
durch den manigfaltigen natürlich, schönen und leichten Gesang viel- 
leicht alle bisherigen übertreffen werden: ob Sie aber dieselben über- 
nehmen werden, ziehe ich in Zweifel, denn erstens verlange ich dafür 
30 Ducaten, zweytens 6 Exemplairund 3 tens vorn an den Titulblad zur 
Kürze folgende Dedication 

Sammlung Teutscher Lieder 

für das clavier 

gewidmet 

aus besonderer Hochachtung 

der 

Mademoiselle Clair 

von 

Herrn Joseph Haydn 

Fürst Esterhazyschen Capellmeistern 

Unter uns gesagt, diese Mademoiselle ist die Göttin meines Fürsten. 
Sie werden wohl einsehen, was dergleichen Dinge für Eindruck machen! 
Wollten sie also diese Puncte eingehen, würde ich nicht ermangeln die 
noch abgängigen nach und nach zu verfertigen. Diese Lieder müssen 
aber erst am Elisabeth Tag zum Vorschein kommen, nemblich an den 
Nahmenstag dieser Schönen. 

Nun etwas von Paris. Monsieur le Gros 4 Directeur v. concert spirituel 
schrieb mir ungemein viel Schönes von meinem Stabat mater, 5 so alldort 
4 mahl mit größtem Beyfall producirt wurde; die Herren baten um die 
Erlaubnüß dasselbe stechen zu lassen. Sie machten mir den Antrag, alle 
meine zukünftige Werke zu meinem nahmhaften Besten stechen zu lassen, 
und sie wunderten sich sehr, daß ich in der Singcomposition so aus- 
nehmend gefällig wäre; ich aber wunderte mich gar nicht, indem sie 

96 



noch nichts gehört haben; wann sie erst meine Operette l'Isola disabitata 

und meine letzten Vorfasten Opera La fedeltä premiata 6 hören würden: 

dann ich versichere, daß dergleichen Arbeith in Paris noch nicht ist 

gehört worden und vielleicht ebensowenig in Wien, mein Unglück ist 

nur der Aufenthalt auf dem Lande. 

Übersende zugleich den Brief von Herrn Boccherini, 7 bitte mein gehor- 

sambstes Gegencompliment an denselben. Niemand bey uns weiß mir 

zu sagen: wo dieser Orth Arenas ligt. Es muß doch unweit Madrid 

seyn; bitte demnach mir dieses zu wissen zu machen, indem ich selbst 

dem Herrn Boccherini schreiben werde. 

Übrigens verbleibe mit vollkommenster Hochachtung 

Dero 

dienstfertigster 8 diener 
Joseph Haydn. 
P. S. Sehr vielle freuen sich auf mein 
Portrait. 9 Das Gemähide schicken sie mir 
in dem nemblichen Verschlägl zurück. 

verschollen (einst offenbar im Artaria-Geschäftsarchiv vorhanden gewesen). ED; 
JSSobl S)-Sj (mit Lücken). Aus Nohl übernommen, mit willkürlichen Zutaten Art-Bot. 
ii-i); (eÜb) Landon CCLN 27. 

i. 4 Exemp/air: mit diesen sind offenbar 4 Exemplare der im April 1781 bei Artaria er- 
schienenen Ausgabe der „Sei Divertimenti Concertanti"Op. 31 gemeint. — 2. Die hier 
durch Haydn angebotenen deutschen Lieder hat Artaria dann in Verlag genommen; 
die erste Serie davon erschien im Dez. 1781, die zweite 2 Jahre später. Hinsichtlich der 
Dedikation hat Haydn später seine hier ausgesprochene Absicht geändert (oder er ist 
dazu durch Artaria bewogen worden); beim Erscheinen sind die Lieder der Franziska 
Liebe von Kreutzer dediziert worden (vgl. hierzu unsere Dokumente Nr. 4t, 42). — 3. Der 
Hofrat Fran% von Greiner war einer der bekanntesten Musikliebhaber im damaligen Wien. 
Seine Tochter, verehelichte Caroline Picbler, hat unter dem Titel Denkwürdigkeiten ihre 
Memoiren veröffentlicht, wo sie unter den Freunden und Besuchern ihres Vaterhauses 
u. a. Mozart, Haydn, Salieri, Paisiello und Cimarosa nennt. — 4. JosephLe 0^^(1739-1793) 
war Sänger an der Pariser Oper. Von 1777 bis 1791 war er auch Direktor der wichtigen 
Unternehmung der unter dem Namen Le Concert Spirituel bekannten Orchesterkonzerte 
in Paris (vgl. Fohl II, 172). In dieser Eigenschaft hat er auch Mozart den Auftrag zur 
Komposition seiner Pariser Sinfonie KV 297 usw. gegeben. — 5. Zum Stabat mater Haydns 
vgl. unser Dokument Nr. 7. — 6. L'Isola disabitata Haydns ist am 6. Dez. 1779, die Buffo- 
oper La fedeltä premiata am 25. Februar 1781 in Eszterhäza unter Haydns Leitung erst- 
aufgeführt worden. Die auf das Premierendatum der Fedeltä premiata bezüglichen Angaben 

7 97 



bei Pohl II, 167 (und ihm folgend Art-Bot. iß und auch Landon CCL.N 29 Note /) sind 
heute überholt. Vgl. Bartha-Somfai HOK SS; fetner Härich ROKH }}-)4- Hier findet sich 
auch eine jener (seltenen) aufschlußreichen Briefstellen, wo sich Haydn wegen seines 
Aufenthaltes auf dem Lande bitter beklagt. — 7. Über den von Haydn hier erwähnten 
Brief Boccherinis, welcher über Haydn so viel Schmeichelhaftes schrieb, weiß Pohl\II, 1S0- 
1S1 (und auf ihm fußend Art-Bot. 11, beide mit sinnstörenden Lesefehlern) näher zu 
berichten. Boccherini schreibt im Februar 1781 aus Arenas in Spanien an Artaria: „Spero 
mi faranno un favore, che io stimerö moltissimo ed e che se alcuno di lor Signori (come 
e probabile) conoscesse il Signor Giuseppe Haidn, scrittore, da me e da tutti apprezzato 
al maggior segno, gli offra i miei rispetti, dicendoli che sono uno de i suoi piü appassionati 
stimatori e ammiratori insieme del suo Genio, e Musicali componimenti dei quali qui si 
fa tutto quel apprezzo, che in rigor di Giustizia si meritano." (Bei Pohl und Art-Bot. steht 
„maritano", was offenbar fehlgelesen ist; der Brief selbst ist gegenwärtig nicht greifbar.) 
— 8, dienstfertigster: Art-Bot. lesen hier „dienstgefertigster", was aber sinnlos und in 
Haydns Briefen sonst gar nicht gebräuchlich ist. Offenbar handelt es sich um einen bloßen 
Lesefehler. In der einzigen Quelle (woher auch Art-Bot. schöpfen), bei Nohl Sj, ist die 
Begrüßungsformel überhaupt weggelassen. Woher haben Art-Bot. diese Zeile überhaupt 
genommen? Vermutlich haben sie sie willkürlich (und falsch) ergänzt. — 9. Der Verleger 
Artaria hat seit dem Jahre 1776 eine ganze Reihe von Porträts berühmter Männer und 
Künstler herausgegeben. Im Juni 1781 ist von ihm das Porträt Haydns (von Mansfeld) 
angekündigt worden. Haydn war mit dem schmeichelhaft stilisierten Bildnis zufrieden. 
Es ist übrigens eines der frühesten genau datierbaren Porträts von Haydn und deshalb 
(nicht etwa seines künstlerischen Wertes wegen) von Wichtigkeit. — Die von uns durch 
Kapitälchensatz hervorgehobenen Textpartien waren im (verschollenen) Original ver- 
mutlich unterstrichen. 



34. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 23'™ Juny/1781. 

Hoch Edel gebohrner 

In sonders Hochzu Ehrender Herr! 

Das gemahlen, samt den 12 beygefügten sehr schön gestochenen Portrait 
hab ich mit ausnehmenden Vergnügen erhalten. ' Ein noch weit grösseres 
aber fühlt mein gnädigster Fürst, indem da Er solches inne geworden, 
alsogleich von mir Eines abforderte. Nachdem nun diese 12 Stück nicht 
hinlänglich, Ersuche ich Euer Hoch Edlen mir um meine Bezahlung 
noch 6 Stück zu schicken. Sie können sich an denen 2 Liedern zahlhaft 
machen, von welchen ich Ihnen künftige Woche 6 übermachen werde. 
Verfertigt' sind nun 1 5 worunter aber eines vielleicht wegen der strengen 

98 



Censur nicht wird erlaubt werden, 4 es ist eines von jenen, So Sie mir 
selbst gaben, wovon ich Ihnen den Text nächster Tage überreichen werde, 
mir wäre leyd darum, indem ich eine ausnehmend gut Passende Aria 
darauf gemacht.' Die übrigen Lieder aber v. Herrn v. Greiner 6 hab ich 
bis dato nicht erhalten, und diese sind ohnfehlbahr in Verlust gerathen. 
Sie werden mich demnach sehr verbinden, mir durch Herrn Hofrath v. 
Greiner i Du2end andere 7 aber nur gute und Manigfaltige zu verschaffen, 
damit ich dabey eine Wahl habe: dan es fügt sich daß mancher Text eine 
wahre Antipatie wider den Compositor oder der Compositor wider den 
Text hat. 

übrigens will ich in den Ausspruch das Stück für einen Ducaten ein- 
willigen, aber niemand soll davon etwas wissen, ich will auch ehender 
kein Geld haben als bis selbe aus der Correctur gekommen: mit der 
Dedication steh ich noch im Zweifl: ob ich es Jener 8 oder einer anderen 9 
dediciren werde, genug ich halte Sie mir bevor nebst 12 Exemplaren. 
So bald ich nach Wien komen solte werden Euer Hoch Edl die liebe für 
mich haben und mich bey dem so Verdienstvollen Herrn v. Mansfeld 
aufzuführen. 

Übrigens sage verbundensten , Dank für die überschickten Exemplar 10 
und die übrigen Portraits, womit verbleibe mit 

Vollkommenster Hochachtung 

Euer Hoch Edigebohren 

gehorsamster Diener 
Joseph Haydn [mppria] 
[Keine Adresse. Außen Archivvermerk:] 

Haydn / Esterhaz : 13. Giug. 1781 / risp. 5. Luglio. 



O (Autograph) war bis 1953 im Besitz von Heinrich Hinterberger; seitdem im Besitz 
von Rudolph Kallir (New York) vermutet (dieses war uns nicht zugänglich). ED: Nohl 
86-87. Dann Art-Bot. ij und (eÜb) Latidon CCLN 29-30. 

1. Die 12 sehr schön gestochenen Portrait sind offenbar ebensoviel Exemplare des 
bekannten Haydn-Porträts von Mansfeld gewesen, welches in diesem Jahr von Artaria in 
Wien herausgebracht worden war. Das gleichzeitig Haydn überschickte „gemahlen" 
(Gemälde) mag uns aber einiges Kopfzerbrechen verursachen. Man ist versucht, darin 
die Vorlage für das Mansfeldsche Porträt zu suchen. Dies erscheint um so näherliegend, 
als der vorletzte Absatz dieses Briefes („ . . . werden Euer Hoch Edl die Liebe 
für mich haben und mich bey dem . . . Herrn v. Mansfeld aufzuführen") kaum anders 

7* 99 



interpretiert werden kann, als daß Haydn und sein Porträtist Mansfeld sich bis zu diesem 
Datum persönlich nicht getroffen haben, Mansfeld also unbedingt nach irgendeiner Vorlage 
gearbeitet haben mußte. Die Ermittlung dieser Vorlage ist aber der Haydn-Ikonographie 
bisher nicht gelungen. Das einzige Haydn-Bildnis, dessen Datum dem Mansfeldschen 
Stich (1781) vorangeht, ist das Ölbild von Grundmann aus dem Jahre 1768, welches Haydn 
in Esterhäzyscher Uniform zeigt. Dieses frühe Bildnis ist aber sowohl in der Einstellung 
als auch in den Gesichtszügen vom (stark idealisierten, wenig naturgetreuen) Stich Mans- 
felds derart verschieden, daß dies kaum das von Mansfeld als Vorlage verwendete „ge- 
mahlen" sein kann. Vorläufig muß diese Frage also wohl offengelassen werden. — 2. denen: 
so nach Nohl; Art-Bot. lesen hier „den", wobei sie offenbar die Abkürzungsschleife am 
Wortende übersehen haben. — 3. verfertigt: so bei Nohl; Art-Bot.: „verfertiget". — 4. Der 
Liedtext („Die zu späte Ankunft der Mutter" betitelt), dessentwegen Haydn hier die 
strenge Wiener Zensur fürchtet, handelt von Rosylis und Hyles, die am Bach der Liebe 
pflegen. Die Mutter kommt, die Tochter ruft: „Es ist geschehen; Ihr könnt nun wieder 
gehenl" Die Zensur zeigte sich aber verständnisvoll; sie hat das Lied (Nr. 12) unbean- 
standet durchgehen lassen. — 5. gemacht: so bsi Art-Bot.; Nohl: „gemacht habe" (beide 
Varianten sind glaubhaft). — 6. Über die Person des Hofrats von Greiner vgl. unsere Be- 
merkung zum Brief Nr. 33. — 7. andere: so bei Nohl; Art-Bot.: „anderer". — 8. Mit der 
Dedikation an „Jene" ist Mademoiselle Clair gemeint (vgl. den Brief Nr. 33). — - 9. anderen: 
so bei Art-Bot.; Nohl: „andern". — 10. Mit den überschickten Exemplaren sind (damals 
rezente) Haydn-Drucke Artarias, also entweder die Klaviersonaten Op. ßo oder die Diverti- 
menti Op. )i gemeint. Vgl. dazu die Briefe Nr. 28-34. — Allgemein muß zu diesem Brief 
festgestellt werden, daß Nohl hier zumeist sinnvollere Lesungen gibt als Art-Bot. 



35. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 20 m July 1781. 

Hoch Edelgebohrner 

Insonders Hoch zu Ehrender Herr! 

Übersende hiermit die ersten 12 Lieder, und werde trachten sobald 
möglich das 2. Duzend Euer Hochedlen zu überschücken: einige davon 
sind doppelt geschrieben, im Fall meine Schrift nicht allerdings leserlich 
seyn sollte; doch ist es mir lieber dieselbe nach dem Original zu stechen. 
Bey dem dritten Lied ist zu beobachten, daß untenher unter dem ge- 
endigten Text dieses N B muß beygedruckt werden, und zwar auf eben 
solche Arth als es im Text untenher von mir angezeichnet worden. 
Von dem 4 tea , 8 tca und 9 ten Lied werden Sie den Text in Friebertischen 1 
Liedern finden, so Herr v. Kurzböck 2 abgedruckt, sollten Sie aber die- 

100 



selben nicht haben können, so werde ich sie Ihnen übermachen: diese 
3 Lieder sind von Herrn Capellmeister Hof mann 3 (unter uns) elendig 
componirt; und eben weil der Prahlhans glaubt, den Parnass aleinig 
gefressen 4 zu haben, und mich bey einer gewissen großen Weld in allen 
Fällen zu unterdrücken sucht, hab ich diese nemblichen 3 Lieder um der 
nemblichen groß sein wollenden Weld den Unterschied zu zeigen, in die 
Musik gesetzt: Sed hoc inter nos. 

Von den io ten und i2 ten Lied werden Sie den Text von denen Ihrigen mir 
überschickten Liedern finden, welchen Text ich beygeschlossen habe, wor- 
unter aber sub No. 12 jener Text, wegen welchen ich letzthin wegen der 
Censur einen Zweifel hatte. 

Jene Notten, so mit Roth gezeichnet, mögen sehr klein gestochen werden, 
es ist solches in sehr wenig lieder [?] und vorn in jeder Zeile mit ein 
N B bezeichnet. 

Vor allen andern aber bitte ich die Musicalische Zeichen eben So, wie 
ich es geschrieben auszudrucken zum beyspil werden Sie folgendes finden 
y\V> w, tr , '-£_* ingleichen die widerholungszeichen £2 so in jedweden 
liede vorkommen, das gedruckte lied, so ich N° 7 beylegte, bitte anwi- 
derum zurückzusenden. 

Besonders aber bitte ich Euer Hochedlen, diese Lieder niemanden zuvor 
abschreiben oder singen oder gar aus Absicht verhunzen zu lassen, indem 
ich selbst nach deren Verfertigung, die selben in den critischen Häusern 
absingen werde: durch die gegenwart und den wahren Vortrag muß der 
Meister sein Recht behaupten, es sind nur Lieder, aber keine Hofmannsche 
Gassenlieder, wo weder Idee noch Ausdruck und noch viel weniger Ge- 
sang herrschet. 

Für die überschickte Portraits machen Sie mich neuerdings zum Schuldner; 
ob aber solche abgehen? ist eine Neugierde. Durch jene, so Sie mir 
überschückten, hatten bishero Bildhauer und Vergolter Gewinnst. 
Bitte bey gelegener Zeit den Papedeckel, worin die Lieder eingemacht, 
wieder zurück zu schicken: dann derley Waar ist bey uns nicht zu haben. 
Übrigens verbleibe ich 5 mit ausnehmender Hochachtung 
Dero 

dienstschuldigster Diener 
Joseph Haydn [mppria] 
[Archivvermerk:] Haydn / Esterhas, 20. Lugl. 1781. / risp. — ■ 20. 7 1 ". 



101 



O: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCLN )zo wie folgt festgestellt; 
Geschäftsarchiv Artaria -» Leo Liepmannssohn Antiqu. Katalog vom 4. Nov. 1907, Nr. 
88 -> Sammlung Heyer, Köln -> Sammlung Arthur Hill, London -»■ Katalog Sotheby 
(Hill Collection) vom 17. Juni 1947 (mit falschem Datum: „1789" anstatt 1781) -> Otto 
Haas -»■ heute: Rudolph Kallir (New York). ED: Nohl 87-88 (lückenhaft und ungenau). 
Danach Art-Bot. 16-17 (ebenso); dann ebendort als Nachtrag am Anfang des Bandes, 
nach dem (damals in Köln befindlichen) Autograph nochmals abgedruckt (auch nicht 
ganz fehlerfrei). Da uns das (in New York befindliche) Autograph nicht zur Verfügung 
stand, waren wir (ebenso wie schon Landon CCLN ßO-31) gezwungen, uns auf die anschei- 
nend wortgetreue, verbesserte Veröffentlichung im Nachtrag von Art-Bot. zu verlassen. 
1. Der im Brief erwähnte Textdichter Fribertb ist mit dem Sänger der Esterhäzy-Opern- 
truppe, KarlFriberth, identisch. Über ihn vgl. unsere Dokumente Nr. 3, 4 usw. — 2. Joseph 
von Kur^böck, namhafter Wiener Verleger und Buchhändler, der auch die Klaviersonaten 
Nr. 21-26 von Haydn verlegt hat, — 3. Der hier durch Haydn so abschätzig beurteilte 
„Hofmann" ist einer von Haydns Wiener Feinden: Leopold Hoffmann (um 1730-1793), 
Kapellmeister am Stephansdom, ein sehr fruchtbarer und seinerzeit geschätzter Kirchen- 
komponist und Sinfoniker. Eine große Menge seiner Werke waren seinerzeit unter Haydns 
Namen in Umlauf. „Seine Instrumentalwerke waren wegen ihrer flüssigen Melodik sehr 
beliebt und standen der rechten Würdigung Haydns längere Zeit im Wege" (Riemann-Lex. 
1959). Daher Haydns verständliche Abneigung diesem geschickten Rivalen gegenüber. 
— 4. Nohl und Art -Bot. lesen hier „den Parnaß aleinig getragen zu haben", was gar keinen 
Sinn ergibt. Durch die Vermittlung von H. C. R. Landon haben wir hierzu die über- 
zeugende Emendation gefressen Z" haben erhalten, was auch zur derben Ausdrucksweise 
Haydns besser paßt. — 5. In Nohls Mitteilung fehlt dieses „ich". 



36. Jahreskonto der Eszterhäzaer Opernkopiaturen — 
von Haydn revidiert 

[Kopistenschrift] [Esterhaz, September 1781] 

Conto. / Was ich von i teQ April bis Sept. 1781 an opern gearbeitet — — 
den Bogen zu 5 xr. 

Bögen 

Discordia Fortunata 79 

Sinfonien 12. duplirt 86 

Francese bizzaro 69 

Gli stravaganti 81 

L'infedelta fedele 82 



397 
Macht 33 Fl. 5 xr. Giov. Schellinger Souffler mp. 

[Von da an Haydns Schrift:] 



102 



diese 397 bogen sind von mir richtig befunden worden, per bogen zu 5 xr. 
gerechnet 

Josephus Haydn mppria 
CapellMeister 
[Ohne Datum. Die Genehmigung des Fürsten ist datiert:] Esterhaz, den i8 ten 
Sept. 1781. 

O: Budapest, EA-TS, A. M.Fasc, 17, Nr. 1108. ED: Valköll, jyo. Nicht bei London CCLN. 
Dieses Kopiaturkonto ist durch den Eszterhäzaer Opernkopisten Schellinger zusammen- 
gestellt worden; das Dokument gibt uns ein annäherndes Bild des Eszterhäzaer Opern- 
betriebs unter Haydns Leitung im Jahre 1781. Die darin genannten (durch Haydn ausge- 
wählten, vorbereiteten, einstudierten und aufgeführten) Opern sind: Discordia fortunata, 
eine Titelvariante von L'Avaro deluso (Paisiello), welche im Mai 1781 unter Haydn auf- 
geführt wurde und mit 16 Vorstellungen die zweite meistgespielte Oper des Jahres war. 
— UFrancese bizz arro von Astaritta ist Anfang Juli 1781 in Eszterhäza aufgeführt worden 
und schon im August desselben Jahres nach 5 Vorstellungen vom Repertoire verschwun- 
den. — Gli Stravaganti ist eine Titelvariante von La Schiava riconosciuta (Piccini; Ende August 
aufgeführt). — • Mit L'Infedeltä fedele ist nicht etwa die gleichnamige dreiaktige Oper von 
Cimarosa gemeint (diese war in Partitur zwar vorhanden, ist aber in Eszterhäza nicht 
aufgeführt worden), sondern Haydns La fedeltä premiata, deren Titel ursprünglich so 
lautete und die am 25. Februar 1781 in Eszterhäza erstaufgeführt und mit 17 Vorstellungen 
die meistgespielte Oper des Jahres wurde. Außer diesen hiermit verrechneten vier Premieren 
sind aber (wie wir heute wissen) noch zwei weitere Opern 1781 in Eszterhäza erstaufgeführt 
worden: Isabella e Rodrigo von Anfossi (im April) und II convitato di pietra ossia II Dissoluto 
von Righini im Juli. Warum diese zwei Opern im Kopiaturkonto Schellingers nicht 
angeführt sind, erklärt sich aus dem Umstand, daß diese zwei Opern mit komplettem 
Aufführungsmaterial von auswärts angeschafft worden sind, und zwar Isabella e Rodrigo 
aus Bologna und // convitato di pietra aus Wien. Die diesbez. Belege vgl. Bartha-Somfai 
HOK 90 ff; dazu Nachträge und Korrekturen der Aufführungsstatistik aus dem Eiseh- 
städter Esterhäzy-Archivmaterial Härich ROKH }}ff. 



37. Haydns Antwort (Brief?) an die Tonkünstler-Societät in Wien 

[Sept. oder Okt. 1781I 
[Zu einem nicht mehr genau bestimmbaren Datum im Spätsommer 1781 ist 
die Tonkünstler-Societät in Wien an Haydn mit dem Wunsch herangetreten, 
zu einer beabsichtigten Wiederaufführung des Tobias an der Partitur Ände- 
rungen vorzunehmen. Haydns Antwort darauf kennen wir nur aus dem (in 3. 
Person abgefaßten) Protokollauszug der Tonkünstler-Societät (Zitiert bei 
Pohl II, 86>: 

103 



„Wenn ihm die Societät Benefice-Billetten oder eine andere Bonification für 
seine Mühe und Spesen versichern würde, er (Haydn) sowohl die Symphonie 
als Chori abkürzen und auch die Proben und Productionen selbst zu dirigiren 
übernehmen wollte, indem er sich schmeichelt, daß die Societät seiner großen 
Bekanntschaften und allgemein guten Rufes wegen schon um ioo Dukaten 
mehr einnehmen könnte." Aus dieser Zitierung bei Pohl geht nicht genau 
hervor, ob Haydn diese seine Bedingungen der Societät schriftlich (in einem 
Brief, der dann verschollen sein muß) oder etwa nur mündlich mitgeteilt 
hat. — Tatsache ist, daß die Societät Haydns Bedingungen damals nicht 
annahm und (anstatt des Tobias) Hasses Oratorium Elena zur Aufführung 
brachte.] 



38a. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 1%" 8 bd [Okt.] 1781 
P: T: 

in gröster Eyle mache ich Ihnen zu wissen, daß ich künfftigen Montag 
die Correctur samt 6 neuen liedern übermachen werde, eine kleine reise 
und die dermahlige bearbeitung 6 neuer quartetten 1 so in 3 wochen fertig 
seyn werden, hielten mich von denen liedern ab: ich werde dieselbe 
aber längstens in 14 tagen einhändigen, ich möchte gerne, wan es änderst 
möglich und geschwinde seyn kan, 3 neue zärtliche Texte zu liedern 
haben, weil fast alle die übrige von ein. [einem] lustigen ausdruck seyn; 
der Inhalt davon kan auch traurig seyn: damit ich schatten und liecht 
habe, wie bey denen ersteren zwölf. 

Dero 

gehorsamster diener 
Joseph Haydn mppria 

bitte um etwelche Portraits von mir. 

[Auf einem besonderen Einlageblatt hat Haydn hierzu noch folgendes 

nachgetragen:] 

In etwelchen Tagen werde ich 3 andere übersenden, und so fort trachten 

die noch übrigen baldigst einzuhändigen: wegen der Dedication 1 müssen 

Eu. Edelg. [Euer Edelgeboren] 10 oder 12 Tage noch warten, indem ich 

104 



zu Ende dieses Monaths selbst auf 6 Wochen nach Wienn komme: ich 
schreibe eben neue quartetten, und sind davon 4 schon fertig und eben 
diese haben mich in etwas aufgehalten. 
[Adresse mit Siegel] 

Monsieur / Monsieur Artaria et Compag. / press: Kupferstecher Comp. 

ä Vienne. 
[Archivvermerk Artarias:] 
Haydn. 1781 Esterhaz d. 18. 8 br / 22. d. / 23. d. 

O (Autograph): Kestnef-Muscum, Hannover (ohne das verschollene Einlageblatt). ED: 
NoblJ2, LIII-LIV (im Nachtrag; sehr ungenau, mit mehreren Lesefehlern). Art-Bot. 
iS (aus Nohl übernommen); wichtige Textkorrekturen dazu bei Unterricht GBT 60. — 
London CCLNß2 und unsere Ausgabe stützen sich auf eine Mikrofilmkopie des Autographs 
in Hannover (vermittelt durch das IMBA). In allen älteren Ausgaben (bis einschließlich 
Landon CCLN) fehlt der Text des Einlageblattes; dessen BD bei Unvtrricbt GBT }?. Dieses 
ist in jenem Konvolut Jahnscher Briefkopien enthalten, das in der Staatsbibl. Berlin liegt; 
eine Fotokopie dieser Quelle ist uns durch H. Unverricht zugesandt worden. 
I. Die im Brief (und auch im Einlageblatt) erwähnten, in Arbeit befindlichen neuen 
Quartette gehören zur wichtigen Serie der sog. „Russischen Quartette" Op. 33. — 2. Es 
handelt sich um die Dedikation des im Dezember 1781 ohne Opuszahl bei Artaria erschiene- 
nen Liederheftes (vgl. hierzu unsere Dokumente Nr. 33, 34 usw.). 



38b. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras, den 23 tn Nov. 1781p] 

O verschollen; auch keine Textausgabe vorhanden. Eine Erwähnung dieses Briefes findet 
sich in An lllustrated Catalogue of the Music Loan Exbibition. . . by the Worshipful Company of 
Musicians at Fisbmonger's Hall. June and July 1904 (London 1 909), S. 318, mit der Bemerkung 
„A long and quaintly-expressed letter" (ein langer und seltsam abgefaßter Brief). Nach 
dieser Quelle zitiert bei Unverriebt GBT }j, Nr. 4. — Ansonsten war von dem Brief 
keine Spur aufzufinden. Hier sei auch unsere Vermutung angedeutet, ob es sich nicht 
um eine Verwechslung mit dem Brief Nr. 34 (vom 23. Juni 1781) handeln könnte. In 
Haydns Schreibweise können Juni und November (bei Haydn pbr geschrieben) mitunter 
sehr ähnlich geraten. Dies nur als unverbindliche Vermutung. 



105 



39- Haydn an Johann Caspar Lavater, Zürich 

[Wien, den 3. Dezember 178 1] 
[Kopistenschrift, nur die Unterschrift autograph] 

Hochgelehrter Herr und > 

lieber Freund! 
ich liebe und lese gern dero werker. Wie man liest, hört und sagt, so bin 
ich auch nicht ungeschickt, in deme mein nähme so zu sagen in allen 
ländern mit grossem credit bekannt. Derohalben bin ich so frey, dem- 
selben höflichst einen Kleinen auftrag zu thun, weilen mir bekannt, daß in 
Zürich, Winterthur viele Herrn Liebhaber und große Kenner und gönner 
der Tonkunst sind, so habe es ohnmöglich verhalten können, daß ein 
Werck ä 6 Quartetten für 2 violin, Alto-viola, Violoncello concertante, 
auf praenumeration ä sechs Ducaten, correct geschriebener herausgebe, 
von einer Neu, gantz besonderer Art, denn Zeit 10 
Jahr" habe keine geschrieben. Wolte also ohnermanglen, 
selbe hohen gönnem und Herrn liebhabern anzubieten. Außwärtigen 
Herrn praenumeranten werden sie ehender zugestellt, als ich selbe heraus- 
gebe. Ich Bitte mir nicht zu verüblen, wenn ich denen selben damit 
Beschwert fallen solte; Bin ich so glücklich ein Genehmigungs antwort zu 
erhalten, so werde thätlich zeigen und verbleiben meines 

Hochgelehrten Herrn 

dienstbereitwilligster 

Josephus Haydn mppria. 

Fürst Estorhazischer 

Capell Meister. 

Wien d. 3 ten Decembr. / 1781. 

adresse: 

in dem Fürst Ester - 
hazischen Haus abzu- 
geben. In Wien. 

0: Universitätsbibliothek, Zürich, Cat. Lavater -Br. Bd. II. Nr. 264, Mss. jii.KD: hier, in 
Neue Züricher Zeitung, 31. Mätz 1932, Nr. 503 (mit einigen Lesefehlern). Mit korrigiertem 
Text Sandberger NH 28-2$; (eÜb) London CCLN )2, Landons und unsere Ausgabe stützen 
sich auf Sandbergers Text. 

Der Adressat, der Schweizer Schriftsteller Lavater (1741-1801), ist besonders durch seine 
Physiognomielehre 'weltbekannt geworden. Haydn bemüht sich, wie es damals üblich war, 

106 



auf handschriftliche Kopien seiner neuen Quartettserie (Op. 53) Liebhabet -Praenumeranten 
zu sammeln (etliche vierzig Jahre später hat sich noch Beethoven bei der Missa Solemnis 
um Ähnliches bemüht, allerdings mit wenig Erfolg). Die Angabe Haydns, er habe seit 
10 Jahren keine Streichquartette geschrieben, ist nur um ein Jahr übertrieben; seine letzte 
Quartettserie (Op. 20) datiert vom Jahr 1772. Über die Werbeformel, die Quartette seien 
„von einer neu, gantz besonderer Art" vgl. unseren Kommentar zum analogen Brief 
Nr. 40. 

1. 10 Jahr: so bei Sandberger. Sinngemäß möchte man eher die Wendung „seit 10 Jahren" 
erwarten. Im Fall von „Jahr" statt des erwarteten „Jahren" mag Sandberger die Ab- 
kürzungsschleife am Wortende einfach übersehen haben (im analogen Brief Nr. 40 steht 
an dieser Stelle tatsächlich „Jahren"). „Zeit" anstelle des sinngemäßen „seit" dürfte viel- 
leicht darauf hindeuten, daß der Kopist Haydns Diktat hier mißverstanden hat? 

40. Haydn an den Fürsten Kraft Ernst zu Öttingen-Wallerstein 
in Waller stein 

[Wien, den 3. Dezember 1781] 
[Kopistenschrift; nur die Unterschrift autograph] 
Hochfürstliche Durchlaucht! 
Gnädigster Fürst und Herr Herr! 
Als hohen Gönner und ICenner der Ton ICunst, nehme die Freyheit, meine 
gantz neue ä quadro für 2 Violin, Alto, Violoncello concertante, Euer 
hochfürstlichen Durchlaucht auf praenumeration ä 6. Ducaten correct 
geschriebener unterthänigst anzuerbieten: sie sind auf eine gantz neue 
besondere art, denn zeit 10 Jahren habe Keine geschrieben. Auswärtigen 1 
hohen Herrn praenumeranten werden selbe ehender zugeschickt, als sie 
dahier abgebe. Zu hohen Gnaden mich empfehlendt, unter anhoffendt 
gnädigster Bewilligung harre in tiefestem respect stätshin 

Euer Hochfürstlichen Durchlaucht 

unterthänigst / gehorsamster 

Josephus Haydn mppria 

Fürst Estorhazischer 

Capell Meister. 

Wiend. 3"° Dezembr. [1781]* 

adresse 
in dem hochfürstlichen Esterhasischen 
Hauß abzugeben 

ä / Vienne 



107 



O: Schloß Harburg (Fürstl. Öttingen-Wallersteinisches Archiv). ED: Sandberger GHS 41. 
Dann Sandberger AAMG 224 (nicht ganz buchstabengetreu, mit kleinen Lesefehlern); 
Diemand 2j) (bisher die genaueste Mitteilung, mit kleinen Korrekturen zu Sandberger); 
(eÜb) Laftdon CCLN )). Unsere Ausgabe folgt der Textfassung bei Diemand. 
1. Auswärtigen: so bei Sandberger. Diemand liest hier „Auswärtig" (offenbar hat er die 
Abkürzungsschleife ,,-en" am Wortende übersehen). — 2. Die Jahreszahl 1781 im Original 
vergessen, aber durch das Antwortschreiben des fürstl. Hofkammerrats St. George 
(vom 18. Februar 178z), sowie durch die Analogie des am selben Tag von Haydn diktierten 
und inhaltlich voll übereinstimmenden Briefes Nr. 39 absolut gesichert. 
Der Fürst Kraft Ernst %u Öttingen-Wallerstein war ein leidenschaftlicher Musikliebhaber, 
der ein ausgezeichnetes Orchester in seinen Diensten hielt (der namhafte Komponist 
Franz Anton Rosetti-Röss/er war von 1773 Kontrabassist, von 1785 an Kapellmeister dieses 
hervorragenden Ensembles). Der musikliebende Fürst zeigte mit den Jahren eine immer 
mehr betonte Vorliebe für Haydns Musik, wie der spätere Fortgang der Korrespondenz 
beweist. — Wie bekannt, hat Adolf Sandberger (der diesen Brief erstmals in die Musik- 
literatur eingeführt hat) den Ausdruck Haydns, diese Quartette (Op. 33) seien nach einer 
Pause von 10 (recte: 9) Jahren „auf eine gantz neue besondere art" komponiert, zum 
Anlaß eines großen Aufsatzes genommen (Zur Geschichte des Haydnschen Streichquartetts. 
Sandberger GHS und AAMG), wo er, gestützt auf diesen Ausdruck, in der Quartettserie 
Op. 33 eine wichtige Stilwende im Quartettschaffen Haydns nachzuweisen suchte. Sand- 
bergers These ist seitdem Gegenstand der Kontroverse geworden, indem wir heute 
(besonders nach den grundlegenden Quellenforschungen /. P. Larsens) die wichtige 
Stilwende im Quartettschaffen Haydns um etwa 9-10 Jahre früher, bei den Quartetten 
Op. 17 und zo, ansetzen wollen (vgl. hierzu ausführlich Larsen HÜb 8), Note ;y). Auch 
hat die Bedeutung von Haydns Worten über die „gantz neue besondere Art" dieser 
Stücke viel von ihrem Gewicht eingebüßt, seitdem genau dieselbe Wendung auch im 
Brief an Lavater (Nr. 39) wörtlich übereinstimmend aufgetaucht ist. Vermutlich hat Haydn 
in den Tagen um den 3. Dezember 1781 eine ganze Reihe derartiger Werbebriefe wesentlich 
gleichen Inhalts diktiert und an verschiedene Musikliebhaber expediert, von denen bis 
heute eben diese zwei aufgetaucht sind. Im Lichte dieser ernüchternden Tatsachen verblaßt 
Haydns (einst viel zitierter) Ausdruck zu einer bloßen Werbephrase. — Daß es sich bei 
dieser Pränumeration auf die Quartettserie tatsächlich um ein nicht unbedeutendes 
geschäftliches Anliegen Haydns handelte, wird aus dem Inhalt des folgenden Briefes an 
Artaria (Nr. 41) hinreichend klar. 



108 



41. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 4 ten Jenner / 1782 
Monsieur! 

Mit erstaunen durchlas ich in dem wiener Diario, wie daß Sie meine quartet- 
ten in 4 wochen heraus geben werden, wen Sie nur so viel Achtung 
gehabt hätten, und mit der Verkündigung biß zu meiner Abwesenheit 
v. Wienn zurück gehalten hätten: ein solches Verfahren gereichet mir zu 
meiner größten unehr, und zum größten Schaden, und ist eine sehr 
wucherische Handlung von Ihnen, wenigstens hätten Sie mit der An- 
kündigung in so lang zurückhalten sollen, bis das ganze Werk vollendet 
gewesen wäre, indem ich meine Prenumeranten noch nicht alle Contentirt 
habe: Mon. Hummel wolte auch ein mit Prenumerant seyn, ich wolte 
aber nicht so niedrich handeln, und aus bloßer Freundschaft und ferneren 
Vertrag mit Ihnen schückte ich Sie nicht nach Berlin: und Sie sind mir 
bey Gott mehr als 5 o Ducaten schade, indem ich viele Prenumeranten noch 
nicht Contentirte, und jene etwelchen auswärtigen gar nicht mehr über- 
schücken kann: Dieser schritt verursachet, daß unser ferner Handel 
unter weges verbleiben wird. 

Nur um dieß ersuche ich Sie, dem Herrn v. Liebe 1 ein in rothen Taffet 
eingebundenes Exemplar deren liedern, und ein ordinaires meinem Herrn 
schwager v. Keller, 2 und mir 3 Exemplar herab zu schücken, Sie können 
sich am zweiten Duzend davon zahlhaft machen: übrigens verbleibe 
mit aller achtung 

Dero 

Ergebenster Diener 
Joseph Haydn. 
[Keine Adresse. — Außen Archivvermerk:] 

Haydn / Esterhasj den 4' Jenner / 1782 / risp° 14. d° 

(Autograph) einst im Geschäftsarchiv Artaria; dann befand es sich (bis 1953) im Besitz 
von Heinrich Hinterberger. Als gegenwärtiger Besitzer wird Rudolph Kallir (New York) 
vermutet. Das Autograph war uns nicht zugänglich. ED: Nobl SS (mit willkürlichen 
Auslassungen, daher unbrauchbar). Art-Bot. zp-20 (nach dem Autograph, aber mit nicht 
wesentlichen, kleinen Lesefehlern); London CCLN )4 und auch unser Text stützen sich 
auf Art-Hot. 
Haydns Verärgerung Artaria gegenüber wird durch folgende Umstände erklärt: Artaria 

109 



hatte sich erboten, die sechs neuen Quartette (Op. 33) in seinen Verlag zu nehmen, und 
Haydn hatte anscheinend nichts dagegen einzuwenden. Beide waren sich der Sensation 
bewußt, die die neue Quartettserie (nach einer Pause von neun Jahren) versprach. So hat 
es sich Artaria nicht nehmen lassen, gleich im Anschluß an die Anzeige der von ihm soeben 
verlegten Haydn-Lieder (vgl. unsere Dokumente Nr. 33-36) am 29. Dezember 1781 Inder 
Wiener Zeitung (Nr. 104) folgende Ankündigung zu bringen: „Auch sind die 6 ganz neue 
Quartetten [hier möchte man fast erwarten, von „auf eine ganz neue, besondere Art 
komponierten Quartetten" zu lesen I]. . . dieses großen Mannes in größter Beschäftigung 
der Auflage fd. h. im Stich] und hoffen es in ungefehr 4 Wochen herausgeben zu können," 
Nun haben wir aber oben (vgl. unsere Briefe Nr. 39 und 40) gesehen, daß Haydn mit 
diesen Quartetten nebenbei auch noch ein kleines Privatgeschäft machen wollte, indem 
er davon handschriftliche Kopien zum Preise von je 6 Dukaten verschiedenen auswärtigen 
Musikliebhabern anbot. Artarias verfrühte Ankündigung mußte sich natürlich auf den 
Fortgang dieses Geschäfts höchst nachteilig auswirken, da ja die gestochenen Exemplare 
bedeutend billiger zu haben waren. — Dies erklärt den heftigen Unwillen Haydns. Mit 
seinem zornigen Brief hat er immerhin so viel erreicht, daß die tatsächliche Veröffent- 
lichung der sechs neuen Quartette durch Artaria bis zum April 1782 aufgeschoben wurde; 
sie sind erst am 17. April als tatsächlich erschienen angezeigt (vgl. Hoboken ßp/). — 
Der im Brief genannte Verleger Hummel (über ihn vgl. unsere Nr. 29) hat seine (von der 
Artaria -Fassung etwas abweichende) Ausgabe derselben Quartette nur einen Monat 
später, im Mai 1782, in Berlin und Amsterdam herausgebracht. Innerhalb dieser wenigen 
Wochen war es natürlich für Hummel unmöglich gewesen, die Artaria-Ausgabe voll- 
ständig neu stechen zu lassen. Er muß also unbedingt schon vorher (spätestens seit etwa 
Januar 1782) eine Kopie dieser Quartette als Stichvorlage besessen haben. Ob er sich 
diese (trotz der gegenteiligen Versicherung Haydns) etwa vom Komponisten selbst oder 
auf irgendeinem anderen Wege beschafft hat, ist heute nicht festzustellen (vgl. hierzu 
Hoboken }9J-)96 und 400-401). — Daß Haydn (durch die voreilige und für ihn 
unerwartete Ankündigung Artarias aufgestachelt) sich damals berechtigt fühlte, diese 
seine neuen Quartette „aller orthen anzubietten", geht aus einem einige Monate später 
verfaßten Brief an Artaria hervor (Nr. 46). — Daß der Verleger Hummel, wenn er sich 
schon als Pränumerant meldete, die auf diese Weise erstandene handschriftliche Kopie 
nicht etwa zu harmlosem häuslichem Musizieren, sondern skrupellos zu Verlagszwecken 
gebrauchen würde, darüber war sich der in geschäftlichen Dingen wohlbewanderte Haydn 
von vornherein im klaren. 

1. Die betreffenden Lieder waren (nach dem Aufgeben anderweitiger Dedikationspläne, 
vgl. Nr. 33-36) dem Fräulein Franziska Liebe Edle von Kreutzer gewidmet. Ihr Vater, der 
Militär-Verpflegs-Oberverwalter Anton Liebe v. Kreutzner, sollte das in rotes Taflet ge- 
bundene Luxusexemplar der Liederausgabe durch Artaria zugeschickt bekommen. Dieser 
selbe Musikliebhaber war es auch, der im Jahre 1782 bei Haydn die sog. Mariazeller- 
messe bestellt hat (vgl. Pohl II, 196 und Brand 144). — 2. Haydns Schwager, Joseph Keller, 
dessen Sohn viele Jahre später (um 1800) bei Haydns Jugendfreund Stoll in Baden wohnte. 
Vgl. unsere Nr. 245. 



HO 



42. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 20" 1 Jenner 1782. 

Hoch Edl gebohmer 

Insonders hochzuEhrender Herr! 

Ich Muß beckenen, 1 daß ich meinen lezten brief an Sie mit ein. [einem] 
aufwallenden geblüt geschrieben, nichts desto weniger hoffe ich, daß 
wür gute freunde bleiben werden, diss ist ganz sicher, daß ich Ihnen 
meine quartetten aus absieht um solche zu stechen gegeben habe, dises 
aber ist mir nie in Sinne geckomen, daß Sie es alsogleich in die Zeitung 
setzen solten: die sach ist nun schon So geschehen, ein andermahl 
werden wür beede behutsamer seyn. ich werden Ihnen mit nächsten 
einige lieder übermachen, dancke ihnen für die überschückten.* und 
verbleibe mit vollkomenster Hochachtung 

Dero 

dienstschuldigster dienet 
Josephus Haydn mppria 
[Außen Adresse:] ' 

Monsieur / Monsieur Artaria et Compag. 

press: / ä / Vienne. 
[Archivvermerk:] Haydn 1782 / Esterasi d. 20. Jenner / 

Emp. [Empfangen] 23 dto. 

Anntw [leer gelassen] 

0: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCL.N 320 festgestellt: Geschäfts- 
archiv Artaria -»■ Leo Liepmannssohn Cat. 713 (1901) Nr. 132 -> Otto Haas -> heute: 
Sammlung Richard Franko Goldmann, Amawalk, N.Y. ED: Nohl 89 (ungenau, mit 
einigen Lesefehlern und ohne Adresse). Pohl II, xyo (nur Auszug);^4r/-iW. 20-21 (samt den 
Fehlern aus Nohl übernommen). Landon CCLN ßf und unsere Ausgabe stützen sich auf 
das Autograph (hierzu ist uns eine Fotokopie durch H. C. R. Landon überlassen worden), 
i. beckenen: Art-Hot. lesen irrtümlich „bedauern", während schon Nohl S? und Pohl II, 
170 an dieser Stelle die auch inhaltlich richtigere Lesung beckenen gegeben haben. — 2. Zu 
den ilberschilckten Exemplaren der Lieder vgl. weiter oben den letzten Satz des Briefes 
Nr. 41. 

Haydn hat sich inzwischen darauf besonnen, daß die Geschäftsverbindung mit Artaria 
immerhin auch für ihn von Nutzen sei. Daher der auffallend versöhnliche Ton dieses 
Briefes. 



III 



43- Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 15" Febr. / 1782 

Hoch Edl gebohmer 

Insonders hochzuEhr ender Herrl 1 

Herr Breünig (mit welchen ich in einer unangenehmen Correspondenz 
stehe, und welchen ich lauth Ihres lezten Schreibens in betref [betraf ?]' 
derer von Ihme Ihnen angetragenen quartetten meiner Composition, die 
nembliche worte Ihres briefes überschriebe [ )],* schückte mir gegen- 
wärtiges abscheuliches blat mit impertinentigster drohung, daß ich dieses 
blat zu seiner Satisfaction Ihnen alsogleich einhändigen solle, wo nicht, 
so glaube Herr Breünig, daß ich ein lügner seye: Sie werden also so 
wohl mich, als sich selbst dissfals deffendiren: wie weiter aber Sie mich 
von Herrn Breünig 3 entfernen, desto angenehmere dienste werden Sie 
mir leisten: der ich mit vollkomenster Hochachtung verbleibe 

Euer hochEdl gebohrn: 
dienstfertigster dienet 
Josephus Haydn mppria 
P: S: wegen denen liedern bitte noch ein 
kurtze zeit in geduld zu stehen 
ich möchte nur ein einziges Exemplair 
meiner quartetten zu sehen beckomen. 
[Außen keine Adresse. Archivvermerk:] Haydn 

Esterhazy 15. feb: 1782 

O: Die Besitzerfolge des Autographs ist ducchLandonCCLN )20 festgestellt: Geschäftsarchiv 
Artaria -> Auktionskat. 152 von K. H. Henrici(io.-n. Mai 1929) Nr. 485 -> Auktionskat. 
Sotheby vom 1. Aug, 1939, Nr. 705 ->■ Hermann ->■ Otto Haas -> Sammlung J. E. Kite 
in Hove (Sussex, England; gegenw. Besitzer). Eine Fotokopie des Autographs ist uns 
durch H. C. R. Landon überlassen worden. ED: Nohl 8g (mit Lücken und Fehllesungen). 
slrt-Bot. 21-22 (mit vielen Fehllesungen und willkürlich — falsch — zugesetzter Schluß- 
klausel). Landon CCL.N }} und unsere Ausgabe stützen sich auf das Autograph. 

1. Dieses Wort ist schwer zu entziffern: es kann sowohl betref als auch betraf heißen. — 

2. Hier hat Haydn das Ende der Klammer vergessen. — 3. Der Komponist Conrad Breünig 
(aus Mainz), von dem im Jahr 1776 Violinduette bei Artaria erschienen waren, hat dem 
Verleger Haydn-Quartette zum Kauf angeboten, vermutlich eine der von Haydn auf 
Subskription vertriebenen handschriftlichen Kopien von Op. 33, offenbar in Unkenntnis 
dessen, daß Artaria diese Quartette bereits von Haydn selbst legal erworben und in Vor- 

112 



bereitung hatte. Artaria hat Breunigs Schreiben Haydn mitgeteilt, worauf dieser an Breunig 
einen unfreundlichen (heute verschollenen) Brief geschrieben haben mochte. Breunig 
antwortete mit einer imptrtinentigsten Drohung, deren Originaltext nicht erhalten ist 
(Haydn hat sich bekanntlich nicht um die Aufbewahrung der an ihn gerichteten Briefe 
gekümmert, geschweige denn um so unangenehme). Den Inhalt und die Ursache von 
Breunigs Zorn können wir aber leicht erraten: Er hatte offenbar eine handschriftliche 
Kopie der Quartettserie um 6 Dukaten erworben, dazu vermutlich auch einen der Werbe- 
briefe Haydns vom 3. Dez. 1781 (vgl. unsere Nr. 39, 40) erhalten mit der Zusicherung 
„Auswärtigen Herrn praenumeranten werden sie ehender zugestellt, als ich selbe heraus- 
gebe" (so in Nr. 39). Als er nun von der (verfrühterweise bereits im Dez. 1781 angekündig- 
ten) unmittelbar bevorstehenden Artaria-Ausgabe erfuhr, geriet er in Zorn und schrieb 
Haydn seine „impertinentigste drohung". — Haydn hat von Artaria das hiermit verlangte 
Rechtfertigungsschreiben prompt erhalten und es an Breunig weitergeleitet (vgl. unsere 
Nr. 46). 



44. St. George, Wallersteinischer Hofkammerrat, an Haydn 

[Wallerstein, den 18. Februar 1782] 
Monsieur 

Da auf mein Schreiben, welches ich bereits am 24. Dec. mp. an Sie abgelassen 
habe mir bis jet^o weder eine Antwort noch etwas von den erwarteten Musikalien 
zugekommen ist, und ich den Auftrag von meinem gnädigsten Fürsten erhalten 
habe, Sie nochmal darum ^u ersuchen: als vollziehe ich selbigen hiemit und bitte 
zugleich ergebenst, was von Ihren neuen ä quadro bis anjet^t fertig geworden ist, 
unter der Adresse gedachter S r hochfürstlichen Durchlaucht anhero %u schicken, 
mir aber Nachricht davon %u geben, damit ich der Bezahlung wegen die ungesäumte 
Veranstaltung treffen könne. In solcher Erwartung habe ich die Ehre, mit der 
vollkommensten Hochachtung %u sejn . . . 

Wallerstein, 18. Februar 1782. S. 

O verschollen; alte Kanzleikopie auf Schloß Harburg. ED: SandbergerGHS 42 (1900) und 
AAMG 22J. London CCL.N }6 und unsere Ausgabe stützen sich auf Sandbergers (an- 
scheinend zuverlässige) Mitteilung. — Der hier erwähnte Wallersteinische Brief vom 24. 
Dez. 1781 ist spurlos verschollen. Er enthielt offenbar eine positive Antwort auf Haydns 
an den Fürsten v. Öttingen-Wallerstein gerichteten Werbebrief vom 3. Dez. (unsere Nr. 
40), mithin eine Bestellung auf die neuen Quartette Op. 33 durch den Fürsten. Nun rekla- 
miert dieser die Quartette. 



"3 



45- Von Haydn revidiertes Jahreskonto der Opernkopiaturen 
[Kopistenschrift Schellingers] [Esterhdz, den 20. Juni 1782] 

Conto pro 1782./ Was an denen 4 nachstehenden Opern ist copiret worden 
den Bogen ä 5 xr. / als folget \ 



An / Zemire und Azor 


115 Bögen 


La fiera di Venezia 


118 „ 


11 Cavaliere errante 


139 » 


L'inocente fortunata 


168 „ 


Soma: 


540 Bögen / ] 



Joann Schellinger Souffler und Copist. 
[Von hier an (bis zur Unterschrift einschl.) Haydns Handschrift:] Diese ob- 
stehende 540 bogen sind von mir genau übersehen, und für richtig Erfunden 
worden. 

Josephus Haydn mppria 
Capell Meister. 

[Danach wieder Kanzleischrift der fürstl. Genehmigung:] bezallen passiret. . . 
Esterhäz den 2o ten Juni 1782. 

Nicolaus Fürst Eszterhazy 

O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 1 7, Nr. 1 1 3 5 . ED: Valkö II, J93 . Nicht bei London CCLN. 
Dieses Kopiaturkonto Schellingers gewährt uns einen Einblick in die Eszterhäzaer Opern- 
arbeit unter Haydn in der ersten Jahreshälfte 1782. Die aufgezählten (von Haydn ausge- 
wählten, vorbereiteten, einstudierten und aufgeführten) Opern sind: Zemira ed A^pr 
(Gretry); sie erlebte in Eszterhäza vom Februar bis April 1782 insgesamt 6 Aufführungen 
und wurde dann vom Programm abgesetzt; La Fiera di Veneria (Salieri) wurde nach der 
Erstaufführung Ende Februar bis Juli insgesamt zehnmal gespielt; II Cavaliere errante 
(Traetta): vom März bis Juli insgesamt 8mal gespielt; L'Innocente fortunata (dies der richtige 
Titel) von Paisiello ist Mitte April erstaufgeführt worden, gefiel aber nicht und wurde 
vom Spielplan abgesetzt. Außer diesen vier Premieren waren in der ersten Jahreshälfte 
1782 in Eszterhäza noch zwei Opern aus dem Vorjahr auf dem Spielplan: Uavaro deluso 
von Paisiello und La contadina in Corte von Sacchini (?). Vgl. Bartha-Somfai HOK 98 ff, 
Hdricb EMG JI-J2 und Hdrich ROKH }$ ff ^ (mit wichtigen Nachträgen und Korrekturen 
zu den erstgenannten Arbeiten). 



114 



46. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Hoch Edl Gebohrner [Kein Datum. Etwa 24.-25. Juli 1782]' 

Insonders HochzuverEhrender Herr! 

Eben an den tag, als ich Ihre wertheste von 2 ten pass to [passato] erhielte, 
hatte ich das unglück, durch einen fall meinen lincken Fuß so gewaltig 
zu beschädigen, daß ich bis dato noch nicht ausser Haus gehen kan; 
die genaueste Diaet verursachte demnach die Verzögerung meiner schuldi- 
gen Rückandworth; 

Die unangenehme folgen deren quartetten vermög einschlusses des Herrn 
Humel 2 hab ich eben so leicht vorhinein gesehen, als Sie in Hinkunfft 
die üble folgen für mich einsehen werden, da mir unter vielen anderen 
Herr Baron v. Svieten' in seinen an mich erlassenen lezten Schreiben 
deutlich zu verstehen gab, daß ich fernerhin gerade zu, dem Publico 
meine Compositionen widmen solle, ich hoffe wohl, daß Sie dieses betragen 
wegen Ihrer übereilten ankündigung 4 einsehen werden; und eben diese 
gar zu frühe über eilung veranlassete mich meine quartetten aller orthen 
anzubietten. 5 Übersende demnach beede 6 brief, bedaure nur, daß ich der- 
mahlen an Herrn Bocherini nicht eigenhändig schreiben kan, wollen Sie 
bey gelegener zeit mein Ergebensten Respect an Hochdemselben über- 
machen, werden Sie mich sehr verbinden: 

Für die überschückte Exemplair 7 bin ich Ihnen villen danck schuldig. 
Was aber die Ciavier Sonaten mit einer Violin betrifft, 8 werden Sie noch 
sehr lang in geduld stehen müssen, indem ich nun eine ganz neue wellsche 
opera 9 zu verfassen habe, indem der großfürst und Seine gemahlin, und 
vielleicht S e May. der Kaiser zu uns herab komen wird. 
Ihre Vertheidigung über den Breünig 10 ist trefflich abgefast: Er erhielte 
sie lezthin gegen ein Recipisse. übrigens verharre mit vollkomenster 
Hochachtung 

Euer HochEdl gebohren 

ganz Ergebenster diener 
Josephus Haydn mppria. 
[Keine Adresse. Archiwermerk Artarias:] 

Haydn 1782 / Esterhaze dto. 

Empf. 27 do. 
— [unleserlich; vermutlich Beantw. -Datum:] 11 Agosto. 

8* 115 



O: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch London CCLN }20 festgestellt: Geschäfts- 
archiv Artaria -*■ (?) -»■ Friedrich Cohen, Cat. Posonyi Nr. 471 -*■ N.B. Szechenyi, Buda- 
pest, Handschriftenabt. Ep. Mus. 286/2 (gegenw. Besitzer). ED: Nohl 90 (mit mehreren 
Lücken und Fehllesungen, unbrauchbar). Art-Rot. 22-2) (aus Nohl übernommen, mit 
willkürlichen und falsch angebrachten Ergänzungen, unbrauchbar). London CCLN ^7 und 
unsere Ausgabe stützen sich auf das Autograph. \ 

1 . Um das richtige Abfassungsdatum dieses (ausnahmsweise undatierten) Briefes herrscht eine 
gewisse Konfusion. Nohl, der den Brief 1867 (bzw. 1873) erstmals mitteilte, hat (offenbar 
schätzungsweise) „August 1782" angegeben, ohne nähere Gründe hierfür zu geben. Als 
Grundlage dieser Datierung diente vermutlich der im Brief erwähnte bevorstehende 
Besuch des russischen Großfürstenpaares. Die hohen Gäste befanden sich damals auf 
der Rückreise nach Rußland, und es schien naheliegend, daß sie anläßlich ihres Wiener 
Aufenthaltes auch Schloß Eszterhäza besuchen würden (der Besuch hat dann nicht statt- 
gefunden). Da der Wiener Aufenthalt der Gäste auf Anfang Oktober 1782 fiel und Haydn 
an seiner (für diese Gelegenheit bestimmten) Festoper Orlando Paladino doch zumindest 
2-3 Monate zu arbeiten hatte, so mochte Nohl rückschließend auf die Datierung vom 
August gekommen sein, dies um so mehr, als in der Archivnotiz Artarias tatsächlich der 
Monatsname „Agosto" erscheint (wie wir gleich sehen werden, ist dies aber nur ein 
„terminus ante quem"). Art-Bot. 22, die den Text dieses Briefes aus Nohl nahmen, haben 
zwar das Augustdatum übernommen, äußern aber bereits einen Zweifel an seiner Richtig- 
keit, mit der Begründung: „Er dürfte einem früheren Zeitpunkte, vielleicht April (?) 
zuzuschreiben sein, da sonst gewiß darin die Kantate (Ah come il cuore mi palpita) er- 
wähnt wäre, die im August schon gestochen war." Dies ist immerhin ein Umstand, der 
zu denken gibt; April ist übrigens weit übers Ziel geschossen. Der Archivvermerk 
Artarias ist erstmalig von London CCLN 37-48 zur Datierung herangezogen worden, 
indem er aus dem (von ihm als „27. Agosto" gelesenen) Empfangsdatum auf eine Ab- 
fassungszeit „um den 25. August 1782" schließt. Dies ist aber u. E. ein Irrtum. Eine 
genaue Nachprüfung des in Budapest aufbewahrten Originals hat ergeben, daß in der 
Empfangsbestätigung nur der Tag „27", nicht aber auch der Monat „August" angegeben 
ist und das darunter klar angegebene Datum „11. Agosto" unmißverständlich den Zeit- 
punkt der Beantwortung oder der Erledigung durch Artaria bezeichnet. Das Abfassungs- ■ 
datum muß also unbedingt davor (und zwar nicht allzuweit davor) liegen (was übrigens 
auch mit der Argumentation bei Art-Bot. übereinstimmt), höchstwahrscheinlich Ende 
Juli i782. Bei der Katalogisierung in der N. B. Szechenyi Budapest ist denn tatsächlich 
oben mit roter Tinte das (aus der Archivnotiz Artarias erschlossene) Empfangsdatum 
„27. Juli 1782" notiert worden. — 2. Was Haydn mit dem Ausdruck „vermög An- 
schlusses des Herrn Humel" meint, ist nicht ganz klar. Artarias Konkurrent, der Verleger 
Hummel, hat Haydns Quartettserie Op. 33 tatsächlich bereits im Mai 1782 (also kaum 
einen Monat nach Artarias Erstausgabe) in Berlin und Amsterdam veröffentlicht (vgl. 
Hoboken 396). Aber es ist heute nicht zu beweisen, ob er die Stichvorlage von Artaria 
oder von Haydn selbst bekommen hat (möglicherweise von keinem der beiden). Der 
vorwurfsvolle Ton Haydns Artaria gegenüber ist hier also kaum gerechtfertigt. (Vgl. 
auch unsere Nrn, 41, 42.) — 3. Über Gottfried van Swieten vgl. die Note zu unserem Brief 

Il6 



Nr. 21 usw. — 4. Über Artarias Ankündigung der Quartette Op. 33 vgl. den Brief Nr. 41. 
— 5. aller ortben an^ubietten: Es ist nicht ganz klar, worauf Haydn hiermit anspielt: ob er 
an den Vertrieb der handschr. Kopien denkt, den er mit den Werbebriefen (Nr. 39, 40) 
anlaufen ließ, oder etwa daran, daß er sich jetzt dazu berechtigt fühlt, die Quartettserie 
verschiedenen Verlegern zum Druck anzubieten. Tatsache ist, daß die Quartettserie 
Op. 33 (außer den Erstausgaben bei Artaria bzw. Hummel) bereits in den Jahren 1782 bis 
1783 auch noch bei Guera, Karpen (?), Sieber und Napier erschien (vgl. Hoboken 396- 
)97). — 6. beede: Haydns Handschrift ist hier besonders schwer zu entziffern. Ebensogut 
könnte man auch beil. (d. h. „beiliegende") lesen (so in Pohls handschriftlicher K.: Wien, 
GdMf 9076/108). — 7. Haydns Dank für die „überschückten" Exemplare möchte London 
CCLN auf die Quartette Op. 33 beziehen, mit der Begründung, daß Haydn diese Exemplare 
bereits am 15. Februar von Artaria reklamiert (vgl. unseren Brief Nr. 43). Es wäre aber 
doch sonderbar, wenn Artaria eine so gewichtige Bitte Haydns mit einer Verspätung von 
fast einem halben Jahr erfüllt hätte. Wir möchten eher an die um diese Zeit gestochene 
Solokantate (Ab come il cuore) denken. — 8. Wörtlich genommen, müßte Haydns Be- 
zeichnung auf das (damals gangbare) Genre der „Klaviersonate mit Violinbegleitung" 
bezogen werden. Solche Stücke aber hat Haydn weder bei Artaria noch anderweitig ver- 
öffentlicht. Haydn denkt hier vermutlich an Klavierlrios (die er auch sonst häutig Sonaten 
zu nennen pflegt). Auf diese hat Artaria tatsächlich ziemlich lange warten müssen. Seine 
erste Ausgabe Haydnscher Klaviertrios (Op. 45) ist mit April 1786 datiert. — 9. Haydn 
hatte damals am Orlando Paladino zu arbeiten. Da der Besuch des russischen Großfürsten- 
paares in Eszterhäza damals (im Herbst 1782) unterblieb, ist die Oper am Namenstag des 
Fürsten Esterhäzy, am 6. Dezember 1782, erstaufgeführt worden. — 10. Über die Affäre 
mit Breunig vgl. den Brief Nr. 43. 



"7 



47- Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den i6 tn Augusti / 1782. 

HochEdl gebohrn 

Insonders HochzuverEhrender Herr! \ 

Sage verbundensten danck für die überschückte Cantaten, 1 welche sehr 
sauber gestochen: was die Sinfonie von meiner dermahligen ganz neuen 
opera, 2 welche noch nicht gar verfertigtf,] betrifft, kan ich Ihnen mit 
der Sinfonie nicht eher als nach der ersten producirung dienen, wollen 
Sie aber unterdessen zwey andere von meinigen Opern, welche noch 
niemand, ja gar keine Seele in besiz hat, könen Sie das Stück per 5 
Ducaten haben, Verspreche anbey, daß ich Ihnen das halbe duzen t 
ergänzen werde, künftige woche, werd ich Ihnen 4 neue lieder über- 
machen, der ich unterdessen mit vollckomenster achtung verbleibe 

Dero 

dienstfertigster d r [Diener] 
Josephus Haydn mppria. 
[Außen Adresse:] Monsieur / Monsieur Artaria et Compag. 

press: / ä / Vienne. 
[Kein Archivvermerk] 

O: Das Autograph gelangte von der Deutschen Staatsbibliothek (Berlin) in die Library 
of Congress (Washington). Durch die Vermittlung von H. C. R. Landon erhielt ich eine 
Fotokopie, welche als Grundlage unserer Ausgabe diente. ED: Nobl 90 (nur ein kurzer 
Inhaltsauszug). Art-Bo/. 23-24 (nach dem Autograph, aber nicht wortgetreu, deshalb nur 
bedingt brauchbar); (eÜb) Landon CCLN )6-)7. 

1. Die Sopransolokantate „Ah come il cuore mi palpita", die Artaria mit der Pl.Nr. 29 
herausbrachte. — 2. Es handelt sich um die Ouvertüre zu Orlando Paladino. Artaria hat 
Haydns Angebot angenommen und bereits im selben Jahr, 1782, eine Sammlung von 
6 Ouvertüren Haydns veröffentlicht (Op. 35). Auf die Veröffentlichung dieser Ouvertüren 
kehrt die Korrespondenz der nächsten Briefe noch mehrfach zurück. 



118 



48. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den ztf™ 7 ber [Sept.] 1782 

Wohl Edl Gebohrener 

Insonders Hochzu verEhrender Herr! 

Endlich übersende die anverlangte 5 Stück, rein, und Corect geschriebener 
und gut verfaster Sinfonien, ich hab Sie selbst mit meinen orchest probirt; 
ich versichere Sie, daß bey dieser Herausgabe, welche wegen Kürze der 
Stücke den stich sehr wohlfeil machen, einen nahm haften gewinst 
machen werden, nur bitte ich Sie diese 25 Stück NB gewichtige Ducaten 
in ein kleines schächterl zu legen, dasselbe Petschiren und überdies in 
ein Stückl wachs leinwand zu binden oder zu näen, und oben darauf 
nichts anderes, als a Mons. Haydn zu schreiben, weil ich nicht haben 
wil, daß jemand von unseren Haus von meinen Negozien etwas wissen 
solle. Das schächterl können Sie den fürstlichen Portier 1 übergeben, und 
Ihme nur sagen daß etwas geld darin wäre, ich werde es alsdan von dem 
Portier richtig erhalten. Sie können allen fals ein Recipisse von dem 
Portier begehren, daß Ihme das schächterl richtig eingehändigt werde. 
Die 5 lieder sind auch mit beygefügt: Sie müssen so, wie ich Sie Numerirte 
gestochen werden. Die noch abgängigen werde trachten baldigst zu ver- 
fertigen Verbleibe unter dessen 

Dero 

ganz Ergebenster Diener 
Josephus Haydn mppria. 

[Keine Adresse. Außen Archiv-Vermerk:] 

Haydn 1782 / Estoras 29 -j b " 
empf 3 ] 

[ Oktob. 
empf. 2 — ) 

(Autograph) war bis 1953 im Besitz von Heinrich Hinterberger; als gegenwärtiger 
Besitzer wird Rudolph Kallir (New York) vermutet (das Autograph war uns nicht zu- 
gänglich). ED: Nohl 91 (mit mehreren Lücken, unbrauchbar). Art-Hot. 24 (nach dem 
Autograph); Laitdo/t CCLN )8 und unsere Ausgabe stützen sich auf die (hier anscheinend 
zuverlässige) Textfassung von Art-Bot. 

1. Der fürstliche Portier hieß Rosenbaum. Sein Name erscheint vielfach auf den Umschlägen 
der späteren Haydn-Briefe. — 2. empf.: wahrscheinlich verlesen anstelle von Beantiv. 

119 



Der Brief bezieht sich auf die schon durch den Brief vom 16. August (Nr. 47) angebahnte 
Veröffentlichung von Haydns Ouvertüren (Op. 35) durch Artaria. 

49. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 20" 1 8 br [Okt.] / 1782 

Wohl Edigebohrenet! 
Hochzu verEhrender Herr! 

Ich kan nicht begreiffen warum Sie mein lezters schreiben vor 14 Tagen 
nicht solten erhalten haben: in welchem ich meldete daß da ich lezthin in 
wienn war, ich selbst mit Ihren Herrn Compagnion 1 den Accord das 
Stück zu fünf Ducaten getroffen, und welchen Mon: [Monsieur] 
Artaria 2 ganz willig angenohmen. Ich schriebe auch, daß man stat 
Sinfonie, overture 3 sezen soll, so ist ihr Zweifl gehoben: ich bin der 
Verzögerung wegen verdrießlich geworden, weil ich für diese 5 Stück 
von ein andern Verleger 40 Ducaten haben könte, und Sie machen so 
viele weitläuffigkeiten von einer Sache was Ihnen bey so kurzen Stücken 
30 fachen Nutzen verschaffet. Das 6 te Stück hat schon lang Ihr Compa- 
gnion. machen Sie also der Sache ein Ende und schicken mir entweder 
Music oder Geld womit verbleibe mit aller achtung 

Dero 

Dienstfertigster Diener 
[Außen Adresse:] Joseph Haydn 

Monsieur 
Monsieur Artaria et Com. 
ä / Vienne 
[Archivvermerk Artarias:] Haydn 1782 / Estoras 20 Oktober 

empf 22 \ 

[ ditto 
beantw 23) 

0: Das Autograph war bis 1953 im Besitz von Heinrich Hinterberger; als gegenwärtiger 
Besitzer wird Rudolph Kallir (New York) vermutet. (Das Autograph war uns nicht 
zugänglich.) ED: Nohl 91 (unvollständig, unbrauchbar). Art-Bot. 2; (nach dem Auto- 
graph); London CCL.N 39 und unsere Ausgabe stützen sich auf den Text von Art-Bot. 

I20 



Der Brief betrifft wieder die Publikation von Haydns Ouvertüren (Op. 35) durch Artaria. 
Haydns Wunsch hinsichtlich des Titels ist nicht berücksichtigt worden; die Ausgabe ist 
u. d. Titel „Sei Sinfonie a gran Orchestra" erschienen. Sie enthält die sechs Ouvertüren, 
deren Zugehörigkeit zu den einzelnen Opern erst durch die neue Quellenforschung 
(Larsen, London) festgestellt wurde. Nr. 1: g-Moll zu L'Iso/a disabitata (Hob. Gr. 
Ia, Nr. 13); Nr. 2: D-Dur zu L'lncontro improvpiso (Hob. Nr. 6); Nr. 3: G-Dur zu Lo 
Speziale (Hob. Nr. 10); Nr. 4: B-Dur zu La Vera Costan^a (Hob. Nr. 15); Nr. 5: C-Dur, 
höchstwahrsch. zu L'Infedeltä delnsa (Hob. Nr. 1); Nr. 6: c-Moll zum Oratorium II Ritorno 
di Tobia (Hob. Nr. 2). 

1. Einer von Artarias Geschäftspartnern: Tranquillo MoJlo oder Giovanni Cappi. — 2. Einer 
der Neffen Artarias: Carlo oder Francesco Artaria. — 3. Overture: so nach Art-Bot. Nohl 
liest an dieser Stelle: overtura. 



50. Jahreskonto der Opernkopiaturen — von Haydn revidiert 
[Handschrift des Kopisten Schellinger] [Esterhäz, Dezember 1782] 

Conto. / Was für das hochfürstliche Theat. an Opern und Sinfonien ist Copiret 
worden von 1 Junij bis 12 Decembr[is] 1782 / den Bogen per ccord. ä 5 xr. 

An Sinfonien von verschiedenen Authoren 98 Bögen 



Opera D. Giovanj 


19 Bögen 


La fedelta premiata 


17 


La Contadina in corte 


J 9 


La Schiava riconosciuta 


28 


Lo Sposo disperato 


4i 


11 Curioso indiscreto 


5° 


Astrologi imaginarj 


49 


Orlando Palladino 


319 


Soma: 


63 9 1 Bögen 



Id est 5 3 Fl. 15 xr. Joann Schellinger Copist und Suffler 

di Theat. 
[Von hier an Haydns Schrift:] 

Obstehende 639 bogen seind von mir Endes Unterschribenen genau unter- 
suchet, und richtig befunden worden, 

Josephus Haydn mppria. 
Capell Meister 



121 



[Kanzleischrift:] 

. . . bezallen und in Anrechnung bringen. 

Esterhäz, den ic) ten Decembris 1782 

Nicolaus Fürst Esterhazy. 

i 

[Wieder Haydns Schrift:] 

Obstehende fünfzig drey Gulden seind mir aus der General Cassa durch Herrn 

Obereinnehmer Joseph Züsser zur Bezahlung der Copiatur richtig und baar 

übergeben worden, worüber hiemit quittire. 

Wienn, den i ten Jenner 1783 Josephus Haydn mppria. 

O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 17, Nr. 1152. ED: ValköII, jyj. Nicht bei Landon CCLN. 
1. Schellinger hat sich in der Addition der Bogenzahl geirrt, und der Irrtum ist bei der 
Revision durch Haydn unbemerkt geblieben; die Summe der Kopiatur beträgt in Wirklich- 
keit 640 Bögen. — Dieses Kopiaturkonto gibt uns einen Einblick in den Eszterhdzaer 
Opernbetrieb unter Haydn in der zweiten Jahreshälfte 1782. Bis auf eine einzige Aus- 
nahme (Don Giovani = II Convitato di pietra von Righini, die in diesem Jahr nicht wieder 
gespielt wurde) handelt es sich entweder um Opern vom Repertoire des Vorjahres, die 
auch noch 1782 weitergespielt wurden (wie La fedelta premiata von Haydn, La Contadina 
in Corte von Sacchini La Scbiava rUonoscinta vonPiccinni), oder aber um in diesem Halbjahr 
erstaufgeführte Stücke, wie Lo sposo disperato von Anfossi (vom August bis November 
i4tnal gespielt), II Curioso indiscreto von Anfossi (in den Herbstmonaten umal 
gespielt), Astrologi Imaginari (richtig: I filosofi immaginari) von Paisiello (vom Oktober bis 
Dez. 1782 9 Vorstellungen) und schließlich das Ereignis der Saison, Haydns Orlando 
Paladino, der nach der Erstaufführung am 6. Dezember bis 1 784 in zahlreichen Vorstellungen 
seine Zugkraft bewies. Vgl. Bartba-Somfai HOK ?Sff; Härich EMG J2; Hdrich ROKH 42 ff 
(mit vielen Korrekturen und Nachträgen zu den erstgenannten Arbeiten). — Beachtung 
verdient auch die Höhe der auf die einzelnen Opern entfallenden Bogenzahl. Komplettes 
Aufführungsmaterial verrechnet Schellinger nur bei der absoluten Novität Orlando Paladino 
(319 Bögen), während sonst (auch bei den Eszterhizaer Erstaufführungen) die bescheidene 
Bogenzahl (41, 50, 49 usw. Bögen) höchstens zur Ergänzung des von auswärts gekauften 
Aufführungsmaterials reichte. Bei den weiter gespielten Stücken (s. oben: La fedeltä premiata, 
La Contadina in Corte, La Schiava riconosciuta) konnte es sich nur um den Ersatz verloren- 
gegangener Stimmensätze handeln. Offenbar war damals auch eine Reprise der Don- 
Giovanni-Oper // Convitato di pietra von Righini geplant, die dann aus unbekannten 
Gründen dennoch fallengelassen wurde. (Übrigens mochte eben der Mißerfolg dieser 
Righini-Oper einer durch Haydn eventuell ins Auge gefaßten Aufführung von Mozarts 
Don Giovanni in Eszterhäza hindernd im Wege gestanden haben.) 



122 



51a. Notenpapier-Ankauf zur Oper — von Haydn eigenhändig 

GESCHRIEBENES DOKUMENT 

[Esterhäz, den i. Januar 1783] 

Specification / Des Nöthig herbeyzu schaffenden Notten Papiers für die 2 neuen 
Operen Julio Sabino, und La Vedova Scaltra. 

Für die Sing Parten 
8 Bücher wellsches breites mit 10 linien 

Für das Orchest. 
12 Bücher wellsches Langes mit 10 linien 
das Buch per 40 xr. macht zu sam — — 1 2 Fl. 

Josephus Haydn mppria. 
Capell Meister 

[Kanzleischrift:] Vor specificirte zwanzig buch Notten Papier werden hiemit 
zu erkauffen passiret und solin . . . aus unserer General Cassa bezallet . . . 
-werden. 

Esterhäz den 19"° Decembris 1782. Nicolaus Fürst Esterhazy 

[Haydns Schrift:] Obste hende 12 Fl. hab ich durch Herrn OberEinNehmer 
aus der General Cassa zu erkauffung deren Specificirten zwanzig buch Notten 
Papirs richtig und baar Empfangen, worüber hiemit quittiere. 
Wienn den i ten Jenner 1783 Josephus Haydn mppria. 

Capell Meister 

O (Autograph): Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 17, Nr. n 5 3. ED:Valkö II, ;96. Nicht bei 
London CCLN. 

Die zwei italienischen Opern, für deren Kopiatur Haydn hier Notenpapier kaufen läßt, 
stehen auf der Novitätenliste der Eszterhäzaer Operntruppe für 1783; die opera seria 
Giulio Sabino (von Sarti) stand seit ihrer Erstaufführung im Mai ständig im Repertoire 
(1783 18 Vorstellungen) und blieb bis 1788 auf dem Spielplan, während ha vedova scaltra 
von Righini nur in diesem Jahr, 1783, gespielt wurde (zum erstenmal im März 1783), es 
aber immerhin auf 15 Aufführungen brachte. Vgl. Hdricb ROKH J2. 



123 



5 ib. 



Haydn: Eigenhändige Besetzungslisten zu zwei Opern 
in eszterhäza 



[Januar 1783] 



II Ratto della sposa di guglielmi 

Aurora, Sorella di gaudenzio e Cameriera. ima parte Specioli 

Donna Ortenza [Qrtenzia] gentildonna nera [?] 2da parte Valdesturla 

Dorina, ostessa di campagna 3za parte Mariuccia 

Gentilino giovane affettato imo mezzo Carattere [?] Specioli 

Gaudenzio, Maggiordomo ■ — imo Basso Moratti 

Polidoro, Vecchio avaro Negri 

Biondino, Giovane prodigo Dichtler 



Rosaura. Vedova. 

Marionette 

Monsieur le Blan 

II Conte Italiano 
Don Alvaro Spagnuolo 
Pasquino — — — 
Runebif 



La Vedova Scaltra 

ima parte — — . - 
2da parte 



Specioli. Braghetti. 



Metilde 
Valdesturla 



Negri 
Moratti 
Dichtler 
Le gelosie Villane 
Giulio Sabino Opera Seria. 



0: Esterhäzy-Archiv zu Eisenstadt (welches uns im Laufe dieser Arbeit nicht zugänglich 
war); dort scheint eine Gruppe solcher von Haydn eigenhändig entworfener Besetzungs- 
vorschläge erhalten zu sein. Der Eisenstädter Archivar J. Härich hat hiervon im Jahre 
1959 diese zwei Dokumente in Faksimile veröffentlicht (Härich EMG ßj), jedoch nicht 
mitgeteilt, ob sich in Eisenstadt noch weitere Dokumente dieser Art befinden. Das ganze 
Dokument ist mit lateinischen Lettern geschrieben. — Die Buffooper II ratto della sposa (von 
Guglielmi) ist Anfang März 1783 in Eszterhäza erstaufgeführt, aber bereits nach 2 Vorstel- 
lungen vom Spielplan abgesetzt worden. Ebenfalls im März folgte die Erstaufführung von 
La vedova scaltra (von Righini) ; sie erlebte im Laufe des Jahres 1783 15 Aufführungen und 
verschwand dann vom Eszterhäzaer Spielplan, Vgl. Härich ROKH 48 ff. — Haydns Beset- 



124 



Zungsvorschläge mochten vermutlich um die Jahreswende 1782-1783 dem Fürsten unter- 
breitet worden sein. — In der jüngsten diesbez. Publikation von Hdrich (ROKH 43) findet 
sich außer diesen noch ein einziges weiteres Dokument dieser Art erwähnt: der ebenfalls 
eigenhändige Rollenbesetzungsvorschlag Haydns zur Oper 11 curioso indiscreto (von Anfossi), 
die im September 1782 in Eszterhäza zur Erstaufführung kam. Jener Vorschlag Haydns 
dürfte also im Sommer 1782 entstanden sein. 
1. Mariuccia: Maria Bologna. 

52. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 27" 1 Jenner 1783 

HochEdl Gebohrner 
Hochschäzbahrster Herr! 

Die lieder samt denen Sinfonien 1 werden Sie sicher zu Ende dieses Monaths 
durch unseren Herrn Haus Hof Meister, oder mit dem Husaren über- 
komen: sind Sie über mich nicht böse, indem ich bey meiner nach- 
haus kunft wegen einen übernatirlichen Cathar 14 Tage in bette bleiben 
muste. Verbleibe mit vorzüglichster hochachtung 

Dero 

dienstwilligster diener 
Joseph Haydn mppria 

[Außenseite Adresse:] 
Monsieur 
Monsieur Artaria et Compagn. 
ä / Vienne 
[Archiv vermerk Artarias:] Haydn 1783 / Esterhaz. 27. Januar 

empf. 30. do [detto] / beantw. 11. Februar 

0: Das Autograph ist (laut dem Auktionskat. CXXVI von K. E. Hentici) am 15. Dez. 
1927 versteigert worden und war dann bis 1953 im Besitz von Heinrich Hinterberger. 
Als gegenwärtiger Besitzer wird Rudolph Kallir (New York) vermutet. Eine Fotokopie 
des Autographs ist durch H. C. R. Landon seinem ED: (eUb) Landon CCLN 40 zugrunde 
gelegt und uns hernach überlassen worden. In der Originalsprache unveröffentlicht. 
Einzelne Sätze daraus zitiert LS 388 und Hoboken 117. 

1. denen Sinfonien: LS 388, Note 48 und Hoboken 117 lesen an dieser Stelle drey Sinfonien. 
Im O steht aber deutlich: denen Sinfonien. Die Deutung dieser Briefstelle hat der Haydn- 
Forschung schon einiges Kopfzerbrechen verursacht. Die nächstliegende Erklärung, 
daß Haydn hiermit einfach auf Korrekturabzüge seiner Sei Sinfonie (Ouvertüren) Op. 35 

125 



anspielt, ist zunächst durch die Fehllesung „drey Sinfonien" (bei Landon und Hoboken) 
sozusagen verbaut gewesen. Datum dachten beide (LS 388 und ihm folgend Hoboken 
ny) an wirkliche Sinfonien Haydns, und zwar an die Werke Nr. 76-78, welche Anfang 
1783 tatsächlich schon fertig komponiert vorgelegen haben mochten. Diese Sinfonien 
gab aber Haydn gar nicht Artaria, sondern (ungefähr gleichzeitig) Torricella in Wien und 
Forster in London in Verlag; von letzterem hat sie dann Artaria 1786-87 übernommen. 
Es scheint geradezu undenkbar, daß Haydn, eben im Begriff, diese Werke nach London 
oder an Torricella zu vergeben, sie auch noch Artaria anbieten sollte. Dies wäre doch 
allzu unvorsichtig von ihm gehandeltl Auf Grund dieser Überlegung hat schon Landon 
CCLN 40 seine frühere Meinung dahin geändert, daß mit dieser Briefstelle einfach die 
Ouvertürenausgabe Artarias gemeint sei. 



53. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

[Estoras, den 20. März 1783] 
Wohl Edl gebohrner 
Insonders hochzu verEhrender Herr! 

künfftigen Montag werden Sie [die] Sinfonie 1 (so voller fehler ist) und 
auch einige lieder erhalten. 

Was Sie mir wegen deren Trios des Herrn grafen von Durazzo 2 geschrie- 
ben kan ich nicht verstehen, die sache ist ganz verkehrt, ich habe nie 
von Ihm, Herr graf aber von mir einige Themata erhalten, und schückte 
erst vorgestern Seinem Herrn Nefen einen Catalog: es kan seyn, daß der 
brief samt denen Thematen verlohren gegangen: ich ersuche Sie dem- 
nach sehr höfl'lich mir bei erstem Posttag genauere nachricht davon zu 
geben, indem ich das graf Durazische Haus von [vor ?] allen übrigen 
distinguire — 

verbleibe übrigens mit aller Hochachtung 
Meines 

Wohl Edl gebohrenen 

Estoras den 20" 1 Mertz 1783 dienstfertigster diener 

Joseph Haydn mppria. 
[Außen Adresse:] 

Monsieur 
Monsieur de Artaria et Compagn. 
ä / Vienne 

126 



O: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landau CCLN 321 festgestellt und durch 
Unverricht GBT 61 ergänzt worden: Artaria -Archiv -> Theodor Petter, Wien -> Albert 
Cohn, Katal. 194, Nr. 196 -> Sammlung Robert Amann, Aarau -> Auktionskat. Stargardt 
(1961) Nr. 554, Nr. 86 ->■ heute: Dr. Grumbacher, Basel. Faks. R. Amann: Die Hand- 
schrift der Künstler, Bern 1953, Tafel 86. K. Pohls: Archiv der GdMf (Wien). ED: Art-Bot. 
26-27 (ungenau, mit Fehlern). London CCLN 40 und unsere Ausgabe stützen sich auf eine 
Kollationierung der Faksimile-Ausgabe Amanns mit Pohls Kopie. 

1. Diese Sinfonie (welche auch in den nächsten Briefen noch öfters erwähnt wird) ist die 
schon früher (1778 oder 1779) komponierte sog. Laudon-Sinfonie (Nr. 69), deren Klavier- 
fassung Anfang 1784 von Artaria publiziert wurde (dem österr. Feldmarschall Laudon 
gewidmet). Haydn mochte diese Fassung arrangiert oder wenigstens durchgesehen haben. 
— 2. Der Graf Johann Jakob Durazz ( I 7 I 7" I 794)> besonders für seine Zusammenarbeit 
mit Gluck bekannt, war seit 1764 österreichischer Gesandter in Venedig. 



54. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 8 tD Aprill/1783. 

Wohl Edl gebohrner 

Insonders hochzuEhrender Herr! 

Übersende unterdessen Euer Wohl Edlen die Sinfonie, welche so voller 
fehler wäre, daß man den kerl so es geschrieben die Bratze abhauen 
solle: das lezte oder 4" Stück dieser Sinfonie ist für das Ciavier nicht 
practicabl, ich finde es auch nicht' für Nothig dasselbe beyzudrucken: 
das wort Laudon wird zu Beförderung des Verkaufes mehr als zehen 
Finale beytragen: mein widerholter unglücklicher Zustand, nemblich 
die gegenwärtige Operation eines Polyp in der nase verursachte, daß ich 
bishero zur arbeith ganz unfähig war, Sie müssen sich danenhero wegen 
denen liedern noch 8 oder höchstens 14 Tage gedulden bis mein 
geschwächter Kopf mit Gottes Hülfe seine vorige stärcke erlanget, 
haben Sie derohalben die gute dem Herrn Grafen v. Durazzo 2 (nebst 
meinen gehorsambsten Respect) zu sagen, daß ich mich weder deren 
Thematen einiger Trios, noch des Empfanges derselben Errinere, ich 
suchte unter meiner Music, und briefe, alles genau durch, und fände 
nicht das mindeste, ich werde demnach (wan es änderst dem Herrn Grafen 

127 



belieben solte) den Catalog aller meiner Trij übersenden: in erwartung 
also einer beliebigen andworth verbleibe mit vollkomenster Achtung 

Euer Wohl Edlgebohrnen 

ganz Ergebenster diener 

Joseph Haydn mppria. 

P. S. Sage verbundensten dank für die Exemplair. 
[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur Artaria et Compag. 

ä / Vienne. [und Siegel] 
[Archivvermerk Artarias:] Haydn 1783 / Esterhaz 8. Avril / empfang. 
9. do. / beantw. 14 med[esimo] 

O: Die Besitzerfolge des Autographs lautet: Geschäftsarchiv Artaria -> (?) -> Alexander 
v. Posonyi (Possonyi ?) -*■ Friedrich Cohen, Kat. Posonyi Nr. 472 -> Budapest, N. B. 
Szechenyi, Handschriftenabt. Ep. Mus. 286/3. K- Pohls: Archiv der GdMf; eine Partie 
daraus zitiert bei Pohl II, 19S.ED: Nohl yz (unvollständig, unbrauchbar). Art-Hot. 27-Z8 
faus Nohl); (eÜb) Landon CCLN 41 (nach dem Autograph). 

1. Das Wort nicht ist im stark verschmiert, als ob Haydn das Wort hätte tilgen wollen; 
vermutlich ist es deswegen bei Art-Bot. weggelassen worden, obgleich dem Sinne nach 
das nicht unentbehrlich ist. — • 2. Der Graf von Durazz» (vgl- Brief Nr. 53) wollte offenbar 
bestimmte Trios von Haydn erwerben und hat ihm zu diesem Zweck eine thematische 
Liste übersendet. — Wie schon im vorangegangenen Brief Nr. 53, handelt es sich auch 
hier um den Stich der Klavierfassung der sogennanten Lau/ionSinfonie (Nr. 69). 



5 5 . Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den i8 tn Juny / 1783 

Hoch Edl Gebohrner 

Insonders hochzu VerEhrender Herr! 

Übersende hiemit die Laudonische Sinfonie, 1 von welcher die Violin stim 
gar nicht nothwendig ist, folglich ganz aussen bleiben kan: z überschücken 
Sie mir von den z tea theil deren liederen entweder die Music derselben, 
oder von jedweden lied d. [das ?] erste Stroph, damit ich die noch 
abgängige vollenden köne. für die Ciavier Sonaten v. Clementi 3 sage 
ich verbundensten dank, Sie sind sehr schön, solte der Verfasser in 

128 



Wienn seyn, so bitte bey gelegenheit an den selben mein Compliment. 

Verbleibe hiemit mit vollkomenster Achtung 

Euer HochEdlgebohrnen 
ganz Ergebenster diener 
Joseph Haydn mppria. 

P. S. wegen denen Ciavier Sonaten mit einer 

Violin und Bass, müssen Sie noch in geduld 

stehen, indem ich eben eine neue opera 

Seria schreibe. 4 

[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur Artaria et Compag. 
ä / Vienne. 
[Archivvermerk Artarias:] Haydn 1783 / Esterhaz 18. Giug. 

empfang. 20. Giug. / beantw. 18. Juli 

O (Autograph) war bis 1953 im Besitz von Heinrich Hinterberger. Als gegenwärtiger 
Besitzer wird Rudolph Kallir (New York) vermutet. Eine Fotokopie des Autographs 
ist von H. C. R. Landon für diese Ausgabe zur Verfügung gestellt worden. Landon CCL.N 
42 und unsere Ausgabe stützen sich auf diese Fotokopie. ED: NobI 92 (unvollständig, 
unbrauchbar). Art-Bot. 28-29 (nach dem Autograph). 

1. Wie in den vorangegangenen Briefen Nr. 53 und 54, handelt es sich hier immer noch 
um die Haydn-Sinfonie Nr. 69. — 2. Artaria scheint eine begl. Violinstimme zur Klavier- 
fassung der Sinfonie geplant zu haben, von welcher Haydn hier abrät. — 3. Um diese 
Zeit sind die Sonaten Op. 7 und Op. 9 von Clement! durch Artaria verlegt worden. Ver- 
mutlich handelt es sich um eine dieser Ausgaben. — ■ 4, Die in Arbeit befindliche opera 
seria Haydns war Armida, deren Erstaufführung am 26. Februar 1784 in Eszterhäza stattfand. 



56. Haydn an den Verleger Boyer, Paris 

[Estoras, den 15. Juli 1783] 
Hoch, und wohl gebohrner 
Insonders Hoch zu verEhrender Herr! 

Dero werthes v. 2 tn Juny hab ich erst gestern bey meiner zurückreise 
erhalten, und daraus dero Verlangen mit vielen Vergnügen durch [-] 
lesen: ob ich Sie aber hierinfals werde contentiren könen, zweifle ich 
aus folgenden Ursachen, erstens darf ich keine von meinen eigenen hand- 

9 129 



Schriften vermög Contracts so ich mit mein, [meinem] Fürsten machte, 
ausser land schücken, weil er dieselbe selbst auf behält, ich könte zwar 
ein Stück 2 mahl in die Partitur sezen, dazu aber wird mir die zeit zu 
kurtz, und finde auch keine hinlängliche ursach dazu, den wan ein Stück 
sauber und Correct abgeschrieben ist, so ist es deste [sie] geschwinder 
dem Stich unterworfen. 2 tns muß man meiner rechtschaffenheit, und nicht 
dem Papier glauben beymessen: 

ich verfaste voriges Jahr 3 schöne, prächtige und nicht gar zu lange 
Sinfonien bestehend in 2 Violin, Viola, Basso, 2 Corni, 2 oboe, 1 flauten, 
und 1 Fagott, aber alles sehr leicht, und . . . 

[Die Fortsetzung des Briefes ist nicht zugänglich. Inhaltsangabe nach 
dem Katalog Martin Breslauer 1950 (dort in dritter Person): „Haydn 
wollte diese Sinfonien in England aufführen, aber die Reise kam nicht 
zustande. Er will nun diese drei Sinfonien Boyer anbieten und fragt 
nach den günstigsten Bedingungen, denn Haydn ist der Meinung, daß 
diese drei Stücke sehr günstig verkauft werden können." Der Schluß 
des Briefes ist wieder aus einer Photokopie des Autographs bekannt:] 

Estoras den i5 ,en July 1783. gehorsambster diener 

Josephus Haydn mppria. 

unveröffentlicht. Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCL.N }zi fest- 
gestellt: (bis 1949) Sir Ian Malcolm -> Auktionskat. Sotheby vom 28. Januar 1949 Nr. 159 
->■ Martin Breslauer -> Auktionskat. Breslauer Nr. 71 (1950) Nr. 39 -> T. Tausky ->■ ? Eine 
Seite in Faks. und Inhaltsangabe des übrigen im Sotheby-Katalog (1949). ED: (eUb) Landon 
CCL.N 42-4}. Das Autograph war uns nicht zugänglich. Unsere Ausgabe stützt sich auf 
dieselben Quellen wie Landon CCLN. 

Dies ist das früheste Briefdokument für Haydns Geschäftsverbindung mit dem Ausland 
(bisher hat er in Verlagssachen nur mit Artaria in Wien verhandelt). Der bekannte Pariser 
Verleger Boyer hat sich am 2. Juni 1783 brieflich an Haydn gewendet, um von ihm neue 
Kompositionen zu erwerben (Boyers Brief an Haydn ist, wie üblich, nicht erhalten). 
Haydn, als kluger Geschäftsmann, gibt sich zunächst zurückhaltend; er ergeht sich in 
vorsichtigen Ausflüchten, wobei er sich sogar auf seinen Kontrakt mit dem Fürsten 
Esterhazy beruft, der ihn allerdings nicht daran hinderte, schon seit Jahren seine begehrtesten 
Kompositionen Artaria anzuvertrauen. Aber die angebotene Geschäftsverbindung mit 
Paris hat doch viel Verlockendes. Haydn besinnt sich auf seine drei neuen Sinfonien 
(Nr. 76, 77, 78), die er Boyer zur Veröffentlichung überlassen könnte. Allerdings ist er 
so vorsichtig, daß er darüber keinen formellen Kontrakt aufgesetzt haben will (er schreibt: 
muß man meiner rechtschaffenheit, und nicht dem Papier glauben beymessen). Diese Vor- 
sicht ist nur allzuwohl begründet: hat er doch diese selben drei Sinfonien anscheinend 

130 ' 



selbst schon an Torricella in : Wien und an Forster in London verkauft; beide Ausgaben 
sind 1784 erschienen, und zwar mit dem ausdrücklichen Vermerk: „just received from him, 
and published by his authority" (Forster), bzw. „von ihm selbst korrigiert" (Torriceila)* 
All dies hat aber Haydn nicht daran gehindert, die drei Sinfonien (mit diesem Brief) auch 
Boyer anzubieten, der sie mit einiger Verspätung, 1785, unter der Opuszahl 37 in Paris 
veröffentlichte (vgl. Hoboken 117 ff). Haydn selbst muß also zumindest eine dreifache 
„authentische" Kopiatur dieser Sinfonien veranlaßt und überwacht haben; wieviel „ille- 
gale" Kopien dieser begehrten Werke daneben noch einherliefen, ist kaum zu übersehen. 
Hoboken 117 macht auf eine bezeichnende Briefstelle Mozarts vom 15. 5. 1784 an seinen Vater 
aufmerksam, die sich sicherlich auf diese Sinfonien Haydns bezieht: „...ich weis ganz 
zuverlässig, daß Hofstetter des Haydn Musique dopelt copiert — ich habe seine Neuesten 
3 Sinfonien wirklich." 

57. Ankauf' von Opernmaterial für Eszterhäza — von Haydn 
revidiert '< 

[Fremde Handschrift (Negri?); latein. Buchstaben] 

Esterasi li [30] Settembre 1783. 
Ricevo io sotoscritto dal Sig. Maestro Giuseppe Haiden Fiorini 34. xr. 24. 
dico trentaquatro, e carantani ventiquatro, e questi per un spartito vendutoli 
Intitolato L'Italiana in Londra cioe Primo e Secondo Atto con tutti li libri 
del Orchesta Copiati, di piü Fiorini uno e carantani quarantadue. Spesi per 
francatura alla Posta da Bologna Sino ä Mantoua che Forma in tutto La Somma. 
di Fiorini Trentasei, e carantani sei, in Fede / 16 Domenico Negri. 
[Von hier an Haydns (gotische) Schrift:] 

Obstehende Summa 34 Fl. 24 xr. samt den Transport Geld per 1 Fl. 42 xr. 
zusam 36 Fl. 6 xr. von der Opera Italiana in Londra, so Seine hochfürstl. 
Durchl. in der Spart, samt denen Orchest. stimmen von den Sänger Negri 1 
an sich erckauften, hat seine richtigkeit. Attestire hiemit. 

Josephus Haydn mppria 
Capell Meister 
[Kanzleischrift mit der Genehmigung des Fürsten, datiert:] 
Esterhaz den 3o mo September 1783. 
[Wieder Haydns Schrift:] • ' 

Vorstehende dreyssig Sechs gülden hab ich Endes Unterschriebener von 
Herren OberEinNehmer Züsser richtig empfangen, und sodan dem Sänger 
Negri bezahlet, worüber hiemit quittire. 
Estoras den 6 tn 8 bris [Oct.] 1783. Josephus Haydn mppria 

9* 131 



O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 17, Nr. 1165. ED: ValköII, J97. Nicht bei London CCLN. 
Dieses wichtige Dokument beleuchtet die Anschaffungsweise der Aufführungsmaterialien 
zum Eszterhazaer Opernbetrieb. Es handelt sich um die Buffooper Ultaliana in Londra 
von Cimarosa, die in Eszterhäza am 4. Mai 1783 erstaufgeführt wurde und deren Partitur 
(samt dem Orchestermaterial) vom Sänger Negri angekauft wurde. Der Eszterhazaer 
Hauskopist Schellinger hatte hierzu nur einen Nachtrag von 29 Bögen zu den Orchester- 
stimmen und den gesamten Singstimmensatz (193 Bögen) zu kopieren. Vgl. Bartha-Somfai 
HOK ioS, 274, — Der Sänger Negri stand vom Sept. 1782 bis Aug. 1784 im Engagement 
au Eszterhäza. 



58. Jahreskonto der Opernkopiaturen — von Haydn revidiert 
[Handschrift von Schellinger] [Estoras, den 24. November 1783] 

Conto / Was durch diß ganze Jahr von i l January bis Ende Novembr. 
1783 an Copiatur ist gearbeitet worden. 



Opern 








Bogen 








Sings 


t. ä. 7 xr. 


Instrum. ä. 5 


11 Ratto della Sposa 






8 




J 9 


La Vedova scaltra 






184 




296 


Italiana in Londra 






^93 




29 


Opera seria 11 Giulio Sabino 




180 




189 


L'assedio di gibilterra 


Marionetten 




9 1 




160 


Fra i due litiganti 






189 




297 


11 Falegname 






196 




299 


Sinfonie per Theatro 






— 




J 9 



Soma: 230 Fl. 27 Xr. 



1041 1308 

Joann Schilling Copist e Suffler mppria. 



[Von hier an Haydns Schrift:] 

Obstehende Summa deren 1041 Bogen Sing Stimmen (den Bogen vermög 
Accords zu 7 xr) und deren 1308 Bogen Instrumental Stimmen den Bogen 
zu 5 xr. hab ich Endes Unterschriebener genau untersucht, und für richtig 
befunden. Estoras den 24 ten 9 1 " [Nov.] 1783 

Josephus Haydn mppria. 
Capell Meister. 



132 



0: Budapest, EA-TS, A. M.Fasc. 17, Nr. 1161. ED:ValköII, J97. Nicht bei London CCLN '. 
Dieses Kopiaturkonto enthält alle Opernpremieren der Eszterhäzaer Opernsaison 1783: 
II Ra/to della Sposa von Guglielmi (im März erstaufgeführt und nach 2 Aufführungen 
fallengelassen; der Hauptstock des Aufführungsmaterials muß von auswärts beschafft 
worden sein, ähnlich wie beim Dok. Nr. 57); La Vedova scaltra von Righini (vom März 
bis Oktober 15 mal gespielt); Ultaliana in Londra von Cimarosa (im Mai-Juni 5 Auf- 
führungen, dann fallengelassen; später, 1787-88, wieder aufgenommen; die überraschend 
niedrige Bogenzahl der Orchesterstimmen erklärt sich aus dem Umstand, daß diese 
aus Italien bestellt worden sind, vgl. unser Dok. Nr. 57); die opera seria Giulio Sabino 
von Sarti (eine der größten Opernerfolge in Eszterhäza, wurde im Mai 1783 erstaufgeführt 
und bis 1787 insgesamt 3Ömal gespielt); die Buffooper Fra i dtie litiganti von Sarti (Erst- 
aufführung im August; 1783 insgesamt 10 Vorstellungen, auch 1784 weitergespielt); 
und schließlich UFalegname von Cimarosa (Premiere im November, bis zum März 1784 
nur 4 Aufführungen). — Das ebenfalls in Kopiatur verrechnete spektakuläre Marionetten- 
stück Uassedio di Gibilterra wurde im August 1783 in Eszterhäza aufgeführt. — Unter 
dem Titel Sinfonie per Tbeatro sind Opernouvertüren zu verstehen. — Zum Opern - 
Programm 1783 in Eszterhäza vgl. Bartha-Somfai HOK 106 ff; Hdrich EMG ß und Hdrich 
ROKH 4& ff (mit wichtigen Nachträgen und Korrekturen zur Aufführungsstatistik). 



59. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 3 ,n Febr. / 1784 

Hoch, und wohl gebohrner 
Insonders Hoch zu verEhrender Herr! 

Künftigen freitag, oder Sonnabend werd ich (Ihnen) 1 die abgängigen 
lieder einschicken, nur bitt ich mich zu berichten, aus welchen Ton das 
letzte abgedruckte lied ist und wie sich der Text desselben anfängt, damit 
ich die nachfolgenden 2 wegen der Tonarth bestimmen köne. der ich 
unterdessen mit vollkomenster Hochachtung verbleibe 

Euer wohl Edlen 
ganz ergebenster Diener 
Joseph Haydn mppria. 

N: S: bitte meinen Ergebensten Respect 

an das bayerische Haus und Herrn von Hofmann. 

NB: den Abdruck deren mir schon lang überschückten Lieder hab ich 

unter meinen Musicalien verlegt, und finde Ihn nicht mehr. 

[Außen Siegel und Adresse:] Monsieur 

133 



Monsieur Artaria et Compag. 

ä / Vienne 

Herr Rosenbaum 3 wird um beförderung gebetten. 
{Archivvermerk Artarias:] Haydn — 1784 / Esterhaz 3. febr.i 

empfangen 6. febr. / Beantwortet 6'. febr. 

■O (Autograph Haydns) um 1909 im Besitz von Finanzrat Schaffer in Schärding ->■ Sammlung 
Dr. Manning, London. Das Autograph war uns nicht zugänglich. ED: Art-Bot. 30 (nicht 
ganz wortgetreu und ohne Adresse). (eÜb) Landon CCLN 43. Emendationen und Nach- 
träge zum Text von Art-Bot. sind uns durch H. C. R. Landon (auf Grund des Autographs) 
mitgeteilt worden. 

1. Ihnen: In der uns mitgeteilten Kopie von Landon fehlt dieses Wort, welches wir hier 
dem Text von Art-Bot. entnehmen. — 2. die nachfolgenden: Bei Art-Bot. steht: „das nach- 
folgende". Im Autograph steht, offenbar abgekürzt, etwa d. nachfolgend. — 3. Der um 
Beförderung gebetene Herr Kosenbau/n war Portier beim Fürsten Esterhäzy. 



£0. Prinz Heinrich von Preussen 1 an Haydn 

[Berlin, den 4. Februar 1784] 

Ich danke Denenselben für die mir überschickten Quartetten* welche mir ein 
großes Vergnügen machen. Beykommende Kleinigkeit 1 werden Dieselben, als ein 
Merkmahl meiner besondern Zufriedenheit annehmen; der ich übrigens mit Achtung 
verbleibe 

Berlin, den 4. Febr. 1/84. Ihr 

Wohlaffectionirter 
Heinrich. 

O verschollen. ED: Dies 70 (Neuausgabe Seeger 72). (eÜb) Landon CCLN 44. 
1. Prin% Heinrich von Preußen war der Bruder von König Friedrich IL — 2. Es kann sich 
nur um die Quartettserie Op. 33 handeln, welche der Prinz vermutlich von Haydn selbst 
{auf dem Wege der Subskription, vgl. Nr. 39, 40 unserer Ausgabe) bezog. — 3. „Dieser 
Brief war mit einem Geschenke begleitet, welches in einer goldenen Medaille mit dem 
Bildnisse des Prinzen Heinrich bestand." (Dies.) 



134 



6i. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den i tn Merz / 1784 
Allerliebster Freund! 

Übermorgen als künftigen Mittwoch werden Sie die lieder sicher er- 
halten. Gestern wurde meine Armida zum 2" 1 mahl mit allgemeinen Bey- 
fall aufgeführt. 1 Man sagt, es seye bishero mein bestes Werk. Die 
Freylein Nanet Peyer, 2 so ich iooomahl küsse, lasse ich eines Fehlers 
wegen um Vergebung bitten, sie soll versichert seyn, daß nicht Ich, 
sondern meine überhäufte arbeithen schuld sind. Unterdessen verbleibe 
mit vollkommenster Hochachtung 

Dero 
in Eyl dienstwilligster Diener 

Haydn mppria. 
[Umschlag:] Monsieur 

Monsieur d' Artaria 

ä / Vienne 
Herr Rosenbaum' wird gebetten dieses alsogleich zu befördern. 

O (Autograph) bis 1945 im Haydn-Museum der Stadt Wien; 1945 verschwunden; im Katalog 
irrtümlich als vom „1. Mai" datiert verzeichnet. ED:NoM jiß (unvollständig, unbrauchbar). 
Danach Art-Bot. -ip-ßo (aus Nohl übernommen). K. Pohls im Archiv der GdMf; daraus sind 
uns Emendationen (zum Text von Art-Bot.) durch Christa London mitgeteilt worden. 
Dieselbe K. Pohls diente auch als Quelle für Landon CCLN 44. 

1. Die Uraufführung von Haydns „dramma Eroico" Armida fand am 26. Februar in Eszter- 
häza statt und erwies sich als ein großer Erfolg: bis ins Jahr 1788 wurde das Stück daselbst 
54mal aufgeführt (vgl. Hdrich ROKH j)). — 2. Der Person dieser Nanette Peyer werden 
wir noch in den Briefen Nr. 69 und 74 begegnen. Laut Pohls Angaben (die auch von 
LandonCCLN 44 übernommen werden) soll sie Kammermädchen (?) beim Grafen Apponyi 
in Preßburg gewesen sein. Der verehrungsvolle Ton, in welchem der (hier erstmals 
veröffentlichte) zweite Teil des Haydn-Briefes Nr. 69 von ihr spricht, will allerdings nicht 
recht zu dieser bescheidenen gesellschaftlichen Stellung passen. Archivdirektor Dr. Albert 
Hadnag/, der die im Komitatsarchiv Szekszärd befindlichen Apponyi-Dokumente bearbeitet, 
meint, daß sie eine besondere Vertrauensperson des Grafen Apponyi gewesen sein muß 
und (nach der Orthographie des Briefes Nr. 69) gar nicht Peyer, sondern Bayer hieß. Es 
würde sich lohnen, dieser von Haydn so hochgeachteten rätselhaften Persönlichkeit 
näher nachzuforschen. — 3. Kosenbaum war Portier beim Fürsten Esterhäzy. 



135 



6z. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 5 ,en Aprill / 1784 
Wohl gebohmer 

hochzuverEhrender Herr! i 

1 

ohngeachtet ich jedes mahl durch meine quartetten mit der Prenume- 
ration 1 mehr dan 100 Ducaten erhielte, und welche mir auch Herr Will- 
mann 2 zu geben verspräche, willige ich in die zugesagte 300 fl mit fol- 
gender ausnähme ein, erstens daß Sie in geduld stehen bis Ende Julj, 
jedoch sollen alle Sechs bis dahin verfertiget seyn, 3 zweytens verlange ich 
entweder 1 2 Exemplair, oder eine willckhürliche Dedication, soll Ihnen 
dieser Vertrag anstendig seyn, so Erwarte ich den aufsatz d. [des] Con- 
tractes: jene quartetten so ich dermahlen in der arbeith habe, und die 
helfTte fertig, sind ganz klein, und nur mit 3 Stuck, sie gehören nach 
Spanien. 4 mit nächstem Posttag werd ich Ihnen etwas gedrucktes und 
zwar eine Zergliederung meiner Cantate, 5 so Sie haben stechen lassen, 
mit einem ungemeinen Beyfall übermachen, so mir Herr Professor Cramer 6 
aus Kiel nebst einem schreiben zuschückte, 
Leben Sie unterdessen wohl, ich bin in Eyl 

Dero 

dienstfertigster diener 
[Außen Adresse:] Joseph Haydn mppria 

Monsieur 
Monsieur dArtaria et / Compagni 

ä / Vienne. 

O: Die Besitzerfolge des Autographs wurde durch H. Unverricht festgestellt und uns 
brieflich mitgeteilt: Auktionskatalog Nr. 1167 Leo Liepmannssohn (18. Nov. 1895) ->■ 
Fr. Herrmann-Rabausch -s- Mannskopfsches Musikhistor. Museum -»■ Stadt- und Univ. 
Bibl. Frankfurt/M. — ED: Noh! 94 (unvollständig, unbrauchbar). Von dort übernom- 
men: Art-Bot. }i. (eÜb) London CCLN 4J (mit Ergänzungen, nach einer Kopie Pohls 
im Archiv der GdMf in Wien). Veröffentlichung nach dem Autograph in Die Musik- 
forschung durch H. Unverricht bevorstehend. 

1. Die Vorteile der Pränumeration, auf die sich Haydn hier Artaria gegenüber beruft, 
beziehen sich unzweifelhaft rückblickend auf die 1781 beendeten und 1782 durch Artaria 
veröffentlichten Quartette Op. 33. Haydn ist jetzt offenbar bestrebt, für seine neue Quartett- 
serie den höchstmöglichen Preis von Artaria herauszuschlagen. Welche ist aber diese 
neue Serie? Zwischen Op. 33 (1782) und Op. 50 (nicht vor 1787 beendet und in demsel- 
ben Jahr durch Artaria publiziert) hat Haydn unseres Wissens keine andere Quartettserie 

136 



komponiert; das alleinstehende Quartett Nr. 43 (durch Hoffmeister 1786 ohne Opuszahl 
veröffentlicht und später als Op. 42 bekannt geworden) kommt hier wohl nicht in Frage. 
Die Literatur (Hoboken 408 und London CCLN 4}) bezieht Haydns hierin ausgesproche- 
nes Angebot auf die Quartettserie der „Preußischen Quartette" Op. 50, welche demnach 
spätestens im Frühjahr 1784 zumindest begonnen sein müßten. — 2. Pohl II, }), 172, 176 
hielt diesen Willmann irrtümlicherweise für einen Pariser Verleger. Es handelt sich aber 
nicht um einen Verleger, sondern entweder um den Violinisten Jobann Igna% Willmann, 
der später (zur Zeit der Direktion des Grafen Pälffy) Konzertmeister am Theater an der 
Wien gewesen ist (wie Hoboken 408 meint), oder aber (wahrscheinlicher) um den Cellisten 
Maximilian Willmann, der im Dienst des Fürsten Grassalkovich stand (vgl. Landon CCLN 
4j) und vermutlich im Namen seines Fürsten auf Haydns Quartette pränumerieren 
wollte. — 3. Haydn gibt hier ein sehr voreiliges Versprechen: die Fertigstellung der sechs 
Quartette Op. 50 hat sich dann bis 1787 verzögert. — ■ 4. Es ist ein Rätsel, welche Werke 
Haydn damit meint; seine hier gegebene Beschreibung der angeblich in Arbeit befindli- 
chen Serie von „kleinen Quartetten" paßt auf keine seiner bekannten Werke, auch nicht 
auf das obenerwähnte Einzelstück Op. 42 in d-Moll, auf welches Landon CCLN 4; diese 
Bemerkung beziehen möchte. — 5. Die schon mehrfach erwähnte Solokantate „Ah come 
il cuore mi palpita". — 6. Carl Friedrich Cramer (1752-1807), der in seinem Magazin der 
Musik eine 42 Seiten lange Besprechung von Haydns Kantate unter dem Titel „Über 
die Schönheit und den Ausdruck der Leidenschaft in einer Cantate von Joseph Haydn" 
veröffentlichte und diese Haydn zuschickte (vgl. Pohl II, 196). 



63. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 8" 1 April / 1784. 

Wohlgebohmer 
HochzuverEhrender Herr! 

In meinen lezten schreiben vergasse ich Sie zu bitten, die neuen lieder 
durch jemanden der Freyle v. Liebe 1 in nahmen meiner einzu händigen, 
Sie logirt nunmehro in der Leopoldstadt, unser fürstl. Portier 2 wird Ihnen 
dauon nachricht geben könen: künftigen Mittwoch das mehrere. 

Josephus Haydn mppria. 

Für bitte, wenn Sie mir könten das teutsche Compositions[-]buch in 
4 rt von CapellMeister Fux unter den titul Gradus ad Parnassum» zu 
weege bringen, Sie würden mich sehr verbinden. 
NB: Herr v. Liebe Logirt N ro 10. 
[Außen Adresse:] Monsieur 

!37 



Monsieur d' Artaria 

ä / Vienne. 

[Archivvermerk Artarias:] Haydn — 1784 / Esterhaz 8. Apr. 

empf. d. 10. ditto / beant. d. 29. ditto 

i 

(Autograph) im Besitz von Roger W. Barrett (Chicago). Eine Fotokopie ist uns durch 
H. C. R. Landon übermittelt worden. ED: (eÜb) London CCLN 4J-46. Im Original un- 
veröffentlicht. 

1. Beide Hefte von Haydns „XII Liedern" waren dem Fräulein Franziska Liebe von Kreutzer 
gewidmet. Zur Veröffentlichung des 1. Heftes vgl. unsern Brief Nr. 41. -2. Der fürstl. Portier 
Rosenbaum. — 3. /. J. Faxens (1660-1741) berühmtes Kontrapunkt -Lehrbuch, der „Gradus 
ad Parnassum", erschien zunächst in lateinischer Sprache (Wien 1725), dann in der deutschen 
Übersetzung von Mizler (Leipzig 1742). Haydn hat, vermutlich noch von seiner 
Wiener Chorknabenzeit her, eine besondere Verehrung für Fux gehegt; nach dem Zeugnis 
des Nachlaßverzeichnisses hat er die autogr. Partitur eines Fuxschen Te Deums aus d. J. 
1706 (eines der wenigen erhaltenen Autographe von Fux) aus dem fürstl. Musikarchiv 
zu sich genommen und in seiner Privatbibliothek aufbewahrt. (Dieses jetzt in Budapest 
befindliche Te Deum ist im Rahmen der Fux-GA herausgegeben worden durch I. Kecske- 
mili, der über den Fund einen Vorbericht im Jahrb. der N. B. S^ichinyi 19 J 8 veröffentlichte.) 

64. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den i8 tn May / 1784 
Mon tres chere Amj ! 
wegen denen quartetten' hat es sein Verbleiben, wegen den Auszug aber 
meiner Armida 2 kan ich noch nichts gewisses sagen indem ich es gerne 
der weld in Ihrer ganzen gestalt zeugen [sie] möchte, für das Cramers 
Magazin 3 bin ich Ihnen verbunden, verbleibe unterdessen ein Schuldner: 
nur bitte ich Sie mir meine bezahlung 2 Exemplair v. denen lezteren 
liedern, und auch von denen Ersteren zu überschicken. 
Verbleibe übrigens wie alezeit 

Dero 

ganz Ergebenster Diener 
Haydn mppria. 
[Außen Adresse:] Monsieur 
Monsieur d' Artaria 

ä / Vienne. 
[Archivvermerk Artarias:] Haydn — - 1784 / Esterhaz 18. May 

empfang. 20. ditto. / Commiss. 

138 



O (Autograph, aus dem Artaria-Archiv stammend): bis 1953 im Besitz von Heinrich 
Hinterberger; als gegenwärtiger Besitzer wird Rudolph Kallir (New York) vermutet. 
Faks. Art-Bot. (zwischen S. 30-31). ED (in ungenauer Lesung): Art-Bot. )i-}2. (eÜb) 
Landon CCLN 46. 

Ein Vergleich dieses Brieftextes bei Art-Bot. }i-)2 mit dem Faks. gibt einen Begriff von 
der Ungenauigkeit der Publikation. Namentlich die damals übliche Abkürzung für das 
,,-en" am Wortende wird von den Herausgebern ganz willkürlich einmal aufgelöst, das 
anderemal unbeachtet gelassen. 

1. Vgl. unseren Brief Nr. 62. Wenn es sich hierbei tatsächlich um die Quartettserie Op. 50 
handelt, scheinen Haydn und Artaria bereits im Frühling 1784 eine Vereinbarung über den 
Stich (der dann erst 1787 erfolgte) getroffen zu haben. — ■ 2. Es ist nicht ganz klar, was 
Haydn hier mit dem „Auszug" aus der Armida meint, auf dessen Veröffentlichung Artaria 
ihm einen Antrag gestellt hat. Ob es sich einfach um die Publikation von Einzelarien 
(solche sind später tatsächlich in der Raccolta d'Arie bei Artaria erschienen) oder aber etwa 
um einen kompletten Klavierauszug mit Gesang (einen solchen hat Artaria nicht heraus- 
gebracht) handelte, bleibt ungewiß. — 3. Vgl. den Brief Nr. 62. Artaria scheint Haydn in- 
zwischen eine neue Nummer des Cramerschen Magazins zugeschickt zu haben. 



65. Haydn an den Verleger Nadermann, Paris 

[Estoras, den 25. Oktober 1784] 
Wohledelgebohrner 
Insonders hochzuEhrender Herr! 

Da Euer Wohledelgeb. verflossenes Jahr drei Sinfonien 1 von meiner Com- 
position angenommen, so erbiete ich mich abermals drei ganz neue, sehr 
fleissig bearbeitete Sinfonien, 1 sauber und correct geschrieben, für 15 
Ducaten bis Ende November 2 einzureichen. Sollten Euer Wohledelgeb. 
dieses Offert annehmen, so werde ich mich befleissigen, das in Dero 
letzterem Schreiben verlangte Clavier-Stück bei erster Gelegenheit zu über- 
machen. In Hoffnung einer baldigen Rückantwort' bin ich mit voll- 
kommenster Hochachtung 
Estoras den 2 5 8ten Oct. 1784 

Euer Wohlgebohren 

ganz Ergebenster Diener 

Josephus Haydn. 



139 



O seit 1838 verschollen. ED: Mangold, in Neue Zeitschrift für Musik IX (1838) 72. Nohl 94 
(nach Mangold, mit einigen willkürlichen Änderungen); (eÜb) London CCL.N 47. 
i. Sinfonien: unsere einzige Textquelle, die Ausgabe von Mangold (1838), schreibt beide- 
mal „Symphonien", was aber Haydns sonst vielfach belegter Schreibweise schroff wider- 
spricht. Wir haben es hier gewagt, Haydns vermutliche Schreibweise „Sinfonjen" zu 
rekonstruieren. — 2. Nohl (mit willkürlicher Änderung des Mangoldschen Textes): 
„Ende Novembers". — 3. Nohl (willkürlich): „Rückantwortung". 

Die Identifikation des Adressaten, des Pariser Verlegers Nadermann, ist einigermaßen 
problematisch. Der Entdecker des Autographs, Mangold, berichtet, daß er den Brief 
1838 in einem Konvolut alter Musikalien entdeckte, welche aus dem Nachlaß Nader- 
manns stammten, ohne jedoch anzugeben, ob auf dem Brief selbst „Nadermann" als 
Adressat ausdrücklich angegeben ist. Mangold wußte auch nicht, daß Nadermann tatsächlich 
der Geschäftsnachfolger des Pariser Verlegers Boyer war, mit dem Haydn schon seit dem 
Sommer 1783 in brieflicher und geschäftlicher Verbindung stand (vgl. unseren Brief 
Nr. 56). Dieser Brief ist offenbar auf Grund jenes Briefwechsels von 1783 geschrieben worden, 
und er kann demnach ebensogut (oder sogar noch wahrscheinlicher) an Haydns damaligen 
Geschäftspartner Boyer adressiert gewesen sein. Es ist auch möglich, daß Nadermann im 
Jahre 1784 bereits als Compagnon Boyers tätig war und in dieser Funktion einen Brief 
Haydns erhielt. Tatsache ist, daß der Verleger Boyer die mit Haydns Brief vom 15. Juli 
1783 (Nr. 56) angebotenen drei Sinfonien (Nr. 76-78) in seinen Verlag übernahm und 1785 
in Paris erscheinen ließ. Durch diese Aussicht aufgemuntert, bietet ihm (oder seinem 
Compagnon Nadermann) nun Haydn mit diesem Brief seine jüngstens komponierten 
neuen Sinfonien Nr. 79-81 an; diese sind aber weder bei Boyer noch (später) bei Nader- 
mann in Paris erschienen. Haydn hat sie dann an Torricella (bzw. Artaria) in Wien (vgl. 
den nächsten Brief Nr. 66) und auch (mit Ausnahme von Nr. 79) an Forster in London 
(vgl. weiter unten) verkauft. — Warum Boyer-Nadermann auf das Angebot der neuen 
Haydn-Sinfonien nicht eingingen, mag vielleicht darin seine Erklärung finden, daß sie 
inzwischen den dreifachen Verkauf der früher durch sie erworbenen Sinfonien Nr. 76-78 
(an Torricella, Forster und Boyer) erfahren haben dürften. 



66. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den zo" 1 c, bri8 [Nov.] 1784 
Allerliebster Freund! 

Zörnen Sie auf mich nicht, daß Ich Ihnen dermahlen in keinem begehren 
alsogleich dienen kan; die 3" Sinfonia ist bereits fertig, kan Sie aber 
wegen den kleinen Nutzen, so ich aus allen dreyen 1 ziehen werde, nicht 
ehender als bis zu meiner Ankunft in Wienn herausgeben. das größte 
Hindernüß in allen, ist der lange Aufenthalt meines Fürstens in Estoras, 

140 



ohngeachtet derselbe sehr wenig Unterhaltung hat, indem die Helfte des 
Theaters theils kranck theils abwesend ist: Sie könen sich demnach 
vorstellen, wie ich stets sorgen muß Hochdenselben zu unterhalten. 2 Sie 
werden demnach die gute haben nur in so lang sich zu gedulden, bis ich 
das Vergnügen haben werde, Sie persönlich zu sehen, der ich unterdeßen 
mit allerdenklicher Hochachtung verbleibe 

dero 
aufrichtigster Freund und Diener 
Joseph Haydn mppria 
Meine gehorsamste Empfehlung an 
das bayerische Haus. 
[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur d'Artaria 

a / Vienne. 
[Archivvermerk Artarias:] Haydn / Esterhaz 20. 9 br (Nov.) / 1784. 

O (Autograph) : Sammlung H. Gouin (Royaumont). Das Autograph stand uns nicht zur 
Verfügung. K. Pohls im Archiv der GdMf in Wien. ED: Art-Bot. 32-ßß. (eÜb) Laitdon 
CCLN 47-48- Emendationen und Nachträge zum Text von Art-Bot. sind uns (auf Grund 
der K. Pohls) von Christa Landon mitgeteilt worden. 

1. allen dreyen: hiermit sind ganz sicher die neuen Sinfonien (Nr. 81, 8o, 79) gemeint. — 

2. Welch eine Belastung der Opernbetrieb in Eszterhäza für Haydn bedeutete, erhellt 
aus den in unserer Ausgabe jährlich mitgeteilten Kopiaturkonten des Opernkopisten 
Schellinger. • — • Artaria hatte sich offenbar angeboten, die neu vollendeten drei Sinfonien 
(Nr. 79-81) Haydns zu übernehmen. Haydn hatte aber dieselben schon an den Konkurrenten 
Artarias, den Wiener Verleger Torriceila verkauft, der sie kaum zwei Monate nach diesem 
Brief bereits in der Wiener Zeitung ankündigte und mit den Opuszahlen 38, 39, 40 (welche 
den Sinfonien Nr. 81, 80, 79, in dieser Reihenfolge, entsprechen) veröffentlichen wollte. 
Torriceila geriet aber um diese Zeit in finanzielle Schwierigkeiten und mußte nach dem 
Stich des ersten Stückes (Nr. 81) die drei Sinfonien an Artaria verkaufen, der sie dann 
alle drei publizierte und weiter vertrieb. Einstweilen (wir sind noch im Nov. 1784) wollte 
Haydn den Verkauf der Sinfonien an Torriceila Artaria gegenüber geheimhalten; dies 
erklärt seine Ausflüchte und die Berufung auf Überlastung durch den Opernbetrieb in 
Eszterhäza. Übrigens scheint auch nicht ausgeschlossen, daß der skrupellose Torricella 
(durch untreue Kopisten) illegalerweise in den Besitz der Stichvorlage dieser drei 
Sinfonien gelangte und daß Haydn den Stich wirklich und korrekterweise Artaria zu- 
gedacht hat. (Denken wir hierbei an Mozarts Ausspruch vom 15. Mai 1784, zitiert zu 
unserem Brief Nr. 56.) 



141 



67. Jahreskonto der Opernkopiaturen — von Haydn revidiert 
[Handschrift von Schellinger] [Estoras, den 3. Dezember 1784] 

Conto 

Was von 1 January 1784 bis Ende Novembr. für das hochfürstliche Theater 
an Opern ist copiret worden, die Singstim den Bogen ä. 7 xr. / die Instrumen- 
ten ä. 5 xr. per accord: 

Opern Bogen 

Singstim. Instrum. 

L'amor costante 289 181 

Armida 184 193 

Viaggiatori felici 288 189 

Gelosie Villane 49 29 

Didone 198 189 

Contratempi 194 192 

La villanella rapita 296 193 

Macht 271 Fl. 56 xr. 



1498 1166 



Joann. Schilling / Theatral Copist 
den 3. io btis [Dec] 1784. 
[Von hier an Haydns Schrift:] 

Obstehende 1166 und 1498 Bogen sind von mir Endes Unterschriebenen 
richtig befunden worden. Estoras den 3" 1 Decembris 1784 

Josephus Haydn mppria 
Capell Meister 

O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 17, Nr. 1186. ED: Valkö II, 60t. 
Dieses Dokument gibt ein ziemlich genaues Bild vom Betrieb der Opernpremieren in 
Eszterhäza in der Saison 1784. Wie schon aus der niedrigen Bogenzahl der Kopiatur 
ersichtlich, war die 1779-1781 bereits gespielte Oper Le Gelosie villane (von Sarti) keine 
Erstaufführung, sondern nur eine Reprise, zu der einige Stimmen neu kopiert werden 
mußten; nach 5 Vorstellungen im Juli-August 1784 wurde das Stück abgesetzt. Aus der 
Serie der Premieren scheidet ferner I Contratempi (von Sarti) aus, weil das Stück zwar in 
diesem Jahr 1784 kopiert und vorbereitet wurde, aber erst im April 1785 zur Erstaufführung 
in Eszterhäza kam. Somit bleiben an tatsächlichen Premieren des Jahres folgende 5 Opern 
übrig: UAmor costante von Cimarosa (Erstaufführung im April; bis zum August iomal 

142 



gespielt, dann fallengelassen); Armida von Haydn (die erste Premiere des Jahres 1784; 
bis zum Oktober 2imal gespielt und bis 1788 auf dem Spielplan gehalten); I viaggiatori 
felici von Anfossi (von der Premiere im März bis Oktober 1784 18 Vorstellungen, 1787-88 
wieder aufgenommen); die Seriaoper La Didone abbandonata von Sarti (Premiere im Juli; 
insgesamt 9 Vorstellungen im Jahr; auch in die Saison 1785 übernommen); La Villamlla 
rapita von Bianchi (von der Premiere im August bis Dezember 10 Vorstellungen; bis 
1787 auf dem Spielplan gehalten). — Diesen muß noch hinzugefügt werden die Oper 
L'Isola di Calipso von Bologna, die nach der Erstaufführung im November 1784 bis 1790 
ständig im Repertoire blieb. Warum der Hauskopist Schellinger die Kopiatur dieser 
Oper nicht im oben mitgeteilten Dokument mit verrechnete, ist ungeklärt. Im Budapester 
Material der Theatersammlung haben wir vergeblich nach seiner diesbezüglichen Ver- 
rechnung geforscht und müssen deshalb annehmen, daß diese Oper mitsamt dem Auf- 
führungsmaterial von auswärts erworben wurde (Bartha-Somfai HOK 120-121). Dem 
wird neuestens (1962) von Hdricb ROKH ji-f/ entgegengehalten, daß sich im Baucassa- 
Sekretariais-Protokoll für 1784 (welches nicht in die A. M. -Serie der EA-TS übernommen 
wurde) eine besondere Rechnung Schellingers über „21 Singpartien und 19 Orchester- 
stimmen" (wörtlich so bei Härich) zu dieser Oper findet; er schließt daraus (a. a. O. 
S. 57), „daß die erwähnte Kopiatur Schellingers als komplettes Aufführungsmaterial zu 
betrachten ist", wozu wir jedoch anmerken möchten, daß in dieser Oper unseres Wissens 
nur drei Singrollen vorkommen (Calipso, Telemaco und Mentone) und daß in Haydns Eszter- 
häzaer Opernorchester wohl niemals neunzehn Orchesterstimmen zu einem Stück benötigt 
wurden. Es wird sich demnach doch nur um 21 „Bögen" Singpartien und 19 „Bögen" 
Orchesterstimmen handeln, was höchstens für 1 oder 2 Einlagenummern, nicht aber für 
das „komplette Aufführungsmaterial" einer Oper reichte; vgl. hierzu beispielshalber die 
Bogenzahlen des oben mitgeteilten Dokuments Nr. 67 usw. Die Verrechnung des „kom- 
pletten Aufführungsmaterials" ist mithin noch immer nicht gefunden. Weitere Aufschlüsse 
könnten füglich vom Aufführungsmaterial selbst erwartet werden. Dieses ist aber in 
Budapest nicht vorhanden. 



68. Haydn an den Hofsekretär Franz Philipp von Weber, Wien 
[Fremde Handschrift; nur die Unterschrift autograph] 

[Wien, den 29. Dezember 1784] 

Wohlgebohrner 

HochzuverEhrender Herr Hoff Secretaire 

Die vortheilhaffte Begriffe, die ich von der Freymaurerey habe, haben schon 
längst in mir den aufrichtigsten Wunsch erwecket, in diesen seiner 
menschenfreundlichen und weisen Grundsätze wegen beruffenen Orden 
aufgenommen zu werden. Ich wende mich mit diesem Verlangen an Sie 

M3 



mein Herr, mit dem angelegentlichsten Anersuchen, mir zu Gewährung 
meiner vorangedeuteten bitte, bey der Ordens Loge, dessen [sie] würdi- 
ges Mitglied Sie sind, durch Ihre gütige Verwendung verhülfflich seyn 
zu wollen 

Ich habe die Ehre mit unausgesezter Hochachtung zu seyn i 

Wien den 29'°" Christmonath / 1784. 

Ihr ergebenster diener 

Josephus Haydn mppria. 

fürst: Esterhazischer 

Capell Meister 

0: Haus-, Hof- und Staatsarchiv zu Wien (Schriften der Freimaurerloge). ED: Deutsch, 
in NeneFreie Presse (Abendausg.) 14. März 1933,6. Dann (durch dens.) in Musica (Kassel) 19 JJ, 
Heft V, 289; Brand, 209 f (im wesentlichen alle miteinander und mit der Originalquelle 
übereinstimmend); (eÜb) Landon CCLN 48. 

O. E. Deutsch vermutet, daß der Text dieses Briefes durch den Grafen Anton Georg Apponyi 
aufgesetzt und auch geschrieben wurde (nur die Unterschrift ist von Haydn). Zu einem 
diesbezüglichen Schriftvergleich standen uns keine Unterlagen zur Verfügung. 
Mit diesem Brief hat sich Haydn als Lehrling bei der Wiener Freimaurerloge „Zur wahren 
Eintracht" gemeldet. „Haydns Paten waren der ungarische Kämmerer Graf Anton Georg 
Apponyi aus Preßburg, der selbst in Gegenwart Mozarts erst am Weihnachtsabend 1784 
aufgenommen worden war (vgl. hierzu noch unseren Brief Nr. 69); dann der Hofsekretär 
Franz Philipp von Weber, Zeremonienmeister der Loge (der Adressat unseres Briefes), und 
Heinrich Joseph Walter von Aland, „seiner kurfürstl. Durchlaucht zu Trier Geheimer Rat und 
•■• akkreditierter Minister-Resident am kaiserlichen Hof" (Deutsch, a. a. O. S. 289). 
Über den weiteren Fortgang dieser Meldung vgl. Deutsch: Haydn bleibt Lehrling, in Neue 
Freie Presse 14. März 19}), 6 und Musica 19 J9, Heft V, 280-290. 



69. Haydn an den Grafen Anton Georg Apponyi, Wien 
[Kopistenschrift; nur die Unterschrift autograph] 

[Estoras, den 2. Februar 1785] 

Hoch, und Wohl gebohrner Herr Graf 
Gnädigster Herr! 

. . . Eben gestern erhielte ich ein schreiben von meinem künfftigen Pathe 
Herrn v. Webern, daß man mich verflossenen freytag [28. Jan.] mit 
Sehnsucht erwartete, um meinen aufnahm, welchen ich mit schmerzen 

144 



entgegen sehe, zu beförderen, da ich aber durch nachlässigkeit unserer 
Husaren das Einladungsschreiben nicht zu gehöriger zeit erhalten habe, 
so hat man diese Unternehmung bis künfftigen freytag [4. Febr.] ver- 
schoben. O wäre heute schon dieser freytag? um das unschäzbahre 
glück zu gemessen unter einen Zirckel so würdiger Männer zu seyn. 
Herr Hoffmann 1 mein schüller macht sich das gröste Vergnügen daraus, 
der Mademoiselle Bayer 2 mit denen 3 Dietzischen 3 Sonaten dienen zu 
könen, ich aber bin noch stoltzer, ein werckzeug dieser Übersendung zu 
seyn, für ein So grosses Genie, als mein [sie] liebenswürdigste Nanette 
ist, welche verdienet oben, an der spitze des Parnass zu sitzen, und von 
allen Musen [sie] Männern angebettet zu werden: gnädigster Herr graf, 
Ich nehme mir die freyheit Ihr tausend Küsse zu schücken. 
Gegen Euer Hochgräffl. Gnaden aber bin ich mit vorzüglichster Hoch- 
achtung, und Submission nebst meinen unterthänigsten Handkuß an die 
So schöne, gnädigste Frau gräfin ein 

unterthänigster diener 
Estoras. den z ta Febr. 1785. Joseph Haydn mppria 

P: S: Herr Hoffmann hat gar kein Dietzisches Concert. 

[Auf der Rückseite eigenh. Bestätigung des Empfangs durch den Grafen 

Anton Apponyi:] ddto 2-ten et aeeept. 7-a Febr. 785. Joseph Haydn 

(aus ehemals gräflich Apponyischem Besitz): Komitatsarchiv Szekszärd (Ungarn); eine 
Fotokopie ist uns durch Archivdirektor Dr. Albert Hadnagy zur Verfügung gestellt worden. 

— Von diesem wichtigen Brief war bisher nur jenes kümmerliche Bruchstück bekannt, 
welches schon von Pohl II, 208, dann von Deutsch (Mnsica 19 f 9, Heft V, 290) etc. mitgeteilt 
und u. a. von Landon CCL.N 49 publiziert wurde. Der wichtige und aufschlußreiche zweite 
Absatz des Briefes erscheint hier erstmals nach dem Original. 

Der Graf Anton G. Apponyi war Haydns Pate bei seiner Aufnahme in die Freimaurerloge 
„Zur wahren Eintracht". Die Aufnahme ist(mit einer zusätzlichen Verzögerung von 
einer Woche) am 11. Februar vollzogen worden. Vgl. hierzu 0. E. Deutsch: Haydn bleibt 
Lehrling, Mnsica 19;$, Heft V, 289-290, 
1. Es ist uns nicht gelungen, diesen Haydn-Schüler Hoffmann genauer zu identifizieren. 

— 2. Diese Mademoiselle Bayer (der Name ist im Brief deutlich auf diese Art geschrieben; 
allerdings handelt es sich nicht um ein Autograph Haydns, sondern um ein Diktat) ist 
mit jener Nanette Peyer identisch, der wir bereits im Brief Nr. 61 begegnet sind und die 
uns als Adressatin eines weiteren Haydn-Briefes noch später begegnen soll (Nr. 74). Dem 
Ton dieser Briefstelle nach zu urteilen, muß sie eine ganz bedeutende Musikerin (Pianistin?) 

145 



gewesen sein; Haydn nennt sie geradezu ein „großes Genie"! — 3 . Hierbei handelt es sich 
offenbar um die Triosonaten (Klaviertrios) jenes Joseph Diet%, dessen Klaviertrios im 
Gerber-Lexikon (1. Ausg. 1790) als in Amsterdam und Paris erschienen erwähnt werden. 
Nach Fetis soll er gegen 1735 in Preußen geboren sein (vgl. Eitner: Quellenlexikon) ; seine 
Triosonaten Op, 1 sind in Amsterdam bei Hummel erschienen. 



70. Dedikation einer Quartettserie Mozarts an Haydn 

[Wien, den 1. September i78j] 
AI mio caro Amico Haydn 

Un Padre, avendo risolto di mandare i suoi figlj nel gran Mondo, stimb doverli 
affidare alla prote^ione, e condotta d'un Uomo molto celebre in allora, il quäle 
per buona sorte, era di piü il suo migliore Amico. — Eccoti dunque del pari, 
Uom celebre, ed Amico mio carißimo i sei miei flgli. — Eßi sono, e vero, il frutto 
di una lunga, e laboriosa fatica, pur la speren^a fattami da piü Amici di vederla 
almeno in parte compensata, m'incorraggisce, e mi lusinga, che questi parti siano 
per eßermi un giorno di qualche consola^ione. — Tu steßo, Amico carißimo, nett' ul- 
timo tuo Soggiorno in questa Capitale, me ne dimostrasti la tua soddisf abtöne. — 
Questo tuo suffragio mi anima sopra tutto, per che Jo te li raccommandi, e mi fa 
sperare, che non ti sembreranno del tutto indegni del tuo favore. — ■ Piacciati 
dunque accoglierli benignamente; ed eßer loro Padre, Guida ed Amico! Da questo 
momento, Jo ti cedo i miei diritti sopra di eßi: ti supplico perb di guardare con 
indulgen^a i difetti, che l'occhio par^iale di Padre mi pub aver celati, e di continuar 
loro malgrado, la generosa tua Amiciyia a chi tanto Fappre^a, mentre sono di 
tutto Cuore. 

Amico Carißimo il tuo Sincerßimo [sie] Amico 

Vienna il p m ° Settembre iy8;. W. A. Mozart 

O (Mozart) verschollen; handschriftliche K. (Mozarts?) in einer ungenannten Baseler 
Privatsammlung; vgl. "London CCLN }22. ED: in der Artaria-Erstausgabe von Mozarts 
„Haydn-Quartetten" (PI. Nr. 59. Faks. Haas: Mozart 113) und Neue Mozart-Ausgabe 
VIlIJ20JAbt. 1. Streichquartette. Band 2. XVII). Dann bei Pohl II, 212; Kachel -Einstein 
J06-7 usw.; neuestens Deutsch, MDL 220 und Bauer-Deutsch III, Nr. 874. 



146 



71. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 26 ,n c, bri8 [Nov.] / 1785. 
Liebster Freund! 

Bitte sehr höfflich, mich mit Montagigen fürstlichen Husaren zu berichten, 
ob meine Sonaten 1 schon gestochen, und wan Sie dieselbe der gräfin 
Witzey 2 übergeben werden; die ursach, warum ich es gerne wissen möcht, 
ist, weil ich noch vor unserer abreiß, welche längstens in 14 tagen 
geschehen wird, der gräfin auf Ihr. [Ihrem] Gut eine Visit machen möchte; 
ich wartete immer auf den Ersten abdruck deren Sonaten um sie zu 
Corgiren, weil ein fehler ist, der verbessert werden mus. bitte demnach 
nochmahl mir künfftigen Montag zu schreiben, bey dieser Gelegenheit 
ersuche Sie, auch mir ein Exemplar von denen lezteren liedern zu über- 
machen, ich werde es mit danck bezahlen, und bin mit aller Hochachtung 

Dero 

ganz Ergebenster Diener 
Haydn mppria 
[Außen Siegel und Adresse:] 

Monsieur 
Monsieur d' Artaria et Compag. 

ä / Vienne. 
Bitte um beförderung. 
[Archiwermerk Artarias:] Haydn 

Esterhas 26 $" 1785 / beantwortet den 6. X br 

0: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCLN 322 festgestellt: Auktionskat. 
2 Paul Gottschalk (1909) Nr. 63 -> Auktionskat. I von K. E. Henrici (1910) Nr. 451 -> 
Autogr.-Samml. Auktionskat. G. Börner, 3.-6. Mai 1911. Nr. 981 -> Lagerkat. 23 K, E. 
Henrici (1927?) Nr. 268 -> Heinrich Hinterberger (bis 1953). Als gegenwärtiger Besitzer 
■wird Rudolph Kallir (New York) vermutet. Eine Fotokopie des Autographs, welche auch 
als Grundlage des ED: (eÜb) Landon CCLN jo diente, wurde uns von H. C. R. Landon 
zur Verfügung gestellt. 

1. Mit diesen Sonaten meint Haydn jene 3 Klaviertrios, welche bei Artaria im April 1786 
mit der Opuszahl 40 erschienen sind (eine spätere Auflage derselben Werke hat die 
Opuszahl 45 erhalten). Vgl. Hoboken 686-687. — 2 - Die Gräfin Marianne Wit^ay (ungar. 
Viczay) war eine geborene Gräfin Grassalkovich, Enkelin von Fürst Nikolaus Esterhazy 
(?) und vermutlich mit dem ungarischen Numismatiker Michael von Viczay verheiratet. 
Um diese Zeit wohnte sie auf einem Gut ihres Vaters in Nagy/dzs (Groß-Losing unterhalb 
Zinkendorf, unweit von Eszterhäza). Vgl. Pohl II, 221 und Hoboken 688. 

M7 



7z. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras. den io tn io bris [Dec] / 1785 
Mon tres eher Amj ! 

Ich erhielte vorgestern die Ciavier Sonaten 1 mit gröster Verwunderung 
des schlechten Stiches wegen, und denen so vielen ärgerlichen fehlem, 
welche in allen stimen besonders in der Ciavier stim ansehen muste, 
ich wäre anfangs So toll, daß ich Ihnen das geld zurück senden, und die 
Partitur deren Sonaten augenblicklich nach Berlin den Herrn Hummel 2 
zusenden wolte, weil ich mir wegen denen hier, und da, unlesbahren, 
übel, aus-, und eingetheilten Stellen wenig Ehre, und Sie hiedurch wenig 
Nutzen verschaffen werden. Jeder, der Sie kaufft, wird bey Abspiellung 
über den Stecher fluchen, und zu spielen aufhören, besonders bey pagina 8, 
und bey der Ersten Seite des 3'° Divertiments 5 pagina 15, allwo die 
stelle mit dem Rödl | | [bezeichnet] eusserst schlecht eingetheilt ist, 
und diss scheint mir geschähe aus Ersparung, 4 ich wolte lieber aus mein, 
[meinem] eigenen Sack noch 2 blatten gezahlt haben, als solche Ver- 
würrung ansehen. Jeder Meister hat zu studiren, bis er diese Stelle aus- 
einander setzt, was wird erst der Dilletante [sie] machen, bey pagina 18 
fehlen 4 Notten, und in der lezten Zeile war der Stecher zu faul den Baß 
ganz aus zu setzen, solcher schlender, und solche Zeichen sind gut in 
einer Viola bey Sinfonien, und nicht in Ciavier sachen. Weiters sind die 
meisten Auf lesungs [Auflösungszeichen |j so ldein, und manchmal 
so nahe an der Notte, daß man es kaum sehen kann, und ist solches bey 
pagina 18 in der obersten zeile am ende zu sehen. Versetzte Notten, aus- 
gelassene Notten giebt es gewaltig Viel; bey pagina 6, und 8, sind folgende 
Zeichen 00 die meisten unrichtig gesetzt, und müssen die meisten nicht 
gerade über die Notte, sondern über den daneben stehenden Punct auf 

folgende arth gesezt werden, pagina 6 im 4" 1 Tact J. j r derowegen 

solte der Punct weiter von der Notte stehen, damit das Zeichen ss» gerade 
über den punct zu stehen käme, eben [oben ?] auf dieser seite in der 
2" 1 zeile sind stat dieser zeichen tr: folgende /^y zu machen, dan das 
erste so der Stecher gemacht, bedeut einen triller, meines aber einen 
Halb Mordent,' wan also der herr Stecher solche zeichen nicht kent, so 
soll Er sich bey denen Meistern darum informiren, und nicht sein. 

148 



[seinem] dumen gütachten folgen, bey der z ta Sonate hat Er so gar 
das Tempo vorne am schlüssl vergessen, in der Violin stim, fehlte auch 
ein ganzer Tact. ich hab gestern den ganzen und heut den halben tag 
mit Corgiren zugebracht, und da hab ich es nur obenhin überschaut, 
bester Freund, machen Sie demnach, daß alles verbessert wird, 6 sonst 
haben wür beede wenig Ehre ■ — übrigens hoffe ich Sie selbst bald zu 
sehen, und bin mit aller Hochachtung/Dero 

ganz gehorsamer diener 
Joseph Haydn mppria. 
[Keine Adresse überliefert] 

0: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCLN )2} festgestellt: Frau Ida 
Conrat (Wien) ->- K. E. Henrici, Auktionskat. CXX (27.-28. Mai 1927) Nr. 557 ->• Samml. 
Westley Manning -> Auktionskat. Sotheby vom 12. Okt. 1954, Nr. 204 -> H. J. Laufer -> 
Mrs. Marguerite Manley (Scarsdale, N. Y.; gegenwärtige Besitzerin). Eine Fotokopie des 
Autographs (welche auch Landon CCLN Ji als Grundlage diente) wurde uns von H. C. R. 
Landon zur Verfügung gestellt. ED: Nobl 94J (mit vielen Lücken und Fehllesungen, 
unbrauchbar). Art-Bot. 34-}} (aus Nohl, unbrauchbar). 

1. Wie schon im Brief Nr. 71, meint Haydn hier mit den „Sonaten" seine Klaviertrios 
Op. 40. — 2. Der berühmte Verleger Hummel in Berlin und Amsterdam, einer der meistge- 
fürchteten Konkurrenten von Artaria im Wettlauf um Haydns Werke. — ■ 3. Die Be- 
zeichnungen Sonata und Divertimento werden hier von Haydn als Synonyma gebraucht 
(mit beiden sind Klaviertrios gemeint). — 4. Landon CCLN hat an dieser Stelle offenbar 
„Erstarrung" gelesen, denn er übersetzt „torpidity", was keinen rechten Sinn ergibt. 
Die zwingende Logik unserer (auch durch das Schriftbild eindeutig unterstützten) Lesung 
Ersparitng ergibt sich aus dem Zusammenhang. — 5. Landon hat hierzu das Autograph 
des 2. Trios (Nr. 7 der chron. Liste), welches sich in Londoner Privatbesitz befindet, 
genau untersucht. Er fand, daß Haydn sich die Mühe nahm, die wichtigsten Ornament- 
zeichen am rechten Rande der 1. Seite besonders anzuzeichnen. — 6. Die von Haydn 
gewünschten Korrekturen haben längere Zeit in Anspruch genommen; das Erscheinen 
der Trios wurde erst 4 Monate später, im April 1786, durch Artaria in der Wiener Zeitung 
angekündigt. 



73. Jahreskonto der Opernkopiaturen von 1785 — von Haydn 
revidiert 



[Das Opernkopiaturenkonto für dieses Jahr, 1785, ist vorläufig verschollen; wenigstens 
ist es im Budapester Esterhäzy-Archivmaterial nicht aufgetaucht. — Aus den sonstigen 
opernhistorischen Dokumenten kann aber festgestellt werden, daß im Jahr 1785 folgende 

149 



Opern in Eszterhäza erstaufgeführt wurden: I Contratempi von Sarti (Premiere im April, 
nach 3 Vorstellungen abgesetzt); Monte^uma von Zingarelli (Pr. im Juni, nach 6 Auf- 
führungen abgesetzt); II matrimonio per inganno von Anfossi (Pr. Anfang Juli; in 
diesem Jahr 7 Vorstellungen; bis 1788 insgesamt 28Mal gegeben); Le astu^ie di 
Bettina von Stabinger (Pr. im Oktober; 4 Vorstellungen, 1786 in weiteren 8 Verstellun- 
gen aufgeführt). Vgl. Bartba-Somfai HOK 124, Hdrich EMG 77, Härich ROKH 64 ff. 
(mit Nachträgen und Korrekturen.) — Wie in allen anderen Berichtsjahren, wird auch 
diesmal (Ende 1785) der Opernkopist Schellinger unfehlbar seine Rechnung vorgelegt 
und Haydn sein Gutachten darüber abgegeben haben.] 



74. Haydn an Nanette Peyer, 1 Pressburg 

Estoras den 5'" May 1786 

Allerliebste Nanette! 

Das Vergnügen Sie bald zu sehen ist für mich unaussprechlich, wan 
änderst S e Hochgräffl. Gnaden der Herr Graf 2 noch die Gnade haben 
wollen, mir Seine Gelegenheit künfftigen Donerstag als den u tn dieses 
nach Mittag bis Fraunkürchen' zu schücken, allwo ich von Estoras Frey- 
tags den i2 ten um 5 Uhr frue mit meinen eigenen Pferdten längstens 
um 9 Uhr, und von da aus mit gräfflicher gelegenheit zwischen 1 und 
zwey uhr in Preßburg eintreffen werde, muß Ihnen aber vorhinein zu 
wissen machen, daß ich nicht länger als 24 Stund alldort verbleiben 
kan. in Hoffnung also Sie bald zu umarmen bin ich mit vorzüglichster 
Hochachtung 

dero 

ganz gehorsamster Diener 
Joseph Haydn mppria. 

P:S: Meinen unterthänigsten Handkuß 

an Herrn Grafen und Frau Gräfin 

[Außen, infremder Handschrift:] ddto 5 -a et accept. 7-a Maji. Jos .Hajden. 



O (aus gräflich Apponyischem Nachlaß): Komitatsarchiv Szekszärd (Ungarn). Eine 
Fotokopie davon ist uns durch Herrn Archivdirektor Dr. Albert Hadnagy zugeschickt 
worden. K. Pohls im Archiv der GdMf (Sign. 9076/108). BD: Signale Jg. 92 (19)4) , Jj8; 
(eÜb) London CCLN ;z. 
1. Über die Adressatin, Nanette Peyer (oder Bayer), vgl. oben unsere Anm. zu den Briefen 

150 



Nr. 61 und 69. Sie scheint beim Grafen Apponyi in Preßburg eine Vertrauensstellung 
innegehabt zu haben. — 2. Graf Anton G.Apponyii^ 1816), dem Haydn später seine 1793 
komponierten Quartette Op. 71-74 dediziert hat. — $.FraunkUrcben, ein bekannter Wall- 
fahrtsort im Burgenland, ungefähr auf halbem Wege zwischen Eszterhäza und Preßburg. 



75. Kontrakt Haydns mit dem Verleger William Forster, 

London 
[Kopistenschrift; nur die Unterschrift autograph] [Esterhaz, 1786] 

D. 1 

Je reconnois d'avoir recu de Monsieur Guillaum Forster Marchand et Imprimeur 
de Musique; demeurant dans le Strand ä Londres la Somme de Soixante et 
dix livres Sterlins, pour. . . z Simphonies, Sonates, et autre pieces de ma com- 
position ci dessous mentionnees, et qui comencent de cette fagon. 



Savoir. N° 1 une Simphonie ä plusieurs Instruments, qui commence ainsi. 



i.3 



Vivace assai 



Vivace con brio. 




€ tf € 



151 



[6 Divertimenti] 4 a 2 Flutes traversieres et Violoncello, qui comencent de 
cette maniere. 5 



Adagio cantabile 
'i 



2 Allegro 




5 Allegro con esßressione 



6 Allegro moderato 




Premier Recueil de trois Sonates, pour le Clavecin, avec l'accompag: d'un 
Violon. 6 



opera 40 
x Adagio 



2 Allegro con brio 



4 " Fir 1 rp i Q rP i ^ fCC f i cJc jii/|3 ritrIrr > 




152 



Second Recueil de 3 autres Sonates pour le Clavecin. avec l'accompag: d'un 
Violon. 7 



I opera 4z 




Et je certifie, et declare ä tout le monde que j'ai vendu au dit Monsieur 

Guillaum Forster les dites Simphonies, Sonates et autres pieces; et que je lui 

ai envoie les Manuscripts aux dates suivantes, savoir. 

Les Six Sonates pour deuxFlutes traversieres et Violoncello, le 31 de May 1784. 

Les Simphonies marquees ci dessus N° 1. et 2. par Monsieur Le General 

de Jerningham. 8 le 19. de Juin 1784. 

Les Simphonies N° 4. 5. et 6. avec le dit premier Recueil de 3 Sonates pour 

le Clavecin. le 25 d'octobre 1784. 

Les Simphonies marquees ci dessus N° 7. 8. et 9. le 8 de Novembre 1784. 

Et le dit Second Recueil de 3 Sonates pour le Clavecin le 28. d'octobre 1785. 

Je certifie aussi, et declare, qu'il m'en paya le prix convenu entre lui et moi; 

et qui montoit en tout ä la ditte Somme de Soixante et dix livres Sterlins. 

par des lettres d'Echange sur Vienne. qu'il m'a remis pour cet effet (ä l'excep- 

tion du prix de deux Simphonies N° 1. et 2. le prix des quelles il paya pour 

mon compte ä Monsieur Le General de Jerningham. alors ä Londres). 

Et je certifie et declare de plus, que le dit Guillaum Forster est le seul Proprie- 

taire des dites pieces; que je lui ai ainsi vendu et que je lui ai cede et transporte 

tous mes droits et toutes mes Pretensions la dessus. En fois dei quo j'ai 

153 



souscrit mon nom ä cet Ecrit ä Esterhaz ce 9 1786. 

[Von hier an in Haydns Handschrift:] 

Giuseppe Haydn mppria. Maestro 
di Capella di S: Alt: S: [Sua Altezza Serenissima] il principe 

Estorhazy. ' 

[Auf der Außenseite Archivvermerk eines Londoner Gerichts:] Haydns sub- 
jects. D. [Document] Forster ag' [against] Longman &... [unleserlich]./ 
This Paper Writing was shown to Jos. Haydn at the time of his exam. [ex- 
amination] in this Court before [me?] Ja Eyre. 10 

O (unter den nachgelassenen Geschäftspapieren des Verlegers William Forster): B. M. 
(Signatur: Eg. 2380, Fol. 12). Eine Fotokopie wurde uns durch H. C. R. Landon über- 
mittelt. ED: Sandys-Forster HV 302 ff. und 'London CCLN })ff. 

1. Dieses „D." (vermutlich in der Bedeutung von „Document") ist höchstwahrscheinlich 
ein Vermerk, mit dem das Schriftstück versehen worden ist, als es im Prozeß zwischen 
Forster und Longman & Broderip als Belegstück dem Londoner Gericht vorgelegt wurde. 
Vgl. hierzu auch den oben mitgeteilten Archivvermerk auf der Rückseite des Kontrakts; diese 
Notiz weist daraufhin, daß Haydn damals (vermutlich 1794)^1 dieser Angelegenheit vor 
dem Londoner Gericht erscheinen mußte. Der Prozeß hatte das englische Vertriebsrecht 
derselben Haydn-Stücke zum Gegenstand, die Longman von Artaria erworben, Haydn 
aber mit diesem Kontrakt auch Forster als ausschließliches Eigentum verkauft hatte. Vgl. 
weiter unten unsere Noten Nr. 6 und 10 und Haydns Brief an Forster vom 28. 2. 1788 
(Nr. 105 unserer Ausgabe) und die Briefe an Artaria aus derselben Zeit. — 2. Hier steht 
eine durch Tintenfleck ganz unleserlich gewordene Ziffer; Landon CCLN 53 liest (oder 
vielmehr rekonstruiert) die Ziffer „20", was auch dem sonstigen Inhalt entspricht. — 
3. Dies sind die Sinfonien Hob. I: 74, 70, 76, 77, 78, 81, die Ouvertüre zu Armida und 
Sinfonie Nr. 80. — 4. Diese zwei Worte 6 Divertimenti fehlen im Haupttext (bzw. sie 
sind durch Einwirkung von Nässe unlesbar geworden). Sie sind aber am Rande (von 
Haydn?) nachgetragen. — 5. Trio-Divertimenti Hob. IV: 6 -11; zumeist Trio-Bearbei- 
tungen von Stücken aus Haydns Oper II mondo della luna (1777). — 6. Klaviersonaten mit 
Violine? In Wirklichkeit handelt es sich dabei um Klaviertrios (Hob. XV: }-}). Die 
Frage der Autorschaft dieser drei Klaviertrios hat zu einem heftigen Rechtsstreit und 
manchem Mißverständnis Anlaß gegeben. Die ersten zwei Trios stammen tatsächlich 
von Haydns Schüler Ignaz Pleyel und nur das dritte von Haydn selbst. Wieso Haydn dazu 
kam, zwei Trios von Pleyel als eigene Werke an Forster zu verkaufen, ist ungeklärt. 
Forster hat die drei Trios 1785 (woraus auch hervorgeht, daß dieser Kontrakt nachträglich 
geschlossen wurde) unter Haydns Namen herausgebracht, und diese Ausgabe ist mehrfach 
(u. a. auch in Paris durch Le Duc) nachgedruckt worden (vgl. Hoboken 684). Etwa 
12-14 Jahre später, um 1797-1799, sind dieselben drei Trios von Le Duc dann als Werke 
Pleyels herausgegeben worden. LautFramery (Notice sur Haydn, Paris 1810) sollen dieselben 

154 



drei Trios durch den Londoner Verleger Longman &Broderip schon früher (etwa gleich- 
zeitig mit der Erstausgabe Forsters, also um 1785) in London unter Pleyels Namen ver- 
öffentlicht worden sein (ein Exemplar dieser Ausgabe ist bisher nirgends aufgetaucht). 
Hieraus entbrannte dann zwischen den zwei Londoner Verlegern Forster und Longman 
um das Verlagsrecht dieser drei Stücke ein Rechtsstreit, der erst anläßlich eines der Lon- 
doner Aufenthalte Haydns (1791-92 oder 1794-95) beigelegt wurde. Haydns Gewissen 
Pleyel gegenüber mochte in dieser peinlichen Angelegenheit nicht ganz rein gewesen sein, 
auch wenn er sich 1794 mit Pleyel darüber einigte (yrieFrame'ry erzählt, der seine Angaben 
direkt von Pleyel bezogen haben mochte); denn als Haydn später, anläßlich der Oeuvres 
Complettes von Breitkopf, um ein Gutachten hinsichtlich der Authentizität u. a. auch dieser 
Stücke ersucht wurde, hat er — laut einer (nur in Pohls Kopie erhaltenen) Notiz, welche 
dann von Griesinger in seinem (inzwischen verschollenen) Brief an Breitkopf & Härtel 
vom 7. Januar 1803 weitergegeben wurde — erklärt, das erste der drei Trios sei nicht von 
ihm, sondern von seinem Bruder Michael; die zwei anderen seien „acht Haydnisch und 
meistens aus seinen früheren Jahren". Wie wir heute wissen, war aber dies nur eine irre- 
führende Verdrehung des für Haydn offenbar peinlichen wahren Sachverhaltes; um die 
Tatsache der seinerzeitigen Entlehnung der Trios von Pleyel nicht zugeben zu müssen 
und die ganze Frage zu verwischen, hat Haydn hier eines der Pleyel-Trios willkürlich 
seinem Bruder Michael zugewiesen (gleichermaßen um es „in der Familie zu behalten", 
wie A. Tyson meint). Über die ganze Affäre berichtet auf Grund aller erreichbaren Quellen 
und Archivalien AlanTyson: Haydn and T wo Stolen Trios, Mtisic Review 1961, 21 ff. — -7. Klavier - 
trios: Hob. XV: 9,2,10. — -8. Der General Germingham, der zwischen Forster und Haydn 
vermittelte, war Englands Gesandter am österreichischen Hof. Vgl. dazu auch unseren 
Brief Nr. 97 vom 20. Sept. 1787. — 9. Tag und Monat des Vertrages sind nicht ausgefüllt. 
— 10. Ja Eyre: dieser Sir James Eyre ist durch A. Tyson seit 1793 als Richter (Chief Justice 
of the Common Pleas) am Londoner Gerichtshof nachgewiesen. Dies ist ein gewichtiges 
Argument Tysons dafür, daß die Londoner Gerichtsverhandlung, zu der Haydn damals 
vorgeladen wurde, unmöglich früher als im Februar 1794 (und nicht etwa 1791 oder 
1792) stattgefunden haben mußte. Haydn ist nämlich erst im Februar 1794 anläßlich 
seiner zweiten englischen Reise in London eingetroffen. 



76. Jahreskonto der Opernkopiaturen für Eszterhäza — 
von Haydn revidiert 

[Handschrift von Schellinger] [Estoras, den 29. Dezember 1786] 

Conto 

Was an Copiatur von 13 January 1786 bis Ende Decembr. 1786 für das hoch- 
fürstl. Theatro ist abgeliefert worden. — den Bogen von Singstimen ä 
7 xr. von Instrumenten ä 5 xr. pr. accord: 



155 



Opern 




Bogen 






Singst, ä 7 xr. 


Instrumenten ä 5 xr. 


La ballerina amante 


194 




219 


Alsinda 


171 




139, 


chi d'altrui si veste 


189 




1 
222 1 


Julio Sabino 


48 




— 


L'albergatrice 


192 




189 


Matrimonio pr. ing. 


9 




2 9 


L'isola d'alcina 


196 




178 


Iffigenia 


168 




189 


L'incontro inaspettato 


189 




222 


Geloso in cimento 


J 9 




28 


Idalide 


185 




178 


I due Paroni 


189 




224 



Somma 355 Fl. 28 xr. 



Soma 1 749 

Joan Schilling / copist di Theat. 
di 15 Dacembr. 1786 



1817 



[Von hier an Haydns Schrift:] 

Obige Summa deren Copirten Opern ist von mir Endes Unterschriebenen 
genau untersucht, und richtig befunden worden. Estoras. den 29'" X bris 1786 

Josephus Haydn mppria. 
Capell Meister 



O; Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 18, Nr. 1 211. ED: Valkö II, 60 ) . Nicht bei London CCLN. 
In diesem Jahres-Kopiaturkonto Schelüngers finden wir zunächst einige Nachträge zu 
den weiter gespielten Opern (diese sind an der geringen Bogenzahl der Kopiatur er- 
kenntlich): Giulio Sabino von Sarti (von 1785 bis 1788 ständig auf dem Programm); II 
Matrimonio per inganno von Anfossi (seit 1785 weiter gespielt und 1788 aufgefrischt); // 
geloso in cimento von Anfossi (schon 1778 und 1785 gespielt; bis 1787 auf dem Programm). 
(Außer diesen dreien waren noch 6 weiter gespielte Opern auf dem Spielplan.) — Unser 
Interesse wird aber vor allem von den insgesamt 8 Erstaufführungen beansprucht. Diese 
waren: La ballerina amante von Cimarosa (Premiere im April; nach 6 Aufführungen fallen- 
gelassen); Alsinda von Zingarelli (März, I3mal gespielt); Chi d'altrui si veste von 
Cimarosa (Mai, nur 3mal gegeben); Ualbergatrice vivace von Caruso (August; 8 Vorstel- 
lungen); Uisola d'Alcina von Gazzaniga (eigentlich keine Erstaufführung, da das Stück 
schon 1779 in Eszterhäza gegeben wurde; da das alte Material beim Theaterbrand 1779 



156 



verlorenging, mußte es neu kopiert werden; nach der Reprise kam es nur zu 2 Aufführungen 
im Juni); Ifigenia in Tauride von Traetta (Juli; nur 5mal gegeben); Uincontro inaspettato von 
Righini (Oktober; 3mal aufgeführt, dann fallengelassen); Idalide von Sarti (Oktober; 
bis Dezember ßmalaufgeführt, 1787 noch weitere vier Aufführungen); I due baroni diKocca 
A^xurra von Cimarosa (Dezember; danach 3, 1787 noch weitere 2 Aufführungen). — Wie 
aus diesen Angaben ersichtlich, war die Bewegtheit dieser Opernsaison in Eszterhäza ohne- 
gleichen. Haydn hatte in diesem Jahre nicht weniger als 125 Opernaufführungen vorzu- 
bereiten und zu leiten. Vgl. Bartba-Somfai HOK ißoff; Hdrich EMG ;S-/p; Hdricb ROKH 
Uff 



77. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den n' n Febr. / 1787 
Mon tres eher Amj ! 

Berichte, wie daß ich 4 von den Sonaten, 1 zu quartetten übersezt, und 
verfertiget habe, das ganze werk werden Sie künfftigen Freytag erhalten, 
unterdessen können Sie von denen Ersten vier Sonaten die Violin Prim/ 
so, wie es geschrieben, zum abdruck geben, weil an selben nicht zu ändern 
warn [wäre ?]. Das quartet 3 werden Sie Morgen 8 Tag überbringen [?]. 
Bitte auf meine Bilder nicht zu vergessen. 4 Sollten Sie in Herrschafft Hauß 
keine sichere und gute gelegenheit treffen, So bitte, mir solche künftigen 
Montag mit der Diligence bis Oedenburg unter nachstehender Address 
zu schicken 

A Monsieur 
Mons: Baumgartner Fürstl: Estorhazischer Hauß Meister / a / Oedenburg 
Von wannen ich es nachhero selbst durch meine Gelegenheit werde ab- 
hollen lassen, man kan allenfals unten meinen Nahmen daran setzen 
oder solches Mündlich dem Conducteur sagen, 
unterdessen bin ich mit aller Hochachtung 

Dero 
ganz dienstfertigster Diener 
Joseph Haydn mppria 
[Außen Adresse:] 

Monsieur 
Monsieur d' Artaria et Comp. / a 

Vienne 

157 



O: Das Autograph gelangte aus dem Artaria-Archiv in den Besitz von O. A. Schultz, in 
dessen Auktionskatalog Nr. 19 es enthalten ist (gegenwärtiger Besitzer nicht ermittelt). — 
K. Pohls im Archiv der GdMf in Wien. Kleinere Emendationen daraus sind uns durch 
Christa London übermittelt worden. ED: Art-Bot. 36 (nicht ganz buchstabengetreu, aber 
brauchbar); (eÜb) London CCL.N }6. , 

1. Hier handelt es sich um die ersten vier Sätze (in Haydns Ausdrucksweise „Sonaten") 
von Haydns Instrumentalwerk Die Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze, 
welches in der originalen Orchesterfassung 1785 für Cadiz in Spanien komponiert wurde. 
Sowohl die Orchesterfassung als auch die Quartettfassung wurde von Artaria verlegt. — 

2. D. h.: die Primstimme der Orchesterfassung konnte unverändert in die Quartettfassung 
übernommen werden. — 3. Eines der sog. Preußischen Quartette Op. 50, deren Stich 
damals bei Artaria in Vorbereitung stand. — 4. Über Haydns bei Artaria erschienenen 
Porträtstich vgl. unseren Brief Nr. 33 (Anmerkung). 



78. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras. den 14" 1 Feb. 1787. 
Mon tres eher Amj 

Übersende hiemit alle vier abgeänderte stimmen, 1 in Hofnung daß der 
Copist mich gut verstehen, und Jede stimm ins besondere in die gehörige 
Ordnung, folglich tauglich zu quartetten bringen wird, solte aber an 
einigen orthen ein Zweifl entstehen, so wird mir solchen alsogleich der 
abschreiber zu wissen machen, damit bey Zeiten kan abgeholffen werden, 
alle 4 stimmen, das ist jede Sonate wo die Abänderung geschechet, muß 
neu abgeschrieben werden. 

sobald die Sonaten sowohl als quartetten als auch mit allen Instrumenten 
unter die Presse komen solten, so bitte, mir den Ersten abdruck ein- 
zuschücken, damit ich Sie in die Correctur nehmen köne. der Inhalt 
deren Sonaten 2 in Notten ausgedruckt (welchen ich zugleich mit ein- 
schücke) 3 muß auch in denen quartetten beygedruckt werden, 
das quartett 4 wird bald nachfolgen die dermahlige Opern Proben halten 
mich auf. 5 übrigens bin ich mit aller Hochachtung 

Dero 

ganz dienstfertigster diener 
Joseph Haydn mppria. 

P: S: bitte beyliegendes ./. blat bemerkungen und Erinnerungen bey 
158 



H. von Trattnern 6 mir 7 X 7 zu kaufen, und mir solches herabzuschücken. 
ich werde es mit danck bezahlen. 

[Ohne Kuvert und Adresse. Archivvermerk Artarias:] Joseph Haydn 1787 
Esterhaz 14. Februarij / beantw. 17. Detto 

0: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCL.N 32} festgestellt: Cat. Done- 
bauer 1894 S. 54 -»■ Stargardt, Kat. Donebauer (6. April 1908) Nr. 376 -> C. G. Boernet 
Kat. XVI(i9io) Nr. 151 (mit Faks.) -> V. A. Heck Kat. 42 (April 1928) Nr. 54 (mit Faks.) 
->■ Burgenländ. Landesregierung (als Gabe von Sändor Wolf); gegenwärtig im S. -Wolf- 
Museum zu Eisenstadt. ED: Art-Bot. )7 (nach einer handschr. K. Pohls im Archiv 
GdMf; mit einigen Lesefehlern). London CCLN ;y und unsere Ausgabe stützen sich auf 
das Faks. des Autographs. 

1. Wie im vorigen Brief Nr. 77, handelt es sich auch hier um die Quartettfassung der 
Sieben Worte. Haydn hat sich offenbar die Arbeit dadurch erleichtert, daß er die Streicher- 
stimmen der Orchesterfassung mit einigen Abänderungen zur Quartettfassung benützte. 
— 2. Die Worte des Erlösers (vgl. unseren Brief Nr. 81 vom 8. 4. 1787) wurden im Druck 
tatsächlich den einzelnen Stücken beigegeben. — 3. Hier hat Haydn das Ende der Klammer 
anzugeben vergessen. — 4. Eines der Quartette aus Op. 50. — • 5. Haydn hatte damals 
(für Ende Februar) die Erstaufführung der Buffooper II sordo e l'avaro von Anfossi für 
Eszterhäza vorzubereiten. Vgl. Hdrich R.OKH 72. — 6. Der auch aus Mozarts Lebenslauf 
bekannte Wiener Buchhändler und Verleger Johann Thomas von Trattner. — 7. Es ist nicht 
ganz klar, was Haydn mit diesem „X" meint: ob dieses Zeichen „7mal" (d. h. 7 Stück 
„Bemerkungen") oder aber „7 Kreuzer" (d. h. ein Exemplar für 7 Kreuzer) bedeuten soll. 
Kreuzer wurde nämlich damals oft mit x abgekürzt. 

79. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras. den 27'° Febr. / 1787. 
Mon tres eher Amj ! 

Sage unterdessen verbundenßten danck für die überschückten bilder, so 
ich vorgestern gan [sie] gut erhalten habe, Sie werden die gute haben, 
mich zu berichten, was ich für die Raamen schuldig bin. 
Nun aber, bester freund! was den brief nach Paris, 1 so Sie mir zuschückten, 
betrifft, muß ich Ihnen aufrichtig gestehen, daß ich nach reifer Überle- 
gung, solchen aus folgenden Ursachen nicht unterschreiben kan, Erstens, 
weil ich dadurch die herrn v. Cadix, welche doch die grund Ursache dieser 
Sonaten sind, und mich darum bezahlten, sehr beleydige, zweytens wür- 
den die herrn franzosen dadurch noch mehr beleydiget, wan ich mir ein 
werck bezahlen liesse, was in 3 wochen öffentlich in stich erscheint, von 

159 



welch, [welchem] werck Sie, bester freund, ganz sicher den vortheil- 
hafftesten Nutzen ziehen werden, um So viel mehr, da solches sowohl 
in ganzen, als auch in quartetten kan abgesezt werden. Noch etwas, 
gestern erhielt ich von Herrn v. Jacoby, Königl. Preuss. Resident 2 ein 
schreiben worunter folgendes wäre, 3 ; 

WAS HAT ES MIT DEN STÜCKEN VON IHRER CoMPOSITION FÜR EINE Be- 
WENDNÜß, WELCHE HERR ArTARIA NACH BERLIN AN DEN KÖNIG ZU 
ÜBERSENDEN VORHABENS IST? ICH MÖCHTE DARÜBER GERNE DEROSELBEN 
AUFSCHLUSS HABEN, UND BITTE DARUM ERGEBENST: 

Ich hofte ja nicht, daß Sie etwa diese Sonaten 4 weder als quartetten, noch 
mit allen stimmen S r Maj. dediciren werden, weil es wider alle Raison 
wäre, sondern ich glaube, daß es die neuen quartetten' angehen werde, 
welches ich belobe, So Sie es willens sind. 

bitte demnach mich dessen zu berichten, um mir meinen Argwohn zu 
benehmen, ich wolte nicht, daß Sie mich dadurch auf immer disgustirten, 
zu mahlen ich beständig Ihr guter freund wäre, und verbleiben werde — 

Dero 

ganz dienstfertigster diener 
Joseph Haydn mppria. 
[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur d'Artaria et Compagnie / ä 

Vienne. 

[Archivvermerk Artarias:] Haydn 1787 / Esterhatz 27 Februarij 

O: Autograph: 1887 durch Leo Liepmannssohn versteigert (Kat. vom 21. Nov. 1887, Nr. 
126); gegenwärtiger Besitzer: S. L. Courtauld, Imbeza Valley (S. Rhodesia). Eine Foto- 
kopie wurde uns durch H. C. R. Landon übermittelt. ED: Nohl 9J-96 (unvollständig). 
Art-Bot. }S-)9 (nach Pohls K. im Archiv der GdMf); (eÜb) Landon CCLN J7-8. Unsere 
Ausgabe stützt sich auf das Autograph. 

1 . Es handelt sich um einen (seitdem verlorenen) Brief des Concert Spiritttel aus Paris, welches 
sich erbot, die Sieben Worte entweder aufzuführen oder herauszugeben (vgl. den nächsten 
Brief Nr. 80). Haydns diesbezügliche Bedenken (dem spanischen Auftraggeber gegenüber) 
waren nur allzu berechtigt. — 2. Konstantin Pb. W. Jacobi (später Freiherr von Klöst) war 
preußischer Gesandter in Wien und ein bekannter Musikfreund; 1784 zählte er zu den 
Subskribenten der Mozart-Konzerte in Wien. Vgl. Deutsch MDL )86, 4S7. — 3. Den hier 
folgenden Absatz hat Haydn im nachdrücklich unterstrichen. — 4. Haydn meint damit die 
Sieben Worte. — 5. Die neue Quartettserie Op. 50, welche dann tatsächlich dem preu- 
ßichen König dediziert wurde. 

160 



80. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 7" Mertz 1787. 
Liebster Freund! 

Über alle Ihre Handlungen, so Sie wegen denen Sonaten 1 willens sind, 
hab ich nichts entgegen, nur kan ich aus Politischen absichten den brief 
an das Concert Spirituel nicht unterschreiben, wollen Sie aber diesen 
antrag auf Ihren Nahmen machen, bin ich es ganz zufrieden. 2 Belobe 
die Zurückhaltung des Stiches, sehe aber darauß ganz wohl den vortheil- 
hafften beträchtlichen Nutzen, ich vergönne Ihnen denselben von Her- 
tzen, weil ich weis, daß Sie auch in anderen fällen gegen mich nicht werden 
geitzig seyn. Herr v. Jacoby 3 wolte nur wissen, was für ein werk Sie 
dem König v. Preussen zu eignen wolten, ich schriebe demselben, daß 
ich glaubte, es wären die quartetten. 

übersende Ihnen das Erste Stück von 3'" quartett, 4 das übrige werden 
Sie dieser tagen erhalten . . . bin in Eyl 

Dero 

ganz Ergebenster diener 
Joseph Haydn mppria. 

[Keine Adresse; nur Archivvermerk Artarias:] Jo. Haydn / Esterhaze 
7. Mars 87 

O (Autograph) aus dem einstigen Besitz von Alexander v. Posonyi durch Fr. Cohen ver- 
steigert (Auktionskat. Posonyi Nr. 473) -> Budapest, N. B. Szechenyi, Handschriftenabt. 
Ep. Mus. 286/4. K- Pohls im Archiv der GdMf. ED: NoM 96 (mit Lücken, unvollständig). 
Art-Hot. )9 (aus Nohl, unbrauchbar); ($Üb) London CCLN jS-jp und unsere Ausgabe 
stützen sich auf das O in Budapest. 

1. Sonaten: damit sind wieder die Sieben Worte gemeint. — 2. Aus dieser Briefstelle wissen 
wir, daß es sich im vorigen Brief (Nr. 79) um einen Antrag des Concert Spirituel gehandelt 
hat. — 3. Jacoby: vgl. unsere Notiz zum Brief Nr. 79. — 4. Haydn meint damit den ersten 
Satz von Op. 50/3. 



161 



8i. Haydn an den Verleger William Forster, London 

Estoras. den 8 to Aprill 1787. 

Monsieur! 

i 
Nach langen Stillschweigen muß ich mich endlich nach dero wohl seyn 

erkundigen, zugleich aber berichten, daß folgende neue wercke von mir 
zu haben sind, als 6 Prächtige Sinfonien. 1 ein [durchgestrichen: „Cla"] 
grosses Ciavier Concert. 2 3 kleine Ciavier Divertimenten für anfänger 
mit Violin, und Bass. 3 eine Sonate fürs Ciavier allein. 4 
ein ganz neues werck. bestehend in blosser Instrumental Music, abge- 
theilt in 7 Sonaten, wovon jede Sonate 7 bis 8 Minuten dauert, nebst 
einer vorhergehenden Introduction, zu lezt ein Terremoto, oder Erd- 
beben, diese Sonaten sind bearbeitet, und angemessen über die wort, 
So Christus unser Erleser am Creutz gesprochen, diese 7 wort heissen. 

das Erste wort. Pater, dimitte Ulis, quia nesciunt, quid faciunt. 
das 2 te — hodie mecum eris in Paradiso. 

— 3" — Mulier, Ecce filius tuus 

4* — Deus meus, Deus meus, ut s dereliquisti me? 

5 te — Sitio. 

6' — Consumatum [sie] est. 

7 te — In manus tuas commendo Spiritum meum. 

gleich darauf folgt der Schluß, nemblich das Erd- 
beben. 

Jedwede Sonate, oder Jedweder Text ist bloß durch die Instrumental 
Music dergestalten ausgedruckt, daß es den unerfahrensten den tiefesten 
Eindruck in Seiner Seel Erwecket, das ganze werk dauert etwas über 
eine stunde, es wird aber nach jeder Sonate etwas abgesezt, damit man 
voraus den darauf folgenden Text überlegen köne; alle Sonaten zusam 
betragen in der Copiatur etwas mehr, wie eine meiner Sinfonien, es wird 
sich das ganze auf 37 bogen schreiberey belauften, die Instrumenten 
dabey sind wie bey meinen Sinfonien, item hab ich noch 3 ganz neue 
niedliche Notturni 6 mit ein. [einer] Violin obligat, aber gar nicht schwer, 
mit einer Flaute, Violoncell, 2 Violin Ripieno, 2 Waldhorn, Viola, und 
ContraBasso. 

162 



wollen Sie von allen diesen etwas verlangen, so werden Sie die gute 
haben mir solches, und zugleich die Summa, was, und wie viel Sie mir 
dafür geben wollen, baldigst zu wissen zu machen, die 7 Sonaten sind 
schon auf klein Post Papier rein, und sauber Copirt. in Erwartung also 
einer andworth bin ich mit allen Estime 

Dero 

ganz Ergebenster dienet 
Joseph Haydn mppria 
bitte mir in französischer spräche zu andworten. 

Ich verhoffte Sie zu Ende dieses Jahres selbst zu sehen, da ich aber 

bis jezo von Herrn Cramer 7 noch keine andworth erhalten, werd ich 

mich für diesen winter nach Neapel Angagiren. 8 unterdessen sage ich 

vilen danck für das mir offerirte quartier. 

[Adresse nach Pohl HiL, }j6, vermutlich auf dem (heute verschollenen) 

Umschlag:] 

To Mr. Will. Forster. 

Musical-Instrument-Maker to the Prince of Wales, 

N. 348, Strand. 

(Autograph) unter den nachgelassenen Papieren des Verlegers Forster: B.M. (Sign. Eg. 
2380 Fol. 1-2). Eine Fotokopie wurde uns von H. CR. Landon zur Verfügung gestellt. ED: 
Pohl, HiL jjj (nicht ganz buchstabengetreu, aber im wesentlichen zuverlässig). (eÜb) 
Landon CCLN }$-6o. 

1. Haydn meint damit die 1785-86 komponierten sog. „Pariser Sinfonien" (Nr. 82-87). 
— • 2. Das berühmte Klavierkonzert in D-Dur, Hob. XVIII: 11. — 3. Kleinere Klavier- 
trios, vermutlich frühere Werke aus der Zeit um 1760. — 4. Vermutlich die Klaviersonate 
C-Dur (GA Nr. 48). — 5. Hier hat Haydn das Wort „quid" vergessen. — 6. Es ist nicht 
ganz klar, welche Werke Haydns damit gemeint sind; es kann sich entweder um die (durch 
Artaria veröffentlichten) Divertimenti Op. 3 1 oder aber um eine teilweise Transkription 
der Lyrenkonzerte für König Ferdinand IV. von Neapel handeln. Vgl. Landon CCLN 60 
Fußn. r. — 7. Cramer: der aus Mannheim gebürtige Violinist Wilhelm Cramer (1745-1799) 
kam 1772 nach London, wo er sich als Solist, Konzertmeister (und auch als Impresario) 
einen geschätzten Namen verschaffte. Vgl. Pohl HiL ß2Sff. Bereits um diese Zeit (1787) 
scheint er Haydn nach London eingeladen zu haben. • — 8. Die 1786 komponierten Lyren- 
konzerte haben König Ferdinand so begeistert, daß er Haydn eine Einladung nach Neapel 
zukommen ließ. 



163 



82. Friedrich Wilhelm II., König von Preussen, an Haydn 

[Potsdam, den 21. April i787] 

S' König/. 1 Maj. [ Majestät] von Preußen etc. etc. gereichet die Attention,* die der 
Herr Capellmeister Hay den Höchst Derselben, durch Uebersendung von sechs 
neuen Symphonien 1 bezeigen wollen, %u gan% besondern Wohlgefallen, und es ist 
ohne Zweifel, daß Allerhöchst Dieselben von jeher die Werke des Hrn. Capell- 
meisters Hay den t(u schätzen gewußt, und jederzeit schätzen werden. Um 
es demselben thätig %u beweisen, übersenden Sie ihm beykommenden King, als ein 
Zeichen Höchst dero Zufriedenheit, bleiben ihm auch in Gnaden erwogen [rede: 
gewogen].* 

Potsdam den 21. Aprill ij8y. 

F. Wilhelm. 

O verschollen. ED: Wiener Zeitung, 6. Juni 1787, i})S. Ermittelt und erstmals neu ver- 
öffentlicht bei Hoboken 408. Der von Dies 71 mitgeteilte und nach ihm vielfach (u. a. 
Pohl 11, Z24 usw.) nachgedruckte Text ist an mehreren Stellen willkürlich geändert, daher 
unbrauchbar. 

I. „Königl." fehlt bei Dies. — 2. Dies: „abermahlige Attention" (willkürlicher Zusatz von 
Dies?). — 3. Dies (und alle ihm folgenden Mitteilungen) haben hier das Wort „Symphonien" 
willkürlich durch „Quartette" ersetzt; offenbar im Hinblick auf die Preußischen Quartette 
Op. jo, die aber zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht fertig komponiert waren. Der könig- 
liche Dank galt diesmal offenbar einer Zusendung der Pariser Sinfonien (Nr. 82-87). ~ 
4. Dies gibt hier die (sinngemäß bessere) Lesart „gewogen". 



8 3 . Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 26" 1 April 1787 
Liebster Freund! 

Danke unendlich für die unverhofften 12 Ducaten, ein Zeichen Ihrer 
Freundschaft, meiner, und Ihrer Bemühung, hoffe, dergleichen öfters durch 
meinen Fleiß zu erlangen, besonders wan Sie mir als wahrer Freund, 
und als Rechtschaffener Mann mir offenherzig gestehen, wer derjenige 
seye, So Ihnen meine neuen Sinfonien angetragen, 1 ich schwöre Ihnen 
bey meiner Ehre denselben nicht ein Worth davon zu melden, Da aber 
ein solcher Diebstahl mich fernerhin sehr unglücklich machen kan, wobey 
auch Sie vielleicht künftighin schadn leyden konnten, so befiehlt es Ihr 



164 



Gewis[sen], 2 mir hirin die Wahrheit zu gestehen, und diesen gefährlichen 
unterschleif mir noch bey Zeit zu entdecken, mit meiner Versicherung, 
daß ich Ihnen ewig dankbahr seyn werde, ich erwarte demnach mit 
schmerzena uf eine baldige Andworth, worüber ich Ihnen nochmals das 
weitere wegen den Sinfonien erklären werde, bin mit vorzüglicher 
Hochachtung 

Dero 

ganz dienstfertigster diener 
Joseph Haydn. 
[Keine Adresse. Außen Archivvermerk:] 
Haydn di Esterhaz 
26 Apl. 1787 / ris. 27 dto 

O.-Das Autograph war 1909 noch im Artaria-Archiv. Dann kam es (wann?) in den Besitz 
von Heinrich Hinterberger (bis 1953). Als gegenwärtiger Besitzer wird Rudolph Kallir 
(New York) vermutet. ED: Nohl 97. Art-Rot. 48 (nach dem emendiert); (eUb) London 
CCLN 61 und unsere Ausgabe stützen sich auf den Text von Art-Rot. 
1. Es kann sich nur um die sog. Pariser Sinfonien Haydns (Nr. 82-87) handeln, die von 
einem Unbekannten (vermutlich dem im nächsten Brief genannten Ludwig) Artaria zum 
Kaufangeboten wurden. Der Kommentar von Nohl 97-98, der diesen (in Wien verübten) 
Diebstahl mit der Pariser Reise von Jobann Tost in Zusammenhang bringt, ist abwegig. 
Tosts Pariser Geschäftsreise fiel ins Jahr 1789, also gute zwei Jahre später als dieser 
Brief. ■ — 2. Gewissen: Nohl liest hier „Gewinnst", Art-Bot.: „Gewiss", wobei sicherlich die 
,,-en"-Sdhleife am Wortende übersehen wurde. Diese selbstverständliche Emendation 
ergibt sich aus dem Zusammenhang. 



84. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras. den 2 ten May 1787. 

HochEdl gebohrner 

Sonders hochzu verEhrender Herr! 

Bin ungemein erfreuet über die Unwahrheit in betreff meiner Sinfonien, 
ich erwarte täglich ein schreiben aus Paris; sobald ich die erlaubnuss haben 
werde, sollen Sie ganz allein damit bedienet werden. 1 
übersende den brief aus Wallerstein. 2 ich möchte mit der zeit wissen, 
wer dieser Ludwig ist, 3 es hat aber keine Eyle. Sie werden mit nächsten 

165 



erfahren von einem Present, welches ich ganz unverhofft von einem sehr 
grossen überckomen habe. 4 unterdessen bin ich in aller Hochachtung 

Dero 

ganz dienstfertigster Diener 
Joseph Haydn mppria. I 

P. S. Es hat mir ein Junger Componist in wienn mit Nahmen Joseph 
Eybler 5 3 Ciavier Sonaten v. Seiner Composition gezeugt, welche gar 
nicht übl gesezt sind, und zugleich gebetten, daß ich diese 3 Sonaten 
Ihnen zur beförderung des Druckes, oder Stiches anReccomendiren 
möchte, der Junge Mann verspricht sehr viel, spielt selbst gut das Ciavier, 
und hat viel Kentniß in der Composition. solten Sie ein belieben haben 
seine werke weiters Examiniren zu lassen um hiedurch keines Verlursts 
sich aus zu setzen, so könen Sie das mehrere mit Ihme selbst sprechen. 
Er wohnt auf dem Hoh[en] Markt in Juden Gässl, im Lagenhof [?] N ro 500 
in 2 tn Stock bey Herrn Höbert [?] 6 Silberarbeiter. 
[Keine Adresse.] 

O; Das Autograph wurde (aus dem Besitz von A. Posonyi) durch Fr. Cohen (Kat, Posonyi 
Nr. 474) versteigert -> Budapest, N. B. Szechenyi, Handschriftenabt. Ep. Mus. 286/5. 
K. Pohls im Archiv der GdMf. ED: Nohl 98-99 (unvollständig). Art-Bot. 49-JO (aus Nohl 
übernommen) ; (eÜb) Landon CCLN 6z und unsere Ausgabe stützen sich auf das Autograph 
in Budapest. 

1. Artaria wollte die für Paris komponierten Sinfonien (Nr. 82-87) Haydns in Wien ver- 
öffentlichen, wozu er eine spezielle Erlaubnis aus Paris benötigte. Diese mußte bald einge- 
troffen sein, denn die Ausgabe Artarias ist noch Ende 1787 erschienen. — 2. Haydn stand 
mit dem Wallersteinischen Hof in reger Verbindung (vgl. unsere Briefe Nr. 40 und 103 
usw.). — 3. Art-Bot. 49 und (eÜb) L.andon CCL.N 62 vermuten, daß dieser Ludwig (dessen 
Identität wir nicht bestimmen können) der Täter des mit Haydns Sinfonien verübten 
Diebstahls gewesen sei; dies geht aber aus dem Zusammenhang des Briefes nicht ganz 
eindeutig hervor. — 4. Es handelt sich um den Ring, der Haydn vom preußischen König 
Friedrieb Wilhelm II. übersendet wurde (vgl. den Brief Nr. 82). — 5. Der damals noch 
junge Joseph Eybler (1765-1846), von Haydn und Mozart gleich hochgeschätzt, wurde 
später, 1804 zum Vizehofkapellmeister und nach Salieris Tod, 1824 zum Hofkapellmeister 
ernannt. — 6. Höbert: dieser Name ist sehr unklar, kaum lesbar geschrieben. Er kann 
ebensogut auch Göbert oder Döbert gelesen werden. 



166 



85. Haydn an den Komponisten Joseph Eybler,' Wien 

Estoras. den z tn May / 1787. 

Wohl gebohrner 

Hochzu verEhrender Herr! 

Dero Erstes schreiben hab ich gar nicht erhalten, das 2 te aber — welches 
nicht datirt war, hab ich mit Vergnügen durchgelesen, und Ihr Verlangen 
dem Herrn Artaria mit heutigen Post tag best möglichst, So, wie Sie es 
in der that verdienen, anEmpfohlen. solte Herr Artaria von demselben 
keine meidung machen, so werden Sie die gute haben zu Ihme selbst zu 
gehen, welcher nachmals das mehrere mit Ihnen sprechen wird. Ich 
mache es mir zur Pflicht Ihnen in allen Fällen zu dienen, und bin mit 
besonderer Achtung 

Dero 

ganz dienstfertigster diener 
Josephus Haydn mppria 
[Keine Adresse erhalten] 

O (Autograph): New York Public Library. Eine Fotokopie wurde uns durch H. C. R. 
Landon zur Verfügung gestellt. ED: (eÜb) Landau CCLN 62-6}. 
1. Über J. Eybler vgl. unsere Notiz zum Brief Nr. 84. 



86. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras. den iy ta May 1787. 
Werthester freund! 

Berichte, wie daß ich das 4" quartett 1 schon verfertiget habe, und künffti- 
gen freytag ganz sicher übermachen werde: nun hab ich Ihnen etwas 
wichtiges vorzutragen. Sie wissen, daß ich von S r Majestät dem Konig 
v. Preussen einen schönen Ring überkomen habe, [gestrichen: „gegen"] 
über welches Present ich mich gegen Höchst demselben in die verbind- 
lichste läge gesezt sehe, ich hingegen kein bessere und schönere gelegen- 
heit, um meine dankbahrkeit Höchst demselben und in Augen der ganzen 
weit an tag zu legen, treffen könte, als wan ich diese 6 quartetten S r 
Majestät dediciren könte. für mich wäre die sach trefflich, aber Sie wür- 

167 



den damit nicht zufrieden seyn, weil Sie selbst willens sind, jemanden 
anderen zu dediciren. 2 um aber Ihnen diesen Schaden zu ersetzen, ver- 
pflichte ich mich Ihnen andere stücke unentgeldlich zu liefern. lassen 
Sie mir hierüber Ihr gutachten zu wissen machen. Vielleicht könen wir 
beede befriediget werden. bin in Eyl '' 



Ihr 



ganz gehorsamster 
Joseph Haydn mppria 



[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur d'Artaria et / Compag. 

ä / Vienne. 
[Archivvermerk Artarias:] Haydn, Giuseppe / Esterhase 19 Mag / 87 

O: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCLN 324 festgestellt: 1917 im Kat. 
Nr. 353 von Maggs Bros. (mitFaks.) -»• 1921 daselbst, Kat. 411, Nr. 1867 mitFaks. -*■ 1924 
daselbst, Kat 449, Nr, 217 mit Faks. ->■ K, E. Henrici Auktionskat. XCVII (Nov, 1924) 
Nr. 52 ->■ V. A. Heck ->• Heinrich Hinterberger (bis 1953) -> ? Als gegenwärtiger Besitzer 
wird Rudolph Kallir (New York) vermutet. ED: (eÜb) Landon CCLN 6}.¥aks. in Geigy- 
Hagenbach, Handschriften berühmter Persönlichkeiten, Basel 1925, S. 247. Eine Foto- 
kopie des Autographs wurde uns durch H. C. R. Landon zur Verfügung gestellt. 
1. 4h quartett: aus der Serie Op. 50. — 2. Aus dem Briefwechsel geht nicht hervor, wem 
Artaria diese Quartette eigentlich dediziert haben wollte. Schließlich hat er aber Haydns 
hier ausgesprochenem Wunsch nachgegeben und die Serie mit der Widmung an den 
preußischen König herausgebracht. 



87. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras. den io tn Juny 1787. 
Liebster freund! 

Da ich das 5 " quartett diese woche noch verfertigen werde, So versichere 
ich Sie, daß Sie beede quartetten bis morgen über 8 tag richtig erhalten 
werden, und endlich das 6 te in kurtzer zeit. Heute las ich in der Zeitung, 
daß meine 7 wort schon in stich sind, bitte derohalben [deroselben ?] 
mir nur ein einziges Exemplair zu übersenden. Habe erfahren, daß wür 

168 



die Ehre haben werden Sie bald selbst bey uns zu sehen, welches mich 
herzlich erfreuen wird, unterdessen bin ich mit aller Hochachtung 

Dero 

ganz dienstfertigster diener 
Josephus Haydn mppria 

[Keine Adresse erhalten] 

0: Die Vorbesitzer des Autographs sind durch London CCLN 324 festgestellt: Samml. 
Arthur Hill ->■ Auktionskat. Sotheby 16-17 (J UQ i T 947) Nr. 235 (mit Faks.) ->■ Maggs 
Bros. -»■ ? ED: (eÜb) Landon CCLN 65-64. Eine Fotokopie des Sotheby-Faksimiles ist 
uns durch H. C. R. Landon übermittelt worden. 



88. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

[Estoras, den 21. Juni 1787] 

Hoch und wohlgebohrner 
Sonders Hochzu verEhrender Herr! 

Ich habe die 7 Wort sowohl im ganzen, als auch in quartet und den 
Ciavier Auszug selbst übersehen, corgirt, da ich solches wegen der 
Grösse des Paquets mit den heutigen Husarn nich abschicken konte, so 
werden Sie alles zusam wie auch das 4 te und 5'" quartett längstens bis 
Sontag mit der verwittibten Fürstin v. Liechtenstein, oder Graf v. Lam- 
berg erhalten. 1 es ist mir leyd daß Ihnen die Berliner zuvor kommen 
sind, 2 daran aber werden Sie selbst schuld seyn, dan 3 durch mich haben 
Sie es nicht erhalten. wegen der Dedication der quartetten 4 an S e Mayj. 
den König v. Preussen wäre es mir am liebsten, wenn Sie selbst durch 
Jemanden Vernünftigen in Wienn dieselbe aufsetzen Hessen, aber kurtz 
und bindig. am besten könnte Ihnen der Minister Herr v. Jacoby' dazu 
verhülf lieh sein. Sie dürfen Ihn auch im Nahmen meiner bitten, ein wel- 
ches ich künftigen Montag selbst Hochdemselben überschreiben werde. 
unterdessen 6 können Sie die quartetten ankündigen lassen auf Ihre Pre- 
numeration.' 
Wollen Sie die 3 Ersteren Sinfonien 8 von mir haben, so lassen Sie mir 

169 



Ihre meinung zu wissen machen, unterdessen bin ich mit aller Hoch- 
achtung 

Dero 

ganz ergebenster diener ■ 

Joseph Haydn [mppria] ' 

Estoras den 2i tn Juny 1787. 
[Keine Adresse ? — Außen Archivvermerk Artarias:] 

Haydn Giuseppe / di Esterhazi / 21 Giug 87 / ris. 5 Lugl. 

(Autograph) 1909 noch im Besitz der Firma Artaria; dann (bis 1953) im Besitz von 
Heinrich Hinterberger. Gegenwärtiger Besitzer vermutlich Rudolph Kallir (New York). 
ED: Nohl pp-100 (unvollständig, unbrauchbar). Art-Bot. 40-41 (vollständig, aber mit 
mehreren Fehllesungen, welche durch unsere Ausgabe emendiert werden konnten); 
(eÜb) "London CCLN 64. 

1. Mit der Fürs/in V.Liechtenstein ist sicherlich die Witwe des Staatsmannes Joseph Wendel 
L. (1696-1772) gemeint. Graf v. Lamberg war ein Neffe des Fürsten Esterhäzy. — 2. Es ist 
nicht klar, mit welcher Publikation „die Berliner" (d. h. ein Berliner Verleger) Artaria 
zuvorgekommen sein sollten. Keines der in dieser Zeit entstandenen Haydn-Werke ist in 
Berlin früher erschienen als bei Artaria. Hoboken 843 bezieht diese Bemerkung auf 
den Klavierauszug der Sieben Worte, dessen Hummelsche Ausgabe aber erst 10 Monate 
nach Artaria, im Mai 1788 in Berlin angezeigt wurde. London CCLN 64-6 'j Fußn. 4 bezieht 
sie auf das erste Heft der Pariser Sinfonien, welches ungefähr gleichzeitig, im Dez. 1787, bei 
Artaria und Hummel erschien; woher konnte dies aber Haydn ein halbes Jahr früher 
erfahren haben? Auch die Preußischen Quartette Op. jo sind bei Hummel erst nach der 
Publikation bei Artaria erschienen. — • 3. Nohl: „dann"; Art-Bot.: „den"; unsere Lesung 
ist aus einem Vergleich dieser zwei Lesarten logisch kombiniert. — 4. quartetten: so bei 
Nohl; Art-Bot. lesen „Quartetts", was offenbar eine Fehllesung der Abkürzungsschleife 
,,-en" am Wortende bedeutet. — 5. Über den preußischen Gesandten in Wien, Konstantin 
von Jacobi,Ygl. unsere Notiz zum Brief Nr. 79. — 6. Art-Bot.: „unterdeß" (die Schleife 
am Wortende ist nicht aufgelöst). — 7. P renumeration: emendiert aus dem sinnlosen ,,Pro- 
numeration" bei Art-Bot. — 8. Es handelt sich hier wieder um das erste Heft der Pariser 
Sinfonien, welche Artaria in zwei Gruppen zu je 3 Sinfonien als Op. 51 (bzw. 52) ver- 
öffentlichte. Vgl. dazu noch unseren Brief Nr. 94 vom 2. August 1787. 



170 



89. . Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 23'° Juny 1787 
Liebster freund! 

Übersende die Correctur der 7 worth in allen 3 gattungen. 1 unter anderen 
belobe ich den Ciavier auszug, welcher sehr gut und mit besonderem 
Fleiß abgefaßt ist. mir wäre es sehr lieb wenn die wort Fi — lius 2 der 
3* n Sonate eben auf solche arth in der Violin primo stimm in ganzen 
orchest könnten ausgedehnt werden, wie ich es im quartett anzeigte. 
Hier folgt das vierte quartett, das 5 le werden Sie ganz sicher die umgehende 
Woche erhalten. 5 

bin wie allzeit 
Dero 

ganz gehorsamster 
Haydn. 
NB. in der Viola ist das 
letzte Stück il Terremoto 
gar nicht gestochen 
[Keine Adresse ? — Archivvermerk Artarias:] 

Haydn Giuseppe / Esterhaze 23 Giun / 87 / ris. 5 Lugl. 

O (Autograph) bis 1953 im Besitz von Heinrich Hinterberger. Gegenwärtiger Besitzer 
vermutlich Rudolph Kallir (New York). (Das Autograph was uns nicht zugänglich.) 
ED; Art-Bot. 41-42 (nach dem Autograph). (eÜb) London CCLN 6j. Unsere Ausgabe 
stützt sich auf die Textfassung bei Art-Bot. (mit gewissen Emendationen). 
1. in allen } gattungen: d. h. in der Orchesterfassung, als Quartettserie und im Klavier- 
auszug. — 2. Fi-lius: bei Art-Bot. (und ihnen folgend bei Landon CCLN) irrtümlich ver- 
lesen als „Fr -lim". — 3. Das fünfte Stück aus Op. 50. 



90. Haydn an den Verleger William Forster, London 

[Estoras, den 28. Juni 1787] 
Monsieur! 

Je vous envoire [sie] la Musique, Composee, d'apres les sept dernieres 
paroles, que Jesus Crist pronomer sur la Croi. pour les quelles je laisse 
a votre disposition, de m'envojer, ce que vous jugerez que j'ai merke. 

171 



J'espere, que jauroi peut etre la satisfaction de vous voir cet hiver, en 
attendant je suis tres parfaitement 

Monsieur 

Votre tres humble et 

obeiss' serviteur i 
Joseph Haydn mppria. 
Estoras le 28 Junj 1787. 

[Keine Adresse; der Brief wurde offenbar mit den Sieben Worten zusam- 
men in einem Paket expediert. Auf der leeren Rückseite Notiz Forsters 
über den Empfang:] arr. 16 July. 

(Autograph) unter den nachgelassenen Papieren des Londoner Verlegers Forster, B. M. 
Eg. 2380, Fol. 3-4. Eine Fotokopie davon ist uns durch H. C. R. Landon übermittelt 
worden. Zitate daraus bei Hoboken 847. ED: Sandys-Forster HV jozjf. (eÜb) Landon 
CCLN 6j. Unsere Ausgabe stützt sich auf das Autograph (Faks.: Landon CCLN Tafel 17). 



91. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 12" 1 Julj / 1787 

Wohlgebohrner 

Sonders Hochzu verEhrender Herr! 

Übersende unterdessen] das 6 te quartett. 1 Aus mangl der Zeit hab ich 
das 5 te noch nicht setzen können, unterdessen aber ist dasselbe schon 
componiert. ich hätte gerne die quartette von den 7 wort Übermacht, 
ich fand aber noch keine gelegenheit, doch hoffe ich bald eine zu erfragen. 
Die Sinfonien' werd ich Ihnen nach Anna 3 selbst überbringen bin unter- 
dessen mit aller Hochachtung 

Dero 

ganz dienstfertigster diener 
Joseph Haydn [mppria] 
[Keine Adresse. Außen Archivvermerk Artarias:] 
Haydn Giuseppe / Esterhaze 12 Lugl. / 87. 

O (Autograph) bis 1909 im Geschäftsarchiv Artaria; danach (bis 1953) bei Heinrich Hinter- 
berger. Gegenwärtiger Besitzer vermutlich Rudolph Kallir (New York). ED: Art-Bot. 42 

172 



(aus dem Autograph). (eÜb) Landon CCL.N 66 und unsere Ausgabe stützen sich auf die 
Textfassung bei Att-Bot. 

i. das 6 ie quartett: aus der Serie Op. 50. — 2. Die Sinfonien: die ersten 3 Pariser Sinfonien 
(Nr. 82-84). — 3- St. -Annen-Tag: der 26. Juli. 



92. Haydn an den Opernunternehmer John Gallini, 1 London 

[Estoras, 19" 1 July 1787] 
[Das Original dieses in italienischer Sprache abgefaßten Briefes ist ge- 
genwärtig unzugänglich. Seinen Inhalt kennen wir aber aus einem fast 
wörtlichen Auszug (in englischer Übersetzung) im Auktionskatalog 
Sotheby vom 2. März 1905:] 

... I acknowledge to have received your letter dated the i6 th of last 
June 2 and then, when I thought to have heard of your offers, you request 
once more to know my terms. So I teil you this: that I promise and 
commit myself to write a new opera and to assist at your concerts in 
Hanover Square, and my final demand for this is £ 500 stirling [sie] and 
a free benefit concert. And in giving me that sum within a limited time, 
I shall be entirely at your Service during the contract. If, on the other 
hand, you can agree with Mr. Gramer' and his Associates that between you 
the sum of £ 500 shall be made up, I will write a new opera for you, assist 
at your concerts in Hanover Square, and I will compose for Mr. Cramer 
and his Associates six pieces of instrumental music, and in that case, each 
of you must give me a free benefit; so that if you choose to have me alone, 
I ask £ 500 and only one free benefit. If, on the other hand, with Cramer 
& c, the same sum of £ 5 00 and two benefits, i. e. one from you and 
another from Mr. Cramer and his Associates. If you come to an agreement 
with each other for this sum, I am ready to comply with your request, 
and as soon as it is settled, I oblige myself by these presents to execute 
the commission, and give you authority to announce my arrival in the 
public newspapers. I desire nothing more at present than the pleasure of 
knowing you personally, as I have hitherto by reputation, and look for- 
ward to putting my modest talents at your disposal .... 

Giuseppe Haydn. 

0: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCLN )Z4 festgestellt: 1908 durch 
Sotheby, Wilkinson & Hodge (Auktionskat, vom 2. März 1905 Nr. 569) versteigert -> 

173 



J. C. Murray -*■ Auktionskat. Sotheby, 6. Febr. 1920, Nr. 206. -»■ Lacroix (unzugänglich). 
Unsere einzige Quelle ist die (anscheinend nahezu vollständige) englische Übersetzung 
im Auktionskat. Sotheby aus 1905; danach (eÜb) Landon CCLN 66, 
1. Sir John Gallini (fi 805) war Direktor und Impresario der italienischen Oper in London. 
Er hat u. a. die Oper Uanima del filosofo für seine Unternehmung bei Haydn bestellt. Vgl. 
unsere Briefe Nr. 159 und 169 an L. Polzelli. Die Biographie Gallinis ist bei Pohl HiL, 
}}J-}}6 zu finden. — 2. Dieser Brief Gallinis ist (wie fast alle an Haydn gerichteten Briefe) 
spurlos verschollen. — 3. Über den Konzertmeister und Impresario Wilhelm Cramer 
(1745-1799) vgl. unsere Anmerkung zum Brief Nr. 81. Eingehender über ihn vgl. Pohl 
HiL )zSjf. 



93. Haydn an den Kapellmeister Georg Anton Kreusser, 1 Mainz 

Estoras. den 28" 1 Julj / 1787. 

Wohl Edl gebohrner 

Sonders hochzu verEhrender Herr! 

Ich Nehme mir die Freyheit Sie höflichst zu ersuchen, gegenwärtige zwey 
Sinfonien 2 S er Hochfürstl: Durchlaucht Ihren gnädigsten Fürsten in 
meiner tieffesten unterthänigkeit zu überreichen, und da Höchst Derselbe 
neuerdings den ertrag 3 aller bishero eingesandten Musicalien zu wissen 
verlangte, so erdreiste mich Höchst Demselben die Auslage der Copiatur 
per 50 gülden, dan für meine zwar unverdiente mühe hundert thaller 
gehorsamst anzuzeigen. Solte ich aber durch diese forderung Ihren Alier- 
gnädigsten Fürsten nur in geringsten beleydigen, O so verlang ich keinen 
kreutzer. ich schätze mich allein glücklich die hohe gnade zu gemes- 
sen, daß Höchst Derselbe sich würdigen möge meine geringe arbeithen 
anzu hören. 

in anempfehlung dieser zweyen Sinfonien in Ihre tiefen [sie] 4 einsieht, 
und der ausübung derselben bin ich mit vorzüglichster hochachtung 

Euer wohl gebohrn 

ganz Ergebenster diener 
Josephus Haydn mppria 

[Keine Adresse; Umschlag nicht vorhanden] 

0: Das Autograph lag 1938 im Geheimen Staatsarchiv Berlin (Rep. 110 B59-b). Eine Foto- 
kopie ist uns durch Herrn E. H. Müller v. Asow (IMBA) zur Verfügung gestellt worden. 
ED: Sandberger, Zeitschrift für Musik Nr. 10 j (De%. 1938) Heft 12, I}z8 (mit kleinenXese- 

174 



fehlem und nicht ganz buchstabengetreu). Danach Geiringer/2, yi; (eÜb) London CCLN 67 
(nach dem Autograph). 

1. Der Adressat des Briefes ist auf dem Autograph selbst nicht angegeben. Aus der Fund- 
stelle (unter den Archivalien des Mainzer Kurfürsten) geht aber hervor, daß er eine musika- 
lische Vertrauensstellung beim Mainzer kurfürstl. Hof innehaben mußte. Sandberger, 
der den Brief erstmals veröffentlichte, dachte hierbei an den Mainzer Hofkapellmeister 
/. Michael Schmid (der aber damals schon sehr alt, wenn überhaupt noch am Leben war) 
oder an den für die Anschaffung der Musikalien verantwortlichen kurfürstlichen Konzert- 
meister Georg Anton Kreußer. Seit 'London CCLN 68 wird allgemein dieser Kreußer (1743- 
1810) als Empfänger von Haydns Brief betrachtet. Er war von Leopold Mozart hoch- 
geschätzt und auch mit W. A. Mozart bekannt. Über ihn vgl. MGG VII, Sp. iyyzff. — 

2. Welche 2 Sinfonien Haydn hier dem Kurfürsten anbietet, ist nicht ganz eindeutig zu 
bestimmen. Sandberger und Larsen HÜb pj denken an zwei nicht näher identifizierbare 
Stücke aus der Pariser Serie, welche Haydn um diese Zeit mehreren Interessenten anbot 
(vgl. unsere Briefe Nr. 94-95); Hoboken ijf denkt an die 1787 komponierten zwei aller- 
neuesten Sinfonien (Nr. 88-89). Die Frage läßt sich heute endgültig nicht entscheiden. — 

3. Sandberger und Geiringer/2 irrtümlich: „antrag". — 4. An dieser Stelle schrieb Haydn 
ursprünglich Ihrer tiefen einsieht. Später hat er davor das Wort „in" über der Zeile eingefügt 
und „Ihrer" richtig auf Ihre verbessert, ohne aber die hierdurch fällig gewordene Korrektur 
in tiefe, anstelle des ursprünglichen (wie üblich, abgekürzt geschriebenen) „tiefen" zu voll- 
ziehen. Sandberger und Geiringer geben nur den bereits verbesserten Text. 



94. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 2 tn August 1787 

Wohl gebohrner 

Sonders Hochzu verEhrender Herr! 

Ich vergasse lezthin die Ordnung der Sinfonien 1 anzuzeigen, und müssen 

solche folgenderarth gestochen werden. Die Sinfonia Ex A Numero 1. 

Ex b fa N r 2. Ex g N 1 3. Ex Es N r 4. Ex D N r 5. Ex C N 1 6. 

Die Ersten 3 können Sie nach Ihrem Versprechen in 3 Monath gestochener 

heraus geben, nur bitte ich wan es änderst möglich mit den letzteren 

3 noch etwas stärker zu warten. 

Sie müssen demnach Die Jenigen so Sie die Sinfonien abgeschriebener 

zuschücken nachdrücklichst ersuchen, solche nicht weiterzugeben. 

Nun bitte ich Sie, wan es änderst seyn kan, mir den Ciavierauszug deren 

7 Worten für einen meiner ganz besonderen Freunden abschreiben zu 

lassen, ich versichere Sie auf meine Ehre, Ihnen dadurch nicht den 

175 



geringsten schadn zu zufügen. Die Copiatur werd ich alsogleich bezah- 
len, möglich bitte mit das Portrait der Morichelli, Salieri* zu schücken. 
Verbleibe unterdessen mit aller Hochachtung 

Dero 

i 

ganz dienstfertigster dienef 
Jos: Haydn 
[Außen Adresse:] 

Monsieur 
Monsieur d'Artaria et / Compag / ä 

Vienne. 
[Archivvermerk Artarias:] Haydn Giusepe / Esterhaze 2 Agt / 87 

(Autograph) bis 1909 im Besitz von Artaria; dann (bis 1953) bei Heinrich Hinterberger; 
gegenwärtiger Besitzer ist vermutlich Rudolph Kallir (New York). ED: Art-Bot. jo-ji 
(nach dem Autograph). Unsere Ausgabe — ebenso wie (eÜb) L,andon CCL.N 68 — stützt 
sich auf den Text bei Art-Bot. Als dieser Brief seinerzeit von Jahn kopiert wurde, hat ihm 
noch ein besonderer (heute offenbar verschollener) Zettel (von der Hand Artarias?) 
beigelegen, über dessen Inhalt Jahn zu berichten weiß (zitiert von XJnverricht GBT //): 
„Auf e. beil. Zettel v. anderer Hand ist d. Ordng. 1 in C, 2 in G, 3 in Es, 4 in B, 5 in D, 
6 in A" (diese Reihenfolge entspricht der — nicht chronologischen — endgültigen Ordnung 
des Artaria-Druckes und der späteren Gesamtausgabe). 

1. Es handelt sich um die Reihenfolge der Pariser Sinfonien (82-87). Die von Haydn hiermit 
vorgeschlagene Reihenfolge (welche der Folge Nr. 87, 85, 83, 84, 86, 82 entsprechen 
würde) ist von Artaria nicht respektiert worden: in seiner Erstausgabe (Op. 51, 52) er- 
schienen diese Sinfonien in der Reihenfolge der (späteren) GA, welche von Mandyczewski 
offenbar auf Grund des Artaria-Druckes festgelegt wurde und der Chronologie der Ent- 
stehung (wie sie sich aus den Datierungen der Autographe ergibt) nicht ganz genau 
entspricht, da sich auf den Autographen von Nr. 87 und 83 die Jahreszahl 178 j, auf jenen 
von Nr. 84, 86, 82 das Datum 1786 befindet (das verlorene Autograph von Nr. 85 war 
vermutlich mit ij8j datiert). Es scheint also, als ob Haydn eine gewisse chronologische 
Ordnung der Sinfonien im Druck gerne gesehen hätte, sein Wunsch aber von Artaria 
(aus unbekannten Gründen) nicht respektiert wurde. Zu diesem Problem vgl. die Tabelle 
bei Hoboken 1)6. — 2. Die Sängerin Anna Morichelli ist unserem Meister später in London 
begegnet, wo sie in seinem Benefizkonzert sang (vgl. weiter unten im Text des IV. Lon- 
doner Notizbuches; Pohl HiL 24 /, 288, 28$, }oi, 308); Hofkapellmeister Antonio Salieri 
(1750-1825) war die einflußreichste Persönlichkeit im Musikleben des damaligen Wien. 
Beider Porträt war im Stich bei Artaria erschienen. 



176 



95. Haydn an den Verleger William Forster, London 

[Estoras, den 8. August 1787] 
Monsieur. 

J'espere, que vous aurez recu ma lettre, e la Musique de Sept paroles je 
vous fais a savoir, que je compose Six quartets, ed Six Sinfonie, 1 qui ne 
sont pas encore sortie de ma main, Si vous vuole les achte vous meme, 
aye la bonte de me le faire savoir par la premier occasion: je vous donne 
toutes les douze pieces pour vintcinq guines. je suis avec tout l'estime 
possible 

votre tres Humble Servit: 
Joseph Haydn mppria. 
Estoras. le 8' Aout 1787. 

[Adresse (und Poststempel der Ankunft in London „Au. 25"):] 
To M r Forster Musical / Instrument- Macker, to the 

Prince of Walet [sie] 
N ro 346 [sie] / in the Strand / ä 

London. 

O (Autograph): B. M. Eg. 2380, Fol. 5-6. BD: Sandys-Forster HV )02 ff und (eÜb) Landon 

CCLN 69. Durch H. C. R. Landon ist uns eine Fotokopie des Originals zur Verfügung 

gestellt worden. 

1. Dies sind die Serien (je 6) der Quartette Op. jo und der Pariser Sinfonien (Nr. 82-gy). 

Forster hat beide Werke in Verlag genommen und (fast gleichzeitig mit Artaria) in London 

veröffentlicht. 

Der Brief ist in lateinischen Lettern geschrieben. Über die Lesung der (nach deutscher Art) 

von Haydn lang geschriebenen „s" am Wortanfang vgl. unsere Notiz im Vorwort. — 

Die schlechte französische Orthographie Haydns haben wir genau nach dem Autograph 

wiedergegeben. 



96. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 16' 7 bri " [Sept.] 1787. 

Wohl Edler 

Sonders Hochzu verEhrender Herr! 

Aus mangl einer sicheren gelegenheit konte ich beyliegendes quartett 1 

177 



nicht eher einsenden, nun gottlob ich bin sehr froh, daß ich einmahl damit 
fertig geworden. 

bitte bey erster gelegenheit den abdruck deren Esteren [? Ersteren] zur 
Correctur einzusenden. 

bin mit aller Hochachtung i 

Dero 

ganz Ergebenster diener 
Joseph Haydn mppria. 

[Keine Adresse. Auf der Rückseite Archiwermerk:] Haydn Giuseppe 

0; Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCLN }2j festgestellt: EmiliaSucci, 
Bologna (Mostra Intern. 1888 Nr. 507) -> Leo Liepmannssohn Auktionskat. 6. Mai 1889, 
Nr. 505 ->■ Sammlung Floersheim-Koch (Muzzano-Lugano, Schweiz). ED: (eÜb) Landon 
CCLN 96. Unsere Ausgabe stützt sich auf eine von H. C. R. Landon übermittelte Kopie. 
1. beyliegendes quartett: Es handelt sich um das (anscheinend zuletzt komponierte oder 
kopierte) Quartett Nr. 5 aus Op. 50. 



97. Haydn an den Verleger William Forster, London 

[Estoras, den 20. September 1787] 

Monsieur! 

J'ai recü votre lettre avec un grand plaisir. je vous fais savoir, que j'ai 
recü de Mons: le general Jerninghan' [sie] cinq guine, mais vous verrez 
vous meme, que pour une tele Musique comme les Septs paroles, j'ai 
plus merke, vous pourrez bien encore me donnez au moins cinq guine. 2 
je vous envoies en attandant six quattuors,' pour les quels vous aures la 
bonte en egard au contrat de m'envoier Vingt guine sitot qu'il serä 
possible. je ne manquerai pas de vous envoier les Six Sinfonies 4 per la 
primier occasione. J'attend bien tot une reponse de vous, et je suis 
avec toute l'Estime possible 
Monsieur 

Votre tres humble obeiss' / Serviteur 
Joseph Haydn mppria. 
Estoras le 20 7 bre [Sept.] 1787. 

178 



Umschlag und Adresse sind nicht erhalten, offenbar aus dem Grunde, daß der Brief 
mit den Quartetten zusammen, in einem Paket von Haydn expediert wurde. Auf der 
Rückseite des Briefes notierte Forster (oder sein Angestellter): „With Haydn's 4 tos [quar- 
tettos] Op. 44"; dies ist eben jene Opuszahl, unter der Forster die übersandten Preu- 
ßischen Quartette dann tatsächlich veröffentlichte. 

(Autograph): B. M. Eg. 2380, Fol. 7-8. ED: Sandys-Forster HV }02 und (eÜb) London 
CCLN 70. Eine Fotokopie des Originals wurde uns durch H. C. R. Landon zur Verfü- 
gung gestellt. Auszugsweise zitiert bei Hoboken 847. 

1. Der schon im Dokument Nr. 75 genannte General Germingham, der zwischen Haydn und 
Forster vermittelte. Landon CCLN 70, Fußnote ) hat in seinem Kommentar zu diesem 
Dokument einen Brief des Generals Germingham an Forster abgedruckt, den er vom 
zj. August 1787 datiert und auf diese (damals in Gang befindlichen) Verhandlungen 
bezieht. Tatsächlich werden aber im Brief Germinghams weder die Sieben Worte noch die 
Quartette ausdrücklich genannt, und auch hinsichtlich der Lesung des Datums besteht 
eine gewisse Unklarheit: Unverricht GBT 61 liest die Datierung Germinghams (mit 
Vorbehalt) als 24. August 1781 (also volle 6 Jahre früher als Landon; nach dem unklaren 
Schriftbild sind beide Lesungen gleich gut möglich) und verlegt dadurch Germinghams 
Brief ganz an den Anfang von Forsters Verbindung mit Haydn. Diese Frage müssen wir 
zunächst offenlassen. — 2. Nach dem Zeugnis der Geschäftsbücher der Firma sind Haydn 
für die Sieben Worte vom Verleger insgesamt 10 Guineen bezahlt worden; Forster hat 
Haydn also auch die zusätzlich verlangten 5 Guineen nachträglich bezahlt. Vgl. Sandys- 
Forster HV ßio. — 3. Die als Op. 50 bekannten Quartette. Forster hat Haydn über das 
Verlagsrecht dieser Quartette einen Kontrakt unterzeichnen lassen. — 4. S ix S 'infonies: die 
Pariser Sinfonien (Nr. 82-87). 



98. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den f a 8 bl [Oct.] 1787 
Mon tres eher amj. 

Die quartetten," so ich eben heute abspielen lasse, werde ich Ihnen bey 
allererster gelegenheit übersenden, weil ich dieselben mit der brieftasche 
nicht überschicken kan. Ich erstaunte über Ihren vorlezten Brief wegen 
dem Diebstahl der quartetten. 2 ich versichere Sie bey meiner Ehre, daß 
solche von meinem Copisten, 3 der der aller Ehrlichste Kerl ist, nicht sind 
abcopirt worden, sondern Ihr eigener Copist ist ein Spitzbub, da Er 
diesen Winter dem Meinigen 8 Species Ducaten anerboten, wan Er Ihm 
die 7 wort zukomen last, ich bedaure, daß ich nicht selbst in wienn seyn 
kan, um denselben Arretiren zu lassen: meine Meinung wäre, den Herrn 
Lausch zum Herrn v. Augusti dermaligen Bürgermeister citiren zu lassen, 

179 



daß Er es gestehe, von wem derselbe die quartetten erhalten habe. Herr 
v. Augusti ist mein alter guter Freund und wird Ihnen hierinfals ganz 
sicher beystehen, so wie Er mir schon einmahl, in eben einer solchen 
Affaire beygestanden. ungeachtet Sie alles in Ihrem gewölb schreiben 
lassen können Sie doch betrogen werden, weil die Spitzbuben untenher 
a parte ein Blat Papier haben, worauf Sie unbemerkt nach und nach die 
vor sich liegenden stim abschreiben, mir ist sehr leyd, daß Ihnen diese 
Fatalität geschehen, in Hinkunft werd ich Ihnen zur Sicherheit meinen 
eigenen Copisten hinaufschicken, bin mit aller Hochachtung 

Dero 

ganz Ergebenster diener 
Haydn. 
[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur d'Artaria et / Compag. 

a / Vienne. 
[Archivvermerk Artarias:] Haydn Giuseppe 

Esterhaze 7 8 bre / 1787 / ris. 25. 8 bre . 

O: Das Autograph war 1909 noch im Besitze der Firma Artaria; dann (bis 1953) bei Hein- 
rich Hinterberger; gegenwärtiger Besitzer ist vermutlich Rudolph Kallir (New York). 
BD: Nohi 100 (unvollständig, mit mehreren Fehlern). Art-Bot. 43-44 (nach dem Autograph; 
nicht ganz buchstabengetreu, aber brauchbar); (eÜb) Landon CCLN 70-71 (nach Art-Bot.). 
— Unsere Ausgabe stützt sich auf den Text bei Art-Bot. 

Der letzte genau nachweisbare Besitzer des Autographs, Hinterberger, notierte zum 
Datum: „Im Orig. 1789". Aus dem Archivvermerk Artarias „1787" und aus dem Inhalt 
geht aber unzweideutig hervor, daß da (wenn tatsächlich 1789 dastehen sollte) nur ein 
Schreibfehler (anstelle von 1787) vorliegen kann. Weder Nohl noch Art-Bot. (denen 
das Autograph noch vorlag) erwähnen diesen angeblichen Schreibfehler. . 
1, Die quartetten: Hiermit können nur die Korrekturen zum Druck von Op. 50 gemeint 
sein. — 2. Diebstahl der quartetten: Der im weiteren Verlauf dieses Briefes auch mit Namen 
genannte Laurent Lausch war ein bekannter Wiener Kopist, der mit handschriftlichen 
Kopien der damals neuesten und gesuchtesten Musik (u. a. auch von Haydn und Mozart) 
einen blühenden Handel trieb (über seine sonstige Kopistentätigkeit vgl. Bartha-Somfai 
HOK 427). Er scheint sich durch einen Kopisten auch jene Quartette (Op. 50) verschafft 
und vertrieben zu haben, die Artaria gerade herauszugeben im Begriff war. Auf diesen 
Handel (der die Verleger natürlich stark schädigte) nimmt Haydns Freund Dittersdorf ein 
Jahr später, am 18. Aug. 1788, in einem Brief an Artaria Bezug, als er ihm ein Heft seiner 
Quartette überschickt (teilweise mitgeteilt in Art-Bot. 4)) : „Ich muß noch hinzufügen, daß 
noch niemand diese a quadro (so wie die von Ihnen aufgelegten a quadro von Hayden 

180 



[hiermit meint Dittersdorf eben die Quartette Op. 50] nicht nur der hiesige Fürst, sondern 
verschiedene andere gegen eine Pränumeration von 6 Dukaten lange vorhero in Abschrift 
hatten, ehe sie bei Ihnen gestochen herauskamen) hat und sogar von Niemanden. . . 
gehört worden sind. .." — }. Vermutlich Jobann oder Joseph Elß/er jun. 



99. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras. den 22'° 9 br [Nov.] 1787. 

Wohl Edl gebohrner 

Sonders hochzu verEhrender Herr! 

Bedaure, daß ich nicht eher eine sichere gelegenheit getroffen als eben 
die heutige, mit welcher ich Ihnen die corgirten quartetten, und Sinfonien 1 
zurück sende, über die lüge des Herrn Bartolozzi, 2 oder besser — des 
sicheren Cavaliers aus Verona, weis ich nicht, ob ich lachen, oder mich 
ärgeren soll, indem ich mein, [meinem] Gott dancke, wan ich nur ein 
einziges mahl meine Stücke durch meine handschrift vollendet habe; disse 
sind Prahlerische schwer mereyen, und suchen nur durch solche erdich- 
tungen meinen Credit zu schmällern. ich werde zu lezt gar nichts 
mehr herausgeben, unterdessen bin ich mit aller Hochachtung 
E: W:-g: [Euer Wohl-gebohren] 
Dero 

ganz Ergebenster diener 
Josephus Haydn mppria. 

[Adresse:] Monsieur 

Monsieur Artaria et / Compag. 

ä / Vienne. 
Nebst Musikalien 
[Archiwermerk Artarias:] Haydn di 

Esterhaze 2 [recte: 22] 9*"" / 1787. 

0: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch London CCLN )2j festgestellt: Geschäfts- 
archiv Artaria (bis ?) ->■ C. G. Börner Auktionskat. XXVI, Nr. 345 -*■ Geschäftsarchiv 
Artaria (zurückgekauft!) -> Heinrich Hinterberger (bis 1953) -> ? Gegenwärtiger Besitzer 
ist vermutlich Rudolph Kallir (New York). ED: (eÜb) London CCLN 71-72. Eine Foto- 
kopie des Autographs ist uns durch H. C. R. Landon zur Verfügung gestellt worden. 

181 



i. Es handelt sich um die Korrekturen der Quartette Op. 50 und der Pariser Sinfonien. — 
2. Hiermitist vermutlich der damals in London ansässige Graphiker und Kupferstecher 
Gaetano Barto/ozzi gemeint, dem Haydn später in London begegnet ist (vgl. Pohl HiL 167) . 
Aus dem eine Woche später geschriebenen nächsten Brief (Nr. 100) Haydns geht hervor, 
was die Lüge „des sicheren Cavaliers aus Verona" (sollte dies etwa eine scherzhafte An- 
spielung auf Shakespeate's Komödie The tmo genthmen of Verona sein?), d. h. Bartolozzis, 
gewesen sein mag. Bartolozzi muß Artaria über die bevorstehende Forster-Ausgabe der 
neuen Quartette informiert und dabei Haydn beschuldigt haben, ein zweites Autograph 
seiner Quartette an Forster gesendet zu haben (Haydn hat aber Forster kopierte S timmen 
zugeschickt; klugerweise verwahrt er sich jetzt nur gegen die Beschuldigung der Auto- 
graphensendung). Im nächsten Brief (Nr. 100) muß Haydn schon offen zugeben, die 
Quartette auch an Forster verkauft zu haben. 



100. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 27" 1 c, br [Nov.] 1787. 

Wohl Edl gebohrner 

Sonders Hochzu verEhrender Herr! 

Euer Wohl gebohren werden mir vergeben, daß ich aus mangl einer 
sicheren gelegenheit bis jezo noch nicht habe andworten können. Sie 
verlangen, daß ich Ihnen ein Attestat über die 6 quartetten geben soll. 1 
Hier schliesse ich es bey. Daß ich aber dem Herrn Forster ein eigenes 
Attestat mit der Vollmacht über dieselben solle gegeben haben, ist falsch, 
daß ich sie Ihme aber, nach dem die quartetten schon gestochen waren, 
überschückte, hat seine richtigkeit. 2 Die schuld liegt an Ihnen selbst, weil 
Sie dem Herrn Langmann 3 schon vor 3 Monathen die quartetten, und 
zugleich die alleinige Vollmacht über dieselben hätten überschücken 
können, diese Zurückhaltung aber stammt von den grossen Eigennutz 
her: mich kan niemand verargen, daß, wan die stücke gestochen sind, 
ich selbst noch trachte einigen gewinst zu erhalten, weil ich für meine 
wercke nicht hinlänglich bezahlt bin, und weil ich eher ein Recht dazu 
habe, als die übrige Unterhändler. Hinführo werden Sie mit d. Accord 
zwischen uns behutsamer und schriftlich, ich aber für genügsame be- 
zahlung zu sorgen haben. solten Sie im ganzen dadurch einen schadn 
haben, welches ich aber nicht glauben kan, so werd ich denselben auf eine 

182 



andere Arth zu ersetzen wissen, der ich unterdessen bin mit möglichster 
Hochachtung 

Euer Wohlgebohren 

ganz dienstfertigster diener 
Joseph Haydn [mppria] 
[Keine Adresse. Archivvermerk Artarias:] 

Haydn Giusepe / Esterhaze 27 o, bre / 1787 

0: Das Autograph befand sich 1909 noch im Geschäftsarchiv Artaria; danach besaß es 
(bis 1953) Heinrich Hinterberger. Gegenwärtiger Besitzer ist vermutlich Rudolph Kallir 
(New York). ED: Nobl 100-101 (unvollständig). Teilweise zitiert Pohl II, 172; Art-Bot. 
44-4S (nach dem Autograph). Unsere Ausgabe und (eÜb) London CCL.N 72-7} stützen 
sich auf denText bei Art-Bot. 

1. Attestat über die 6 quartetten: Artaria hat inzwischen (entweder durch den im Brief 
Nr. 99 genannten Bartolozzi oder durch seinen Londoner Geschäftspartner, Longman 
& Broderip) aus London erfahren, daß Haydn seine Quartette Op. 50 hinter seinem Rücken 
tatsächlich an Forster in London verkauft hat. Um sein primäres Besitzrecht zu ver- 
teidigen, verlangt er nun von Haydn ein Attestat (Zusicherung). — 2. Haydn hat diese 
Quartette Forster am 8. August 1787 angeboten (vgl. Brief Nr. 95) und die Werke selbst am 
20. September (Brief Nr. 97) an ihn expediert, während die Ausgabe Artarias erst im 
Dezember 1787 (fast gleichzeitig mit der in höchster Eile hergestellten Forster-Ausgabe 
in London) in Wien angekündigt wurde. Haydn bedient sich hierbei vorsichtigerweise 
des Ausdruckes „nachdem die Quartette schon gestochen waren", was nach dem Zeugnis 
der Korrespondenz mit Artaria (vgl. die Briefe Nr. 96, 98) tatsächlich zutrifft, aber trotzdem 
Haydn der Verantwortung Artaria gegenüber nicht ganz entbindet, „Da Haydn (am 
Schluß des Briefes) sich erbötig macht, einen eventuellen Schaden zu ersetzen, so scheint 
er sich selbst nicht ganz im Rechte gefühlt Zu haben." (Art-Bot. jj.) — In die Übersetzung 
von London CCLN 72 hat sich ein Lesefehler eingeschlichen : er übersetzt: „to Herr For- 
ster. . . but it is true that I sent one to him after the Quartets had already been engraved". 
Aber aus Haydns Text geht klar hervor (was auch der Wahrheit entspricht), daß er 
nicht nur ein Quartett, sondern alle sechs Forster gegeben hat. — 3. Hiermitsind Longman 
& Broderip, Artarias Londoner Geschäftspartner, gemeint. Artaria wollte die durch ihn 
erworbenen Quartette offenbar durch seinen Partner, Longman, in London vertreiben 
lassen, hat aber mit der Übersendung allzulange gewartet (diese Saumseligkeit wird ihm 
auch von Haydn vorgeworfen), und so ist Forster mit seiner Ausgabe Longman zuvor- 
gekommen. 



183 



ioi. Jahreskonto der Opernkopiaturen — von Haydn revidiert 
[Handschrift des Kopisten Schellinger] [Estoras, den i. Dezember 1787] 

Conto 

Was für das hochfürstliche Theater an Opern ist copiret worden von 1 January 
1787 bis Decembr. 1787. die Singstimen wie folget ä. 7 xr. die Instrumenten 
aber ä. 5 xr. per accord. 



Joan. Schilling Copist di Theatro 
di 1 Dec. 1787 
Id est 255 Fl. 24 xr. 
[Von hier an Haydns Schrift:] 

Obstehende 2540 Bogen sind von mir Endes Unterschriebenem genau durch- 
sucht, und richtig befunden worden. Estoras den i ten Decembris 1787 

Josephus Haydn mppria. 
Capell Meister. 

O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 1 8, Nr. 1 220. ED: Valkö II, 604. Nicht bei Landon CCLN. 
Die Kopiaturen Schellingers umfassen sämtliche Premieren der Opernsaison 1787 in 
Eszterhäza: 1/ sordo e I'avaro von Anfossi (Premiere im Februar; insgesamt 5 mal gespielt); 
II disertore von Bianchi (April; im Mai-Juni noch 5, 1788 9, 1789 7 Aufführungen, was auf 
namhaften Erfolg schließen läßt); L.a Qiiakera spiritosa von Guglielmi (Juni; bis Oktober 1 1 , 
1788 noch 4 Aufführungen); Alessandro nell'Indie von Bianchi (im Juli-August 3tnal; 
1788 8mal aufgeführt) ; und Le gare generöse von Paisiello (von September bis Dezember 

184 



Opern 


Singstim ä. 7 xr. 


Instrument ä. 5. xr. 


L'avaro 




287 




194 


11 disertore 




194 




239 


La quaquera 




282 




245 


gare generöse 




2 74 




282 


Italiana in londra reparirt 




49 




29 


Viaggiatori felici reparirt 




28 




27 


L'avaro reparirt 




9 




14 


Alessandro in india 




189 




198 


Soma 


[312 




1228 




macht 


1 5 3 Fl. 4 xr. 


macht 


102 Fl. 20 xr. 



5mal; 1788 I4mal [I], 1789 6mal, 1790 einmal gespielt). ■ — Von den weiter gespielten Opern 
des Repertoires erscheinen hier nur jene Stücke, deren Material ergänzt („reparirt") werden 
mußte: Ultaliana in Londra von Cimarosa (seit 1783 gespielt) und I viaggiatori feliei von 
Anfossi (seit 1784). Daneben gab es noch 7 andere (insgesamt also neun) weiter gespielte 
Opern: I due baroni von Cimarosa (seit 1786), Ulsola di Calipso von Bologna (seit 1784), 
Idalide von Sarti (seit 1786), 11 geloso in cimento von Anfossi (1778, und seit 1785 wieder 
gespielt), Armida von Haydn (seit 1784), La villamlla rapita von Bianchi (seit 1784) und 
Giulio Sabino von Sarti (seit 1783). Dieses reiche Repertoire von fünf Premieren und insge- 
samt 9 weiter gespielten Opern hatte Haydn in insgesamt 98 Aufführungen vorzubereiten 
und zu leitenl Vgl. Bartha-Somfai HOK i)Sff; Hdricb BMG J9-60; Uärich ROKH 71-77 
(mit vielen Nachträgen und Korrekturen zur Aufführungsstatistik, aus dem Eisenstädter 
Archivmaterial). 



102. Haydn an den Oberverpflegs-Verwalter Franz Rott, 1 Prag 
[Fragment] [Dez. 1787. ?] 2 

Sie verlangen eine Opera buffa von mir, recht herzlich gern, wenn Sie 
Lust haben, von meiner Singkomposition etwas für sich allein zu be- 
sitzen. Aber um sie auf dem Theater zu Prag aufzuführen, kann ich Ihnen 
dießfalls nicht dienen, weil alle meine Opern zu viel auf unser Personale 
(zu Esterhaz in Ungarn) gebunden sind, und außerdem nie die Wirkung 
hervorbringen würden, die ich nach der Lokalität berechnet habe. Ganz 
was anders wäre es, wenn ich das unschätzbare Glück hätte, ein ganz 
neues Buch für das dasige Theater zu komponiren. Aber auch da hätte 
ich noch viel zu wagen, indem der große Mozart schwerlich jemanden 
andern zur Seite haben kann. Denn könnt' ich jedem Musikfreunde, 
besonders aber den Großen, die unnachahmlichen Arbeiten Mozarts, so 
tief und mit einem solchen musikalischen Verstände, mit einer so großen 
Empfindung in die Seele prägen, als ich sie begreife und empfinde; so 
würden die Nationen wetteifern, ein solches Kleinod in ihren Ring- 
mauern zu besitzen. Prag soll den theuern Mann fest halten — aber auch 
belohnen; denn ohne dieses ist die Geschichte großer Genien traurig, 
und giebt der Nachwelt wenig Aufmunterung zum fernem Bestreben; 
weßwegen leider so viel hoffnungsvolle Geister darnieder liegen. Mich 
zürnet es, daß dieser einzige Mozart noch nicht bey einem kaiserlichen 

185 



oder königlichen Hofe engagirt ist! Verzeihen Sie, wenn ich aus dem 
Geleise komme; ich habe den Mann zu lieb. Ich bin etc. 

Joseph Hayden 

S. An das Präger Orchester und die dasige Virtuosen mein ergebenstes 
Kompliment. 3 



O verschollen. ED: Franz Niemetschek, Leben des K. K. Kapellmeisters Gottlieb Mozart, Prag 
1798. 2. Aufl. 1808, jt f;Allg. Mus. Zeitung, Leipzig 19. Dez- *79 s > I, 182 /und seitdem in 
zahllosen Nachdrucken. Die Liste der wichtigsten bei Deutsch MDL Z71. 
1. Der Adressat Franz R°tt ( m der Literatur oft auch Roth geschrieben) war ein begeisterter 
und tätiger Musikfreund in Prag. Über ihn vgl. G. J. Dlabacz- Allg. Histor. Kilnstlerlexikon 
/ür Böhmen, Prag 181 r II, J97; Brich Schenk, W. A. Mozart, 19;;, 69 j; Deutsch MDL 271. 
— 2. Dieses (dokumentarisch nicht kontrollierbare) Datum wird seit Niemetschek allge^ 
mein als die (approximative) Abfassungszeit des Briefes angegeben. — 3. Diese Nach- 
schrift wird in der Literatur zumeist unterdrückt. Sie steht nur bei Niemetschek und London 
CCLN 73-74. Die von den übrigen Briefen Haydns abweichende Orthographie dieses 
Schtiftstücks entstammt der Mitteilung von Niemetschek, unserer einzigen Quelle. 



103. Haydn an den Wallersteinischen Hofagenten H. Ferdinand 
von Müller, 1 Wien 

[Estoras, den 3. Februar 1788] 

Hoch und Wohl gebohrner 

Sonders Hochzuver Ehrender Herr v. Müller! 

Die Hochschätzung, So Seine Durchlaucht Fürst v. Öttingen für meine 
geringe Compositionen tragen, ist mir unendlich schäzbahr, nur bedaure 
ich, daß ich gegenwärtig die hohe Gnade nicht gemessen kan, die 3 
anverlangte Sinfonien zu machen, 2 indem ich dermahlen für S e Majestät 
dem König v. Neapel 6 Notturni,* und für meinen gnädigsten Fürsten 
eine neue Opera 4 zu schreiben habe; nach Vollendung aber dieser Wercke 
werde ich mich Eusserst befleissen, die 3 Sinfonien zu verfertigen, für 
welche ich keinen Preiß zu bestimen mich erdreiste, sondern bloß der 
Willkühr des durchlauchtigsten Fürsten unterwerfe: für das Oratorium, 
so ich erst kürzlich mit zwey neuen Chör[en] verschönerte,' unterfange 
ich mich 16 Ducaten anzuverlangen, wouon ich fünf den Copisten be- 

186 



zahlen muß. Solte ich so glücklich seyn, daß ein oder das andere soll 
gnädigst aufgenohmen werden, so erwarte ich den weitern Befehl. 
Unterdessen bin ich mit aller Submission 

Euer Hoch- und Wohlgebohrn 
ganz gehorsamster Diener 
Joseph Haydn mppria 
Estoras den 3"° Febr. 1788 

(Autograph): Schloß Harburg. ED: Diemand )i. Auszugsweise zitiert: Hoboken 164; 
(eÜb) Landon CCLN 74. Unsere Ausgabe stützt sich auf den Text von Diemand. 
1. Der Adressat, Ferdinand Müller von Müllegg(um 1758-1824) war ein begeisterter Musik- 
freund und u. a. Wiener Hofagent des Fürsten Ötiingen-Wallerstein, der sich seit Jahren 
für Haydns Musik interessiert zeigte (vgl. den Brief Nr. 40 vom 3. Dez. 1781). Kopien 
seiner Berichte aus Wien in Angelegenheit der Anschaffung von Haydn-Sinfonien für 
Wallerstein haben sich u. a. aus den Jahren 1783 und 1784 erhalten (mitgeteilt bei Die- 
mand). — 2. Vgl. hierzu den (von Diemand mitgeteilten) Brief des Fürsten an v. Müller 
vom 16. Januar 1788: „Hochedelgebohrener, werther Herr Hofagentl Es wird mir sehr 
angenehm seyn, wenn mir mein Herr Hofagent das neueste Oratorium von Salieri und 
einige andere Oratorien von Joseph Hayden, aber von diesen die besten, so bald möglich 
verschaffen könnte, und da bekanntlich Jos. Hayden der größte Synfonist ist und ich 
für seine Musick ganz eingenommen bin, so wünschte ich 3 neue Synfonien von ihm zu 
erhalten, die aber außer mir Niemand besitzen solle. Mein Herr Hofagent wird dem Jos. 
Hayden dieses mein Verlangen eröfnen und mir seine Aeußerung, um welchen Preis und 
in welcher Zeit ich diese Synfonien erhalten würde, melden, über die Kosten der Oratorien 
aber eine Note beyschließen. Ich bin jederzeit des Herrn Hofagenten..." — Haydns 
Brief reflektiert auf diesen (durch Müller übermittelten) Antrag des Fürsten. Über den 
Fortgang der Angelegenheit vgl. den Brief Nr. 129 (vom Okt. 1789). — 3. Die für den 
König von Neapel, Ferdinand IV. komponierten Notturni sind von Haydn am 13. Dezem- 
ber 1790 dem König anläßlich seines Wiener Besuches in einer Audienz überreicht worden. 
— 4. Dies ist nur eine Ausrede Haydns; seit seiner Armida (1784) hat er für den 
Fürsten Esterhazy keine Oper mehr geschrieben. — 5. Das mit neuen Chören erweiterte 
Oratorium ist II ritorno di Tobia (aus 1774-75). D' e durch Haydn übersandte Partitur des 
Werkes ist im Öttingen-Wallersteinischen Archiv (aufschloß Harburg) bis heute erhalten. 



187 



104. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

[Estoras, den 16. Februar 1788] 
Hoch Edl gebohrner 

Sonders Hochzu verEhrender Herr! 

'1 

Sie werden mir nicht ungütig nehmen, daß ich lezthin aus Mangl der 
2eit nicht selbst wegen dem Oratorio an Sie geschrieben habe. 1 Solte 
dieses Oratorium wie ich hofe, schon Copirt seyn, so bitte, es unsern 
Portier zu geben, von welch, [welchem] ich es alsdan sicher erhalten 
werde, übersenden Sie Ihm zugleich den betrag der Copiatur, welchen 
ich alsdan bey erster gelegenheit mit danck bezahlen werde, anbey bin 
ich Ihnen sehr verbunden für den überschückten Kostbahren Käß, und 
für die wurste, Sie machen mich hiedurch zum Schuldner, werde aber 
nicht ermanglen es bey gelegenheit zu ersetzen, nebst deme bitte ich 
auch mir die lezte 2 wercke für das Ciavier von C: P: Emanuel Bach zu 
übersenden. 2 der ich unterdessen mit aller Hochachtung bin Euer Hoch 
Edl gebohrn 

ganz dienstfertigster diener 
Joseph Haydn mppria 
Estoras. den i6 tn Febr. 1788. 
[Adresse auf dem Umschlag:] Monsieur 

Monsieur d'Artaria et Compag. 

ä / Vienne. 
bitte um beförderung. 

(Autograph) gegenwärtig ungreifbar; es war 1909 im Besitz von Max Friedländer in 
Berlin -> Leo Liepmannssohn Auktionskat. 63 (9. Dez. 1932) Nr. 72 -> ? Faks. Leopold 
Schmidt, J. Haydn, Berlin 1898, 1906, Tafel nach S.60. ED: Nohl 102 (unvollständig). 
Art-Bot. 46-47 (aus Nohl, daher unbrauchbar); 'London CCLN// und unsere Ausgabe stützen 
sich auf das Faks. des Autographs bei Schmidt. 

1. Haydn benötigte eine handschriftliche Kopie der Klavierfassung seiner Sieben Worte 
von Artaria. Den diesbezüglichen Brief hat er durch seinen jüngeren Bruder, den Kapell- 
sänger Job. Ev. Haydn an Artaria schreiben lassen (erhalten in Stadtbibl. Wien, Sign. 69610): 
„Wohl Edl gebohrner / Hochgeehrdigster Herr / Auf Befehl meines Bruders Cappell 
Meister Haydn nehme mir die Freyheit Sie zu bitten, mir die Sieben Wordt auf das Ciavier 
in seinen Saz zu schücken, welche Herrn Rosenbaum fürst. Esterhäzyschen Portier unter 
meiner Atress [sie] zu geben sind, mein Bruder wird vor die Bezahlung sorgen, welcher 
mir auch erlaubt auf seinen Nahmen inskünftige jene Stücke komen zu lassen, welche 
mir Nothwendig sind. Er eben wird es beJahn bey seinen ersten Besuch, den er Ihnen 

188 



machen wird. / Womit in baldiger Erwartung dessen mich gehorsambst empfehle / Euer 
Wohl Edl / gehorsambster diener / Johann Haydn mppria. Eisenstadt, den 9 ten Dez: 1787" 
(nach einer handschr. K. von Christa Lattdon). — 2. Vom kaum zehn Monate später, im 
Dez. 1788 verstorbenen C. Philipp Emanue/ Bach waren bei Artaria nur eine einzige Serie 
Klaviersonaten (Plattennr. 181) erschienen. Es ist nicht mehr festzustellen, ob Haydn 
sich diese oder etwa die bei anderen deutschen Verlegern (1785 bzw. 1787) erschienenen 
neueren Sonatenhefte von Artaria erbittet. 



105 . Haydn an den Verleger William Forster, London 

Estoras. den z8 ,en Feb. 1788 
Allerliebster Mons: Forster! 

Sind Sie auf mich nicht böse, wenn Sie wegen meiner mit herrn Lang- 
mann' Verdriesslichkeiten 1 haben, ich werd Sie ein andermahl dafür 
Contentiren, es ist nicht meine schuld, sondern der wucher des herrn 
Artaria. So Vil versichere ich Sie, daß, so lang ich leben werde, weder 
Artaria, noch Langmann von, oder durch mich etwas erhalten sollen, 
ich bin zu Ehrlich, und Rechtschaffen, als daß ich Sie kräncken, oder 
Ihnen schädlich seyn solle. So viel aber werden Sie von selbst einsehen, 
daß, wer von mir 6 neue Stück für sich allein besitzen will, mehr als 
20 guine spendiren muß. 3 ich hab in der that unlängst mit Jemand 
einen Contract geschlossen, So mir für jedesmahlige 6 Stücke 100, und 
mehr guineen bezahlt. 4 ein andermahl werd ich Ihnen das mehrere 
schreiben, bin unterdessen mit aller achtung 

Dero 

ganz Ergebenster diener 
Joseph Haydn mppria 

[Außen Poststempel der Ankunft in London: „MR (März) 15." und 
Adresse:] 

To M r Forster Musical 

Instrument-Macker to the Prince 

of Walet [sie]. N r °348 in the Strand 

a / London. 



189 



O (Autograph): B. M. Eg. 2380, Fol. 9-10. Eine Fotokopie — dieauchder (eÜb) Landon 
CCLN 76 als Vorlage diente — istuns durch H. C. R. Landon übermittelt worden. ED; 
Pohl HiL }j 7 . 

1. Recte: Longman&Broderip, Artarias Londoner Geschäftspartner. — 2. Es ist nicht 
ganz eindeutig, auf welche Art von Verdrießlichkeiten Forsters mit Longman Haydn hier 
anspielt. Es kann sich dabei um zweierlei Anlässe gehandelt haben. Zum Kontrakt fiaydns 
mit Forster von 1786 (Nr. 75 unserer Ausgabe) haben wir bereits vermerkt, daß Haydn 
damals (auch formell) drei Klaviertrios (Hob. XV: )-}) an Forster verkaufte, welche 
dieser schon ein Jahr früher, 1785 (als Op. 40) unter Haydns Namen hatte erscheinen 
lassen. Tatsächlich sind zwei dieser Trios Kompositionen von Pleyel. Nach einer Angabe 
yonFramiry (aus dem Jahr 1810) sollen Longman &Co. dieselben Trios von Pleyel direkt 
angekauft und ungefähr um dieselbe Zeit in London unter dessen Namen publiziert 
haben (ein Exemplar dieser Ausgabe ist nicht aufgetaucht), woran sich ein Rechtsstreit 
zwischen den zwei Londoner Verlegern anschloß (um 1797-99 sind alle drei Trios — auch 
das zweifellos von Haydn stammende drittel — • durch Le Dm in Paris tatsächlich als Werke 
Pleyels veröffentlicht worden; diese Ausgabe ist erhalten und bei Hoboken 684 registriert). 
Haydn könnte demnach im Februar 1788 schon recht wohl auf diese „Verdrießlichkeiten" 
anspielen. Aber auch ein anderer Anlaß ist sehr wohl möglich: Wie wir wissen, wollte 
Artaria die von ihm gekauften Quartette Op. 50 Haydns durch Longman auch in London 
vertreiben lassen. Dadurch fühlte sich Forster (der dieselben Werke von Haydn gekauft 
hatte) geschädigt. — 3. Eine Anspielung auf die Quartettserie Op, 50, für die Forster 
Haydn 20 Guineen bezahlt hat (vgl. den Brief Nr. 97 vom 20. Sept. 1787). — 4. Dies ist 
wohl eine (in Geschäftsangelegenheiten verständliche) gelinde Übertreibung Haydns. 
Inmitten seiner vielfältigen Beanspruchung als Komponist und als Kapellmeister (nach 
den jüngst erforschten Daten hatte er z. B. in diesem Februar 1788 12 Opernaufführungen, 
darunter eine Premiere, in Eszterhäza zu leiten; vgl. Härich ROKH 83) ist Haydn jetzt 
sichtlich dessen müde, sich, wie früher, mit der französischen Formulierung seiner Briefe 
an Forster abzuplagen (seinen verzweifelten Kampf mit der Sprache verrieten seine bis- 
herigen französischen Briefe an Forster: Nr. 90, 95, 97), und jetzt schreibt er einfach 
deutsch; Forster mußte sich den Brief übersetzen lassen. (Dies ist übrigens Haydns letzter 
erhaltener Brief an Forster.) 



106. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 2 2 tn May 1788 
Liebster Freund! 

Ich wäre ungerecht und undankbahr, wenn ich Ihre Freundschaft so 
platter dings auf die Seite setzte. Ich werde nie vergessen, daß Sie mir vor 
viellen den Vorzug gaben, ohngeachtet ich wohl weiß, daß biß weillen 
denselben vor andern verdiente; sobald meine dermaligen Geschäfte sich 

190 



ändigen werden, sollen Sie wie vormahls mit meinen Arbeithen bedient 
werden. 1 Sollten Sie vor Ihrer Abreise mir nochmahls schreiben, und 
darauf meine Andworth erhalten können, wird es mir aus mehreren 
Ursachen angenehm seyn. Für heute ist mir die Zeit zu kurz. Bin wie 
allzeit mit vieller Hochachtung 

Dero 

ganz ergebenster diener 
Josephus Haydn. 
[Adresse nicht erhalten] 

O verschollen. ED: Nohl lOß (wie üblich, ohne Grußformel). Ari-Bot. 47 (aus Nohl über- 
nommen, mit willkürlich — falsch — ergänzter Grußformel und stellenweise geänderter 
Orthographie); Landon CCLN 76 und unsere Ausgabe stützen sich auf die Textfassung 
bei Art-Hot. (einzige Quelle). 

Seit der Affäre „Forster contra Longman" in London (vgl. unsere Briefe Nr. 75, 100 
und 105) gab es eine Verstimmung von mehreren Monaten zwischen Haydn und Artaria. 
Haydn schreibt nun (im Hinblick auf die Zukunft) seinem alten Geschäftspartner diesen 
versöhnlichen Brief, womit die leidige Affäre wohl als beigelegt betrachtet werden konnte. 
1. Ein Vergleich dieser Briefstelle mit der 3 Monate früher Forster gegebenen Versicherung 
im letzten Brief (Nr. 105): „so lang ich leben werde, weder Artaria, noch Langmann von 
oder durch mich etwas erhalten sollen", zeigt, daß sich Haydn im Handel mit den Ver- 
legern keine absolute Wahrhaftigkeit auferlegte. 



107. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den io tn August j 1788. 

Wohl gebohrner 

Sonders Hochzu verEhrender Herr! 

Meine vielfältige geschäfte verhinderten bishero, Ihnen die schuldige 
Andworth auf dero letzt an mich erlassenes zu ertheilen. Ich widerhole 
es, daß ich mir jederzeit ein vergnügen daraus machen werde, Ihnen 
mit meinen Arbeithen dienen zu könen! Da ich nun in einer Lage bin, 
wo ich etwas geld gebrauche, so erbiethe ich mich, daß ich Ihnen bis 
Ende Decembris entweder 3 neue Quartetten, oder 3 neue mit einer 
Violin, und Violoncello begleite[te] Ciavier Sonaten verfertigen wolle, 1 
bitte hingegen mir diesen künfftigen Mittwoch mit unsern abgehenden 
Husaren 25 Species Ducaten a conto zu überschücken. den brief samt 

191 



geld könen Sie unsern Portier Mittwoch vormittag übergeben, gegen- 
wärtiger brief aber soll Ihnen unterdessen zur Sicherheit dienen, die 
Quittung würden Sie künftigen Montag erhalten. Es versteht sich ohne- 
hin, daß ich Ihnen alsdan die übrige 3 Quartetten, oder Ciavier Sonaten 
vollenden würde, damit das halb Duzent wie gewöhnlich zur Ausgabe kan 
befördert werden. 

NB. für 6 Quartetten bleibt der alte Preis per Hundert Ducaten. für 
6 Ciavier Sonaten 300 fl. In Erwartung einer gütigen Andworth bin ich 
mit aller Hochachtung 

Euer wohl gebohren 

dienstfertigster diener 
Josephus Haydn mppria 

[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur d'Artaria et Compag. 

ä / Vienne. 

O (Autograph) verschollen, 1945 aus dem Haydn-Museum (Wien) gestohlen. K. Pohls 
im Archiv der GdMf. BD: Nohl 10} (ohne Schlußformel und mit Fehllesungen). Art-Bot. 
JI-J2 (aus Nohl übernommen, also wertlos). Auf Grund der Pohl-Kopie erarbeitete 
Emendationen und Ergänzungen (welche auch Landott CCLN 7/ als Vorlage dienten) 
sind uns durch Christa Landott übermittelt worden. 

1. Wie aus dem (nur eine Woche später verfaßten) nächsten Brief Haydns (Nr. 108) her- 
vorgeht, hat Artaria den gewünschten Vorschuß prompt bewilligt und dafür von Haydn die 
Komposition der Klaviertrios verlangt. Vom Genre der Streichquartette mochten ihm 
die mit Op. 50 gemachten peinlichen Erfahrungen die Lust einstweilen genommen haben. 



108. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras. den 17" 1 August / 1788. 

Wohl gebohrner 

Sonders Hochzu verEhrender Herr! 

Danke vielmahl für die mir überschückte 25 Ducaten. Mein Fleiß über die 
3 anverlangte Ciavier Sonaten mit begleitung einer Violin, und Violon- 

192 



cello 1 — wird bürge seyn Ihre freundschaft fernerhin zu erhalten, unter- 
dessen bin ich mit aller Hochachtung 

Euer wohl gebohren 

ganz dienstfertigster diener 
Josephus Haydn mppria 

[Keine Adresse. Archivvermerk Artarias:] 

Haydn Giuseppe / Esterhaze 17 Agosto / 1788. 



um 1870 in der Sammlung Kafka -*■ spätestens seit 1909 B. M. Add. 29804, Fol. 1. 
ED: Nohl 104 (unvollständig). Art-Hot. J2 (trotz der Berufung auf das Autograph im 
British Museum, aus Nohl übernommen und willkürlich, falsch ergänzt, deshalb un- 
brauchbar). Emendationen und Ergänzungen dazu (welche auch Landon CCLN 77-78 
als Vorlage dienten) haben wir durch Christa Landon übermittelt bekommen. 
1. Klaviertrios, Hob. XV: n-i}. Artaria hat sie im Juli 1789 als Op.57 veröffentlicht. 



109. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras, den 29'° August 1788. 

verschollen und auch Text nicht erhalten. Als letzten Besitzer des Autographs hat 
Landon CCLN 326 den Pariser Antiquar Charavay (Katalog vom 14. Februar 1887, Nr. 159) 
eruieren können. Kurze Inhaltsangabe unter Jahns Kopien (Deutsche Staatsbibl. Berlin): 
„Er [Haydn] bittet das Freyle von Käsger [?] 2 Arien aus dem Oratorio mitzutheilen." 
Vgl. hierzu die Mitteilung von XJnverricbt GBT }y. 

110. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den zz ia 7 br [Sept.] 1788.' 

Monsieur 

et mon tres eher Amj ! 

Ich habe dieser tagen vernohmen, daß Euer Wohl gebohren meine 
allerlezte 6 neue quartetten, samt 2 neue Sinfonien, von Herrn Tost 2 an 
sich solten gekauft haben, da ich aus verschiedenen Ursachen gerne 

13 193 



wissen möchte, ob es denn also, oder nicht, so ersuche ich Sie höfflichst 
mir mit erstem Posttag davon nachricht zu geben. Der ich unterdessen 
mit aller Hochachtung verbleibe 

Euer Wohl gebohrn ■ 
dienstschuldigster diener * 
Joseph Haydn mppria 
[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur d'Artaria et / Compag. 

ä / Vienne. 

0: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch 'London CCLN }z6 festgestellt: S. Tauber 
(Wien, um 1870) -> Leo Liepmannssohn Auktionskat. 20. Jan. 1902, Nr. 28 -> Therese 
Liebig (Wien) -> Verst. Nachlaß Liebig, Artaria, 22. März 1934. Nr. 625 -> gegenwärtiger 
Besitzer unbekannt. K. Pohls im Archiv der GdMf. ED: Art-Bot. J4-JJ. Diese (anhand 
von Pohls K. neu kontrollierte) Veröffentlichung diente der (eÜb) London CCLN 78 und 
unserer Ausgabe als Textquelle. 

i. Pohls Kopie bemerkt zum Datum: „Oder Oct." Da der Archivvermerk Artarias nicht 
erhalten ist, können wir hierzu nicht Stellung nehmen. Der Inhalt spricht mehr für den 22. 
Sept. als Abfassungszeit. — 2. Herrn Tost: Es handelt sich offenbar um den Violinisten 
Johann Tost, der in den 1780er Jahren als Violinist im Esterhäzy-Orchester unter Haydn 
wirkte; die Daten seines dortigen Engagements sind bei Pohl II mit einiger Konfusion 
angegeben: II, 171 (offenbar unrichtig) mit 1787-1790, und II, )7} mit 1783-1789; in der 
Literatur (z. B. bei Hoboken 414) wird zumeist das letztere Datum angenommen. In den 
Besoldungslisten des Esterhäzy-Orchesters wird er aber genau vom März 1783 bis zum 
März 1788 geführt; vgl. Bartha-Somfai HOK 174-17J, Zur Zeit der Abfassung dieses 
Briefes stand er sicherlich nicht mehr in Esterhäzyschen Diensten, sondern machte eine Reise 
nach Paris und nahm 6 neue Quartette (Op. 54-55) und zwei neue Sinfonien Haydns (Nr. 
88. 89) mit — offenbar mit dem Auftrag, diese in Paris an einen französischen Verleger 
vorteilhaft zu verkaufen. Tost manipulierte auf ziemlich zweifelhafte Weise mit den ihm 
anvertrauten Werken (hierüber vgl. später noch die Briefe Nr. 120, 126, 127 an den Pariser 
Verleger Sieher), und vielleicht hat er sie auch Artaria in Wien angeboten. Daß zwischen 
Artaria und Sieber eine Geschäftsverbindung bestand, wird aus unserem Brief Nr. 121 
(vom 6. April 1789) klar. Ab 1790 hören wir dann von einem „Großhandlungs-Gremia- 
listen" (d. h. Großkaufmann) gleichen Namens, der 1790 ein wohlhabendes Mädchen 
heiratete, vermögend wurde und bis 1813-14 im Musikleben Wiens eine führende Rolle 
spielte. Pohl II, 171 und Art-Bot. j6 glaubten noch vor einer Identifizierung dieser beiden 
Tost warnen zu müssen, wogegen die maßgebliche neuere Literatur (Larsen HÜb 114-1 r j; 
Hoboken, Das Archiv für Photogramme, Wien 19)8, )7 f; Hoboken 414 und Landon CCLN 78) 
für die Identität dieser zwei Violinisten gleichen Namens eintritt. 



194 



in. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 26 ,n 8 br [Oct.] 1788 
Wohl gebohrner 
Sonders Hochzu verEhrender Herr! 

Um Ihre 3 Ciavier Sonaten 1 besonders gut zu componiren, wäre ich ge- 
zwungen ein neues Forte -piano zu kaufen. nun da es Ihnen schon längst 
bekant seyn wird, daß auch denen gelehrten zu Zeiten das geld mangelt, 
unter welchen es auch jezo mich betrifft, so hab ich Euer wohlgebohren 
höfflichst ersuchen wollen, dem Herrn orgl und Instrument Macher Wenzl 
schanz 2 wohnhafft auf der leimgruben bey den blauen schif N° 22. 31 Spe- 
cies Ducaten zu bezahlen, welche 3 1 # [Dukaten] ich bis Ende Jenner künf- 
tiges Jahr 1789 mit Dank zurückbezahlen werde, um Sie zu überzeugen, 
daß ich wort halten werde, lege ich gegenwärtigen kleinen Wechsel bey, 
welchen ich eben heute aufkündigte, solten Sie aber an meiner rechtschaf- 
fenheit ein bedenken tragen, so will ich Ihnen künftigen Post Tag eine 
Obligation per Tausent gülden von meinem Fürsten selbst unterschrieben 
einhändigen, ich bleibe den handwerksleithen nicht gerne schuldig, und 
ich bin auch Gott sey Dank von dergleichen Last befreyet, allein da die 
grossen mit Ihrer bezahlung mich so lange warten lassen, bin ich in das 
stocken gerathen gegenwärtiger Brief soll unterdess [en] zu Ihrer Siche- 
rung dienen und bey allen gerichten giltig seyn. Die Interesse [n] werd ich 
mit Notten ersetzen.' in dieser Zuversicht mir meine bitte nicht ab- 
zuschlagen, schrieb ich dem orglmacher welcher ganz sicher das geld 
zu Empfangen kommen wird. 

Verzeihen Sie mir meine Freyheit, Sie wenden es an einen Mann an, so 
dankbahr und stets verbleiben wird 

Dero 
P. S. gegen Ende io ber [Dez.] werde dienstfertigster diener 

ich das Vergnügen haben Sie Joseph Haydn 

in Wienn zu sehen. Capell Meister. 

[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur d'Artaria et / Compag. / ä / Vienne. 
[Archivvermerk Artarias:] Heydn Giuseppe 

Esterhaze 26. 8 bre / 1788 

ris 30. do. [detto] 



ij* 



*95 



O (Autograph) 1909 noch im Besitz der Firma Attaria; dann (bis 1953) bei Heinrich Hinter- 
berger; gegenwärtiger Besitzer ist vermutlich Rudolph Kallir (New York). ED: Nohl 
104-10} (ohne Adresse). Art-Bot. J2-}} (nach dem Autograph); London CCLN 79 und 
unsere Ausgabe stützen sich auf den Text bei Art-Bot. 

1. Gemeint sind die im Brief Nr. 108 bereits erwähnten Klaviertrios (Hob. XV: it+i}). — 

2. Haydn hatte für die Instrumente des Klavierbauers Wendel (später seines Bruders Jobann) 
Schanz eule g an z besondere Vorliebe. Seiner Freundin Marianne v. Gen^inger gegenüber 
kann er sie nicht genug loben (vgl. die Briefe Nr. 149 und 150 an Frau v. Geazinger). — 

3. mit Notten ersetzen hat einen Doppelsinn: Es können damit sowohl Musiknoten als 
Banknoten gemeint sein. 



112. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den i6 tn 9 1 * [Nov.] 1788 

Wohl gebohrner 

Sonders Hochzu verEhrender Herr! 

Sage unterdessen verbundensten Dank für die richtige bezahlung, So 
Sie stat meiner dem Herrn Schanz geleistet hatten, ich werde nicht allein 
mit der Zurückbezahlung, sondern auch mit den 3 neuen Sonaten, 1 wovon 
schon anderthalb verfertigt, zur bestirnten Zeit wort halten, bin unter- 
dessen mit vorzüglicher Hochachtung 

Dero 

ganz dienstfertigster diener 
Joseph Haydn. 

[„Adresse wie immer" Bemerkung in der einzigen Quelle: Pohls Kopie.] 

O verschollen. K. Pohls im Archiv der GdMf. BD: Art-Bot. J4 (aus der Pohl-K.). Dies war 
die einzige Textquelle für Ländern CCLN So und für unsere Ausgabe (durch Christa Landon 
mit der Pohl-K. neu kollationiert). 

1. Dieselben Klaviertrios (Hob. XV: ii-ij), die schon in den Briefen Nr. 107, 108 und 
in erwähnt sind. 



196 



Singst. 


Instrument. 


167 


239 


189 


236 


*79 


189 


69 


187 


187 


194 


192 


258 


9 


36 


186 


198 


% 


29 



113. Jahreskonto der Opernkopiaturen — von Haydn revidiert 
[Handschrift des Kopisten Schellinger] [Estoras, den 29. Dezember 1788] 

Conto 

Was von 16 January 1788 bis Decembr. 1788 anCopiatur für das hochfürstliche 
Theater ist copiret worden / die Singstimen der Bogen ä. 7 xr., die Instrumen- 
ten ä. 5 xr. accord. 

Opern Bogen 

II giunio Pruto 
I Finti Eredi 
Matrimonio inaspettato 
Orfeo 

I due castellani 
Vendetta di Nino 
Le gare generöse reparirt 

II marito disperato 
II Tamburo Notturno 

Soma 1247 1566 

Id est 275 F. 39 xr. 

Joann. Schilling / Copista di Theatro 
di 1 io bri » 1788 
[Von hier an Haydns Schrift:] 

Obige Summa hab ich Endes Unterschriebener genau untersucht und für 
richtig befunden. Estoras. den 29'° December 1788 

Josephus Haydn mppria 
Capell Meister 

O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 18, Nr. 1240. ED: Valkö II, 60 j. Nicht bei London CCLN. 
Das Dokument gibt ein getteues Bild der wechselvollen Opernsaison 1788 in Eszter- 
haza (vom Februar bis Dezember hatte Haydn insgesamt 108 Aufführungen — davon 7 
Novitäten und 10 weiter gespielte Opern — zu leiten). Die sieben Erstaufführungen sind im 
Kopiaturkonto ohne Ausnahme mit komplettem Aufführungsmaterial verrechnet: Giunio 
Bru/o von Cimarosa (Premiere im Februar; nach 3 Aufführungen abgesetzt); I finti eredi 
von Sarti (von März bis Dez. 16 Aufführungen; auch noch 1789-1790 auf dem Spielplan); 
Orfeo ed Euridice von Bertoni (von Sept. bis Dez. nur 2mal aufgeführt; 1789 noch 2 weitere 
Aufführungen, dann abgesetzt); I due castellani von Fabrizi (von Juli bis Dezember 8mal 

*97 



gespielt; 1789 noch weitere 5 Aufführungen); L.a Vendetta di Nino von Prati (von August 
bis Jahresende 12; 1789 noch weitere 13 Aufführungen); II marito disperato von Cimarosa 
(Premiere im Oktober, nach 4 Aufführungen abgesetzt); II tamburo notturno von Paisiello 
(im Dez. 2mal, 1789 noch 5mal, 1790 einmal aufgeführt). 

Von den weiter gespielten Opern ist II matrimonio inaspettato (eine Titelvariante ton L.a 
contadina di spirito) von Paisiello ausnahmsweise mit vollem Aufführungsmaterial verrechnet. 
Das Stück hatte zwar auf dem Spielplan von 1777 gestanden, doch ist das gesamte Material 
offenbar beim Theaterbrand 1779 vernichtet worden, so daß diesmal alle Stimmen neu 
kopiert werden mußten (die Oper wurde 1788 4tnal, 1789 noch einmal gespielt). Die 
weiteren 9 Reprisen waren: II disertore von Bianchi; Le gare generöse von Paisiello (mit 14 
Aufführungen war dies das meistgespielte Stück der Saison; die Abnützung des Materials 
erhellt aus Schellingers besonders berechneten Kosten für die Reparatur der Stimmen); 
Ultaliana in Londra von Cimarosa; I viaggiatori felici von Anfossi; Alessandro nell'lndie von 
Bianchi; L.a Quakera spiritosa von Guglielmi; Armida von Haydn; L'Isola di Calipso von 
Bologna und // Matrimonio per inganno von Anfossi. — Vgl. Bartha-Somfai HOK 144-1 jo; 
Hdrich ROKH 78-8} (mit wichtigen Nachträgen und Korrekturen zur Aufführungs- 
statistik aus dem Eisenstädter Archivmaterial). 



114. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras den 8 m Mertz / 1789 
Wohl gebohrener 

Sonders Hochzu verEhrender Herr 
Die gähe entSchliessung Meines Fürstens sich von d. verhasten Wienn 
zu entfernen, verursachte meine schleunige Reise nach Estoras, und 
hinderte, mich von dem grösten Theil meiner Freunden nicht beurlauben 
zu können, derohalben werden auch Sie mich hierinfals Excusiren. an 
den Tag meiner Abreise überfiel mich ein so heftiger Cathar, 1 daß ich 
ganze 3 Wochen unbrauchbahr wäre, nun aber Gott sey Dank befinde 
ich mich besser, verspreche auch die 3" Sonate 2 heut über 8 Tag ein- 
zuschücken übersende anbey die 2 anverlangte Unterschriften, wegen 
den übrigen wercken, deren ich einige verschiedene verfertigte werd ich 
Ihnen ein andermahl davon berichten, unterdessen 3 bin ich in vollkom- 
menster Hochachtung 

Euer Wohlgebohren 
ganz dienstfertigster diener 
Josephus Haydn. 
[Keine Adresse erhalten. Archivvermerk Artarias:] 

Heydn Giuseppe / Esterhaze 8. Marzo / 1789 



198 



O (Autograph) um 1909 noch im Besitz der Firma Artaria; dann (bis 1953) bei Heinrich 
Hinterberger; der heutige Besitzer ist vermutlich Rudolph Kallir (New York). (Das Auto- 
graph war uns nicht zugänglich.) ED: Nohl 10 j (unvollständig). Art-Bot. Jj-j6 (nach 
dem Autograph). Diese Ausgabe diente 'London CCLN So und unserer Ausgabe als einzige 
Textquelle. 

1. ein heftiger Cathar (d. h. Catarrh): Dies ist ein interessantes Beispiel für Haydns (ganz 
modern anmutende) nervöse Sensibilität: er muß (wohl oder übel) das geliebte Wien ver- 
lassen, sich nach dem (ihm jetzt schon verhaßten) Eszterhäza begeben — und wird sofort 
von einem heftigen Katarrh befallen! — 2. Die dritte der versprochenen Klaviertrios 
(Hob. XV: zi-iß). — 3. In unserer einzigen Vorlage (Art-Hot.) ist hier die Abkürzungs- 
schleife ,,-en" für das Wortende außer acht gelassen („unterdess"). 



115. Christoph Gottlob Breitkopf an Haydn 

10. Januar 1789. 

[Das Original dieses an Haydn gerichteten Briefes ist verloren. Seinen Inhalt kennen 
wir nur aus einem bei Hase 3 mitgeteilten Auszug (in (eÜb) Landau CCLN 81, 
Fußn. 2).] y f £ 

„Am 10. Januar 1789 bat Breitkopf Haydn, ihm für eine Sammlung von ver- 
schiedenen Musikstücken, die er selbst zusammenstellte, eine Klaviersonate %u 
übersenden, die noch niemals im Druck erschienen sei. Er möchte als Empfehlung 
für das ganze Unternehmen eine Originalkomposition Haydns haben und wenn es 
auch nur ein Satz wäre. Das Honorar möge Haydn selbst bestimmen, die Sonate 
müssteaber spätestens im März [178p] in seinen Händen sein, da in diesem Monat 
der Druck des ersten Heftes beginnen solle. Ferner bat er ihn in demselben Briefe, 
ob er ihm wohl die Ehre vergönnen wolle, seiner Handlung weitere Kompositionen 
Zum Verlag %u übergeben und bestellte unter dieser Voraussetzung sechs Klavier- 
sonaten, das Honorar dafür ebenfalls Haydn überlassend." 

[Auf dieses Schreiben kam bald eine zustimmende Antwort durch den Wiener Buch- 
händler Johannes Traeg, den Haydn bat, die Antwort zu überbringen, da er selbst dazu 
keine Zeit hätte:] 

„bis zum März ^erde er [Haydn] sicher eine Sonate liefern, für ein Honorar von 
10 Dukaten; für weitere sechs Sonaten sei sein Satz ebenfalls 60 Dukaten; sechs 
Sonaten mit Accompagnement kosteten bey ihm allezeit 80 Dukaten, Ihnen aber 
will er sie für 70 Dukaten lassen". 



199 



Il6. HäYDN AN DEN MUSIKALIENHÄNDLER J. TrAEG, 1 WlEN 

Estoras, den 8 ,n Mertz 1789 
Wohl gebohrner 
Sonders HochzuEhrender Herr! 1 

berichte, wie daß die durch Herrn Breitkopf anverlangte neue Ciavier 
Sonaten 2 bis künfftige woche verfertigt seyn wird. Sie werden demnach 
die gute haben mich zu benachrichtigen, an wem ich diese Sonate Addres- 
siren soll, und wer mir bey abgäbe derselben die 10 Ducaten bezahlen 
wird, in Hofnung mich hierinfals zu befriedigen bin ich mit aller achtung 

Dero 

ganz dienstfertigster diener 
Josephus Haydn mppria 
Capell Meister v. 
Fürst Esterhazy 
P: S: Sie belieben nur Ihren brief dem Portier im Fürstl. Hauß zu geben, 
es gehen fast täglich gelegenheiten ab. 
[Außen Adresse mit Siegel:] 

Dem wohl Edlen Herrn Johann 

Traeg Musicalien Händler zu 

zustellen. 

auf den Hohen Marck in / Wienn 

N ra 423. in / 4 ,n Stock. 

(Autograph): Hist. Society of Pennsylvania (seit ?). Eine Fotokopie (welche auch dem 
ED: Landon CCLN 80-81 als Vorlage diente) ist uns durch H. C. R. Landon zur Verfügung 
gestellt worden. 

1. Jobann Traeg war ein bekannter Kopist und Musikalienhändler des damaligen Wien, 
der später auch als Musikverleger tätig war. — 2. Zu dieser Klaviersonate vgl. das Doku- 
ment Nr. 115. 



117. Haydn an den Komponisten Joseph Leopold Eybler, 1 Wien 

Estoras. den 27" 1 Mertz / 1789 
Liebster Mons: Eybler! 

Dancke unendlich für alle Ihre glückwünsche; verdople alldieselbe von 
ganzen herzen: bin vergnügt über die Zufriedenheit Ihrer Sinfonie, 

200 



bedauere anbey, daß ich kein aug- und ohren zeug dauon war, hoffe aber 
dieselbe in wienn zu hören. nun bester freund, bitte ich, für mich 3 
neue tanz Menuetten, aber jedweden mit ein. [einem] Trio begleitet, zu 
Componiren, 2 d. [die] ursach meiner bitte werd ich Ihnen bey gelegenheit 
selbst entdecken, sage unterdessen nur so viel, daß diese 3 Menuet für 
einen meiner besten freund bestirnt sind, sie müssen aber niemanden 
andern weder gegeben, viel weniger producirt werden. Sed hoc inter 

NOS.3 

Herrn Humel 4 könen Sie melden, daß zwey von denen meinigen neuen 
Sinfonien, 5 so ich für den H: Tost componirte bald in stich erscheinen 
werden, die andre zwey aber werden erst in etwelchen Jahren zum Vor- 
schein komen. Verzeihen Sie mein kurz abgefastes schreiben, diss ist 
der 10 brief, so ich Expedier. 6 unterdessen bin ich mit aller Hochachtung 

Dero 

aufrichtigster freund und diener 
Jos: Haydn mppria 
Küssen Sie stat meiner die 2 grossen Männer Mozart und Albrechts- 
berger. 7 

[Außen Siegel und Adresse:] 
Monsieur 
Monsieur Joseph Eybler 

Maitre de la Musique. a 

in der Kohlmesser Vienne 

gasse. N r 668 im 
z ,n Stock 

(Autograph): Hofrat Viktor Keldorfer in Wien, Eine K. danach (die auch der (eÜb) 
Landon CCLN 81-82 als Vorlage diente) ist uns durch H. C. R. Landon zur Verfügung 
gestellt worden. Im unveröffentlicht; auszugsweise zitiert bei Pohl II, 24p. 
1. Der Komponist und spätere Hofkapellmeister Joseph Leopold Eybler (1765-1846), ein 
guter Freund Haydns und Mozarts. Über ihn vgl. auch R. Haas, J. L. Edler v. Eybler, Mo^art- 
Jb. Ifj2. — 2. Es ist schon Pohl II, 24p aufgefallen, daß der mit Arbeit überlastete Haydn 
hier einfach Eybler für sich komponieren läßtl — 3. Dieser lateinische Satz ist von Haydn 
im O besonders unterstrichen. — 4. Der Berliner Musikverleger Johann Julius Hummel. — 
5. Dies sind die Sinfonien Nr. 88 und 89. — 6. Diese Briefstelle ist das Hauptzeugnis für 
Landons Annahme, daß eine große Anzahl weiterer Haydn-Briefe spurlos verschollen sein 
muß. Von den im Brief erwähnten 10 Briefen des Tages ist dieser einzige erhalten! — 
7. Der bekannte Komponist und Theoretiker Jobann Georg Albrecht sberger (1756-1809). 

201 



Nun wissen wir (aus Griesinger 12), daß um 1755, als Haydn seine ersten Streichquartette 
für den Baron Fürnberg in Weinzierl komponierte und diese dort vortrug, ein gewisser 
Albrecht sberger den Violoncellpart spielte. Griesinger hielt diesen für einen Bruder des 
Johann Georg; neuerdings wurde jedoch festgestellt, daß der Kontrapunktist Albrechts- 
berger keinen Bruder hatte. Landon CCLN Sz Fuß». / will die beiden Namensverwandten 
vollends identifizieren; hierzu haben wir aber vorläufig gar keine Belege. J. G. Albrechts- 
berger war 1755-57 Organist in Raab (Györ) in Ungarn, also mehr als 200 km von Wein- 
zierl entfernt (vgl. MGG ISp. )0)); er konnte also kaum zum Cellospiel dorthin reisen. 



118. Haydn anöden Verleger Artaria, Wien 

Estoras, den 29" März / 1789. 
Mon tres eher amj ! 

Übersende die $ te Sonate, 1 welche ich also nach Ihrem geschmack mit 
Variationen ganz neu verfertigte. Bitte alle 3 bald möglichst zum Stich zu 
befördern, weil schon viele mit Schmerz darauf warten. Ich habe bey 
launigster stunde ein ganz neues Capriccio 2 für das fortepiano verfaßt, 
welches wegen geschmack, Seltenheit, besonderer ausarbeitung ganz gewiß 
von Kennern und Nichtkennern mit allem beyfall mus aufgenohmen 
werden. Es ist nur ein einziges Stück, etwas lang, aber nicht gar zu 
schwer; nachdem Sie immer von meinen Erwerbern' den Vorrang haben, 
so biete ich es Ihnen dar für 24 Ducaten: der Preis ist etwas hoch, aber ich 
versichere Sie einfen] Nutzen davon zu schöpfen; da ich ohnehin Ihr 
Schuldner bin, können Sie gleich davon abziehen: in Erwartung Ihrer 
Meinung"' bin ich mit aller Hochachtung 

Dero 

ganz diensfertigster diener 
Joseph Haydn 
[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur d' Artaria et / Compag. 
samt einer / Rolle mit Music. Vienne 

[Archivvermerk Artarias:] Heydn Giuseppe 

Esterhaze 29. Marzo / 1789 / ris. 2. Apl. 

0: die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCLN }z6 festgestellt: Geschäfts- 
archiv Artaria (bis?) -> Ludwig Zatzka, Wien (1920) -> II. Autogr. -Auktion Dorotheum, 
Wien (6. -10. Juni) 1922 Nr. 155 (mit Auszügen und Korrekturen zum Text y on. Art -Bot. } 6) 

202 



->■ ? Gegenwärtiger Besitzer unbekannt. • — • ED: Nohl ioj (unvollständig, ohne Adresse). 
Ari-Bot. j6-jj (nach einer alten Archivkopie der Firma Artaria); (eÜb) Landon CCLN 82-83. 
Auszugsweise zitiert auch bei Schmitt B VHM 303-304. Textquelle unserer Ausgabe :Art-Bot. 
J6-J7, mit den Korrekturen des Auktionskatalogs Dorotheum 1922. 
I. Das dritte Stück des schon öfters erwähnten Klaviertrioheftes (Hob. XV: 11 -13). 
— 2. Dieses Artaria angebotene neue Capriccio hat viel Kopfzerbrechen und Mißverständ- 
nis verursacht. Pohl II, 323 (und ihm folgend ScbmidBVHM 303) dachten naheliegender- 
weise an Haydns einziges so benanntes Klavierwerk, an das berühmte Capriccio G-Dur 
(Hob. X VII: 1) . Seitdem ist aber durch Hoboken 784 nachgewiesen worden, daß dieses 
Stück bereits seit einem Jahr (seit März 1788) bei Artaria gestochen vorlag; es ist also 
ganz undenkbar, daß Haydn dieses Werk ein Jahr später als „ganz neu" hätte Artaria 
anbieten können. In Wirklichkeit handelt es sich vielmehr um die Fantasie C-Dur (Hob. 
XVII: 4), die dann tatsächlich im November 1789 (nach Ari-Bot. im September) bei 
Artaria herauskam. Zur Unterstützung dieser einleuchtenden These kann auch dienen, 
daß noch im selben Jahr 1789 dieselbe Fantasie beim Londoner Partner Artarias, Longman 
& Broderip, tatsächlich unter dem Namen Caprice herauskam. Dasselbe Werk wurde 
also einmal als Capriccio, das anderemal als Fantasie bezeichnet. Vgl. hiezu auch noch die 
weitere Korrespondenz Haydns mit Artaria, die Briefe Nr. 121 und 124 (in ersterem wird 
von Capriccio, in letzterem bereits von Fantasia gesprochen). — 3. Nohl gibt hier die 
(ebenfalls mögliche) Lesart: meinen Werken. — ■ 4. Nohl: Ihrer Gesinnungen. 



119. Haydn an den Verleger Christoph Gottlob Breitkopf, Leipzig 

Estoras. den 5" 1 Aprill / 1789. 
Wohlgebohrner 
Sonders HochzuEhrender Herrl 

Übersende durch Herrn Traeg die neue Ciavier Sonaten, 1 in voller hof- 
nung, daß dieselbe beyderweld beyfall finden wird, die 10 4fc [Dukaten] 
hab ich richtig erhalten, wofür ich dancke. mit der übrigen forderung 
Ihres Schreibens kan ich dermahlen wegen allzu überheuftter arbeith nicht 
dienen, nur bitte ich Einen [?] säubern stich, und mir ein baar Exemplair 
zukomen zu lassen. der ich unterdessen mit vorzüglicher hoch- 
achtung bin 

Dero 

ganz dienstfertigster diener 
Joseph Haydn mppria 
Ich werde mir bey gelegenheit ein baar, aber schöne, Englische Kupfer- 
stich ausgebetten haben, werde dagegen mit etwas von meiner arbeith 
erckentlich seyn, weil ich ein grosser liebhaber derselben bin. 

203 



O: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Unverricht GBT 61 festgestellt: Caroline 
Pichler geb. von Greiner -> J. W. Goethe -> Goethe-und-Schiller-Archiv Weimar (gegen- 
wärtiger Besitzer). Eine Fotokopie (welche auch Landon CCLN 8} als Vorlage diente) 
wurde uns durch IMBA zur Verfügung gestellt. Im Original unveröffentlicht, 
i. Dies war die Klaviersonate C-Dur (Hob. XVI: 48). Sie wurde durch Breitkopf als Nummer 1 
eines „Musikalischen Pot-Pourri" im Nov. 1789 veröffentlicht. Der weitere Verlauf der An- 
gelegenheit war in einem (verlorenen) Brief Breitkopfs an Haydn (vorn ? Juni 1789) ent- 
halten, dessen Inhaltsauszug von Hase / mitgeteilt wurde: „Haydn möge, falls er mit 
den versprochenen sechs Klaviersonaten noch keinen Anfang gemacht habe, nur noch 
%wei Sonaten für die nächsten Hefte seiner Sammlung komponieren." (Offenbar war die 
Nachfrage nach dem „Pot-Pourri" nicht sehr vielversprechend, und Breitkopf wollte 
Vorsicht walten lassen.) Ob und in welchem Sinne Haydn darauf geantwortet hat, ist 
unbekannt. Tatsache ist, daß er die verlangten zwei neuen Sonaten an Breitkopf nicht 
geliefert hat. 

Dies ist der erste erhaltene Brief, den Haydn direkt an den berühmten Verlag in Leipzig 
gerichtet hat (früher stand er mit Breitkopf durch dessen auch hier genannten Wiener 
Mittelswann Jobann Traeg in Verbindung; vgl. unseren Brief Nr. 116). 



120. Haydn an den Verleger Jean-Georges Sieber, Paris 

Estoras. den 5 ten Aprill /4I789 

Monsieur I 

Mich wundert es sehr, daß ich von Ihnen noch kein Schreiben erhalten 
habe, indem (wie mir Herr Tost 1 schon vor langer Zeit geschrieben) 
Sie 4 Sinfonien, und 6 Ciavier Sonaten um hundert Louis d'or an sich 
gekauft hätten: ich bedaure von meiner seite, indem ich H. Tost die 
4 Sinfonien auf diese arth schuldig bin, daß Er mir noch auf diese 4 
Stück 300 f. [Gulden] zu zahlen hat. wollen Sie diese bezahlung deren 
300 f. auf sich nehmen, So verbinde ich mich Ihnen diese vier Sinfonien 
zu Componiren, 2 von denen 6 Ciavier Sonaten' aber hat Herr Tost von 
mir gar keine Pretension Er hat Ihnen also betrogen, und könfen Sie] 
hierüber Ihre Rechte in wienn suchen, nun bitte ich mir aufrichtig zu 
schreiben, wie und auf was arth sich Herr Tost in Paris aufführte. Ob 
er keine Amour allda hatte, und ob Er auch die 6 quartetten, und wie 
theuer, an Sie verckaufft habe. item, ob die quartetten und die 2 Sin- 

204 



fonien bald im stich erscheinen werden. alles diss bitte ich, mir also- 
gleich zu berichten. der ich unterdessen mit aller hochachtung bin 

Ihr 

ganz dienstfertigster diener 
Josephus Haydn mppria. 
[Adresse:] Monsieur Sieber 

Marchand de la Musique 
Paris. 

O: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch London CCLN )26 festgestellt: Maggs Bros. 
Katalog 425 (1922) Nr. 1285; Kat. 473 (1926) Nr. 263 (mit Faks. von Briefseite 2; dieses 
Faks. auch in allen weiteren Maggs-Katalogen); Kat. 504 (1928) Nr. 1048; Kat. 512 (1928) 
Nr. 420; Kat. 538 (1930) Nr. 254 -*■ der gegenwärtige Besitzer ist unbekannt. ED: Signale, 
Jg. 92 (19)4) Nr. 41, jj8. Diese Mitteilung (mitsamt der Fotokopie-Seite im Maggs-Kat.) 
diente als Vorlage für (eÜb) London CCLN 84 und für unsere Ausgabe. 
1. Mit diesem Brief wird die Rolle des Violinisten Johann Tost, der 1789 in 
Paris mit Werken Haydns handelte, rätselhaft und verdächtig (vgl. auch Haydns Brief 
an Artaria, Nr. 1 10). Tost hatte legalerweise zwei Sinfonien (Nr. 88, 89) und sechs Quartette 
(Op. 54-55), von Haydn beauftragt, mitgenommen, offenbar um sie in Paris zu verkaufen. 
Seine Rolle wird aber von dem Moment an höchst fragwürdig, wo er mit weiteren (echten 
oder unechten) Werken Haydns in Paris Geschäfte macht. Wie konnte Tost an Sieber vier 
Sinfonien Haydns verkaufen, wo er doch nur %ivei von ihm nach Paris mitbekam ? Es ist 
sehr wohl möglich, daß Haydn tatsächlich noch zwei weitere Sinfonien für Paris (bzw. 
Tost) später zu komponieren beabsichtigte; eine Anspielung auf diese Absicht kann im 
letzten Absatz des Briefes Nr. 117 an Eybler gefunden werden („zwey von denen meinigen 
neuen Sinfonien, so ich für den H: Tost componirte . . . die andre ^wey aber Werden erst in 
etwelchen Jahren zum Vorschein komen"). Haydn hat sich damit aber nicht sehr beeilt, 
u. zw. um so weniger, als Tost ihm hierfür noch 300 Gulden schuldig blieb (wie eben aus 
diesem Brief hervorgeht). Die dem Grafen d'Ogny dedizierten 3 neuen Sinfonien für das 
Pariser Concert de la Loge Olympique (für das schon seinerzeit die „Pariser Sinfonien" Nr. 
82-87 komponiert waren) kommen hier nicht in Frage, da Haydn diese sicher nicht Tost 
übergeben hat. Tost muß sich in Paris auf irgendwelche fragwürdige Weise geholfen haben, 
vielleicht sogar so (wie in der Literatur vielfach angenommen wird), daß er eine G-Dur- 
Sinfonie von Gyroweiz, unter dem Namen Haydns an Sieber verkaufte (vgl. Larsen HÜb 11 / 
und LS 3; ferner Hoboken 263-64). — 2. D. h. die noch fehlenden zwei zu den tatsächlich 
an Sieber gelangten Nrn. 88, 89. — • 3. Hinsichtlich der durch Tost angebotenen 'Klavier- 
sonaten sind wir nur auf ein Rätselraten angewiesen. London CCLN 8j (im Kommentar 
zu diesem Brief) denkt an die Klaviersonaten Nr. 33, 34, 43, 40-42 usw. Diese waren aber 
damals z. T. bereits durch Artaria publiziert, und sie sind obendrein auch niemals bei 
Sieber erschienen. Wir selbst möchten hierbei (Haydns Sprachgebrauch entsprechend) 
eher an Klaviertrios denken, von welchen Sieber nur wenig später (1791) tatsächlich 

205 



einige veröffentlicht hat (so z. B. die Stücke Hob. XV: 14-16). Dies nur mit allem Vor- 
behalt. 

Dies ist der erste von Haydns drei erhaltenen Briefen an den bekannten Pariser Musik- 
verleger /. G. Sieber. Die weiteren Briefe folgten im Juli bzw. August desselben Jahres 
(Nr. 126, 127). , 



121. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras. den 6'° Aprill / 1789 

Wohl gebohrner 

Sonders hochzuver Ehrender Herr! 

Übersende die anverlangte von mir unterschriebene zwey Assicurentz 
Quittungen, samt dem Capriccio, 1 mit gänzlicher Versicherung, daß Es 
keine andere Seele aus meiner hand Empfangen solle. Es ist mir aber 
leyd, daß ich vermög meiner arbeith von diesen 24 # [Dukaten] keinen 
kreuzer nachlassen kan. nur bitte ich, daß sowohl die Sonaten, 2 als auch 
das Capriccio sauber und leserlich gestochen wird. 

beygelegten brief 3 an Herrn Sieber Verleger in Paris bitte alsogleich Zu 
Expediren. Es betrifft Sein Interesse. unterdessen bin ich mit aller 
hochachtung 

Dero 

ganz dienstfertigster diener 
Joseph Haydn mppria 
bitte in teutscher sprach / zu andworten. 
[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur d' Artaria et / Compag. 

ä / Vienne. 
Bitte um beförderung. 
[Archivvermerk Artarias:] Heydn Giuseppe 

Esterhaze 6 April / 1789. / li 18 Giug: 

O: Die Besitzerfolge ist durch Landon CCLN }zj festgestellt: Artaria-Archiv -> Albert 
v. Franck, Graz (1870) — Leo Liepmannssohn Auktionskat. 3. März 1886, Nr. 480 -> 
Samml. Wilhelm Heyer, Köln -* V. A. Heck, 5. Sept. 1927 ->■ G. Nebehay -> Artaria- 
Archiv (zurückgekauft!) -> Heinrich Hinterberger (bis 1955) -*■ ? Als gegenwärtiger 
Besitzer wird Rudolph Kallir (New York) vermutet. ED: Art-Bot. T7-J8 (ohne Adresse, 
nicht ganz buchstabengetreu). Auf Grund eines (durch das IMBA vermittelten) Fotos sind 

206 



uns kleine Emendationen zum Text von Arf-Bof. durch Christa Landern übermittelt worden, 
i. Capriccio: Hiermit meint Haydn die Fantasie C-Dur (Hob. XVII: 4). Vgl. unseren Kom- 
mentar zu den Briefen Nr. 118 und 124. — ■ 2. Sonaten: hiermit sind die Klaviertrios (Hob. 
XV: zi-13) gemeint, wie schon in den Briefen Nr. 107, 108, 111, 114, 118. — 3. brief: den 
am Vortag geschriebenen Brief an Sieber (Nr. 120). 



122. Marianne von Genzinger an Haydn, Eszterhäza 
[Brief kon^ept] [Wien, den 10. Juni 1789] 

Hochgeehrtester Herr v. Hayden 

[gestrichen: Ich] Mit [gestrichen: Ihrer] dero gütigen Erlaubnüs 1 nehme ich mir 
die frejheit, Ihnen einen Ciavier lußzug [gestrichen: eines] des schönnen Andante 
Ihrer mir so schätzbaren Composition %u übermachen, solchen aus^ug habe ich 
ganz allein aus der Spart ohne Mindester beyhilf meines Meister gemacht, bitte 
die gute %u haben iven sie etwas daran auszustellen finden, solches %tt Corigiren. 
Ich ver hoffe Sie werden Sich in besten Wohlstand befinden u. wünschte nichts sehn- 
licher als Sie bald in wien z tl sehen, um Ihnen immer mehr meiner Hochachtung, 
welche ich für Sie Hege, überzeugen zu können. Ich gebleibe mit wahrerTreindschaft 
mein gemahl u. kinder dero ergebenste dienerin. 

empfelen sich Ihnen Maria Anna Edle v. Gennzjnger 

Gleichfals schenstens z Gehörne Edle v. Kayser. 

Wien den io ta Juny 1789. 

O: Die Autographe der mit diesem Brief beginnenden Korrespondenz Haydns mit Frau 
von Genzinger sind im Codex 14300 der ÖNB (Fol. 1-56) in einen Band zusammengebunden 
erhalten, Die Haydn-Briefe an Frau v. Genzinger sind von der Adressatin pietätvoll 
alle im Original aufbewahrt, aber ohne die Umschläge; darum ist die Adressierung nur 
in den Ausnahmefällen erhalten, wo sie auf der Rückseite des Briefpapiers steht. Die 
wenigen erhalten gebliebenen Briefe der Frau v. Genzinger besitzen wir (wie auch den 
vorliegenden) nicht in Reinschrift, sondern im Konzept. Dieser Brief befindet sich auf 
Fol. la des Codex. Die Rückseite ist bis auf die bedeutungslose Notiz (von fremder Hand) 
„Nro. 54" leer. ED: Karajan }/. Danach Nobl ioy; Norvak\2, 316-317. Faks. Non>akJ2, 318. 
1. An dieser Stelle stand ursprünglich ein Komma, welches dann mit Bleistift nachträglich 
(durch Fr. Genzinger selbst?) getilgt wurde. — 2. Die Nachschrift lautete ursprünglich: 
„Von meinen gemahl und kindern folget gleichfals Ihr Emphelen." 



207 



123. Haydn an Marianne von Genzinger in Wien 

[Estoras, den 14. Juni 1789] 

Hoch, und Wohl gebohrne 

Gnädige Frau! 1 

Unter all mein bissherigen Briefwechsel wäre die Überraschung, eine 
So schöne Handschrifft mit So gütigen Ausdrücken durch zu lesen, für 
mich die allerangenehmste; noch mehr aber bewunderte ich das ein- 
geschückte — treflich übersezte Adagio, 1 welches Ihrer Richtigckeit 
wegen jeder Verleger unter die Presse legen kan. nur möchte ich wissen, 
ob Ihro gnaden dieses Adagio aus der Partitur, oder ob sich Ihro gnaden 
die erstaunende mühe gaben Es vorhero in die Partitur zu setzen, und 
alsdan erst für das Ciavier übersezt haben, denn wan lezteres, so ist diese 
Attention für mich zu schmeichelhaft, welches ich in Wahrheit nie ver- 
diene: 

Allerbeste — gütigste Frau v. Gennsingerl [sie] ich erwarte einen finget - 
zeig, wie auf was arth ich im stände seyn kan Euer gnaden gefällig zu 
werden: Sende unterdessen das Adagio zurück, und hofe v. Euer gnaden 
in Rücksicht meiner wenigen Talenten ganz sicher einige Befehle, und 
bin mit ausnehmender, und vorzüglichster Hochachtung 

Euer gnaden 

ganz gehorsamster diener 
Josephus Haydn mppria 

Estoras, den 14'° Juny 1789. 
N: S: an Hoch Dero Herrn Gemahl 
bitte mein gehorsamstes Compliment 
zu vermelden. 

(Autograph) im Sammelband der Haydn-Genzinger-Korrespondenz ÖNB Codex 14300, 
Fol 2a-b (Fol. 3a-b sind leer). Umschlag (mit Adresse) nicht erhalten. ED: Karajan }8. 
Danach Nohl 107-108, usw. 

i. Welches Adagio Haydns es war, das Frau v. Genzinger in Klavierfassung brachte, 
läßt sich heute nicht mehr genau feststellen. — Dies ist der erste erhaltene (vermutlich 
überhaupt der erste) Brief Haydns an Frau von Genzinger. 



208 



1 24. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Wohl gebohrner Estoras den 5"° Julj 1789. 

Sonders HochzuverEhrender Herr! 

Für die lezthin überschückte 3 Sonaten, und Fantasie 1 sage ich verbunden- 
sten Danck, nur bedaure ich, daß hie und dort einige fehler mit ein- 
geschliechen sind, welche nunmehro nicht mehr abgeändert werden 
könen, weil Sie schon verschückt, und zum Verekauf hindan gegeben 
worden, es ist immer schmerzlich für mich, daß noch kein einziges Werck 
unter Ihrer auf sieht fehler frey ist, Sie hatten mir sonst vor der Heraus- 
gabe immer den allerersten Abdruck eingesandt, und Sie thatten ver- 
nünfftig; ich konte Ihnen die einzige mir überschückte Sonaten zu keinen 
Muster übermachen, weil ich Sie nicht beschmutzen wolte, und in Forcht 
stunde dieselbe lang zu entbehren, oder vielleicht gar zu verliehren, 
welches doch stets für den Autor verdrüsslich seyn [gestrichen: „müse"] 
würde, was meine schuld per 39 fl. [florins] betrifft, bitte ich noch 
ein wenig in geduld zu stehen, ich habe hoffnung, eine schuld v. Sieben 
Jahren des Erzherzogs v. Mayland bezahlter zu erhalten. werde alsdan 
mit danck baar bezahlen, unterdessen haben Sie die gute, und über- 
machen Sie mir 3 Exemplair von denen Sonaten, und 3 von der Fantasie, 
ingleichen ein Exemplair von denen 7 Wörtern in Ciavier Auszug . . . wie 
auch ein Exemplair von denen neuen quartetten. 2 

nun möchte ich gerne eine Wahrheit wissen, und zwar, von wem Sie 
die 2 neue Sinfonien, so Sie lezthin angeckündigt 3 erhalten haben, ob 
Sie solche directe von Herrn Tost 4 an sich geckauft, oder durch Herrn 
Sieber aus Paris schon gestochen überkomen haben. solten Sie dieselbe 
von Herrn Tost an sich geckauft haben, so bitte ich Sie dringend, mir 
darüber eine a parte schriftliche Versicherung verabfolgen zu lassen, weil, 
wie ich höre, Herr Tost vorgäbe, als hätte ich diese 2 Sinfonien an Sie 
verekauft, und Ihme dadurch einen grossen schaden zugefügt. In hofnung 
einer baldigen andworth bin ich mit aller Hochachtung 
Euer Wohl gebohrn 

ganz gehorsamster diener 
Josephus Haydn mppria 
[Außenseite : keine Adresse ; nur formelle Empfangsbestätigung von Artaria] 
Heydn Giuseppe / Esterhäze 5. Luglio / 1789 / ris. 9 Detto 

14 209 



O: Besitzerfolge: Alexander von Posonyi ->■ Ff. Cohen, Katalog Posonyi Nr. 475 -* 
N. B. Szechenyi, Budapest, Handschriftenabt. Ep. Mus. 286/6. K. Pohls im Archiv der 
GdMf. — ED: Nohl 108-109 (unvollständig). Ari-Bot. /8-j? (aus Nohl); London CCLN 
86-87 und unsere Ausgabe stützen sich auf das Autograph. 

i.Fantasie: Es ist hier zum erstenmal, daß Haydn selbst sein Klavierwerk (Hob. XVII: 4), 
so wie es dann auch im Druck erschien, als Fantasie bezeichnet. In den früheren Briefen 
an Artaria (Nr. 118 und 121) hat er dasselbe Werk noch mißverständlicherweise Capric- 
cio genannt. — 2. quartetten: Die diesbezügliche Fußnote 2 von Landon CCLN 8y 
bezieht diesen Ausdruck Haydns auf die Quartettserie Op. 50. Es wäre aber sonderbar, 
wenn Haydn diese vor nahezu 2 Jahren bei Artaria erschienene Serie als „neue 
Quartette" erwähnte. Sollte es sich nicht vielmehr um die in Vorbereitung be- 
findliche neue Serie Op. 54-55 handeln, die von Artaria in der Wiener Zeitung am 1. Juli 
1789 (also einige Tage vor diesem Brief) angezeigt wurde? Diese würden doch die Be- 
zeichnung „neue" viel eher verdienen. Und daß Haydn am 5. Juli von der (am 1. Juli 
erfolgten) Anzeige Artarias schon Kenntnis hatte, geht aus der Fortsetzung des Briefes 
hervor, wo er sich in bezug auf die „neuen Sinfonien" auf eine ebenfalls am 1. Juli er- 
schienene Anzeige Artarias beruft. — 3. Artaria hat die von Haydn (durch die Vermittlung 
von Tost) an Sieber in Paris verkauften Sinfonien Nr. 88-89 am 1. Juli 1789 in der Wiener 
Zeitung angezeigt (vgl. Hoboken 160). — 4. Über die Geschäfte von J. Tost vgl. die 
Briefe Haydns an Sieber in Paris: Nr. 120, 126, 127. 



125. Von Haydn revidiertes Dokument: Opernpartituren werden 
angekauft 

[Kopistenschrift; von Haydn revidiert und signiert] [14. Juli 1789] 

Nota 

Nachstehendes ist von mir auf H. Kapellmeister Hayden seiner Unterschrift 
vor das hochfürstliche Theater angekaufet worden. 

Partitura delle Gelosie Fortunate 30 Fl. 

Partitura Pittor Parigino 30 Fl. 

Partitura le Nozze di Figaro 30 Fl. 

Parti cauate delli Cantanti della sudetta Opera 30 Fl. 

Summa: 120 Fl. 
Id est 120 Fl. Porta mp. 

Josephus Haydn mppria 
[Die Genehmigung des Fürsten ist datiert: „Kissmartonii 14* Julii 1789."] 

O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 16, Nr. 1245. ED: Valkö II, 6oj. Bartha-Somfai HOK 
ijy. Die Revision (von „Id est" an) ist in Haydns Handschrift. 

2IO 



Es ist eine launige Fügung des Zufalls, daß Haydn die Verrechnung von der (auch in- 
haltlich so unerhört revolutionär-kühnen) Partitur von Figaros Hochzeit dem Fürsten 
Esterhäzy ausgerechnet am 14. Juli Z789 einreicht! — Ansonsten ist die Verrechnung offenbar 
nachträglich erfolgt, denn die Eszterhäzaer Erstaufführung von Le gclosie fortunate ist bereits 
im Mai 1789, jene von II pittore parigino im Juni 1789 dokumentarisch belegt. Die Auf- 
führung von Figaro ist ebenfalls geplant gewesen, dann aber auf 1790 verschoben und 
schließlich durch den jähen Tod des Fürsten Nikolaus (im Sept. 1790) überhaupt verhin- 
dert worden. 



126. Haydn an den Verleger Jean-Georges Sieber, Paris 

Esteras den 27'° July 1789. 

Monsieur! 1 

[Haydn — Bezug nehmend auf seinen Brief Nr. 120 vom 5. April 1789 — 
schreibt über die Publikation von vieren seiner Sinfonien und zweier 
Sonaten (vermutlich Klaviertrios) und beruft sich auf seine Korrespondenz 
mit Artaria über diese Frage. Haydn erklärt sich für bereit, diese Sinfo- 
nien. . .] 

zu Componiren, und solte dieser gegenwärtiger brief bey allen gerichten 
zu Ihrer gerechtfertigung dienen, hingegen bitte ich Sie (um den Herrn 
Tost ebenfals zu überzeugen, und um Ihme alle übrige an mich hierinfals 
gestellte forderung deren 4 Sinfonien zu benehmen) mir eine Authentisirte 
schrifft von Ihrer Seite zu meiner Rechtfertigung zu überschücken. 
damit so wohl ich von Ihrer, als Sie von meiner seite gesichert, und dem 
Herrn Tost ein Ewiges stillschweigen auferlegt wird, ich verhoffe alß 
sobald möglich eine andworth. bin unterdessen mit vorzüglichster hoch- 
achtung 

Dero 

ganz dienstfertigster diener 
Josephus Haydn mppria 

0: Die Besitzerfolge ist durch London CCLN }zj festgestellt: Kat. Pearson 12, Nr. 165 
(um 1900?) ->■ Maggs Bros. Kat. 320 (1914) Nr. 328 (mit Faks. von S. 2). ED: (eÜb) Landon 
CCLN 87-88. Vorlage: Faksimile-Seite und Inhaltsangabe im Maggs-Katalog (1914). 
1. Von diesem Brief ist nur die zweite Hälfte (Blatt 2) im Autograph erhalten. Vom einst- 
weilen verschollenen Blatt 1 kennen wir nur den Inhalt, aus der Zusammenfassung im 
Auktionskatalog Maggs. 

H* 211 



127. Haydn an den Verleger Jean-Georges Sieber, Paris 

Estoras den 28'° August 17851. 
Monsieur 1 

Da ich nun ganz versichert bin, daß die vier Sinfonien, welche ich zu 
komponieren habe, für Sie bestimmt sind, so will ich mein möglichstes 
tun, diese so bald als möglich für Sie fertigzustellen, und ich will diese dann 
Ihnen eine nach der anderen zuschicken, sobald sie vollendet sind. Sie 
sollen darüber beruhigt sein, daß ich mit dieser Komposition mir alle 
Mühe nehmen werde, denn ich vergesse niemals weder meine Ehre noch 
meine Reputation. N. B. Ich möchte, daß eine von diesen vier Sinfonien 
den Titel „National"-Sinfonie erhalten solle 1 . . . 
[Adresse:] 

Monsieur Sieber 
Marchand de la Musique tres Renomme 
ä Paris. 



O: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCLN 327 festgestellt: Samml. 
Yemeniz -> Samml, Alfred Morrison (Katalog London 1885, II, 245) ->• Samml. Arthur 
Hill ->■ Sotheby Auktionskat. 17 (Juni 1947) Nr. 291 -*■ Walter Schatzki ->? Der gegen- 
wärtige Besitzer ist nicht festgestellt. Unsere einzige Vorlage war, ebenso wie für den ED: 
(eÜb) Landon CCLN SS, der anscheinend ziemlich präzise Inhaltsauszug im Kat. von 
Morrison und Sotheby, den wir oben ins Deutsche rückübersetzt haben. 
1. Mit dieser (niemals komponierten) „National-Sinfonie" wollte sich Haydn offenbar 
die damalige politische Lage in Frankreich klug zunutze machen. 

Der Pariser Verleger Sieber hat von J. Tost, anläßlich dessen Besuchs in Paris, vier Haydn- 
Sinfonien gekauft, davon aber in Wirklichkeit nur zwei (Nr. 88, 89) erhalten. Im Anschluß 
an seine früheren Briefe (Nr. 120 und 126) übernimmt hiermit Haydn die Verpflichtung, 
die restlichen 2 Sinfonien für Sieber zu komponieren. Er hat dann aber dieses Versprechen 
nicht halten können. Die 1788 (1789?) komponierten drei bedeutenden Sinfonien Nr. 90, 
91,92 sind für den Grafen d'Ogny bzw. für die Concerts de la Loge Olympique bestimmt ge- 
wesen und mit diesem Hinweis im Titel bei Le Dm in Paris (1790?) erschienen. Wohl hat 
sie auch Sieber (wann?) mit der Überschrift „Simphonies Periodiques" herausgegeben, 
doch hat damit Haydn seine Verpflichtung kaum als erfüllt ansehen dürfen. 



212 



128. Haydns Eingabe an den Fürsten Nikolaus I Esterhäzy 

[Nur in Kari2leikopie erhalten] [Kismarton, um 10. Oktober 1789] 

Durchlauchtigst hoch Geborner Reichs-Fürst 
Gnädigst hoch gebiethendester Herr Herr! 

Unterzeichneter nebst denen sämmtlichen hochfürstlichen Orchester-In- 
dividuis biten Euer Hoch Fürstlichen Durchlaucht in aller Unter- 
thänigkeit: Hoch Dieselben geruhen Ihnen anstatt deren künftig in natura 
zu empfangen habenden Sommer-Uniformen den diesfälligen Geld- 
betrag, so wie andere vorhergehende Jahre, da Jedweder derselben mehr- 
malen mit ganz neuen Sommer-Uniforms, welche sie in Ersparung ge- 
bracht, versehen, gnädigst verabfolgen zu lassen; in tiefester Submission 
ersterbend 

Euer Hochfürstlichen Durchlaucht 
[Kein Datum] unterthänigst -gehorsamste 

Joseph Hayden Kapellmeister nebst sämmtlichen 
hochfürstlichen Kammer-Musicis. 

[Auf der Außenseite des Aktenstückes die Erledigung:] 

Denen Herrn Supplicanten haben S e durchlaucht an Platz der anzuschaffenden 
neuen Sommer Uniformen zur zeit, wenn ihnen diese neuen Uniformen ab- 
zugeben wären, und zwar dem Herrn Kapelmeister das baare Geld mit Ein 
Hundert Fünfzig Gulden, denen übrigen Herrn Musicis hingegen mit Sieben- 
zig Fünf Gulden aus der General Cassa zu verabfolgen untern io cn dieß be- 
williget. Datum ex Commissione Celsissimi Principatus Eszterhaziani. Kiss- 
martonii 12." Octobris 1789 
Paulus Eötvös mppria / Praeses 
Franciscus Gäll mppria / Act. 

O: Budapest, EA -TS, A. M. Fase. 19, Nr. 1266. ED: ValköII, 606 (nicht ganz buchstaben- 
getreu, aber brauchbar). (eÜb) Latidon CCLN SS. 



213 



129. Haydnan den Wallersteinischen Hofagenten F. Müller, Wien 

[Ohne Datum; Estoras, ca. 17. Oktober 1789] 1 

Hoch- und Wohl gebohrner 

Sonders HochzuEhrender Herr v. Müller! \ 

Endlich übermache Euer Wohl gebohrn die 3 Sinfonien für S e Hoch- 
fürstl. Durchl. dem gnädigsten Fürsten Oeting v. Wallerstein. Wegen 
der so späten Einsendung aber bitte ich gehorsamst um Vergebung, da 
Euer Wohl gebohrn von selbst einsehen werden, wie schwer es fällt 
(wenn man ein Diener eines solchen Herrn ist, der noch in Seinen spätesten 
Jahren unersetlich in der Music ist) nicht Worte halten zu können. Ich 
trachtete von ein tag auf den andern den gütigsten Fürsten v. Wallerstein 
zu befriedigen, allein meine tägliche häufige Dienste verhinderten ein 
solches jederzeit wider meinen Willen: 2 Längstens heute über 8 Tag werd 
ich mich erdreusten, 12 ganz neue Tanz Menuetts mit 12 Trios begleitet, 
zu diesen herrlichen Festin einzuschicken.' 

Nun bitte ich gehorsambst dem dortigen fürstl. Herrn Capellmeister zu 
melden, daß diese 3 Sinfonien (beuor Sie producirt werden) wegen so 
vielen Particularitäten genau und mit aller Attention wenigsten 1 mahl 
möchten probirt werden. 4 

Unterdessen bin ich mit vorzüglicher hochachtung 

Euer Hoch- u. Wohl gebohrn 
ganz gehorsamster diener 
Josephus Haydn. 
[Der Umschlag mit der Adresse ist nicht erhalten.] 

(Autograph): Fürstl. Wallersteinisches Archiv aufschloß Harburg (Sign. II. Abt. A (d 
Hofmusik, Nr. 131). ED: Diemand )}, dessen Textfassung der (eÜb) Landon CCL.N £9 
und unserer Ausgabe als Vorlage diente. 

1. Haydns Brief ist undatiert. Wir besitzen aber dazu den Begleitbrief des Hofagenten 
Müller, der vom 21. Okt. 1789 datiert ist; Haydn muß also seinen Brief kurz vorher 
geschrieben haben. Die übersandten Sinfonien Haydns (Nr. 90-92) sind in authentischer 
Kopie bis heute im fürstl. Wallersteinischen Archiv auf Schloß Harburg erhalten. — 
Müller konnte glücklicherweise nicht wissen, daß Haydn dieselben Sinfonien auch dem 
Grafen d'Ogny in Paris zuschickte. — 2. Das ist keine Übertreibung Haydns; er hatte 
in den Monaten August-November 1789, von anderen Arbeiten abgesehen, monatlich 
je dreizehn Opernaufführungen vorzubereiten und zu leiten. Vgl. Hdrich ROKH 87. — 
j. Es handelt sich um die Feierlichkeiten anläßlich der (zweiten) Eheschließung des Fürsten. 

214 



Über diese (verlorenen) Menuette vgl. Hoboken Jj8. — 4, Angesichts heutiger Spiel- 
gewohnheiten klingt es fast rührend bescheiden, daß Haydn für die Aufführung dieser 
seiner so meisterhaft und unerhört differenziert gearbeiteten Werke „wegen so vielen 
Particularitäten" wenigstens je eine Probe verlagt! 



130. Marianne von Genzinger an Haydn, Eszterhäza 

[Briefkon^ept] 'wien den 29' October 1 1789 

Hochgeehrtester Herr v. Hayden. 

Ich verhoffe, Sie werden meinen Brief von //' September samt [?] den i ta Stükk 
der Sinfonie (wovon ich Ihnen das Andante schon vor einigen Monathen überschiket) 
Nichtig erhalten haben, und nun folget auch das le%te Stükh davon, welches ich 
so gut als ich es im Stande wäre* auf das Ciavier gebracht, wünsche nur das es 
Ihnen angenehm u. [und] bitte schenstens, 1 im fahle ich etwas daran verfehlet, 1 
solches nach dero gelegenheit ?(u Corigiren, 1 welches Ich von Ihnen, 1 Schät^barester 
Herr v. Hayden, 1 - mit grasten dankh jederzeit annehmen werde, bitte schenstens 
nur die Güte %u haben u. mir %u erinneren, 1 ob Sie meinen Brief von ij la September 
samt den Stükh erhalten haben, und ob es nach dero Geschmakh ist 1 welches mich 
sehr erfreyen würde, dan ich bin sehr unruhig u. besorgt 1 ob sie solches Richtig 
Empfangen haben, 1 oder es Ihnen villeicht nicht unangenehm wäre. Ich verhoffe 
dero bestes Wohlsein, 1 welches s>u vernehmen mich auserordentlich erfreyen wird, 
Empfelle mich dero ferneren* freundschaft u. andenkhen, gebleibent 
Mein Gemahl meldet dero ergebenste freindin u. dienerin 

gleichfals seinen Re- Maria Anna Edle v. genn^inger 

spect. geborne Edle v. Kayser 

O (Autograph) im Sammelband der Haydn-Genzinger-Korrespondenz, ÖNB, Cod. 14300, 
Fol. 4a (Fol. 4b ist leer). ED: Karajan j<). Danach Nobl 109 (ziemlich ungenau, nicht buch- 
stabengetreu reproduziert); usw. 

1. Frau G. hat in der Datierung zuerst (irrtümlich) „September" geschrieben; dann dieses 
durchgestrichen und durch das richtige „October" ersetzt. — 2. Die hiemit bezeichneten 
Kommata sind mit Bleistift nachträglich (vielleicht von Leopold v. Genzinger?) ins 
Tintenkonzept gesetzt worden. — ■ 3. Im Entwurf ist dieses Wort „ferneren" (irrtümlicher- 
weise) zweimal geschrieben und die Wiederholung dann getilgt worden. — ■ Das Auto- 
graph ist ein Konzept (keine Reinschrift) der Frau v. Genzinger; weder Umschlag noch 
Adresse sind erhalten. Auch die im Brief erwähnte Notensendung der Frau von Genzinger 
ist nicht erhalten. Wie aus dem nächsten Brief (Nr. 131) hervorgeht, hat Haydn die Arbeit 
an Frau v. Genzinger zurückgesandt. 

215 



131. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

[Estoras, den 7. November 1789] 

Hoch, und Wohl gebohrne 
Gnädige Frau! 

Million mahl Bitte ich Euer Gnaden um Vergebung, daß ich So spät 
die So mühesame, als trefliche arbeith zurücksende; bey meiner lezten 
Säuberung meines quartiers, so gleich nach Empfang des Ersteren Stückes 
sich ereignete, wurde dasselbe unter so vielen Musicalien durch meinen 
Copisten verlegt, und erst dieser Tagen hatte ich das glück es in einer 
alten Opera Partitur zu finden. Theuerste! allerbeste Frau v. gennziger! 
seynd Sie auf einen Mann nicht böse, der Sie über alles hochschäzt, ich 
wäre untröstlich, wenn ich durch diese Versäumniß nur in etwas die 
gnade (auf welche ich so stolz bin) verlohren hätte. 
Diese zwey Stück sind eben so fleissig, als die Erstere übersezt. bewundere 
nur die mühe, und geduld, so Euer Gnaden in ansehung meiner wenigen 
Talenten anwenden, versichere hingegen, daß mich in meiner öfteren 
üblen laune nichts so sehr aufmuntert, als das schmeichelhaffte bewust 
seyn in Euer Gnaden gütigen Errinnerung zu stehen, für welche gnade 
ich tausendmahl die hände küsse, und in wahrer Ehrfurcht stets verbleibe 

Euer gnaden 

ganz gehorsamster diener 
Joseph Haydn mppria 
Estoras. den 7" 9 bri ' [Nov.] 1789. 
P:S: Meinen gehorsamsten Respect an Hoch Dero H. gemahl, und ge- 
samte Familie, 
bald werd ich die gnade haben, selbst meine aufwartung zu machen. 

(Autograph) im Haydn-Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 5-6 
(die Seite 6b ist leer). Der Umschlag mit der Adresse ist nicht erhalten. ED: Karajan 60. 
Danach Nobl 110 (nicht ganz buchstabengetreu); usw.; in (eÜb) Landon CCLN 90. 



216 



132. Marianne von Genzinger an Haydn, Eszterhäza 
[Brief kon^ept] wien den j 12. November 1789. 

Hochgeehrtester Herr v, Hayden 

Ich bin nicht im Stande das vergnügen sattsam aus^utrüken, 1 welches ich bej 
durchlesung dero mir so schä^baren Schreibens von ^"fühlte, wie sehr bin ich für 
meine Mühe belohnt* da ich dero ^ufridenheit darüber sehe, wolte nichts sehn- 
licher wüntschen als mehrere Zeit (vermag meinen viellen Hauß geschafften) %u 
haben, so würde ich gewiß vielle Stunden 1 der Musik widmen welches meine Liebste, 1 
angenehmste beschäftigung 1 were. Nehmen sie, 1 werthester Herr v. Haydn, , l nicht 
ungütig das ich Sie wiederum mit meinen schreiben belästige (dan ich diese gute 
Gelegenheit nicht wolte vorbey gehn laßen, ohne Ihnen den Richtigen Empfang dero 
Briefes %u bestattigen) . mit gröster Sehnsucht sehe ich den angenehmen Tag ent- 
gegen 1 sie hier in wien %u sehen. 1 Empfelle mich fernerhin Ihrer Freindschaft u. 
andenkhen u. gebleibe unverändert 

dero aufrichtigst Ergebenste 
freindin u. dienerin 
[Unterschrift fehlt]* 
Mein Gemahl und Kinder Empfellen sich gleichfals schenstens. Der Überbringer 
dieses ist ein hiesiger jubilier, 1 er nennet sich Siebert 1 ein rechtschafener Mann. 

O (Autograph) im Haydn-Genzinger Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 7a (7b 
ist leer). Briefkonzept mit vielen Korrekturen und ohne Unterschrift. Umschlag und 
Adresse fehlen. ED: Karajan 61. Danach Nohl in; usw; (eUb) Lattdon CCLN 91, 
1. Wie im anderen Brief konzept der Frau v. Genzinger(Nr. 130), sind auch hier eine ganze 
Reihe fehlender Interpunktionszeichen (besonders Kommata) nachträglich mit Bleistift 
(durch den Gatten?) eingesetzt. — 2. Im Konzept stand urspr. „vielle Zeit"; das letzte 
Wort ist dann durchgestrichen und durch „Stunden" ersetzt. — 3. Urspr.: „angenehmste 
Unterhaltung"; das letzte Wort ist dann durchgestrichen und durch „beschäftigung" 
ersetzt. — 4. Für die Unterschrift ist kein Platz frei gelassen. Auch dies beweist, daß es 
sich um einen bloßen Entwurf handelt. Eine tatsächliche Reinschrift hätte Frau v. Genzin- 
ger wohl kaum ohne Unterschrift an Haydn abgesandt. 



217 



133- Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras, den ij 1 " 9 brls [Nov.] 1789. 

Wohl gebohrner 

Sonders Hochzu Ehrender Herr! \ 

Da Sie mir schon öfters gefälligkeiten erwiesen haben, und ich Actu 
Ihr Schuldner bin, So könen Sie versichert seyn, daß Sie allzeit über meine 
Wercke den Vorzug haben werden, ich hab verschiedene neue Stücke, 
wouon ich Ihnen bey meiner baldigen ankunft in Wienn alsogleich nach- 
richt ertheillen werde, es wäre die vorige woche herr Bland ein Englän- 
der bey mir, Er wolte mir verschiedene Stücke abnehmen, Er erhielte 
aber in Rücksicht Ihrer keine Note. 1 in hofnung also Sie bald zu sehen, 
bin ich mit aller hochachtung 

Euer Wohlgebohrn, 

ganz Ergebenster diener 
Josephus Haydn mppria 
[Außenseite Adresse:] Monsieur 

Monsieur Artaria et / Compag. / ä / Vienne 
[Siegel; ferner Artarias formelle Empfangsbestätigung] 

O (Autograph): N. B. Szechenyi, Handschriftenabt., Ep. Mus. 286/7. (früher im Besitz von 
Alex, von Posonyi; dann Auktionskat. Fr. Cohen, Kat. Posonyi Nr. 476). — ED: Art-Bot. 
60-61 (aus einer handschr. K. Pohls in Wien). (eÜb) Landon CCLN 91-92. 
1. keine Note: Das ist nicht ganz wahr. Als der bekannte englische Verleger John Bland 
Haydn im November 1789 in Eszterhäza besuchte, soll Haydn zum Tausch gegen Blands 
englisches Rasiermesser die autographe Partitur des Quartetts Op. 55/2 (also Nr. 5 der 
sog. Tostschen Serie Op. 54-55) Bland geschenkt haben. Vgl, Pohl II, 2}} (Tatsache ist, 
daß das Autograph dieses Quartetts aus der ehemals bei Artaria aufbewahrten Auto- 
graphenserie gefehlt hat, vgl. Hoboken 412). Bland hat aber Haydns Quartett nicht 
veröffentlicht; an der Publikation von Einzelquartetten hatte er offenbar kein Interesse 
(damals wurden Werke dieses Genres nur zu je sechs veröffentlicht). Vermutlich zur selben 
Zeit hat aber Haydn auch noch das Autograph der Kantate „Arianna a Naxos" Bland 
übergeben, der dieses Werk dann veröffentlichte. 



218 



134- Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

Estoras, den i8 tn 9*" [Nov.] 1789. 

Hoch, und Wohl gebohrne 
Gnädige Frau! 

Das schreiben, so ich durch Herrn Jubilier Siebert erhalten habe, gäbe 
mir den abermahligen beweiß Ihres vortrefflichen hertzens, indem sich 
Euer Gnaden indenselben [sie], stat eines verweis über meinen lezt 
begangenen fehler, mit So viel Freundschaft gegen mich Eusserten, daß 
mich dieselbe, nebst So vieler nachsieht, gute — und besonderer Auf- 
mereksamekeit ganz in Erstaunung gesezt hat, wofür ich aber Euer 
gnaden iooomahl die hände küsse. Solten meine wenige Talenten im 
stände seyn So viel schmeichelhafftes nur in etwas zu erwiederen, so Er- 
dreiste mich Euer gnaden mit einen kleinen Musicalischen Kräuter Topf 
aufzuwarten, ich finde zwar in diesen Pot-Pourri 1 nicht gar vil wohlriechen- 
des, vielleicht ersezt der Unternehmer diesen fehler in nachfolgenden 
Ausgaben: Solte etwa die darin übersezte Sinfonie ein werck von Euer 
Gnaden seyn, O So bin ich dem Verleger nochmahl So gut, wo nicht, 
so wage ich es, Euer Gnaden zu bitten, eine von Euer Gnaden eigenen 
hand übersezte Sinfonie nach belieben abschreiben zu lassen, und mir 
anhero zu schücken, welche ich alsogleich dem H: Verleger nach Leipzig 
zum abdruck überliefern werde. 

Ich bin glücklich eine gelegenheit getroffen zu haben, welche mich wider 
ein Baar schöne Handzeillen hoffen last, indessen bin ich mit vorzüglich- 
ster Hochachtung zeit lebens 

Euer gnaden 
ganz gehorsamst, aufrichtigster 
freund, und diener 
Josephus Haydn mppria 
Mein Ergebensten Respect 
an H: Gemahl, und ge- 
samte Familie. 



(Autograph) im Sammelband der Haydn-Genzinger Korrespondenz, ÖNB, Cod. 14300, 
Fol. 8-9 (Fol. 9b ist leer). Der Umschlag mit der Adresse ist nicht erhalten. ED: Karajan 
62-6), Danach Nob! m; (eÜb) "London CCLN 92; usw. 

ZI9 



i. Pot-Pourri: Es handelt sich um Heft I der Ausgabe „Musikalisches Pot-Pourri" 
des Leipziger Verlegers Breitkopf. Darin -war u. a. Haydns Klaviersonate Nr. 48 und eine 
Klavierfassung der Sinfonie Nr. 79 enthalten. Über die diesbezüglichen Verhandlungen 
mit Breitkopf vgl. den Brief Nr. 119. Haydn war über den sonstigen Inhalt des Heftes 
nicht sehr erbaut. 



135. Haydn an den Wallersteini schen Hofagenten Ferdinand von 
Müller, Wien 

[Estoras, den 29. November 1789] 

Hoch und Wohl gebohrner 

Sonders HochzuverEhrender Herr v. Müller I 

Ich hätte vermög meiner Schuldigkeit stat der Copiatur die Spartitur deren 
Sinfonien einschicken sollen. Allein, da ich fast den ganzen Somer hin- 
durch solche hefftige Augen schmerzen hatte, daß ich leyder ganz ausser 
stand wäre eine Reine Spart zu machen, so wäre demnach gezwungen 
diese 3 unleserliche Sinfonien (wouon beyliegende, als die beste von denen 
dreyen, zum Muster dient) durch einen meiner Compositions schüller in 
meinem zimer und nachhero durch verschiedene Copisten (damit mir 
dieselbe nicht entfremd werden) abschreiben zu lassen. Aus dieser unleser- 
lichen Spart kann ein Kenner auf die übrige schliessen, es ist für dissmahl 
nicht meine schuld, dan ich bin von Jugend auf gewohnt, die reinsten 
Spartituren zu schreiben. Solte demnach an den überschickten Sinfonien 
ein oder andere Notte versezt seyn, so lasse ich den dortigen H. Concert 
Meister höflichst ersuchen, mir dieselbe alsogleich schrifftlich anzuzai- 
gen, wofür ich die genaueste Verbesserung einschücken werde. Ich lasse 
demnach den Durchlauchtigsten Fürsten dissfals unterthänigst um Ver- 
gebung bitten: solten aber Höchst dieselbe immediate eine Spart ver- 
langen, so werd ich diese (zwar mit sehr vieler mühe, indem ich von denen 
Augen schmerzen noch nicht ganz befreyet bin) S r Durchl. gehorsamst 
übermachen. Der Beyfall von dem allergnädigsten Fürsten über diese 
3 Sinfonien ist für mich die grösste aufmunterung, und wird es seyn bis 
an die letzten Tage meines lebens, ich wünschte mir das Portrait von 
Höchst demselben nur in schatten Riss zu haben, ich bin ein besonderer 
Liebhaber der grossen Geister. 

220 



Liebster Herr Müller (die alte bekantschafft erdreist mich dieses ausdrucks) 
Sie werden die Gnade für mich haben und mich hierinfals bey dem gnä- 
digsten Fürsten der Wahrheit gemäss entschuldigen. 
Bin übrigens mit vorzüglichster Hochachtung 
Meines Hoch und Wohl gebohren 

ganz gehorsamster diener 
Joseph Haydn mppria 

Estoras den 29' 9 bris [Nov.] 1789. 
Dero schreiben hab ich erst 
vorgestern erhalten, weil die 
Address stat auf Estoras 
auf Eisenstadt war. 

(Autograph): Schloß Harburg, aus dem fürstl. Wallersteinischen Archiv. ED: Sandbergtr 
GHS 42 — AslMG 226-227 f. 01 * 1 vielen Fehllesungen, ungenau). Diemand $4. Unser Text 
und die (eÜb) Landon CCLN 9} stützen sich auf die (anscheinend tadellose) Ausgabe 
von Diemand. 

Zur Vorgeschichte dieses Briefes vgl. Nr. 103 und 129. Mit dem letzteren Brief hatte 
Haydn im Oktober 1789 die seit lange bestellten drei Sinfonien (Nr. 90-92) an den Fürsten 
Öttingen-Wallerstein übersandt. Der Fürst scheint (in einem nicht erhaltenen Schreiben 
an Müller) beanstandet zu haben, daß er nicht Originalmanuskripte, sondern nur Stimm- 
kopien bekam. (Wie Larsen HÜb 86 ff erstmals festgestellt hat, entsprechen die im fürstli- 
chen Notenarchiv aufbewahrten Kopien dieser Werke genau der im Brief durch Haydn 
gegebenen Beschreibung. Vgl. auch Hoboken 164.) Der Fürst war mit der (durch Müller 
am 9. Dezember übermittelten) Antwort Haydns offenbar zufrieden, denn noch im 
Dezember 1789 schrieb er einen Brief an v. Müller und beauftragte ihn, bei Haydn noch 
3 neue Sinfonien zu bestellen : „ . . . an Haiden schreiben, ob er sich entschließen kann, 
3 Simphonien wieder zu machen und sie mit den Sparten hiehero zu bringen ..." (vgl. 
Larsen HÜb 86). Diese zusätzlichen 3 Sinfonien hat dann Haydn nicht mehr komponiert, 
obwohl der Fürst später noch mehrmals auf die Frage der neuen Haydn-Werke zurück- 
kommt. Noch später, im Jahr 1790 hatte Müller vom Fürsten den Auftrag bekommen, 
„mir alles was von Haide neu im Stich und schriftl. herauskommt, zu schicken, besonders 
auch diejenigen Parthien, die H. von Kees besitzt" (vgl. Larsen HÜb 86). Gemeint ist der 
HohatFranzBernhard Ritter von Kees, Besitzer einer hochbedeutenden Musikaliensammlung, 
die an Haydn-Sinfonien ganz besonders reich war, so daß als Haydn im Jahr 1805 den 
großen thematischen Katalog seiner Werke durch Elßler anlegen ließ, er sich für die 
Sinfoniengruppe (neben dem eigenen älteren sog. Entwurf kalalog) vorwiegend auf den 
wertvollen Katalog seines Freundes Kees stützte. (Die besondere Bedeutung des Kees- 
Katalogs ist durch Larsen HÜb und ßHK erforscht worden.) — • Daß Haydn an den Fürsten 
dieselben drei Sinfonien (Nr. 90-92) übersandt hat, deren Autographe er durhc den Grafen 

221 



d'Ogny auch dem Pariser Concert de la Loge Olympique hatte zukommen lassen, konnten 
Müller und sein Fürst damals noch nicht wissen. — ■ Über die Geschichte der Verhandlungen 
mit Müller vgl. auch Hob. I: po-92. 



136. Jahreskonto der Opernkopiaturen — von Haydn revidiert 

[Kopistenschrift Schellingers] [Estorhaz, den 30. Dezember 1789] 

Conto 

Was an Opern für das hochfürstliche Theater von 1 January 1789 bis Decembrl 
durch dieß ganze Jahr ist copiert worden die Singpart ä. 7 xr. die Instrumenten 
ä 5 xr. per accord 



Opern 

I due supposti conti 
Le gelosie fortunate 

II Pittore Parigino 
Finti Eredi reparirt 
La Circe 

Le Vicende d'Amore 
Parbore di Diana 



Bogen 

Sing stimen Instrumenten 

196 210 
189 196 
191 189 

- 9 
187 198 

197 196 

— 249 



960 1247 

Id est 215 Fl. 55 xr. 

Joann Schilling fürstl. Theat. copist 
den 30. io bris [Dec] 1789 
[Revision, in Haydns Handschrift:] 

Obstehende Summa der Copiatur ist von mir Endes unterschriebenen genau 
untersucht, und für richtig befunden worden. 
Estorhaz den 30' X bti ' [Dez.] / 1789. 

Josephus Haydn mppria 
Capell Meister 

O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 19, Nr. 1252. ED: Valkö II, 607. Ausgewertet bei 
Bartha-Somfai HOK i}2 ff. 

Im Jahre 1789 hatte Haydn in Eszterhaza 6 Erstaufführungen einzustudieren und zu leiten; 
die Opern sind sämtlich im Kopiaturkonto Schellingers mit der Verrechnung des Auf- 
führungsmaterials nachweisbar: 7 due supposti conti von Cimarosa (Premiere im Februar; 



222 



bis Oktober 7 Aufführungen, dann fallengelassen); Le gelöste fortanate von Anfossi (vom 
Mai bis Aug. siebenmal, dann nicht mehr aufgeführt); // pittore parigino von Cimarosa 
(von Juni bis November iomal, im nächsten Jahr 1790 noch weitere siebenmal aufgeführt); 
La Circe (ein Pasticcio, unter Benützung der Musik zu Anfossis.La maga Circe von Haydn 
zusammengestellt; von Juli bis Dezember I2mal und 1790 noch 4mal gespielt); Le vicende 
d'amore von Guglielmi (von Oktober bis Jahresende 5 und 1790 noch weitere 9 Auf- 
führungen); L'arbore di Diana von Martin (im November -Dezember 5, 1790 noch weitere 6 
Aufführungen). Neben diesen 6 Erstaufführungen standen noch 9 weiter gespielte Opern auf 
dem Spielplan: La Vendetta di Nino von Prati (seit 1788), II tamburo notturno von Paisiello 
(seit 1788), // Disertore von Bianchi (seit 1787-88), Le gare generöse von Paisiello (seit 1787- 
SS),L'iso/a diCalipso von Bologna (seit 1784 ohne Unterbrechung gespielt), Orfeo ed Euridice 
von Bertoni (seit 1788), / due castellani von Fabrizi (seit 1788), La contadina di spirito von 
Paisiello (seit 1777; dann seit 1788 wieder gespielt), und schließlich I finti eredi von Sarti 
(seit 1788). Mit diesem ansehnlichen Repertoire von (6 + 9) fünfzehn Opern wurden 
insgesamt 92 Aufführungen veranstaltet, die Haydn vorzubereiten und zu leiten hatte. 
Vgl. Bartba-Somfai HOK if2ff; Hdrich EMG 60-61; Härich ROKH 84-87 (mit wichtigen 
Ergänzungen und kompletten Aufführungsstatistiken der einzelnen Opern). 



137. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Von Hauss [Wien] den ii ,en Jenner / 1790 
Hoch Edlgebohrner 
Sonders HochzuEhrender Herr! 

Ich verhoffte Sie vorgestern frueh bey mir zu sehen, um Ihnen ein und 
anderes Music Stück zu zeugen, da Sie aber wegen vielen Geschäften 
nicht werden haben abkommen können so Avvisier ich Sie, daß ich eben 
Heute ein schreiben von Mon. [Monsieur] Bland aus London erhalten, 1 
worinn Er mich um Ciavier Sonaten mit begleitung einer Violin und 
Violoncello ersuchet; nachdem ich aber Ihnen dießfals den Vorzug lasse, 
und zugleich zu wissen mache, daß die Erste Sonate bey mir alle stund, 
die 2 te in 14 Tagen, die 3" bis Ende Faschings und jede wie gewöhnlich 
per 10 Ducaten zu haben sind, so werden Sie die Güte haben mir Ihren 
entschluß bis morgen frueh nur mit 2 Zeillen zu wissen zu machen, 
das geld für diese 3 Sonaten 1 verlange ich erst nach jedwederer einsendung, 
hingegen müssen Sie auch um meine schuld bey Ihnen zu tilgen die 
12 neuen sehr Prächtigen Menuets und 12 Trio für 12 Ducaten über- 

223 



nehmen. 3 in hofnung einer beliebigen andworth bin ich mit aller hoch- 
achtung 

Euer Wohlgeboren 

ganz Ergebenster diener 
Josephus Haydn. ' 

[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur d'Artaria / et Compag. 

a / Son Logis 

O (Autograph) um 1909 noch im Geschäftsarchiv Artaria; dann (bis 1953) bei H. Hinter- 
berger; gegenwärtig vermutlich im Besitz von Rudolph Kallir in New York. (Das Auto- 
graph war uns nicht zugänglich.) ED: Nob/ 1/4-1// (mit dem verlesenen Datum: 10. Jan. 
1790). Art-Bot. rf>(nach dem Autograph; einzige Textquelle); (eÜb) Lattdon CCLN 94. 
1. Dieser Brief Blands an Haydn ist nicht erhalten geblieben. — 2. } Sonaten: Mit den 
hier von Haydn angebotenen 3 Klaviertrios sind höchstwahrscheinlich die Werke Hob. 
XV: 14, 1/, 16 gemeint (die zwei letzteren mit Flöte statt Violine), die (mit den Opus- 
zahlen 61, 62, 63) im Oktober 1790 bei Artaria einzeln erschienen sind. Artaria ist also auf 
Haydns Vorschlag eingegangen; der Sicherheit halber ließ er sich zwei Tage später, am 13. 
Januar zwei gleichlautende Verpflichtungen über das alleinige Verlagsrecht durch Haydn 
geben (Nr. 138, 139). Dies hat aber Haydn nicht daran gehindert, zwei dieser Trios 
(Nr. 15 und 16) ungefähr gleichzeitig auch an Bland zu verkaufen, der sie (zusammen mit 
Nr. 17, das von Artaria erst 2 Jahre später, 1792 veröffentlicht wurde) noch im Sommer 
1790, Artarias Ausgabe zuvorkommend, in London publizierte, und zwar mit der aus- 
drücklichen Notiz: „This and the two following Trios were wrote [sie] at the particular 
request of the Publisher when he was with Mr. Haydn in Novr. last. . . ; they are absolute 
property and Entered as such; J. Bland thinks this sufficient notice to other Publishers 
not to pirate the same." Vgl. Hob. XV: 1/-16. Das Klaviertrio Nr. 14 hat sich Haydn später 
(am 20. Dez. 1791) durch Frau v. Genzinger nach London nachschicken lassen, wo es dann 
nachträglich auch noch publiziert wurde. — - 3. Diese Menuette sind von Artaria nicht in 
Verlag genommen worden. Sollten es dieselben Stücke sein, die Haydn dem Fürsten 
Wallerstein zu seinem Vermählungsfest zugedacht hatte? (Vgl. den Brief Nr. 129 an v. 
Müller.) Da die fürstliche Vermählung bereits am 20. Okt. 1789 stattfand, kam Haydn 
damals mit seinen Menuetten zu spät (vgl. Hob. IX: yc). 

138. Bestätigung Haydns an Artaria, Wien 

[Kopistenschrift; nur die Unterschrift autograph] [Wien, den 13. Januar 1790] 

Ich Endesgefertigter bekenne hiemit an die Herren Artaria Comp, in Wien 
drei neue Sonaten fürs Ciavier mit Begleitung einer Violin von meiner Com- 
Position verkauft zu haben, dergestalten, dass ich gedachte H en Artaria Comp. 

224 



für alleinige eigenthümer des Original Manuscript davon erkenne, wie auch, 
dass ich erwähnte 3 Sonaten weder hierorts, noch auswährtig an niemand 
anders unter gar Kein vorwand zu geben — vermögend sein solle. Urkunde 
dessen meine Fertigung. 

Wien den 13. Jenner 1790. 
Josephus Haydn. 



139. Bestätigung und Quittung Haydns an Artaria, Wien 
[Kopistenschrift; nur die Unterschrift autograph] [Wien, den 13. Januar 1790] 



15 kr. 
Stempel 



Ich Endesgefärtigter bekenne hiemit an die Herren Artaria Compag. in 
Wien — drey neue Sonaten fürs Ciavier mit Begleitung einer Violin — von 
meiner Composizion für die Summe von Einhundert dreyssig fünf Gulden 
verkauft zu haben, dergestalten, dass ich gedachte Herrn Artaria Comp, für 
alleinige eigenthümer des Original Manuscript erkenne und weder hierorts 
noch auswährtig soll ich befugt sein selbige an niemand anders zu geben, 
auch für selbe ferner nichts mehr zu fordern habe zumalen sie mir bereits 
schon bezahlt sind. Urkunde dessen meine Fertigung. 

Wien den 13. Jenn. 1790. 
Josephus Haydn. 

Die Originale dieser (im Wesen gleichlautenden) zwei Bestätigungen befanden sich 1909 
noch im Artaria -Archiv. Eines dieser Dokumente (oder etwa eine dritte Ausfertigung?) 
wurde am 2. Mai 1938 durch V. A. Heck versteigert -*■ Schmahl; Therese Liebig. Inzwischen 
war das Stück auch im Versteig. Nachlaß Liebig- Artaria (am 22. März 1934) als Nr. 626 
vertreten (vgl. hiezu Landon CCLN $28). ED: Art-Bot. 62 (beide Exemplare). Diese 
zwei Bestätigungen bilden eine Ergänzung zum Brief Nr. 137 an Artaria vom 11. Jan. 
1790. Vermutlich beziehen sich beide Dokumente auf dieselben Sonaten (d. h. Klaviertrios) 
Hob. XV: 14-16. Es ist aber auch möglich, daß Artaria sich dadurch das Verlagsrecht 
auf weitere drei Trios sichern wollte. 



15 225 



140. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

[Wien, den 23. Januar 1790] 
Allerbeste Frau v. Gennzinger! 

Berichte Euer Gnaden, wie daß zu der, an künfftigen freytag zwischen 
uns verabgeredten kleinen quartetten Music alle Anstalten getroffen 
sind. Herr v. Häring 1 schäzte sich glücklich mir dissfals dienen zu 
könen, um so viel mehr, da ich Demselben die aufmercksamkeit, und all- 
die übrige schöne Verdienste von Euer Gnaden abschilderte: nun wün- 
sche ich mir nichts als einen kleinen beyfall. Vergessen aber Euer Gnaden 
ja nicht den Pater Professor 2 einzuladen! 

unterdessen küsse ich die hände, und bin mit vorzüglichster hoch- 
schätzung 

Euer gnaden 
Von Hauß den 23" 1 Jenner ganz gehorsamster, aufrichtigster diener 

1790. Josephus Haydn mppria 

[Haydns Siegel] 
[Billetform. — Adresse auf der Außenseite:] 

Madame 
Madame de Gennzinger 
Noble de Kayser 
a 
Son Logis 

O (Autograph) im Band der Haydn-Genzinger Korrespondenz, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 10a 
(Fol. lob-na sind leer; auf Fol. nb die Adresse). Faks. bei Non>akJ2, }2$ und in MGG V, 
Sp. 1S71. ED: Karajan 64. Danach Nohl 112; (eÜb) L.andon CCLN 9;; usw. 
1 . Herr Johann Baptist von Häring (auch Herring geschrieben) war ein „als fertiger Violin- 
spieler allen Musikfreunden bekannter Banquier", der später, 1807 die „adeligen Lieb- 
haber-Konzerte" in Wien begründete. Einige Wochen nach diesem Brief hat er in der 
Aufführung der Kammermusikwerke Mozarts (KV 563 und KV 581) beim Grafen Hadik 
in Wien als Violinspieler mitgewirkt (vgl. Deutsch MDL. 321). — 2. Pater Professor: ver- 
mutlich jemand aus dem benachbarten Schottenkloster. 



226 



i4i- Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

[Wien, den 3. Februar 1790] 
Edle — allerbeste Frau v. Gennzinger! 

So schmeichelhaft mir die gestrige, allerlezte Einladung zu Ihro Gnaden 
auf heute abends war, eben So schmerzlich fülle ich heute das bewust 
seyn, meinen gehorsamsten danck für alle Empfangene gnaden, nicht 
mehr abstatten zu könen, und — So sehr ich diss bedaure, So sehnlichst 
wünsche ich Euer gnaden von herzen, nicht allein heute abends, sondern 
immer und Ewig die allerangenehmste Unterhaltungen: die Meinige sind 
vorüber — morgen khere ich wider zur traurigen Einsamckeit! Gott 
gebe mir nur die gesundheit, ich beförchte aber das gegentheil, dan heute 
befinde ich mich gar nicht gut: 1 Gott erhalte nur Euer gnaden — Ihren 
lieben herrn gemahl, und All — Ihre schön Kinder: ich küsse nochmahl 
die hände, und bin unverändert zeit lebens 

Euer gnaden 

gehorsamster diener 
Joseph Haydn mppria 
Von Hauß den 3™ Febr. 1790. 

[Haydns Siegel] 
[Billetform; auf der Rückseite von Bl. 4 mit Adresse:] 

Madame 
Madame Noble de 
gennzinger Noble de 
Kayser. 

a 

Son Logis 

(Autograph) im Band der Haydn-Genzinger Korrespondenz, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 
I2a-b (Fol. 13a ist leer; auf Fol. 13b die Adresse; im Wiener Lokalverkehr konnten die 
Briefe ohne Umschlag expediert werden). ED: Karajan 6j. Danach NoM 11); Lamfon 
CCLN 96; usw. 

1. Wieder ein Beleg für Haydns nervöse Sensibilität; wie schon ein Jahr vorher (vgl. den 
Brief Nr. 114), wird auch diesmal seine Gesundheit von der mißliebigen Abreise von 
Wien nach Eszterhäza erschüttert. 



T 5* 227 



142. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

[Estoras, den 9. Februar 1790] 

Wohl Edl gebohrne 

Sonders Hochschäzbarste — allerbeste Frau von Gennzinger \ 

Nun — da siz ich in meiner Einöde — verlassen — wie ein armer waiß — 
fast ohne menschlicher Gesellschaft — traurig — voll der Errinerung 
vergangener Edlen tage — ja leyder vergangen — und wer weis, wan 
diese angenehme tage wider komen werden? diese schöne gesellschaf- 
ten? wo ein ganzer Kreiß Ein herz, Eine Seele ist — alle diese schöne 
Musicalische Abende — welche sich nur dencken, und nicht beschreiben 

lassen — wo sind alle diese begeisterungen? weg sind Sie — und 

auf lange sind Sie weg. wundern sich Euer Gnaden nicht, daß ich so 
lange 1 von meiner Danksagung nichts geschrieben habe! ich fände zu 
Hauß alles verwürt, 3 Tag wüst ich nicht, ob ich CapellMeister oder 
Capelldiener war, nichts konte mich trösten, mein ganzes quartier war in 
Unordnung, mein Forte piano, das ich sonst liebte, war unbeständig, 
ungehorsam, es reitzte mich mehr zum ärgern, als zur beruhigung, ich 
konte wenig schlafen, sogar die Traume verfolgten mich, dan, da ich an 
besten die opera le Nozze di Figaro 2 zuhören träumte, wegte mich der 
Fatale Nordwind auf, und blies mir fast die schlafhauben von Kopf; ich 
wurde in 3 tagen um 20 Pfd. [Pfund] magerer, dan die guten wienner 
bisserl verlohren sich schon unterwegs, ja ja, dacht ich bey mir selbst, 
als ich in mein, [meinem] Kost Hauß stat den kostbahren Rindfleisch, ein 
stuck von einer 50 Jährigen Kühe, stat den Ragou mit kleinen Knöderln, 
einen alten schöpsen mit gelben Mureken, 3 stat den böhmischen Fason, 
ein ledernes Rostbrätl, stat den so guten und delicaten Pomeranzen, einen 
dschabl oder so genanten graß Sallat, 4 stat der backerey, düre Äpflspältl 
und Haslnuß — und so weiter speisen muste, — ja ja dacht ich bey mir 
selbst, hätte ich jezo manches bisserl, was ich in wienn nicht habe ver- 
zöhren können — hier in Estoras fragt mich niemand, schaffen Sie Cioc- 
colate — mit, oder ohne milch, befehlen Sie Caffe, schwarz, oder mit 
Obers, mit was kan ich Sie bedienen bester Haydn, wollen Sie gefrornes 
mit Vanillie oder mit Ananas? hätte ich jez nur ein stück guten Parmesan 
Käß, besonders in der Fasten, um die schwarzen Nocken und Nudln 

228 



leichter hinab zu tauchen; ich gäbe eben heute unsern Portier Commission 
mir ein baar Pfund herabzuschücken: 

Verzeihen Sie allerbeste gnädige Frau, daß ich Ihnen das allererstemahl 
mit so ungereimt, gezeug, und der Elenden schmirerey die Zeit abstehle, 
verzeihen Sie es ein. Mann, welchen die Wienner zu viel gutes erwisen 
haben, ich fange aber schon an, mich nach und nach an das ländliche 
zugewöhnen, gestern studirte ich zum Erstenmahl, und So zimlich 
Haydnisch. 

Euer Gnaden werden gewis fleissiger als ich gewesen seyn. das ge- 
fällige Adagio aus den quartet' wird hofentlich schon den wahren aus - 
druck durch Dero schöne finger erreicht haben. Meine gute Freyle 
Peperl 6 wird sich (hofe ich) durch öfteres absingen der Cantate auch des 
Meisters Errineren, besonders bey Reiner aussprach, und genauer Vocalisi- 
rung, dan es wäre eine Sinde, wenn eine so schöne stimme in der brüst 
versteckt bliebe, ich bitte Derohalben um ein öfteres lächlen, sonst geht 
mir ganz gewis etwas vor. Den Mons. Francois 7 Empfehle ich mich 
ebenfals in sein Musicalisches Talent, wan Er auch in schlaf Röckl singt, 
es geht doch immer gut, ich werde zur aufmunterung öfters etwas neues 
übermachen, unterdessen küsse ich nochmal die hände für alle mir er- 
wiesene Gnaden; und bin mit vorzüglichster hochachtung zeit lebens 

Euer gnaden 
ganz gehorsamster aufrichtigster diener 
Josephus Haydn mppria 
Estoras, den 9 tn Febr'' 1790. 
N: S: bitte mein gehorsamsten Respect an 
Hoch Dero Herrn Gemahl, und mein Compliment an 
Mon. N: [?] Hofmeister 8 des Jungen Herrn, und an die 
Freyle Nanette 9 und gesamte v. Hackerische 10 Familie. 

(Autograph) im Sammelband der Haydn-Genzinger Korrespondenz, ÖNB, Cod. 14300, 
Fol. 14-15 (alle vier Seiten sind vollgeschrieben). Der Umschlag mit der Adresse ist ver- 
loren. ED: Karajan 66-68. Danach NoM ii)-iij; Geiringerjz, 74-7;; (eÜb) Landott 
CCLN 96-98; usw. 

Dieser berühmte und vielzitierte Brief voller grimmigen Humors ist ein einzigartiges 
Zeugnis von Haydns damaliger Stimmung, als er Wien wieder verlassen mußte, um seinen 
verhaßten Posten in Eszterhäza anzutreten. 

229 



i. so lange: Haydns letzte Zeilen an Marianne sind 6 Tage vorher, am 3. Februar geschrieben. 
Haydns Maßstäbe für „lange" sind offenbar je nach der Person des Adressaten ziemlich 
verschieden. — 2. Wie bekannt, ist Figaros Hochzeit im Wiener Burgtheater im August 

1789 wieder auf den Spielplan gesetzt worden. Haydn mochte um die Jahreswende 1789- 

1790 einer Aufführung in Wien beigewohnt haben. Haydn hat seit 1789 eine Aufführung 
der Oper in Eszterhäza geplant. Die Dokumente hiefür sind von M. Hordnyi erarbeitet und 
in Bartba-Somfai HOK rj/, 366 ff musikalisch ausgewertet worden. Die ungarischen For- 
scher Horänyi und Häricb sprechen nur von einer Vorbereitung der Oper, während Landon 
CCLN 98 Fußn. 1 an das tatsächliche Zustandekommen der Aufführung in 1790 glaubt 
(„the Performance probably took place during the 1790 season"). Alle aufführungsstatisti- 
schen (Häricb ROKH pi) und musikalischen (Bartba-Somfai HOK )6j) Dokumente spre- 
chen jedoch gegen diese Annahme. — • 3. gelben Murcken: ein westungar.-burgenländischer 
Dialekt-Ausdruck tut gelbe Rüben; Karajan (S. 12), der den Ausdruck offenbar nicht kannte, 
versuchte diesen noch als „Gurken" zu erklären. Die richtige Erklärung findet sich erst- 
malig bei Geiringer und Landon. — 4. Karajan (und nach ihm alle anderen Ausgaben) 
liest hier „Groß Sallat", was aber keinen rechten Sinn ergibt; auch das Schriftbild des 
Autographs spricht eher für unsere sinngemäßere Lesung graß Sallat. — ■ 5. Vermutlich 
einer der Adagiosätze aus der 1788 komponierten Tost-Serie Op. 54-55. Die Komposition 
der chronologisch nächsten Serie (Op. 54) fällt zwar in dieses Jahr 1790; es ist aber sehr 
unwahrscheinlich, daß Haydn bei Frau Genzinger schon im Januar 1790 eine Klavier- 
fassung daraus hätte spielen können. — 6.h. Peperl (Josepha), damals 16, und Franpois 
(Franz), damals 15 Jahre alt, waren die ältesten Kinder der Frau v. Genzinger. — 8. Mons. 
N: Hofmeister des Jungen Herrn: Haydn hat sich offenbar an den Namen des Hofmeisters 
(Hauslehrers) nicht erinnern können. Es scheint, daß Landon CCLN p 8 Fußn. 4 diese 
Stelle mißverstanden und Hofmeister für einen Familiennamen gehalten hat (vgl. auch den 
Brief Nr. 144). — 9. Mit dem Freyle Nanette ist eine Freundin Frau v. Genzingers, Maria 
Anna de Jerlischek (oder Gerlischek) gemeint, die nach dem Hinscheiden der Fürstin Ester - 
häzy (am 25. Febr. 1790) eine Art einflußreiche Haushälterin beim verwitweten Fürsten 
Esterhäzy wurde. (Wir werden ihr später noch wiederholt begegnen.) Nach des Fürsten 
Tod heiratete sie den Violinisten Jobann Tost. Vgl. Hoboken jjj. — 10. Frau v. Genzinger 
stammte mütterlicherseits aus der altösterr. Adelsfamilie von Hackber 37/ Hart (vgl. Ka- 
rajan 3). 



143a. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

Esteras. den 14" 3 Mertz. ./ 1790. 
Hoch, und wohl gebohrne, 
Hochschätzbahriste Allerbeste Frau v. Gennzinger! 

Ich bitte Euer Gnaden Millionen mahl um Vergebung, daß ich über die, 
mir So angenehme 2 briefe 1 so späte andworth gebe, es ist nicht nach- 
lässigkeit (für welche Sünde mich der Himmel zeit lebens bewahren wird) 

230 



sondern die viele geschäften, welche ich für meinen gnädigsten Fürsten 
in Seiner gegenwärtigen traurigen laage anwenden muste, schuld daran; 
der dodtfall Seiner verstorbenen gemahlin* drückte dem Fürsten der- 
gestalt darnieder, daß wür alle unsere Kräften anspanen musten, Hoch- 
denselben aus dieser schwermuth herauszureissen, ich veranstaltete dem- 
nach die Ersteren 3 tage, abends grosse Camer Music, aber ohne gesang, 
Der arme Fürst verfiel aber bey anhörung der Ersten Music über mein 
Favorit Adagio in D 3 in eine so tiefe Melancoley, daß ich zu thun hatte, 
Ihm dieselbe durch andere stücke wider zu benehmen, 
wür spielten schon den 4 tn Tag opera, den 5 to Comedie, und endlich wie 
gewöhnlich die tägliche Spectacul, beorderte zugleich die alte opera 
l'amor Artigiano 4 von gasman einzustudiren, weil sich der Herr kurz 
vorhero geEussert hat Sie gerne zu sehen, ich machte dazu 3 neue Arien, 5 
welche ich Euer Gnaden mit nächsten übermachen werde nicht der 
Schönheit wegen, sondern Euer Gnaden meines Fleisses zu überzeugen: 
die versprochene neue Sinfonie 6 werden Ihro Gnaden in Monath Aprill 
auf solche arth überkommen, daß dieselbe noch bey der Keesischen Music 
kan producirt werdend 

unterdessen küsse ich Euer Gnaden gehorsamst die Hände für das über- 
schückte Zwiback, welches ich zwar erst verflossenen dienstag erhalten 
habe, es kam aber eben zur zeit an, als ich den lezten bissen des vorigen 
verzehrte, daß Meine Liebe Arianna 8 in schottenhof 9 beyfall find, ist 
für mich entzückend, nur Reccomendire ich der freyle Peperl die worte, 
besonders jene chi tanto amai, gut auszusprechen, ich erdreiste 
mich zugleich Hochderselben zu Ihren herannahenden Nahmens tag'° 
aller denckliches anzuwünschen. mit bitte mich in Ihrer gnade zu erhalten, 
und mich bei jeder gelegenheit als Ihren unwürdigen Meister anzu 
nehmen. 

Ich nehme mir zugleich die freyheit zu schreiben, daß der Sprachmeister 11 
täglich anhero komen kan, die fuhr wird Ihm allhier bezahlt werden, 
Er kan entweder mit der Diligence, oder mit einer andern gelegenheit, 
welche in Madschakerhof'* täglich zu erfragen sind, herab kommen. 
Die schachtl von den zwiback werd ich Euer gnaden bey erster gele- 
genheit übermachen. 

weil ich überzeugt, daß Euer Gnaden über alles, was mich immer be- 
triff, antheil nehmen (ein welches ich zwar nicht verdiene), so berichte 

231 



ich Euer gnaden, daß ich die vorige woche, von Fürst Oetting v. Waller- 
stein 1 ' eine ganz niedliche, 34 Ducaten schwere, goldne Tabattier zum 
geschenk erhalten habe, 14 nebst einer Einladung, daß ich gegenwärtiges 
Jahr auf Seine Unkosten zu Ihme komen möchte, indem hochderselbe 
ein so grosses Verlangen trage, mich Persöhnlich zu kennen (angenehme 
aufmunterung für meinen schwachen geist) ob ich mich aber zu dieser 
Reise werde Resolviren könen, ist eine andere Frage? 
nun bitte ich, mir diss eilfertige schreiben zu verzeihen, und bin mit 
all — ersinnlicher Hochachtung zeit lebens 

Euer gnaden 
aufrichtigst und 
gehorsamster diener 
Josephus Haydn mppria 
N: S: mein gehorsamstes 
Compliment an Hochdero H: 
Gemahl — gesamte angehörige, 
und an die v. Hackerische Fa- 
milie. 

Ich hab meinen getreuen, Ehrlichen 
Kutscher verlohren, so den 25'° 
vorigen Monathes mit dodt ab- 
gegangen. 

O (Autograph) im Sammelband der Haydn-Genzinger Korrespondenz, ÖNB, Cod. 14300, 
Fol. 16-17 ( a M e 4 Seiten sind voll geschrieben). Der Umschlag mit der Adresse ist verloren. 
ED: Karajan 69-71. Danach u. a. bei Nohl nj-117; GeiringerJ2, 76-77; (eÜb) Lando/i CCL N 
$8-99; usw. 

i. Diese 2 briefe der Frau von Genzinger sind verloren. — ■ 2. Die Fürstin Esterhäzy 
(geb. Maria Elisabeth, Gräfin von Weißenwolf) starb am 25. Februar 1790. — 3. Dieses 
Favorit Adagio in D kann heute nicht mehr identifiziert werden. — 4. l'amor Artigiano (Die 
Liebe unter den Handwerkern) von Gaßmann War in Eszterhaza schon 1777 und 1780 auf- 
geführt worden; jetzt, 1790 ist die Oper in den Monaten März bis Juni 8mal gegeben 
worden (vgl. Hdrich ROKH 9 1 ) . — 5. Über die neuen Einlagearien zur Oper von Gaßmann, 
vgl. Bartba-Somfai HOK 1S2 f, 392 ff. — • 6. Dieses Versprechen hat Haydn nicht einhalten 
können: 1790 hat er unseres Wissens überhaupt keine Sinfonie komponiert. Ob von den 
1791 für Salomon (in London) komponierten Sinfonien einiges schon 1790 skizziert war, 
entzieht sich unserer Kenntnis. — 7. Keesische Music: Der Hofrat F. B. Ritter von Kees „war 
einer der angesehensten Musikliebhaber im klassischen Wien, der eine reiche Musik- 

232 



Sammlung besaß und bei sich wöchentlich Konzerte veranstaltete" (vgl. Larsen HÜb 
2 4S ff)- — 8. Haydns Kantate Arianna a Naxos. — 9. Der Gebäudekomplex des Schotten- 
hofes (nächst der Schottenkirche), mit der Wohnung der Familie Genzinger. — 10. Es ist 
etwas unklar, ob Haydn damitandas Fest Maria Verkündigung (am 25. März) oder etwa an 
den Josephstag (19. März, in bezug auf das Fräulein Peperl = Josepha) zielt. — 11. Frau Gen- 
zinger hatte offenbar versprochen, einen französischen Sprachlehrer nach Eszterhäza zu schik- 
ken. (Vgl. den Brief Nr. 144.) — 12. Ein altbekannter und vielbesuchter Gasthof Wiens. 
— 13. Karajait 70 liest hier irrtümlich „Wallenstein". Der Irrtum ist schon bei Nohl 117 
verbessert. — 14. Die goldene Tabaksdose hat Haydn für die Übersendung der Sinfonien 
Nr. 90-92 bekommen. In bezug auf diese Briefstelle Haydns wird von Landon CCL.N 
100 Fußn. p folgender Briefbericht des Wallersteinischen Agenten v. Müller an seinen 
Fürsten vom 8. Februar zitiert: „. . .je lui ai ecrit, pourqu'il m'assigne une personne, a qui 
je pouvais confier la Tabattiere d'or avec les 50 Ducats, affin qu'ils lui parviennent. . . et 
lui ai propos6 de faire un tour a Wallerstein aux frais de Votre Altesse, qui souhaiteroit 
faire la connoissance personelle..." (aus Schiedermair, Die Blütezeit der Öttingen-Waller- 
sieinschen Hofkapelle, Recueil de la Soc. Intern, de Mnsiqite, Jahrg. p, Oct.-Dec. 1907, 106.) 
NACHTRAG. Eine der bei Bartha-Somfai HOK 1S2 (bzw. 402) nicht identifizierten 
Einlagearien zum Amor Artigiano ist jüngst durch Paul Käst in der Sammlung Campori 
(Bibl. Estense, Modena) entdeckt worden. Sie ist auf den Text „La mia pace, o Dio, 
perdei" komponiert und gehört an das Ende von Atto II als Nr. 25. Vgl. Kasts Bericht 
im Bericht über den Intern. Musikwiss. Kongreß Kassel 1962 (1964) S. 226. Die Arie soll 
demnächst durch Käst in der Reihe Diletto Musicale (Doblinger, Wien) veröffentlicht 
werden. 



143b. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Estoras, den 6. May 1790. 
Mon tres eher amy! 

Übersende hiermit die z" Clavier-Sonaten 1 — die 3te wird nächstens 
nachfolgen. 

Joseph Haydn mppria. 

(Autograph) in der Sammlung Campori, Bibl. Estense, Modena. ED (Mitteilung von 
Dr. Paul Käst): im Bericht über den Internationalen Musikwissenschaftlichen Kongreß Kassel 1962 
Kassel, 1964, S. 226. Nicht bei London CCLN. 

1. die zweite (bzw. dritte) Clavier-Sonaten; es handelt sich offenbar um das 2. und 3. Stück 
jener drei Klaviertrios (Hob. XV: 14, ij, 16), die Haydn am 13. Januar 1790 an Artaria 
verkauft hat und die in der Wiener Zeitung vom 20. Okt. 1790 als erschienen angekündigt 
sind. Vgl. dazu unsere Dokumente Nr. 137, 138, 139. 



233 



i44- Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

Estoras. den 13" 1 May / 1790. 

Hoch, und wohlgebohrne 

Gnädige, und / Allerbeste Frau v. Gennzinger! \ 

Mit Erstaunen durchläse ich Hoch Dero werthe Zuschrift, als ich aus 
derselben vernähme, daß Euer Gnaden mein leztes schreiben nicht erhal- 
ten haben, in welcher" [sie] ich mich Eusserte, daß unser würth einen 
fremden von ohngefähr nach Estoras körnenden französischen sprach- 
Meister aufgenohmen, 2 worüber ich zugleich sowohl bey Euer Gnaden, 
als auch bey Dero H: Hofmeister 5 meine entschuldigungen abstattete: 
Hochschäzbahriste Gönnerin, es ist nicht das erstemahl, daß einige meiner 
briefe, wie auch von mehrer andern sind verlohren gegangen, indem 
unsre brief Tasche unterwegs zu Oedenburg (um die Post briefe bey zu 
legen) durch den dortigen Hauß Meister allzeit Eröfnet wird, wodurch 
Unrichtigkeiten, und andere unangenehme Zufälle sich schon öfters 
ereugnet haben: um aber künftighin sicherer zu seyn, und um solcher 
unverschämter Neugierde auszuweichen, werde ich fernerhin über alle 
meine briefe ein Extra Copert an H. Portier Pointner machen; dieser 
streich kräneket mich um so viel mehr, da Euer gnaden mir einer saum- 
selligkeit wegen einige vorwürfe machen könten, für welche mich der 
Himmel bewahren soll, ansonsten aber hat der, oder die neugierige in 
den lezten, so wie in allen übrigen schreiben nichts anders als recht- 
schaffenheit erhaschen könen: Nun aber Hochschäzbahriste Gönerin, 
wan werd ich das unschäzbahre glück haben Euer gnaden in Estoras 
zu sehen! da es meine geschäfte nicht erlauben nach wienn zu komen, 
so getröste ich mich Euer gnaden diesen Somer gan [sie] gewiß die 
Hände zu küssen, in dieser schmeichelhafFten Hoffnung bin ich unter- 
dessen in vollkomenster Hochachtung 

Euer gnaden 
Meinen Ergebensten Respect ganz gehorsamster 

an Hoch Dero H. Gemahl und aufrichtigster diener 

gesamte Famillie. Josephus Haydn mppria 



234 



O (Autograph Haydns) im Sammelband der Haydn-Genzinger-Korrespondenz, ÖNB, 
Cod. 14300, Fol. i8a-b (Blatt 3-4 des Brief bogens ; Fol. I9a-b sind leer). Der Umschlag mit 
der Adresse ist verloren. ED: Karajan 72-7). Danach u. a. Nohl 117-11S; (eÜb) Lattdon 
CCLN 100-101. 

1. welcher: hier hat Karajan 7z den grammatikalischen Fehler Haydns willkürlich verbessert 
und das Original in „welchem" korrigiert. — 2. französischen sprachMeister: vgl. dazu den 
Brief Nr. 143. — • 3. Landon CCLN übersetzt hier „to Herr Hofmeister", woraus hervor- 
geht, daß er Hofmeister (Hauslehrer) als einen Familiennamen mißverstanden hat. 



145. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

Estoras. den 30" 1 May / 1790. 

Hoch, und wohl gebohrne 

Hochschäzbahriste -^ allerbeste Frau v. Gennzinger! 

Als ich von Euer gnaden das letzte So schäzbahre schreiben 1 erhielt, 
wäre ich eben in Oedenburg, um mich des verlohrnen briefes wegen zu 
erkundigen: der dortige Hauß Meister schwüre aber bey allen was heillig 
ist, daß Er dazumahl keinen Brief von meiner Handschrift gesehen hatte, 
folglich dieser brief in Estoras muste seyn verlohren gegangen! es seye 
nun, wie es immer wolle, so hat diese neugierde weder mir, viel weniger 
Euer gnaden den mindesten Vorwurf zu machen, indem der ganze Inhalt 
desselben theils meine opera la vera costanza, 2 so auf der landstraß in 
neuen Theater aufgeführt wurde, 3 theils den französischen sprachMeister, 
so dazumahl nach Estoras hätte komen sollen, betroffen hat, Euer gnaden 
könen derohalben nicht allein für das verflossene, sondern auch in Hin- 
kunft ganz ohne Sorgen seyn, dan meine freundschaft, und Hochschätzung 
gegen Euer Gnaden (So zärtlich dieselbe ist) wird niehmals strafbahr 
werden, weil ich stets die Ehrfurcht über die erhabensten Tugenden Euer 
gnaden vor äugen habe, welche nicht nur ich, sondern alle menschen, 
So Euer gnaden kennen, bewundern müssen: lassen sich demnach Ihro 
Gnaden nicht abschröcken, mich zu Zeiten mit dero So angenehmen 
Brifwechsel zu trösten, indem mir dieser zur aufmunterung in meiner 
Einöde, meines öfteren sehr tief geckränckten Hertzens 4 höchst Noth- 
wendig ist; o könt ich nur eine viertl stund bey Ihro Gnaden seyn, um 
meine widerWertigkeiten auszuschütten, und von Euer Gnaden Trost 
einzuhauchen, ich unterliege bey unser dermahligen Regierung vielen 

2-3 5 



Verdriesslichkeiten, welche ich aber hier mit stillschweigen übergehen 
muß: der einzige Trost, so mir noch übrig bleibt, ist, daß ich gottlob, 
gesund, und thätige lust zur arbeith habe; nur bedaure ich bey dieser 
lust, daß Euer Gnaden so lang auf die versprochene Sinfonie 5 warten 
müssen; es ist aber dissfals bloß eine gewisse Nothwendigkeit schuld 
daran, welche meine umstände und die dermahlige Theuerung verur- 
sachen, seund Euer Gnaden derohalben nicht böse auf Ihren Haydn, 
der, so oft sich sein Fürst von Estoras absentirt, nie die Erlaubnuß 
erhalten kan, nur auf 24 Stund nach wienn gehen zu darfen; es ist kaum 
zu glauben, und doch geschieht diese Weigerung auf die feinste arth, 
und zwar auf solche, daß ich ausser stand gesezt werde die Erlaubnuß 
zu begehren, nu, in gottes Nahmen: es wird auch diese zeit vorüber 
gehen, und jene wider komen, in welcher ich das unschäzbahre vergnü- 
gen haben werde, neben Euer Gnaden am Ciavier zu sitzen, Mozarts 
Meister stücke spiellen zu hören, und für So viel schöne Sachen die 
hände zu küssen, in dieser hofnung bin ich 

Euer gnaden 

ganz gehorsamster und 

aufrichtigster diener 
Josephus Haydn mppria 
Mein Ergebensten Respect 
an hochDero H: Gemahl 
und sammentliche Famillie 
ingleichen an die v. Hackerische 
und an P. Professor. 

(Autograph) im Sammelband der Haydn -Genzinger-Korrespondenz, ÖNB, Cod. 14300, 
Fol. 20-21 (alle 4 Seiten des Briefbogens sind vollgeschrieben). Der Umschlag mit der 
Adresse ist verloren. ED: Karajan 74-7;. Danach Nobl n8-n<>; (eÜb) London CCLN 
101-102; usw. 

1. Auch dieser Brief der Frau Genzinger (vom Mai 1790) ist verloren. — 2. Haydns Oper 
L,a vera costan^a ist 1776 für die Hofoper in Wien komponiert worden, aber wegen Intrigen 
damals unaufgeführt geblieben. Haydn hat dann sein Werk im Frühjahr 1779 mit dem 
eigenen Ensemble in Eszterhäza auf die Bühne gebracht. Beim Theaterbrand 1779 ging 
das gesamte Aufführungsmaterial verloren, und die Oper wurde beiseite gelegt. Eine 
Reprise folgte in der Spielzeit 1785-86, und nun wurde das Stück einundzwanzigmal ge- 
geben. (Vgl. Hdrich ROKH 64-71.) — 3. Das Theater in der (damaligen) Vorstadt Land- 
straße (heute der 3. Bezirk Wiens) ist im Frühjahr 1790 eröffnet worden. Damals ist dort 

236 



auch Haydns La vera costanxa (in Wien erstmals) in Gegenwart des Komponisten aufge- 
führt worden. — 4. meines öfteren sehr tief geckränckten Hertens: Dieses Geständnis Haydns 
seiner Herzensfreundin gegenüber darf keineswegs etwa als bloße Phrase, eine Art Aus- 
rede betrachtet werden. Haydn scheint sich damals tatsächlich in einem Zustand tiefer 
Depression gefühlt Zu haben. — 5. Die schon im Brief Nr. 143 erwähnte, aber nie kom- 
ponierte Sinfonie. 



146. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

Estoras. den 6 tn Juny 1790. 
Hoch, und wohl gebohrne 
Hochschäzbahriste, allerbeste frau v. Gennzinger! 

Es ist mir von herzen leyd, daß Euer gnaden mein leztes schreiben so 
spät erhalten, nachdem die vorige woche kein husär von Estoras ab- 
gegangen, so ist es nicht meine schuld, daß der brif So spät eingelofen [?].' 
unter uns! mache Euer gnaden zu wissen, daß unsere Mademoiselle 
Nanette 2 mir den auftrag gemacht, für Euer gnaden eine neu Ciavier 
Sonaten' zu Componiren, welche aber in keine andere hände komen 
darf, ich schäze mich glücklich einen solchen befehl erhalten zu haben. 
Euer Gnaden werden diese Sonaten längstens in 14 tagen überkomen. 
obgedachte Mademoiselle verspräche mir dafür eine bezahlung, Euer 
gnaden könen sich aber leicht vorstellen, daß ich jederzeit solche versa- 
gen werde: für mich wird stets die gröste belohnung seyn, wan ich hören 
werde, daß ich einigen beyfall verdiene; unterdessen bin ich mit vor- 
züglichster Hochachtung 

Euer gnaden 
ganz gehorsamster diener 
Jos: Haydn mppria 

O (Autograph) im Sammelband der Haydn-Genzinger-Korrespondenz, ÖNB, Cod. 14300, 
Fol. 22a (die Seiten 22b, 23a-b sind leer). Der Umschlag (mit der Adresse der Frau G.) 
ist verloren. Faks. Geiringerji, yS.ED: Karajan 76. Danach Nobl 11 p; (eÜb) LandonCCLN 
102-10); usw. 

1. eingelofen: dieses Wort ist sehr unklar, abgekürzt geschrieben; es kann auch als einge- 
langte gelesen werden. — 2. Mit der Mademoiselle Nanette ist höchstwahrscheinlich Maria 
Anna de Jerlischek, eine gemeinsame Freundin Haydns und Mariannens, gemeint, die unge- 
fähr um diese Zeit die Leitung des Haushaltes beim verwitweten Fürsten Esterhäzy über- 
nahm. Über sie vgl. unsere Notiz zum Brief Nr. 142. — 3. Mit diesem Briefpassus beginnt 

2 37 



die Korrespondenz über Haydns Meistersonate in Es-Dur (Nr. 4p), deren Autograph 
(in der Stadtbibl, Wien) die Aufschrift „composta per la stimatissima Signora Anna de Jer- 
lischek" trägt, die Haydn aber (laut des Briefwechsels; vgl. die Briefe Nr. 149-152) „bloß 
auf ewig" für Frau v. Genztnger bestimmt hatte. Der Widerspruch zwischen der hand- 
schriftlichen Dedikation und den betreffenden Briefstellen ist nach unseren heutigen 
Kenntnissen nicht aufzulösen. Vgl. Hob. XVI: 49. 



147. Haydn an Friedrich Jacob van der Null 1 , Wien 

Estoras. den 7'°° Juni 1790. 
Hoch, und Wohl gebohrner, 
Sonders HochzuEhrender Herr! 

Einer meiner schüller, Nahmens Magnus, 2 ein armer, aber wohl erzogener 
Liefländler, und gut gesitteter Junger, welchen ich seines Impertinenten 
Eyfers wegen unentgeltlich lection in der Composition gebe, hat endlich 
durch meine dringende vorbitte von seinem vatter einen Wechsel per . . . 
[die Stelle der Summe ist nicht ausgefüllt] erhalten. Da nun hier orths 
niemand diesen Wechsel übernehmen will, oder kan, ich aber vOn Hoch 
Dero angebohrnen Menschen Liebe schon lang überzeugt bin, So gelanget 
meine Gehorsamste bitte, wan es änderst möglich, dem armen Jungen 
in diesen Fall beyzustehen. Unser Portier Hr. Pointner, ein Rechtschafener 
Mann, wird Euer Wohlgebohren den Wechsel übergeben, es kan dero- 
halben das geld ohne mindester gefahr demselben anvertrauet werden. 
In hofnung meine bitte zu genehmigen, um diesen armen Jungen in 
seinem Eyfer zu unterstützen, bin ich mit all ersinnlicher hochachtung, 

Euer Hoch, und Wohl gebohren 
ganz dienstfertigster gehorsamster diener 
Joseph Haydn mppria 
N: S: an alle Messieurs, So in den v. Häring-schen' Hauß wohnen, meinen 
gehorsamsten Respect; denen schönen Damen aber küsse ich mit aller 
Musicalischen Zärtlichkeit, so ich zeit lebens im stände war auszudrücken, 
in aller unterthänigkeit die hände. 

0: Das 1886 noch im Besitz von Dr. Pölchau (in Hamburg) befindliche Autograph ist 
seitdem verschollen. ED: La Mara, Musikerbriefe. . . Leipzig 1886, I, 246-247 (nach dem 
Autograph). Dies ist heute die einzige Quelle für die (eÜb) Landon CCLN io; und un- 
sere Ausgabe. 

238 



i. Der auf dem Michaelerplatz in Wien wohnhafte Großhändler Friedrich Jacob van der 
Null war ein begeisterter Musikfreund (Vgl. Caroline Pichler, Denkwürdigkeiten aus meinem 
Leben, Neuausg. durch E. K. Blilmml, München xp 14, I,J4jf). Er erscheint auch unter 
den Subskribenten der Schöpfung und ist der Adressat des Haydn-Briefes Nr. 210 (vom 25. 
März 1796). — 2. Der Impertinente Eyfer dieses Haydn-Schülers F. C. Magnus erhellt aus 
einem handschriftlichen Theoriewerk, das durch ihn kopiert und mit dem Nachlaß 
Haydns in die N. B. Szechenyi gelangte: „Elementarbuch der verschiedenen Gattungen 
des Contrapunkts. Aus den größeren Werken des Kappm. Fux, von Joseph Haydn zu- 
sammengezogen. Esterhäzy 22. 7 br 1789. F. C. Magnus". — 3. Über den Musikliebhaber 
und Bankier Johann Baptist von Häring vgl. unsere Notiz zum Brief Nr. 140. 

148. Empfehlungsschreiben Haydns für Joseph Eybler 1 

[Esterhaz, den 8. Juni 1790] 
[Kopistenschrift; nur Ort, Datum und Unterschrift sind autograph] 

Endesunterschriebener kann nicht umhin, Inhabern dieses Herrn Joseph 
Eybler auf seine 'geziemende Bitte, ein Zeugniß zu geben das ganz 
seinen vorzüglichen Talenten und seinem bisher angewandten Fleiß in 
der Musik, entspricht: indem Selber nicht nur alle die musikalische- 
theoretischen Kentniße besitzt, die erfordert werden um mit dergrösten 
Ehre, die strengste Prüfung vor jedem musikalischen Richtersthule aus- 
zuhalten; sondern auch im praktischen Fach als ein sehr braver Ciavier- 
spieler und Violinist den Beyfal eines jedn Kenners sich zu erwerben im 
Stande ist. Als ersterer kann er mit Ehre die Stelle eines Kappelmeisters 
verwalten, und als letzterer in jeder Kamermusik als ein sehr nützliches 
Mitglied erscheinen. 

Was endlich die Composition anbetrift so glaub ich ihm kein größeres 
Lob geben zu können, als wenn ich versichere daß er ein Scolar von dem 
so rühmlichst bekannten Herrn Albrechtsberger ist. Mit allen diesen 
Eigenschaften versehen, fehlt es ihm an weiter nichts als an einen groß- 
müthigen Fürsten, der ihn an einen Plaz setzt, auf dem er mehr seine 
Talente entwickeln und in Thätigkeit sezzen kan, wozu ihm Endesunter- 
schriebener recht bald Glück zu wünschen das Vergnügen haben mögte 
Esterhaz. den 8 tn Juny 1790. 

Josephus Haydn mppria 
[Siegel] Fürst: Esterhazischer 

Capell Meister. 

239 



O (Autograph) : ÖNB, XXXII, 109-1 (als Geschenk von Eybler). ED: Nohi 120 (ziemlich 
ungenau, nicht buchstabengetreu). (eÜb) L.andon CCLN 104. Die genaue Textfassung 
des Autographs ist uns aus einer K. von Christa Landon zugänglich gewesen. 
1. Der Musiker Joseph Eybler genoß das besondere Vertrauen Haydns, der ihn schon im 
Mai 1787 an Artaria wärmstens empfahl (vgl. die Briefe Nr. 84, 85) und durch ihn im März 

1789 Tanzmenuette für sich komponieren ließ (vgl. Brief Nr. 117). Eybler hatte im Sommer 

1790 offenbar irgendeine wichtigere Stellung in Aussicht. 9 Tage früher, am 10. Mai, hat er 
auch von Mozart ein Empfehlungsschreiben erhalten (Jahn, Mozart 647 usw.; neuestens 
Deutsch MDL, )Z2). Auch von der Hand Albrechtsbergers ist ein Zeugnis für Eybler vor- 
handen, dieses ist aber späteren Datums: vom 24. Jan. 1793. — Eybler wurde zunächst 
1792 Chorregent in der Karmeliterkirche (in der Leopoldstadt), zuletzt (1824), als Nach- 
folger Salieris, Hofkapellmeister. 



149. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

Estoras. den 20" Junj / 1790. 

Hoch, und Wohl gebohrne 

Hochschäzbahriste — allerbeste Frau v. Gennzinger! 

Ich Erdreiste mich, Euer Gnaden eine ganz neue Ciavier Sonaten mit 
einer Flaute oder Violin begleitet, 1 nicht als etwas sonderbahres, sondern 
nur im fall der Eussersten langeweile, als das allermindeste einzuschücken; 
nur bitte ich dieselbe baldigst abschreiben zu lassen, und mir wider zurück 
zu senden. Vorgestern übergab ich die angeordnete neue Sonate 2 meiner 
gebietterin der Mademoiselle Nanette; Ich hoffte, daß Sie diese Sonate von 
mir zu spiellen ein Verlangen tragen würde, ich hab aber noch 5 bis jezo 
keine ordre erhalten, weis auch derohalben nicht, ob Euer Gnaden 
diese Sonate mit den heutigen Post tag werden erhalten haben oder 
nicht, diese Sonate ist Ex Es, ganz neu, und bloß auf ewig für Ihro gnaden 
bestimmt, wunderbahr aber ist es, daß eben das lezte Stück von dieser 
Sonate den nemblichen Menuet und Trio in sich enthält, was Euer Gna- 
den in Ihren lezten brief von mir forderten, diese Sonate war schon 
voriges Jahr für Ihro gnaden von mir aus bestirnt, nur das Adagio hab 
ich erst ganz neu dazu verfertigt, welches ich aber Euer gnaden auf 
das allerbeste anEmpfehle, es hat sehr vieles zu bedeuten, welches ich 
Euer Gnaden bey gelegenheit zergliedern werde, es ist etwas mühesam 
aber vie 1 Empfindung, nur schade, daß Euer gnaden kein Forte piano 

240 



von schantz 4 haben, nochmahl So viel Effect würden Euer gnaden 
daraus schöpfen. 

NB: die Mademoiselle Nanette darf aber nichts dauon wissen, daß diese 
Sonate schon halb verfertigt war, weil Sie sich ansonsten' andere begrife 
von mir machen könte, welche mir nachtheillig seyn könten, ich muß 
sehr behutsam seyn, um Ihre gnade nicht zu verliehren. unterdessen 
schäze ich mich glücklich, daß ich wenigstens ein werckzeug seyn kan 
Ihr gefällig zu werden; besonders du die aufopferung für Sie meine aller- 
liebste frau v. gennzinger bestirnt ist. o ich wolte wünschen, daß ich 
diese Sonaten nur ein baarmahl vorspiellen könte, wie gerne wolt ich 
mich wider bequemmen eine zeit lang in meiner Einöde zu verbleiben, 
ich hätte Euer gnaden So vieles zu sagen, und So viel zu beichten, von 
welchen mich niemand als blos Euer gnaden allein loßsprechen könten: 
allein, was dermahlen nicht seyn kan, wird hof ich zu gott diesen winter 
geschehen, die helfte der zeit ist fast schon vorüber: unterdessen getröste 
ich mich mit der geduld, und bin zu frieden, daß ich das unschäzbahre 
glück besitze mich nennen zu könen, 

Euer gnaden 

ganz gehorsamster, auf- 
richtigster Freund und diener 
Josephus Haydn mppria 
Meinen gehorsamsten Respect an 
H. gemahl, und all-angehö- 
rige. Euer gnaden küsse ich 
iooomahl ■ — die hände. 

O (Autograph Haydns) im Haydn-Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, 
Fol. 24-25 (drei Seiten; Fol. 25b ist leer). Der Umschlag (mit der Adresse) ist nicht erhalten. 
Faks. bei E.. Tenschert, J. Haydn. Sein Leben in Bildern, Mannheim i<)j<>. ED: Karajan 77-78 
(diesmal ausnahmsweise nicht ganz fehlerfrei). Danach u. a. Nohl 121; (eÜb) London CCL.N 
104-10/; usw. 

1. Ein Klaviertrio: da Haydn hier, anstelle der Violine, ausdrücklich Flaute erwähnt, kann 
es sich nur um eines der Stücke Hob. XV: ij, 16 oder 17 handeln. Wenn wir den Aus- 
druck ganz neue wörtlich nehmen wollen, muß es das Trio Nr. 17 sein, welches Haydn um 
diese Zeit Bland in London zuschickte. Vgl. Anm. zu Brief Nr. 137. — 2. Es ist wohl zu 
beachten, daß Haydn hier über eine andere Sonate, nämlich die berühmt gewordene Klavier- 
sonate Es-Dur Nr. 49 spricht, die durch Mademoiselle Nanette bestellt, aber Frau v. Gen- 
zinger zugedacht war (erste Erwähnung im Brief Nr. 146, später noch in Nr. 150-152). 

16 241 



Der Umstand, daß Haydn im Brieftext keine klare Trennung zwischen beiden „Sonaten" 
(dem erstgenannten Klaviertrio und dieser Klaviersonate) macht, hat schon manches 
Mißverständnis verursacht. Manche dachten daran, ob nicht zur Genzinger-Sonate Nr. 49 
Flöten- bzw. Cellostimmen gehörten (Klarstellung bei Hob. XVI: 49). Dies ist natürlich 
ein Irrtum; Haydn spricht hier über zwei ganz verschiedene Werke. — 3. Das Wort noch 
ist bei Karajan versehentlich übergangen worden. — 4. schantz: Der von Haydn bevor- 
zugte Klavierbauer Wendel Schanz, dessen er schon mehrfach (in den Briefen Nr. 1 1 1 -1 1 2 an 
Artaria) gedachte. — 5. ansonsten; bei Karajan: ansonst (die Abkürzungsschleife am Wortende 
ist übersehen). 



150. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

Estoras. den 27'° Juny / 1790. 
Hoch, und Wohl gebohrne 
Sonders Hochschäzbahre, und allerbeste Frau v. Genzinger! 

Euer gnaden werden ohnfehlbar die neue Ciavier Sonaten 1 schon Emp- 
fangen haben, wonicht, So werden es Hochdieselbe vielleicht mit mein, 
schreiben erhalten. Vor 3 Tagen muste ich diese Sonaten bey unser 
Mademoiselle Nanette 2 in gegenwarth meines gnädigsten Fürstens ab- 
spiellen; ich zweiflete anfangs der schwürigkeit wegen über dieselbe eini- 
gen beyfall zu erhalten, wurde aber in gegentheil überzeugt, indem ich 
dafür aus eigner hand eine goldne Tobacks Dose zum geschenck über- 
komete: nun wünsche ich nur, daß auch Euer Gnaden damit zu frieden 
seyn möchten, damit ich mich bey meiner gönnerin in grösseren Credit 
setzen kan: eben derohalben bitte ich Euer Gnaden, es Ihr, wo nicht 
selbst, wenigstens durch Dero H. Gemahl zu wissen zu machen, daß ich 
vor freyde Ihre generosität nicht habe verschweigen könen, um so vil 
mehr, da ich überzeugt bin, daß Euer gnaden an all mir erwiesenen wohl- 
thaten antheil nehmen: nur schade, daß Euer gnaden kein Forte piano 
von Schantz besitzen, indem sich alles besser ausdrücken last: ich dächte, 
Euer gnaden solten Ihren zwar sehr guten Flügl 3 der freylein Peperl 
überlassen, und für sich ein neues Forte piano einschaffen. Ihre schöne 
hände, und die organisirte schnellkrafft in denenselben verdienen diss, 
und noch mehr, ich weis, daß ich diese Sonaten hätte auf die arth Ihres 
Claviers 4 einrichten sollen, allein es war mir nicht möglich, weil ich es 
ganz aus aller gewohnheit habe: 

242 



nun trifft es mich abermahl, daß ich zu Hauß bleiben mus. was ich dabey 
verliehre, können sich Euer gnaden selbst einbilden, es ist doch traurig, 
immer Sclav zu seyn: allein, die Vorsicht will es. ich bin ein armes 
geschöpf ! stets gePlagt von vieller arbeith, sehr wenige erhollungsstun- 
den, Freunde? was sag ich — einen ächten? es giebt ja gar keine ächte 
Freunde mehr — eine Freundin! o ja, es mag wohl noch eine seyn. Sie 
ist aber weit von mir. i nu, ich unterhalte mich in gedancken, Gott 
Seegne Sie, und mache, daß Sie auch meiner nicht vergesse! unter- 
dessen küsse ich Euer Gnaden iooomahl die hände, und bin unveränder- 
lich mit vorzüglichster hochachtung 

Euer gnaden 
Mein gehorsamsten Respect an ganz gehorsamster aufricht. 

Dero H. Gemahl und diener 

all angehörige. Josephus Haydn mppria 

Heute bitte ich der schlechten schrift wegen um Vergebung, ich leyde ein 
wenig an augenschmerzen. 



O (Autograph) im Haydn-Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 26-27 
(3 Seiten; Fol. 27b ist leer). Der Umschlag mit der Adresse ist nicht erhalten. ED: 
Karajan 79-80. Danach Nobl 122; (eÜb) Landon CCLN 106; usw. 

1. Die Klaviersonate Es-Dur Nr. 49, die seit dem Brief Nr. 146 in der Korrespondenz mit 
Frau v. Genzinger immer wieder erwähnt wird. — 2. Die erstmals im Brief Nr. 142 und 
seitdem immer wieder genannte Maria Anna de Jerlischek, die um diese Zeit anscheinend 
den Haushalt des verwitweten Fürsten Nikolaus Esterhäzy führte. — 3/4. Wäre dieser 
Brief Haydns um etwa 15-20 Jahre früher geschrieben, so würde man unbedingt glauben, 
daß er (dem Wortgebrauch des 18. Jahrhunderts entsprechend) mit „Flügl" ein Cembalo, 
mit „Ciavier" aber (einige Zeilen weiter) ein Clavichord meint (so wie etwa C. Ph. Emanuel 
Bach), während „Fortepiano" natürlich das eigentliche Hammerklavier bezeichnet. Dem 
steht entgegen, daß Haydn die Bezeichnung „Flügl" auf dasselbe Instrument (nämlich auf 
das alte Instrument der Frau von Genzinger) bezieht, wie einige Zeilen später das „Cia- 
vier". Prinzipiell wäre es freilich gar nicht undenkbar, daß der alte „Flügl" der Frau v. Gen- 
zinger ein Cembalo hätte sein können. Auf dieses hätte aber Haydn im Klaviersatz seiner 
neuen Sonate wohl kaum Rücksicht genommen. 



16* 



243 



1 5 1 . Haydn an Marianne von Genjsinger, Wien 

Estoras, den 4 tn Julj 1790. 
Hoch und wohlgebohrne 
Hochschäzbahriste Frau v. Genzinger! ! 

Diesen augenblick erhalte ich Dero Zuschrift, und eben diesen augenblick 
geht die Post ab. Mich freuet es herzlich, daß mein Fürst Euer Gnaden 
ein Neues forte piano Spendirt, und um so viel mehr, weil ich einiger 
massen ursach dauon bin, indem ich die Mademoiselle Nanette inständig 
gebetten, Ihren H: gemahl zu persvadieren, daß Er eines für Ihro gnaden 
kaufen möchte, nun aber hängt der Einkauf desselben blos von Ihro 
gnaden ab, und körnt nur darauf, daß Sich Euer gnaden eines nach Dero 
Hand und gusto aussuchen. gewis ists, daß H. Walther 1 mein freund 
dermahlen sehr berühmt ist, und ich von diesen Mann alle Jahr sehr 
viel höflichkeiten Empfange, aber unter uns, und recht aufrichtig, unter 
zehen ist bisweilen ein einziges so man mit recht gut nennen kan, nebst 
dem ist Er ausserordentlich theuer. ich kenne das forte piano des H: v. 
Nicki, es ist trenich, aber für die Hand Euer gnaden ist es zu schwer, 
man kan nicht alles mit gehöriger Delicatesse spiellen, derohalben möchte 
ich, daß Euer gnaden eines von H: schanz 2 Probirten, Seine forte piano 
haben eine ganz besondere leichtigkeit, und ein angenehmes Tractament. 
für Euer gnaden ist höchst Nothwendig ein gutes Forte piano, und meine 
Sonaten' gewinnt nochmahl so viel dabey. 

unterdessen küsse ich Euer gnaden die Hände für die mir überschriebene 
Sorgfalt in betreff der Mad" Nanette: schade, daß diese kleine goldne 
Dose, so Sie mir gegeben, und getragen hat, so voller fleck ist, vielleicht 
kan ich Sie in wienn ausbessern lassen. bishero hab ich noch kein ordre 
erhalten um ein Forte piano zu kauften, ich förchte, man wird Euer 
gnaden eines in das Hauß schücken, welches von aussenher schön, von 
innen aber halsstarrig seyn wird. Ihr herr gemahl soll ganz nätirlich [sie] 
sich auf mich beziehen, daß dermahlen H. schanz in diesen fach der beste 
meister seye, das übrige würde ich alsdan schon besorgen. in gröster 
Eyl bin ich 

Euer gnaden 

ganz gehorsamster diener 
Jos. Haydn mppria 

244 



O (Autograph) im Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 28-29 (i Seiten; 
Fol. 29b ist leer). Der Umschlag mit der Adresse ist nicht vorhanden. ED: Karajan 
81-82. Danach u. a. Nohl 124-12;; (eÜb) London CCLN 107; usw. 

1. Der Wiener Klavierbauer Anton Walther (Walter), dessen Instrumente von Mozart 
hochgeschätzt waren. — 2. Der schon mehrfach genannte Wiener Klavierbauer Wendel 
(später Johann) Schanz- — 3- Die in den Briefen 149, 150 bereits genannte Es-Dur-Sonate 
Nr. 49 . 



152. Marianne von Genzinger an Haydn, Eszterhäza 

Wien den n tn Julj j 1790. 
Hochgeehrtester Herr v. Haydn 

Dero schreiben vom / n Julij habe ich Richtig erhalten, und verlaße mich gänzlich 
vermag ein. [eines] vortref liehen forte piano auf sie, dan Ihnen die Mademoiselle / 
so bald Sie hinab kommt, in Nahmen des fürsten die comission geben wird für 
mich eins anyufrimmen [?] es ist mir auch recht,* wen sie solches (weilen sie es 
für besser befinden) von Herrn schan% nehmen, doch were es mir Lieb, 1 wen sie 
es forhero, ehe ich es bekomme, probirten, dan ich beförchte weilen ich davon doch 
%u wenig kentnis %u haben glaube, ich möchte villeicht kein recht gutes wählen. 
Die Sonate 1 gefählt mir überaus wohl, eine einzige sache wünschte ich das kö'nte 
abgeehndert werden (wen solches der Schönheit des Stükes nichts benimt), 1 nemlich 
das, welches im 2 Ka Theill des Adagio über die Hand mus gespillet werden, 1 weilen 
ich solches nicht gewöhnet bin, so körnt es mir schwer an, bitte also mir %u erinern, 
auf was art solches %u verändern were. 

Dieser Tag werde ich Ihnen die erstere Sonate* wiederum übermachen, 1 sie ist auch 
sehr schönn. Um eines mus ich Ihnen noch schönstens ersuchen, nehmlich das mir 
die versprochene Sinfonie, 1 welche sie für mich einrieb und allein ^u Componiren 
mir ^ugesaget haben, 1 und auf welche ich mich schon unendlich erfreye, nicht etwan 
vermöge der Sonaten abgerechnet wird, ich solte sie %war, weilen sie anje^o erst 
diese Mühe gehabt, nicht mehr plagen, allein das besondere vergnügen * welches 
ich an dero so angenehmen Compositionen habe, last es nicht änderst %u. 
Ich verhoffe nebst bey, 1 das Sie sich gesund befinden, was mich anbelangt bin ich 
noch nicht gänzlich von meinen Chartar hergestellet, und brauche anjeyp eine Cur 
von Selterwasser mit Milch 1 welche ich vorgestern angefangt, hoffe jedoch mit 

245 



Gottes hilf das ich bald eine gute Wirkung davon verspüren werde. Ich schlüße 
und gebleibe mit vieller veneration 

dero aufrichtigste Freindin 
Maria Anna Edle v. Genn^inger 
geborne Edle v. Kayser 
Von all denen meinigen folget all erdenkliches. 

O (autographer Briefentwurf) im Band der Haydn-Genzinger-Korrespondenz, ÖNB, 
Cod. 14300, Fol. 30-31 (3 Seiten; Fol. 31-b ist leer). ED: Karajan 83-84. Danach NoM I2J, 
(eÜb) Landon CCL.N 107-108; usw. 

1. Die mit 1 bezeichneten Interpunktionszeichen (Kommata) sind nachträglich mit Blei- 
stift eingesetzt. — ■ i.Sonate: Die als „Genzinger-Sonate" bekannte Es-Dur-Sonate Nr. 49. 
— 3. Sonate: das im Brief Nr. 149 erwähnte Klaviertrio. 

153. Haydn an den Esterhäzy-Beamten Joseph Züsser, Eisenstadt 

Esterhaz den 31" 1 July / 1790. 

Wohl gebohrner 

Sonders hochzuEhrender herr v. Züsser 

Da ich nicht zweifle, daß Sie schon lang durch Hr. v. Kaufmann' die 
Commission in betref einer neu aufgenohmenen Sängerin Nahmens Melo 2 
mit jährlichen gehalt per 1000 Fl. werden erhalten haben, und zwar 
mit aufnahm von i teD July angefangen, dieselbe aber mit dem gestrichen 
überschückten geld Ihr Monath gage nicht erhalten hat, So Ersuche 
ich Sie höflichst (wenn Sie änderst die Commission erhalten haben) Ihr 
dieses Monath geld durch die Überbringerin dieses unser frau bechen 
Meisterin verabfolgen zu lassen. 

bin unterdessen nebst Empfehlung an Ihre Famillie mit aller hochachtung 

Dero 

ganz Ergebenster diener 
Joseph Haydn mppria 
[Darunter in fremder Schrift:] 
„Hir Empfangen 83 gülden und 20 xr. Tauber." 

[Auf der Außenseite des Schriftstückes Haydns Siegel und eigenhändige 
Adressierung:] 

Monsieur / Monsieur de Züsser Receveur general de S, Alt. Monseig. le 
Prince Esterhazy / ä /Eisenstadt 

246 



ü (Autograph): Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 19, Nr. 1277. ED: ValköII, 60} (auch in 
Faks. Nr. 6, nach S. 560). Bartha-Somfai HOK ig/; (eÜb) 'London CCLN 108. 
1. Kaufmann War Sekretär im Dienste des Fürsten Esterhäzy. — 2. Die Sängerin Teresa 
Melo war vom Juli 1790 bis zum Tode des Fürsten (im September 1790) bei der Opern- 
truppe in Eszterhäza engagiert. Vgl. Bartha-Somfai HOK 16 j, 168 f. 



1 5 4. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

[Estoras, den 15. August 1790]' 
Hoch, und Wohl gebohrne 
Hochschäzbahriste Frau v. Gennzinger! 

Schon die vorige woche wäre es meine Schuldigkeit gewesen, Euer gnaden 
über das Empfangene schreiben zu andworten, allein, da mir dieser 
heutige Tag schon lange voraus am herzen lag, ich aber vermög diesen 
die ganze zeit hindurch, mir all erdenckliche mühe gäbe, wie, auf was 
arth, und waß alles, ich Euer gnaden anwünschen solte, so verflossen jene 
8 tage, und jezo, da mein wünsch sich Eussern solte, steht mein kurzer 
Verstand still, und weiß (ganz beschämt) gar nichts zu sagen: warum? 
darum? weil ich jene Musicalische hofnungen, so sich Euer gnaden am 
heutigen tag mit rechten bey sich selbst werden gemacht haben, nicht 
in Erfüllung habe bringen könenl o wüsten, und könten Sie allerliebste 
gnädige Gönnerin über diesen Punct in mein becklemtes Herz sehen, Sie 
würden 2 gewis mitleyd und Nachsicht über mich haben: diese arme ver- 
sprochene Sinfonie 3 schwebt seit Ihrer anordnung stets in meiner Fantasie, 
nur einige (leyder) bishero Nothdringende Zufälle haben diese Sinfonie 
noch nicht zur weldkomen lassen! allein, die hoffhung einer gnädigen 
Nachsicht über diese Verzögerung, und endlich der anlangende bessere 
Zeitpunckt der Erfüllung, werden denjenigen wünsch zu Stande bringen, 
welcher vielleicht bei Euer gnaden unter denen heut, und gestrichen 
so vil hunderten nur ein kleiner Mitlauffer seyn mag, vielleicht, sage ich, 
dan es wäre dreist von mir zu dencken, daß sich Euer gnaden nichts 
besseres wünschen solten: Sie sehen also allerbeste gnädige Frau, daß 
ich Ihnen zu Ihrem Nahmens tag nichts wünschen kan, weil für Sie meine 
wünsche zu schwach, und folglich nichts fruchten! ich, ich mus mir 
selbst wünschen, und zwar um gnädige Nachsicht, um erhaltung Ihrer 
mir so angenehmen ferneren Freundschaft, und wohlgewogenheit; dieses 

247 



ist mein heissester wünsch! solte aber noch ein wünsch von mir bey 
Ihnen Platz haben, so soll dieser mein wünsch sich in den Ihrigen ver- 
wandlen, dan bin ich versichert, daß, zu wünschen, nichts mehr übrig 
bleibt, als nur, daß ich mir wünsche ewig mich nennen zu darfen 

Euer gnaden 
ganz aufrichtigster Freund und diener 
Mein gehorsamsten Respect Josephus Haydn mppria 

an H: gemahl und ge- 
samte Famillie. 
übermorgen Erwarte ich andworth wegen den Forte piano, alsdan wer- 
den Euer gnaden die abänderung des Adagio erhalten. 4 

(Autograph) im Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 32-33 (3 Seiten; 
Fol. 33-b ist leer). Der Umschlag mit der Adresse ist verschollen. ED: Karajan 8) -86. 
Danach NoM 126; (eUb) "London CCLN 109-110; usw. 

1. Der Brief ist nicht datiert. Das Datum ergibt sich aus dem Inhalt. Der Namenstag von 
Maria Anna, auf den Haydn im Brief anspielt, kann nur das Fest Maria Himmelfahrt, also 
der 15. August sein. Übrigens ist auf dem Original mit Bleistift (Genzingers Hand?) die 
Notiz zu lesen : „NB; Aus Estoras im July 1790" (?) — ■ 2. Karajan liest irrtümlich: „wurden". 
— • 3. Diese versprochene Sinfonie ist von Haydn nicht komponiert worden. — 4. Frau v. 
Genzinger hat von Haydn gewisse Änderungen (Erleichterungen) im Adagio der Sonate 
Nr. 49 erbeten (vgl. ihren Brief Nr. 152). 

Dies ist übrigens Haydns letzter Brief aus Estoras. Am 28. September ist Fürst Nikolaus 
Eslerhdzy in Wien verstorben, Sein Nachfolger, Fürst Anton, löste die Kapelle und die 
Operntruppe auf. Haydn zog eiligst nach Wien, behielt aber den Titel eines fürstl. Ester- 
häzyschen Kapellmeisters (mit 400 Fl. Gehalt und 1000 Fl. Pension). In Wien wurde er 
vom Impresario Johann Peter Salomon aufgesucht, dem es gelang, Haydn zur Reise nach 
England zu bewegen. Der Kontrakt wurde gegen Ende November geschlossen (der 
genaue Tag ist uns nicht bekannt). Die für Haydn glänzenden Bedingungen des Vertra- 
ges sind in Pohl II, 247 mitgeteilt. 

155. Haydns Erklärung an Artaria, Wien 

[Wien, den 22. November 1790] 

Ich Endes Unterschriebener verspreche und verpfände mich H. Artaria 
heut über 8 Tag die 6 neue Variazionen für das Forte piano 1 einzuhändigen. 
Wienn den 22" 1 c> bt - [Nov.] 1790 

Joseph Haydn 
CapellMeister 

248 



0:Das Dokument existiert in 2 autographen Ausfertigungen; die eine liegt in Budapest, 
N. B. Szech6nyi, Handschriftenabt., Ep. Mus. Vorbesitzer: Alex. v. Posonyi; dann Fr. 
Cohen, Kat. Posonyi (1900) Nr. 477; die andere war bis 1955 im Besitz von Mary Benjamin 
(New York); der gegenwärt'ge Besitzer ist unbekannt. ED: Pohl II, 249, A.rt-Bot. 6) (aus 
Pohl); (eUb) Landon CCLN 110. Die zwei Exemplare des Dokuments stimmen im Text 
wesentlich überein, bis auf kleine formelle Unterschiede (in der II. Ausfertigung ist das 
Datum abgekürzt geschrieben, und „Capellmeister" fehlt am Ende). 
1. Es handelt sich um die C-Dur- Variationen (Hob. XVII: j), die Haydn Artaria ver- 
sprochen (und dafür vielleicht auch einen Vorschuß aufgenommen) hatte. Artaria mochte 
von der bevorstehenden Londoner Reise Haydns gehört haben und das neue Haydn- 
Werk auf diese Weise für sich sichern wollen. Die Variationen erschienen dann tatsächlich 
im Februar 1791 bei Artaria. Haydn muß also sein Manuskript rechtzeitig an Artaria ab- 
geliefert haben. 

156. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

Calais den 31'" io br [Dec] 1790. 
Wohl Edl gebohme 
Hochzu Ehrende Frau v. gennzinger! 
Die eingefallene schlechte Witterung, der beständig anhaltende Regen 
verursachet, daß ich eben (als ich dieses schreibe) erst abends nach 
Calais angeckomen, und morgen früch um 7 uhr über Meer nach London 
abgehen werde; ich verspräche Euer gnaden v. Brüssel zu schreiben, 
konte mich aber nicht länger als eine stunde alldort verbleiben: ich 
befinde mich dem höchsten Sey gedanck gesund, nur bin ich wegen denen 
Faticken, und der Unordnung des schlafes, verschiedenen speisen und 
geträncks wegen etwas magerer geworden; in etwelchen Tagen werd 
ich Euer gnaden das mehreres von meiner Reise überschreiben, für heute 
bitte ich um Vergebung. ich hofe zu gott, daß sich Ihro gnaden und 
der H. gemahl samt der ganzen Familie wohl befinden werden, ich bin 
bis dahin mit vorzüglichster Hochachtung 

Euer gnaden 

ganz gehorsamster diener 
Jos. Haydn mppria 
[Siegel und Adresse:] Madame 

Madame Noble de Gennzinger 
nee Noble de Kayser 
ä 

Vienne. 

249 



O (Autograph) im Genzinget-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 34-35 (von den 
4 Seiten des Briefpapiers sind 2 Seiten mit dem Text beschrieben; Fol. 35a ist leer, Fol. 
35b enthält die Adresse). ED: Karajan 87. Danach Nohl iz$; (eÜb) London CCLN 
ixof; usw. 



157. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

London, den 8 tn Jenner 1791. 

Hoch und wohl gebohrne! 
gnädige Frau! 

Hoffe, daß Euer gnaden mein letztes schreiben v. Calais werden erhalten 
haben, ich hätte zwar alsogleich nach meiner ankunft in london, So wie 
ich versprochen habe, einigen beficht abstatten sollen, allein ich wolte 
etwelche tage abwarten, damit ich mehrere umstände zugleich über- 
machen kan. berichte demnach, daß ich den ersten dieses als an neuen 
Jahres tag früch um halb 8 uhr nach angehörter H: Meß in das schif 
stiege, und nachmittag um 5 uhr dem höchsten sey gedanckt wohlbe- 
halten und gesund zu Dower ankäme, anfangs hatten wür 4 ganze stund 
fast gar keinen wind, und das schif gieng so langsam, daß wür in diesen 
4 stunden nicht mehr als eine einzige Englische Meile machten, deren 
aber sind v. Calais bis Dower 24. unser schif Capitain in üblester laune 
sagte, daß, wan sich der wind nicht ändere, wür die ganze nacht zur 
See bleiben müssen, zum glück aber hub sich der Wind gegen halb 12 
uhr so günstig, daß wür bis 4 uhr 22 Meilen zurück legten, da wür aber 
wegen der eben einfallenden Ebbe mit unsern grossen schife nicht an 
das gestatt komen konten, so liefen schon von weiten 2 kleinere schiffe 
gegen uns, in welche wür uns samt unser Pagage übersetzten, und endlich 
unter einfen] klein [en] Sturmwind doch glücklich anlandeten, das grosse 
schif blieb noch 5 stunden darnach in Meer, bis es endlich nach angecko- 
mener fluth einlaufen konte. einige von denen Reisenden blieben aus 
forcht in das kleinere zu steigen auf demselben ich schlüge mich aber 
zu den grösseren Hauffen. wehrend der ganzen überfahrt bliebe ich oben 
auf den schif um das ungeheure Thier das Meer satsam zu betrachten, 
solange es windstill war, förchtete ich mich nicht, zulezt aber, da der 
immer stärckere wind ausbrach und ich die heranschlagende ungestimme 

250 



hohe wellen sähe, überfiel mich eine kleine angst, und mit dieser eine 
kleine üblichkeit. doch überwündete ich alles, und kam ohne S: v: 
zu brechen glücklich an das gestadt. die meisten wurden kranck, und 
sahen wie die geister aus; da ich aber nach london kam, wurde ich erst 
die beschwerde der Reise gewahr, ich gebrauchte 2 Tag um mich zu 
erhollen. nun aber bin ich wider ganz frisch und Munter, und betrachte 
die unendlich grosse Stadt london, welche wegen Ihren verschiedenen 
Schönheiten und wunder dingen ganz in Erstaunung versezt, ich machte 
alsogleich die Nothwendigsten Visiten, als den Neapolitanischen und 
unsern gesandten, ich erhilte in 2 Tagen von beeden die gegen Visit, 
und speisete vor 4 Tagen bey dem Ersteren zu Mittag, aber NB um 6 uhr 
abends, das ist So Mode hier, meine anckunft verursachte grosses auf- 
sehen durch die ganze Stadt durch 3 Tag wurd ich in allen Zeitungen 
herumgetragen: jederman ist begierig mich zu kennen, ich muste schon 
6 mahl ausspeisen, und könte wenn ich wolte täglich eingeladen seyn, 
allein ich mus erstens auf meine Gesundheit, und 2 tens auf meine arbeith 
sehen, ich nehme ausser denen Milords bis nachmittag um 2 uhr keine 
visite an. um 4 uhr speis ich zu Hauß mit Mon. [Monsieur] Salomon. 
ich habe ein niedliches bequemes aber auch theueres logement. mein 
Haußherr ist ein Italiäner, und zugleich ein Koch, welcher mich mit 4 
speisen recht gut bedient, wür bezahlen ein jeder ohne wein und bier 
täglich 1 fl. 30 kr. aber alles ist erschröcklich theuer. gestern wurde ich 
zu ein. grossen liebhaber Concert 1 geladen, ich kam aber etwas zu spät, 
und als ich mein Billiet abgäbe, liesse man mich nicht hinein, sondern 
führte mich in ein nebenzimer, allwo ich bleiben muste, bis das eben in 
den Saal producirende stücke vorüber war, alsdan öfnete man die thür, 
und ich wurde unter den arm des Entepraneurs unter allgemein. Hände 
Klatschen durch die Mitte des Saals bis vorne an das orchest. geführt, 
allda angeäffet. und mit einer menge Englischer Complimenten bewun- 
dert, man versicherte mich, daß diese Ehre seit 50 Jahren nicht seye 
vollzohen worden, nach der Music führte man mich in einen andern daran- 
stossenden schönen Saal, allwo für die sammtliche Amateurs eine Tafl 
von 200 Persohnen mit sehr vielen gedecken bereit stunde, und zu welcher 
ich oben an sitzen solte, allein da ich an eben diesen Tag ausspeisete und 
mehr wie gewöhnlich asse, so verbatte ich mir diese Ehre mit einer 
Excus, daß ich mich nicht allerdings wohl befände, ich muste aber un- 

251 



geacht dessen die Harmonische gesundheit in Burgunder wein allen an- 
wesenden zu trincken, welche es erwiederten, und alsdan Hesse man 
mich nach hause führen: alles dieses meine gnädige Frau war für mich 
sehr schmeichelhafft, doch wünschte ich mir auf eine zeit nach wienn 
fliehen zu könen um mehrere ruhe zur arbeith zu haben, dan der 'lärm 
auf denen gassen von dem allgemeinen verschiedenen Verkaufs Volck 
ist unausstehlich, ich arbeithe zwar jezo noch an Sinfonien, 2 weil das 
opera büchl 3 noch nicht entschieden ist, ich werde aber um mehr ruhe 
zu haben mir ein zimmer weit vor der Stadt miethen müssen, ich möchte 
recht gerne noch etwas mehr überschreiben, allein ich förchte die gele- 
genheit zu versäumen, unterdessen bin ich nebst höfl. Empfehlung an H: 
g'emahl, freyle Pepi und all übrige mit vorzüglichster Hochachtung 

Euer gnaden 

ganz gehorsamst aufrichtigster 
diener 
Joseph Haydn mppria 

nun gelanget eine bitte an Euer gnaden, ich weis nicht, ob ich die Sinfonie 
von mir in Es, 4 so mir Euer gnaden zurück gegeben, zu Hauß in mein, 
quartier vergessen, oder ob mir dieselbe unterweges entfremdet wurde, 
da ich Sie gestern vermiste, und nun dieselbe nothwendig gebrauchte So 
bitte ich inständig, mir dieselbe durch den gnädigen H. v. Keeß 5 zu 
procuriren und solche in Ihrem Hauß auf klein Post Papier zu schreiben, 
und solche sobald möglich per postam anhero zu schücken: Solte H. v. 
Keeß ein bedencken tragen, woran ich zwar zweifle, so belieben Euer 
gnaden Ihme den brief selbst zu überschücken. meine Address ist folgende 

A Mo: / Mon. Haydn 
N to 18 great Pulteney Street. 

O (Autograph) im Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 36-37 (alle 
4 Seiten des Briefpapiers sind beschrieben). Der Umschlag (mit der vermuteten Adresse) 
ist nicht erhalten. ED: Karajatt 88-91. Danach Nohl 129-1)2; (eÜb) London CCLN m- 
ii}; usw. 

1. liebhaber Concert: Am 6. Januar fand ein Konzert der Academy of Ancient Music in 
Freemasons Hall statt; Dr. Arnold dirigierte, Ja/oOTO« war Konzertmeister, Michael Kelly, Nancy 
Storace (die Hauptdarsteller der Figaro-Premiere in Wien) und Miss Abrams sangen (vgl. 
Pohl HiL iof). London CCLN II) Fußn. 1 bezieht Haydns Briefstelle auf dieses Konzert. 

252 



Die englischen Zeitungen erwähnen jedoch die Anwesenheit Haydns (die doch beträchtli- 
ches Aufsehen erfegt haben mußte) mit keinem Wort, und auch das Datum stimmt nicht. 
Haydns Brieftext (vom 8. Jan.) setzt das Konzert auf „gestern", also auf den 7. Januar. 
Deswegen beziehen Pohl III, 16 und Noivak/2, jij diesen Vorfall auf ein (vorläufig nicht 
näher bestimmbares) Liebhaberkonzert am 7. Januar. — 2. Sinfonien: die für Salomon 
komponierten Sinfonien Nr. 96 und 95 (vermutlich in dieser Reihenfolge entstanden). 
— 3. opera bucht: das Libretto zu Uanima del filosofo (vgl. auch den Brief Nr. 158). — 

4. Sinfonie in Es: die noch 1788 in Eszterhdza komponierte Sinfonie Nr. 91 in Es-Dur. — 

5. Der schon öfters genannte MusikfreundFra«^ Bernhard von Kees, der damals in Wien die 
reichste Sammlung von Haydns Sinfonien besaß. Über ihn vgl. u. a. Larsen, HÜb 24) ff. 



158. Haydn an Fürst Anton Esterhäzy, Wien 

[London, den 8. Januar 1791] 
Durchlauchtigster Reichs Fürst! 

Berichte in unterthänigkeit, wie daß ich ohneracht der unangenehmsten 
Witterung und sehr vielen schlechten weegen durch die ganze Reise den 
2 tn Jenner dieses glücklich und gesund in London angelanget bin; meine 
anckunfft machte grosses aufsehen, und verursachte, daß ich noch an 
selben abend meiner anckunfft ein grösseres quartier beziehen muste: 
ich bin mit Visiten dergestalt überhaufft, daß ich die revisiten kaum in 
6 wochen werde erwiedern könen; es waren beede H. gesandte bey mir, 
nemblich Fürst Castelcicala v. Neapl, 1 und H. Baron v. Stadion. 1 ich 
hatte auch schon die gnade das Mittagmahl bey beeden um 6 uhr abends 
einzu nehmen: das neue opern büchl so ich zu Componiren habe, beti- 
tult sich Orfeo in 5 Acten,' welches ich aber erst dieser tagen erhalten 
werde, dasselbe soll von einer ganz andern arth seyn, als jenes v. Gluck, 
die Prima Donna nent sich Madam Lops 4 aus München und eine schül- 
lerin der grossen Mingotti, 5 Seconda Donna ist Madam Capelletti. 6 Primo 
Hommo macht der berühmte Davide. 7 die Opera ist nur in 3 Personen 
als, Madam Lops, Davide, und einen Castraten, welcher aber nicht sonder- 
lich seyn solte. 8 übrigens aber soll die Opera sehr mit Chören, und Ballets 
und vielen grossen Veränderungen verflochten seyn: in 14 tagen wird 
die Erste opera Pirro v. Paisiello gegeben werden, die Concerten werden 
erst künftiges Monath den n tn Februari Ihren anfang nehmen, worüber 

2 53 



ich Euer Durchl. nachhero das mehrere gehorsamst überschreiben werde, 
unterdessen bin ich 

Euer Hochfürstl. Durchl. 

unterthänigst gehorsamster 
London, den 8'° Jenner 1791 Joseph Haydn mppria i 

Ich Erdreiste mich meinen unterthänigsten Handkuß an die schönste 
Frau Fürstin, hochDero liebenswürdigste Gattin, wie auch an die Fürstin 
Marie und hochDero gemahl zu vermelden. 

meine Addreß ist unmassgeblich 
N ro 18 Great Pulteney Street 
Golden Square 
London. 



O (Autograph): Budapest, EA -TS, A. M. Fase. 1, Nr. 55. ED: Valkö I, 6j8 (nicht ganz 
buchstaben- und formgetreu, mit kleinen Lesefehlern). Danach (eÜb) Landau CCLN 
113-114. Unsere Ausgabe stützt sich auf das Autograph. 

1. König Ferdinand IV. von Neapel weilte im September und Dezember 1790 in Wien. An- 
läßlich einer Audienz beim König (am 13. Dezember) überreichte Haydn König Ferdinand 
die sechs bestellten Notturni (über die Bestellung vgl. unseren Brief Nr. 103) und nahm von 
ihm einen persönlichen Empfehlungsbrief an den neapolitanischen Gesandten in London, 
den in diesem Brief genannten Fürsten Castelcicala entgegen. Vgl. Pohl II, 24J-248 und 
London CCLN 114 Fußn. 1. — 2. Der Wortlaut des vom Fürsten Kaunitz an den österr. 
Gesandten in London, den Grafen Stadion gerichteten Empfehlungsschreibens vom 13. 
Dezember 1790 ist bei Pohl III, ij (mit dem falschen Jahresdatum „1796" anstelle des 
richtigen 1790) mitgeteilt: „Hochgeborner Reichsgraf I Der fürstlich Esterhazische 
Kapellmeister und allgemein berühmte Compositor Herr Josef Haiden hat einen Ruf nach 
London erhalten, und wird durch einige Zeit daselbst verbleiben. Vor seiner Abreise hat 
er mich um ein Empfehlungsschreiben an Eure Hochgebohren ersucht, welches ich ihm 
mit so größerem Vergnügen ertheile, je mehr dieser Mann von ganz besonderen Talenten 
und den schätzbarsten persönlichen Eigenschaften der vorzüglichsten Empfehlung 
würdig ist. Eure Hochgebohren wollen ihm daher bestens an Hand gehen, und alle thun- 
liche wirksame Beförderung angedeihen lassen. / Ich verharre mit vollkommener Hoch- 
achtung / Euer Hochgebohren schuldiger Diener / Kaunitz R. / Wien den 13. Dezember 
1790". — 3. Haydns letzte Oper (über das Orfeo-Thema) führt den Titel L'anima de/ 
filosofo; das Libretto stammt von Carlo Francesco Badini. Haydn spricht hier von 5 Akten, 
die Musik besteht dagegen nur aus 4 Akten; entweder hat Haydn das Libretto nicht zu 
Ende komponiert (was unwahrscheinlich ist, da die vertonte Fassung mit 4 Akten durchaus 
den Eindruck eines vollendeten Werkes macht), oder er hat die zwei letzten Akte des 
Textbuchs zusammengezogen. — Dem italienischen Opernunternehmen des /. Gallini, 
das Haydns Oper in London aufzuführen beabsichtigte, wurde nach langem Hin und Her 

254 



die Spieleflau bnis vom König verweigert, so daß Haydns letzte Oper zu seinen Lebzeiten 
unaufgeführt blieb. — 4. Über die Sängerin Rosa Lops (ihr Name ist bei ValkösXs „Loys" 
verlesen) schrieb die Zeitung Morning Cbronicle damals: „a good and finished singer; she 
has every accomplishment but youth and beauty". Vgl. Pohl HiL, 12} Fiißn. 1. — 5. Die 
aus Neapel gebürtige berühmte Sängerin Regina Mingotti (1 722-1 808) war damals 69 Jahre 
alt; sie hat ihre Schülerin, die Lops, nach London begleitet und ist dort in Privatkreisen 
auch noch aufgetreten. — ■ 6. Die Sängerin Teresa Poggi-Cappelletti ist auch in den Haydn- 
Salomon-Konzerten als Solistin aufgetreten. Vgl. Pohl HiL, 113 und LS 441 f. — 7. Der 
berühmte Sänger Giacomo Davidde war auch eine Hauptstütze der Haydn -Salomon-Konzert- 
serie. Vgl. Pohl HiL, 2, 110, II}, 119, 120, 122 ff usw., LS 441-4/? ff, 461 ff. Haydn hat für 
ihn auch eine (seither verlorene) Konzertarie geschrieben. Vgl. die Liste der in London 
entstandenen Kompositionen im 4. Londoner Notizbuch Haydns.- — 8. In der Künstlerliste 
des 3. Londoner Notizbuches ist ein gewisser Sig. Neri mit der Bemerkung „povero 
castrato" genannt. Vermutlich handelt es sich hier um dieselbe Person. 



159. Haydn an Luigia Polzelli, Wien 

London ai i4 mo di Marzo 1791. 1 
Stimatissima Polzelli, 

Le tue circostanze mi fanno pietä, ed aspetto ogni momento la morte del 
tuo povero Marito. tu hai fatto bene di mandarlo all'ospitale per conservar 
la tua vita. io spero, che mio Pietro 2 si troverä meglio, io li fo dire che 
badi meglio alla sua salute, e che sia ubbidiente alla sua Madre. cara 
Polzelli, tu riceverai dal cameriere del Principe Mons. Pierre cento fiorini. 
quando avrö dato il mio benefizio, allora ti manderö di piü, io ho scritto 
al Mons. Pierre, che tua sorella 3 ti mandi questo denaro, perche non 
voglio, che lui lo sappia che venga da me. tua sorella m'ha detto, che ti 
manderä ancora qualche cosa. e un pezzo che l'hoveduta [veduto?], 
perche io ho troppo da fare coi concerti, e col opera, ed ogni momento 
vengo seccato colle Academie, fin adesso non e stato aperto il nostro 
Teatro, e quando il Re non darä licenza, il Signor Gallini 4 l'aprirä in 
maniera d'una sottoscrizione, se no, lui perde venti mila lire [? livre] ster- 
line io non perderö niente, perche il Banchiere di Fries 5 a Vienna ha giä 
ricevuto il mio denaro; la mia opera intitolata l'anima del filosofo andarä 
[anderä ?] in scena nel ultimo di Maggio, io ho giä terminato il secondo 
Atto, ma sono cinque Atti, e gli ultimi sono assai curti; il Signor Gallini 
per poter mostrare al publico suo Teatro e l'Opera ed il Ballo, ha preso 

255 



questa finezza, ed egli ha fatto questi giorni la sera la prova generale in 
tal maniera, siccome fosse fatta la i™* produzione; egli ha distribuito 
quatro mila Biglietti, ed erano piü che cinque mila Persone. POpera 
intitolata il Pyhro del Paisiello ha piaciuto assai. solamente la nostra i ma 
donna e un salame, ed io non la piglierö per l'opera mia, il Ballo e ändato 
alle stelle, adesso aspetteremo dal Re un Si o un No, e quando s'aprirä 
nostro Teatro, l'altro Teatro cioe i nostri opponenti bisogna che resti 
chiuso, perche il castrone e la prima donna sono troppo vecchi, e l'Opera 
di loro no ha piaciuto niente affatto. nel i mo concerto dal Signor Salomone 
io ho fatto un furore con una nuova Sinfonia, 6 loro hanno fatto replicare 
l'adagio; questo no [?] e mai successo in Londra, figurati, che chiasso, 
a sentire questo di una bocca d'un Inglese. Scrivami presto, cara Polzelli, 
arricordati di me io sono e sarö sempre tuo 

sincerissimo amico 
Giuseppe Haydn 

[Adresse außen auf dem Umschlag:] Madame Polzelli a Vienna 

im Starnbergischen Freyhaus auf der 
Wieden Nr. 161. 
[Danach Bleistiftnotiz (von der Polzelli):] er wird sterben — ein Feind hat 
den Haydn in London verfolgt ihn zu stürzen. 



0: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch London CCL.N 329 festgestellt: Albert Cohn, 
Kat. Paar Nr. 1551 -> ungenannte Privatsammlung in New York (1958). Das Autograph 
war uns nicht zugänglich. Die (eÜb) LandonCCLN ////und unsere Ausgabe stützen sich 
auf den EDPohl III, 19 (mit durch van Hoboken korrigiertem Datum) als einzige Quelle. 
Im (uns vorliegenden) Text bei Pohl III, 19 gibt es eine Reihe von kleinen Fehllesun- 
gen(z. b. „sottoserizione" statt sottoscriyione) , die wir zumeist stillschweigend korrigieren 
konnten. Der Brief ist natürlich in lateinischen Lettern geschrieben. Wie schon in den 
französischen Brieftexten an Forster (Nr. 90, 95, 97 unserer Ausgabe), gebraucht Haydn 
am Wortanfang zumeist das (gotische) lange „s", welches von Pohl irrtümlich als großer 
Initialbuchstabe wiedergegeben wird. Demgegenüber haben wir die sinngemäße Schreibung 
mit kleinem „s" rekonstruiert. 

1. Bei Pohl III, 19 ist dieser Brief mit dem verlesenen Datum 4. März veröffentlicht. Das 
richtige Datum ist durch van Hoboken festgestellt, dem ein flüchtiger Einblick in das (uns 
nicht zugängliche) Autograph gewährt wurde. — 2. Pietro Polzelli, der ältere Sohn der 
Polzelli, ein ausgesprochener Liebling Haydns. — 5. tua sorella: die Schwester der Luigia, 
Cristina Negri, damals an der ital. Oper in London engagiert. — 4. Der Operndirektor 



256 



Gallini (der Adressat vor Brief Nr. 92). — 5. Das Bankhaus Fries war von dem (1785 ver- 
storbenen) Reichsgrafen Johann Fries gegründet worden und gehörte seiner Witwe Anna 
und dem damals noch minderjährigen Grafen Moritz "• Fries (1777-1826). Diesem hat 
Haydn sein letztes Streichquartett (Op. 103) und Beethoven eine ganze Reihe wichtiger 
Werke (u. a. die Violinsonaten Op. 23, 24, das Quintett Op. 29, die VII. Sinfonie usw.) 
gewidmet. Vgl. Deutsch MDL }}? und Kinsky-Halm, Das Werk Beethovens, München 19 JJ, 
ff. — 6. una ruiova Sinfonia: im ersten Salomon-Konzert der Saison, am 11, März (in den 
Hanover Square Kooms) wurde Haydns Sinfonie Nr. 96 in D-Dur uraufgeführt (unter 
verschiedenen Instrumental- und Gesangswerken von Rosetti, Dussek, Andreozzi und 
Ko^elucb). Über das Programm und die Pressestimmen vgl. Pohl HiL 119. — Dies ist der 
früheste erhalten gebliebene Brief Haydns an die italienische Sängerin Luigia Polzelli 
(geb. Moreschi aus Neapel), die vom März 1779 bis zum Tode des Fürsten Nikolaus 
(im Sept. 1790) im Dienste der Esterhäzy-Operntruppe stand. Was sie als Mensch für 
Haydn bedeutet hat, sollen die folgenden an sie gerichteten Briefe Haydns belegen (Nr. 
162, 166, 169, 187, 192, 200). 



[60. Offener Brief Haydns an Mr. Hayward, Oxford 

[London, um den 25. Mai 1791] 

Whereas at the Request of Mr. Jung, an Acquaintance of mine from 
Vienna, I faithfully promised to play the Harpsichord at Mr. Hayward's 
Beneiit Concert, the i8th Instant (which Day I had appointed myself), 
but was prevented from coming on Account of a Rehearsal at the Opera 
House, which lasted from Two tili Half-past Four on that Day, I take 
the Liberty by this Paper to express the greatest Sorrow for not having 
been able to stand to my Promise. As the University of Oxford, whose 
great Reputation I heard abroad, is too great an Object for me not to 
see before I leave England, I shall take the earliest Opportunity of paying 
it a Visit, and hope at the same time to make a personal apology to those 
Ladies and Gentlemen who were kind enough to honour Mr. Hayward 
with their Company. 

Joseph Haydn. 

0: Das Autograph dieses offenen Briefes (wenn ein solches jemals existiert hat) ist spurlos 
verschollen. ED: Jackson's Oxford Journal vom 28. Mai 1791. Neudrucke in Mees, The oldest 
Music Room in Europe, London 1911, 134 f; Pohl III, 24-2;; London CCLN 116. 
Hayward war einer der führenden Musiker in Oxford. Sein Benefizkonzert (zu welchem 
Haydn seine Mitwirkung am Cembalo zugesagt hatte, aber sein Versprechen nicht hielt) 

17 257 



fand am 18. Mai statt. Hayward veröffentlichte hierauf in Jackson's Oxford Journal ein 
verärgertes Protestschreiben gegen Haydn (Pohl III, 24), worauf dann Haydn diese nicht 
datierte Entschuldigung (in Form eines offenen Briefes an Hayward) an das Oxford Journal 
einsandte, wo sie am 28. Mai erschien; sie mochte also 2-3 Tage vorher verfaßt worden 
sein. Anfang Juli 179 1 kam dann Haydn tatsächlich nach Oxford, um sich dort sein 
Ehrendoktorat zu holen. ' 



161. Billett von Rebecca Schröter an Haydn 

[London] June the 2c> th 1791. 

[Haydn hat den Text sämtlicher Briefe der R. Schröter (im englischen Originaltext) 
in sein zweites Londoner Notizbuch eingetragen. Dementsprechend erfolgt unsere Mittei- 
lung am Ende des 2. Londoner Notizbuches, S. 517 dieser Ausgabe.] 

Dieser Zettel bezeichnet den Beginn einer Bekanntschaft, die für Haydn nicht ganz ohne 
Bedeutung bleiben sollte. Die Schreiberin des Zettelchens hieß Rebecca Schröter; sie war 
die Witwe des als Musiker des Prinzen von Wales beamteten, aus Warschau (* um 1752) 
gebürtigen Pianisten und Komponisten Jobann Samuel Schröter ("f 1788 in London). Zehn 
Monate später, im Frühjahr 1792 hat sie dann eine ganze Reihe (insgesamt 21) englische 
Briefe an Haydn geschrieben, die dieser getreulich aufhob und deren Text er später (ver- 
mutlich, als er aus irgendeinem Grund die Originale zurückerstatten mußte) eigenhändig 
in das zweite Londoner Notizbuch kopierte, wo sie erhalten sind (aus der Feder Haydns 
selbst an Frau Schröter ist uns keine einzige Zeile erhalten). Als A. C. Dies Haydn in den 
Jahren 1805-1808 besuchte.um Materialien für seine Biographischen Nachrichten (Wien 1810) 
zu sammeln, hat ihm Haydn einmal, im Juni 1806, diese Brief kopien gezeigt und dazu 
lächelnd bemerkt: „Briefe von einer englischen Witwe in London, die mich liebte; aber sie 
war, ob sie gleich schon sechzig Jahre zählte [hier ist Haydn im Unrecht; Frau Schröter 
konnte damals kaum mehr als 40 Jahre alt sein], noch eine schöne und liebenswürdige 
Frau, die ich, wenn ich damals ledig gewesen wäre, sehr leicht geheiratet hätte" (Dies 
i}i f; Neudruck von Seeger, 1)4 f). 



162. Haydn an Luigia Polzelli, Wien 

Londra ai 4" Agosto 1791. 
Cara Polzelli! 

Spero, che tu avrai ricevuto Pultima lettera dal conte Fries 1 ed insieme 
cento fiorini, che ti ho assegnato, vorrei far di piü, ma per adesso non 
posso. Quel che tocca al tuo povero marito, ti dico che la Providenza ha 

258 



fatto bene di liberarti d'un gran peso, mentre e meglio d'esser al altro 
mondo, che esser inutile a questo. II povero ha sofferto abbastanza. Cara 
Polzelli, forse forse arriverä quel tempo, nel quäle noi due piü spesso ci 
siamo augurati di stare chiudendo quatro occhi. 2 Due son serrati, ma gli 
altri due — Basta tutto questo, che vuol nostro Dio. Fra tanto pensa alla 
tua salute, io ti pregho e scrivimi ben presto perche io ho da molto tempo 
giorni di melanconia, senza saper perche, le tue lettere mi consolano 
benche son triste. Addio cara Polzelli, la posta non vuol piü aspettare io 
baccio la tua famiglia e sono eternamente 

tuo sincerissimo 
Haydn 
[Außen Adresse:] 

Madame Polzelli Virtuosa di Musica ä 
Vienna en Autriche. 
[In gotischer Schrift:] 

abzugeben im Starnbergischen Freyhaus auf der Wieden Nr. 161 
[Die letzte Zeile ist durchgestrichen und vom Postmann notiert: „nicht auf 
der Wieden". Der Brief ist aber der Polzelli offenbar nachgeschickt wor- 
den, denn sie hat ihn dennoch erhalten.] 

O; Das Autograph wurde 1902 durch Leo Liepmannssohn versteigert (Kat. Bovet, vom 
24. Nov. 1902, Nr. 492) -*■ Frederick Seely (Ashville, N. C.) -> Mark L. Reed (Ashville, 
N. C). Das Autograph war uns nicht zugänglich. ED: Pohl III, 29. Danach (eÜb) Landon 
CCLN u 7 . 

Dieser zweite erhalten gebliebene Brief Haydns an die Polzelli folgt dem ersten (Nr. 159) 
nach einer Pause von beinahe 5 Monaten; Haydn war damals mit der im März angelau- 
fenen Konzertserie, mit Kompositionsarbeit und mit wichtigen Besuchen vollauf be- 
schäftigt (wie er auch die ihm sicherlich sehr nahestehende Frau v. Gewaltiger seit seinem 
Brief vom 8. Januar bis zum Juli bzw. September auf den nächsten warten ließ). In- 
zwischen hatte Luigia im Sommer 1791 Haydn vom Tode ihres Mannes benachrichtigt 
und (in einem nicht vorhandenen Brief) um Geldhilfe gebeten, Haydns Antwort ist ziemlich 
kurz ausgefallen (immerhin ist die Anrede, anstelle von „Stimatissima Polzelli" im März, jetzt 
schon „Cara Polzelli"), und auch in Hinsicht der Geldhilfe mußte sich Luigia bescheiden. 
Wenn es sich hier immer noch um dieselben 100 Gulden handelt, die schon im Märzbrief 
erwähnt waren, dann hat sich Haydn (der ja in diesen Monaten ein Vermögen mit seinen 
Konzerten verdiente) seiner alten Liebe gegenüber nicht sehr freigebig erwiesen. 
1. Über das Bankhaus des Musikfreundes Grafen Fries vgl. unsere Anm. 5 zum Brief 
Nr. 159. — 2. Dies ist eine recht offene Anspielung auf den (von Haydn erwarteten) 
Tod seiner Gattin. 

17* 259 



163. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

[London, den 17. September 1791] 

Hoch und wohl gebohrne 

Gnädige Frau ! \ 

Da ich über mein 2 tc8 schreiben von 3" 1 Julj, 1 welches ich durch einen 
hiesigen Compositor H: Diettenhofer* samt ein. [einem] kleinen Andante 
von einer meiner neuen Sinfonien 3 in Ciavier auszug Euer gnaden über- 
schückte, noch bis dato keine andworth, weder die von mir ausgebettene 
Sinfonie Ex E moll erhalten habe, 4 so kan ich nicht mehr länger abwarten 
um mich zu erkundigen, wie sich Euer gnaden samt Ihren H. gemahl 
und der ganzen lieben Familie befinden, solte dan das hessliche Sprich- 
wort, aus den äugen, aus den Sinn, aller orthen gelten, o nein, entweder 
sind die häuffige geschäften, oder der verlurst meines Schreibens, so 
wie jener von der Sinfonie schuld daran, über den willen der einsendung 
meiner anverlangten Sinfonie bin ich überzeugt, nachdem H. v. Keeß' 
mich dessen in sein, [seinem] schreiben versicherte, allein, da wür uns 
beederseits über den verlurst zu becklagen haben, so müssen wür es der 
Vorsicht überlassen, ich schmeichle mir über dieses schreiben eine kurtze 
andworth, nun meine liebe — gute gnädige Frau was macht Ihr forte 
piano? wird doch zu Zeiten ein Haydnischer gedancke durch Ihre schöne 
hand erneuert? singt meine gute freyle Pepi bisweilen die arme Ariadna? 
o ja, ich höre es bis hieher, besonders seit 2 Monathe, indem ich auf den 
land in einer der schönsten gegenden bey einem Banckier 6 lebe, dessen 
hertz samt der Familie dem v. gennzingerischen hauß gleichet, und allwo 
ich wie in einer Clausur lebe, ich bin dabey Gott sey ewig gedanckt bis 
auf die gewöhnliche Rheomatische zu stände gesund, arbeithe fleissig, 
und gedencke jeden früch morgen, wenn ich alleine mit meiner Englischen 
Grammer in den wald spaziere, an meinen schöpfer, an meine Familie, 
und an all meine hinterlassene freunde, worunter ich die Ihrige am Höch- 
sten schätze, ich hofte freylich dieselbe früher zu gemessen, allein, meine 
umstände, — kurtz das schicksall will es So haben, daß ich noch 8 oder 
10 Monathe in London verbleibe, O meine liebe gnädige Frau, wie 
Süss schmeckt doch eine gewisse freyheit, ich hatte einen guten Fürsten, 
muste aber zu Zeiten von niedrigen Seelen abhangen, ich seufzte oft um 
Erlösung, nun habe ich Sie einiger massen, ich erkenne auch die gutthat 

260 



derselben ohngeachtet mein geist mit mehrer arbeith beschwert ist. das 
bewust seyn, kein gebundener diener zu seyn, vergütet alle mühe, allein 
so lieb mir diese freyheit ist, so gerne verlange ich bey meiner zurück- 
kunft in fürst. Esterhazischen Diensten zu seyn, bloß meiner armen 
Familie wegen, Ob ich aber dieses verlangen erhalten werde, zweifle ich 
sehr, indem mein Fürst über mein längeres aussenbleiben sich in seinem 
schreiben über mich beschwert, 7 und Absolute meine baldige Rückkher 
verlanget, ein welches ich aber vermög neuen Contracts so ich hier 
machte, 8 nicht vollziehen kan; ich erwarte nun leyder meine entlassung; 
hofe aber anbey, daß mir gott die gnade geben wird, durch meinen fleiß 
diesen schaden in etwas zu ersetzen; indessen tröste ich mich von Euer 
gnaden bald etwas zu vernehmen ; meine versprochene neue Sinfonie wer- 
den Euer gnaden in 2 Monathen erhalten; um aber gute Ideen zu becko- 
men, so bitte ich, schreiben mir Euer gnaden, aber schreiben Sie ja recht 
viel dem jenigen, so ewig seyn wird 

Euer gnaden 

ganz gehorsamster, aufrichtigster 
freund und diener 
Jos. Haydn mppria 
London, den 17" 7 brl [Sept.] 1791. 

Meinen gehorsamsten Respect an H. v. gennzinger und sammtliche 
Familie, ich bitte um Vergebung daß ich mir die freyheit nähme gegen- 
wärtigen brief an H. v. Keeß bey zu schliessen. 9 ich wüste seine wohnung 
nicht. 

O (Autograph) im Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 38-39 (alle 
4 Seiten sind beschrieben). Der Umschlag (mit der Adresse) ist nicht vorhanden. ED; 
Karajan 92-94. Danach Nohl 132 /usw.; (eÜb) Landon CCLN 117 f. 
1. Der hier erwähnte Brief Haydns vom 3. Juli ist verschollen. Da er ihn sein zweites 
Schreiben nennt, erinnerte er sich recht wohl daran, daß er seit seinem ersten Londoner 
Brief (Nr. 157, vom 8. Jan. 1791) ziemlich lange nicht an die verehrte Freundin geschrieben 
hatte. Pohl HiL 144 irrt, wenn er im verlorenen Brief eine Beschreibung der Oxforder 
Feierlichkeiten (6.-8. Juli) vermutet und deshalb das von Haydn angegebene Datum 
(3. Juli) bezweifelt. — 2. Der Komponist Joseph Diettenhofer (geb. um 1743 zu Wien) war 
Schüler von ]. A.. Stefan und Wagenseil und ließ sich (nach längerem Aufenthalt in Deutsch- 
land und Frankreich) schließlich in London nieder. Vgl. Pohl HiL 90. Haydn erwähnt 
ihn nochmals im Brief Nr. 167 (vom 20. Dezember 1791). — 3. Wie aus der folgenden 
Korrespondenz ersichtlich, meint Haydn hiermit das Andante der Sinfonie Nr. 9} in c-Moll. 

261 



— ■ 4. Die Es-Dur-Sinfonie Nr. pi, welche Haydn noch wiederholt von Frau v. Genzinger 
reklamieren wird müssen. — 5. Der im Briefwechsel oft genannte Musikliebhaber und 
Sammler Franz Bernhard von Kees. — 6. Haydn verbrachte den Sommer beim Bankier 
Natbaniel Brassey (j- 1798) in Roxford (Hertfordshire). Derselbe wird auch im 2. Londoner 
Notizbuch erwähnt. Über ihn vgl. Dies 121 f (Neuausg. von Seeger S. 123); Pohl III, 
)0 usw. — 7. Dieses Schreiben des Fürsten Esterhäzy an Haydn ist nicht vorhanden. — 
8. Haydn hatte demnach bereits zu dieser Zeit seinen Kontrakt für die neue Saison 1792 
mit Salomon geschlossen. — 9. Haydns Brief an Kees ist nicht erhalten geblieben. 



164. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

London, den 13" 1 8 bri [Oct.] 1791. 
Hoch, und wohl gebohrne 
gnädige Fraul 

Ich Nehme mir die freyheit inständig zu bitten, der Meinigen 1 auf eine 
kurtze zeit 150 fl. vorzustrecken, aber mit dieser Condition, daß Euer 
gnaden ja nicht von mir gedencken mögen, daß ich seit meiner abreis 
ein schlechter würth geworden, nein meine gute gnädige frau, gott 
seegnet mich, es sind 3 umstände schuld daran, erstlich hab ich seit 
meiner abreis meinem fürsten die zur Reise mir geliehene 450 fl. abgezahlt, 
zweytens kan ich von meinen Banco Obligationen kein Interesse fordern, 
weil die Obligationen in der Schatullie sind, so Euer gnaden in handen 
haben, wovon ich mich weder des Numero, noch des Nahmens Erinere, 
folglich kan ich keine quittung schreiben, drittens, kan ich von die 
5883 fl., so ich Erst kürzlich und zwar 1000 dauon bey den fürsten, das 
übrige bey H. graf v. Fries 2 anlegte, noch nicht abfordern, besonders 
weil es Englisch geld ist, Euer gnaden sehen also daß ich stets ein guter 
würth wäre, diss macht mir auch die hofnung, daß mir Euer gnaden 
gegenwärtige bitte nicht abschlagen werden der meinigen die 150 fl. 
darzuleihen, dieser brif soll zu Euer gnaden stats einer Obligation dienen 
und bey allen gerichten gültig seyn, das Interesse werd ich bey meiner 
zurückkunft mit tausend danck ersetzen unterdessen bin ich mit vor- 
züglichster hochachtung nebst meinem gehorsamsten Respect an H. ge- 
mahl — freylen Pepi und all übrige 

Euer gnaden 

ganz gehorsamster diener 
Jos: Haydn mppria 

262 



Da ich mich des Erstehen kleinen Adagio an anfang der Sinfonie Ex 
E mol nicht erinnere, so nehme ich mir die freyheit das darauf folgende 
Allegro anzuzeichen. 3 



solte ich so glücklich seyn? diese Sinfonie bis Ende Jenner 1792 zu 
erhalten, o ja, ich schmeichle es mir. aber — wie wunderbahr manche 
sachen sich Eusseren, ich glaube, daß Euer gnaden den nemblichen Tag 
mein schreiben werden erhalten haben, als ich den grausamen Vorwurf 
lesen muste, daß Haydn in stand sein solte, seiner Freundin und wohl- 
thätterin zu vergessen. 4 o wie oft wünsche ich nur eine viertl stund mit 
Euer gnaden an Ciavier zu seyn, und alsdan eine gute deutsche Supe zu 
Essen, allein, alles kan man auf dieser weld nicht haben, gott schencke 
mir nur meine gesundheit, bishero hab ich dieselbe, und hoffe auch zu 
dem allmächtigen Sie fernerhin durch meine ordentlichkeit zu erhalten; 
das Wohlergehen von Euer gnaden ist mir das allerangenehmste zu ver- 
nehmen, die Vorsicht Erhalte Sie lang: übrigens hofe ich Euer gnaden 
in zeit von 6 Monathen zu sehen; 5 ich werde viel ding zu erzehlen haben. 
Adieu, good Night — it is time to go to bed." 
auf deutsch — gute nacht, es ist zeit zu 
bette zu gehen, es ist halb zwölf uhr. doch noch etwas um 
Sicherheit willen des geldes wird Herr Hamberger, 6 ein sehr guter Freund 
von mir ein Mann von langer Statur, und Hauß Herr v. der Meinigen 
selbst diesen brif überbringen, welchem auch Ihro gnaden ganz sicher 
das geld anvertrauen könen, doch bitte ich sich darüber wie auch von 
der Meinigen quittiren zu lassen: 

Herr v. Keeß schreibt mir unter andern, daß Er gerne meine umstände 
hier in London wissen möge, indem man verschiedenes in wienn von 
mir spricht, ich wäre von Jugend auf dem Neyde ausgesezt, wundere 
mich demnach nicht, wenn man auch dermahlen mein weniges Talent 
ganz zu unterdrücken sucht, allein der Obere ist meine stütze, die meinige 
schrieb mir, allein ich kan es nicht glauben, daß Mozart mich sehr herab 
setzen solte. 7 ich verzeihe es Ihm; daß ich auch in London eine menge 
Neyder hab, ist ganz gewiß, und ich kenne Sie beynahe alle, die meiste 
dauon sind wellsche, allein Sie könen mir nicht nahe komen, weil mein 

263 



Credit bei den Volck schon vor viellen Jahren festgesezt war. seynd Euer 
gnaden versichert, daß wan ich den gehörigen beyfall nicht erhalten hätte, 
ich schon längst nach wienn zurückgereiset wäre, ausser denen Professoren 8 
bin ich von jederman geschäzt und geliebt, wegen der belohnung soll 
Mozart zum graf v. Fries um sich dessen zu Erkundigen gehen, bei wel- 
chem ich 500 Pfd., und bey meinem Fürsten 1000 gülden — zusam beynahe 
6000 fl. anlegte ich dancke täglich meinem schöpfer für diese wohlthat, 
und ich schmeichle mir noch ein Baar Tausend nach hauß zu bringen, 
ohnerachtet ich grosse ausgaben habe, und ohneracht der Reisekosten 
nun will ich Euer gnaden nicht länger beschwerlich fallen; das ist eine 
Elende schrift. 

was macht der Pater 9 — - mein Compliment an denselben. 

O (Autograph Haydns) im Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 40-41 
(3 Seiten sind beschrieben; Fol. 41 -b ist leer). Der Umschlag (mit der vermuteten Adresse) 
ist nicht erhalten, ED; Karajan 9J-97. Danach Nohl 1)4-1) j; usw.; (eÜb) Landon CCLN 
119-120. 

a. Diese englisch zitierten und dann auf deutsch übersetzten Sätze sind von Haydn 
besonders unterstrichen. 

1. der Meinigen: provinziell statt „meiner Frau". — 2. Der in den Briefen bereits mehrfach 
erwähnte Bankier und Musikliebhaber Graf Fries. — 3. Es ist die 1788 komponierte Es- 
Dur Sinfonie Nr. 91, die Haydn hier wieder reklamiert. Es klingt sonderbar, daß Haydn 
sich nach drei Jahren nicht mehr an das einleitende Largo erinnern konnte. — 4. Der hier 
angedeutete Vorwurf an Haydn muß in einem verschollenen (auch im Konzept nicht 
erhaltenen) Brief Frau v. Genzingers an Haydn (etwa von Ende Sept. 1791) enthalten ge- 
wesen sein. — 5. Diese Worte sind Mitte Okt. 1791 geschrieben. Haydn plante also, Anfang 
Sommer 179z nach Wien zurückzukehren, seine Rückkehr hat sich aber dann etwas ver- 
zögert (bis Ende Juli 1792). — 6. Dieser als Hausherr der Meinigen bezeichnete Mann 
war Johann Neß. Hornberger, Registratur der niederösterr. Depositen-Amts-Verwaltung. 
Vgl. Karajan ij und Pohl II, 224. Das Haus lag an der Wasserkunst-Bastei; es wurde 1805 
ganz umgebaut (es lag dort, wo heute die Seilerstätte beginnt). Wahrscheinlich ist es die- 
selbe Wohnung.in die Haydn Ende September i79o,nach dem Tode des Fürsten Nikolaus, 
aus Eszterhäza übersiedelte. — 7. Vgl. hierzu die Bemerkung bei Deutsch MDL 
)/?: „Haydns Frau Anna war bösartig und tratschsüchtig. Mozarts Zweifel scheinen 
sich auf den materiellen Erfolg der Reise Haydns bezogen zu haben, vielleicht im Hinblick 
auf seinen eigenen nicht verwirklichten Plan, nach London zu reisen." — 8. Hiermit sind 
wohl die Professional Concerts (ein mit Haydn und Salomon rivalisierendes Unternehmen) 
gemeint. — • 9. Vermutlich der „Pater Professor" aus dem Schottenstift, den Haydn schon 
im Brief Nr. 145 (vom 30. Mai 1790) grüßen ließ. 



264 



165. Haydnan Marianne von Genzinger, Wien 

London den i7 tn 9 bri [Nov.] / 1791. 

Hoch und wohl gebohrne 
Gnädige Fraul 

In gröster Eyl bitte ich mitkomendes Bachet 1 unter Dero Addreß Dem 
H. v. Keeß zu überschücken, indem in demselben die zwey versprochene 
neue Sinfonien 2 enthalten, ich wartete stets auf eine eigene gute gele- 
genheit, konte aber keine erfragen wäre demnach gezwungen dieselbe 
per postam zu überschüken. ich lasse H. v. Keeß gehorsamst bitten, 
von beeden Sinfonien eine Probe zu halten, weil Sie sehr Delicat sind, 
besonders das lezte Stück in D.' in welchem ich das allerkleinste piano 
anempfehle und mit einem sehr geschwinden Tempo, das mehrere werd 
ich nächster tagen Euer gnaden überschreiben. NB. ich wäre gezwungen, 
die beede Sinfonien an Euer gnaden zu Addressiren indem ich die Logi- 
rung des H. v. Keeß nicht weis. ich küsse Euer gnaden die händ und 
bin nebst höfl. Empfehlung an H. gemahl und Famillie 

Dero 
ganz gehorsamster diener 
J: Haydn mppria 
Eben bin ich heute von lande zurück komen ich wäre bey einem Mylord 
14 tag 100 Meil von london. 4 

[Auf der Außenseite, Fol. 43 b: Siegel und Adresse:] 
Madame 

Madame Anne Noble de 

gennzinger Noble de Kayser 
in schotten Hof. auf ä / Vienne 

der Haupt Stiege / in z tn Stock en autriche 

(Autograph Haydns) im Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 42-43 
(zwei Seiten: Fol. 4za-b beschrieben; Fol. 43a ist leer; auf Fol. 43b die Adressierung; 
dieser Brief ist also ohne Umschlag expediert worden). ED: Karajan 98-9}. Danach 
Nohl 1)6; (eUb) Landon CCLN izi usw. 

1. 'Rächet: phonetisch -provinziell für Paket. — ■ 2. Die zwei Londoner Sinfonien Nr. 96 in 
D-Dur und 9} in c-Moll. Im wichtigen Sinfonie-Katalog von Kees (Faks.-Ausg. : Larsen 
)HK) sind diese zwei Stücke mit der Notiz „NB. von London gekommen" verzeichnet. 
— 3. D. h. das Finale der D-Dur-Sinfonie Nr. 96. — 4. Landon CCLN i2iFußn. 2 bezieht 

265 



diese Nachricht von einem zweiwöchigen Landaufenthalt Haydns auf den Besuch bei 
Sir Palrick Blake, der auch im zweiten Londoner Notizbuch erwähnt wird (S. 508 unserer 
Ausgabe). Bei näherem Besehen muß es sich aber um zwei verschiedene Ausflüge Haydns 
handeln: der dreitägige Besuch bei Blake fiel auf die letzten Tage des November 1791, 
während dieser Brief noch vom 17. November datiert ist; der hierin erwähnte zwei- 
wöchige Ausflug Haydns müßte also in der Zeit vom 2. bis 16. November stattgefunden 
haben. Allerdings ergeben sich auch dabei chronologische Schwierigkeiten. Die Frage, 
wieso Haydn dann am 9. November beim Abschiedsfest des scheidenden Lord-Mayors 
in London zugegen sein konnte, ist vorläufig nicht zu beantworten. 



166. Haydn an Luigia Polzelli, Bologna 

London, ai 13 di io br [Dec] 1791. 
Cara Polzeli 

Tu m'hai fatto gran pavra [verbessert aus: pavura] colla prima tua lettera, 
perche io credevo, che erano perse le mie, ed con quelle ancora il denaro, 
io ero tanto inquieto, che non ho potuto dormire tre giorni, finche ho 
ricevuto la 2 da lettera io spero, che tu all'avvenire non avrai mai piü 
un sospetto si crudele verso di me io ti stimo, ed amo, come nel primo 
giorno, tu mi fai pietä, ed io sono sempre mortificato, che non son 
Capace a farti di piü. Ma abbi pazienza, forse verrä quel giorno a mostrarti 
quanto ti amo. Scrivami subito, dove e come si chiama la casa, dove tu 
ti trovi e se tu sei ben arrivata coi tuoi cari ngli. digli al tuo Pietro, 
che sia obbidiente, e che studia sempre, se no, non lo pigliero meco. 
mille bacci dalla tua sorella 1 la quäle ancora era mortificata: la povera 
sta adesso sola in una casa senza marito, ella e ancora disgraziata col suo 
marito: ella ti manderä qualche cosa. cara Polzelli per oggi non posso 
scriverti piü. un altra volta il resto. 
Sono fra tanto / tuo 

sincerrissimo Giuseppe Haydn mppria 
[Adresse:] 

Madame 
Madame Loise Polzelli. 
virtuosa di Musica 

a / Bologna. 



166 



O (Autograph) : Harvard College Library. ED: Pohl III, $4 (unvollständig, mit viel Fehl- 
lesungen). (eÜb) L.andonCCL.N 121 f und unsere Ausgabe stützen sich auf eine Fotokopie 
des Autographs. 

1. tua sorella: Luigias Schwester, die schon im Brief Nr. 159 genannte, damals in London 
lebende Cristina Negri. 



167. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

London, den 20'" io bri [Dec] 1791 
Hoch, und wohl gebohrne 
Gnädige Frau! 

Mich wundert es sehr, daß Sie mit denen 2 Sinfonien 1 nicht auch zugleich 
den Brif erhalten haben, 2 indem ich selbst beedes der hiesigen Post über- 
geben, und bestens anEmpfohlen habe, allein der fehler war stets von mir, 
daß ich den Brif nicht in das Paquet eingeschlossen habe, So geht es, 
gnädige Frau, gemeiniglich jenen So zu viel Kopfarbeith haben, nun 
aber hofe ich, daß Sie das schreiben werden etwas spätter erhalten haben, 
wo nicht, so muß ich mich hier erklären, daß beede Sinfonien für H. v. 
Keeß bestirnt waren, jedoch mit diesen vorbedacht daß, wan solche durch 
ordre des H. v. Keeß werden abgeschrieben seyn, die Partitur dauon 
Euer gnaden solte überreicht werden, damit Euer gnaden einen Ciavier 
auszug von denen selben nach Wohlgefallen machen könen; jene Sinfonie 
aber, so für Euer gnaden bestimmt, werd ich längstens anfangs Februarj 
übermachen. es ist mir nur leyd, daß ich gezwungen wäre diss grosse 
Paquet an Euer gnaden zu Addressiren indem mir die wohnung des 
H. v. Keeß unbewust. allein H. v. Keeß wird Euer gnaden die Post 
Unkosten bezahlen, und wie ich hofe a parte 7 Ducaten überreichen, 
nun bitte ich Euer gnaden ganz gehorsamst mir von diesen geld die schon 
So oft anverlangte Sinfonie Ex E mol, 3 wouon ich lezthin das Thema 
beyschückte auf klein Post Papier geschrieben so bald möglich per Postam 
zu überschücken, weil vielleicht in einem halben Jahr erst ein Curier von 
wienn abgehen kan, ich aber die Sinfonie höchst Nöthig bedarf, nach- 
hero aber unterfange ich mich neuerdings Euer gnaden zu quällen, mir 
ebenfals eine gewisse, und zwar die lezte Ciavier Sonate Ex As, das ist 
mit 4 b mol, mit ein Violin, und Violoncello begleitet, 4 und noch ein 
anders stück la Fantasia Ex O ohne begleitung bey H. Artaria zu kaufen, 

267 



und alsdan ebenfals auf klein Post Papier Copirter per postam zu über- 
schücken, weil solche in london noch nicht gestochen seyn, allein Ihro 
gnaden müssen die gewogenheit haben, H. Artaria nichts dauon zu mel- 
den, sonst komt Er mir mit den Verkauf zuvor. die ausgaben dauon 
nehmen Ihro gnaden von die 7 Ducaten: um wider auf die obige 2. 
Sinfonien zu komen, so mus ich Euer gnaden sagen, daß ich das Andante 
von jener Ex C minor 6 in Ciavier auszug durch H. Diettenhofer 7 über- 
machte, da aber wie man glaubt H. Diettenhoffer unterwegs gestorben 
oder sonst ein unglück mus gehabt haben, so könen Sie nun selbst nach 
Wohlgefallen beede Stücke übersehen: der gröste theil von den Inhalt 
des Brifes, so ich H. Diettenhofer übergab, wäre von der aufnahm der 
Doctorswürde zu Oxford, 8 und von all denen Ehren, so ich allda Empfan- 
gen habe. bey dieser gelegenheit mus ich Euer gnaden melden, daß ich 
vor 3 wochen durch Printzen v. Wallis zu seinem bruder dem Herzog 
v. yorck auf sein lustschloß geladen wurde, 9 der Printz führte mich bey 
der Herzogin, die Tochter des Königs von Preussen auf, welche mich 
sehr gnädig mit vielen schmeichlhaften Worten Empfing, Sie ist die 
liebenswürdigste Dame von der Weld, besizt sehr viel Verstand, spielt 
das Ciavier und singt sehr artig, ich muste 2 Tag da bleiben weil Sie den 
ersten Tag wegen einer kleinen unbässlichkeit zur Music nicht komen 
konte Sie bliebe aber an z ta Tag von 10 uhr abends, allwo die Music 
anfienge bis 2 uhr nach Mitternacht beständig neben mir, es wurde 
nichts als Haydnische Music gespielt ich Dirigirte die Sinfonien am 
Ciavier, die liebe kleine saß neben meiner an der lincken Hand, und 
humste alle stücke auswändig mit, weil Sie solche so oft in Berlin hörte, 
der Printz v. Wallis saß an meiner rechten Seite, und spielte das Violon- 
cello so zimlich gut mit. ich muste auch Singen; der Printz v. Wallis 
last mich nun abmahlen, und das Portrait wird in seinem Cabinet auf- 
gemacht. 1 ° Printz v. Wallis ist das schönste Mannsbild auf gottes Erd 
boden, liebt die Music ausserordentlich, hat sehr viel gefühl, aber wenig 
geld: NB unter uns. mich vergnügt aber mehr seine gute als das 
Interesse. Der Herzog v. yorck Hesse mich am dritten Tag, da ich keine 
Post Pferde haben konte, durch seinen Zug 2 Posten weit führen. nun 
gnädige Frau möchte ich mich gerne ein wenig zancken mit Sie, da Sie 
glauben, daß ich die Stadt London wienn vorziehe, und mir der hiesige 
aufenthalt angenehmer seyn solte, als jener in meinem Vatterland. ich 

268 



hasse London nicht, aber alle meine Tage da zuzubringen wäre ich nicht 
im stände, wenn ich Millionen zu verdienen wüste, die Ursachen dauon 
werde ich Euer gnaden mündlich sagen. ich freue mich kindisch nach 
Hauß um meine gute Freunde zu umarmen, nur bedaure ich dieses an 
den grossen Mozart zu Entbehren, wan es änderst deme [?] also, welches 
ich nicht wünsche, daß Er gestorben seyn solte." die nachweld beckomt 
nicht in ioo Jahren wider ein solch Talent. 

Ich bin herzlich erfreuet, daß Sich Euer gnaden samt denen angehörigen 
in gutem Wohlstand befinden, ich war gott lob bishero immer gesund, 
hab aber vor 8 Tagen einen Englischen Rheomatisme überkomen, der 
so starck, daß ich bisweilen hell laut schreyen muß. doch hofe ich den- 
selben bald zu verliehren, weil ich mich, wie hier der gebrauch ist ganz 
von unten bis oben mit Franell eingewicklet habe. Heute bitte ich Sie 
in der that um Vergebung, daß meine handschrift so schlecht ist. in 
hofnung bald wieder mit ein schreiben getrost zu werden bin ich mit 
all ersinnlicher Hochschäzung nebst mein gehors. Empfehlung an H. 
gemahl der besten freyle Pepi und all übrige 

Euer gnaden 

ganz gehorsamster diener 
Joseph Haydn mppria 
an H. v. Kreybich" bitte mein 
Compl. zu vermelden. 

(Autograph Haydns) im Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 44-45 
(alle 4 Seiten beschrieben). Der Umschlag mit der Adresse ist nicht erhalten. ED: Karajan 
loo-io). Nohl 1)8-141; (eÜb) Landon CCL.N 122-124; usw. 

1. Zwei Sinfonien: Nr. 96, yj (vgl. Brief Nr. 165). — 2. Der Brief (Nr. 165) Haydns scheint 
mit einiger Verspätung zu Frau v. Genzinger gelangt zu sein. Sie hat ihn dann aber doch 
erhalten, denn das Autograph stammt aus ihrem Nachlaß. — 3. Die von Haydn schon 
so oft reklamierte Sinfonie Nr. 91 aus 1788. — 4. Das Klaviertrio in As-Dur (Hob. XV: 14), 
dessen Erstausgabe (im Oktober 1790) bei Artaria erschienen war. Haydn muß das Stück 
von. Frau v. Genzinger bald erhalten haben, denn es wurde im 8. Haydn -Salomon-Konzert 
der bevorstehenden Saison am 20. April 1792, mit dem als Wunderkind geltenden (damals 
13jährigen) Job. Nep. Hummel (1778-1837) im Klavierpart, mit Salonion und Menel in den 
Streichstimmen in London aufgeführt und bald darauf (Ende 1792) durch "Longman & 
Broderip verlegt, mit einem Hinweis auf diese Aufführung („as performed by Master 
Hummel at Mr. Salomon's Concert. . ."). Vgl. Hoboken 696 ff. — Hummel, ein Schüler 
Mozarts, ist später (1804-1811) als Kapellmeister beim Fürsten Esterhäzy Haydns Nach- 

269 



folger und als Klavierspieler ein erfolgreicher Rivale u. a. Beethovens gewesen. — 5. Die 
Fantasie C-Dur (Hob. XVII: 4), welche im Sept. 1789 bei Artaria und etwa 2 Monate 
später auch bei Longman & Broderip in London erschienen war. Von dieser letzteren 
Ausgabe hat Haydn offenbar nichts gewußt, sonst hätte er wohl kaum den Plan gefaßt 
(vgl. die nächsten Sätze dieses Briefes), das Werk in London nochmals zu verkaufen. 
Tatsächlich hat sich in London kein neuer Käufer für das Werk gefunden (vgl. Hoboken 
788 f). — 6. Das Andante der Sinfonie c-Moll Nr. pj. — 7. Der schon im Brief Nr. 163 
genannte Komponist Joseph Diettenhofer; er ist nicht, wie Haydn befürchtete, unterwegs 
gestorben, denn Gerber NHBL.T I, 891 berichtet noch über seine Tätigkeit in London 
im Jahr 1799. — 8. Das Ehrendoktorat ist Haydn am 8. Juli 1791 von der Universität 
Oxford verliehen worden. — 9. Über den Besuch Haydns beim Herzog von York auf 
dessen Gut Oatlands vgl. Pohl III }$,Pohl HiL, /rf^usw. — 10. Dieses berühmt gewordene 
Haydn-Porträt ist vom Hofmaler des Prinzen von Wales, John Hoppner (1758-1810) gemalt 
worden; es wird gegenwärtig im Buckingham Palace aufbewahrt (eine gute Farbreprod. 
bei Geiringerji, Taf. 1). — • 11. Mozart war tatsächlich am 5. Dezember 1791 in Wien 
gestorben. Haydns Reaktion auf diesen Todesfall finden wir im nächsten Brief an Puchberg 
(Nr. 168). — 12. Der aus Zwickau gebürtige, anfangs in der Dresdener, ab 1766 in der 
Wiener Hofkapelle tätige Franz Kreibich (1728-1797), ein ausgezeichneter Violinist, war 
Kammermusikdirektor bei Kaiser Joseph II. Als besondere Vertrauensperson des Kaisers, 
soll er Haydns und Mozarts Kammermusik aus dem Musikzimmer des Kaisers konsequent 
ferngehalten haben. Vgl. E. Schenk, W. A. Mozart, iyjf, J)i und Deutsch MDL }zj _ 



168. Aus einem Brief Haydns an Johann Michael Puchberg 1 , Wien 

London, Jan. 1792. 

. . . ich war über seinen [Mozart's] Todt eine geraume Zeit ganz ausser 
mir und konnte es nicht glauben, daß die Vorsicht so schnell einen 
unersetzlichen Mann in die andere Welt fordern sollte, nur allein bedaure 
ich, daß Er nicht zuvor die noch dunklen-Engländer darinn hat über- 
zeugen können, wovon ich denselben täglich predigte — ■ 



Sie werden, bester Freund, die Güte haben, mir das Verzeichniß der 
noch nicht hier bekannten Stücke mit zu schicken, ich werde mir alle 
erdenkliche 2 Mühe geben, solche der Wittwe zum Besten zu befördern; 
ich hatte der Armen vor 3 Wochen selbst geschrieben,' mit dem Inhalt, 
daß wenn ihr Herzens-Sohn 4 die gehörigen Jahre haben wird, ich den- 
selben unentgeltlich die Composition mit allen meinen Kräften lehren 
will, um die Stelle des Vaters einigermassen zu ersetzen. . . 

270 



O verschollen. Unsere einzige Quelle ist der ED: Nottebobm, Mozartiana, Leipzig iSSS, io, 
ein Auszug, der seitdem vielfach neugedruckt wurde, letztlich durch Deutsch MDL 382; 
usw. — Die Rechtschreibung Haydns ist vom Herausgeber, Nottebohm, offenbar viel- 
fach geändert, „verbessert" worden. 

1. Der Adressat, der aus Zwettl gebürtige wohlhabende Großkaufmann Johann Michael 
Puchberg (1741-1822) war Mozarts Logenbruder und guter Freund, der diesem in den 
letzten schweren Jahren oft mit Geldanleihen aushalf. Haydn und Puchberg waren die 
einzigen Freunde, die Mozart mit einer Einladung zu den Proben von Cosl fan tutte 1790 
auszeichnete. Über ihn vgl. Deutsch MDL 274 und E. Schenk, W. A. Mozart, 19 JJ, 698 f 
(mit näheren biogr. Details). — 2. erdenkliche: im Nachdruck bei Pohl III, 42 ein peinlicher 
Lesefehler: „ordentliche". — 3. Der hier erwähnte Brief Haydns an die Witwe Mozarts 
ist nicht vorhanden. — 4. Der „Herzenssohn" Karl Mozart (geb. 1784), der 1792 oder 
1794 zu dem Pädagogen F. X. Niemetschek nach Präg in die Erziehung kam. Haydn suchte 
diesem Sohn Mozarts im April 1806 durch einen warmen Empfehlungsbrief an den 
Komponisten und angesehenen Theorielehrer Bonifazio Asioli in Milano zu helfen (Brief 
Nr. 366). 



169. Haydn an Luigia Polzelli, Piacenza 

London, ai 14" di Gennajo 1792. 

Carissima Polzelli mia! in questo momento, che ho ticevuta tua lettera,' 
Io ti do la risposta; mi consolo, che tu ti trovi bene di salute, e che hai 
trovato un piccolo Teatro, non e per il pagamento, ma per havere la 
pratica; io ti auguro tutta la prosperitä, cioe una buona parte, ed un buon 
Maestro, chi si darä Pistessa pena, come il tuo Haydn. tu mi scrivi dal 
tuo caro Pietro che tu lo vuoi mandare da me. Mandilo pure, io l'ab- 
braccierö con tutto il mio cuore. egli mi sarä sempre grato, e tenuto come 
mio proprio figlio. io lo condurrö con me a Vienna. io starö a Londra 
fin alla metä di giugno, e non piü, perche mio Principe, e molti altre 
circostanze vogliono assolutamente, ch'io vadi a casa mia; io cercherö 
perö, si e possibile, d'andar in Italia* per vedertif,] mia cara Polzelli, ma 
fra tanto tu puoi mandare tuo Pietro da me a Londra, egli starä sempre 
o da me, o dalla tua sorella, 3 la quäle sta adessa sola, ed e gia un pezzo 
separata dal suo Marko da questa bestia. ella e si disgrazia [ta] come sei 
stata tu, ed ella mi fa pieta. io vado rare volte da Lei, perche io ho troppo 
da fare. particularmente adesso, poiche il concerto professionale hafatto 
venire mio scolare Pleyel 4 per metterlo in confronto a me, mä io non ho 

271 



paura, perche io [ho] fatto Panno passato un grand impressione agli Inglesi, 
spero dunque d'incontrare anche in quest'anno. l'opera mia non e stata 
fatta perche il Sig. Gallini 5 non ha ricevuta la licenza dal Re, e non avrä 
mai; e per dirti la veritä, l'opera Italiana non incontra presentamente niente 
a fatto, e per maggior disgrazia e abbrucciato giusto oggi alle due höre 
dopo mezza notte il Theatro di Pantheon; tua sorella era ancora impegnata 
per l'ultima parte, io compatisco tutti. io mi trovo di salute passabil- 
mente: ma ho quasi sempre un humore Inglese, cioe melanconico, e sarö 
forse mai di questo buon humore, che l'avevö, mentre che son stato con 
te. o cara Polzelli: tu mi stai sempre nel core, mai, mai mi scorderö 
di te, 6 ed io farö il mio possibile di vederti se non in questo, ma sicuro 
al'anno venturo col tuo figlio. io spero, che tu ti non scorderai di me, ed 
io ti prego di scrivermi prima, che tu ti rimariti un altra volta, io vorrei 
conoscerlo del Nome, chi sarä si felice di possederti. io dovrei perö 
essere un poco in Collera con te, perche mi e stato scritta di Vienna da 
tante persone, che tu ai parlato molto male di me, mä il Dio ti benedica, 
io ti perdono tutto, sapendo che parlava l'amore. Bada bene al tuo 
buon carrattere io ti pregho, e pensa qualche volta al tuo Haydn, chi ti 
stima, ed ama teneramente, ed chi resterä eternamente il tuo fedele. 
Scrivimi per altro, se tu hai veduto ed parlato con qualche Soggetto, che 
stava in servizio del Principe Esterhazy. 

Addio mia Cara. tanto per questa sera: perche e tardi. oggi son stato 
dalla tua cara sorella per domandarla, se ella puö tenere il Pietro tuo 
figlio in casa sua, con gran piacere sarä ricevuto, ed egli dormirä ed avrä 
anche la tavola colla sorella; perche io pranzo sempre fuor di casa, e sono 
tutti giorni invitato, mä il Pietro verrä tutti giorni da me per dargli 
lezzione, io sto di casa poco lontano dalla tua sorella, io pagherö qualche 
cosa alla tua sorella, perche ella mi fa pietä, ella perö non e si povera: 
mä ella bisogna far gran Ecconomia. io vestirö bene tuo figlio e farö 
tutto per lui io non voglio, che tu fai delle spese, egli avrä tutto il 
necessario. io anderö sicuro alla metä di giugno ä Vienna, ma prendero 
la strada per Holanda, Lipsia, Berlin, per veder il Re di Prussia; mio 
Pietruccio 7 sarä sempre con me. mä io spero, che Lui sara stato fin 
adesso un figlio ubbidiente alla sua cara Madre, se no, io non lo voglio, 
e tu mi scriverai la veritä, io non vorrei haver un ingrato, perche io sarei 
capace d'abbandonarlo in un momento. tua sorella t'abbraccia ed io ti 

272 



baccio mille ed mille volte. Scrivami piü spesso cara Polzelli. pensa, che 
sarö sempre tuo fedel 

Haydn mppria 

mio complimento al Signor Negri. 8 

cara Polzelli, il Maestro di stalla del Principe Esterhazi il Signor 
Hauder quel cujon m'ha fatto scrivere, che tu ai venduto il suo Cembalo, 
io non mi ricordo, che tu ai avuto altro cembalo, che il mio. vedi come 
mi seccano per via di te. mia moglie quella Bestia infernale m' ha scritto 
tante cose, che ero forzato di dar la risposta, che io non tornerö piü a casa, 
da questo momento ella ha piü giudizio. cara vita mia, Bada bene a 
questa lettera. 

[Adresse auf der Außenseite:] 
v. London Madame 

Madame Aloise Polzelli nee 
Moreschi, Virtuosa di Musica 
al Theatro / di Piacenza 

PIACENZA 
en Italic 



O: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch London CCLN )2? festgestellt: Stargardt, 
Kat. Donebauer (6. Apr. 1908) Nr. 377 -»■ Maggs Bros. Kat. 512 (1928) Nr. 419; Kat. 
538 (1930) Nr. 253; Kat. 565 (1931) Nr. 811; Kat. 568 (1931) Nr. 1043; Kat. 586 (1933) 
Nr. 573; Kat. 601 (1934) Nr. 809; Kat. 616 (1935) Nr. 944 (hier mit stark herabgesetztem 
Preis) -»■ heute: Heineman Foundation, P. Morgan Library, New York. Ein komplettesFa&r. 
(3 Seiten Text, 1 Seite Adresse) ist in der Zeitschrift Notes (März 19 jo, 202-20)) durch 
E. N. Walers mitgeteilt. ED: Pohl III, 34 ff (wie aus demFaks. festzustellen, mit sinn- 
störenden Fehllesungen und Lücken; ganze Sätze sind verstümmelt). Die (eÜb) Landon 
CCLN 12/ _^und unsere Ausgabe stützen sich auf das Autograph. 

1. Auch dieser Brief der Polzelli an Haydn ist nicht vorhanden. — 2. Haydn mochte kaum 
ernstlich beabsichtigt haben, die Polzelli in Italien zu besuchen (es ist auch nicht ge- 
schehen); im selben Brief schreibt er Weiter unten, daß er die Reiseroute über Holland 
und Deutschland wählen will; ein Abstecher nach Italien kam also nicht in Frage. — 
3. Luigias Schwester, Crisiina Negri in London. — 4. Igna^Pleyel (1757-1831) war zwischen 
1772 und 1777 Haydns Schüler in Eszterhaza (vgl. den Brief Nr. 20); 1777 wurde er 
Kapellmeister bei seinem Protektor, dem Grafen Erdödy in Preßburg, der ihm (um 1781) 
eine große Studienreise nach Italien ermöglichte. Ab 1783 war Pleyel Kapellmeister am 
Straßburger Münster, bis ihn, etwa 1790, die französische Revolution von hier ver- 

18 273 



drängte. 1791 ist er durch das Konkurrenz-Unternehmen der Professional Concerts nach Lon- 
don eingeladen worden, um gegen Haydn ausgespielt zu werden; hierüber berichtet unser 
Brief. Pleyel hat sich seinem einstigen Lehrer gegenüber aber durchaus loyal benommen, 
so daß die beiden in voller Freundschaft konzertierten. 1795 übersiedelte er nach Paris 
und eröffnete dort zunächst eine Musikalienhandlung und einen Verlag, 1807 av(ch noch 
eine Klavieriabrik. Aus den Jahren 1801-2 sind Briefe Haydns an ihn erhalten (Nr, 264, 
319 dieser Ausgabe). — 5. Der Opernunternehmer Sir John Gallini in London, der Adressat 
des Haydn-Briefes Nr. 92. — 6. Dieser berühmte Satz („O teure Polzelli: du wohnst immer 
in meinem Herzen, nie, nie werde ich dich vergessen . . . ") ist immer wieder in der Haydn- 
Literatur als ein Zeugnis von Haydns leidenschaftlicher Liebe zu Luigia zitiert worden. 
Lesen wir aber im Brief unvoreingenommen weiter, können wir einen gelinden Zweifel 
an der unbedingten Ernsthaftigkeit dieses Geständnisses nicht unterdrücken (namentlich 
der Satz „wenn du dich ein zweites Mal verheiraten solltest, schreibe mir den Namen, damit 
ich weiß, wer der Glückliche sei, der dich besitzt" zeugt von einer geradezu ernüchternden 
Objektivität). — -j.Pietrnccio: italienischer Kosename für Pielro Polzelli; er erinnert daran, 
daß schon die ausgezeichnete Sängerin Maria Bologna seinerzeit von Haydn „Mariuccia" 
genannt wurde. (Vgl. unser Dokument Nr. 5 ib.) — S.Signor Negri: vermutlich der Sänger, 
der bei der Eszterhäzaer Operntruppe 1782-84 engagiert war. 



170. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

London, den 17" 1 Jenner 1792. 
Hoch, und wohlgebohrne 
Allerbeste gnädige Frau! 

Tausent mahl bitte ich Euer gnaden um Vergebung, ich Erkene und 
beckene, daß ich nicht so saumseelig seyn solte in meinem versprechen, 
allein, wenn Euer gnaden seheten, wie ich hier in London Seccirt werde 
in allen denen privat Musicken beyzuwohnen, wobey ich sehr viel zeit 
verliehre, und die menge deren arbeithen so man mir aufbürdet, würden 
Sie gnädige Frau mit mir und über mich das gröste Mittleyd haben, ich 
schriebe zeit lebens nie in Einen Jahr [„nicht" eingefügt und wieder 
ausradiert] so viel als im gegenwärtig verflossenen, bin aber auch fast 
ganz Erschöpft, und mir wird es wohl thun nach meiner nach haußkunft 
ein wenig ausrasten zu könen, ich arbeithe gegenwärtig für Salomons 
Concert, und bin bemüssigt mir all erdenckliche mühe zu geben, weil 
unsere gegner die Professional Versandung meinen schüller Pleyel 1 von 
Strassburg haben anhero komen lassen, um Ihre Concerten zu Dirigiren. 
es wird also einen blutig Harmonischen Krieg absezen zwischen dem 

274 



Meister und schüller, man finge gleich an in allen Zeitungen dauon zu 
sprechen, allein, mir scheint, es wird bald Allianz werden, weil mein 
credit zu fest gebaut ist. Pleyel zeugte sich bey seiner ankunft gegen 
mich so bescheiden, daß Er neuerdings meine liebe gewann, wür sind 
sehr oft zu sam, und das macht Ihm Ehre, und Er weis seinen vatter zu 
schätzen. wür werden unsern Ruhm gleich theillen und jeder vergnügt 
nach hause gehen. 

den 14" 1 dieses Erlitte das Professional concert grossen schaden, indem 
das erst voriges Jahr neu aufgebaute Theater an Pantheon genant um 
2 uhr nach Mitternacht ganz abbrandte, es wäre gelegtes Feuer, man 
rechnet den schade über Hundert 1000 Pfd Sterling, es ist also dermahlen 
gar kein Italänisches [sie] Theater in London. nun meine Englische 2 
gnädige Frau möchte ich auch ein wenig zancken mit Sie. wie oft wider - 
hollte ich meine bitte mir die Sinfonie Ex E mol, ä wouon ich das Thema 
einst beyschriebe auf klein Post Papier per postam anhero zu schocken, 
ich seufze schon so lang darnach, und wan ich dieselbe bis Ende künftigen 
Monaths nicht erhalte, verliehre ich 20 guinees, diejenige Copiatur, so 
H. v. Keeß 4 hat schreiben lassen, wird vielleicht erst in 3 [Monaten?] 
oder 3 Jahren nach London komen, weil bisdahin kein Courier abgehen 
wird; ich batte ebenfals in beygelegten brief H. v. Keeß, daß Er sorge 
dafür tragen möchte, wo nicht,so unterstunde ich mich die Commission 
neuerdings an Euer gnaden zu machen, weil ich mir schmeichle meine 
dringende bitte ganz sicher durch Dero besorgniß zu Erhalten, ich batte 
H. v. Keeß das für Ihn ausgelegte geld Euer gnaden zu übergeben, um 
die Unkosten zu bestreitten: 5 gütigste, meine allerbeste Frau v. Gennzinger, 
nehmen Sie die sache über sich, ich bitte nochmahlen, Sie thun an mir 
das gröste werde der barmherzigkeit, ich werde Ihnen die ursach dauon 
bey meiner ankunft selbst Erklären, und alsdan tausentmahl Ihre schöne 
hände mit Ehrfurcht küssen, und zugleich meine schuld mit danckbahr- 
keit ersetzen, die überschriebeneFeyerlichkeit 6 in ansehung meines klei- 
nen Talents rührte mich innigst doch aber nicht ganz vollkomen, weil 
mir scheint, daß Euer gnaden nicht ganz zufrieden waren, vielleicht er- 
setze ich diese unvollkomenheit mit einer andern Sinfonie die ich Euer 
gnaden mit nächstem übermachen werde; ich sage vielleicht, dan ich — 
oder mein geist ist in der That müde, nur der Beystand des Himmels 
kan das ersetzen, das meinen Kräften mangelt, ich bitte Ihn täglich 

18* 2?5 



darum, dan ohne Seinen beystand bin ich ein armer Tropf, nun meine 
Einzige gnädige Frau gedencke ich, und hofe einige nachsieht o ja, 
ich habe gegenwärtig Ihr bild ganz vor mir, ich höre Sie sprechen. nun 
vor dissmahl Sie abscheulicher Haydn will ich es Ihnen vergeben, aber — 
aber — nein, nein, ich werde diese zeit hindurch öfters meine Pflicht 
beobachten. für heute mus ich Enden, und sagen, daß ich wie allzeit 
mit all ersinlicher Hochschätzung bin, und seyn werde 
Meiner gnädigsten Frauen v. gennzinger 

ganz gehorsamster diener 
Joseph Haydn mppria 
Mein gehorsamste Empfehlung 
an H. gemahl und all übrige, 
bitte um Vergebung, daß ich mir stets 
die Freyheit nehme die Keeßische 
brife 7 beyzuschliessen, ich weis seine 
wohnung nicht 

O (Autograph Haydns) im Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 46-47 
(3 Seiten sind beschrieben; Fol. 47b ist leer). Der Umschlag (vermutlich mit der Adresse) 
ist nicht vorhanden. — ED: Karajan 104-106. NoM 142-14) usw.; (eUb) Landon CCLN 
128-121). — Karajans Mitteilung ist in diesem Falle nicht ganz so genau und zuverlässig 
wie sonst: an mehreren Stellen hat er die Abkürzungsschleife ,,-en" am Wortende über- 
sehen, „wurde" statt würde gelesen usw. 

1. Über Pleyel vgl. Anm. 4 zum Brief Nr. 169. — 2. Ein Wortspiel mit dem Doppelsinn des 
Wortes „Englisch" (engelhaft). — 3. Die schon so oft reklamierte Sinfonie Nr. 91 in Es-Dür. 
— 4. Der in der Genzinger-Korrespondenz so oft genannte HoEtat Franz Bernhard Ritter 
von Kees. Über ihn vgl. Larsen HÜb 24) f. — 5. Haydn hat die Londoner Sinfonien Nr. 96 
und 95 über Frau v. Genzinger dem Ritter v. Kees zugeschickt; ihre Unkosten (bei der 
Ankunft des Paketes) sollten durch v. Kees ersetzt werden. — 6. Irgendwann um die 
Jahreswende 1791-92 (das genaue Datum wissen wir nicht) ist in Wien ein Festkonzert zu 
Ehren Haydns (durch den Haydn- Verehrer v. Kees?) mit der Wiener Erstaufführung der 
aus London an Kees überschickten neuen Sinfonien Nr. 96 und 95 veranstaltet worden. 
Über dieses Festkonzert scheint Frau v. Genzinger Haydn einen Bericht zugeschickt zu 
haben. Auf Grund dieser Nachricht ist dann (vermutlich auf Veranlassung Sa/omons, der 
auf wirksame Propaganda bedacht sein mußte) am 6. Februar, also einige Tage nach dem 
Eintreffen des Briefes von Frau v. Genzinger, im Londoner Public Advertiser folgende Notiz 
erschienen: „HAYDN. At Vienna a Grand Concert has lately been given in honour of 
this favourite Composer, at which were present the Princes, the prineipal Nobility, and 
all the great masters and amateurs; two symphonies composed last winter, for Salomon's 

276 



Concert were performed, at the end of each, an eulogium [d. h. Festgedicht], written in 
praise of this extraordinary Genius was spoken, The whole was received with a thunder 
of applause. Mr. Haydn's picture, illuminated, was exhibited in the Concert-room, and 
over the door of entrance were written in the German language, Profound Silence" (nach 
dem Public Advertiser zitiert bei LS 472). Der enthusiastische Ton dieses Berichtes (der 
in so krassem Gegensatz zur Indifferenz der damaligen Wiener Presse Haydns Kunst 
gegenüber steht) mag zu gleichen Teilen der Haydn-VerehrungFrau v. Genzingersund der 
Geschäftstüchtigkeit Salomons zugeschrieben werden. Das Schweigen der Haydn-Litera- 
tur hierüber (Pohl III, Geiringer usw.) kann doch wohl kaum anders erklärt werden, als daß 
die damalige Wiener Presse dieses musikalische Ereignis gewohnheitsgemäß nicht ver- 
zeichnete. — 7. Haydns Brief an v. Kees ist nicht vorhanden. 



171. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

London, den z ta Febr. 1792. 
Hoch, und wohl gebohrne 
Hochschäzbahrste Frau v. gennzinger! 

Dero gütiges schreiben samt der richtigen Übersendung der Fantasie und 
Sonate a tre 1 hab ich heute den i c Februar j sicherst erhalten, nur wurde 
ich nach Eröfnung dieses ein wenig betrübt, da ich glaubte, und hofte 
die schon So lang und oft anverlangte Sinfonie 2 in E mol mit darunter 
zu finden! gnädige Frau! ich bitte Sie dring enst, mir dieselbe ohne Verzug 
auf klein Post Papier sobald möglich anhero zu schücken; ich werde ja 
herzlich gerne alle Unkosten bezahlen; dan gott weis, wan die Sinfonien' 
v. Brüssel anhero komen werden; ich kan diese ohne grossen verlurst 
nicht entbehren. Verzeihen Sie allerbeste gnädige Frau, daß ich Sie so 
oft damit Seccire. ich werde aber ganz sicher der Danckbahrste seyn. 
ich bin dergestalt mit so vieler arbeith überhäuft, daß ich gegenwartig 
an H. v. Keeß nicht schreiben kan, danenhero bitte ich gehorsamst die 
besagte Sinfonie von hochdemselben nebst meinem gehorsamsten Respect 
zu verlangen Bin unterdessen mit all gebührender Hochachtung 

Euer gnaden 

ganz gehorsamster diener 
an H. Gemahl, liebe Kinder, [Unterschrift vergessen] 

und v. Kreubich 4 mein Respect. 
von denen Nähnadln' sollen Euer gnaden 
eine gute Portion erhalten. 

2 77 



[Auf S. 4 des Briefbogens (Fol. 49 b) Haydns Siegel und die Adresse:] 
Madame 
Madame Anne Noble de 
Gennzinger nee noble de Kayser 

im SchottenHof auf ä / Vienne I 

der Haupt Stiege. en autriche 

(Autograph Haydns) im Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 48a 
(Fol. 48b, 49a sind leer; die 4. Briefseite: Fol. 49b enthält die Adresse; dieser Brief ist 
also ohne besonderen Umschlag expediert worden). — ED: Dlabacz, Künstler-Lexikon 
für Böhmen, i8j;,Bd. I Sp. ßjo. Karajan 107-108; danach u. a. Nobl 144; (eÜb) London 
CCLN 129-ißo; usw. 

1. Die im Brief Nr. 167 (vom 20. Dezember 1791) erbetenen Stücke: die C-Dur-Fantasie 
(Hob. XVII: 4) und das As-Dur-Klaviertrio (Hob. XV: 14). — 2. Die immer wieder 
reklamierte Sinfonie Es-Dur Nr. 91. — 3. v. Kees sollte die erbetenen Sinfonien (in Stimmen, 
nicht in Partitur) über Brüssel nach London expedieren; diese waren damals schon unter- 
wegs, denn bereits einen Monat später, am 2. März, berichtet Haydn von ihrer seit 6 Tagen 
erfolgten Ankunft in London (Brief Nr. 174). — 4. Über den Violinisten und Kammer- 
musiketFranz Kreibicb vgl. Anm. 12 zum Brief Nr. 167. — • 5. Haydn hatte sich gleich zu 
Anfang des ersten Londoner Notizbuchs notiert: „Nähnadeln. . . für Frau von Keess". 
Von diesen englischen Nähnadeln sollte auch Marianne etliche erhalten. 



172. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] Wednesday Feb. 8 th 1792. 

[Den (englischen^ Originaltext dieses Briefes findet der Leser am Ende des zweiten Lon- 
doner Notizbuches, wo Haydn sich diesen (samt den anderen Schröter-Briefen^ wörtlich 
abgeschrieben hat. Vgl. S. 517 dieser Ausgabe.] 



173. Haydn an Johann Joseph Dussek 1 in Czaslau 

[London, den 26. Februar 1792] 
Werthester Freund I 

Ich danke Ihnen vom herzen, daß Sie sich in dem letzten Schreiben an 
Ihren Herrn Sohn 2 auch zugleich meiner erinnern wollten; ich verdopple 
dafür mein Gegenkompliment, und schätze mich glücklich, Sie zu ver- 

278 



sichern, daß Sie den rechstchaffensten, gesittetsten und in der Tonkunst 
den vortrefflichsten Mann zum Sohne haben. 

Ich liebe denselben ebenso, wie Sie, weil er es ganz verdient. Geben Sie 
ihm dann den väterlichen Segen, so wird er stets glücklich seyn, welchen 
ich ihn wegen seiner grossen Talenten herzlich wünsche. 
Ich bin mit aller Hochachtung 

Ihr aufrichtigster Freund 
Joseph Haydn. 
London, den 26" 1 Febr. 1792. 

verschollen. ED: (eÜb) im Dussek-Artikel von Grove's Dictionary etc. 1879,1, 474. (eUb) 
Laiidon CCLN i)o; im Originaltext Pohl III, 9 Fußnote 2 (Vorlage für unseren Text). 
1. Der Adressat, Johann Joseph Dussek (auch Dussik, 1739-1811), war von 1759 bis 1808 
Organist und Chordirektor in Czaslau. — 2. Sein Sohn, Johann Ludwig (Ladislaus) Dussek 
(1760-181Z), ein ausgezeichneter Klavierspieler und begabter Komponist, sowie seine 
Gattin, Sophia Corri (1775-1847) waren begehrte Mitwirkende in der Haydn-Salomon- 
Konzertserie. Dussek gründete mit seinem Schwiegervater, Domenico Corri in London 
1792 eine Musikalienhandlung und Notenstecherei, in der auch einige Haydn-Werke 
erschienen. Vgl. MGG III, Sp. 1006 ff . 

174. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

London, den 2" 1 Mertz 1792. 

Hoch, und wohl gebohrne 
Gnädige Frau! 

Gestern abends erhielt ich Dero wehrtes schreiben samt der anverlangten 
Sinfonie; 1 küsse Euer gnaden gehorsamst die hände für die so schieinige 
und sorgfältige Übersendung, ich hatte zwar dieselbige 6 Tage beuor 
von Brüssel durch H. v. Keeß erhalten, 2 allein mir war die Partitur um 
so viel angenehmer, weil ich vieles dauon für die Engländer abändern 
muß; 3 ich bedaure nur, daß ich mit meinen Commissionen Euer gnaden 
so oft überlästig seyn muß, um So viel mehr, da ich gegenwärtig nicht 
im stände bin meine schuldige danckbahrkeit zu bezeugen; ich gestehe 
und versichere Euer gnaden, daß ich derowegen in grosser Verlegenheit 
und in der That manche Tage in tiefer Traurigkeit lebe, besonders, weil 
ich dermahlen die für Euer gnaden gewidmete neue Sinfonien aus nach- 
stehenden Ursachen nicht übermachen kan, Erstens weil ich willens bin, 

279 



das lezte Stück von derselben abzuändern, und zu verschönern, da solches 
in rücksicht der Ersteren Stücke zu schwach ist, ich wurde dessen sowohl 
von mir selbst als auch von dem Publico überzeugt, da ich dieselbe ver- 
gangenen freytag zum erstenmahl producirte; 4 Sie machte aber ungeacht 
dessen den tiefesten Eindruck auf die Zuhörer; die 2 te ursach ist, 
weil ich in der that beförchte daß dieselbe möchte gefahr laufen in 
fremde Hände zu komen. ich Erschracke nicht wenig, als ich die unan- 
genehme nachricht von der Sonate 5 lesen muste, bey gott! ich wolte 
lieber 25 Ducaten verlohren haben, als diesen diebstahl zu erfahren, 
und diss kan niemand anderer gethan haben, als mein eigener Copist. 
allein, ich hofe zu Gott diesen verlurst zu ersetzen, und zwar wider durch 
die Hand der Madam Tost, den ich wolte mir ja von Ihr keine vorwürfe 
machen lassen. Euer gnaden müssen demnach mir Ihre gütige nachsieht 
schencken, bis ich selbst die gnade haben werde bis Ende Julj sowohl 
die Sonate, als auch die Sinfonie zu übergeben, NB die Sinfonie durch 
meine, die Sonate aber durch Madam Tosts Hände, ich kan auch der- 
mahlen H. v. Keeß mit denen versprochenen Sinfonien 6 nicht dienen, 
weil auch hier der mangl an denen getreuen Copisten herschet. wenn ich 
zeit hätte, schrübe ich es selbst, allein, kein Tag, ja gar keinen Tag bin 
ich ohne arbeith, und ich werde meinem lieben gott dancken, wenn ich 
wie eher desto lieber werde london verlassen könen. meine arbeithen 
erschweren sich durch die ankunft meines schüllers Pleyl, welchen die 
H. Professionalisten zu Ihrem Concert anhero komen Hessen, Er kam mit 
einer menge neuer Composition [sie], welche Er schon lang vorhero 
verfertigte anhero an, Er verspräche demnach alle abende ein neues Stück 
zu geben, da ich dan diss sähe, und leicht einsehen konte, daß der 
ganze häufen wider mich ist, Hesse ich es auch Publiciren, daß ich ebenfals 
12 neue verschiedene stücke geben werde, um also worth zu halten, 
und um den armen Sälomon zu unterstüzen mus ich das Sacrifice seyn 
und stets arbeithen, ich fühle es aber auch in der that, meine Augen 
leyden an meisten, und hab viele schlaflose nachte: mit der hilfe gottes 
werd ich alles überwinden, die H. Professionisten suchten mir eine 
brille [?] auf die Nase zu setzen, weil ich nicht zu Ihren Concert über- 
ginge, allein, das Publicum ist gerecht; ich erhielte voriges Jahr grossen 
beyfall, gegenwärtig aber noch mehr, man critisirt sehr Pleyels Kühnheit; 
unterdessen liebe ich Ihn denoch, ich bin jederzeit in sein Concert, und 



280 



bin der erste so Ihn Applaudirt; mich freyet es herzlich daß sich Euer 
gnaden samt allen angehörigenwohl befinden, ich bitte meinen gehorsamst. 
Respect an alle. die zeit nahet herbey meinen Couffer zu Repariren, o 
wie froh werd ich seyn Euer gnaden wider zu sehen, und Persöhnlich 
zu zeigen, mit welcher hochachtung ich in abwesenheit wäre, und künftig- 
hin seyn werde 

gnädige Frau 

Ihr ganz gehorsamster diener 
Jos: Haydn mppria 
ich Erdreiste mich Euer gnaden zu bitten, da mir meine geschäfte die 
zeit nicht erlauben, dem H. v. Keeß nebst meinem gehorsamsten Respect, 
zu sagen, daß ich wegen obigen Ursachen die neuen Sinfonien nicht über- 
machen kan. ich werde selbst die Ehre haben, diese an künftigen wey- 
nachts Musicken bey hochdemselben zu Dirigiren. 
[Fol. 51 b die Adresse:] Madame 

Madame Anne Noble de 
Gennzinger nee Noble de Kayser 

ä / Vienne 
im Schotten Hof. en autriche. 

[Mit Halbsiegel] 

(Autograph Haydns) im Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 50-51 
(3 Seiten des Briefbogens sind mit dem Text beschrieben; die letzte Seite, Fol. 51b enthält 
die Adresse; auch dieser Brief ist also ohne besonderen Umschlag expediert worden). — 
ED: Karajan 109-111. Danach u. a. Nobl 144-146; (eÜb) Landon CCL.N i}i-i)}\ usw. 
1. Haydn hat die seit seiner Ankunft in London (im Januar 1791) sozusagen in jedem 
Brief reklamierte Sinfonie Nr. 91 jetzt endlich erhalten I — 2. v. Kees hat Haydn nur Stimmen, 
Frau v. Genzinger aber die Partitur der Sinfonie Nr. 91 geschickt. — 3. Es wäre interessant 
zu wissen, ob Haydn die hier erwähnte Revision der Sinfonie „für die Engländer" (die 
nach Landon CCLN ißß F/ißn. 2 in der Hinzufügung von Trombe-, Timpani- und 
vielleicht noch 2. Flötenstimmen bestanden haben mochte) tatsächlich vollzogen hat. 
Am ehesten könnte man deren Spur in jener (auf kleines Postpapier geschriebenen) Parti- 
turkopie suchen, die Haydn durch Frau v. Genzinger erhalten hat und die noch im Nach- 
laßverzeichnis Haydns als Nr. 438 „Sinfonie in Dis auf kleines Postpapier abgeschrieben" 
erscheint. Diese Partiturkopie ist jedoch einstweilen unauffindbar (unter den Haydniana 
in Budapest befindet sie sich nicht). So wissen wir auch nicht sicher, ob die gegenwärtig 
gangbare Partitur dieser Sinfonie die Urfassung oder aber die für London hergestellte 
Bearbeitung darstellt. — 4. Hier muß sich Haydn entweder im Datum oder aber im 
Werk geirrt haben. Das Datum dieses Briefes, der 2. März war ein Freitag. „Vergangenen 

281 



freytag" sollte also eigentlich den 24. Februar bedeuten. Damals hat aber keine Erstauf- 
führung einer Haydn-Sinfonie stattgefunden, sondern nur eine Wiederholung der (am 
17. Februar erstaufgeführten) Sinfonie Nr. Q). Es scheint so gut wie sicher, daß Haydn 
hier diese Sinfonie meint (vgl. Pohl HiL, 188; LS 4S0). Auch hier wissen wir nicht, ob 
Haydn inmitten des rasenden Konzertbetriebs in London Zeit fand, das Finale \ „abzu - 
ändern und zu verschönern", wie er in diesem Brief plant, folglich, ob die allgemein 
bekannte Fassung von Nr. 93 die bereits abgeänderte ist. — 5. Es ist nicht ganz klar, 
was Haydn hier mit dem „Diebstahl der Sonate" meint, dessentwegen ihm die jetzt schon 
als Madam Tost bezeichnete Maria Anna de Jerlisebek (früher in den Briefen Mademoiselle 
Nane/te genannt) Vorwürfe machen könnte. Die Nennung dieser Dame richtet unseren 
Verdacht auf die Es-Dur Sonate Nr. 49, die Haydn (nach dem Zeugnis der Korrespondenz 
aus 1790) Frau von Genzinger zugedacht, aber seinerzeit M. A. Jerlischek übergeben hat, 
von der er damals auch eine goldene Tabaksdose geschenkt bekam. Vgl. hierzu die Briefe 
Nr. 146, 149, 150-152 und die Dedikation des Autographs „Composta per la stimatissima 
Signora Anna de Jerlischek"; ob und für wann eine Veröffentlichung der Sonate damals in 
Aussicht genommen wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Nun ist aber die Sonate um Au- 
gust 1791 (also während Haydn in London war) von Artaria in Wien als erschienen ange- 
kündigt worden (und zwar ohne jedwede Dedikation), wodurch sich die seinerzeit mit der 
Dedikation des Autographs bedachte Madam Tost (M. A. de Jerlischek) beleidigt fühlen 
mochte. Haydn hatte diesmal offenbar seinen eigenen Hauskopisten, Johann Elßler im 
Verdacht, die Sonate während seiner Abwesenheit kopiert und hinter seinem Rücken 
an Artaria verkauft zu haben. — Die neue Sonate, durch deren Übergabe Haydn die Damen 
Tost und Genzinger zu besänftigen verspricht, ist nicht genau zu identifizieren; am ehesten 
können wir hierbei an das in London komponierte Klaviertrio G-Dur (Hob. XV: 32) 
denken, das auch in einer (wie sich herausgestellt hat: sekundären) Fassung für Klavier 
und Violine bekannt ist. Vgl. London CCLN ijjFußn. 4 und Hoboken 717-718. — 6. Die 
H. v. Keeß versprochenen Sinfonien: da die Nrn. 95-96 aus der ersten Salomon-Serie (Nr. 93-98) 
schon früher Kees zugeschickt und auch in Wien aufgeführt wurden (vgl. unseren Kom- 
mentar zum Brief Nr. 170), so kommen hier für die nächste Sendung am ehesten die 
Nrn. 93, 94 oder 98 in Frage. 



175. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] March 7 th 1792. 

[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn im zweiten Londoner Notizbuch findet der 
Leser auf S. 518 dieser Ausgabe.] 



176. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] April 4 th 1792. 

[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn im zweiten Londoner Notizbuch findet der 
Leser auf S. 518 dieser Ausgabe.] 



177- Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] Aprill 8 th 1792. 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 519 dieser Ausgabe.] 



178. Haydns offener Brief an Charles Clagget, London 

[London, April 1792.] 

To Mr. Clagget, musical Museum, Greek street, Soho. — Sir! I called at 
your house, during your absence, and examined your improvements on 
the Pianoforte, and Harpsichords, and I found you had made them perfect 
instruments. I therefore, in justice to your invention, cannot forbear 
giving you my füll approbation, as by this means you have rendered one 
of the finest instruments ever invented, perfect, and therefore the fittest 
to conduct any musical Performance, and to accompany the human voice. 
I wish you to make this known through such Channels as may appear 
to be most advantageous to you. I am etc. Josephus Haydn. 

0: Das Autograph dieses Briefes (wenn ein solches überhaupt jemals existierte) ist nicht 
erhalten. ED: The Morning Herald 27. April 179z. Nachdrucke: Fohl HiL, ipjFußn. 1 und 
Landon CCL.N i)j (mit der Erstausgabe neu kollationiert). Unsere Ausgabe stützt sich 
auf den Text bei Landon. 



179. Haydn an Fürst Anton Esterhäzy, Wien 

[London, den 10. April 1792] 

Durchlauchtigster Reichs Fürst! 
Gnädigster Herr Herr! 

Da ich in kurzer Zeit England verlassen muß, So erdreiste ich mich, 
allenfals ich im stände seyn solte, all meinen dienst Eyfer Euer Hoch- 
fürstl. Durchlaucht in allen Angelegenheiten ganz zu Hoch Dero Befehl 
anzubiethen. unsere Concerten werden sich zu Ende Juny Endigen, nach 

283 



welchem ich ohne verzug meine nach hauß Reise beschleunigen werde, 
um Meinem Gnädigsten Fürsten und Herrn wider dienen zu könen. 
unterdessen bin ich in tiefester Submission 

Euer Hochfürstlichen Durchlaucht 

i 

unterthänigster Joseph Haydn mppria 
Capell Meister. 
London, den io tn Aprill 1792. 

(Autograph): Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 1, Nr. 54. ED: Valkö I, <f;g (mit Faks. 
vor S. 657). (eÜb) Landon CCLN iß) f. Unsere Ausgabe stützt sich auf das Autograph 
in Budapest. 



180. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] Thursday April i2 th [1792.] 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 519 dieser Ausgabe.] 

181. Rebecca Schröter an Haydn in London 

[London] Aprillthe i9 th 1792. 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 519 dieser Ausgabe.] 



182. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

London, den 24'" Aprill 1792. 

Hoch, und wohl gebohrne! 
gnädige Fraul 

gestern abends Erhielte ich mit vielem Vergnügen Dero leztes schreiben 
von 5" 1 Aprill 1 mit dem beygefügten zeitungs Innhalt, 2 so man in betref 
meines wenigen Talents denen wienern kund machte: ich muß es ge- 
stehen, daß ich mit diesen kleinen stück Chor,' als die Erste Probe in 
Englischer spräche mir vielen Credit in der Sing Music bey denen 
Engländern erworben habe, nur schade, daß ich nicht mehr dergleichen 
stücke wehrend meines hier seyns habe verfertigen könen, indem man in 

284 



unsern Concert tage 4 keine Singer knaben haben konte, zumahleii dieselbe 
schon ein Jahr zu vor in anderwärtigen Accademien, deren sehr viele 
sind, engagirt waren: ohngeachtet der grossen Opposition und Music 
feinde, so wider mich sind,' und sich besonders samt meinem schüller 
Pleyl diesen winter alle mühe gaben mich herabzusetzen, erhielte ich 
(gott lob) die oberhand: ich mus aber beckenen, daß ich wegen so vieler 
arbeith ganz ermüdet und erschöpft bin, und sehe mit heissen wünsch 
meiner Ruhe entgegen, welche sich dan gar bald meiner erbarmen wird, 
ich küsse Euer gnaden die hände für die so gütige vor sorge meiner 
Persohn, ich habe es eben So wie Euer gnaden vor bedacht, gegenwärtig 
nicht nach Paris zu gehen, es sind deren noch mehr andere Ursachen so 
ich Euer gnaden mindlich sagen werde, ich erwarte von meinem Fürsten, 
den ich lezthin schriebe, die ordre, wohin ich mich verfügen soll, es kan 
seyn, daß Er mich nach Franckfurth komen last, 6 wo nicht, so gehe ich 
(unter uns) über Holland, nach Berlin zum König v. Preussen, 7 
von da nach leipzig, Dresden, Prag, und endlich nach wienn, um alle 
meine freunde zu umarmen. unterdessen bin ich mit vorzüglichster 
Hochachtung Meiner allergütigsten 

Frau v. Gennzinger 

ganz gehorsamster diener 
Joseph Haydn mppria 
Meinen Ergebensten Respect an Hoch Dero H. Gemahl — freyle Pepi 
und all übrigen nicht minder an H. v. Keeubich' es fre — es 
fre ■ — es freyd mich sehr; daß Er das vergnügen hat unter Ihrer Freund- 
schaft zu stehen. NB zu Ende Julj hofe ich E. gnaden die hände zu 
küssen, ich bitte um Vergebung, daß ich heute kein Covert mache, die 
zeit ist zu kurz. 
[Fol. 53b Siegel und Adresse:] 
V. London. Madame 

Madame Anne Noble de 
gennzinger nee Noble de Kayser 
ä / Vienne 
im schotten Hof. en autriche 



285 



O (Autograph Haydns) im Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 52-53 
(Fol. 52a-b sind beschrieben; Fol. 53a ist leer; Fol. 53b enthält die Adresse). Dieser Brief 
ist also ohne Umschlag expediert worden, worauf auch die Nachschrift entschuldigend 
hinweist. — ED: Karajan 1x2 f. Danach u. a. Nohl 146 f; (eÜb) London CCLN 1)4 f. 
i. Hier können wir einmal ausnahmsweise die genaue Zeitdauer des Postweges von Wien 
nach London abmessen; Mariannens Brief war vom 5. bis 23. April, also insgesamt 18 Tage, 
unterwegs. Der Brief ist nicht erhalten. — 2. Diese durch Frau v. Genzinger übermittelte 
Wiener Zeitungsnachricht mochte die bevorstehende Heimkehr Haydns bekanntgegeben 
haben. — 3. Chor: Gemeint ist Haydns The Storni betiteltes Madrigal für Soli, Chor und 
Orchester, dessen Erstaufführung im 2. Haydn-Salomon-Konzert der Saison, am 24. 
Febr. 1792, erfolgte. (Vgl.PoA/H/L iSSf.) — 4. Concert tage: Die Haydn-Salomon-Konzerte 
fielen in dieser Saison immer auf den Freitag. — 5. Haydn zielt hiemit auf die feindselige 
Haltung des Konkurrenzunternehmens, det Professional Concerts. — -6. nach Franckfurth: 2,ut 
Kaiserkrönung Franz II. (am 14. Juli 1792), zu der Haydn tatsächlich seinen Fürsten 
begleiten mußte. — 7. Wegen der Frankfurter Kaiserkrönung mußte Haydn auf seinen 
geplanten Besuch beim König von Preußen in Berlin verzichten. — 8. Über Kreibich vgl. 
oben unsere Anm. 12 zum Brief Nr. 167. Sollte dieser Kreibich etwa gestottert haben? 



183. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] Aprill z^ 1792- 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 520 dieser Ausgabe.] 

184. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] May the 2 nd 1792. 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 520 dieser Ausgabe.] 

185. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] Tuesday May ye 8' h [1792] 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 521 dieser Ausgabe.] 

186. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] May I7 111 [1792] 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 521 dieser Ausgabe.] 

286 



187. Haydn an Luigia Polzelli, Bologna 

Londra ai 22 di Maggio 1792. 
Cara Polzelli 

Ho ricevuto la tua lettera, 1 vedendo, che tu ai almeno la tua salute, tu mi 
scrivi d'impiegarti ad un teatro. 2 Io t'assicuro che qui a Londra non c'e 
niente a fare presentamente, e non si sa, saranno date le opere al anno 
venturo, gl'Inglesi non amano troppo le opere Italiane, perche non 
capiscono la lingua, ma io mi darö la pena, nel mio ritorno a Vienna 
d'impiegarti in ogni maniera; io ti manderö ben presto il denaro a te per 
Pietro, che ho promesso e ti scriverö il giorno della mia partenza di 
Londra; gli Inglesi vorriano che io restassi qua, ma per adesso e impos- 
sibile, bisogna assolutamente, che io vadi a casa, per mettere le mie cose 
in ordine, io ho lasciato tutta la mia roba a Esterhazy.' mio principe 
vuol ch'io venga alla incoronazione a Frankfort, io ci anderö, perche 
devo fare l'istessa strada per andare a casa. Io ti manderö ben presto 
un Baule con alcune cose per il Pietro, e dalla tua sorella alcuni abiti per te. 
Vivi fra tanto felice, io son sempre tuo fedele sperando in Dio di veder- 
ti ancora ed abbracciarti 

Giuseppe Haydn 
[Adresse:] 

Madame Loise Polzelli / Virtuosa di Musica / a Bologna 4 / in Italia / Fer- 
ma in Posta. 

O heute nicht nachweisbar. Die frühere Besitzerfolge des Autographs ist durch London 
CCL.N )}o festgestellt: Sotheby-Wilkinson & Hodge, Kat. vom 2. März 1905, Nr. 568 -> 
Maggs Bros. Kat. 394 (1920) Nr. 1366; Kat. 433 (1922) Nr. 3317 -*■ ? gegenwärtiger 
Besitzer unbekannt. — ED: Pohl III, /(> (unsere einzige Quelle). Danach (eUb) London 
CCLN i)jf. Einige ganz offenkundige Fehllesungen der einzigen Quelle (Pohl III, J?) 
sind von uns stillschweigend emendiert worden. 

1. Dieser hier erwähnte Brief der PoJzelli ist nicht vorhanden. — 2. Luigia wollte offenbar, 
daß Haydn ihr ein Engagement beim Londoner italienischen Theater verschaffe. Haydn 
(der die beschränkten musikalisch-gesanglichen Qualitäten der Polzelli von Eszterhäza 
her nur allzu wohl kannte) verwahrt sich recht energisch gegen diese Zumutung. — 3 . Haydn 
scheint seinerzeit, nach dem Tode des Fürsten Nikolaus (Ende Sept. 1790), das verhaßte 
Eszterhäza sozusagen fluchtartig verlassen zu haben. Aus eben diesem Brief erfahren wir, 
daß er damals in der Eile alle seine Habe dort zurückließ. — 4. Die Polzelli scheint sich 
auch am Theater von Piacenza (wohin Haydns letzter Brief, Nr. 169, an sie adressiert war) 

287 



nicht bewährt zu haben; jetzt schreibt sie aus Bologna. Ob sie dort ein Opernengagement 
hatte, wissen wir nicht. Bis zum Juni 1793 sind alle Haydn-Briefe an sie nach Bologna 
(u. zw. Poste restante) adressiert. 

188. Rebecca Schröter an Haydn, London \ 

[London] Tuesday Ev: May z2 d [1792.] 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 522 dieser Ausgabe.] 



189. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] Friday June ye i st 1792. 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 522 dieser Ausgabe.] 

190. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] Wednesday night June 6 th 1792. 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 522 dieser Ausgabe.] 

191. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] Sunday Evening, June io th 1792. 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 523 dieser Ausgabe.] 

192. Haydn an Luigia Polzelli, Bologna 

London ai 13*° di Giugno 1792. 
Cara mia Polzelli! 

Ho ticevuto tua lettera, con la falsa novitä della mia moglie' ella non 
si trova perö tutto affatto bene, ma con queste sue sollte maladie ella si 
mantiene, e vivra puö essere piü lungo di me, questo destino bisogna 
dunque lasciare alla Providenza. Io partirö di Londra in fine di questo 
mese, ed io ti scriverö da Frankfort. ho inteso ieri che mio Principe 
andera lä da ambasciatore di Bohemia, ed che egli sarä lä ai 25 di questo 
mese, e prenderä seco la Musica. credo dunque, che sarö obligato di 

288 



restare alcun tempo con lui. Basta, io scriverö subito, quando deve partire 
tuo Pietro. io ho comprato hieri un picolo Baule per mettere dentro 
le robbe, che abbiamo messo insieme, io ed [e la?] tua sorella e servirä 
l'istesso Baule per il Pietruccio, quando egli partirä di Bologna. cara 
mia Polzelli io spero di vederti l'anno venturo ed raccontarti tutto quello 
che e arrivato con me mentre che io ti lasciai; e spero in dio d'essere 
sempre quello che son stato verso di te. io ti amo e sarö sempre tuo fedele 

Giuseppe Haydn 
molti Bacci ai tuoi figli 

mio complimento alla tua cara Sorella 2 
[Die Adresse ist in der Quelle nicht angegeben.] 

O heute nicht nachweisbar. Die frühere Besitzerliste des Autographs hat Landon CCLN 
ßßo festgestellt: Sotheby-Wilkinson&Hodge, Kat. Huth Coli. (12. -13. Juni 191 1) Nr. 104 -> 
Neumayer -»■ Samml. W. Heyer Köln -> ? Gegenwärtiger Besitzer unbekannt. ED; 
Pohl III, /? (unsere einzige Quelle). Danach (eÜb) Landon CCLN i)6f. Einige ganz offen- 
kundige Fehllesungen der einzigen Quelle (Pohl III) sind von uns stillsch «zeigend emendiert 
worden. 

r. Die Polzelli scheint Haydn eine (falsche) Todesnachricht von seiner Frau übermittelt 
zu haben. — 2. tua cara sorella: Von dieser (anscheinend in Bologna wohnenden) zweiten 
Schwester der Luigia wissen wir nichts Näheres. Oder sollte etwa die bisher in London 
nachweisbare Schwester, die Sängerin Cristina Negri, inzwischen nach Bologna über- 
siedelt sein? 



193. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] Thursday Even: Juneye I4 th 1792. 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 524 dieser Ausgabe.] 

194. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] Samrday June ye i6 th 1792. 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 524 dieser Ausgabe.] 

195. Rebecca Schröter an Haydn, London 

[London] June the 2.6 th 1792. 
[Die Abschrift dieses Briefes durch Haydn findet der Leser auf S. 525 dieser Ausgabe.] 

19 289 



Ende Juni oder Anfang Juli hat Haydn die Heimreise aus England angetreten. An einem 
näher nicht bestimmbaren Tag nahm Haydn Aufenthalt in Bonn und in Godesberg, wo 
das Bonner Orchester ihm zu Ehren ein Konzert gab. Bei dieser Gelegenheit hat auch 
(der damals 22jährige) Beethoven dem greisen Meister seine Aufwartung gemacht und 
ihm seine Trauerkantate auf den Tod Josephs II. gezeigt. Haydn scheint beeindruckt 
gewesen zu sein, obwohl wir darüber kein direktes Zeugnis aus seiner Feder besitzen; 
auf jeden Fall war er damit einverstanden (oder war es geradezu auf seine Anregung hin 
geschehen?), daß der junge Beethoven seine Kompositionsstudien in Wien bei ihm fort- 
setzen solle. Von Bonn reiste Haydn nach Frankfurt, um seinem zur Kaiserkrönung Franz 
II. dort weilenden Fürsten (Anton Esterhäzy) zur Verfügung zu stehen. Haydn mochte 
diesem Wiedersehen mit Fürst Esterhäzy nicht ganz ohne Besorgnis entgegengesehen 
haben. Der Fürst hatte seinen Kapellmeister schon vor vielen Monaten heimbeordert, 
worauf Haydn damals (mit Berufung auf seine Londoner Verpflichtungen) ausweichend 
antwortete (die diesbezügliche Korrespondenz ist verschollen; wir wissen darüber nur 
aus Berichten zweiter Hand, von Griesinger und Dies). Haydns Empfang durch den 
Fürsten ist aber wider Erwarten freundlich ausgefallen; Fürst Esterhäzy soll seine Un- 
zufriedenheit in dem einzigen Ausspruch geäußert haben: „Haydn, Sie hätten mir 40 000 
Gulden ersparen können!" (Worauf dieser Satz hinzielt, können wir nicht genau angeben.) 
Über Haydns Aufenthalt in Frankfurt ist uns nichts Näheres bekannt; wir wissen nicht 
einmal, ob er dort öffentlich auftrat oder nicht. Nach dem langen und ermüdenden Auf- 
enthalt in England mochte Haydn seine Heimreise nach Wien jetzt schon in jeder Weise 
beschleunigt haben. Tatsache ist, daß er zehn Tage nach der Kaiserkrönung in Frankfurt, 
am 24. Juli bereits in Wien anlangte. Hiermit war eine entscheidend wichtige Periode 
seiner Musikerlaufbahn, die Zeit der ersten Londoner Reise, zu Ende. 



196. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

[Wien, den 4. August 1792] 
Gnädige Frau! 

Da Herr v. Keeß mich heute zu sich auf Mittag geladen, habe ich gele- 
genheit Seiner Frauen gemahlin die versprochene Nähe Nadeln zu geben, 
solten also Euer gnaden ein belieben haben mir einige dauon zu über- 
senden, so werde ich im stände seyn mein versprechen zu erfüllen, wofür 
ich Euer gnaden die hände küsse, und bin mit aller hochachtung 

Dero 

ganz Ergebenster diener 
Joseph Haydn mppria. 
Von Hauß den 4'° Augusti / 1792. 



290 



[Auf S. 4 des Briefbogens (Fol. 55b des Sammelbandes) Siegel und 
Adresse:] 

Madame 
Madame de Genzinger 

a / Son Logis. 

(Autograph Haydns) im Genzinger-Korrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 54-55 
(eine Seite Text auf Fol. 54a; Fol. 54b, 5 5a sind leet; auf der 4. Seite des Briefbogens, Fol. 
55 b, befindet sich die Adresse. Der Brief wurde also ohne Umschlag expediert). ED: 
Karajan 114. Danach Nobl 149; (eÜb) Landon CCL.N 137; usw. 



i97. pletro polzelli an luigia polzelli, bologna, mit nachschrift 
Haydns 

[Wien, den 22. Oktober 1792] 

Carissima Sig a [Signora] Madre 

La prego di perdonarmi, che non ho potuto risponder subito alla sua lettera 
alli due di d'ottobre a me mandata, 1 la caussa l'e questa che io sempre sperava: 
di poter ajutarle in qualche cosa. cara Madre, ho parlato e pregato molte volte 
per lei il Sig e Maestro Häyde ma Carissima Madre; non ho potuto fardi piu, 
di quel che fu fatto adesso, Coli' occasione, che il Sig: Valentino Pertoja* 
da venezia (che lei conosera bene da Estehazy) si trova presentemente a Viena 
per certi affari, a lei il Sig. Maestro Häyden per il medesimo manda con la let- 
tera presente: " fiorini venti sei e 30 x: e dice che lui presentemente non puö 
mandare di piü, che si trova in uno stato di non poter far di piü: mentre che 
deve Spender per me, e per la sua propria casa 3 assai; Carissima Sig ra Madre, 
le avviso ancora che oggi vado via dalla casa della Cristina 4 che gia m'hä 
condotto il Sig re l Ma. Haydn in propria sua casa, per aver miglior tempo di 
poter insegnarmi del tutto ... le avverto ancora, che giä per mezzo del 
Sig re Maestro Haydn hö ricevuto una Casa, per poter guadagnare qualche 
Cosa, mentre io vado in casa della Sig" contessa Weissen Wolf: 5 per insegnare 
a suonare il Cembalo alla sua propria figlia: ove spero di poter ajutarle ancora 
in qualche cosa. che giä non manchero mai di far tutto il mio possibile e mi 
dico per sempre 

ubbidientissimo suo figlio 
di 22 d'ottobre / 1792 Pietro Polcellj — 

19* 291 



[Nachschrift Haydns:] 

Cara Polzeli. tuo figlio e stato ficevuto assai bene dalla mia moglie, e 
spero che durerä. Pietro deve insegnare la figlia della Contessa Weissen- 
wolf ed egli da se stesso m'ha pregato tutto il denaro, che guadagnerä 
di mandare alla sua cara Madre. io sono moftificato, che pfesentemente 
non ti posso mandar altro che questi venti sei fiorini, perche io ho troppo 
spese: vivi fra tanto felice. io sono tuo sincerissimo 

giuseppe Haydn mppria 

O heute nicht nachweisbar. Übel die Vorbesitzer des Autographs (Faks. in Musical Quar- 
terly Apr. 1932, nach S. 208) konnte London CCLN ))0 folgendes ermitteln: V. A. Heck 
Kat. 46, Nr. 322 (vom 30. Okt, 1928) -> A.rtaria et Co. -> ? Gegenwärtiger Besitzer unbe- 
kannt. — ED: Pohl III, j; (mit Lücken und Fehllesungen). (eÜb) Landon CCLN 1)7 f. 
Unsere Ausgabe stützt sich auf das Faksimile des Autographs. 

a. Bis zu dieser Stelle ist der Brief in der kindlichen Handschrift Pietro Pol^ellis geschrieben. 
Dann wechselt die Handschrift plötzlich. Die Fortsetzung ist (wie durch meinen Mit- 
arbeiter Lds^lö Somfai festgestellt wurde) von hier bis zur Unterschrift des Pietro von der 
Hand des (neuerdings identifizierten) Esterhäzy-Opernkopisten Johann Schellinger ge- 
-schrieben. Über ihn vgl. Bartba-Somfai HOK 407 ff. NB. Dieselbe Kopistenhand konnte 
von uns auch auf den Seiten 25-26 des Entwurf katalogs festgestellt werden. Vgl. Larsen )HK. 
1. Dieser Brief der Luigia Polzelli ist nicht vorhanden. — 2. Vahntino Berfoja war 1780-1788 
Violoncellist der Esterhazy-Operntruppe unter Haydn. — 3. Haydn war eben im Begriff, 
in der Wiener Vorstadt Gumpendorf ein Haus zu kaufen; der Kontrakt hierüber datiert 
vom 14. August 1793. — 4. Aus den Londoner Briefen Haydns kennen wir eine Schwester 
namens Cristina. Sollte inzwischen auch diese von London nach Wien übersiedelt sein? — 
5. Die Familie der Fürsten Esterhdzy war zweifach mit den Weißenwolfs durch Heirat 
verbunden: die Gemahlin des Fürsten Nikolaus L War eine geb. Freiin Maria Elisabeth 
von Weißenwolf '(■)■ im Frühjahr 1790), und auch sein zweiter Sohn, Graf Nikolaus E., hat im 
August 1777 eine Gräfin Maria Anna von Weißemvolf geheiratet. Aus diesem Anlaß wurde 
■damals Haydns Oper II mondo della luna in Eszterhäza erstaufgeführt. 



292 



198. Haydn an Marianne von Genzinger, Wien 

[Wien, den 13. November 1792] 
Gnädige Frau! 

Nebst anwünschung eines guten Morgen Bitte ich Euer gnaden dem 
Überbringer dieses ,die lezt-grössere Aria in F minor von meiner opera* 
zu übergeben, welche ich für meine Fürstin abschreiben lassen muß. 
ich werde solche längstens in 2 tagen selbst wieder überbringen. Heute 
nehme ich mir die Freyheit mich auf Mittag einzuladen, wo ich gelegen- 
heit haben werde Euer gnaden dafür die hände zu küssen, unterdessen 
bin ich wie allzeit 

E: G: [Euer Gnaden] 

ganz dienstfertigster diener 
Joseph Haydn mppria 
Von Hauß den 13" 1 9 bti [Nov.] / 1792. 

[In Billettform, auf der Rückseite (Fol. 56b) mit Siegel und Adresse:} 

Madame 
Madame Noble de Genzinger 

a / Son Logis. 

O (Autograph Haydns) im Genzinger-Kotrespondenzband, ÖNB, Cod. 14300, Fol. 56 
(nur 1 Blatt mit 2 Seiten; 1. Seite: Text, 2. Seite: Adresse). — ED: Karajan in. Danach 
Nohl 149; (eÜb) Landoti CCLN 1)8 usw. 

1. Aria in F minor: Die Arie des Orfeo im 2. Akt von Haydns Uanima del filosofo. — Dies 
ist übrigens Haydns letzter Brief an Marianne von Genzinger. Kaum zwei Monate später, 
am 26. Januar, ist sie in ihrem 43. Lebensjahr gestorben. 



199. Quittung Haydns an den Verleger Artaria, Wien 

[Wien, den 7. Dezember 1792] 
[Kopistenschrift; nur die Unterschrift autograph] 

[15 kr. Stempel] Ich Endesgefertigter cedire hiemit denen hiesigen Hrn. 
Artaria Comp: die von mir zu gunsten der hiesigen Künstlern Wittwen 
am 2 5 ten 9 br [Nov.] dieses Jahr gewesenen redoute verfassten Menuetten 
und Deutschen 1 samt allen rechten für die Summe von Vier und Zwanzig 
Ducaten, verspreche oben benannten Menuetten und Deutschen an nie- 

293 



mand anders zu geben weder allhier noch weiters und bescheinige obige 

Summa von Vier und Zwanzig Ducaten heut dato richtig und Baar 

Empfangen zu haben. Bescheinige 

Wien den 7 ten December 1792 , 

P 24 stück Ducaten Josephus HaydA. 

[Außen Archivvermerk Artarias:] Haydn / f 108 / 1792 

O: Das Autograph war 1909 noch im Besitz der Firma Artaria; dann (bis 1953) bei Heinrich 
Hinterberger; gegenwärtiger Besitzer ist vermutlich Rudolph Kallir (New York). • — ■ ED: 
Art-Bof. 66 (nach dem Autograph). (eÜb) London CCLN 139. Unsere Ausgabe stützt sich 
auf den Text Art-Bot. 

r. Hierbei handelt es sich zweifellos um jene 12 Menuette und 12 Deutsche Tänze, von denen 
im Dezember 1792 (mit der PI. Nr. 415 bzw. 414) ein Klavierauszug und später, 1794 ein 
Arrangement für Streichtrio von Artaria veröffentlicht Worden ist (Hob. IX: 11 und 12) . 
Wann und wo Haydn sie komponiert hat, ist nicht sicher und eindeutig festzustellen. Im 
Katalog seiner in England zwischen 1791 und 1795 komponierten Werke (Griesinger, 
Dies; am komplettesten Landein CCLN 309 f) hat Haydn auch „24 Minuets and german 
dances" verzeichnet, was mit einem hohen Grad von Wahrscheinlichkeit auf diese Werke 
bezogen werden kann. 



200. Haydn an Luigia Polzelli, Bologna 

Eisenstadt ai 20. di Giugno 1793 
Cara Polzelli! 

Spero, che tu avrai ricevuto duo centi fiorini spediti dal Sig. Buchberg, 1 
e forse gli altri cento, in tutto 300 fiorini; vorrei ch'io fossi capace a 
mandarti di piü, ma siecome le mie rendite non sono sufficienti, bisogna 
che tu abbia pazienza, con un uomo, che ha fatto fin adesso piü, ch'era 
capace di farlo, pensa, che io t'ho mandato e dato, non e passato ancora 
un anno, piü che sei cento fiorini, pensa quanto mi costa tuo* figüo, e 
quanto mi costerä all'awenire, per ajutargli tanto, finche sarä capace 
di guadagnare suo pane. pensa, che io non posso piü fattigarmi tanto, 
quanto l'ho b fatto anni passati perche comincio d'essere vecchio e mi 
tradisce a poco a poco la memoria. pensa in fine, che per questa e 
molte altre raggioni non posso piü guadagnar altro, e che non ho altro 
avanzo, che la pensione del mio (bon anima) Principe Nicolö Esterhazy, 

294 



la quäle appena e sufficiente di mantenermi particularmente in questi 
tempi ctitici. tuo figlio ha ricevuto Porologio dal Sig. Molton, 2 il quäle 
non lo voleva dare in dietro facendo tanti impedimenti, scuse, e bugie; 
io stesso ero obligato d'andar da lui per averlo, quel uomo e un gran 
bugiardo, egli m'ha detto in faccia d'aver mandarti li 25 fiorini, che ha 
ricevuti dalle mie mani quatro mesi fä; ed egli si vantava in presenza 
mia piü spesso d'aver farti tanto bene, e che era sempre disposto a farti 
venire a Vienna e sposarti; tu puoi figurarti, come, e cosa io pensava di 
te, ma esaminando quell'homo, a poco a poco conosco suo carrattere, e lo 
conosco sempre piü: egli partirä domani per Polonia colla suaPrincipessa, 
ma non mi scapperä coi questi venti cinque fiorini. io mi trovo pre- 
sentemente col tuo figlio solo in Eisenstadt, e restero qualche tempo 
per godere un pö dell'aria, e per avere un pö del riposo; tu riceverai 
colla mia, anche la lettera del tuo figlio, egli sta bene assai. e ti fa bacciar 
le mani per l'orologio; io restero a Vienna fin al'ultimo di Settembre poi 
son intenzionato di fare un viaggio col tuo figlio, e forse forse d'andare 
un altra volta in Inghilterra per un anno; ma prima bisogna che si cangia 
il theatro di guerra, se nö io farö un altro giro, e forse forse a vederti 
a Napoli;' mia moglie sta maggior parte male di salute, ed e sempre di 
medesimo cattivo umor, ma giä io non mi curo di niente, finiranno una 
volta questi guai. del resto io mi consolo assai, che tu sei da una parte 
un poco consolata dalla tua cara sorella. Iddio ti benedica, e ti conserva 
in buona salute, io cercherö sempre a farti quel poco che potrö, ma adesso 
bisogna che tu abbi pazienza per qualche tempo, perche io ho ancora 
altre nojose spese e posso dire, che io godo poco quasi niente della mia 
fatica, e vivo piü per altri che per me stesso. prima della tua partenza 
per Napoli spero una risposta. io ti baccio, e sono tuo 

sincerissimo 

Giuseppe Haydn. 
[Adresse:] 

Madame 
Madame Loise Polzelli 
Virtuosa di Musica / in 
Ferma in posta. Bologna 

en Italic 

295 



O heute nicht nachweisbar. Über die Vorbesitzer des Autographs konnte London CCLN 
)}0 folgendes feststellen: Rud. Brockhaus, Leipzig (1886) -> K. E. Henrici Verst. Kat. 
155 (Juli 1929) Nr. 45 -> Otto Haas Kat. 7. (März 1938) -*■ ? Gegenwärtiger Besitzer 
unbekannt. • — • ED:Pobi III, /«/(unsere einzige Vorlage). (eÜb) London CCLN 1)9 f. 
Zwei offenkundige Lesefehler in unserer Quelle (Pohl III 70) sind von uns konjektural 
verbessert worden: a) „tua" in tuo und b) „t'ho" in l'ho. 

1. Der bekannte Mozart-Freund Johann Michael Pucbberg, dem wir schon als Adressaten 
von Brief Nr. 168 begegnet sind. — 2. Molton: Wie aus dem weiteren ersichtlich, scheint es 
sich hier um einen gewöhnlichen Abenteurer gehandelt zu haben. — 3. Auch aus dieser 
Italienreise Haydns ist nichts geworden; ob er sie wirklich ernsthaft geplant hat, muß 
dahingestellt bleiben. Haydn scheint sich (im Gegensatz etwa zu Mozart) nicht sehr 
intensiv nach Italien gesehnt zu haben. Sein abschätziges Urteil über so manchen italieni- 
schen Musiker, der ihm im Wege stand oder geringschätzig begegnete (Giardini usw.), 
ist bekannt („Sammartini ist ein Schmierer"). Auch darf nicht übersehen werden, daß er, 
als ihm 1790 vom König Ferdinand IV. von Neapel eine günstige Chance geboten wurde, 
diese nicht ergriff, sondern London wählte. 



201. Haydns Eingabe an den Wiener Magistrat 

[Kanzleikopie nach Haydns Eingabe] [Wien, den 14. August 1793] 

Löbl. Magistrat der k. k. Haupt Stadt Wienn 

Unterzeichneter gedenket seine in der zum Grund-Windmühl folglich 
zu dero löbl. Grundbuch gehörigen kleinen Stein-gassen nächst Gumpen- 
dorf Sub N° 71 besitzende Behausung nach Ausweiß anliegenden Grund- 
riß A in etwas zu vergrössern und ein Stockwerk auf das alte Gebäu 
setzen zu lassen, da aber hierzu dero hohe Konsent vor allen erforderlich 
seyn will, als bittet der unterzeichnete ihm solchen zu ertheillen, zu Unter- 
stützung seiner Bitte führet er an, daß er 

i m ° dieses aufführende Gebäu von guten Materialien, überhaupt aber 
nach der bestehenden Bauordnung, und zu Verschönerung der dasigen 
gasse werde herstellen lassen, er hofte also, daß in diese seine Bitte, auch 
um so ehender werde gewilliget werden, als 

2 do durch Vergrösserung des Gebäudes dem aller Höchsten Erario 1 ein 
grösserer Nutzen zuflüssete. Wien den 14' Äug. 1793. 

Franz Heiden Fürstl. Esterhaz 
Capellmeister und Haußinhaber 
in der kleinen Steingasse N° 71. 



296 



O verschollen. Quelle: alte Archivkopie im Haydn -Museum der Stadt Wien: die einzige 
Quelle für den ED: (eÜb) Landon CCLN 141 und unsere Ausgabe; zu diesem Zweck 
haben wir eine Textkopie durch H. C. R. Landon übermittelt bekommen. 
1. Landon CCLN 141 liest „Orario". 

202. Haydn an den Kurfürsten Maximilian Franz, Bonn 

[Wien, den 23. November 1793] 

[Kopistenschrift; nur die Unterschrift autograph] 

Euer Churfürstliche Durchlaucht! 

Ich nehme mir die Freyheit, Eurer Churfürstlichen Durchlaucht einige 
musikalische Stücke, nähmlich ein Quintet, eine achtstimmige Parthie, 
ein Oboe-Konzert, Variationen fürs Fortepiano und eine Fuge 1 von der 
Komposition meines lieben, mir gnädigst anvertrauten Schülers, 
Beethoven, unterthänigst einzuschicken, welche, wie ich mir schmeichle, 
als ein empfehlender Beweis seines außer dem eigentlichen Studiren an- 
gewandten Fleißes von Eurer Churfürstlichen Durchlaucht gnädigst wer- 
den aufgenommen werden. Kenner und Nicht -Kenner müssen aus gegen- 
wärtigen Stücken unpartheyisch eingestehen, daß Beethoven mit der Zeit 
die Stelle eines der größten Tonkünstler in Europa vertreten werde, 2 
und ich werde stolz seyn, mich seinen Meister nennen zu können; nur 
wünsche ich, daß er noch eine geraume Zeit bey mir verbleiben dürfe. 
Weil nun einmal von Beethoven die Rede ist, so erlauben Eure Chur- 
fürstliche Durchlaucht, daß ich auch ein Paar Worte von seinen ökonomi- 
schen Angelegenheiten sagen darf. Für das verflossene Jahr waren ihm 
100 4£ [Dukaten] angewiesen, daß diese Summe nicht hinreichend 
war, auch nur um bloß zu leben, daran [davon ?] sind Eure Churfürstliche 
Durchlaucht wohl selbst überzeugt; indessen mögen Höchstdieselben Ihre 
guten Ursachen gehabt haben, ihn mit einer so geringen Summe in die 
große Welt zu schicken. In dieser Voraussetzung, und um ihn nicht 
unter die Hände der Wucherer fallen zu lassen, habe ich theils für ihn 
Bürgschaft geleistet, theils an Barem ihm so viel vorgestreckt, daß er 
mir 500 fl. schuldig ist, woran kein Kreutzer ohne Nothwendigkeit ver- 
wendet worden ist; die ich ihm hier anzuweisen bitte; und da auf Borg 
arbeiten lassen die Prozente immer vermehret, und überdieß für einen 
Künstler wie Beethoven, sehr lästig ist; so glaubte ich, daß, wenn Eure 

297 



Churfürstliche Durchlaucht ihm für das künftige Jahr 1000 fl. anwiesen, 
Höchstdieselben die Gnade gegen ihn vollkommen machten, und ihn 
zugleich außer aller Noth setzten, denn die Meister, die ihm unumgäng- 
lich nöthig sind, und der nothwendige Aufwand, wenn er liier in 
mehreren Häusern eintritt,' nehmen so viel weg, daß ihm nur das höchst 
Nöthige an iooo. fl. übrig bleibt. Für die Verschwendung, die bey einem 
jungen Manne, der in die große Welt kommet, zu befürchten ist, glaube 
ich Eurer Churfürstlichen Durchlaucht gutstehn zu können; denn ich habe 
aus hundert Umständen immer das Resultat bestätiget gefunden, daß 
er seiner Kunst alles ohne Zwang aufzuopfern im Stande ist; was bey 
so vielen einladenden Gelegenheiten zu bewundern ist, und in Absicht 
der höchsten Gnaden Eurer Churfürstlichen Durchlaucht alle Sicherheit 
gibt, daß Höchstdieselben Ihre Gnaden mit Wucher an Beethoven ver- 
schwenden. In der Hofnung, daß Eure Churfürstliche Durchlaucht diese 
meine Bitte meinem lieben Schüler zu dessen fernerer Unterstützung 
mögen gnädigst zukommen lassen, bin ich mit tiefester Ehrfurcht 
Eurer Churfürstlichen Durchlaucht 
Wien den 23" 1 November 1793. 
[von hier an Haydns Schrift:] 

unterthänigst -gehorsamster 
Joseph Haydn mppria 
CapellMeister v. 
Fürst Nicolas Esterhazy 

[In demselben Umschlag ist auch ein kurzer Brief Beethovens an den 
Kurfürsten enthalten. Dessen Text in Neues Beethoven-Jahrbuch VI dpßj), 
4 6.-\ 

O: Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, Fase. 148-177 (eine Fotokopie davon ist uns 
durch H. C. R. Landon zur Verfügung gestellt Worden). ED: F. Reinöhl, Neues Beethoven - 
Jahrbuch VI (ipßj) 43-46 (mit gutem Kommentar von Reinöhl). (eÜb) Landon CCL.N 
141 f. 

1. Die genaue Identifizierung der hier durch Haydn aufgezählten fünf Werke des jungen 
Beethoven, die nach der im Brief Nr. 203 geäußerten Meinung des Kurfürsten (die 
einzige Fuge ausgenommen) noch sämtlich aus der Bonner Zeit stammen sollen (?), 
ist eine gegenwärtig kaum restlos lösbare Aufgabe. Die Identifizierungsversuche von 
Reinöhl (a.a. 3 8 ff) müssen heute an Hand des großen Beethoven-Werkverzeichnisses 
von Kinsky-Halm (Das Werk Beethovens, München-Duisburg ip/j) nachgeprüft werden. 

298 



Schon gleich die Bestimmung des an erster Stelle genannten Quintetts (die genaue Besetzung 
ist von Haydn nicht angegeben) scheint höchst problematisch. Von den erhaltenen Werken 
Beethovens können hierzu überhaupt nur die Quintette Op. 4 (die Streichquintett-Be- 
arbeitung des Bläseroktetts Op. 103) und Op. 16 (Originalwerk für Klavier und 4 Bläser) 
in Frage kommen. Op. 4 wird von Kinsky -Halm mit 1795-96 datiert und es besteht kein 
Grund, diese wohlerwogene Datierung um mehrere Jahre (bis in die Bonner Zeit) zurück- 
zuverlegen. Oder sollte etwa der Kurfürst die thematische Identität dieses Stückes mit dem 
(tatsächlich aus Bonn mitgebrachten) Bläseroktett Op. 103 bemerkt und das Werk des- 
wegen als noch in Bonn komponiert bezeichnet haben? Dies ist immerhin eine Möglich- 
keit, um so mehr, als das Bläseroktett selbst (in der Bonner Originalgestalt) gleich darauf 
als „achtstimmige Parthie" aufgezählt wird. Das andere möglicherweise hier gemeinte 
Quintett ist Op. 16, das von Kinsky-Halm 1796 (gegen Anfang 1797 beendet) datiert wird, 
immerhin mit der Bemerkung: „der erste Satz ist Wahrsch. einige Jahre früher (1794?) 
entstanden." Wenn wir die Entstehung dieses ersten Satzes noch um etwa 2 Jahre zurück- 
verlegen wollen, dann könnte es sich recht wohl um dieses Stück gehandelt haben. Die 
Entscheidung zwischen diesen beiden Werken (oder etwa einem dritten verschollenen) 
ist nicht möglich. — Hinsichtlich der nicht näher bezeichneten Klaviervariationen gibt es 
eine ganze Serie von Möglichkeiten, deren Liste bei Kinsky-Halm (WoO 6)-66) nach- 
gelesen Werden kann; allerdings müssen die Werke WoO 6} und 6j (als noch in der Bonner 
Zeit gedruckt) wohl von vornherein ausscheiden, so daß eigentlich nur WoO 64 (über ein 
Schweizerlied) und WoO 66 (über „Es war einmal ein alter Mann" von Dittersdorf) übrig 
bleiben. — Eine Pag« aus der letzten Bonner Zeit ist uns nicht bekannt (das Jugendwerk 
D-Dur aus 1783 [WoO ßi] wird Haydn wohl kaum dem Kurfürsten übersandt haben). — 
Auch das hier genannte Oboenkon^ert ist spurlos verschollen. Hinsichtlich dieses letzten 
Werkes macht 'Landau CCLN i42fVußn. 1 den interessanten Vorschlag, das nachträglich 
mit Haydns Namen bezeichnete, sonst aber anonym überlieferte C-Dur-Oboenkon%ert (Hand- 
schrift in Zittau: Hob. VIIg:Ci) für den jungen Beethoven in Anspruch zu nehmen. — 
2. Wir müssen bedenken, zu welch frühem Zeitpunkt Haydn dieses Lob Beethoven spen- 
dete, als der Aufstieg des jungen Musikers zur Meisterschaft noch in den Anfängen steckte 
und nur durch einen solch überlegenen Meister seines Faches (wie Haydn es war) voraus- 
gesehen werden konnte. — 3. Eine Anspielung auf den gesellschaftlich-musikalischen 
Verkehr Beethovens in den höchsten Kreisen der Wiener Aristokratie. 



299 



203. Kurfürst Maximilian Franz (Bonn) an Haydn, Wien 
[Konzept von Kanzleihand, vom Kurfürsten eigenhändig verbessert] 

Nomine Serenissimi. 

\ 

An den Esterhazjschen Kapellenmeister [sie] Haydn z u Wien. 

d. d. Bonn den 23 De%. 1793. 
Expedit, sequenti 

Die Musik des jungen Beethoven, welche sie Mir zugeschickt haben, habe Ich mit 
ihrem Schreiben erhalten. Da indessen diese Musik, die Fuge ausgenommen,' 1 von 
demselben schon hier %u Bonn komponirt und produzjrt worden, ehe er diese seine 
Zweyte Reise nach Wien machte, so kann mir dieselbe kein Beweis seiner zu Wien 
gemachten Fortschritte 1 seyn. / 

Was ferner die Anweisung betrifft, welche er s>u seiner Subsistenz %u Wien bisher 
gehabt, so besteht selbe %war* nur aus joo ß.,' da aber nebst diesen joo fl. sein 
hiesiges Gehalt* von 400 fl. ihm jederzeit noch fortläuft, so bezog er jährlich immer 
900. fl. Ich sehe daher nicht wohl ein, wie er sich in seiner Oekonomie so weit 
Zurückgesetzt hat, als Sie mir schreiben.'' 

Ich denke dahero, ob er nicht wieder seine Rückreise hieher antreten könne, um 
hier seine Dienste zß verrichten: denn ich zweifle sehr, daß er bej seinem itzjgen 
Aufenthalte wichtigere Fortschritte in der Composition und Geschmak gemacht 
haben werde und ich fürchte, daß Er eben so wie bei seiner ersten Wienner Reise 
bloß Schulden von seiner Reise mitbringen werdet 

O: Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, Fase. 148-177 (eine Fotokopie davon ist uns durch 
H. C. R. Landon überlassen worden). — ED: F. Reinöbl, Neues Beethoven-Jahrbuch VI 
( I 9ß/)> 47 ( m >t Kommentar von Reinöhl). (eÜb) Landon CCLN 14}. 
1. Vom Kurfürsten verbessert aus: „Da indessen alle diese Musik, die einzige Fuge aus- 
genommen. . ." — 2. Verbessert aus: „So kann mir dieselbe unmöglich ein Beweys für 
seine zu Wien gemachten Fortschritte seyn." — 3. „zwar" vom Kurfürsten nachtr. ein- 
gefügt. — 4. Verbessert aus: „sein hiesiges schon vorhin bezogenes Gehalt". — 5. Ver- 
bessert aus: „Ich sehe daher nicht wohl ein, wie er in seiner Oekonomie so weit zurück- 
gesetzt sey." — 6. Verbessert aus: „Ich stelle es Ihnen übrigens anheim zu beurtheilen, 
ob er nicht wieder seine Rückreise hieher antreten könne, um hier seine Dienste zu ver- 
richten; denn ich zweifle nicht, daß er bey seinem itzigen Aufenthalte wichtige Fortschritte 
bey ihnen gemacht haben werde, und ich hoffe nicht, daß dieser Aufenthalt ihm nicht mehr 
als sein ersterer dort genutzt habe" (dies ist eine Anspielung auf Beethovens ersten Besuch 
in Wien, bei Mozart, im Frühling 1787). 
Die eigenhändige Korrektur des Kurfürsten hat den letzten Absatz dieses ungnädigen 

300 



Handschreibens nur noch schroffer, abweisender gestaltet, während das erste Konzept 
(vermutlich Diktat des Kurfürsten) wenigstens Haydn gegenüber die höfliche Form zu 
Wahren suchte („denn ich zweifle nicht, daß er bey seinem itzigen Aufenthalte wichtige 
Fortschritte bey ihnen gemacht haben werde"). Dieser höfliche Satz ist in der Endfassung 
ins gerade Gegenteil verkehrt worden. (Der abweichende Kommentar dazu bei London 
CCLN 14) Fußn. 1 beruht auf einer irrtümlichen Interpretation des Textes.) 



204. Haydn an den Komponisten Joseph Weigl 1 , Wien 

[Wien, den 11. Januar 1794] 
Liebster Pathe! 

Da ich Sie nach Ihrer Entstehung auf meinem Arme trug, und das Ver- 
gnügen hatte Ihr Tauf Pathe zu seyn, flehete ich die Allmächtige Vorsicht 
an, Ihnen den vollkommensten Grad eines Musikalischen Talents zu 

verleihen. Mein heißer Wunsch wurde erhört: schon seit langer 

Zeit habe ich keine Music mit solchem Enthusiast" empfunden als Ihre 
gestriche La Principessa d'Amalfl: 2 Sie ist gedankenneu, Erhaben, aus- 
drucksvoll, kurz — ein Meisterstück. — Ich nähme den wärmsten antheil 
an dem gerechten Applaus, so man Ihnen b gab. Fahren Sie fort liebster 
Pathe diesen ächten Styl stets zu beobachten, damit Sie die Ausländer 
neuerdings überzeugen, was der Teutsche vermag. anbey aber erhalten 
Sie Mich alten Knaben in Ihrem angedenken. Ich liebe Sie 
herzlich, und bin Liebster Weigl 

Ihr Herzensfreund und Diener 
Von Hauß den 11. Jänner 1794. Joseph Haydn. 

0: Besitzerfolge des Autographs (unter Benützung der Angaben bei Landon CCLN ))i): 

Leopold Ritter von Weigl (Sohn des Adressaten) Wien -> V. A. Heck, Kat. 69, Nr. 45a -> 

Stanford Memorial Library (gegenw. Bes.). — ED: Wiener Theater-Almanach auf d. J. tyy;. 

Allg. Mus. Zeitung, Wien 1846, Nr. }i; Nobl i/o; Pohl I, 266; (eÜb) Landon CCLN 14} f. 

Unsere Ausgabe stützt sich auf diese Mitteilungen. 

a) Nohl liest hier Enihusiasm, Was dem Sinn auch besser entspricht. — V) Nohl: „So man ihr 

gab". 

1. Der Komponist Joseph Weigl (1766-1846), ein Sohn des Eszterhäzaer Violoncellisten 

Joseph Weigl, der schon im Brief Nr. 7 erwähnt wurde. — 2. Weigls Oper ist am 10. Jan. 

1794 im Wiener Burgtheater erstaufgeführt worden. 

Acht Tage nach der Abfassung dieses Briefes, am 19. Jan. 1794, hat Haydn seine 
zweite Englandreise angetreten. 

301 



205a. Billett Haydns an (John?) Parke 1 , London 

[London, 22. Oktober 1794] 

I am much obliged to you for the two so charming Prints, I tack me the 
liberty to send for the Mistris Parck* a little Sonat, and to come tö Her 
next Friday or Saturday betwen 1 and 2 o'clock. I am 

your most obedient S' [Servant] 
Haydn mppria 
[Adresse:] M r Park 

Piccadilly N r 32. 

0: Besitzerfolge des Autographs (nach London CCLN })i): Stargardt Kat. 534 (8. Nov. 
1957) Nr. 421 (mit Faks.) -> Sammlung Hoboken, Ascona (gegenwärtiger Besitzer). ED: 
London CCLN 144 und unsere Ausgabe stützen sich auf das Autograph. 
Der Zettel ist von Haydn nicht datiert. Unter dem Text befindet sich aber folgende Notiz 
(vermutlich von der Hand des Adressaten): „22. Oct. 1794" und „The celebrated Musician, 
Dr. Haydn". 

1. Im damaligen Londoner Musikleben gab es zwei tüchtige Oboisten namens 
Parke: der ältere, John P. (1745 -18 19), spielte im Orchester des Prinzen von Wales; 
der jüngere, William Thomas P. (1 762-1 829), war im Opernhaus Covent Garden angestellt; 
seine später veröffentlichten Musical Memoirs sind eine wichtige (zwar nicht ganz zuver- 
lässige und klatschsüchtige) Quelle zum Londoner Musikleben der Zeit. Vgl. Pohl HiL 
40 ff. — 2. Die im Brief erwähnte Mistres Parck (1773-1822), damals 21 Jahre alt, war eine 
Tochter des John P.; sie war Sängerin und eine beliebte Mitwirkende in den Haydn- 
Salomon-Konzerten. Ihr Benefizkonzert am 19. Mai 1794 ist mit folgender Bemerkung 
angekündigt worden: „Doctor HAYDN will preside at the PIANOFORTE." Vgl. Pohl 
HiL, .270 und LS J2j (hier auch mit dem Programm des Konzerts). Da im Brief ausdrück- 
lich auf „Mistris Parck" Bezug genommen wird, war der Brief vermutlich an ihren Vater, 
John Parke, adressiert. 



205b. Haydn an den Violinkomponisten G. B. Viotti 1 , London 
[Original in italienischer Sprache] 

[London] Bury Street, 19. Dez. 1794. 

[Dieser Brief ist uns nur aus einem Inhaltsauszug in englischer Sprache 
bekannt, der in deutscher Übersetzung lautet:] 

Sie müssen mich entschuldigen, wenn ich meine guten Gründe habe, 
unsere teure Banti 2 morgen hören zu wünschen! Aber da ein armer 

302 



Maestro wie ich nicht öfters eine halbe Guinee daran wenden kann, so 
mögen Sie die Güte haben (wenn es irgend möglich ist), mir eine Ein- 
trittskarte von Mr. Deller zu verschaffen, der mich letzten Winter mit 
Freikarten für das Theater bedachte . . . 
[Der Schluß ist in unserer Quelle nicht mitgeteilt.] 

O: Das Autograph wurde von Sotheby & Co. am 19. Dez. 1962 (Kat.-Nr. 763) in London 
versteigert -*■ Jacques Samuel, London (gegenwärtiger Besitzer). Das Autograph war uns 
nicht zugänglich. Unveröffentlicht (auch nicht bei Landoii CCLN). Unser Text stützt sich 
auf den (englischen) Inhaltsauszug im Katalog von Sotheby (übermittelt von O. E. 
Deutsch und H. Unverricht). 

1. Der Adressat G. B. Viotti (1755-1824) ist der berühmte italienische Violinkünstler und 
Komponist von Violinkonzerten, der im damaligen Konzertleben Londons seit 1792 eine 
führende Rolle spielte. 1794 war er actfag manager der italienischen Oper. Daneben spielte 
er in den Salomon-Konzerten des Jahres 1794 seine eigenen Konzerte, und als die Salomon- 
Konzerte Ende 1794 aufhörten, Wurde er 1795 Orchesterleiter (kader) der an deren Stelle 
getretenen Opera Concerts, in denen auch Haydns letzte Londoner Sinfonien zur Urauf- 
führung kamen. Haydn erwähnt ihn auch im (nur bruchstückweise erhaltenen) 4. Londoner 
Notizbuch. — 2. Die berühmte Sängerin Brigida Banti (geb. Giorgi, mit dem Tänzer Zaccaria 
Band verheiratet, 175 9-1 806) war damals die Primadonna in King's Theatre. Für sie kome 
ponierte Haydn 1795 die dramatische Scena di Berenice (in Haydns Londoner Werklist- 
nennt er das Stück „Aria per la Banti"). Sie wird auch im 3. Londoner Notizbuch Haydns 
erwähnt. Vgl. Pohl HiL, )oi usw. 



206. Billett Haydns an Thomas Holcroft 1 in London 

[London, 1794 oder 1795] 
Dear Sir! 

I tack me the liberty to send you the Canon, and the 2 songs and if is 
possible, I seif will come to you to day, o [or] to morrow. I was 
obliged to tack a Medicine to Day, perhaps I see you this Evening. 
Iam 

Sir with the greatest Respect 

Your 
Oblig. Ser e [Servant] 

Haydn 
[Adresse:] 

M 1 Holcroft. 2 

303 



O: Autograph (bis 1957) im Besitz von Mary Benjamin -> Sammlung Hoboken, Ascona. 
Der ED: 'London CCLN 144 /und unsere Ausgabe stützen sich auf das Autograph. 
Dieser Zettel Haydns ist ebenfalls nicht datiert. Er könnte also eigentlich auch in die 
Zeit der ersten Londoner Reise Haydns (1791-92) fallen. Die verhältnismäßig flüssig 
gelungene englische Formulierung spricht aber mehr für die spätere Zeit (1794-95). 
1. Thomas Holcroft (1745-1809), der bekannte Dramendichter, hat u. a. Haydns Lied „Eine 
sehr gewöhnliche Geschichte" (GA, Serie XX/I Nr. 4) ins Englische übersetzt. Eines der 
im Brief erwähnten 2 songs mag eben dieses Lied gewesen sein. Beim ebenda erwähnten 
Canon können wir entweder an den 1791 für Oxford komponierten Kanon „Thy voice, 
O Harmony, is Divine" oder etwa an die „Zehn Gebote" denken, die Haydn für den 
damaligen sächsischen Gesandten in London, den Grafen Brühl komponierte. Vgl. Landon 
CCLN 14; Fttßn. 1. — 2. Unter der Unterschrift findet sich folgende Notiz von Holcrofts 
Hand: „The immortal / The Shakespeare of / Music. J. H. 1805". 



207. Haydn an Charles Burney" (in Chelsea?) 

[1794— 1795] 
Stimatissimo Sg' D' Burney 

La prego di mandarmi una copia de quel canzonetto/ perche io non mi 
ricotdo piü ne del' Ada ne delle parole, io non mancherö allora di 
servire subito a V: S: a cui sono con tutta la stima 

Suo umilis mo Serv: 
Haydn mppria 

gegenwärtig nicht greifbar. Das Autograph war verzeichnet im Stargardt-Kat. 314 
(vom 24. Nov. 1930), Nr. 105 -> ? Gegenwärtiger Besitzer unbekannt. Eine Fotokopie 
davon ist uns über IMBA zugeleitet worden. Inhaltsauszug im Kat. Stargardt. ED: (eÜb) 
Landon CCLN 14 j. 

Auch dieser Zettel Haydns ist nicht datiert. Aus dem Inhalt (vgl. weiter unten) kann man 
aber darauf schließen, daß er irgendwann während des zweiten Londoner Aufenthaltes 
(1794-95) geschrieben wurde. 

1. Der Adressat ist der berühmte englische Musikhistoriker Dr. Charles Burney (1726-1814) 
in Chelsea, der Haydn in Verehrung zugetan war und auch dessen Ehrendoktorat in Oxford 
angeregt hat. — 2. Hierbei handelt es sich vermutlich um ein Stück aus der Sammlung 
„Dr. Haydn's VI Original Canzonettas . . . Printed for the Author & Sold by him . . . 
at Mess rs Corri, Dussek et Co. . ." (ersch. 1794) oder aus dem folgenden Hett, „Second 
Sett of Dr. Haydn's VI Original Canzonettas . . . ". Hieraus können wir auf das Abfassungs- 
datum dieses Zettels (1794 oder 1795) schließen. 



304 



2o8. Vertrag Haydns mit dem Unternehmer Johann Peter 
Salomon,, London 

[London, den 13. August 1795] 
[Handschrift Salomons; nur die Unterschrift autograph] 

Endes Unterschriebener Bezeuge andurch, daß nach der unterm heutigen 
dato zwischen mir, und H rcn Johan Peter Salomon geschloßenen Rechnung 
die folgende specifirte [sie] Ouvertüren, 1 die ich für sein Concert componirt habe, 
dem gedachten H ren Salomon als sein alleiniges Eygenthum verbleiben, und 
ich desfals so wohl, als überhaupt andernfals auf alle Foderung an ibn 
Verzicht thue. Die gemelte Ouvertüren haben folgende Anfänge. 




TTTTT 

So geschehen London den i3 teo August 1795 2 



Joseph Haydn mppria 



O: Über die Besitzerfolge des Autographs berichtet Landon CCL.N })i: Sotheby, Wilkinson 
& Hodge, Kat. vom 2. März 1905, Nr. 564 ->■ Morton -> British Museum London, Add. 
38071, Fol. 5. Faks. bei Unverricht SD 2)9; ebenfalls durch ihn ist imDokument dieHand- 
schrift Salomons identifiziert worden. ED: (eÜb) Landon CCLN 146. 
1. specifirte Ouvertüren: Es handelt sich um das Besitzrecht der ersten Serie von Haydns 
Londoner Sinfonien (aus den Jahren 1791-1792; im Dokument, dem damaligen englischen 
Sprachgebrauch entsprechend, „Ouvertüren" genannt), welche in dieser Reihenfolge 
aufgezählt sind: Nr. 96, 98, 95, 93, 97, 94. Diese Reihenfolge verrät eine gewisse Tendenz 
zur chronologischen Ordnung, sie ist aber nicht genau. Die strikt chronologische Reihen- 
folge würde heißen: Nr. 96, 95, 93, 94, 98, 97. — Über das Verlagsrecht und über die 
verschiedenen Ausgaben dieser Londoner Sinfonien vgl. Hoboken iyj ff, nach dessen 
Meinung die bei Andre in Offenbach (1795-1796) erschienene Ausgabe (das genaue Datum 
ist nicht festzustellen) von Salomon veranlaßt wurde und demnach „als Erstausgabe zu 

20 305 



gelten hat". — „Haydn muß aber an diesen Symphonien noch Rechte behalten haben, 
denn als er am 17. VII. 1792 den Verleger Bernhard Schott aus Mainz in Biebrich traf, 
hat er mit ihm wegen des Stichs derselben verhandelt, nachdem er deswegen vorher in 
Bonn mit Simrock gesprochen hatte. Schließlich jedoch überließ er die Symphonien 
Artaria, bei dem sie dann, und zwar nur wenige Wochen nach der Offenbacher Ausgabe, 
auch erschienen..." (Hoboken 176.) Nach Hoboken sind die Sinfonien dieser ersten 
Londoner Serie in zwei Gruppen, und zwar Nr. 95, 96, 94 im April (bzw. Juni) 1795, 
und Nr. 98, 97, 93 (in dieser Reihenfolge) im Juli 1796 durch Artaria in Wien angekündigt 
worden. Auch die bei Diemand als Dok. Nr. 21 zitierte Briefstelle ist zweifellos auf diese 
Ausgabe zu beziehen. Im Januar 1796 (der Tag ist nicht angegeben) schreibt nämlich 
der Fürst Kraft Ernst %u Öttingen-Wallerstein (den wir aus Haydns Korrespondenz von 
1788-1789 kennen) an seinen Hofagenten von Götz nach Wien (hier zitiert nach Diemand): 
„P. P. Es sollen, wie ich vernehme, 6 neue Synfonien vom Hayden herausgekommen 
und in Wienn zu haben seyn. Mein etc. wird mir nicht nur diese auf meine Kosten über- 
schicken und mir dabey den Betrag der letztern berichten, sondern auch den Hayden, 
wenn er sich dermal in Wienn befindet, in meinem Namen ersuchen, ob er mir einige neue 
Symfonien verfertigen und überschicken wolle. . ." Der Fürst von Ö.-W. war also nach 
wie vor am sinfonischen Schaffen Haydns intensiv interessiert (obwohl der Briefverkehr 
mit Haydn über den Hofagenten Müller mit 1789 abbrach). — 2. Zwei Tage nach der 
Unterzeichnung dieses Vertrages, am 15. August 1795 hat Haydn London verlassen, um 
seine Heimreise über Hamburg (wo er die Tochter Phil. Em. Bachs besuchte) und Dresden 
nach Wien anzutreten. Ende August 1795 war Haydn bereits zu Hausein Wien. — Das 
diesem hier entsprechende Dokument über das Besitzrecht der Zweiten Sinfonie-Serie 
(Nr. 99-104) ist Haydn erst ein halbes Jahr später, Ende Februar 1796 von Salomon vorge- 
legt und von ihm in Wien unterzeichnet worden. Vgl. unser nächstes Dokument Nr. 209. 

209. Vertrag Haydns mit dem Unternehmer Johann Peter 
Salomon, London 

Wienn. den 27'° Febru. 1796 
Ich Endes Unterschriebener beckenne und Erkläre, daß Herr Salomon von 
meinen Sechs lezteren Sinfonien, wouon 3 von Anno 1794. und die lezte 
3 von 1795 der Allein besitzer und Eygenthümer auf immer seyn solte, und 
verspreche bey meiner Ehre gar keinen anderen als zu meinen eigenen ge- 
brauch dauon zu machen. 

Josephus Haydn mppria 

O: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCL.N ))i festgestellt: 
Sotheby, Wilkinson & Hodge,Kat. vom 2. März 1905 Nr. 565 -*■ Ellis -> Maggs Bros., 
Kat. 394 (1920) Nr. 1367; Kat. 433 (1922) Nr. 3318 -> heute: Library of Congress, 
Washington. — ED: Musical Quarterly, April 19)2 (mitFtf&r. und eÜb). Danach (eÜb) 
Landon CCLN 146. 

306 



Es handelt sich hier um die zweite Serie von Haydns Londoner Sinfonien (Nr. 99-104). 
Die von Haydn hierzu angegebenen Jahresdaten beziehen sich nicht auf den Zeitpunkt 
der Komposition (Nr. 99 ist z. B. schon 1793 komponiert worden), sondern auf die Daten 
der Erstaufführung in London. 



210. Haydn an den Grosshändler Friedrich Jacob van der Null, 

Wien 

[Wien, den 25. März 1796] 

Pl.T. 1 

Allerliebster Herr Von der Null! 

Ich Nehme mir die freyheit Sie gehorsamst zu bitten mir auf mein blatter- 
masigtes [ ?] gesicht Hundert Gulden in Banco Papier gegen zurickbezahlung 
nach verlauf 6 wochen zu leihen. gegenwärtige Unterschrift ist bürge 
dafür, So wahr mir Gott helfe, und So wahr er ist zu gägn [?] mit vorzüg- 
lichster hochachtung 

Liebster H r v. der Null 

Ihr 
aufrichtigst, gehorsamst, diener 
Jos. Haydn mppria 
den 25" Mertz 1796. 

[Außenseite: Siegel Haydns und Adresse:] 

Monsieur 
Monsieur Von der Null. 

O (Autograph) durch Leo Liepmannssohn (Kat. 141, Nr. 597) versteigert. Gegenwärtig 
in ungenanntem amer. Privatbesitz (Louisville, Kentucky). Eine Fotokopie ist uns durch 
H. C. R. Landon zur Verfügung gestellt worden. — ED: (eÜb) Landon CCLN 147. 
1. Diese (ziemlich schwer zu entziffernden) Buchstaben am Kopf des Briefes sind von 
Landon CCLN 147 als „A. T." verlesen, was keinen Sinn ergibt. — Der Wiener Groß- 
kaufmann F. J. van der Null ist uns schon als Adressat des Haydn-Briefes Nr. 147 (vom 
7. Juni 1790) begegnet. V. d. Null scheint in Geldsachen (neben dem Bankier Fries) Haydns 
besonderer Vertrauensmann gewesen zu sein. 



307 



2ii. Haydn an die Kommission des Englischen Parlaments 

Vienna. y e ij th Aprill. 1796; 

I empower herwith M r Squire to receive for me from the H ble [Hondrable] 
Commissioners One hunderd Pounds due to me by His Royal Highness 
the Prince of Walis, and acknowledge hereby the receipt of that Sum in 
füll of all demands. 

Doctor Haydn mppria 

O: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCLN 331 festgestellt: W. Westley 
Manning ->■ Sotheby Kat. 11/12 (Okt. 1954), Nr. 205 -5- Dr. Schilling -> heute: Hugo 
v. Mendelssohn-Bartholdy (Basel). Eine Fotokopie ist uns durch H. C. R. Landon zur 
Verfügung gestellt worden. Inhaltsauszug im Kat. Sotheby. — ED: (eUb) Landon CCLN 
147. 

Haydn ist oft zum Prinzen von Wales eingeladen worden, besonders im Frühjahr 1795, um 
bei ihm zu musizieren und zu dirigieren. Hierüber berichtet Griesinger J9-60 (Neuausg. 
■Grasberger 33-34): „Bey dem Prinzen von Wallis dirigierte er [Haydn] sechs und zwanzig 
Musiken, und das Orchester mußte oft mehrere Stunden warten, bis der Prinz von der 
Tafel aufgestanden war. Da diese Bemühung ganz unbelohnt blieb, so schickte Haydn 
auf den Rath seiner Freunde von Deutschland aus eine Rechnung von hundert Guineen 
ein, als das Parlament die Schulden des Prinzen bezahlte, und er erhielt diese Summe 
ohne Verzug." Über seine häufigen Besuche beim Prinzen v. Wales schreibt Haydn auch 
im vierten Londoner Notizbuch, S. 552-553 dieser Ausgabe. 



212. Haydn an den Verleger Christoph Gottlob Breitkopf 1 , Leipzig 

Wienn den i6 tn Aprill 1796 
{dar unter Archivnotiz Breitkopfs:] pr. [präsentiert] d. 21. 

Wohl Edel Gebohrner 

Sonders hochzu verEhrender Herr! 

Tausentmahl bitte ich um Vergebung, daß ich So lange auf Dero oftmahli- 
ges schreiben 2 nicht geandwortet habe. sind Sie derohalben nicht böse 
auf einen Mann, welcher nie 5 undankbahr seyn wird, nur noch ein wenig 

308 



geduld, Sie werden Geld, und Music 4 erhalten. dieses So gewiß, als ich 
bin mit vorzüglicher hochachtung 

Euer Wohl Gebohrn 

ganz Ergebenst schuldigster diener 
Jos: Haydn mppria. 
[Außen Adresse:] Dem Wohl Edl gebohrnen Herrn 
Breitkopf Music Verleger zu 
zu stellen. 

Leipzig. 
[Ferner Archivnotiz Breitkopfs:] 1796 / 16 Ap. / 21 / Wien / Haydn. 

0: Die Besitzerliste des Autographs ist durch London CCLN })i festgestellt: Senator 
Gwinner, Frankfurt/M. -» O. A. Schultz, Kat. 15, Nr. 107 -> Samml. Floersheim-Koch, 
Muzzano-Lugano. Eine alte Archivkopie befand sich im Geschäftsarchiv von Breitkopf 
& Härtel; diese ist beim Bombenangriff auf Leipzig am 4. Dez. 1943 vernichtet worden. 
Eine Fotokopie des Autographs ist uns durch H. C. R. Landon überlassen worden. 
ED: Hase 6 (nicht ganz form- und buchstabengetreu). (eÜb) Landon CCLN 147 f. 
1. Der Adressat, Christoph Gottlob Breitkopf (17 50-1800) war der damalige Leiter der Firma 
und ein Sohn jenes Johann Gottlob Immanuele., der Haydn im Jahr 1786 besucht hatte. Schon 
unser Brief Nr. 119 (vom 5. April 1789) war an ihn gerichtet. — 2. Diese Briefe Breit- 
kopfs an Haydn sind nicht vorhanden. — 3. Haydn schrieb hier zuerst „nicht", was er 
dann in „nie" verbesserte. — 4. Geld und Music: das Geld, das Haydn Breitkopfs 
schuldete, war vermutlich der Gegenwert für die von Haydn im Briefe Nr. 119 erbetenen 
englischen Stiche. Bei der versprochenen Musik Haydns handelt es sich um das Klavier- 
trio in Es-Dur (Hob. XV: 30) , welches Breitkopf dann im Okt. 1798 als Op. 88 veröffent- 
lichte. Vgl. hierzu auch den nächsten Brief Nr. 213. 



213. Haydn an den Verleger Christoph Gottlob Breitkopf, Leipzig 

Wienn. den 9'" 9 br [Nov.] 1796. 

[darunter Archivnotiz Breitkopfs:] pr. [präsentiert] 10. Dcbr. 

Wohl Edl Gebohrner 
Sonders hochzuEhrender Herr! 

Überbringer dieses, Herr Wägl 1 [Weigl] von Wienn wird Ihnen endlich 
die versprochene Ciavier Sonate 2 samt 15 f. in Banco Papier übergeben: 

309 



unterdessen danke ich Ihnen nochmahl und bin mit vorzüglicher Hoch- 
achtung 

Meines Wohl Edl Gebohrnen 

dienstfertigst gehorsamster diener i 

Jos: Haydn mppria 
Fürstl. Esterhazyscher CapellMeister 
[Außenseite Adresse:] 
von Vienne 

Monsieur 
Monsieur de Breitkopf 

Leipzig. 

[Ferner Geschäftsnotiz Breitkopfs:] 1796. / 9. Nov. / 10. Dec. 
2. Jan. 97. / Wien. / Haydn. 

Ö (Autograph): Pariser Conservatoire. Eine Fotokopie davon ist uns durch H. C. R. Landon 
überlassen worden. — ED: J. Tiersoi, Let/res des musiciens, Turin 1924, 72 ff. Erwähnt bei 
Hase ^(mit verlesenem Datum: 9. Nov. 1795); mitgeteilt von Sandberger NH 29 (mit dem 
richtigen Datum); (eÜb) Landon CCL.N 148. Das von Hase verlesene Datum dieses Briefes 
hat in der Haydn-Literatur ziemliche Verwirrung angerichtet. 

Dieser Brief Haydns war auffallend lange (volle 31 Tage) unterwegs nach Leipzig (der 
vorhergehende Brief Nr. 212 ist in 5 Tagen von Wien nach Leipzig gelangt). Die Reise 
des Überbringers (Weigl) scheint sich unerwartet lange verzögert zu haben. Die Ver- 
mutung, daß das auffallend späte Datum des 10. Dezember nicht den Tag des Empfanges, 
sondern den der Erledigung bezeichnet, wird durch die Archivnotiz „pr." (= präsentiert), 
die sich nur auf den Empfang beziehen kann, widerlegt. 

1. Vermutlich Joseph Weigl. Vgl. unseren Brief Nr. 204. — 2. Das im Brief Nr. 
zi 2 versprochene Klaviertrio Es-Dur (Hob. XV: }o), mitsamt Haydns Schuld für 
die englischen Kupferstiche. Über die Fortsetzung der Angelegenheit sind wir 
nur durch Hase 6 ff unterrichtet, da Breitkopfs Briefe an Haydn nicht vorhanden 
sind: „Am 2. Januar 1796 (richtig 1797) dankte Breitkopf für die vortreffliche Kom- 
position und versicherte, daß er es sich zur Pflicht machen würde, dies neue 
Werk dem Publico mit angemessenen Äußeren, nämlich im Stich zu übergeben. 
Er knüpfte daran die Bitte, ihm etwas von seinen Kompositionen für Gesang (für welche 
der Notensatz noch schicklicher sei) zum Verlag zu überlassen. " — In welchem Sinne und 
ob überhaupt Haydn darauf antwortete, ist nicht bekannt. Volle zweieinhalb Jahre ließ 
Haydn nichts von sich hören (vgl. seinen Brief Nr. 220 vom 12. Juni 1799); dann allerdings 
entschuldigt er sich für sein langes Schweigen. Um diese Zeit arbeitete Haydn bereits 
an seiner Schöpfung. Neben dieser großen Arbeit mußte alle Korrespondenz notgedrungen 
liegengelassen werden. 

310 



214. Haydn an einen Beamten der fürstlich Esterhäzyschen 
Verwaltung 

[Alte Archivkopie] [Datum unbekannt: 1796 oder 1797?] 1 

Wohl Edelgebohrner 

Hoch geEhrtester Herr Verwalter. 

Aus den an mich erlassenen und der beylage Einer Löbl. Hochfürstl. 
Esterhazys. Geheimen Wirtschafts Canzley erfahr ich, daß ich wegen 
unvermögenheit des Luegmayers 2 zur bezahlung seiner Schuld geradezu 
Condemnirt wurde, warum ? Darum, weil man mir das Vermögen zu- 
muthet, wolte Gott, es wäre so. Aber ich schwöre zu dem Kyrie eleison, 3 
so ich just für meinen vierten Fürsten zu Componiren habe, daß ich 
seit den Tod meines Zweyten Seeligen angedenkens eben so, wie Lueg- 
mayer in die nembliche Unvermögenheit verfallen bin, nur mit dem 
Unterschied, daß Ersterer von Pferd auf den Esel, ich aber zu Pferd ohne 
sattel und zeug bin sitzen geblieben. 4 

Ich ersuche demnach Eure s Löbl. Hochfürstl. Geheime Wirtschafts- 
Canzley nur so lang in Geduld zu stehen, bis ich das Dona nobis pacem 
vollendet habe, und bis der Fürstl: Hausmeister Luegmayer aus der bis- 
herigen Besoldung des klein besoldeten 3 6 Jahr lang in Dienst stehenden 
CapellMeisters Haydn in die würkliche besoldung seines Rechtmäßigen 
allergnädigsten Fürsten übersezt wird. Dan nichts ist trauriger und 
unharmonischer — als wan der Diener den Diener das ist der Capell- 
Meister den Haußmeister besolden muß. Solte ich etwa heute oder Mor- 
gen durch meine Verdienste (dan schmeicheln und bettlen kan ich 
nicht) oder aus eigenen antrieb meines gnädigsten Fürstens in einen 
besseren Stand versezt werden, so werd auch ich nicht ermanglen der 
anverlangten Forderung genüge zu leisten, 
bin in aller Hochachtung 

Euer wohl gebohrn 

Ergebenster Dienei 

Fran: J: Haydn 

Doctor zu Oxfort 

und fürstl. Esterhazyscher 

CapellMeister. 

311 



O vorläufig verschollen. Als einzige Quelle dient eine alte Kopie, die Nohl (um 1867) 
„bei dem kaiserl. Rath Schmidtler in Wien" fand (Nohl iji) und die seitdem in die ÖNB 
Wien gelangte (Cod. 15391). ED: Nohl iji-ijz (mit falschem Datum: „1795 Januar" 
und einigen Lesefehlern). Dann Pohl III, 110 (mit korrig. Datum und Namenslesung, aber 
auch nicht ganz buchstabengetreu); (eUb) Landon CCLN 149. Emendationen und Korrek- 
turen zum Text bei Pohl III sind uns (auf Grund der alten Kopie in ÖNB) von Frau Christa 
Lattdon liebenswürdigerweise übermittelt worden. 

1. Zum Datum: An Stelle des (urspr. fehlenden) Datums steht von einer anderen (späteren) 
Hand geschrieben „Im Januar 1795" (vgl. auch Nohl ifi). Diese (nachträgliche) Datierung 
kann aber nur auf einem Irrtum beruhen. Im Januar 1795 befand sich Haydn noch in 
London, und es ist höchst unwahrscheinlich, daß die Esterhäzysche Wirtschaftskanzlei 
bei ihm damals die Schuld des Ödenburger Hausmeisters Luegmayer reklamiert hätte. 
Dementsprechend wird der Brief bei Pohl III, 110 und auch bei London CCLN 149 un- 
datiert, mit dem Vermerk (1796 oder 1797) mitgeteilt, was auch mit der Textstelle „36 Jahr 
lang in Dienst stehenden" (dies sagt Haydn von sich selbst) besser in Einklang steht 
(Haydn hat seinen Dienst am 1. Mai 1761 angetreten). — 2. Nohl liest den Namen als 
„Lungmayer"; Pohl und Landon lesen (wohl richtiger) Luegmayer. Joseph Alqys Luegmayer 
(in anderen Dokumenten auch Lugmayer) war der erste Gatte von Haydns Nichte Anna 
Katharina Fröhlich (einer Tochter von Haydns Schwester Anna Maria, vereh. Fröhlich in 
Rohrau), die später in zweiter Ehe mit dem Schuster Loder in Wien verheiratet war (vgl. 
Haydns Testament vom 6. Dez, 1801, Nohl 161-162). Haydn hat wegen Luegmayers viele 
Sorgen auf sich genommen. Nach einem von Valkö II, 610 mitgeteilten Dokument (vom 
17. Febr. 1797, also ungefähr aus der gleichen Zeit wie dieser Brief) bezog Luegmayer 
von Haydn seit 1793 ein regelmäßiges Gehalt von 68 Fl. 42 kr. jährlich(wozu er vom Fürsten 
noch die Anweisung von Naturalien erbat). Außerdem half ihm Haydn anscheinend auch 
mit größeren Darlehen; laut Haydns Testament sollen Luegmayer und seine Frau im Laufe 
der Jahre sechstausend Gulden erhalten haben (vgl. Nohl 162). Darüber hinaus scheint 
Haydn (wie aus diesem Brief hervorgeht) auch noch für ihre Schulden gebürgt zu haben. 
— 3. Haydn spricht hier von einer gerade geplanten (oder in Arbeit befindlichen) Messe. 
Im Jahr 1797 hat Haydn unseres Wissens keine Meßkomposition angefangen. Im Jahr 
1796 dagegen kommen gleich zwei in Frage: die Paukenmesse (genauer: Missa in tempore 
belli), deren Datierung (Eisenstadt 1796) feststeht — ■ und die im Autograph ebenfalls 
mit 1796 datierte Heiligmesse (Missa Sti. Bernardi de Offida), deren Komposition sich aber 
vielleicht bis ins Jahr 1797 hinüberzog. Beide Messen können hier in Frage kommen. — 
4. Dieser derbe Vergleich wird von Landon CCLN iroFußn. ß auf den literarischen Gegen- 
satz Don QtiichoteSancho Pa/wa bezogen. — 5. Nohl und Pohl III lesen hier: „eine löbl. 
Verwaltung". 



312 



2i 5- Salieri und Wranitzky (im Namen der Tonkünstler-Societät 
in Wien) an Haydn 

[Wien, den 20. Januar 1797] 

An Herrn Joseph Hayden, hochf. Esterhazj' sehen Capellmeister. 
Schätzbarster Herr Capellmeister! 

Ihre eigene unerreichbare Verdienste um die Tonkunst loben zß hören, Ihren un- 
erschöpflichen, schöpferischen Geist bewundern %u sehen, das sind Sie und müssen es 
gewohnt seyn, denn Sie haben den lautesten und gerechtesten Bej fall ganzer Nati- 
onen sich erworben. 

Die musikalische Wittwen- und Waisen-Societat, welcher Sie, würdiger Mann, 
bey ihren abgehaltenen musikalischen Akademien schon manchmal durch Ihre vor- 
treffliche Compositionen die ergiebigste Einnahme verschafft haben, übergehet 
dahero alle Lobsprüche und giebt sich nur die Ehre, Ihnen für alle bereits ihr er- 
wiesene Wohlthaten hiemit %u danken, und Sie ihrer unbegrän^ten Hochschätzung 
%u versichern; befliessen wie sie ihre Dankbarkeit an den Tag legen möchte, über- 
schicket sie Ihnen ein frejes Eintritts-Billet %u allen künftigen Societäts- Aka- 
demien, welches Sie bejm Eintritt nur vorzuzeigen und wieder %u behalten belieben. 
Nehmen Sie diesen Schritt ja nicht für eine kleine Vergeltung, sondern für den 
grössten besten Willen und für die Versicherung an, dass stets dankbar aber ewig 
verpflichtet Ihnen bleiben wird 

Musikalische Wittwen- und Waisen-Gesellschaft 
Ex concluso Sessionis 

dat. 20. January 1797. Paul Wrani^ky, 

Anton Salieri S derzeit Secretär. 



O verschollen; früher im Archiv der Tonkilnsthr-Societät Whn,yoa wo es zu unbekannter 
Zeit spurlos verschwand. — ED: Pohl, Denkschrift 41. Die (eÜb) Lattdon CCL.N ijo und 
unsere Ausgabe stützen sich auf den Text bei Pohl (als einzige Quelle). 
18 Jahre früher, im Februar 1779 war Haydn von der Tonkünstler-Societät auf ziemlich 
schnöde Weise behandelt worden, was ihn damals zu einem entrüsteten Protestbrief 
(Nr. 23 unserer Ausgabe) veranlaßte. Inzwischen ist Haydn (nicht zuletzt durch seine 
ungemein erfolgreichen Konzertreisen in England) zu einer Respektsperson auch im 
eigenen Lande emporgestiegen; es wurde der Wunsch laut, die ehemalige Schuld der 
Societät Haydn gegenüber auf irgendeine Weise wiedergutzumachen. Ganz besonders 
der derzeitige Sekretär der Societät, Paul Wrani\ky (auch Wranit^ky geschrieben [1756- 
1808], seit 1785 Konzertmeister des Hofopernorchesters im Burgtheater), bemühte sich 

313 



ehrlich darum, Haydn eine besondere Ehrung zuteil werden zu lassen. Über die Umstände 
dieses Vorhabens vgl. Pohl III, 122: „Schon im Januar des Jahres 1797 war in einer Sitzung 
[der Tonkünstlersocietät] beschlossen worden, Haydn und einigen anderen Komponisten 
Ehren-Freikarten für die Akademien der Tonkünstler-Societät zu senden. Das Schreiben, 
mit welchem Wranitzky die Freikarte an Haydn sandte [eben dieser Brief Nr. 215] war 
besonders warm und schmeichelhaft gehalten; wünschte er [Wranitzky] doch, wie er in 
der Sitzung sagte, , das Versehen der Societät gegen Haydn aus seinem und, wenn es 
möglich wäre, aus Haydns Gedächtnis auf ewig zu verdrängen'." — Das erste Ergebnis 
seiner redlichen Bemühung war dieser ehrenvolle Brief. Haydn war damit eigentlich 
noch immer nicht zum Mitglied der Societät geworden. Aber Wranitzky ließ nicht locker 
und beantragte gegen Ende des Jahres 1797, Haydn unentgeltlich in die Societät auf- 
zunehmen. Seine diesbezügliche Begründung im Sitzungsprotokoll lautete: „Wohl sei 
damit gegen die Regeln der Statuten gehandelt, doch die Societät müsse hier eine Aus- 
nahme machen und sich geehrt fühlen, einen so außerordentlichen Mann, der in der 
Tonkunst so unerreichbare Vorschritte gemacht und der Societät schon so viel Nutzen 
durch seine Kompositionen verschafft, als ihr Mitglied betrachten zu können." Wie sehr 
sich die Lage seit 1779 gewendet hat, geht daraus hervor, daß Wranitzky diesmal mit 
seinem Antrag durchdringen konnte. „Der nun gefaßte Entschluß wurde unserem Mei- 
ster . . . mitgeteilt und er gleichzeitig eingeladen, zur nächsten Plenarsitzung zu erscheinen, 
um den eigentlichen Akt der feierlichen Aufnahme als perpetuierlicber Assessor senior mitzu- 
machen. Diese Sitzung fand am 11. Dez. 1797 statt. . . Graf Johann Esterhäzy führte ihn 
in den Saal,. . . beim Empfang empfingen ihn die Tonkünstler mitVivat-Rufenund Hände- 
klatschen und Paul Wranitzky als Actuar hielt an ihn eine Rede" (zitiert nach dem Tage- 
buch Rosenbaums, Pohl III, 122-12)), 

1. Der an erster Stelle unterfertigte Hofkapellmeister Anton Salieri (1750-1825) war da- 
mals Vizepräsident der Societät. 



21 6a. Haydn an den Grafen Franz von Saurau, Wien 

[Ohne Datum; vermutlich Ende Januar 1797] 

Excellence ! 

Eine solche Überraschung, und So viel Gnade besonders über das bild 
meines guten Monarchens hab ich in betracht meines kleinen Talents 
noch nie überlebt, ich dancke Euer Excellenz von Herzen und bin 
anbietig 1 in allen fällen Euer Excellenz zu dienen, bis 11 uhr werd ich 
den Abdruck (des Volksliedes) 2 überbringen, bin in tiefester Ehrfurcht 

Euer Excellenz 

Unterthänigster gehorsamster diener 

Jos. Haydn mppria. 

3i4 



r 



O (Autograph): ÖNB XXXIII No. 109-2. — ED: Nohl ifß. Pohl III, uSFußn. 1; (eÜb) 
London CCLN iji usw. Der genaue Wortlaut des Autographs (mit kleinen Emendationen 
zum Text bei Nohl und Pohl) ist uns durch Frau Christa Landon übermittelt worden. 
1. anbielig: Nohl und Pohl: „erbietig" (?). — 2. des Volksliedes: Diese Worte sind im Auto- 
graph von fremder Hand nachträglich eingefügt. — Das fehlende Datum und die Person 
des Adressaten ergeben sich aus einem Brief des Grafen Saurau (von 1820), als dieser 
die Autographe von Haydns Nationalhymne „Gott erhalte Franz den Kaiser" und des 
obigen Briefes an den Hof- Musikgrafen Moritz Dietrichslein übersandte. — ■ Über die 
Entstehung der Nationalhymne vgl. Pohl III, iijjf: „Die Anregung zur Komposition 
soll von Haydn selbst ausgegangen sein, der schon in England, als er die Nationalhymne 
,God Save the King' hörte, den Plan gefaßt habe, für sein Vaterland ein ähnliches Lied 
zu schreiben, und der jetzt, als sein "Vaterland wegen des Vordringens der französischen 
Armee in Steiermark in Bedrängnis war, das seinige zur Hebung der bedrückten Gemüter 
tun wollte. Haydn habe sich an seinen Freund und Gönner van Srvieten gewendet, der dann 
die Anregung dem Präsidenten der niederösterr. Landesregierung, Franz Grafen Saurau, 
dem Gründer des Wiener freiwilligen Aufgebotes, überbracht habe. Saurau habe diesen 
Vorschlag. . . aufgegriffen und dem Dichter L. L. Hasebka die Verfassung des Textes 
aufgetragen, bei Haydn die Vertonung bestellt." Am 28. Januar 1797 ist durch den Grafen 
Saurau das Imprimatur für den Druck der Hymne erteilt worden, worauf dann am 12. 
Februar im Burgtheater die öffentliche feierliche Erstaufführung im Beisein des Kaisers 
stattfand. Unser Brief muß demnach (da in ihm von „dem Abdruck", d. h. von der Korrek- 
tur der Hymne, die Rede ist) in den Tagen um den 28. Januar abgefaßt worden sein. — Der 
Erfolg überstieg alle Erwartungen. „Haydn wurde vom Kaiser Franz durch die Über- 
sendung einer goldenen, mit dem Bildnis des Kaisers geschmückten Dose, sowie durch 
ein ansehnliches Geldgeschenk belohnt. . ." (Pohl III, 117-11S.) Auf diese Dose beziehen 
sich Haydns Worte von der Überraschung und vom „bild meines Guten Monarchens". 



216b. Billett des Verlegers Nicolaus Simrock an Haydn 

[Bonn] 20. Okt. 1797. 

'Nehmen Sie Schätzbarer Mann dies Exempl. gütig auf, es soll Sie nur von der 
vollkommenen Ergebenheit überzeugen womit ich unveränderlich bin 

N. S. [Nicolaus Simrock J 

O verschollen; alte K. in einem Kopierbuch der Firma Simrock. — ED: A. Chr. Kalischer: 
Ein Kopierbuch der Simrockschen Musikhandlung in Bonn vom Jahre T^fi/,ZdIMG IV, 1902-1903, 
536. Danach: Unverricht GBT jy Nr. 8; und Unverricht SD 244. Nicht bei Landon CCLN. 
Einige Wochen vorher, in der ersten Oktoberhälfte 1797 hat Simrock in Bonn die zweite 
Serie der Londoner Symphonien Haydns (Nr. 99-104) im Arrangement für Klaviertrio 
in 2wei Lieferungen veröffentlicht (vgl. dazu Hoboken 204 und Unverricht GBT 242 f). 

315 



Es ist anzunehmen, daß Simrocks Billett als Begleitbrief zur Übersendung dieses Druckes 
an Haydn verfaßt worden ist. Allerdings sind Exemplare dieser Ausgabe weder im Biblio- 
theksverzeichnis (B. M. Add. 32.070) noch im Nachlaßverzeichnis (Stadtarchiv Wien) 
Haydns nachweisbar, noch mit dessen Nachlaß in die N. B. Szech6nyi, Budapest, gelangt; 
dort befinden sich nur Exemplare der (ebenfalls im Oktober 1797 erschienenen) "Londoner 
Ausgabe derselben Stücke (von Salomon). Haydn scheint also das ihm von Simrock zu- 
geschickte Exemplar der Bonner Ausgabe verschenkt zu haben. Im Elßlerschen Biblio- 
thek s Verzeichnis (um 1807) steht tatsächlich die Notiz („an Herr von Stam verschenkt"), 
aber an der unrechten Stelle, neben der Salomon-Ausgabe (Haydn's Celebrated Sympho- 
nies. . .), die sowohl im Nachlaßverzeichnis (Nr. 155) als auch in dem schließlich nach 
Budapest gelangten Nachlaß Haydns (vgl. Haydns Werke in der Musiksammlung der National- 
bibliothek S^ichinyi in Budapest, Budapest 19 J 9, Nr. )j8) tatsächlich enthalten, von Haydn 
also nicht verschenkt worden war. Auch Vnnerricht GBT 24J bezieht Simrocks Billett auf 
die Übersendung der Simrockschen Ausgabe von 1797. 



z 17. Haydn an den Esterhäzyschen Kammerdiener Kürchner, 
Ödenburg 

Wienn. den i tn Juny 1798. 
Liebster Freund! 

Ich bitte sehr höflich meiner Mumb luegmayerin 1 (welche es zwar nicht 
verdient) 25 fl. vorzustrecken, welche Sie von Herrn OberEinnehmer 
Stessel, welchen ich schon dauon benachrichtigte, bey erster gelegen- 
heit wider empfangen werden, für diese gefälligkeit werde ich Ihrer 
lieben Tochter bey meiner ankunft in Eisenstadt mit einer neuen Ciavier 
Sonaten 2 aufwarten, unterdessen bin ich nebst höfl. Emphelung an 
Ihre frau gemahlin mit aller hochachtung 

Dero 

dienstfertigster diener 
Joseph Haydn mppria 
[Außen Haydns Siegel und Adresse:] 

Monsieur 
Monsieur de Kürchner Valet 
d. Chambre de S: Alt. Monseig. le 
Prince Nicolaus Esterhazy 

a 
in fürst Esterhazisch. Oedenbourg 

Hauß. en Hongern [?] 

316 



O (Autograph Haydns): Archiv der GdMf in Wien. Eine Fotokopie ist uns durch H. C. R. 
Landon überlassen worden. — ED: (eÜb) London CCLN iji f. 

i. luegmayerin: Haydns Nichte, Anna Katharina Fröhlich, vereh. Luegmayer, die er in ihrer 
Not mehrmals mit Geld unterstützte (vgl. Brief Nr. 214). — 2. Es kann sich nur um eine 
der drei (1794-95 komponierten) Klaviersonaten Hob. XVI: J0-J2 handeln, deren keine 
vor Dez. 1798 im Druck erschien. Haydn mochte damals dem Fräulein Kürchner eine hand- 
schriftliche K. von einer dieser Sonaten zugedacht haben. 

218. Haydn an den Präsidenten der Schwedischen Akademie 
in Stockholm, C. F. Fredenheim 

[Ohne Datum; Ende April 1799] 

Hoch und wohl gebohrn 

Sonders Hochzu verEhrender Herr! 

Ich bin nicht im stände die Überraschung und das vergnügen sattsam mit 
Worten auszudrücken, so ich über daß durch herrn Legations-Rath von 
Silberstolpe mir eingehändigte Diplom Einer hochlöblichen Königl: 
Schwedischen Musicalischen Accademie in betref des gütigen aufnames 
mich als Mitglied zu nennen, empfunden habe, und stets empfinden 
werde! Nur bedaure ich, daß ich gegenwärtig diese grosse Ehre bey mei- 
nem hohen Alter und schwachen Talent nicht vergüten kan. solte mir 
aber die Vorsicht noch mehrere Jahre mit erforderlichen Musicalischen 
kräften verleihen, so werd ich trachten, ein kleines angedencken Einer 
Hochlöbl. Societät zu vermachen; unterdessen nehme ich mir die frey- 
heit meine gehorsamste Dancksagung an PI: [?]' herrn Praeses C: F: von 
Fredenheim, und an die gesammte Hochlöbl. Societät zu vermelden 2 und 
bin mit vorzüglichster hochachtung 

Eur Hoch und Wohl Gebohrn 

gehorsamster dienet 

J: H: 

O (Autograph): Königl. Bibl. Stockholm. Eine Fotokopie ist uns durch H. C. R. Landon 
überlassen worden. — ED: (eÜb) Landon CCLN IJ2. 

1. Hier steht eine schwer zu deutende, ungebräuchliche Abkürzung, die man am ehesten 
als PI: (d. h. Pleno titulo, mit vergessenem T.) auflösen möchte. Vgl. auch die analoge Titu- 
latur des Briefes Nr. 210. — 2. Dieses Wort ist sehr unklar, fast unleserlich geschrieben. — 
Der schwedische Diplomat und Musikfreund Fredrik Samuel Siloirstolpe (richtig Silfversto] pe, 
1769-1851) war 1796-1803 Legationssekretär und Charge d'affaires Schwedens in Wien. 

317 



Als begeisterter Musikfreund wurde er bald mit Haydn bekannt und befreundet. Auf seine 
Veranlassung hin sind die leitenden Persönlichkeiten des Wiener Musiklebens: Albrecbts- 
berger, Salieri und Haydn von der Schwedischen Musikakademie zu Ehrenmitgliedern ge 
wählt worden. Die betreffenden Diplome sind Anfang April 1799 in Wien angelangt; am 
10. April berichtet Silverstolpe nach Stockholm, daß er die Diplome (die mit 5. Sept. 1798 
datiert sind) demnächst an die betreffenden Musiker aushändigen will. Damit gleichzeitig 
ließ Silverstolpe in der Wiener Presse eine diesbezügliche Notiz erscheinen. Die Dankes- 
briefe der drei Komponisten (darunter diesen Brief Nr. 218) hat Silverstolpe am 22. Mai 
nach Stockholm expediert. Haydns undatierter Dankesbrief muß also irgendwann zwischen 
dem 10. April und dem 22. Mai (in Anbetracht von Haydns bekannter Pünktlichkeit wohl 
noch Ende April) geschrieben worden sein; vgl. hierzu im Detail die ausgezeichnete Dis- 
sertation von Mörner JWBS. — Die Angabe bei Pohl III, i}}, die beiden Diplome „brachte 
der Präsident v. Fredenheim persönlich nach Wien", muß auf einem Irrtum beruhen, 
da Haydn in seinem Dankesbrief ausdrücklich sagt, das Diplom sei ihm von „Legations- 
rath v. Silberstolpe" eingehändigt worden. Mit Silverstolpe ist Haydn sein Leben lang 
befreundet geblieben. Vgl. seine späteren Briefe an diesen (Nr. 298 und 372) vom Jahr 
1802 bzw. 1806. 



219. Haydn an den Unternehmer Johann Peter Salomon, London 

Wienn. den i8' n May 1799 
Liebster Freund! 
Ueberbringer dieses ist Herr von Sonleithner. 1 ein junger verdienst voller 
witziger Mann, dessen Carracteur 2 Sie aus Ihrer tiefen Einsicht bey seiner 
Erklärung weit besser und genauer als ich es beschreiben kan. 3 bestimmen 
werden: sein Musicalisches Unternehmen ist eines der Interessantesten, 
nur beförchte ich, daß Er ohne allgemeine hülfe und beystand es auszu- 
führen nicht im stände seyn wird. Er ersuchte mich Ihm an jemand 
Redlichen Kentnißvollen Mann in London auszuempfehlen, ich nähme 
mir daher die freyheit Ihme an Sie liebster freund anzu Reccomendiren. 
solten Sie Ihme in sein Unternehmen dienen könen, so werden Sie sich 
bey der weit grosse Verdienste machen, übrigens bin ich in aller hoch- 
achtung 

Liebster Freund 
Ihr aufrichtigster fr. und d r [Freund und Diener] 
Jos. Haydn mppria 
[Außen Adresse:] M 1 Salomon. 

N ro 34 / Clipstone Street, London 
Fitzroy Squarre [sie]. 

318 



O (Autogtaph): Archiv der GdMf in Wien. Faks. bei Leopold Schmidt,}. Haydn (2. Aufl. 
Berlin 1906)8. 104 und Geiringer/2 (nach S. 158). — ED: Pohl III, 140 (nicht buchstaben- 
getreu und mit mehreren Fehllesungen). (eÜb) Landon CCL.N ij }. 

1. Joseph Sonnleithner (1765 -183 5) : zuerst Distriktskommissär und Sekretär des Hoftheaters, 
dann Mitbegründer der GdMf und des Konservatoriums Wien, bis zu seinem Tode Sekretär 
der beiden Institutionen. Er plante eine Art Geschichte der Musik in Beispielen und suchte 
hierzu Haydns Beistand zu gewinnen. Haydn wollte seine Bitte nicht abschlagen und gab 
ihm dieses Empfehlungsschreiben an Salomon mit. (Pohl III, 140 spricht sogar von „einigen 
Empfehlungsschreiben", von denen aber nur dieses einzige vorhanden ist.) Daß aber 
Haydn Sonnleitners Unternehmen kritisch beurteilte, geht aus dem Bericht von Griesinger 
hervor, der Haydn eine Woche später, am 25. Mai besuchte (dies war sein erster Besuch 
beim Meister) und über diesen Besuch in einem langen Brief an Breitkopf nach Leipzig 
berichtete (Pohl III, 138 '/). In diesem Bericht Griesingers heißt es u. a.: „Kürzlich sey ein 
gewisser Sonnleitner (oder Sonnleiter) von hier abgereist, der ohne Zweifel nächstens 
nach Leipzig kommen werde und Pränumeration auf eine Geschichte der Musik fordre, 
worin auch seine Werke (näml. Haydns) erscheinen sollen. Er (Haydn) halte dieses Unter- 
nehmen für eine Beutelschneiderey und sey versichert, daß es nicht zu Stande komme; 
aus Gefälligkeit gegen einige gute Freunde habe er sich nicht widersezen wollen. . ." 
(Pohl III, i}9.) Haydns Urteil hat sich bewahrheitet; aus dem Unternehmen ist nichts 
geworden. — NB. Die Notiz im Briefkommentar Londons (CCLN i/ß Fußn. 1) : „He was 
later one of Schubert's admirers and friends" beruht auf einer Verwechselung mit seinem 
(um 32 Jahre jüngeren) Neffen, Leopold von Sonnleithner (1797-1873). — 2. Carracieur: bei 
Pohl als „Caractere" verlesen. — 3. beschreiben kan: bei Pohl verlesen: „beurteilen kan". 



220. Haydn an den Verleger Christoph Gottlob Breitkopf, Leipzig 

Wienn. den 12'° Juny 1799. 
Liebster Freund! 

Ich schäme mich in der that, einen Mann, welcher mich schon so oft 
auf die Verehrung s würdigste arth ohne es verdient zu haben mit seinen 
Zuschriften beehrte," mit meiner späten andworth beleydiget zu wissen, 
es ist nich saumlosigkeit [Saumseligkeit ?], sondern die menge der ge- 
schäfte schuld daran, welche, wie älter ich werde, desto mehr sich täglich 
vermehren, nur bedaure ich, daß ich vermög meines hochanwachsenden 
Alters, und bei (leyder) abnehmenden geistes kräften den wenigsten 
theil derselben befriedigen kan: die weit macht mir zwar täglich viele 
Complim. [Complimente] über das feuer meiner letzteren arbeithen, aber 
niemand will mir glauben; mit welcher mühe und anstrengung ich dasselbe 

319 



hervorsuchen muß, indem mich manchen Tag die schwache gedächtnüß 
und Nachlassung der Nerven detmassen zu boden drückt daß ich in die 
traurigste Laage verfalle, und hiedurch viele Tage nachero ausser stand 
bin nur eine einzige Idee zu finden, bis ich endlich durch die vorsieht 
aufgemuntert mich wider an das Ciavier setzen, und dan zu kratzen an- 
fangen kan: genug hirvon. 

gestern erhielte ich durch Herrn Griesinger 2 das 2", 3'° und 4" heft 
unseres unsterblichen Mozarts nebst denen Musicalischen Zeitungen. 3 
Nur bitte, mich zu berichten, wie viel? und wem ich in Wienn dafür zu 
bezahlen habe. Die herausgäbe beyder Werke machen Ihnen vorzüg- 
liche Ehre, 4 

nur wünsche ich und hofe auch, dass die herrn recensenten meine 
Schöpfung nicht gar zu starck beym Schopf nehmen möchten, man 
wird sich zwar an einigen stellen vermög der musicalischen recht- 
schreibung oder vieleicht anderwo [?] kleinigkeiten in etwas ansto- 
ssen, allein jeder ächte kenner wird die ursach dessen eben so — 
wie ich — einsehen, und diesen stein des anstosses von sich wältzen. 
nulla regola s : e: [senza eccezione]. nb: dass zerrissene stück von 
dem Duett aus der Schöpfung 5 werden Sie bey der ausgäbe ganz 

ÄNDERST FINDEN, ALS ES DER 10 XR. KRAMER HERR TrAEG HAT AUFLIGEN 
LASSEN: ABER ALLES DISS UNTERSTRICHENE INTER NOS. 

Übrigens wird es mir sehr angenehm seyn Ihnen in jeder angelegenheit 
dienen zu könen. Unterdessen bin ich in aller hochachtung 

Liebster Freund 

Ihr dienstfertigst ergebenster diener 
Joseph Haydn mppria 

[Dieser Brief wurde mit der Schöpfung -Partitur und einem Brief Griesin- 
gers nach Leipzig expediert. Darum ist keine Adresse erhalten. Auf dem 
Brief befindet sich noch der Archiwermerk Breitkopfs:] V/99/12 Juny / 
3 July / Wien / J. Haydn. 

O (Autograph Haydns) Fassung A: K. E. Henrici, Auktionskat. CXII (1925) Nr. iooi 
-> V. A. Heck -> Stadtbibl. Wien (40.044). Eine genaue Textkopie dieser authentischen 
Fassung A ist uns durch Christa London zugeschickt und dem Text der (eÜb) La/tdon CCL.N 
1/4-1/f und unserer Ausgabe zugrunde gelegt worden. — Fassung B: verschollen. ED: 
Griesinger 122 (unter den Anmerkungen von Griesinger, die aus der Neuavisgabe Gras- 

320 



bergers weggelassen sind). Daraus nachgedruckt: Nobl ijj und Hase 12. Die Unterschiede 
zwischen den zwei Fassungen sind so bedeutend, daß man an das einstige Vorhandensein 
von zweierlei Exemplaren (etwa eines Entwurfs und einer davon abweichenden Rein- 
schrift) denken möchte. Der Text bei Hase ist offenbar Griesinger (bzw. Nohl) entnommen, 
da das Geschäftsarchiv Breitkopf bereits damals (i. J. 1909) nachweisbar keinerlei Quelle 
dieses Brieftextes besaß (aus einer Mitteilung der Firma an H. C. R. Landon). Oder wäre 
die Verschiedenheit der zwei Fassungen einfach auf eine Willkür Griesingers zurück- 
zuführen, der sich in der Mitteilung dieses Brieftextes eine solche Freiheit erlaubt haben 
sollte? — Es ist bemerkenswert, daß Pohl III, 149 aus diesem wichtigen Brief nur einen 
Ausschnitt bringt (mit der Bemerkung: „möge hier nochmals Platz finden", wogegen wir 
im sonstigen Text von Pohl III vergeblich nach einer Erwähnung dieses Briefes suchen) 
und überdies den Brief an Griesinger adressiert sein läßt. Oder sollte etwa diese Fassung 
B zunächst tatsächlich an Griesinger adressiert gewesen sein? 

1. mich schon so oft . . . mit seinen Umschriften beehrte: Breitkopf schrieb Haydn im Sommer 
1798 (der Brief ist nicht vorhanden), um ihn zur Mitarbeit an der damals anlaufenden 
Allg. Musikal. Zeitung aufzufordern. Als Haydn nicht antwortete, schrieb Breitkopf von 
neuem im April 1799 (auch dieser Brief ist verschollen; von seiner einstigen Existenz 
wissen wir aus den bei Hase S mitgeteilten Archivnotizen Breitkopfs). — 2. Der sächsi- 
sche Legationssekretär Georg August Griesinger (f 1828), der durch Breitkopf beauftragte 
Mittelsmann zwischen Haydn und dem Verlag. Sein erster Besuch bei Haydn erfolgte 
am 25. Mai 1799. Aus seinen Besuchen ist dann das wichtige Quellenwerk Biographische 
Notizen über Joseph Haydn, Leipzig 1S10 entstanden. — ■ 3 . Griesinger hat Haydn diesmal Heft 

2, 3, 4 der bei Breitkopf veröffentlichten Oeuvres Complettes von Mozart und einige Nummern 
der Leipziger Allg. Mus. Zeitung überbracht. — 4. Dieser ganze Absatz (von „nur wünsche 
ich" angefangen bis zu „inter nos" einschließlich) ist im Autograph von Haydn unter- 
strichen. — 5 . daß s>errißene Stück von dem Duett aus der Schöpfung: Die AMZ hatte das Duett 
„Der thauende Morgen" (die Allegro-Partie aus Nr. 32 der Schöpfung) als Beilage gedruckt; 
als Stichvorlage ist hierzu die überaus fehlerhafte Ausgabe des Wiener Verlegers Traeg 
(der „10 Kreuzer-Krämer" dieses Briefes) benutzt worden, von der es sich herausstellte, 
daß sie, nach einigen Aufführungen des Werkes, aus dem Gedächtnis aufgezeichnet wurde! 
Es ist verständlich, daß auf diese Weise nur ein Zerrbild des Stückes zustande kommen 
konnte. Haydn verwahrt sich hier mit vollem Recht gegen diese Verballhornung seines 
Duetts. — Zu Traegs Verlegertätigkeit vgl. auch A. Weinmann: Verzeichnis der Musikalien 
des Verlages Johann Traeg in Wien. Wien 1956. 

221. Haydns Ankündigung für Subskriptionsexemplare der 
„Schöpfung" in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung 

[Wien, den 15. Juni 1799] 

Der Beyfall, den mein Oratorium: Die Schöpfung allhier zu erhalten das 
Glück hatte, und der in dem i6 ten Stücke der Musikalischen Zeitung 
geäusserte Wunsch, daß dessen Bekanntmachung nicht, wie es bisher 

21 321 



zu oft geschah, den Ausländern überlassen seyn möge, haben mich be- 
wogen, diese selbst zu veranstalten. 

Das Werk soll also, nett und richtig gestochen, auf guten Papiere abge- 
druckt,nebst dem deutschen, auch mit englischem Texte versehenen drey, 
oder höchstens vier Monaten erscheinen, und zwar in vollständiger 
Partitur, damit eines Theils meine Arbeit in ihrem ganzen Umfange dem 
Publikum vorgelegt, und so der Kenner sie zu übersehen und zu be- 
urtheilen in Stand gesetzt, anderen Theils für den Fall, da man irgendwo 
das Werk aufführen wollte, die Ausziehung der Stimmen erleichtert 
werde. 

Der Preis des Oratoriums, das gegen 300 Seiten enthalten wird, ist auf 
drey Dukaten oder 13 Fl. 30 Kr. Wiener Courant bestimmt, und obschon 
die Zahlung nicht eher, als bey dessen Ablieferung zu geschehen braucht, 
so wünsche ich doch, daß diejenigen, die sich es anzuschaffen gedenken, 
mich vorläufig davon unterrichten, und zugleich ihre Nahmen, um sie 
dem Werke vorzudrucken, schriftlich angeben wollten. 
Die wirkliche Ausgabe des Oratoriums, wovon jedes Exemplar mit 
einer nahmens-Unterschrift bezeichnet seyn soll, wird zu seiner Zeit 
durch eine besondere Nachricht angekündigt werden. 
Wien, den 15" 11 Junius 1799 

Joseph Haydn. 
Doctor der Tonkunst, 

Kapellmeister in Diensten S r Durchlaucht 
des H rn Fürsten Von Esterhazy und der 

Königl. Schwedisch, musikal. Akademie 
Mitgliede 
In Wien, Vorstadt Gumpendorf, untere Steingasse, Nr. 73. 

Daß der Text dieser im Namen Haydns veröffentlichten Erklärung nicht von ihm 
selbst, sondern entweder von Breitkopf oder von Griesinger stammt, dürfte aus dem 
Brief Griesingers an Breitkopf (vom 12. Juni 1799) hervorgehen, wo es u. a. heißt: 
„Er [Haydn] ist mit der Ankündigung, wovon ich ihm das schriftliche Exemplar gab, 
vollkommen zufrieden. . ." (zitiert bei Pohl III i)9)- ED: Intelligenzblatt der Allg. Mus. 
Zeitung XV, 1799. Neudrucke: Hase iof;(eÜb) London CCLN ////.Unsere Textfassung 
stützt sich auf den (anscheinend originalgetreuen) Neudruck von Hase. 



322 



222. HAYDN AN EINEN FRE UND IN ENGLAND (CHRISTOPH PAPENDIEK?) 

[Wien, den 25. Juni 1799] 

Wohl Edl gebohrner 
Verehrungswürdigster Freund! 

Sie werden sich ohnfehlbar über gegenwärtige Zuschrift verwundern, 
nachdem ich schon so lang von Ihnen entfernt bin, allein da ich von 
Ihrer gütigen Freundschaft gegen mich von ersten augenblick unser be- 
kantschaft überzeugt wurde; daß Sie ein wahrer guter — gefälliger Mann 
sind, so nehme ich mir die Freyheit Sie zu bitten, folgendes zu überlesen, 
und daraus zu schliessen, ob meine bitte kan befördert werden 
Ich componirte voriges Jahr ein teutsches Oratorium, die Schöpfung ge- 
nant, welches mit ausserordentlichen u. allgemeinen beyfall aufgenohmen 
wurde, dieser beyfall veranlasste mich, daß ich dieses Oratorium in der 
Partitur mit teutsch — und Englischen Text in 4 oder höchstens 5 Monath 
correct gestochen — auf feinen Papier abgedruckt mit der Prenumeration 
von 1 Pfund 10 Shilling herausgeben werde; daß geld wird aber erst bey 
abgab des wercks erlegt, die Prenumeration wird derowegen früher an- 
gekündet, weil die Nahmen deren Prenumeranten dem wercke beyge- 
druckt werden, die Veranstaltung der herausgab wird dergestalten ge- 
trofen werden daß es denen ausländem um 3 oder 4 wochen früher wird 
zugesandt werden die Übersendung nehme ich auf meine Rechnung: 
Nun ist mein heissester wünsch die allerhöchste gnade zu geniessen, daß 
sich Ihre Majestät die allergnädigste Monarchin und Königin von 
England auf dieses werde (NB ohne einlag) zu prenumeriren sich würdigen 
möchte, damit ich mit Ihrem beygedruckten Nahmen die weit überzeugen 
kan daß ich bey meinen aufenthalt in London die allerhöchste gnade 
genossen, mich mit meinen kleinen Talent bey den allerhöchsten Hof 
hören zu lassen. in hofnung, daß Sie meine bitte erhören, und selbe 
Ihro Majestät der Königin (welcher ich mich zu füssen werfe) bey gelege- 
ner zeit beybringen werden, bin ich mit vorzüglichster Hochachtung 
meines verehrungswürdigsten Freund. [Freundes] 

ganz gehorsamster freund und diener 
Joseph Haydn mppria 

323 



Wienn. den 25" 1 Juny 1799. 

Solte ich so glücklich seyn, eine andworth zu erhalten, so bitte ich an 

mein, [meinen] Nahmen — nach wienn zu addressiren. 

P: S: mein gehorsamstes Compliment an Dero trau gemahlin. 1 

O (Autograph Haydns): B. M. Add. 33965, Fol. 205. — BD: Landon CCLN ij6f. Eine 
Textkopie nach dem Autograph ist uns durch H. C. R. Landon überlassen worden. Der 
Adressat selbst ist auf dem Autograph nicht angegeben. Auf jeden Fall muß es jemand 
gewesen sein, der Einfluß bei der königlichen Familie hatte und Deutsch verstand. Der 
von Landon als Adressat vermutete Flötist Christoph Papendiek war als Musiklehrer der 
königlichen Familie tatsächlich eine einflußreiche Persönlichkeit am englischen Hofe. 
Seine Frau Charlotte stand im Dienste der Königin und ist die Autorin interessanter 
Memoiren, die u. a. auch über die Haydn-Salomon-Konzerte berichten (vgl. LS 446 f). 
Papendiek ist übrigens auch in den Konzerten der Wiener Tonkilnstler-Societät gelegentlich 
aufgetreten (vgl. Pohl II, i)j; als Papendiek geschrieben); er muß also Beziehungen zu Wien 
gehabt haben. Tatsächlich mochte sich unter den Londoner Freunden Haydns kaum 
jemand finden, der dieses Anliegen Haydns mit mehr Nachdruck und Erfolg hätte beim 
englischen Hofe vertreten können als Papendiek. Ob nun dieser oder sonst jemand Haydns 
Protektor gewesen sein mochte, jedenfalls hat die gesamte königliche Familie auf die 
Schöpfung subskribiert. 



223. Haydn an einen unbekannten Freund in ? 

Wien, 5. Jul. 1799. 
Liebster Freund! 

Mit heutig, [heutigem] Postwagen überschückte ich die Mess. Die Copia- 
tur derselben betragt 11 £46 — der Transport 1 f 34 xr: solten Sie künftig- 
hin noch eine dergleichen verlangen, so befehlen Sie Ihrem diener 

Joseph Haydn. 

verschollen, 1945 aus der Staatsbibl. Berlin gestohlen (vgl. London CCLN ))z). Eine 
Textkopie nach dem verschollenen ist uns durch A. van Hoboken zugeschickt worden. 
ED: (eÜb) Landon CCLN ijy. 

Weder die Person des Adressaten noch die im Brief erwähnte Messe Haydns sind ein- 
deutig zu bestimmen. Vermutlich ist der Brief an einen (mit Haydn befreundeten) Regens- 
chori in der Umgebung Wiens gerichtet, am wahrscheinlichsten an Anton Stall, Musikdi- 
rektor der Stadtpfarrkirche Baden bei Wien, einen Freund Mozarts und Haydns, der zwei 
an ihn gerichtete Briefe Haydns getreu aufbewahrt hat (Nr. 245 und 311 dieser Ausgabe). 

324 



Der freundschaftliche Ton jener Briefe stimmt mit diesem gut überein. Ebensogut kann 
es sich aber auch um den Regenschori des Stiftes Klosterneuburg bei Wien handeln, wo 
es Landon gelungen ist, einen authentischen Satz von Stimmkopien der Nelsonmesse von 
der Hand Johann Elßlers nachzuweisen (vgl. Landon CCLN ijyFußn. i). Auch das Stim- 
menmaterial der Paukenmesse wird dort in einer bemerkenswert frühen authentischen 
Kopie aufbewahrt. 



224. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

[Eisenstadt, den 12. Juli 1799] 
Messieurs! 

Ich bin Ihnen sehr verbunden für die eingesandte Exemplair deren quartet- 
ten, welche sowohl mir als auch Ihnen wegen den so lesbaren, deutlichen 
stich und schönen Titulblat viel Ehre machen werden. 
Herr Graf Joseph Erdödy schrieb mir viel schönes und dankbahres, daß 
ich endlich solche der weld Communicirt habe, ich hofe, daß hoch- 
derselbe sein Exemplar schon wird erhalten haben: mit nächsten werd 
ich Ihnen das 5" quartett in D major und dan das lefcte in Es übermachen, 
unterdessen bin ich mit aller hochachtung 

gegen der ganzen Compagnie 
Dero 

dienstfertigster diener 
Joseph Haydn mppria 

Eisenstadt, den 12'° July 1799. 
[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur Artaria et Compag: / a / Vienna. 
[Archiwermerk Artarias:] Haydn / Eisenstadt d. 12 July 1799 / erhalten 
d. 16 ditto / beantwort. d. 16 ditto 

0:Haydns Autograph kam vom Antiquar Leo Liepmannssohn (Kat. vom zo. Jan. 1908, 
Nr. z8a) in die Bibliothek des Pariser Conservatoire. Eine Fotokopie davon ist uns von 
H. C. R. Landon als Vorlage überlassen worden. — ED: N0MJ2 LIV. Arf-Bot. 7} (nach 
einer K. Pohls in Wien; nicht ganz buchstabengetreu, daher nur bedingt brauchbar); 
(eÜb) Landon CCLN IJ7 f. 

Der Brief betrifft Haydns 1796-97 komponierte und im Sommer 1799 durch Artaria 
veröffentlichte wichtige Quartettserie Op. 76, welche dem Grafen Joseph Erdödy 
gewidmet ist. Das Werk erschien in zwei Lieferungen zu je 3 Quartetten, von denen 

325 



Haydn hier das Eintreffen der ersten Lieferung bestätigt und die baldige Ablieferung der 
handschr. Stichvorlage zu den Quartetten Nr. 5 und 6 der Reihe dem Verlag verspricht. 
Warum Haydn hier mit der Ablieferung dieser (offenbar schon längst fertig komponierten) 
Quartette so lang zögert, erklärt sich aus dem weiteren Verlauf der diesbezüglichen Korre- 
spondenz (vgl. hierzu unseren Kommentar zum Brief Nr. 231). Der Verlag hat übrigens 
dieser Ausgabe ganz besonders liebevolle Sorgfalt gewidmet. In der drei Tage nach 
diesem Brief (am 15. Juli) in der Wiener Zeitung veröffentlichten Ankündigung heißt es 
u. a.: „Was wir zur Empfehlung unserer Auflage dieses Werkes zu sagen uns erlauben 
dürfen, ist, daß noch nichts in unserem Verlage erschienen ist, was dieser, außer der 
Verzierung des Titelblattes mit dem Portrait des Verfassers mit allem Fleiß und Kosten- 
aufwande veranstalteten Auflage gleich käme" (Art-Bot. 73). 



225. Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn 

[Kan^leikon^ept; in %wei Spalten] [Eisenstadt, den 18. Juli 1799] 

[links:] Dem H: Kapellmeister Haydn. 

[rechts:] Über anliegende Bittschrift der trompeters %u Eisenstadt benanntlich 
Sebastian Bindter, Michael Altmann, und Johann Pfann, welche ihnen für ihre 
Dienstleistung bey der Chor- und sonstigen Musiquen allhier einen jährlichen 
Gehalt auszusetzen bitten, erwarte ich ihre mir schriftlich vorzulegende gutachtliche 
Aeusserung, was benandten [?] insbesondere an jährlicher fixirter Convention in 
verhältniß ihrer dienstleistungen bestimmet werden könnte 1 ? und was für selben so- 
dann [?] bei allen ferneren vorfallenheiten dienste zu leisten gehalten sejn werden. 
Übrigens ist der eingereichte conto derenselben unter einem mit 5o Fl. ij x' z ur 
Zahlung angewiesen worden. Eisenstadt ut supra. 
[Datum der fürst l. Genehmigung rechts oben:] am i8 un Julij 77^ 
[links:] Exp. Esterhäzy. 

O: Budapest, EA -TS, A. M., Fase. 26, Nr. 1854. —ED: Valkö II, 611 (nicht ganz buchsta- 
bengetreu, aber im wesentlichen brauchbar). (eÜb) London CCLN ijS. 
Die „anliegende Bittschrift" der 3 Trompeter liegt heute im EA-TS, A. M., Fase. 26, 
Nr. 1855; sie ist von Valkö II 611 (Nr. Z39) ebenfalls mitgeteilt: „...Unterzeichnete 
haben sich zwar im vorigen Jahre erdreistet, Eure Durchlaucht in aller Unterthänigkeit 
zu bitten, womit ihnen für ihre Dienstleistung bei der Chor und anderen Musiquen ein 
jährlicher Gehalt gnädigst resolviret werden möchte, die Bittsteller jedoch bisher auf 
ihre unterthänigst eingereichte Instanze keine Resolution erhielten, so unterfangen sie sich, 
Euerer Durchlaucht den beigebogenen Conto per 50 Fl. 15 xr. mit der unterthänigsten 

326 



Bitte vorzulegen: Hochselbe ■wollen die Gnade haben ihn zur Zahlung anzuweisen... 
Sebastian Bindter, Michael Altmann, Johann Pfann in Eisenstadt..." (vom Juli 1799). 
Aus der beigelegten Rechnung der Trompeter geht hervor, daß diese den hier nachträg- 
lich verrechneten Dienst schon ab Sept. 1798 versehen haben; dementsprechend werden 
sie u. a. auch vermutlich die drei Trompetenstimmen in der Erstaufführung der Nelson- 
messe am 23. September 1798 in Eisenstadt geblasen haben (vgl. London CCLN ijSFußn. r). 
Haydns Gutachten folgt im nächsten Dokument Nr. 226. 



226. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy 

[Eisenstadt, zwischen 18. Juli und 14. Sept. 1799] 

Nachdem die 3 Trompeters durch einige Jahre dienstweis mit dem Jähr- 
lichen betrag von 1 1 1 Fl. sind bezahlt worden, so wäre meine ohnmaßgeb- 
liche Meinung um etwas in ersparung zu bringen, jedwedem einen 
Jährlichen Gehalt von 25 Fl. in baaren und jedwedem zwey Metzen Korn 
in gnaden zu Resolviren: hingegen werden sich dieselbe zu allen vor- 
fallenden diensten sowohl in der Kürche, als in der Kamer* zu dienen 
verpflichten. 

Joseph Haydn mppria 
CapellMeister. 

O (Autograph Haydns): Budapest, EA-TS, A. M., Fase. 26, Nr. 1855 (auf der Außen- 
seite der obengenannten Bittschrift). ED: Valkö II 611-612 (Nr. 2)9). (eÜb) London 
CCLN IJ9. 

Haydns Gutachten ist nicht datiert. Es muß aber irgendwann zwischen dem 18. Juli (vgl. 
unsere Nr. 225) und dem 14. September (dem Datum der fürstlichen Entscheidung) 
geschrieben sein, vermutlich bald nach dem 18. Juli, — Haydns geschickt formulierter 
Vorschlag („um etwas in ersparung zu bringen" usw.) ist vom Fürsten am 14. September 
genehmigt worden. Vgl. das an die Wirtschafts-Direktion gerichtete Schreiben des Fürsten 
im Dokument EA-TS, A. M., Fase. 26, Nr. 1855. Ermittelt und erstmals veröf- 
fentlicht durch Valkö II 611 (Nr. 2ßS). 

1. diensten sowohl in der Kilrcbe, als in der Kamer: London CCLN IJ9 Fußn. 2 macht darauf 
aufmerksam, daß mit dem Ausdruck „in der Kamer" nicht nur die Kammermusik in 
engerem Sinne (wo für die Trompeter ja fast gar keine Verwendungsmöglichkeit bestand), 
sondern auch alle sinfonische Musik (im Gegensatz zur Kirchenmusik) gemeint ist. 



327 



227. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Messieurs! [Eisenstadt, den 20. Juli 1799] 

Übersende unterdessen das 5'° quartett,' welches Sie sobald möglich wer- 
den abschreiben lassen, und sobald Sie mir dieses zurückschücken werden, 
soll das lezte eingehändiget werden, übersenden Sie mir zugleich die 
Nahmen deren bisherigen Subscribenten, damit ich sie in mein buch 2 
eintragen köne. bin unterdessen mit aller hochachtung 

Dero 

dienstfertigster diener 
Jos. Haydn mppria 
Eisenstadt, den zo ,n July 1799. 
[Auf der Außenseite Adresse:] 

Monsieur 
Monsieur Artaria et Compag. 

a 
Vienne. 
[Ferner Archivvermerk Artarias:] Haydn / Eisenstadt d. 20 July 799. 
erhalten d. 23 -d-d. / beantwort. 24 -d-d. 

O: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCLN })) festgestellt: Geschäfts- 
archiv Artaria ->■ Gabr. Charavay, Kat. Kafka (1881) Nr. 30 -» Alfred Morrison (Cat. 
of the Collection . . . London 1885, II. S. 245) -> Sotheby (1917) -> Maggs Bros., Kat. 
405 (1921) Nr. 925 -> ? Gegenwärtiger Besitzer unbekannt. Eine Fotokopie (vermittelt 
durch A. v. Hoboken) ist uns von H. C. R. Landon überlassen worden. — ED: Art-Bol. 74 
(aus einer Kopie Pohls in Wien; nicht ganz buchstabengetreu; die Abkürzung für ,,-en" 
am Wortende ist einmal aufgelöst, das anderemal nicht). (eÜb) Landon CCLN ija. 
1. Das 5. Quartett der dem Grafen Erdödy gewidmeten Serie Op. 76 (Hob. 111: //-So). 
Vgl. dazu unseren Brief Nr. 224. — 2. Haydns Büchlein mit der Subskribentenliste der 
Schöpfung ist in der Stadtbibl. Wien erhalten (Nr. 99280). Es ist betitelt „Verzeichnüß der 
Praenumeranten über die Schöpfung". Dies ist eine wichtige Quelle zu Haydns Freundes- 
kreis und soll noch öfters erwähnt werden. 



328 



228. Haydn an den Domkapellmeister Franz Xaver Glöggl 1 , Linz 

[Wien, den 24. Juli 1799] 

Wohlgebohrner 

Insonders Hoch zu Ehrender Herr! 

Die Ehre, So mir Euer Wohlgebohrn durch die Abnahme meiner Schöp- 
fung, und durch Dero werthen beygedruckten Namen, noch mehr aber 
durch die wichtige Anempfehlung meines alten kunstvollen Freundes 
Herrn Abbe v. Stadler 2 erweisen, ist für mich höchst schätzbar, und 
beseelt meinen alten Kopf zum ferneren fleiß; ich werde demnach nicht 
ermanglen, sobald das werck die Preß verlast es Euer Wohlgebohren 
durch die Diligence zu übermachen. Unterdessen bin ich mit aller Hoch- 
achtung nebst gehorsamster Empfehlung an H. Abbe 

Euer Wohlgebohrn 

dienstfertigster diener 
Wienn den 24"° July 1799. Joseph Haydn. 

[Adresse:] an den Wohlgebohrn. Herrn Franz Xaver Glöggl 
Stadt und Dom Capell Meister / in 

Linz 
in Oberösterreich. 

O verschollen. ED:Pohl III, xjo (unsere einzige Textquelle). (eÜb) London CCLN iio. 
1. Der Vater dieses Glöggl, Joseph G. (um 1739-1806) war Stadtturnermeister in Linz 
und später Hoftheatermusiker in Wien. Wie Landen CCLN 160 Fußn. 1 festgestellt hat, 
sind 4 Haydn-Sinfonien durch ihn für das Stift St. Florian bei Linz kopiert worden. Der 
Adressat dieses Briefes, Franz Xaver Glöggl (1764-1839), war Chorregent in Linz und ein 
vielseitiger Pionier des Linzer Musiklebens. Vgl. MGG V. Sp. 2$6ff. — 2. Stadler: Pohl 
III liest hier „Sladler" (offenkundiger Druckfehler). 



229. Haydn an den Grafen Moritz Paul von Brühl (?), Weimar 

Excellencel [Wien, den 10. August 1799] 

Die Ehre, und Gnade, So mir Euer Excellenz durch die Abnahme meiner 
Schöpfung erweisen, ist für mich unschäzbar, und Beseelt meinen alten 
Kopf zum ferneren fleiß : ich werde demnach nicht ermanglen, sobald 

329 



das werck die Preß verlast, es Euer Excellenz, wie auch der Liebens- 
würdigsten Baroness Von Loewenstern durch die Diligence zu über- 
machen: bin unterdessen mit aller Submission 

Euer Excellenz 

gehorsamster diener ' 
Joseph Haydn mppria 
Wienn. den io tn Augusti 1799. 
[Adresse nicht erhalten] 

(Autograph Haydns) im Besitz von Felix Salzer (New York). Eine Fotokopie davon 
ist uns durch H. C. R. Landon als Vorlage überlassen worden. ED: (eÜb) 'London 
CCLN i6of. 

Der Umschlag mit der Adresse ist verschollen, so daß wir die Person des Adressaten nur 
vermuten können. Die Erwähnung der Baronesse von Lbrvenstern läßt weitere Schlüsse zu. 
In Haydns Subskribentenliste zur Schöpfung (Wien, Stadtbibl. Nr. 99280) steht „Baronesse 
Loewenstern von Weimar in Sachsen". Aus dem Text dieses Briefes geht hervor, daß der 
unbekannte Adressat sich in derselben Stadt aufhielt wie die Baronesse. In Haydns Liste 
kommt zwar kein anderer ausdrücklich als von Weimar bezeichneter Subskribent vor, 
dagegen ein „Graf Brühl königl. Preußischer Jagd-Junker" (vermutlich derselbe Graf von 
Brühl, der in unserem Brief Nr. 240 vom 11. 5. 1800 erwähnt wird). Nun wissen wir aus 
anderen Quellen, daß sich ein gewisser Karl Fr. Mori/z Paul Graf von Brühl (1772-1837) 
im Jahr 1799 in Weimar aufhielt, wo er (seit 1798) unter Goethes Leitung bei dem 
herzoglichen Privattheater wirksam war (1815 wurde er dann Generalintendant der 
königl. Schauspiele in Berlin). Dieser Brühl ist nicht mit jenem Grafen Hans Mori/z von 
Brühl (1736-1809) zu verwechseln, der sächsischer Gesandter in London war und dem 
Haydn seine Kanons über die „Zehn Gebote" gewidmet hat (vgl. Nr. 206). — Diese 
(durch "Landon CCLN 161 Fußn. 1 erarbeitete) Identifizierung des Adressaten hat viel 
Wahrscheinlichkeit für sich. 



230. Haydn an den Musikdirektor Cornelius Knoblich im Kloster 
Grissau 

[Wien, den 10. August 1799] 
Hochwürdig-Geistlicher Herrl 

Die Ehre, so mir Ihr würdigster Herr Abt 1 durch die abnähme meiner 
Schöpfung erweiset, ist für mich unschäzbar, werde demnach trachten, 
sobald als es die Presse verlast Euer Hochwürden durch die Diligence 
einzusenden. 

330 



Nachdem ich in meinen alten tagen aus billiger anordnung meines der- 
mahligen Jungen Fürstens seit 4 Jahren, alljährlich eine neue Mess zu 
Componiren habe, so mache ich mir ein wahres vergnügen Ihnen mit 
Einer derselben bedienen zu könen, 2 nur schreiben Sie mir, ob Sie nebst 
Trompeten und Paucken auch 2 Oboen oder Clarinette besitzen, damit 
ich mich darnach richten köne, wenn Ihnen änderst der Copiatur-betrag 
von 12 Fl, nicht zu theuer ist. — 

Die Sieben Wort Christi haben Euer Hochwürden bishero nur halb ge- 
nossen, indem ich schon vor 3 Jahren eine neue 4 stimmige Vocal Music 
durchgehends (ohne das Instrumentale zu verändern) dazu unterlegte, 
den Text dazue verfertigte ein sehr geübter Musicalischer Domherr aus 
Passau, 3 und unser grosse Baron v. Swieten verbesserte denselben; 4 der 
Effect — dieses wercks ist über alle erwartung, solte ich vor meinem 
Ende eine Reise nach dieser gegend machen, so würde ich so freyseynes 
Ihren Herrn . . . 5 Abten hören zu machen. dermahlen aber besitzt es 
ausser meiner Monarchie 6 noch niemand. Vielleicht ■ — ■ — 
Schreiben Sie mir (unter uns) an welchen Monath und tag, der Geburts- 
und Nahmens-Tag des H: Abten eintrift. in hofnung einer andworth 
bin ich mit vorzüglichster Hochachtung 

Euer Hochwürden 

dienstfertigster Diener 
Joseph Haydn mppria. 
Wienn. den io tn Augusti 1799. 
[Adresse:] 

An den Hochwürdig-Geistlichen Herrn Cornelius Knoblich 
Music Director und Mitglied des Cistercienser-Stiftes 
Grissau bey Landeshutt in Schlesien. 

0: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch London CCLN ))) festgestellt: Versteigerung 
Ignaz Schwarz, am 10. Juni 1918, Nr. 167 -»■ O. A. Schultz, Kat. 27, Nr. 276 -»■ heute: 
Musee der Mariemont (Belgien), Kat. 1109 A/3. Eine Fotokopie wurde uns durch H. C. R. 
Landon als Vorlage überlassen. • — • ED: Neue Musikzeitung, Stuttgart 27. Mai 1909, }ji. 
"Pohl III, iri (nicht wortgetreu, mit Auslassungen und Fehllesungen); nach dem Autograph 
(tÜb) Landon CCLN 161 f. 

1. Aus Haydns Büchlein mit der Subskribentenliste der Schöpfung konnte der Name des 
Abtes von Grissau als Johannes Langer ermittelt werden. — 2. Aus demselben Büchlein 
ist zu ersehen, daß Knoblich außer der Schöpfung auch Haydns Messe in C (die Paukenmesse) 

33* 



erhalten hat. — 3. Es handelt sich um den Hof kammerrat und Kapellmeister Joseph Friebert 
(1723-1799) in Passau. Über ihn und seine Tätigkeit vgl. die Münchener Dissertation von 
Heinrich Bauer, Jos. Friebert und seine Stellung in der Musikgeschichte der Stadt Passau, München 
J 9)9' — 4- Di e Arbeit Zur Entstehungsgeschichte von Haydns „Sieben Worte des Erlösers am _ 
Kreuze" von Sandberger (in Peters-Jb. 190)) ist durch die neuere Forschung bereits überholt. 
Vgl. Dines Bartha, Die Entstehung der „Sieben Worte" im Spiegel der Hqydn-Handschriften des 
Esterhdzy -Archiv 'S.Zenetud.TanulmdnyokBd. VIII, Budapest i960, und die ausgezeichnete krit. 
Ausgabe von H. Unverricht in der neuen Haydn-GA. — 5. Bei der Abfassung dieses Briefes 
war der Name des Abtes von Grissau Haydn anscheinend entfallen; darum hat er ihn 
durch Punkte ersetzt. — 6. Im englischen Text ist Landon hier ein kleiner Übersetzungs- 
fehler unterlaufen, indem er „our Monarch" übersetzt. Haydn meinte natürlich die Mon- 
archie und nicht die Person des Kaisers. 



231. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

[Eisenstadt, den 15. August 1799] 
Messieurs ! 

Ich nehme mir die freyheit Ihnen gegenwärtigen Einschluss aus Frankfurt 
einzuschicken und bitte mich zu belehren, wie, oder auf was arth ich 
mich gegen diese zwey Herrn Gayl und Hedler' in Ihrem begehren zu 
verhalten habe, indem ich noch nie dergleichen handlungen unternohmen 
habe; ich weiss wohl, daß jedem Verleger sein Interesse in diesen fach 
gebührt, ob es aber in baaren Geld für jedes Exemplair, oder nach jedem 
verkauften Duzent das 13" in abrechnung komt, darin wünschte ich, 
daß Sie mir Ihre aufrichtige Meinung darüber schrieben, ich gedencke 
aber, weder eines noch das andere, weil die Ankündung ausserland 
Directe an mich ist, worüber ich auch schon überzeugt bin, indem ich 
schon bereits aus Berlin, Danzig, Leipzig, Regenspurg etc. erhalten habe; 
ungeacht dessen aber erwarte ich Ihre Meinung: für Ihre eigene mühe 
aber werd ich mich ganz gewiss dankbahr erzeigen, ich hätte Ihnen 
gerne das dritte quartett 2 eingehändiget, wenn mich nicht ein zweif 1 davon 
zurückhielt, indem ich bishero auf die 3 lezte nach London überschückten 
quartetten noch keine rückandworth erhalten habe, und ich fürchte, daß, 
wan die Herrn alle 6 quartetten mitsam und nicht abgeteilt herausgeben, 
folglich vielleicht noch nicht Publicirt sind, ihre auflag in wienn und 
herausgab könnte früher geschehen seyn, als jene in London, obwohlen 
es hart zu vermuthen ist, indem ich die ersteren 3 quartetten schon am 

332 



27" 1 Mertz abgeschückt habe und die letzte 3 am 15'" Juny. wenn die 
herausgab in wienn sollte früher (wie ich zwar nicht hofe) geschehen seyn 
als in London, und wenn die Herrn erführen," daß Sie dieselben 3 quartet- 
ten immediate b durch mich erhielten, so wäre es mir ein schade von 
75 Pfund Sterling, welches für mich sehr empfindsam wäre,' Sie müssen 
sich derohalben alsogleich unter der hand alle mühe geben, um gewiss 
zu erfahren, ob die ersteren 3 schon heraus sind und ingleichen um 
welche Zeit beyläufig die letzten 3 herauskommen werden, damit ich 
nicht etwan einer doppelten strafe unterliege ich werd Ihnen mit 
nächsten das dritte quartett übersenden, Sie werden aber mit der heraus- 
gab so lange abwarten, bis wir von der z ta herausgab 4 in London über- 
zeugt sind, ich verlasse mich hierinfals auf Ihre Rechtschafenheit, hin- 
gegen werd ich jederzeit mich Vorzugs weiss bestreben zu seyn 

Messieurs 

Ihr dienstfertigster diener 
[Unterschrift vergessen?] 

Ich bitte um eine baldige andworth per postam 
wollen Sie mir zugleich einige Nahmen derer 
prenumeranten zu wissen machen, wird es 

mir sehr Üb seyn. 
Eisenstadt den 15'° August 1799 

[Adresse? — Archivvermerk Artarias:] Haydn / Eisenstadt d. 15. 
August 1799 / erhalten d. 16. do. do. / beantworth. d. 16. do. do. 

O: Das Autograph Haydns war um 1909 noch im Besitze der Firma Artaria; dann 
(bis 1953) bei Heinrich Hinterberger; gegenwärtiger Besitzer ist vermutlich Rudolph Kallir 
(New York). (Das Autograph war uns nicht zugänglich.) — ED: Nohl IJ6-IJ7 (unvoll- 
ständig, mit kleinen Lesefehlern. Teilzitat daraus bei Hoboken S. 434). Art-Bot. 74-7J (aus 
dem Autograph, aber mit neuen Lesefehlern; Teilzitat daraus: Larsen HÜb 124); (eÜb) 
Landon CCLN 162 f. Unser Text fußt auf einem kritischen Vergleich der zwei Lesungen 
von Nohl und Art-Bot. 

a. Nohl 4)4 (und nach ihm Hoboken) lesen hier (offenbar irrtümlich): „versichern"; 
Art-Bot. (und "Larsen HÜb 124) geben die richtige Lesung: erführen. — b. Art-Bot. (und 
nach ihnen Larsen) lesen hier irrtümlich: „immediato"; die richtige Lesung immediate 
findet sich bei Nohl und Hoboken. — 1. Gay/ und Hedler: Musikhändler in Frankfurt, die 
an Haydn wegen Kommissionsexemplaren seiner Werke herantraten. — 2. Das 3. Quartett 
des zweites Heftes, also Nr. 6 der sog. Erdödy-Quartette Op. 76 (Hob. III: 7/- So). — 3. Mit 

333 



der Herausgabe der Quartettserie Op. 76 hat Haydn also wieder ein doppeltes Geschäft 
betrieben. Die Quartette müssen schon 1797 (zumindest teilweise) fertig komponiert 
vorgelegen haben, denn F. S. Silverstolpe schreibt in einem Brief vom 14. Juni 1797 
aus Wien an seine Eltern in Schweden (vgl. Mörner JWBS }i8): „Vor einigen Tagen war 
ich wieder bei Haydn, der jetzt gleich neben mir wohnt. . . Bei dieser Gelegenheit ^spielte 
er mir auf dem Ciavier vor, Violinquartette, die ein Graf Erdödi für 100 Ducaten bei ihm 
bestellt hat und die erst nach einer gewissen Anzahl von Jahren gedruckt werden dürfen. 
Diese sind mehr als meisterhaft und voll neuer Gedanken ..." (teilweise zitiert auch 
bei Hoboken 434). Diese vom Grafen Erdödy ausbedungenen Schutzjahre scheinen 1799 
abgelaufen zu sein, denn 1799 hat Haydn die Serie sowohl Artaria in Wien als Longman 
ßcC/emenli in London zum Verlage überlassen. Jetzt ist er (wie dieser Brief zeigt) darauf 
bedacht, daß Artaria mit seiner Ausgabe ja nicht dem gut bezahlten Londoner Druck 
zuvorkommt; aus diesem Grunde hat er die 2 letzten Quartette der Serie (vgl. hierzu auch 
Briefe Nr. 224 und 227) so lange Artaria vorenthalten, obwohl sie offenbar schon längst kom- 
poniert waren. Aus den (u. a. bei Larsen HÜb 1)4 ff zitierten) Briefen Griesingers an Breit- 
kopf über seine Gespräche mit Haydn geht hervor, daß Haydn um 1795-96 mit den 
Londoner Verlegern Longman ScBroderip einen Vertrag schloß, durch den er dieser Firma 
für fünf Jahre (also bis etwa 1800-1801) ein Vorzugsrecht vor allen anderen Verlegern 
einräumte. Dieser Londoner Verlag ist, wie wir wissen, 1798 zusammengebrochen; 
an seine Stelle traten zwei neue Unternehmen als Rechtsnachfolger: Lottgman & Clementi 
(eben diese haben Haydns Op. 76 i. J. 1799 herausgegeben) und Broderip Sc Wilkinson. 
Vgl. 'Larsen HÜb 1)4 ff. Als Rechtsnachfolger von Longman & Broderip haben Longman 
& Clementi demnach das Recht gehabt, die neuen Quartette eher zu veröffentlichen als 
Artaria (daher Haydns Angst um das zu frühe Erscheinen der Wiener Ausgabe Artarias). 
Tatsächlich erschien das erste Heft (3 Quartette) in London 5 Wochen früher als in Wien; 
beim zweiten Heft scheint jedoch Artaria (trotz Haydns in diesem Brief ausgesprochenen 
Wunsch) die englische Ausgabe nicht abgewartet zu haben; es erschien am 7. 12. 1799 
in Wien, während es in London. . . erst am 25. 4, 1800 angezeigt wurde". (Vgl. Hoboken 
4)j). — 4. ^weiten herausgab: hiermit ist das Erscheinen der zweiten Lieferung in London 
gemeint. 



232. Charles Burney 1 an Haydn, Wien 

Chelsea College, August 19. 1799. 

My dear and much-honouredFriendl 

The reverence with which I have always been impressed for your great talents, and 
respectable and amiable character, renders your remembrance of me extremely 
flattering. And I am the more pleased with the letter with" which you have honoured 
m * °f J u b I J lb as ** f> as pointed out to me the means by which I may manifest 



334 



my %eal inyour Service, asfar as my small influence can extend. I shall, with great 
pleasure, mention your Intention of Publishing your oratorio della Crea^ione de/ 
Mondo; by subscription, to all my jriends; but you alarm me very much by the 
short time you allow for solicitation. In winter it would be sufficient, but now 
(in Aug.) there is not a single patron of music in town. I have been in Hampshire 
my seif for three weeks, and am now at home for two or three days only, in my 
way to Dover, where I shall remain for a month or six weeks, and where I shall 
seefew or none b of the persans whom I mean to stimulate to do themselves the honour 
of subscribing to your work. I wish it were possible to postpone the delivery of the 
book in England tili next winter. The operas, oratorios, and concerts, public and 
private, seldom begin in London tili after Christmas, nor do the nobility and gentry 
return thither from the country tili the meeting of Parliament about that time. 
Now, three months from the date ofyour letter, my dear Sir, will only throw your 
publication to the middle of October, the very time in the wholeyear when London 
is the most uninhabited by the lovers offield Sports, as well as music. 
I had the great pleasure of hearingyour new quartetti (opera y6) well performed* 
before I went out of town, and never received more pleasure from instrumental 
music: they are füll of invention, fire, good taste, and new effects, and seem the 
production, not of a sublime genius who has written so much and so well already, 
but of one of highly-cultivated talents, who had expended none of his fire before. 
The Divine Hymne, written for your imperial master, in imitation of our loyal 
song, „God save great George our King", and setso admirably to music by your seif, 
I have translated and adapted to your melody, which is simple, grave, applicating, 
and pleasing. La cadenza particola rm ente mi pare 
nuova e squisitissima. I have given our friend, M' Barthelemon* 
a copy of my English translation to tr ans mit toyou, with my affectionate and best 
respects. It was from seeing in your letter to him, i how well you wrote English, 
that I ventured to address you in my own language, for which my translation ofyour 
bymn will perhaps serve as an exercise; in comparing my Version with the original, 
you will perceive that it is rather a paraphrase than a dose translation; but the 
liberties I have taken were in consequence of the supposed treachery of some cf his 
Imperial Majesty's gener als and subjects, during the unfortunate campaign of 
Italy, of 1797, which the English all thought was the consequence, not ofBuona- 
parte's heroism, but of Austrian and Italian treachery. 

Let me intreatyou, my dear Sir, tofavour me with your opinion of my proposition 
for postponing the publication of your oratorio at least in England, tili March, 

335 



or April, 1800. But whatever you determine, be assured of my t(eal and ardent 
wishes for your success, being, with the highes t respect and regard, 

Dear Sir 
your enthusiastic admirer and 
affecticnate Servant 
[Adresse:] Charles Burne; 7 . 

AI Cekberrimo 

Signore Giuseppe Haydn, in Vienna. 

O (Autograph Burneys): verschollen. Unsere einzige Quelle ist der mehrfach veröffentlichte 
Text. ED: in der Zeitschrift Harmonicon V. (1827) 6}. Danach: Pohl HiL )}&-}6o; Pohl 
III, }i-}2 Fußti. 1; London CCLN 164 f. 

a. Bei Landon ist dieses Wort with vergessen; es ist aber sinngemäß notwendig und in 
Pohls beiden Mitteilungen vorhanden. — b. Die Worte or none sind bei Landon (offenbar 
aus Versehen) übersprungen. 

1. Mit dem hervorragenden englischen Musikhistoriker Charles Burney (1726-1814) hat 
Haydn während seines Aufenthaltes in London und Oxford Freundschaft geschlossen. 
Vgl. unseren Briefzettel Nr. 207 und den folgenden Brief (Nr. 233) Haydns. — 2. Haydns 
Brief an Burney (vom 15. Juli 1799) ist nicht vorhanden. — 3. Das erste Heft der Erdödy- 
Quartette (Op. 76) ist im Juni 1799 in London bei Longman & Clementi erschienen. Vgl. 
unsere Notizen zum Brief Nr. 231 und Hoboken 4)2 ff. — 4. Der französische Geiger 
Franfois Hippolyle Barthiltmon (1741-1808; seit 1765 in England wirkend) war mit Haydn 
in gegenseitiger Freundschaft und Hochachtung verbunden. Er ist auch in Haydns Lon- 
doner Notizbüchern erwähnt. — 5. Dieser Brief Haydns an Barth616mon ist verschollen. 



233. Haydn an Charles Burney, Chelsea 

[Wien, den 14. September 1799] 

Stimatissimo e Carissimo Sig' Dottore! 

Mi rincresce infinamente, che V: S: non ha ricevuta la mia risposta data 
subito dal 21 di Settembre, 1 nella quäle mi ero dichiarato, che non potevo 
aspettare colla sottoscrizione tanto tempo, quanto V: S: pensava di farlo, 
dopo che ho promesso publicamente di dar fuori la mia creazione verso 
il fine di Settembre, o al piü tardi alla metä di genaro 1800. Fra tanto mi 
consolo infinamente che posso ancora far stampare tutti i Nomi, i quali 
V: S: ha segnati nella cara sua lettera, e metterö ancora il Nome del Sig r 
Sir William Parson,* ed anche il Nome del figlio del Duca di Leeds' 

336 



(mi rincresce infinamente la morte del suo amabile Padre) e quanto prima 
che sarä stampato e finito l'opus, io non mancherö di mandare subito tutti 
gPEsemplari ed anche una piccola provisione insieme. 
mi stimo molto felice, di potere mostrare al mondo, come fu, e sono ancora 
stimato in Inghilterra, io perö non merito una lista si bella degli sotto- 
scribenti, ma spero che questo lavoro darä soddisfazzione a ciascheduno, 
particolarmente, quando sarä prodotto. Stimatissimo Sig r Dottorel io 
non so spiegarmi abbastanza, quanti ringraziamenti io Devo fare a Lei per 
la sua fatigha, che Lei s'ha data per me. Iddio Li benedicca! mi ricorderö 
eternamente de suo buon core, mi dispiace solamente, che non posso 
mostrare in Natura la mia gratitudine: io non trovo parole, basta, chi 
conosce Suo gran Talento, conosce anche Suo bel Carrattere: felice 
quello, chi puö vantarsi della sua cara amicizia, per me non resta altro, 
che dire, che sono, e sarö sempre con ogni riguardo e distinta stimazione 
al mio 



Vienna ai 14. di Settembre 1799. 



Carissimo Sig f Dottore 

umilissi mo devotiss mo servitore 

Giuseppe Haydn mppria 



O (Autograph Haydns): Stanford Memorial Library. Eine (durch IMBA besorgte) Foto- 
kopie hat uns H. C. R. Landon zur Verfügung gestellt. ED: (eÜb) im Katalog der Stanford 
Mem. Library. (eÜb) Landon CCL.N i6j. 

1. Ein unvereinbarer Widerspruch besteht zwischen dem Datum des (verlorenen) früheren 
Haydn-Briefes vom 21. September an Burney und dem Datum dieses Briefes (14. September 
1799). Beide sind im Autograph deutlich und unmißverständlich angegeben. Eines von 
beiden muß falsch sein. Landon möchte das frühere Briefdatum auf den 2. September 
(statt 21.) vorverlegen. Ebenso könnte aber auch die Datierung dieses späteren Briefes 
falsch sein und es sich um den 14. Oktober handeln. Die Frage kann vorläufig nicht 
entschieden werden. Inzwischen müssen zwei Briefe Burneys bei Haydn eingetroffen 
sein (beide sind verschollen): einer mit der englischen Subskribentenliste zur Schöpfung 
und ein anderer mit dem Nachtrag dazu (die zusätzlichen Namen s. weiter unten). — 2. Der 
Dirigent Sir William Parsons (1746-1817), der auch in den Londoner Notizbüchern Haydns 
mehrfach erwähnt wird; am 21. Jan. 1795 hat Haydn bei ihm gespeist. — 3. Der Due de 
Leedi war einer der Ehrengäste beim Fest (zu Ehren des neuen Lord Mayors in London), 
dem auch Haydn beiwohnte (vgl. Haydns köstlichen Bericht darüber im 1. Londoner 
Notizbuch). 



337 



234- Haydn an den Organisten M. B. Veltmann, Osnabrück 

Wienn den zi ta 7 1 " [Sept.] 1799. 

Wohlgebohren 

Sonders Hoch zu Ehrender Herr! i 

Die Ehre, so Sie mir durch die Abnahme meiner Schöpfung, und zugleich 
über die Zufriedenheit meines wenigen Talents erweisen, sage ich ver- 
bundesten Dank, ich werde auch das werk, sobald es die Presse verläßt 
durch die Herrn Music Händler in Franckfurt Gayl und Hedler" über- 
machen, nur bitte ich Ihnen davon Nachricht zu geben: Sollten Sie 
in Osnabrick Keinen Banckier ausfindig machen, so mit deren Unsrigen 
in Correspondenz stehet, so bitte ich das Geld durch die Obige Herrn 
mir zuzusenden. 2 ich wünschte so glücklich zu seyn, nicht allein diese 
4 grosse Orgeln zu sehen, sondern auch Sie als einen der grösten Spieler, 
wie ich durch andere vernohmen habe, zu bewundern. — 
Die beste Romanische Darmsaiten sind hier bey den H tn Artaria zu be- 
kommen. 

Unterdessen bin ich mit aller Hochachtung 

Dero 

dienstfertigster diener 
Joseph Haydn. 
[Adresse:] S 1 Wohlgebohrn 

Dem Herrn M. B. Veitmann Organist zu St. Marien und 

Musichändler / in 

Osnabrick 
in Westphalen. 

verschollen. Ehemals (um 1873) war es im Besitz von Theodor Breusnig in Osnabrück. 
ED: Nohllz LV (unsere einzige, verläßlich scheinende Quelle). (eÜb) LandonCCLN 166. 

1. Gayl und Hedler: Die im Brief Nr. 231 bereits genannten Musikhändler in Frankfurt. — 

2. In einer Verrechnung Artarias an Haydn über versandte Exemplare der Schöpfung 
(Art-Bot. Sß) finden wiru. a. den Satz „1 Es [Esemplare] spedito a Weltmann [sie] d'Osna- 
bruck 13, 30". Das bestellte Exemplar ist also durch Artaria nach Osnabrück expediert 
worden. 



338 



235- Aus einem Brief Haydns an den Lexikographen 
Ernst Ludwig Gerber 1 

[Wien, 23. Sept. 1799] 
[In Angelegenheit des Oratoriums Die Jahreszeiten] 2 

. . . Da dieser Gegenstand nicht so erhaben wie jener der Schöpfung seyn 
kann; so wird sich auch bey einer Vergleichung zwischen beyden ein 
merklicher Unterschied finden. Ungeachtet dessen werde ich mit Hülfe 
der Vorsicht alle Kräfte anstemmen, und nach Vollendung dessen mich 
wegen Schwäche meiner Nerven zu Ruhe begeben, um meine letzte 
Arbeit, bestehend in Singquartetten 3 bloß mit Begleitung des Klaviers, 
mit deutschen Texten von unseren grössten Dichtern, vollenden zu 
können, davon ich zwar schon dreyzehn Stück verfertigt, aber noch keins 
producirt habe . . . 

(einst im Besitz von E. L. Gerber) verschollen. ED: (unsere einzige Quelle) ist die 
zweite Auflage (1812-14) von Gerber NHBLT II jj), 

1. Die lexikalischen Arbeiten von Ernst Ludwig Gerber (1746-1819) gehören (trotz vieler 
Irrtümer im einzelnen) zu den wichtigsten Quellenwerken der Musikgeschichte um 1800. 
Gerber hat sich die Mühe genommen, mit den wichtigeren Zeitgenossen in direkten 
Briefverkehr zu treten; so ist es ihm gelungen, hochwertvolles biographisches und biblio- 
graphisches Material zusammenzutragen. — 2. Wie weit Haydn damals mit der Arbeit 
an den Jahreszeiten war, wissen wir nicht genau. Nach einer Zuschrift des Wiener Korre- 
spondenten der Allg. Mus. Zeitung vom 24. März z 799 sollte damals die erste Abteilung, 
„Der Frühling" schon fertig vorgelegen haben. Im September 1799 dürfte Haydn also am 
„Sommer" gearbeitet haben. — 3. Singquartetten: Es handelt sich um die „13 Deutschen 
Gesänge für 3 und 4 Stimmen mit Begl. des Klaviers", auf welche Haydn ganz besonders 
stolz war. Sie sind bei Breitkopf in Leipzig gedruckt worden. Diese Briefstelle Haydns 
ist ein wichtiger Anhaltspunkt zur genaueren Datierung der Komposition. 



236. Briefentwurf des Verlegers Nicolaus Simrock 1 an Haydn 
in Wien 

Herrn Kapellmeister Haydn Bonn d. ßo' Septembre 1799. 

in Wien. 

Erst Heute erfahre ich daß Sie [durchgestr. : ihr] die Partitur [durchgestr. : 
ihrer Opern vortrej "liehen Musik] ihrer Schöpfung heraus geben. Ich prenumerire 
darauf auf 2. Exempl., welche ich mir unter folgender addresse erbitte, an Herrn 

339 



Halm Postmeister in Sieburg — für H. Simrock über Frankfort am Mayn. die 
Zahlung dafür [durchgestr. : soll] werde ich Ihnen %ur Zeit, durch H. Musik- 
handler Trag 1 besorgen laßen. Ich hätte gewünscht, den Stich da%u %u verfertigen 
[durchgestr. : um] und würde mir dann alle Mühe gegeben haben, [durchgestr. : 
dies Werk um alles mögliche %u leisten] dem original würdig ... ' 

O: Geschäftskopie in einem Briefkopierbuch des Verlages Simrock (jetzt im IMBA). 
Eine Textkopie ist uns von H. C. R. Landon überlassen worden. ED: (eÜb) London CCLN 
167. 

1. Auf seiner ersten Rückreise aus London, im Jahr 1792 besuchte Haydn den berühmten 
Verleger Simrock in Bonn. Dieser muß zu dem (aus Bonn gebürtigen) Salomon in Bezie- 
hung gestanden haben, denn drei Haydn-Sinfonien aus der zweiten Londoner Serie (die 
Nr. 99, 102 und 104) sind bei ihm in Bonn als Erstausgabe erschienen, vermutlich mit der 
Genehmigung Salomons. Auch ein ausnehmend frühes Klaviertrio-Arrangement der 
ganzen zweiten Londoner Sinfonieserie (Nr. 99-104) ist im November 1797 ebenfalls bei 
Simrock erschienen, das er im September 1797 mit der Bemerkung ankündigte: „Der 
einzige Eigenthümer dieser Sinfonien, Hr. Salomon in London hat mir den Stich, Druck 
und Ausgabe derselben völlig übertragen." Vgl. Hoboken 204 und (mit zusätzlichen 
neuen Daten) Unterricht SD 23 f — 2. Der Wiener Musikhändler Traeg. Vgl. Anm. 1. Brief 
Nr. 116. 



237. Billett Haydns an Ignaz Seyfried 1 Wien 

[Wien, Ende Oktober 1799] 

Dieses Billett ist verschollen. Den Inhalt kennen wir nur aus einer Mitteilung von Ignaz Sey- 
fried (in der Wiener AMZ 1841 Nr. 112). Vgl. hierüber Pohl III, i;ß. In den letzten 
Oktobertagen wohnte Haydn einer Aufführung der Seyfriedschen Oper Der Wunder- 
mann am Rheinfälle. . . bei. Wie Seyfried erzählt, schrieb Haydn gleich am folgenden 
Tage. . . ein Briefchen, worin er „für das Vergnügen dankte, das ihm meine Arbeit 
gewährt habe und zu dem Gelingen in seiner liebenswürdigen Gutmütigkeit herzlich 
Glück wünschte". Mehr ist aus dem Inhalt dieses Briefchens nicht bekannt gewor- 
den.] 

1. Ignaz X. Seyfried (1776-1841) war 1797-1828 Kapellmeister an Schikaneders Theater 
in Wien und betätigte sich „als fruchtbarer, aber der Originalität entbehrender Kompo- 
nist" sowie als Musikschriftsteller. 



340 



238. Haydnan den Verleger Christoph Gottlob Breitkopf, Leipzig 

[Wien, den 1. November 1799] 

Wohl gebohrner 

Sonders hochzuverEhrender Herr! 

Die partitur der Schöpfung wird erst zu Ende Decembris erscheinen, 
es wäre demnach für Jene noch zeit genug, so Ihren Nahmen dem wercke 
vorzudrucken gedencken, indem vielleicht noch kein werck erschienen 
ist, welches in der folge verschiedener Subscribenten so reich war wie 
jenes. 

Da Sie mir die Ehre erweisen, und mein unternehmen durch Ihre Sorgfalt 
unterstützen wollen, so werd ich so frey seyn, Ihnen die anverlangte zahl 
derer Exempl. [Exemplairen] einzusenden: der Subscriptions Preiß 
wird nach der herausgab um keinen Heller erhöht. 

Sie sollen Ein Exemplair zum gebrauch Ihres wittwen Concerts, sobald 
dasselbe abgedruckt, per postam erhalten, ich wolte wünschen, daß ich 
es selbst dirigiren könte. 

Da die Schöpfung hierin wienn gestochen und abgedruckt wird, so war 
ich gezwungen die Haupt Commission denen H' n Artaria zu übergeben. 
Was aber den Ciavier auszug betrift, so kan ich denselben wegen zu vielen 
zeit verlust nicht selbst über mich nehmen, dieser steht jedwed. [jedwe- 
dem] frey. 

Übrigens dancke ich Ihnen herzlich für alle Ihre gute gesinnungen, und bin 
wie jederzeit mit aller Hochachtung 

Euer wohlgebohrn 

diensfertigster diener 
Joseph Haydn mppria 
Wienn, den i tn Nov: 1799. 
[Adresse nicht erhalten] 

O verschollen; es befand sich einst im Geschäftsarchiv der Firma Breitkopf u. Härtel; der 
gegenwärtige Aufbewahrungsort war nicht zu ermitteln. Fakt, bei Hase(S. 12 gegenüber), 
das auch als Quelle für (eÜb) Ländern CCL.N 167 und für unsere Ausgabe diente. ED: 
Hase 11-12 (flicht buchstabengetreu, mit Fehlern). 



341 



2 39> Eingabe Haydns an den Magistrat von Baden (bei Wien) 

[Kopistenschrift; nur die Unterschrift autograph] [24. März 1800.] 

Löbl: Magistrat 

i 
Nachdeme meine Ehegattin Maria Anna Haydn Seel: in Ihrem hinter - 

lassenem Testament etd° [?] 9'*™ September 1799. et publ: etd° 22 tem 

Märtz 1800, mich als Universal Erben benennet und eingesezet hat. 

Als will mich zu derselben Verlassenschaft cum Beneficio Legis et In- 

ventarij Erbes erklähret haben, und bitte dieser meiner Erbserklärung 

Prothocollando zu gedencken. 

Joseph Haydn mppria 

[Auf der Rückseite Archivvermerk:] 

In originali aufzubehalten und aufanlangenabschrifftenzuertheillen. 

Baaden den 25 Merz 1800. 
In Baaden Mag. alda 

Jos. Grundtgeiger / Synd. 
[Auf der anderen Faltung:] Baaden [?] 24'° Merz 1800. 

Stadt Magistrat Baaden. 

Joseph Hayden / Bittet diese Erbes erklährung zu acceptiren. 

O: Archiv für Niederösterreich, Wien. ED: R. F. Müller, Die Musik XXIII 2 (1929). 
(eÜb) Landoit CCLN 168. Eine Textkopie des Originals ist uns von H. C. R. Landon 
als Vorlage übermittelt worden. 

Haydns Gattin (geb. Maria Anna Keller) ist am 20. März 1800 in Baden bei Wien ge- 
storben. 

240. Haydn an einen Freund (Johann Julius Hummel ?) r , Berlin 
[Kopie Mandyczewskis] [Wien, den 11. Mai 1800] 

VerEhrungs würdigster Freund! 

danke Ihnen herzlich für die mir überschückte 9 Species Ducaten (eine 
Rarität für uns Wienner Geld Müntzen zu sehen) — von H. Graf v. 
Brühl 1 werde ich vielleicht solches nicht erwarten; unterdessen bitte ich 
hochdemselben zu danken [?] a damit ich meine großen Unkosten nach 
und nach hereinbringe; 
die 3 anverlangten Exempl. des Ciavier Auszuges gehen künftigen Mitt- 

342 



woch von hier ab: mit den 4 Jahreszeiten hat es seine Richtigkeit; ich 
bearbeite eben den Sommer, und hoffe, ungeachtet ich vor kurzem sehr 
schwer kranck war, bis Ende künftigen Winters damit fertig zu seyn; 
solte ich aber mit diesem so schweren Werck keinen beyfall erhalten, so 
wird jeder Music Kenner die ursach von selbst einsehen: der Laden 
Preiß der Partitur der Schöpfung ist ebenso wie die Praenumeration. So 
oft Sie von unsrem Naumann 3 sprechen, b beneide ich Sie um seine 
Freundschaft; vielleicht hoffe [solle ?] ich Ihm doch noch vor meinem 
Ende zu sehen, indeßen bin ich mit vorzüglichster Hochachtung 

Liebster Freund 

Ihr aufrichtigster diener 
Jos. Haydn mppria 
Wienn den n tn May 1800. 
[Unten Vermerk von anderer Hand:] Praesent. Berlin d. 23"" Mai 

(Autograph) gegenwärtig nicht greifbar; die Besitzerfolge ist durch Landon CCLN 334 
folgend festgestellt: Autogr. Sammlung Verst. C. G. Börner, 3.-6. Mai 1911 Nr. 982 -> 
Sotheby, Kat. 27 vom Juni 1952, Nr. 127 (hier als an Griesinger adressiert verzeichnet) 
-*■ Lambert ->■ ? der gegenwärtige Besitzer ist unbekannt. K. Mandyczewskis: Archiv der 
GdMt in Wien (unsere einzige Quelle). Eine Fotokopie davon ist uns durch H. C. R. 
Landon übermittelt worden. ED: (eÜb) Landon CCLN 16$. 

a. Die Kopie von Mandyczewski setzt über das Wort „danken" zwei Fragezeichen; die 
Lesung ist also nicht gesichert; „danken" will keinen rechten Sinn ergeben. — b. Auch 
über die Worte „Naumann sprechen" hat Mandyczewski Fragezeichen gesetzt. — 1. Die 
Person des Adressaten kann nur vermutungsweise bestimmt werden. Aus dem geschäftli- 
chen Inhalt des Briefes denkt man unbedingt an einen Verleger. Da die Empfangs- 
bestätigung Berlin als Bestimmungsort angibt, kann man am ehesten an den Berliner Musik- 
verleger ]. J. Hummel denken, mit dem Haydn in Beziehung stand. Hier handelt es sich 
um die Verrechnung von Exemplaren der Schöpfung. — 2. Graf von Brühl: Vielleicht der 
im Brief Nr. 229, Anm. bereits genannte „Graf Brühl königl. preußischer Jagd-Junker", 
der in Haydns Subskribentenliste auf die Schöpfung erscheint. — 3. Naumann: vermutlich 
handelt es sich um den Dresdener Hof kapellmeister Johann Gollieb Naumann (1741-1 801), den 
Haydn als Mensch und Musiker besonders schätzte. Auf seiner zweiten Rückreise aus 
England im Jahr 1795 soll Haydn die Reiseroute eigens über Dresden gewählt haben, 
um Naumann zu besuchen, ohne ihn jedoch anzutreffen. Nach Naumanns Tod hat Haydn 
einen Brief seiner Witwe mit einem warm gehaltenen Beileidsbrief beantwortet (Nr. 316, 
vom 22, Sept. 1802). 



343 



241. Eheversprechen Haydns an Luigia Polzelli 

[Wien, den 23. Mai 1800] 

Io qui in fine sottoscritto 1 prometto alla Signora Loisa Polzelli (in caso 
ch'io pensasse di rimaritarmi) io nissuna altra prenderei per mia rhoglie, 
che suddetta Loisa Polzelli: e se io resto vedovo, prometto alla suddetta 
Polzelli di lasciar dopo la mia morte ogni anno una pensione di tre cento 
fiorini, cioe 300 fl. in monetta di Vienna durante sua vita. in valore da 
ciaschedun Giudice io mi sottoscrivo 

Joseph Haydn mppria 

Maestro di Capeila di S: Alt: il Principe 

Esterhazy 

Vienna. ai 23. di Maggio. 1800. 

[Siegel Haydns] 

(Autograph Haydns): Szechenyi Nationalbibliothek Budapest (seit 1964, als Geschenk 
von A.. v. Hoboken). Eine andere Ausfertigung (zeitgenössische Kopie ?) befindet sich 
im Archiv des Landesgerichts Wien. ED: Pohl II, $2; dann nochmals Pohl III, ijy f.; 
Geiringerj 2, 1)4; (eÜb) Landon CCLN 169 usw. 

1. In allen Editionen und Kopien (Pohl III und K. von Landon) sind die Worte sottoscritto, 
suddetta, sua, sottosirivo mit großen S-Initialen kopiert. Aus den vielen Analogien der 
sonstigen Autographe in italienischer oder französischer Sprache ist eindeutig klar, daß 
Haydn hier keine Initialbuchstaben schreiben wollte, sondern das lange „s" der goti- 
schen Schrift gedankenlos gebrauchte. 

Dieses berüchtigte Eheversprechen ist knapp zwei Monate nach dem Tode der Gattin 
(am 20. März 1800) durch die Polzelli Haydn abgezwungen worden. Als Haydn dennoch 
keine Neigung zeigte, die Polzelli zu ehelichen, heiratete sie (wann, wird in der Literatur 
nicht angegeben) den Sänger Luigi Franchi, mit dem sie nach Bologna zog und sich bis 
181 5 dort aufhielt. Über ihr weiteres Lebensschicksal vgl. Pohl 11, ?ß. Schon bald danach 
scheint Haydn die in diesem Dokument der Polzelli gegenüber gemachte Versprechung 
als übertrieben empfunden zu haben, denn in seinem am 6. Dezember 1801 (also anderthalb 
Jahre nach diesem Schreiben) aufgesetzten ersten Testaments-Entwurf machte er dazu 
folgende Einschränkung: „NB die von mir unterschriebene Verheißung in welscher 
Sprach, so Madam Polzelli aufweisen wird, erkläre ich für null und nichtig, weil so viele 
meiner armen Anverwandten bei größerer Abgabe zu wenig erhielten. Endlich, sie Polzelli 
soll also mit obiger jährlichs Vermächtniß von 150 fl. zufrieden seyn" (hier wird der 
Polzelli also nur noch die Hälfte der ursprünglichen Rente zugesagt). Mitgeteilt Nob. 
164; GeiringerJ2, 134 usw. 



344 



242- Der Musikhändler Joseph Michael Böheim 1 an Haydn, Wien 

[Nur im Auszug bekannt] Berlin, d. l6. Jutji 1800. 

Der Schreiber führt ungeachtet seines Berufes als Schauspieler seit 12 Jahren auch 
eine Musikhandlung; in seinem Commissions-Eager fehlt nur „der Herrn [?] Wiener 
Verlags- Artikel" ; Haydn soll ihmjemandin vorschlagen. Er verlangt auch gleich 12 
Exemplare der Schöpfung in C lavier [-aus^ug], alle letzteren Quartette Haydns etc. 
Böheim erwähnt auh die erste Aufführung der Schöpfung in Berlin am 7. Mai 1800, 
auf königl. Befehl für Benefic des Musikdirektors Weber 2 - im Schauspielhaus; dann 
noch zweimal auf Begehren, jedesmal hei vollem Hause, mit ungemeinem Beifall. Er 
wünscht auch mit guter Harmoniemusik und kleinen Sinfonien versogt %u werden, da 
nach solchen Stücken (die sie wohl besetzen können) viel Nachfrage besteht in den 
Eiebhaber-concerten. . . 

O gegenwärtig nicht nachweisbar. Der Originalbrief ist von Haydn seinerzeit zur Er- 
ledigung Artaria übergeben worden. Mit vielen sonstigen Artaria-Dokumenten war er 
(bis 195 3) im Besitz von Heinrich Hinterberger; heute vermutlich bei Rudolph Kallir, New 
York (?). Der (durch H. Hinterberger hergestellte) Inhaltsauszug ist uns durch H. C. R. 
Landon übermittelt worden. ED: (eÜb) Landein CCLN 170. 

\. Böheim: der Briefschreiber war Schauspieler des Königl. Theaters in Berlin und nebenbei 
im Musikhandel tätig. — 2. Der königl. Kapellmeister und Komponist Bernhard Anselm 
Weber (1766-1821). 

243. Haydn an Georg August Griesinger, Wien 

1. Juli 1800. 

Sowohl im Katalog der einstigen Sammlung W. Heyer (Köln), als auch im Katalog der 
Sammlung S. Wolf (Eisenstadt) ist ein Brief Haydns an Griesinger mit dem Datum vom 1. Juli 
1S00 verzeichnet und auch bei Landon CCLN 170 registriert. Einen solchen Brief hat es 
aber nicht gegeben. Es handelt sich dabei um einen Lesefehler (im Datum) bei Heyer und 
bei Wolf. Das richtige Datum dieses Briefes ist: /. Juli 1S01. Wir bringen den Text weiter 
unten als Nr. 269. 

244. Haydn an den Verleger Gottfried Christoph Härtel, Leipzig 

[Wien, den 1. Juli 1800.] 
[Dieser Brief ist nur auszugsweise, in Bruchstücken erhalten] 

[Hase S. 20:] ... Verzeihen Sie einem alten geschäftvollen Mann, der 
statt dem bedaurungswürdigen Herrn Breitkopf 1 Ihnen als Nachfolger 

345 



seine schriftliche Danksagung für den pretiosen Ring 2 so spät einsendet: 
Liebster Freund! Nie werd ich undankbar seyn, aber nur dermahlen 
bedaure ich daß ich nicht im Stande bin, Sie mit einer neuen Clavier 
Sonaten zu bedienen ... 

[Hase S. 42:] Die gegenwärtige schwere Arbeith deren Jahreszeiten bey 
meinen schwächlichen Leibeskräften erlauben mir nicht zweyerley Gegen- 
stände Zu bearbeiten, um Ihnen aber eine kleine Dankbarkeit zu zeigen, 
so werde ich, wenn es Ihnen anders angenehm seyn solte, die Sieben Worte 
mit Singstimmen in ganzer Partitur sobald möglich übermachen. Sie 
könnten demnach dieselbe mit Vokalstimmen entweder in Ciavierauszug, 
welcher ohnehin schon ohne die Singstimmen gestochen ist, oder ganz 
in Partitur nach Ihrem Gutachten bis Michaeli Mess herausgeben, ich 
zweifle keineswegs an einem guten Abgang, weil es unstreitig eines 
meiner besten Werke ist und ohne viel Beschwerden kann producirt 
werden! 3 

[Hase S. 21] ... indeß übermache ich Ihnen zwey kleine Duett, 4 wovon 
eines von Kennern algemein geschätzt wird. Sobald die Jahreszeiten 
geendiget seyn werden, sollen Sie zu erst mit einer Clavier Sonaten bedient 
werden . . . ' 

[Hase S. 24:] Ich bin (unter uns) in der That zu bedauern, daß ich mich 
mit meiner kostspieligen Schöpfung dem schläfrigen H. Artaria anver- 
traut habe, um so mehr, da ich denenselben nebst verschiedenen andern 
Kleinigkeiten den Ciavierauszug ohnentgeldlich überlassen habe. mir 
wird es demnach angenehm seyn, mich in Hinkunft mit Euer Wohl- 
geboren einverstehen zu können, unterdessen wünschte ich mit der Zeit 
nach reifer Überlegung in betref des ganzen Werkes deren Jahreszeiten 
Ihre Meinung zu boren. . . 

0: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landott CCLN })4 festgestellt: Geschäfts- 
archiv Breitkopf u. Härtel -> Leo Liepmannssohn Verst. Kat. 52 (16. -17. Nov. 1928) 
Nr. 248; ders.: Kat. 56 (15. -16. Nov. 1929) Nr. 248 -> ? der gegenwärtige Besitzer ist 
unbekannt. — ED: Hase 2of, 24, 42 (nicht vollständig, auszugsweise, aber unsere einzige 
Quelle). (eÜb) London CCLN 170/. 

i.CbristophGottiobBreitkopf,Haydns bisheriger Geschäftspartner in Leipzig, war am 7. April 
t8oo gestorben und die Firma von Gottfried Christoph H. übernommen worden. — 2. Breit- 
kopfs haben Haydn als Belohnung für seine Mitarbeit an den Oeuvres Complettes einen 
Brillantring zukommen lassen. Haydn war über dieses Geschenk, wie wir von Griesinger 
wissen, hocherfreut. Aus Härteis Korrespondenz mit Griesinger erfahren wir, daß die 

346 



Firma eine lange Liste seiner früheren Arbeiten Haydn zugeschickt hat, mit der Bitte, die 
echten von den unechten zu scheiden und eine annähernde Datierung vorzunehmen. Auch 
diese Bitte ist durch Haydn erfüllt worden. — 3. Breitkopfs waren anfänglich über diese 
Idee nicht sehr erbaut (es handelte sich um die Oratorienfassung der Sieben Worte). Bald 
darauf sind sie aber auf Haydns Vorschlag eingegangen. Vgl. unseren Brief Nr. 246, 
vom 18. Juli 1800. — 4. Zwei kleine italienische Duette aus dem Jahr 1796: „Guarda qui" 
und „Saper vorrei", auf Texte von Carlo Francesco Badini. Breitkopf hat sie einige Jahre 
später in Heft 8 der Oeuvres Comphttes veröffentlicht. — 5. Diese Klaviersonate ist von 
Haydn nicht mehr komponiert worden. 



245. Haydn an den Regenschori Anton Stoll 1 , Baden 

[Wien, den 7. Juli 1800] 
Liebster Freund! 

Frau v. Keller meine Schwägerin ersuchte mich nebst Ihrer beyderseitigen 
Empfehlung die Ihnen rückständige 30 fl. als das kostgeld für ihr Söhn- 
lein zu übermachen, mit bitte Ihr bey gelegenheit die Quittung des emp- 
fangs einzusenden. anbey bitte ich die beyliegende Quittung per 5 9 fl 
6 kr, so ich an das Ni - Oe: [Nieder-Oesterreichische] Ständische Ober- 
Einnehmer Amt bezahlte, nicht minder die 9 anverlangte gülden für daß 
der Stadt Baaden gehörige Mortuario 2 dem Herrn Stadt Syndicus nebst 
meiner gehors: Empfehlung an hochdemselben einzuhändigen: ich wer- 
de anbey nicht ermanglen all die übrige quittungen deren Erben, sobald 
als solche vollends bezahlt seyn werden, nach zu schücken. indessen bin 
ich in hoffnung, daß alles sich wohl befindet 

Liebster Freund 
Ihr aufrichtigster diener 
Wienn. den 7" 1 July 1800. Joseph Haydn mppria 

0: Die Besitzerfolge des Autographs ist dutchL.andonCCL.N3j4 festgestellt: Leo Liepmanns- 
sohn Kat. 174, Nr. 841; Autogr. Verst. 39 (17. -18. Nov. 1911), Nr. 334 -»■ Maggs Bros. 
Kat. 278 (1912) Nr. 208 (mit Faks.) ->■ Sotheby Kat. vom 26. Juli 1938 Nr. 608 -> Otto 
Haas -> Maggs Bros. Kat. 825 (1954) Nr. 443 -*■ Mary Benjamin -> heute: Samml. Hoboken, 
Ascona. Eine Fotokopie ist Landon und uns durch A. v. Hoboken zur Verfügung gestellt 
worden. — ED: Pohl III, ijS (nur ein Bruchstück). (eÜb) Landon CCLN lyif. 

1. Über den Regenschori Anton Stall in Baden vgl. unsere Anm. zum Brief Nr. 223. — ■ 

2. Infolge des Ablebens seiner Frau hatte Haydn allerlei Gebühren usw. in Baden zu 
bezahlen. 

347 



246. Der Verleger Gottfried Christoph Härtel an Haydn, Wien 

[Original verschollen; Text nur aus dem Kopierbuch Breitkopf & Härteis bekannt] 

Leipzig, den 18. July 1800. 
Herrn J. Haydn, Wien. \ 

Was die von allen Gönnern als Meisterwerk hochgeschätzte Musik %u den 7 Worten 
betrifft, so ist die Instrumentalmusik z war schon allgemein verbreitet, indes wird 
es meiner Handlung %ur Ehre gereichen, dieses Werk in einer korrekten Partitur 
%u liefern und es wird den Schätzern derselben durch die hinzukommenden Sing- 
stimmen wieder neu und desto interessanter seyn. 

Ich darf voraussetzen, daß Sie es allerdings lieber in Partitur erscheinen sehen 
werden, ich bin daher erbötig es ganz, w * e es aus Ihrer Hand kommt, zu drucken, 
und erwarte hierzu, um den Druck anzufangen, nur das Manuscript. Was meine 
dagegen z u erfüllenden Verbindlichkeiten betrifft, so erwarte ich darüber Ihre 
Bestimmung. Sollten Sie jedoch wünschen, daß ich deshalb einen Vorschlag thun 
möchte, so würde ich freylich mit Verlegenheit erkennen, daß meine Vorschläge 
bey weitem nicht dem hohem Werthe dieses Werkes angemessen seyn könnten; 
inzwischen frage ich an, ob Sie in der Rücksicht, daß ich dieses Werk, seiner 
Verbreitung und Er kanntheit wegen, nicht z u hoch in Preis setzen darf, eine 
Erkenntlichkeit von jo Dukaten um der guten Sache willen nicht verschmähen 
würden. 

[Gottfried Christoph Härtel] 

O im Briefkopierbuch Breitkopf & Härteis; es ist im II. Weltkrieg vernichtet worden. ED: 
Sandberger NH 28 ff {die. einzige Quelle für unseren Text). (eÜb) Landon CCLN 172. 
Haydn bot in seinem Brief Nr. 244 (vom 1. Juli 1800) dem Leipziger Verleger die Partitur 
der Oratorienfassung seiner Sieben Worte an. Nach kurzem Überlegen entschloß sich 
dieser, das Werk in Verlag zu nehmen, und schlug dafür Haydn die bescheidene Summe von 
50 Dukaten vor. Die Veröffentlichung der Partitur eines so umfangreichen Werkes war 
damals für den Verlag weniger ein Geschäft, als vielmehr eine moralische Tat. Haydn 
ging denn tatsächlich auf dieses bescheidene Angebot ein, und verfaßte neun Monate 
später, im März 1801 mit Griesinger zusammen zur Partiturausgabe ein Vorwort (in 
Form eines Vorberichts), welches dann gedruckt wurde (Nr. 260 unserer Ausgabe). 



348 



247- Haydn an Luigia Polzelli (Fragment) 

Eisenstadt, ai 2 di Agosto 1800. 
[Pohl III, 162:] . . . Fin adesso sono stato sempre male", oggi e 
il primo giorno che sta meglio, ma spero che in poco tempo särö guaritto 
tutt' affatto . . . 

[aus der Fortsetzung ist nur ein einziger Satz, u. zw. in Übersetzung, 
bekannt geworden (vgl. Musical Quarterly, April 1932, S. 214):] ... Ich 
will deinen Brief in wenigen Tagen beantworten, inzwischen sende ich 
dir 1 5 Gulden, um deine Hausmiete zu bezahlen ... 

il tuo sincero e fedele amico 

Giuseppe Haydn 

verschollen. Auszüge: Pohl III, 162; Musical Quarterly , April 19)2, 214; (eÜb) Landon 
CCLN 172; usw. 

1. sono slato sempre male: Haydn scheint im Frühjahr 1800 tatsächlich ernstlich krank ge- 
wesen zu sein. Vgl. unseren Brief Nr. 240 (vom 11. Mai 1800). Ob sich seine Krankheit 
bis in den August hinzog, oder ob es sich nur um eine Ausrede der Polzelli gegenüber 
handelte, ist picht zu entscheiden. 



248. Haydn an den Instrumentenmacher Georg Helbig, Wien 

Eisenstadt, den 3'" August / 1800. 
Wohl gebohrner 
Hoch geEhrtester Herr! 
Nachdem ich dermalen wegen vielen Geschäften selbst nach wienn nicht 
kommen kan, so bitte ich, diese kleine an Sie gestellte anweisung per 
37 fl 30 x dem Überbringer dieses meinen Copisten verabfolgen zu lassen, 
er wird Ihnen zugleich die Quittung dafür übergeben, indessen hofe ich 
Sie persöhnlich zu kennen gelegenheit zu treffen, und bin mit aller 
Achtung 

Euer wohl gebohren 
dienstfertigster diener 
Jos : Haydn mppria 
[Außen Adresse:] 

An den Wohl Edlen Herrn 
Georg Helbig bürgerlichen Instrumenten Macher in / Wienn. 

349 



O heute nicht greifbat; das Autogtaph dieses Haydn-Briefes hat seine Besitzer ganz be- 
sonders oft gewechselt; die Besitzerfolge bei 'London CCLN })} umfaßt nicht weniger als 
14 Namen bzw. Versteigerungskataloge (von 1881 bis 1934, wo sich seine Spur verliert). 
Für unsere Zwecke mögen hier die allerletzten Etappen dieser Wanderung genügen: 
in den Katalogen von Maggs Bros, erscheint das Autograph fünfmal (in den Jahren 1914, 
1915, 1917, 1919, 1921) -> im Auktionskat. 76 von Henrici Nr. 282 -»■ Stargardt Kat. 
337 (8. Febr. 1933) Nr. 93 ->■ Leo Liepmannssohn Verst. -Kat. 64(23.-24. Mai 1934) Nr. 700 
-> ? Der gegenwärtige Besitzer ist unbekannt. Als einzige verfügbare Quelle gilt heute 
eine Pohl-iC. in Wien, die der (eÜb) London CCLN 17) und unserer Ausgabe als Vorlage 
diente. 



249. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Eisenstadt, den n tn Augusti 1800. 
Messieurs 

Ich bitte höflichst beyliegenden Brief des H. Lehritter" aus Würzburg 1 
zu überlesen, und Ihme die abgängige blätter sobald möglich zu über- 
schücken, anbey wäre es mir auch sehr angenehm sich um die Wohnung 
des H. Georg Helbig b bürgerl. InstrumentenMacher zu erkennen [?], 
und wan es möglich Ihm den beygelegten Brief nebst der quittung gegen 
empfang des geldes per 37 fl. 30 kr: einzuhändigen 1 und mir solches durch 
unsern fürstl. H. Portier Mayer herabzuschücken, wofür ich neuerdings 
verbleibe 

Dero 

schuldigster diener 
Joseph Haydn mppria 

0: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch London CCLN )}j festgestellt: Fr. Cohen Kat. 
Posonyi Nr. 478 -> K. E. Henrici Auktionskat. LXXXVIII, Nr. 184 -?■ V. A. Heck. Kat. 
vom 4. Sept. 1925 ->■ Thomas Maddigan ->■ Heinrich Hinterberger, Kat. XX (Okt. 1937) 
Nr. 215 (mit Faks.) -> Harvard College Library (gegenw. Besitzer). Eine Fotokopie ist 
uns von H. C. R. Landon überlassen worden. — ED: Art-Bot. 79 (aus einer K. Pohls in 
Wien). (eÜb) Landon CCLN 17 j (aus dem Autograph). 

a. Art-Bot. und Landon CCLN lesen hier „Schritter". Die richtige Lesung verdanken 
wir einer Mitteilung von Dt. Hubert Unverricht. — b. „Heibig": Auch dieser Name ist im 
Autograph sehr unklar geschrieben. Er könnte ebensogut als „Halbig" gelesen werden. 
/. Lebritter: Das ihm übersandte Exemplar der Schöpfung wurde von Artaria mit 
13,50 Fl. an Haydn verrechnet. Vgl. Art-Bot. S). Lehritter hat offenbar ein schadhaftes 

35° 



Exemplar der Schöpfung zugeschickt bekommen. — 2. Haydn hat die Adresse des Instru- 
mentenmachers Heibig nicht gekannt und seinen vorigen Brief Nr. 248 durch Artaria 
dem Adressaten zuschicken lassen. 



250. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Eisenstadt den 22*" Augusti / 1800. 
Messieurs 1 

Gestern erhielt ich mit Verwunderung ein Schreiben unterm i6' n July 
von H. Clementi aus London, daß die Exemplairs meiner Schöpfung 
alldort nicht angekommen sind. Ich bitte Sie dringend zu untersuchen, 
worin die Schuld dieser Verzögerung ligt, indem dieselbe schon über 
3 Monathe abgegangen sind. Ich bin durch diesen Aufenthalt in Gefahr 
zwey tausent Gulden zu verliehren, indem sie H. Clementi schon nach- 
gestochen hat. Schreiben Sie mir doch, ob Sie von dort noch keine 
Nachricht des Empfanges erhalten haben. Indessen bin ich 

Messieurs 

dero dienstfertigster diener 
Jos. Haydn mppria 
[Adresse nicht erhalten. Pohls Kopie (unsere einzige Quelle) notiert nur: 
„Adresse wie immer"] 

O verschollen; ehemals im Geschäftsarchiv Artaria; seit Nohls Ausgabe (1867, 1873) 
verschollen. Die älteste verfügbare Quelle ist Pohls K, im Archiv der GdMf in Wien. — 
ED: Nohl ijy (mit einigen Lesefehlern, nicht buchstabengetreu). Danach Art-Bot. So 
(aus Nohl); (eÜb) London CCLN 173. Emendationen zum Text von Nohl und Art-Bot. sind 
uns (aus der Kopie Pohls) durch Christa Landon übermittelt worden. 



251. Haydns Zeugnis für seinen Schüler Johann Speck 1 

[Eisenstadt, den 28. August 1800] 

Ich Endes Unterschriebener Beckenne und Bezeuge, daß Herr Johan 
Spech mein Schüller unter meiner Leitung und aufsieht die höhere Setz- 
kunst folglich alles was in das Sing- und Instrumenten fach einschlägt, 
erlernet und darin solche fortschritte gemacht habe, daß er einer jeden 

35i 



Musikschule sowohl als Directeur, tneils auch als Lehrer im Ciavier, 
und der Orgel vorstehen könne, welches hiemit Bescheine. Eisenstadt, 
den 28'° Augustj 1800. 

Joseph Haydn mppria 
Fürst. Esterhaz. CapellMeister 

O (Autograph Haydns): Studienprofessor F. Boccali (ein Urenkel von J. Spech) in Kempten - 
Allgäu (vormals im Besitze von Caroline von Schubert in Graz). Eine Fotokopie ist uns 
von H. C. R. Landon überlassen worden. ED: (eÜb) Lattdon CCLN 174. 
1. Der in Preßburg 1767 oder 1769 geborene (die diesbezüglichen Daten bei London CCLN 
174 Ft/ßn. z bedürfen mehrfacher Korrektur) Komponist und Kapellmeister Jobann Spech 
(t 1836 in Wien) war, nach einer Studienzeit bei Haydn, in den Jahren 1800-1812 Be- 
amter, daneben 1804 auch Theaterkapellmeister in Pest. In der Zeitspanne 1805 -1825 
sind eine ganze Reihe seiner Lieder (u. a. auf ungarische Texte) dort erschienen. Nach 
1820 lebte er in Paris und Wien. Handschriftlich sind Kantaten, Streichquartette, Sona- 
ten, Fugen usw. von ihm erhalten. 



252. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Eisenstadt den 3" 1 j bcl [Sept.] / 1800. 

Messieurs 1 

Verzeihen Sie, daß ich abermal komme Sie zu Plagen: Aus beyliegenden 
schreiben 1 meines Schüllers Pleyel 2 werden Sie ersehen, daß ich Ihme 
dermahlen den anverlangten Passeport von der Stadts Canzley bey so 
bedencklichen umständen nicht bewürken kan, um so viel weniger, 
da ich jezo wegen den Nahmens tag meiner Fürstin' unmöglich nach 
wienn geschweigens nach Dresden komen kan, da ich aber wünschte 
Ihme meines Portraits wegen gefällig zu werden, so gelanget meine bitte 
an Sie meine Herrn, Ihme in Nahmen meiner einen abdruck von den 
vielleicht schon verfertigten sehr guten Portraits, 4 so ich lezthin bey Sie 
gesehen nach Dresden zu schücken, damit er es darnach in das kleinere 
Copiren und denen quartetten 5 beydrucken köne, die Unkosten werd ich 
bey erster gelegenheit bezahlen, in der hoffnung mir diese bitte zu 
gewähren bin ich mit aller hochachtung 

Messieurs 

Ihr dienstfertigster diener 
Joseph Haydn mppria 

352 



P: S: den z ta tag nach Ihrem lezten schreiben erhielte ich von H. Clementi 
die Nachricht, daß endlich die erstere hundert Exemplairs in London 
angekomen sind. 6 

NB: Solten Sie meine herrn sich die mühe geben wollen und im stände 
seyn, den anverlangten passeport von der Stadts Canzley für H. Pleyel 
zu bewürcken, so würden Sie uns beede eusserst verbinden, ich hofe 
darüber eine kleine andwort. noch etwas. Meine Fürstin, so eben von 
wienn kam, sagte mir, daß die Mylady Hammelton 7 den 6 tn dieses nach 
Eisenstadt komen wird, allwo Sie wünschte meine Cantate Ariadne a 
Naxos 8 zu singen, welche ich aber nicht besitze, bitte danenhero mir 
dieselbe sobald möglich zu procuriren und anhero zu schücken. 
[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur Artaria et Compag. / a 

Vienne. 
[Archivvermerk Artarias:] Haydn / Eisenstadt d. 3 j bt 1800 / erhalten 
d. 5 — d — d. / beantw. d. 5 — d — d. 



O: Die Besitzerfolge ist durch Latidon CCLN })j festgestellt: Fr. Cohen, Kat. Posonyi 
Nr. 479 -*■ Gilhofer& Ranschburg, Kat. vom 27. Okt. 1908, Nr. 470 -*■ heute: Sammlung 
Geigy-Hagenbach (Basel). Eine Fotokopie ist uns durch H.C.R. Landon überlassen 
worden. — ED: Nobl ijS (nicht buchstabengetreu und ohne Grußformel, aber im wesentli- 
chen brauchbar). Art-Bot, 80-81 (aus Nohl); (eÜb) Lattdon CCLN 1/4. 
1. Dieser hier erwähnte Brief Pleyels an Haydn ist nicht vorhanden; er hatte ihn 
durch Artaria an Haydn gelangen lassen, der ihn nun an Artaria zurücksandte (vgl. 
Art-Bot. 8z). — 2. Pleyel ist unterdessen französischer Staatsbürger und ein angesehener 
Verleger in Paris geworden. Die Pariser Musiker planten eine Aufführung der Schöpfung 
in der großen Oper; Pleyel sollte Haydn überreden, nach Paris zu kommen und die Auf- 
führung zu dirigieren. Aus Hamburg schrieb Pleyel Briefe an Haydn, Pichl und Artaria 
(ein Zitat aus letzterem bei Art-Bot. 81); Haydn sollte ihm zu einem Einreisevisum nach 
Österreich verhelfen. Haydn hat die Angelegenheit an Artaria weitergegeben, dem es 
aber nicht gelang, die Einreiseerlaubnis für Pleyel zu verschaffen. Pleyel ist nur bis Dresden 
gekommen (hierauf deutet die Erwähnung Dresdens durch Haydn). — 3. Der Namenstag 
der Fürstin Esterhazy fiel auf den 8. September; die kirchliche Feier (bei der regelmäßig 
eine neue Messe von Haydn erklingen mußte) folgte zumeist am darauffolgenden Sonntag, 
in diesem Jahr 1800 am 14. September. — 4. Vermutlich der Stich von J. Neidl nach dem 
Haydn-Porträt von Zitterer; eine mittelmäßige Darstellung. — 5. Pleyel hat damals eben 
die Gesamtausgabe von Haydns Quartetten (in Stimmen) vorbereitet. — 6. Es sind die 
hundert Exemplare der Schöpfung gemeint, deren Absendung Haydn in seinem Brief 
Nr. 250 (vom 22. August 1800) an Artaria reklamierte. — 7. Der Admiral Lord Nelson 

2 ' 353 



und seine Begleiterin, die berühmte Lady Hamilton (1761-1815), kamen Ende August nach 
Wien und haben 6. -10. September tatsächlich Eisenstadt besucht. Der Bericht über 
diesen berühmten Besuch bei Pohl III, 26)f\st durch die neuere Forschung überholt. 
Vgl. 0. E. Deutsch, Haydn und Nelson, Die Musik, Jg. 19)2, 4)8 ff und Brand 313 ff. — 
8. Haydns Ariadne-Kantate ist 1790 bei Artaria erschienen. 



253. Haydn an Paul Wranitzky 1 , Wien 

Eisenstadt den 3'° 7 1 " [Sept.] 1800 
Liebster, verEhrungswürdigster Freund! 

So gerne ich jederman zu helfen zeit lebens mich bemühete, eben so 
ungern kan ich zu dieser production meine Einwilligung geben, indem 
ein werck von dieser arth dem Orthe gar nicht angemessen ist. 2 Ihre 
eigene tiefe Einsicht muß mich hierinfals entschuldigen, indessen könte 
doch den armen Neuherz' in etwas geholfen werden, wenn sich der 
ganze Musicalische Cörper in wienn bestrebete Ihn zu unterstützen, da 
ich aber selbst zu dieser hülfe 4 nicht gegenwärtig seyn kan, so bin ich 
so frey demselben beyliegenden Banco zettel per 10 fl. zu übermachen, 
und verharre zugleich mit aller hochachtung 

Meinem verEhrungswürdigsten Freund 
nebst meinem Handkuß an Ihre Frau Gemahlin 
gehorsamster diener 
Joseph Haydn mppria 
[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur Paul Wranizky 
Maitre de la Musique tres celebre / a 

Vienne. 
beschwert mit 10 fl. 

0: Das Autograph Haydns gelangte aus dem Besitz von W. La Croix in die ÖNB Wien 
(XXXIII Nr. 109-3). v g!- Landon CCLN 336. — ED: Nohl //? (mit zwei Lesefehlern, nicht 
ganz buchstabengetreu). (eUb) Landau CCLN 176. Durch Christa Landon (Wien) sind 
uns Emendationen zum Text von Nohl übermittelt worden, so daß unsere Ausgabe nach 
dem Autograph korrigiert ist. 

1. Die Person diesesPa«/ Wranit%ky kennen wir schon aus dem Brief Nr. 21 5 als den damali- 
gen Sekretär der Tonkünstler-Societät und Haydns Freund. — 2. Wranitzky dürfte die Auf- 
führung eines größeren Haydn-Werkes zum Nutzen des bedrängten Neuherz vorgeschlagen 

354 



haben. Diese Zumutung wird von Haydn entschieden zurückgewiesen. — 3. Nohl liest 
den Namen als „Naucharz" (?). — 4. Zu dieser Hülfe: Variante bei Nohl: „zu dieser Zeit" 
(dem Sinne nach besser als unsere, dem Schriftbild genauer entsprechende Lesung). 



254. Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Eisenstadt den 6 ,n 8 br [Oct.] 1800 
Messieurs 

Ich ersuche Sie höflichst ein Exemplair meiner Schöpfung nach London 
an den M r Silvester 1 sobald möglich zu überschücken; Überbringer dieses 
Ein fürstl. Camerdiener wird Ihnen die Adress dazu geben. Sie machen 
mich durch Ihren Dienst Eyfer immer mehr verpflichtet, wofür ich aber 
stets seyn werde 

Ihr dienstfertigster diener 
Joseph Haydn 
[Darunter von fremder Hand mit Bleistift:] 
adressate a Noveletti e Bombardoni 
per spedirle a Londra: / a M' Charles Silvester 
Messenger / at Lord Grinvills office 
London 
[Außen Adresse (wieder Haydns Hand):] 

Monsieur 
Monsieur Artaria et Compa. / ä 
Vienne. 
[Archivvermerk Artarias:] Haydn / Eisenstadt li 6 8 bre 1800 / er- 
halten d. 8 — d — d / beantwort. d. 

0; 1909 war das Autograph noch im Besitz der Firma Artaria. Dann besaß es H. Hinter- 
berger (bis 1953); gegenwärtiger Besitzer ist vermutlich Rud. Kallir (New York). — 
ED: Art-Bot. 8z (aus dem Autograph). (eÜb) London CCLN 176 f. 

1. Über die Person dieses Charles Silvester wissen wir nichts Näheres. Im ersten Londoner 
Notizbuch Haydns werden gleich zwei Mr. Silvester erwähnt, von denen keiner mit 
diesem hier identifiziert werden kann. — Das an Mr. Silvester expedierte Exemplar ist 
Haydn von Artaria berechnet worden. Vgl. Art-Bot. S). 



2 3 355 



25 5- Haydn an den Verleger Artaria, Wien 

Eisenstadt, den i6 ,n 8 bl [Oct.] 1800. 
Messieurs. 

Gestern erhielte ich gegenwärtige zwey Einschlüsse, 1 wovon der kleine 
zettul vermuthlich aus dem Arnsteinerischen Hauß 2 seyn wird, mit den 
Auftrag wie sie selbst sehen werden ein Exemplair nach Danzig zu über- 
schücken. solte dahin noch keines verabfolget worden seyn, so bitte ich 
solches Emballirt mit den Conto des betrages in das anverlangte Comp- 
toire in der herrn gasse zu bringen. anbey ersuche ich Sie mich zu 
berichten, ob seithero einige Exemplair abgedruckt worden sind oder 
nicht, solte dieses nicht geschehen seyn, so bitte ich abermahl die be- 
förderung dessen durch H. Baron v. Swieten, welchem ich mich zu gnaden 
empfehlen lasse, zu betreiben, indem ich gestern ein schreiben aus London 
von D r Burney erhielte,' Ihme sobald möglich noch 40 Exempl. zu über- 
machen, in hofnung meine bitte zu gewähren und Sie bald zu sehen bin 
ich mit aller hochachtung 

Messieurs 

Dero dienstfertigster diener 
Jos: Haydn mppria 
[Adresse:] Monsieur 

Monsieur Artaria et Compag. / a 

Vienne. 
[Archivvermerk:] Haydn / Eisenstadt 16 8 br 1800 / erhalten d. 17 
— d — d. / beantwort. 

O: Hist. Society of Pennsylvania. Eine Fotokopie, die H. C. R. Landon zum ED: (eÜb) 
Landon CCLN 177 benutzt hatte, ist uns durch ihn als Vorlage überlassen worden. Im 
Original unveröffentlicht. 

1. Die beigelegten, vom i. Juli bzw. jo. Sept. datierten Briefe eines gewissen /. F. Wagner 
wurden lange im Archiv der Firma Artaria aufbewahrt. — 2. Die Arnsteins besaßen ein 
berühmtes Bankhaus mit vielen Filialen in Europa. — 3. Dieser Brief von Burney an 
Haydn ist verschollen. 



356 



2 j 6. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy 

[Oktober 1800] 

Nachdeme die Bittschrift des Gabriel Lendway 1 durchaus in reiner Wahr- 
heit abgefaßt ist, eben so rein gelanget an S e Hochfürstl. Durchl. meine 
gehorsamste Bitte Ihme bey gegenwärtiger Verstärckung des Orchesters 
als Ein sehr brauchbares Individuum in Hoch Dero Diensten, und 
zwar vermög der zweymahligen an mich mündlich erlassenen Hohen 
Resolution von i tn 8 br 1800 mit einem Jährlichen Gehalt von 200 Fl. 
nebst gelegentlicher zusage eines Quartiers, und etwas Brennholz an, 
und aufzunehmen. 

Joseph Haydn mppria 
Capell Meister. 

(Autograph): Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 26, Nr. 1876. ED: Valkö II, 61) (Faks. 
Nr. 7, nach S. 560). (eÜb) London CCLN 178. Teilzitat daraus schon bei Pohl III, 167. 
1. Gabriel Lendvay war ab März 1787 Hornist im Eszterhazaer Orchester und blieb es bis 
zu dessen Auflösung in 1790. Vgl. Pohl II, }j}; Bartha-Somfai HOK 172 f. — Nach dieser 
Unterbrechung erscheint er dann wieder im Musiker-Verzeichnis vom Jahre 1800, mit 
der Bemerkung „Supernumerarius" (d. h. überzähliger). Vgl. Schmrich, in Der Kirchenchor, 
Jg. 28, 1898, 92 und Brand }i8. 

257. Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn 

[Briefkon^ept, in t^wei Spalten] [Eisenstadt, den 10. Dezember 1800] 

[links:] An ET" Kapelmeister Haidn. 

[rechts:] Wohledlgeborner \ Lieber Kapellmeister v. Haidn 

Nachdeme das öftere Ermahnen beim Violoncellisten Mankert 1 so wenig gefruchtet, 
daß er wider die bestehende Ordnung ohne meiner Einwilligung und Anmelden 
bei ihnen, sich von seinem Dienst entfernt hat, und nach Vienn abgegangen ist; 
will ich daß sie ihm des Dienstes gänt^lich entheben, und die baldigste Ersetzung 
seiner Stelle bestens besorgen mögen, worüber ich ihren Vorschlag gewärtige. 
Eisenstadt am 10' ~X br [Dec] 1800. 
[links:] exp. Esterhäzy. 



357 



O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 26, Nr. 1880. ED: Valkö II, 6 iß. (eÜb) London 
CCLN 178. 

1. Der fürstl. Cellist Ignaz Mattkert (Manker). Vgl. Pohl III, 104 und Brand 318. Die hier 
verordnete Entlassung scheint erst viel später erfolgt zu sein, da Haydn erst 1803 einen 
Ersatzmann für ihn vorschlug. Vgl. das bei Valkö II, 62) (Nr. 26 j) veröffentl. Dokument. 

1 

258. Haydn an die Philharmonische Gesellschaft, Laibach 

[1800?] 

. . . Ich erkenne die Ehre, so mir die Philharmonische Gesellschaft in 
Laibach durch ihre Einladung erzeigt, und weiß solche zu schätzen, nur 
bedaure ich, daß ich ihr mit meinem Beitritt nicht viel nützlich sein 
werde. . . 

0: ?. ED in Die Furche 20. II. i960, S. 14. Dort wurde dieser Text als ein Brieffragment 
Haydns mitgeteilt. Nicht bei London CCLN. H. Unverricht ist es jüngst gelungen, 
nachzuweisen, daß es sich in Wahrheit nicht um einen Brief, sondern um einen Aus- 
spruch Haydns handelt, der im Brief eines Herrn Schmith jun. (aus 1800) überliefert 
und mit obigem Text von Fr. Keesbacber, Die philharm. Gesellschaft in Laibach usw. 
(Laibach 1862) S. 25 wörtlich zitiert wurde (vgl. die bevorstehende Mitteilung von 
H. Unverricht in Die Musikforschung 196}). 

Haydn wurde von der Philharm, Gesellschaft in Laibach 1800 zum Ehrenmitglied ge- 
wählt, und soll zum Dank die Missa in tempore belli (Paukenmesse) nach Laibach geschickt 
haben. Diese Messe wurde dort am 28. 12. 1800 aufgeführt. 

259. Haydn an den Musikhändler (?) August Härtung, 
Braun s chweig 

[um 1800] 

[Von diesem Brief Haydns ist nur diese kurze Inhaltsangabe verfügbar:] 

Haydn schickt an Härtung 7 Subskriptionskopien der Schöpfung, mit einer Liste der 
betr. Subskribenten. 

O: Carl Tollefsen, Brooklyn (New York). Vormals durch R. Geering (Kat. 402, Nr. 1212) 
versteigert. (Mitteilung von H. C. R. Landon). Das Autograph war uns nicht zugänglich, 
nur dieser kurze Auszug im Katalog von Geering, derselbe, den auch (eÜb) Landon CCLN 
178 verwendete. 

August Härtung scheint ein Musikhändler gewesen zu sein. Da es sich um Subskriptions- 
exemplare der Schöpfung handelt, muß der Brief um 1800 (spätestens Anfang 1801) ge- 
schrieben worden sein. 

358 



z6o. Haydns Vorbericht zu seinem Werk „Die sieben Worte des 
Erlösers am Kreuze" 

[Wien, im März 1801] 
Vorbericht. 

Es sind ungefähr fünfzehn Jahre, daß ich von einem Domherrn in Cadix 
ersucht wurde, eine Instrumentalmusik auf die sieben Worte Jesu am Kreuze 
zu verfertigen. 

Man pflegte damals alle Jahre während der Fastenzeit in der Hauptkirche zu 
Cadix ein Oratorium aufzuführen, zu dessen verstärkter Wirkung folgende 
Anstalten nicht wenig beytragen mußten. Die Wände, Fenster und Pfeiler der 
Kirche waren nehmlich mit schwarzem Tuche überzogen, und nur Eine, in 
der Mitte hängende große Lampe erleuchtete das heilige Dunkel. Zur Mittags- 
stunde wurden alle Thüren geschlossen; jetzt begann die Musik. Nach einem 
zweckmäßigen Vorspiele bestieg der Bischof die Kanzel, sprach eines der 
sieben Worte aus, und stellte eine Betrachtung darüber an. So wie sie geendiget 
war, stieg er von der Kanzel herab, und fiel knieend vor dem Altare nieder. 
Diese Pause wurde von der Musik ausgefüllt. Der Bischof betrat und verließ 
zum zweyten, drittenmale u. s. w. die Kanzel, und jedesmal fiel das Orchester 
nach dem Schlüsse der Rede wieder ein. 

Dieser Darstellung mußte meine Composition angemessen seyn. Die Aufgabe, 
sieben Adagio's wovon jedes gegen zehn Minuten dauern sollte, aufeinander 
folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leichtesten; 
und ich fand bald, daß ich mich an den vorgeschriebenen Zeitraum nicht 
binden konnte. 

Die Musik war ursprünglich ohne Text, und in dieser Gestalt ist sie auch 
gedruckt worden. Erst späterhin wurde ich veranlasst, den Text unterzulegen, 
so daß also das Oratorium „Die sieben Worte des Heylandes am Kreuze" 
jezt zum Erstenmale bey Herrn Breitkopf und Härtel in Leipzig, als ein voll- 
ständiges und was die Vokalmusik betrifft, ganz neues Werk erscheint. Die 
Vorliebe, womit einsichtsvolle Kenner diese Arbeit aufnehmen, lässt mich 
hoffen, daß sie auch im grösseren Publikum ihre Wirkung nicht verfehlen 
werde. 

Wien, im März 1801. 

Joseph Haydn. 



359 



O: Haydns Autograph (wenn ein solches überhaupt je vorlag) ist verschollen. Die einzige 
authentische Quelle ist der 1801 bei Breitkopf & Härtel erschienene Partiturdruck der 
Oratorienfassung von Haydns „Die Worte des Erlösers am Kreuze". Unser Text ist aus dem 
Exemplar kopiert, das aus Haydns einstmaligem Besitz in die Musiksammlung der N. B. 
Szechenyi, Budapest kam (Signatur 41.089). ED: (ohne den letzten Absatz) Pohl II, 214- 
rj. Nicht bei Landort CCLN. \ 

Der Stil und die Orthographie lassen vermuten, daß dieser Vorbericht von Haydns 
Freund, Griesinger, stark umstilisiert, wenn nicht gar ganz von ihm verfaßt worden ist. 
Zum neuesten Stand der Forschung über die Entstehungsgeschichte dieses wichtigen und 
seinerzeit überaus beliebten Haydn-Werkes vgl. Hoboken S)S ff; Dines üartha, Die Ent- 
stehung der „Sieben Worte" im Spiegel der Haydn-Handschriften des Esterhä^y-Archivs. Zem- 
tud. Tanulmdnyok VIII. Budapest i960, S. 107-186; sowie die einschlägigen Revisions- 
berichte der neuen Haydn-GA (von H. Unverricht). — Über den Anteil Haydns bzw. 
Griesingers an der Entstehung dieses Vorberichtes vgl. die Briefe Griesingers nach 
Leipzig vom 11. und 21. Februar 1801 (zitiert bei Pohl III 17)). Laut Griesinger 
sollte der Vorbericht „nur Haydns ipsissima verba enthalten". 



261. Fürst Nikolaus II Esterhazy an Haydn 

[Wien, den ßo. März 1801] 
[Briefkon%ept der Esterhdzj -Kanzlei in 2 Spalten, mit Korrekturen] 

[links:] H' n Kapellmeister Haydn. 

[rechts:] Auf das Ansuchen des H r " Major Mayern wäre ich nicht entgegen, 
demselben alte, (jedoch noch brauchbare) Harmonie musik Instrumenten syim 
endweiligen [?] gebrauch für das Insurrections-Bataillon zukommen %u machen, 
und ertheile Ihnen hiemit den Auftrag, (auf das baldigste) eine Parthie derlei 
Instrumenten, welche allhier %u bekommen sejn werden, ausfindig machen %u lassen 
und mir den legten Preiß ehevor anzudeuten, wobey nach Auflösung der Insurrection 
bei meiner eigenen Musik sothane Instrumenten noch benutzet werden könnten. 
Wien am ßo"" März [1801] 
[links:] exp. Esterhazj 

0: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 26, Nr. 1887; ED: Valki II, 61}. (eÜb) Landott CCLN 
170 (aus einer sog. Marton-K. in der ÖNB Wien). 

Die in der linken Spalte des Originals eingetragenen Korrekturen bzw. Nachträge haben 
wir in runde Klammern gesetzt. 



360 



262. Haydn an den Verleger George Thomson, Edinburgh 

Wienn. den 27"" Aprill 1801 
Monsieur! 
Meine Vier Jahreszeiten, welche gestern 1 zum erstenmal mit allgemeinen 
beyfall sind producirt worden, sind ursach, daß ich Ihre Lieder so spät ein- 
sende, hingegen hoffe ich auch, daß Sie mein Herr ganz zufriden seyn wer- 
den, nur Bitte ich, mir zwey Exemplair, wovon ich eines bezahlen werde 
bey gelegener zeit zu übermachen, nebst dem wünschte ich auch 
12. Ost Indische schnupfdiecher zu überkomen, die Farbe dauon lasse ich 
Ihren geschmack über, ich sehe nicht auf die feinheit, wann sie nur starck 
und groß sind, ich erwarte von Ihnen ein schreiben, ob Sie dafür baares 
geld oder Musicalien haben wollen, indessen bin ich mit aller hoch- 
achtung 

Dero dienstfertigster diener 

Joseph Haydn mppria 
P: S: ich liebe und verstehe die 

Englische spräche. 
[Außen Archivvermerk Thomsons:] 

Haydn Vienne 27 April 1801 / Ans d 20 July 

O (Autograph): National Library ofScotland, Edinburgh, Ms. 5 90, Nr. 1649. Eine Textkopie 
wurde uns von s±. van Hoboken übermittelt; kleine Textkorrekturen dazu (nach einer Foto- 
kopie) sind uns von H. Unverricht mitgeteilt worden. Unveröffentlicht. Nicht bei London 
CCLN. Veröffentlichung durch H. Unverricht in Die Musikforschung 196 s bevorstehend. 
Dies ist der früheste erhaltene Brief Haydns an den schottischen Verleger Thomson. Die 
Folge der bei Landern CCLN veröffentlichten Briefe an diesen beginnt ein halbes Jahr 
später, im Oktober 1801 (Nrn. 284, 287, 289USW. unserer Ausgabe); die späteren Briefe sind 
in italienischer Sprache geschrieben. Thomson hatte Haydn beauftragt, für ihn schottische 
(daneben auch walisische und irische) Volkslieder im Arrangement zu bearbeiten. Den 
ersten Auftrag hierzu hat Haydn durch zwei Beamte der englischen Gesandtschaft in Wien 
bekommen, so daß hierüber keine Briefdokumente vorliegen. (Als Haydn diesen Brief 
schrieb, war der Kontakt zwischen ihm und Thomson bereits hergestellt.) Haydn erklärte 
sich zur Arbeit bereit und lieferte im Laufe der Jahre (bis 1804) etwa 250 Bearbeitungen. 
Vgl. hierzu Pohl III, 1/2, 1S2 usw. Geiringer, Haydn and the folksong of the British Isles, 
in Musical Quarterly 1949; Geiringer/ 2, i) J, 29) usw. 

1. gestern: Haydns Brief ist am 27. April geschrieben. Die Erstaufführung der Jahreszeiten 
hat aber nicht am 26., sondern bereits am 24. April stattgefunden; die Wiederholung fand 
am 27. statt. Haydn muß sich entweder im „gestern", oder aber im Datum des Briefes 
um 1-2 Tage geirrt haben. 

361 



263. Haydn an den Verleger (Hyde and) Clementi, London 

Wienn. den 28'" Aprill 1801 

Mein Herr! 

\ 

Ich dancke Ihnen unterdessen für die angewiesene Hundert Güinees, 
hofe aber auch, daß ich das übrige geld sobald möglich erhalten werde, 
wofür ich aber trachten werde, Sie mit 3 guten Ciavier Sonaten bis Ende 
dieses Sommers zu Bedienen. 

Sie erhielten durch H: Artaria und Comp: zwey hundert und zwölf. 
das ist 212 Exemplair: indessen mache ich Ihnen zu wissen, daß 
die Music meiner Vier Jahreszeiten mit eben dem ungetheilten Beyfall 
als die Schöpfung ist aufgenohmen worden, ja Manche wollen sie der 
Abwechslung wegen der Schöpfung noch vorziehen, die worte sind schon 
in das Englisch — und französische übersezt. in hofnung einer baldigen 
andwort bin ich mit aller hochachtung 

Dero 

dienstfertigster diener 
Joseph Haydn mppria 
[Außen Adresse:] M r Hyde and Clementi. 

N ro 26 

Cheapside. London. 

[Darüber Archivvermerk der Adressaten: „Haydn / 28 Apl. 1801" und 
Poststempel der Ankunft: „Foreign Office 1801, Ma[y] 19".] 

O: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landau CCLN )}6 festgestellt: E. Charavay, 
Kat. Fillon, Nr. 2416 -»■ M. Lengfeld, Kat. 42, Nr. 395 -> Samml. Geigy-Hagenbach 
Basel (gegenw. Besitzer). Faks. im Nachtrag III %ur Autographen Sammlung von K. Geigy- 
Hagenbacb, Basel 19)3. Eine Fotokopie ist uns durch H. C. R. Landon zur Verfügung ge- 
stellt worden. ED: (eÜb) Landon CCLN 179. 

Der italienische Komponist und Pianist Mu%io Clementi (1752-1832) hat nach dem Bankrott 
der Firma Longman ScBroderip im Jahr 1798 zunächst mit Longman, dann unter eigener 
Firma (mit mehreren Teilhabern) ein blühendes Verlagsgeschäft (nebst Pianofortefabrik) 
in London betrieben und sich auch um das Verlagsrecht Haydnscher Werke bemüht. — 
Clementi hat Haydns deutschen Brief offenbar nicht verstanden, denn es ist für ihn eine 
zeitgenössische englische Übersetzung de6 Briefes angefertigt worden, welche dem Original 
auch heute noch beiliegt. 



362 



2Ö4- Haydn an Ignaz Pleyel, Paris 

[Vienne, 4. mai 1801] 
Tres eher Pleyel, 

Je voudrais bien savoir quand paraltra ta belle edition de mes quatuors, 
et si tu as, oui ou non, recu par Artaria l'exemplaire de ma Creation, 
ainsi que mon portrait 1 ; si Ton peut vraiment avoir chez vous la Creation, 
aussi bien la partition que 1' edition pour piano. Dis-moi en meme temps 
si on l'a bien accueillie, et s'il est digne de foi que les membres de l'or- 
chestre reunis ont exprime le desir de m'offrir une medaille d'or. Sur tout 
cela je te prie de me renseigner le plus vite possible, parce qu'ici, ä Vienne, 
on le tient pour une fanfaronnade. La semaine passee on a joue trois fois 
mon nouvel ouvrage les Quatre Saisons devant notre haute noblesse, 
avec un succes sans partage; dans quelques jours on le donnera, soit 
au Theätre, soit dans la grande salle de la Redoute, ä mon profit. 2 Pour 
changer un peu, nous aimons mieux executer les Saisons que la Creation. 
Cela a dejä ete traduit en francais et en anglais, d'apres Tompson, par 
notre grand baron de Swieten. Tout reclame une prochaine publication; 
mais cela viendra 3 un peu plus tard, parce que je veux faire imprimer a 
parte les paroles anglaises et francaises, afin qu'on puisse l'executer plus 
aisement. 

Je te renouvelle mes sentiments 4 et je me rappelle au souvenir de ta femme. 

Ton bien sincere ami, 
Joseph Haydn. 
P. S. — II y a deja un an que j'ai perdu ma pauvre femme. 
[Adresse:] Monsieur Pleyel, 

Compositeur tres celebre / ä 

Paris. 



O (Autograph Haydns) einst offenbar im Besitz der Firma Pleyel, heute verschollen. ED: 
Leckerlin, Musiciana, Paris 1877 S. 291 f. (eÜb) Landon CCLN 179-180. 

1. mon portrait: vgl. dazu Haydns Brief an Artaria (Nr. 252) vom 3. September 1800. — 

2. Die erste, halböffentliche Aufführung der Jahreszeiten fand im Palais Schwarzenberg 
am 24. April 1801 statt; Wiederholungen folgten am 27. April und am 1. Mai. Das sind 
offenbar die drei Aufführungen, auf die Haydn hier anspielt. Am 24. Mai folgte dann jene 
Aufführung bei Hofe, bei der der Sopranpart von der Kaiserin Maria Theresia gesungen 
wurde. Die erste voll-öffentliche Aufführung folgte bald darauf, am 29. Mai im großen 

363 



Redoutensaal. Vgl. Pohl III, ip 8f. — 3. In einer Textkopie, die uns H. C. R. Landpn über- 
ließ, steht hier „paraitra". — 4. Landons K. liest an dieser Stelle „mes souhaits" (sollte 
Landon außer Weckerlin noch eine andere Quelle gehabt haben?). 



265. Die Gesellschaft „Felix Meritis" an Haydn 

[Amsterdam, den 4. Mai 1801] 

Commissarissen van de Maatschappy der Verdiensten, opgerigt binnen Amsterdam 
ander de Zinspreuk Felix Meritis! 

Aan 
Joseph Haydn, professor in de Mu^jk, Lid der Koninglyke Zweedsche Mu^jka- 
lische Academie en Kape/meester in actueelen dienst van den Prins van Esterha^j. 

Amsterdam den 4-den May 1801. 
De Maatschappy welke wy de eer hebben te vertegenwoordigen, ten allentyde willende 
beantwoorden aan het oogmerk haarer instellinge, vervat in den bygaanden openen 
brief, heeft het genoegen, U by de%en, door ons, met den^elven openen brief, haar 
Buitenlandsch — Honorair Lidmaatschap aan te bieden: Uwe openbaar erkende 
Verdienste, strekt haar ten waarborge van Uwe toegenegenheid, om door faanvaarden 
van dat Lid, Lidmaatschap, haaren luister en welvaart te helpen bevorderen, waar 
toe wy haar U aanbeveelen, met toe^endig van eenen afdruk haarer wetten, en 
noemen ons met hoogachting 

commissarissen van de voor gemeide Maatschappy: 

En in der\elven Naam Jaques Breguet Pres. Comm. 

op Last der^elven MM. Wagtendorp Akman Secretaris, 



O: Staatsarchiv Budapest, EA, Varia, Fase. 243z (3) p. 3-4. Eine deutsche Übersetzung der 
Esterhäzy-Kanzlei aus 1811 befindet sich daselbst p. 7 f. — ED: Valkö II, 61 / Nr. 24/; 
(eÜb) Landon CCLN 181. Der im Brieftext genannte „offene Brief" der Gesellschaft 
befindet sich (aus dem Nachlaß Haydns stammend) in der Musikabt. der N.B. Sz6chenyi 
Budapest (Analecta, Ha. I, 2); auch davon ist eine zeitgenössische deutsche Übersetzung 
in der Esterhäzy-Kanzlei angefertigt worden, welche sich heute im Staatsarchiv Budapest 
befindet: EA, Varia, Fase. 2432 (3) S. 7-8; ED: Valkö II, 616 Nr. 249. (eÜb) Landon 
CCLN 180-181; in (ungenauer und modernisierter) deutscher Übers, auch Pohl III, 182. 
Da die sinnstörenden Lesefehler bei Pohl III durch die Mitteilung von Valkö verbessert 
sind, wollen wir die durch Valkö ermittelte zeitgenössische Kanzleiübersetzung hier 
mitteilen (auf eine Veröffentlichung des offiziellen Originals glaubten wir im Haupt-? 
text verzichten zu dürfen). 

364 



„Die Gesellschaft der Verdienste, errichtet in Amsterdam unter dem Denkspruche »Felix 
Meritis« wünschet einem jeden Glück und Segen. 

Da ihre Absichten hauptsächlich dahin zielen (Pohl III irrtümlich: „ziehen"), das allgemeine 
Wohl der Inwohner (Pohl III irrtümlich „Inländer") dieses Landes, durch die Kenntniß 
der wahren Verdienste, durch die Übung und Pflanzung nützlicher Künste und Wissen- 
schaften, und durch das Blühen und Zunehmen ihres Handels, ihrer Seefahrt, ihres 
Ackerbaues, ihrer Fabriken zu befördern, so kann ihr Nichts angenehmeres seyn, als die 
Anzahl ihrer Mitglieder durch gutgesinnte, fähige und kündige Männer immer wachsen 
zu sehen. 

Um also den Endzweck ihrer Einsetzung zu erreichen, hat sie Joseph Haydn, Professor 
der Musik, Mitglied der schwedisch-königl. Musikal. Accademie und Kapellmeister in 
wirkl. Dienste bei Sr. Durchlaucht Fürsten v. Esterhazy zum Ausserlandes-honorair- 
Mitglied dieser Gesellschaft in der Hoffnung ernannt und aufgenommen, daß gemeldter 
Joseph Haydn zur Errichtung (Pohl III „Erwirkung") ihrer heilsamen Absichten mit- 
wirken, und ihrer schmeichelhaften Erwartung entsprechen werde. 

Zum beweis dieser Aufnahme hat die Gesellschaft Mehrgemeldeten mit gegenwärtigen 
offenen Briefe beehret, der mit der Handschrift ihrer hiezu beordneten Commissairs und 
mit ihrem Insiegel bekräftiget worden ist. 
Geschehen zu Amsterdam 

den 4-t May 1801 Presidirender Commissair 

Wagtendorp Secr. Jacques Breguet" 

Zur Vorgeschichte dieser Auszeichnung Haydns weiß 'Landau CCLN 181 Fußn. 1 noch 
folgendes aus den Protokollen der Gesellschaft in Amsterdam mitzuteilen: Haydn wurde 
am 30. März 1801 zum Ehrenmitglied vorgeschlagen und gewählt. Hierauf sind diese 
beiden Schriften (vom 4. Mai) Haydn zugesandt, und der Sekretär A. Buijn gleichzeitig 
beauftragt worden, bei Haydn anzufragen, ob er die Ehrenmitgliedschaft annehmen 
wolle. Haydns bejahendes Antwortschreiben ist nicht vorhanden, nur die darauf folgende 
Bestätigung durch den Sekretär Buijn (Nr. 276 dieser Ausgabe), worauf dann Haydn 
noch einen formellen Dank nach Amsterdam schrieb (Nr. 285 dieser Ausgabe). 



266. Haydn an den Freiherrn Max v. Droste-Hülshoff', Münster 

Wienn. den 20" 1 May 1801 
Hoch und Wohl gebohrner Freiherr v. Droste. 

Der allgemein-unverdiente Beyfall meiner Schöpfung begeisterte meinen 
69-Jährigen Kopf dergestalt, daß ich es noch wagte, die Jahreszeiten 
nach Tompson zu bearbeitenl man ist hier orts mit dieser mühesamen 
arbeith sehr zufrieden, solte ich auch im Ausland das nembliche glück 
verdienen, so werde ich vielleicht (wenn es änderst meine kräften zu- 



365 



lassen) 2 noch etwas unternehmen, und alsdan dort in der Ewigkeit Meinem 
Allmächtigen für Seine mir geliehene Gnaden dancken, und aller Jener 
ingedenck seyn, welchen ich einiges vergnügen zu verschaffen im stände 
war. Indessen bin ich mit vorzüglichster hochachtung 

Euer Hoch und Wohl gebohrn 
gehorsamster diener 
An Joseph Haydn mppria 

Den Freiherrn Max: von Droste 
zu Hülshoff Hochwohlgeboren 

Wohnhaft bey zu 

Lamberti Kirche Münster 

daselbst. in Westphahlen 

gegenwärtig nicht nachweisbat; das Autograph war 1904 im Besitz des Allgem. Kon- 
zertvereins Barmen; der gegenwärtige Besitzer ist unbekannt. ED: Allg. Musik^eitung Jg. 
XXXI (1904) ^72/mitFaks., das auch der (eÜb) London CCLN 182 und unserer Ausgabe 
als Vorlage diente. 

1. Maximilian Friedrich, Freiherr von Droste-Hhlshoff (1764-1840) war zunächst(ab 1782) 
Domherr in Münster, um sich später ganz der Komposition zu widmen. Seine Nichte, 
Annette (1797-1848), die bekannte deutsche Dichterin, hat sich auch als Komponistin 
betätigt (die Angabe bei Landau CCLN 182, daß der Domherr der Vater der Dichterin 
gewesen sei, beruht auf einem Irrtum). Vgl. MGG III, Sp. 82; ff (Feilerer). — z. Hier hat 
Haydn den Schluß der Klammer zu setzen vergessen. 



267. Schulmeister Ockl an Haydn 

[Plan, den 29. Mai 1801] 
[Dieser an Haydn gerichtete Brief ist verschollen. Über seine einstige Existenz wissen 
wir nur aus Haydns Antwortschreiben vom 24. Juli 1801 (vgl. Nr. 275. dieser Ausgabe)] 



268. Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn 

[Eisenstadt, den 2. Juni 1801] 
[Kan%leikon%ept in %wei Spalten] 
[links:] dem Kapellmeister v. Haydn 

[rechts:] Da ich nicht gewohnt bin, von andren, als den eigends bestellten 1 
Vorgesetzten, an welchen die Verhandlungsgegenstände %ur Auskunfterstattung von 

366 



mir gerichtet werden, Berichte anzunehmen, so sehe auch nicht ein, wie mir der 
"Bericht des Ciaviermeister Fuchs* über die Bitschrift des Insurrections Trompeters 
Martin Zech, hat zukommen können, da der Fuchs nicht in der Eigenschaft ist, Sie 
%u substituiren; Woreinfalls demnach unmittelbar von Ihnen die berichtliche Aus- 
kunft erwarte, und die betreffenden Actenstüke an Sie zurückweise. 
Eisenstadt am 2'" Junij 1801. 
[Links:] exp. Esterha^y. 

O: Budapest, EA -TS, A. M.,Fasc. 26, Nr. 1894. BD: Valkö II, 614 (nicht ganz fehlerfrei 
gelesen). (eÜb) Landon CCL.N 1S2. 

1. Hier stand ursprünglich „eigends bestellten Chefs"; das letzte Wort ist dann gestrichen 
worden. — 2. Der Vorname des Klaviermeisters Fuchs wird im Dokument nicht genannt. 
So ist es schwer zu entscheiden, ob es sich dabei um den 1802 zum Vizekapellmeister 
(und nach Haydns Tode zum Kapellmeister) avancierten Johann Nepomuk Fuchs ( f 1859), 
oder aber um den Eisenstädter Schloßschulmeister und Organisten Johann Georg Fuchs 
( j- 18 10) handelt. Im Index von Pohl III sind die Berufungen auf diese zwei Musiker 
durcheinandergebracht. Eine vorläufige Klärung der Sachlage verdanken wir der Präzi- 
sierung bei Brand 319. — Unterricht GBT 61 bezieht dieses Dokument auf Johann Georg 
Fuchs; u. E. kann es sich aber ebensowohl um Johann NepomukFuchs handeln, der anläßlich 
seiner späteren Ernennung zum Vizekapellmeister ausdrücklich „Ciaviermeister" genannt 
wird (vgl. unser Dokument Nr. 312). 

269. Haydn an Georg August Griesinger, Wien 

Eisenstadt, den i tn July / 1801. 

Wohlgebohrner 

Sonders HochzuverEhrender Herr! 
Ich bin in der that erstaunt, über manche so schlechte Übersetzung meiner 
Sieben Worte, wie auch über die verweilung derselben: theuerster 
freund! ich bin dermalen wegen meinen Fürsten ganz ausser stand die 
Correction über mich zu nehmen, und finde dissfals kein anderes Mittel, 
als daß herr Härtel sich in Leipzig an jemand wende, der diss geschäft 
für ihn zu verbessern trachtet, indessen sol herr Hartl sobald möglich 
es in teutscher spräche herausgeben: in hofnung, daß so wohl Sie aller- 
bester herr v. Griesinger, als auch herr Hartl auf mich nicht böse seyn 
werden, bin ich mit vorzüglichster hochachtung 

Euer Wohlgebohrn 

gehorsamster diener 
[Adresse nicht erhalten] Joseph Haydn mppria 

367 



O: Die Besitzerfolge ist dutchLahdonCCLN ))7 festgestellt: Sammlung W. Heyer in Köln 
(im Katalog mit dem falschen Datum /. Juli 1S00 verzeichnet) -> Leo Liepmannssohn 
Verst. Katalog 56 (15. -16. Nov. 1929) Nr. 89 -*■ heute S.-Wolf-Museum Eisenstadt. 
Eine Fotokopie ist uns durch H. C. R. Landon überlassen worden. — ED; Csatkai }). 
(eÜb) Lattdon CCLN igzf. . 

Zur Erläuterung sei hier der Brief Griesingers vom selben Tage an Härtel in Leipzig 
mitgeteilt (nach Sandberger, NH )4) : „Was werden Sie sagen, daß Sie die 7 Worte mit diesem 
Posttage nicht bekommen? Sobald sie fertig und abgeschrieben war, wurde sie Bar. Swieten 
überbracht; dieser verfiel unglücklicherweise in eine Krankheit; Haydn, Sarchi [der die 
Sieben Worte ins italienische übersetzte] und ich wurden nicht vorgelassen, unterdessen 
mußte Haydn mit seinem Fürsten nach Ungarn, wo er den Sommer wie gewöhnlich zu- 
bringt. . ." — Diesen Sommer hatte Haydn gerade an seiner Schöpfungsmesse (B-Dur) zu 
arbeiten, die er am 28. Juli begann und am 13. September in Eisenstadt zur Erstaufführung 
brachte. 



270. Haydn an Georg August Griesinger, Wien 

[Eisenstadt, den 3. Juli 1 801] 

Wohl gebohrner 

Insonders hochzuverEhrender Herr! 

An die Solidität und Rechtschaffenheit des Herrn Härtel hab ich nie 
gezweifelt, zum beweis dessen soll Er auch den vorzug vor allen anderen 
haben, wenn er in dieses einwilliget, was ich hier anzeige. Erstens um 
mich von Herrn Andre 1 loszumachen und um seine dringende Unter- 
händlerin in wienn zu überzeugen, und um keine Zeit zu verlieren, 
muß H. Härtel, oder Euer Wohlgeboren selbst als Geschäftsträger an 
mich schreiben, wie daß H. Härtel (nachdem ich für die Jahreszeiten 
6000 fl. verlangte) mir 5000 fl. als allein Besitzer zahlen wolle, welche 
Summa Herr Andre nie wird geben können, um so weniger, da ich das 
Geld von ihm in Baaren gefordert habe, indessen aber bleibt es zwischen 
uns mit 4500 fl. in Wiener Banco. Zweytens verlange ich nach ab- 
geschlossenem Contract und bey Übergabe der Partitur alsogleich zwey- 
tausend 2 Gulden und die übrigen 2500 fl. nach der nächsten Ostermess 
in Zeit von 6 Wochen, hingegen entsage ich ausser zweyen Exemplairen 
für mich sowohl von der Partitur als Ciavierauszug alle übrige vortheile, 
nur muß H. Härtel sich verbinden, sobald die Partitur abgedruckt ist, 
24 Exemplair (welche aber bezahlt werden) für die hiesige Associrten H. 



368 



Cavaliers' entweder an mich oder an H. Baron v. Swieten einzuschücken. 
NB: aber 8 oder 14 Tag noch vor der ofentlichen Herausgabe: indessen 
kann H. Härtel nach verflossener dieser Zeit sowohl die Partitur als 
Ciavierauszug zugleich herausgeben, ich werde nicht ermangeln, den 
anverlangten Ciavierauszug durchzusehen, den Nachdruck aber in K. K. 
Staaten kann ich nicht verhindern, weil die herausgäbe in Ausland ge- 
schieht, H. Härtel sol aber diesfals unbesorgt seyn, denn unsere H. 
Verleger sind ausser stand gesetzt, so etwas grosses zu unternehmen: ich 
hoffe demnach, daß H. Härtel mit meinem Antrag zufrieden seyn wirdl 
Nur noch eines muß ich beifügen, wie daß das Manuscript, so wie jenes 
von der Schöpfung in händen des Baron v. Swieten zu verbleiben hat, 
dieweilen beide nach dem todt des H. Baron zum Andencken in die 
K. K. Bibliotheck samt seiner eigenen schönen Musicalischen Sammlung 
übertragen wird in dessen hab ich die Abschrift unter meiner Auf- 
und Durchsicht in meinem Hauß rein und sauber abschreiben lassen, 
und kostet mich 80 fl, welche aber nicht zu bezahlen sind, in erwartung 
einer baldigen Andwort bin ich mit grösster hochachtung 

Euer Wohlgeborn 

gehorsamster diener 
Joseph Haydn. 
Eisenstadt, den 3" 1 July 1801. 

verschollen (einst offenbar im Geschäftsarchiv Breitkopf & Härtel). ED: Hase 2 4 ff, die 
einzige Quelle für (eÜb) Landon CCLN iSß /und für unsere Ausgabe. 
1. Andri: Der bekannte, von Johann Andri (1741-1799) gegründete Musikverlag in Offen- 
bach, den jetzt sein Sohn Johann Anton Andri (1775-1842) leitete. Er war es auch, der im 
Vorjahre (1800) von Mozarts Witwe den gesamten handschriftlichen Nachlaß Mozarts 
angekauft hatte. — 2. %rveytausend Gulden: so nach dem Text bei Hase. Warum Landon hier 
„one thousand Gulden" übersetzt, ist unverständlich. Durch unsere berichtigte Lesung 
wird auch Landons Fußnote 2 hinfällig. — 3. Cavaliers: Gemeint ist jene „adelige Lieb- 
habergeseJlschaft", die die Erstaufführung der Jahreszeiten (wie auch schon jene der Schöp- 
fung) und Haydns Honorar für das Werk finanziert hat. 

271. Schulmeister Ockl an Haydn 

[Plan, den /. Juli 1S01.J 

[Auch dieser an Haydn gerichtete Brief Ockls ist verschollen. Über seine einstige Existenz 
wissen wir wieder nur aus Haydns Antwortschreiben vom 24. Juli 1801 <<vgl. Nr. 275 
dieser Ausgabe.) ] 

2 4 369 



272. Haydn an Georg August Griesinger, Wien 

[Eisenstadt, den 10. Juli 1801] 
Wohlgebohrner 

Insonders hochzuverEhrender Herr! 

i 

Zwey Stund vorher, als ich Dero werthes schreiben mit der Versicherung 
erhielt, daß Herr Härtel sich entschlossen habe, mir die Viertausend 
fünfhundert Gulden für die Jahreszeiten zu bezahlen, tratte Herr Hof- 
meister 1 aus Leipzig in mein Zimmer, und forderte von mir mit einer 
gewissen Gravität die Partitur derer Jahreszeiten gegen augenblicklicher 
Verlegung des Geldes, wenn ich auch fünf tausent Gulden dafür ver- 
langte; allein ich antwortete Ihm, wie daß ich eben heute ein schreiben 
von H. Härtl erwarte mit der Versicherung, daß H. Härtel mir die 
anverlangten fünftausend Gulden ohne anstand bezahlen wird; Herr 
Hofmeister wäre noch keine virtel stund aus meinem Zimmer, erhielt 
ich dero schreiben, 2 welches ich alsdan H. Hofmeister um Ihm zu über- 
weisen selbst vorzeigte, und Ihm zugleich ersuchte, den richtigen ver- 
kauf an H. Härtel der Madame N. N. von Offenbach' in wienn zu wissen 
zu machen, damit auch Sie weiters hin keine forderung mehr zu hoffen 
habe, auf diese Arth entledigte ich mich auf einmahl von zwei Secca- 
turen. Nun erwarte ich also den Contract, und sobald solcher geschlossen 
seyn wird, werd ich die Partitur durch meinen Bedienten E. W. gebohrn 
einhändigen, indess bin ich mit aller hochachtung 

Euer Wohl gebohren 
gehorsamster dienet 
Eisenstadt, den io tn July / 1801. Jos. Haydn. 

O verschollen; einst im Geschäftsarchiv der Firma Breitkopf & Härtel. ED: Hase 26 f, 
die einzige Quelle für (eÜb) London CCL.N 184 /und unsere Ausgabe. 
Auch in diesem Brief handelt es sich immer noch um den Verkauf der Partitur der Jahres- 
zeiten, um die Haydn von drei Verlegern gleichzeitig bedrängt wird. 
1. Es handelt sich um Franz Anton Hoffmeisier (1754-1812), der zunächst (1784) in Wien 
einen Musikverlag gründete; diesen verkaufte er 1793 an Artaria und zog 1800 nach 
Leipzig, wo er mit A. Kühnel die Verlagsfirma „HofFmeister und Comp." gründete, einen 
Vorläufer des späteren berühmten Peters-Verlages, Vgl. Alex. Weinmann, Wiener Musik- 
verleger und Musikalienhändler von Mozarts Zeit bis gegen 1860, Wien 1956. — 2. Dieser Brief 
Griesingers an Haydn ist nicht vorhanden. — 3. Dies ist offenbar die im Brief Nr. 270 
genannte „dringende Unterhändlerin" von Andre aus Offenbach. 

370 



273- Huldigungsschreiben 142 französischer Musiker an Haydn 
De Paris ce 1 Thermidor, an IX de la Republique Frattfaise 

[Paris, den 20. Juli 1801.] 

Les artistes franfois reunis 1 au tbedtre des Arts, pour exe" cuter l'immortel ouvrage 
de la Cr Nation du monde composS par le celebre Haydn, phetres d'une juste admi- 
ration pour son genie, le supplient de recevoir ici l'hommage du respect, de l'en- 
thousiasme, qu'il leur a inspiri et la medaille qu'ils ont fait frapper en son 
honneur. 

11 ne se passe pas une annee qu'une n ouvelle production de ce Cotnpositeur sublime 
ne vienne enchanter les Artistes, eclairer leurs travaux, ajouter aux progres de 
l'art, etendre encore les routes immenses de l'barmonie, et prouver qu'elles n'ont 
point de bornes, 1 en suivant les traces lumineuses, dont Haydn embellit le prisent 
et sait enrichir l'avenir. Mais l'imposante conception de l'oratorio surpasse encore, 
s'il est possible, tout ce que le savant compositeur avait offertjusqu'ici ä l'Europe 
etonnee. 

FLn imitant dans cet ouvrage lesfeux de la lutniere, Haydn a paru se peindre lui- 
mime, et nous prouver ä tous, que son nom brilleroit aussi longtems que l'astre 
dont il semble avoir empruntS les rayons. 

P. S. Si nous admirons ici l'art et le talent avec lequel le citoyen Gateaux 1 a si 
bien rempli nos intentions, en gravant la mSdaille, que nous offrons ä Haydn, nous 
devons rendre hommage aussi ä la noblesse des sentimens, avec lesquels il s'est 
contente pour son ouvrage de la simple gloire, qu'il recueille aujourdhui. 
Key, chefd'orchestre du theätre des Arts. 
Segur lejeune. Auvray, Fr. Rousseau. Xavier. Key ßme. SaillarS etc. etc. 
[in allem 142 Unterschriften.] 

O verschollen (nur aus gedruckten Quellen bekannt). ED:Allg. Mus. Zeitung Nr. fi ( 1S01) 
842 ff. Griesinger 72 f (die beste Quelle; Neuausg. Grasberger 40-41); Dies 77//(Neuausg. 
Seeger 17; f); (eÜb) London CCLN iSj. 

1. Dies (irrtümlich) „reunie". • — • 2. Dies und Pohl III: „pas de bornes". — 3. Bei Dies 
und Pohl willkürlich geändert in „Mr. Gatteaux". — 4. Bei Dies sind die Namen über- 
haupt weggelassen; bei Pohl willkürlich reduziert und 2. T. irreführend verlesen. Rein 
orthographische Abweichungen lassen wir unregistriert. 

Die Veranlassung zu diesem Schreiben, die Pariser Erstaufführung der Schöpfung, hat am 
24. Dezember 1 800 stattgefunden. Die im B rief erwähnte goldene Medaille von N. Gatteaux 
ist von Haydn testamentarisch dem Fürsten Esterhazy vermacht worden; vgl. den Testa- 
mentsentwurf Haydns vom 6. Dezember 1801 (Nohl 166). 

24* 371 



274. Haydn an Georg August Griesinger, Wien 

[Eisenstadt, den 21. Juli 1801] 

Wohlgebohrner 

Insonders Hochzu verEhrender Herr! 
Dero werthes schreiben samt den eingeschlossenen Contract 1 habe ich 
den 28" 1 dieses 1 richtig erhalten, übersende demnach den von mir unter- 
zeichneten Contract, welcher sehr gut abgefaßt ist. Nur kann ich die von 
mir unterstrichenen Zeilen der öffentlichen Anzeige nicht billigen, weil 
kein Verleger Ursach haben sol zu glauben oder zu Muthmassen, daß ich 
dieses grosse werck verschleudert, oder aus Noth um eine Kleinigkeit 
hindangegeben, oder daß ich erst nach und nach einige vortheile daraus 
ziehen solte, welches Anlas geben könnte, daß unser Verständnis wegen 
den 5 Tausend Gulden, so H. HofMeister aus Leipzig selbst überlesen, 
nicht acht wäre; ich wünschte demnach diesen Articul ganz auszulaßen, 
und solches dem H. Hartel bey Zeiten zu berichten, dan ich will mich bey 
all die übrige H. Verlegers keiner Kritick aussetzen, auch würde es H. 
Baron v. Swieten niemals für gut befinden, ich wünschte Ihme dissfals 
um Rath zu fragen. Herr Härtel sol den Praenumerations Preis nicht 
zu hoch spannen, so wird er von allem Nachstich gesichert seyn. die 
Jahreszeiten sind wegen den 4 Abtheilungen um ein beträchtliches stärker 
als die Schöpfung; die Chöre sind eben so vollstimmig, indeß bin ich mit 
aller Hochachtung 

Euer Wohlgebohrn 

gehorsamster diener 
Eisenstadt den 21*° July 1801. Jos. Haydn mppria 

0: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCLN ))j festgestellt: Geschäfts- 
archiv Breitkopf -> Samml. Julius Rietz, Dresden -»■ List u. Franke Kat. 7. Dez. 1887, 
Nr. 556 -> Samml. Julius v. Herz, Wien 1892 ->■ C. G. Börner, Kat. 3.-6. Mai icjii.Nr. 98} 
-> Samml. W. Heyer Köln ->? Gegenwärtiger Besitzer unbekannt. K. von Mandyczewski: 
Archiv der GdMf in Wien; ein Foto dieser Kopie ist uns durch H. C. R. Landon über- 
mittelt worden. — ED: Nohljz L VI. (eÜb) Landon CCLN iSS. Unsere Ausgabe stützt 
sich auf eine Kollation der Texte von Mandyczewski und Nohl. 

1. Da das Abfassungsdatum dieses Briefes in beiden Quellen (s. oben) übereinstimmend 
als 2i. Juli gelesen wurde, kann das Datum („den 28' 11 dieses") im Brieftext nur eine Fehl- 
lesung Mandyczewskis sein; sie muß sinngemäß entweder den zosten (so bei Nohl) oder 
den 1 Ssten (Landon) heißen. — Dieser Brief (wie schon Nr. 270 und 272) betrifft den Vertrag 
über die Jabreszei/en-Partitut. 

372 



275- Haydn an den Schulmeister Karl Ockl 1 , Plan (Böhmen) 

[Eisenstadt, den 24. Juli 1801] 

[Kopistenschrift; nur Anrede und Unterschrift sind autograph] 

Hochedlgebohrner / HochgeEhrtester Herr! 

Ihre beyden Briefe sowohl vom 29"" May als vom j teo Juli, 2 mit welchen 
Sie mich zu beehren beliebten, habe ich richtig und mit vergnügen er- 
halten. Es freute mich ungemein zu hören, daß mein Oratorium von allen 
Musikfreunden in jener gegend eben den Beyfall erhielt, den es beynahe 
schon vom grössten Theil von 3 Europa zu erhalten das glück hatte; aber 
zu meinem größten Erstaunen musst' ich die daraus entstandene sonder- 
bare geschichte vernehmen, die in der Zeit-Epoche, in der wir leben, 
sicher dem Kopfe und Herzen des Urhebers davon wenig Ehre zu machen 
scheint. Seit jeher wurde die Schöpfung als das erhabenste, als das am 
meisten Ehrfurcht einflössende Bild für den Menschen angesehen. 
Dieses große Werk mit einer ihm angemessenen Musik zu begleiten, 
konnte sicher keine andere Folge haben, als diese heiligen Empfindungen 
in dem Herzen des Menschen zu erhöhen, und ihn in eine höchst empfind- 
same Lage für die Güte und Allmacht des Schöpfers hinzustimmen. — 
Und diese Erregung heiliger Gefühle sollte Entweihung der Kirche 
sein? 

Sind sie ganz ruhig über den Erfolg dieser Geschichte, denn ich bin 
überzeugt, daß ein vernünftiges Consistorium diesen Apostel des Friedens 
und der Einigkeit näher mit seinen Pflichten bekannt machen wird, da es 
nicht unwahrscheinlich ist, daß die Menschen mit weit gerührterm Herzen 
aus meinem Oratorio als aus seinen Predigten herausgehen dürften, und 
daß keine Kirche durch meine Schöpfung je entheiligt, wohl aber die 
Anbethung und Verehrung des Schöpfers dadurch eifriger und inniger 
in einer solchen heiligen Stätte erzielt werde. Sollte diese für jeden 
Vernünftigen höchst lächerliche Geschichte nicht durch das Consistorium 
beigelegt werden, so bin ich bereit, selbst Ihrer k. k. Majestäten es an- 
zuzeigen, Allerhöchstweiche dieses Oratorium nie ohne wahrster Rührung 



373 



anhörten und ganz von dem Werthe dieses heiligen Werkes überzeugt 
sind, der ich übrigens mit vollkommenster Hochachtung bin 

Euer Hochedelgebohrn 

ergebenster diener 
Joseph Haydn mppria 
[Siegel] D r [Doctor] der Tonkunst 
Eisenstadt, den 24. July 1801. 
[Außen Adresse:] 

A Monsieur 
Monsieur Charles Ockl 
Rector in Plan / a 
Plan 

nächst Miess. 
[Postalnotiz über die Ablieferung:] pr. [praesentiert] Pilsen / gegen Anz. 

O verschollen; es befand sich einst (bis?) im Besitz der Familie Nadler in Plan. ED: Deutsche 
Zeitung (Wien) 23. Dez. I &7}, ) un d Allg. Mus. Zeitimg 1874 Nr. ), 41 f. Danach Pohl III, 
187 (nicht ganz buchstabengetreu); usw.; (eUb) Landen CCL.N 1 86 f. Eine Fotokopie des 
Autographs befindet sich in der Stadtbibl. Wien, Nr. 99 282. Hieraus sind uns Emenda- 
tionen und Ergänzungen (zum Text von Pohl III) durch H. C. R. Landon mitgeteilt 
worden. 

1. Die Veranlassung zu diesem Brief soll hier (nach Pohl III, 186 f) kurz dargelegt werden. 
Der Schulrektor Ockl aus Plan, ein Verehrer Haydns, wollte in der Dorf kirche St. Johann 
bei Plan Haydns Schöpfung aufführen. Vom Prager Consistorium (als der Obrigkeit Ockls) 
wurde ihm ein abschlägiger Bescheid gegeben. Die Bewohnerschaft des Dorfes wollte 
aber unbedingt Haydns Musik ausführen. Der beliebte Rektor, dem man keine Unannehm- 
lichkeiten bereiten wollte, wurde in einem Wagen entführt (um ein Alibi für ihn zu haben), 
und so wurde Haydns Werk dennoch aufgeführt. Die rebellische Aktion der Einwohner- 
schaft wurde ruchbar; ein Geistlicher der Gegend, dem Haydns Name unbekannt war, 
predigte ganz entsetzt, daß nun gar in der Kirche Oratorien von „Heiden" aufgeführt 
würden. Ockl Wurde um seine Stellung bang, und er wandte sich um Hilfe an Haydn. — 

2. Die zwei hier erwähnten Briefe Ockls an Haydn sind verschollen. — 3. Pohl: „in Europa" 
(verlesen). — Rein orthographische Abweichungen der verschiedenen Quellen haben 
wir nicht registriert. 



374 



276. A. Buijn im Namen der Gesellschaft „Felix Meritis" 
(Amsterdam) an Haydn 

[Amsterdam, den 2j. Juli 1801] 

De Heer Joseph Haydn 
Hoog Geachte Heer, 

Uwld's voor my %p ^eer verlierende missive heb ik wel ontfangen, 1 en daar %yt ge- 
%ien Dat Uwld fLidmaatschap Gracieus Aanneemt. Thans grypt ik my van dien 
aangenaame plicht Uwld hier needers toe te tuenden t'Diploma der seider Maat- 
schappy met de wetten, Uwld nogmaals daarmede Geluk wenschende. 
Met de Welmeenenste Dankbetuyginge %al ik de Vier Jaargetyden 2 Verwagten, 
Na Uwld in de bescherming des Aller Hoogste te hebben aanbevoolen noeme ik my 
met by Zondere Hoogachting 

Amsterdam den 2? July 1801 

Hoog Geachte Heer! 
Uwld Ond\ Gehoor^amme Dienaar 
A. Buijn 
op den dam tot Amsterdam. 

O: Staatsarchiv Budapest, EA, Varia, Fase. 2432 (3) p. 1-2. Eine deutsche Übersetzung 
der Esterhäzy-Kanzlei aus 1811 daselbst: p. 7. ED: Valkö II, zji Nr. 2jo. (eÜb) Landon 
CCLN 188. 

1. Haydns hier erwähnter Antwortbrief auf das erste Schreiben der Amsterdamer Gesell- 
schaft (vgl. Nr. 265) ist verschollen. — 2. Haydn scheint Buijn ein Exemplar seiner Jahres- 
zeiten versprochen zu haben. 



277. Haydn an die 142 Französischen Musiker, Paris 

[Wien <?>, den io" Augüsti 1801] 1 
Meine Herren! 

Es kömmt 2 besonders großen Künstlern zu, Ruhm zu ertheilen, und wer» 
darf auf dieses schöne Vorrecht mehr Anspruch machen, als Sie; Sie, 
welche die gründlichste und einsichtsvolle Theorie mit der geschicktesten 
und vollkommensten Execution verbinden, (wie) einen 4 Schleyer über die 
Mängel (der Werke) der Componisten 5 werfen, und oft Schönheiten in 

375 



denselben entdecken, welche sie selbst nicht vermuthet hatten? Auf 
solche Art haben Sie sich durch Verschönerung der Schöpfung das 
Recht erworben, an dem Beyfall Theil zu nehmen, welchen diese Compo- 
sition erhalten hat. Diese Gerechtigkeit, die ich Ihnen widerfahren lassen 
muß, läßt Ihnen auch das Publikum widerfahren. Die Hochachtung 
desselben für Ihre Talente ist so groß, daß Ihr Beyfall den seinigen be- 
stimmt, und daß Ihr Beyfall für diejenigen, die ihn erhalten, gewisser- 
maßen ein anticipirter Ruhm der Nachwelt ist. Ich habe oft gezweifelt, 
daß mich mein Nähme überleben würde; 6 allein Ihre Güte flößt mir Ver- 
trauen ein, und das Denkmahl, womit Sie mich beehrt haben, berechtigt 
mich vielleicht zu glauben, daß ich nicht ganz sterben werde. 
Ja, meine Herren, Sie haben (an einem Tage die Arbeiten von 60 Jahren 
belohnt. Sie haben) 7 meine grauen Haare gekrönt, und den Rand meines 
Grabes mit Blumen bestreuet. 8 Mein Herz kann nicht alles ausdrücken, 
was es empfindet, und ich kann Ihnen meine tiefe Dankbarkeit und 
Ergebenheit nicht schreiben. 9 Sie werden selbige würdigen; Sie, meine 
Herren, welche die Künste aus Enthusiasmus und nicht aus Eigennutz 10 
cultiviren, und Glücksgüter für nichts, aber Ruhm für" alles halten. 

Ich bin etc. 

[Joseph Haydn] 12 

verschollen. ED: AMZ Jg. }, 867-868 (hat uns nicht vorgelegen). Unser Brieftext ist 
durch kritischen Vergleich der publizierten Fassungen hergestellt: Dies 176 f (Neuausg. 
Seeger 176 f, mit willkürlicher Änderung); Nohl ijpf; August Reißmaiw, Joseph Haydn, Berlin 
187p, 22jf(die einzige Veröff. mit Datum und Unterschrift); Pohl III, 184/; (eÜb) London 
CCLN 188 f. 

1. Dies und Nohl geben kein Datum an. Dieses Datum hier nach Reißmann bzw. Pohl III, 
i8j, der aber dessen Richtigkeit gleich anzweifelt; laut Rosenbaums Tagebuch soll sich 
Haydn am 10. Aug. 1801 nicht in Wien, sondern in Eisenstadt befunden haben. — 2. Dies, 
Nohl, Reißmann: „kommt". — 3. Pohl: „man darf" (Fehllesung, sinnlos). — 4. Dies, 
Nohl, Reißmann: „einen Schleier"; Pohl: „wie Schleier". Im Autograph stand vermutlich 
wie einen Schleier. — 5. Dies, Nohl: „die Mängel der Componisten"; Reißmann, Pohl: 
„die Mängel der Werke der Componisten". Dies (Neuausg. Seeger): „Die Mängel der 
Kompositionen" (dies ist offenbar eine willkürliche Korrektur). — 6. Dies, Nohl, Pohl: 
„würde"; Reißmann: „werde". — 7. Der von uns in runde Klammern gesetzte Halbsatz steht 
bei Reißmann und Pohl; er fehlt bei Dies und Nohl; bei Dies wohl aus Versehen wegge- 
blieben, Nohl aber hat seinen Text offenbar aus Dies geschöpft. — 8. Nohl: „bestreuet"; 
Reißmann, Pohl: „bestreut". — • 9. Dies, Nohl: „schreiben"; Reißmann, Pohl: „beschreiben" 
(offenbar willkürlich korrigiert). — 10. Pohl: „und Enthusiasmus und nicht nur Eigen- 

376 



nutz" (verlesen, sinnlos). — n. Reißmann: „über alles"; in allen anderen Quellen die 
richtige Lesart: „für alles". — iz. Die Unterschrift ist nur bei Reißmann mitgeteilt. — 
Landott CCL.N 1S9 Fußn. 1 meint, daß dies die deutsche Übersetzung eines französischen 
Originals sein könnte („only the German Version has survived"). Es besteht aber gar kein 
Grund, diese deutsche Textfassung nicht als das Original Haydns anzusehen. Haydn 
schrieb zeit seines Lebens ein ziemlich mangelhaftes Französisch (vgl. z. B. seine Briefe 
an Forster). Jetzt konnte er es sich schon leisten, den französischen Musikern in seiner 
Muttersprache zu danken. 



278. Haydn an Georg August Griesinger, Wien 

[Eisenstadt, den 21. August 1801] 

Wohlgebohrner 

Insonders hochzuverEhrender Herr! 

Die kurze Zeit zur Vollendung meiner neuen Mess 1 erlaubet mir nicht 
mehreres [mehrvon ?] darüber [darnider ?] zu schreiben, als daß ich 
endlich die Ehre habe Ihnen die Partitur der Jahreszeiten gantz zu über- 
schücken. Ich empfehle dieselbe sobald möglich H. Hartel zu über- 
machen, nur bitte ich ein Recepisse des Empfang [Empfanges ?] unser, 
[unserem] Portier zu übergeben, der ich indeß mit aller Hochachtung bin 

Euer wohlgebohrn 

gehorsamster diener 
Jos: Haydn mppria 
Eisenstadt, den 2i tn Augusti 1801. 

[Keine Adresse. Auf der Rückseite Archivnotiz von fremder Hand:] 
[links] 1801 / d. 21. August [rechts] Eisenstadt / Haydn 

O; Das Autograph wurde am 22.-23. Febr. T 9 2 ^ von K. E. Henrici versteigert, Auktionskat. 
CVII. -> heute: Kapitän Nydahl (Stockholm). Eine Textkopie nach dem Autograph 
(durch P. Badura-Skoda und den Grafen C. G. Stelian Mörner verfertigt) ist uns von 
H. C. R. Landon zur Verfügung gestellt worden. ED: (eUb) Landen CCLN iSp. 
1. Haydn arbeitete damals gerade an seiner Schöpf ungsmesse (vgl. unsere Anm. zum Brief 
Nr. 269), die am 28. Juli begonnen und am 13. Sept. 1801 bereits in Eisenstadt erstaufge- 
führt wurde. Er mußte damals also stark in Anspruch genommen gewesen sein. 



377 



279- Haydn an einen ungenannten Aristokraten (Gottfried van 
Swieten?) 

[Eisenstadt, den z6 ta Augusti 1801] 

[Dieser an eine „Exzellenz" gerichtete Brief ist gegenwärtig nicht greifbar. Wir Rennen 
nur die Inhaltsangabe: eine Partitur der Schöpfung wird von Haydn dem Adressaten „mit 
der Diligence" zugeschickt.] 

O verschollen. Text nur auszugsweise aus dem Bayreuther Musikantiquariats -Katalog (1958, 
Nr. 37) bekannt. 



280. Haydn an den Musikhändler Thaddäus Weigl 1 , Wien 

[Eisenstadt, den 11. September 1801] 
Liebster Freund! 

Ich schätze mich glücklich Ihnen mit meinem Zeugniß eine kleine ge- 
fälligkeit erweisen zu könen, um so mehr, da Sie diese wichtige Stelle 
in Wahrheit, und ohne Schmeicheley vermög Ihrer vielfältigen Ver- 
diensten und einsichten vor allen anderen verdienen, zu welcher ich Ihnen 
herzlich gratulier: ich möchte Ihnen recht gerne ein mehreres schrei- 
ben, aber eben bin ich armer alter Knab mit meiner neuen Meß, 2 so über- 
morgen producirt werden muß beym Schluß: indessen hoffe ich Sie 
bald in Wienn zu sehen, und bin mit vollkommenster hochachtung 

Liebster Freund 
Ihr dienstfertigster diener 
Joseph Haydn mppria 
Eisenstadt, den n tn 7 1 * [Sept.] 1801. 

[Keine Adressierung. Auf der anderen Seite Bestätigung des Emp- 
fängers:] Vater Haydn aus Eisenstadt / vom n ten Septb: 1801 / Erhalten 
den i4 ten Septb. 1801. 

O: Die Besitzerfolge des Autographs lautet (nach London CCLN })S): Börner Aukt. 118 
(7. Juni 1913) Nr. 164 ->■ K. E. Henrici, Verst. L. (1919) Nr. 71 -> heute: Stanford Uni- 
versity Library. — ED: Pohl III, 1S1 (mit vielen Lesefehlern). (eÜb) Landon CCLN 190. 
Emendationen und Korrekturen sind uns von H. C. R. Landon übermittelt worden. 
1. Der Adressat, Thaddaeus Weigl (1776-1844) war ein Sohn des mit Haydn befreundeten 
Joseph Weigl (über ihn vgl. Brief Nr. 7, Anm.).Haydns Brief und das folgende beigeschlossene 

378 



Zeugnis (Ni. 281) waten dazu bestimmt, Weigls Gesuch um die Erteilung der Kunst- 
händlerbefugnis bei den Wiener Amtsstellen zu unterstützen. — 2. meiner neuen Meß: 
die Schöpfungsmesse, die tatsächlich zwei Tage später, am 13. Sept. in Eisenstadt erst- 
aufgeführt wurde. 



281. Haydns Zeugnis für Thaddäus Weigl, Wien 

[Eisenstadt, den 11. September 1801] 
[Original verschollen; Text nach einer alten Kopie] 

Zeugnis 

Ich Endesunterfertigter bezeuge öffentlich und dort wo es nöthig seyn 
dürfte, daß die Musicalien welche unter der Direction des H. Thadäus 
Weigl gestochen worden, sich vor allen übrigen auf eine sehr vortheil- 
hafte art auszeichnen, welches sich auch von einem Manne wie Herr 
Thadäus Weigl ist, ganz billig erwarten ließ, da er selbst Compositeur ist 
und vollkommen alle jene Kentnisse besitzt, welche erfordert werden, 
um so eine Unternehmung mit ungetheiltem beyfalle u. selbst zum offen- 
barsten Nutzen des Staats zu führen in dem man in der Folge nicht mehr 
bemüssiget seyn wird, die inländischen Compositionen zum stiche ins 
ausländ zu befördern. 

Auf seyn verlangen habe ich alle diese Umstände die sich ganz auf Wahr- 
heit gründen, zu seinem zu machenden Gebrauch angeführet und dieses 
Zeugnis mit meiner Namensfertigung u. Petschaft bekreftiget. 
Eisenstand [?] den 11 -/ b " [Sept.] 1801 

Joseph Haydn 

O verschollen. (Weigl hat Haydns Autograph vermutlich irgend einer Wiener Amtsstelle 
vorgelegt.) Eine alte Textkopie befand sich im Artaria-Archiv und gelangte dann in den 
Besitz von H. Hinterberger (bis 1953). Der gegenwärtige Besitzer ist unbekannt. Eine 
von H. Hinterberger angefertigte Textkopie (die auch der (eÜb) London CCL.N190fa.ls 
Vorlage diente) ist uns durch H. C. R. Landon überlassen worden. Der Text dürfte im 
Laufe dieser zweimaligen Kopiatur etwas korrumpiert worden sein. 



379 



282. Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn 

[Eisenstadt, den 28. September 1801] 
[Kan%leikoni%ept in 2 Spalten, mit vielen Korrekturen] 

[Links:] Dem H: Kapellmeister Haydn 

[Rechts:] Ich empfehle Ihnen besonders, darauf/ [dahin gestrichen] bedacht %u seyn, 
daß die Chormusik-Individuen [linksspaltig nachgetragen: ohne Ausnahm] %ur 
dienstleistung jederzeit in ihren uniformen rein und sauber, mit gekämten, [Haaren 
gestr.J und eingepuderten haaren erscheinen [sollen gestrichen], und ihre uniformen 
immer gut conserviren sollen, wie in widrigen 1 sich die Übertretters ihre Aus- 
schliessung von dem „Chor-Gremio" selbst zuzuschreiben haben werden. Eisenstadt 
am 28"" Sept: 1801. 
[Links:] exp. Esterha^y. 

O: Budapest, EA-TS, A. M., Fase. 26, Nr. 1899. ED: Valkö II, 614 (Faks. daselbst, Taf. 

Nr. 8). (eÜb) London CCLN 191. 

1. Hier sind die Worte „ich mich genötiget sehen werde" gestrichen. 



283. Haydn an Georg August Griesinger, Wien 

[Eisenstadt, den 1. Oktober 1801] 

Wohl gebohrner 

Insonders hochzu verEhrender Herrl 

Ich bedaure ebenfals, daß ich lezthin die Ehre nicht haben konte Euer 
Wohlgeborn in Wienn zu sehen, doch hoffe ich Ihnen alldort sehr bald 
meine aufwartung zu machen, indessen übersende ich Euer Wohlgeborn 
den anverlangten abdruck der Medaille, 1 und glaube, daß Herr Härtel 
damit zu frieden seyn wird; was aber die Übersetzung deren Jahreszeiten 
in quart- oder quintetten betrifft, so gedencke ich dem H. Wraniczky 1 
von fürst Lobkowitz den Vorzug zu geben, da ich nicht allein mit sei- 
ner guten Übersetzung von der Schöpfung, sondern auch der Sicherheit 
wegen eines eigennützig weitern gebrauches ganz zufrieden bin. mit 
nächsten werden Euer Wohl gebohrn von H. Baron v. Swieten Ein oder 
zwey theil von denen Jahreszeiten mit unterlegten Englischen oder 

380 



Französischen Text erhalten. Indessen hab ich die Ehre mit vollkom- 
menster Hochachtung zu seyn 

Euer Wohl geborn 

gehorsamster diener 
Joseph Haydn mppria 
Eisenstadt, den i tn 8 br [Oct.] 1801. 



O (Autograph Haydns): Hist. Society of Pennsylvania. Eine Fotokopie ist uns durch 
H. C. R. Landon übermittelt worden. ED: Pohl III, 190 f (mit mehreren Lesefehlern). 
(eÜb) Landon CCLN 191. 

1. Die im Brief Nr. 273 erwähnte goldene Medaille der Pariser Künstler. — 2. Gemeint 
ist Anton Wranit^ky (1761-1820, seit 1794 Kapellmeister des Fürsten Lobkowitz), dessen 
Bearbeitung der Schöpfung für Streichquartett im März 1801 bei Artaria erschien (PI. 
Nr. 850). 



284. Haydn an den Verleger George Thomson, Edinburgh 

Eisenstadt, den 7. Oktober 1801 

[Das Original dieses Briefes ist in italienischer Sprache geschrieben und 
in Privatbesitz; uns deshalb nicht zugänglich gewesen. Verfügbar war 
nur die deutsche Übersetzung (nach dem Original) von Botstiber:] 

Hochgeschätzter Freund! [Original offenbar: Stimatissimo Amicol] 
Ich schicke Ihnen hiemit die Violinbegleitung für die gewünschten Lieder 
(bezeichnet mit N r 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8) und glaube Ihren Geschmack ge- 
troffen zu haben. Das Ritornell von N 1 1 5 habe ich noch geändert und die 
Coda von N r 2, 9, 24, 25 hinzugefügt, wie Sie es wünschten. Ich werde 
mir alle Mühe geben, um Sie bei den anderen Liedern zufrieden zu stellen, 
aber Sie müssen noch ein wenig Geduld haben und bedenken, daß ich 
schon sehr alt bin. 

Schicken Sie mir die Worte der 6 Canzonetten und ich werde Ihnen in 
kurzer Zeit Antwort geben, wann sie fertig sein werden, aber diese 
Sonatine für Pianoforte und Harfe bin ich nicht imstande zu machen, da 
ich schon zu schwach bin. 

Ich danke Ihnen unendlich für die Taschentücher und für die schöne 
Dose, welche ich höher schätze als wenn sie von Gold wäre. Ich bitte 

381 



Sie, mir an Stelle des Herrn Straton 1 irgend einen Herrn im Hause des 
Gesandten zu bezeichnen, mit Rücksicht auf unsere Geschäfte. 
Im übrigen bin ich mit aller Hochachtung, teurer Freund, 

Ihr ergebenster Diener 
Joseph Haydn ' 

heute in unbekanntem Besitz und nicht zugänglich. Das Autogtaph Haydns wurde 
laut dem Lagerkat. Nr. 7 von K. E. Henrici (Nr. 47) versteigert. Unsere einzige Quelle 
ist der ED in deutscher Übersetzung: Botstiber, in Der Merker Jg. I, Heft 19, jji und 
die darauf gestützte (eÜb) London CCLN 192. 

Der Briefwechsel zwischen Haydn und dem schottischen Verleger George Thomson, für den 
Haydn schottische u. a. Lieder bearbeitete, ist mit dem Brief Nr. 262 (vom 27. April 
1801) angebahnt worden. Von den (insgesamt 15) erhalten gebliebenen Briefen Haydns 
an Thomson (aus den Jahren 1 801 -1804) ist dies der zweite. 

1. Straton (ein Sekretär der britischen Gesandtschaft in Wien) hat offenbar als Ver- 
mittler zwischen Haydn und Thomson gewirkt. 



285. Haydn an die Gesellschaft „Felix Meritis", Amsterdam 

[Eisenstadt, den 18. Oktober 1801] 
Hochgelahrte Herren ! 

DengütigenBeyfall, womit die Werke meines geringen Talents bis jetzt bey- 
nahe überall aufgenommen wurden, habe ich für den schönsten, aber zu- 
gleich auch für den einzigen Lohn angesehen, den ich mir bisher versprechen 
konnte. Wenn sich aber eine Versammlung von Männern entschließt, 1 die 
kein anderer Titel als das nur allein entscheidende Verdienst vereinigt, mich 
in ihren erhabenen Cirkel aufzunehmen; dann sehe ich mit hohem Blick 
auf die Arbeiten von 70 vollen Jahren zurück, die ich mit ununter- 
brochener Anstrengung auf eine Kunst verwandt habe, die mir in meinem 
sinkenden Alter eine so unversiegbare Quelle von Ehre und Freuden 
wird. Ja, Verehrung s würdige Herren, Sie erfüllen mein Herz mit den 
süßesten Empfindungen, Sie beleben von neuem mein graues Haupt, 
indem Sie mir die schöne Zuversicht geben, daß wenn auch meine Werke 
von der Nachwelt ungeschätzt würden, mein Name, umstrahlt vom 
Glänze der Ihrigen, nicht ganz vom Strome der Vergessenheit ver- 
schlungen werde. Durch dieses öffentliche Denkmal von Hochachtung, 

382 



welches Sie auf eine so ehrenvolle Art dieser Kunst darbringen, erhalten 
Sie ein volles Recht auf den bleibenden Dank der Nachwelt; denn durch 
dieses edle Verfahren erwecken Sie die schlafenden Talente. Sie bezeichnen 
ihnen die Bahn und zugleich den Lohn, der sie am Ziele erwartet. Emp- 
fangen Sie daher die aufrichtigsten Versicherungen, daß mein Herz 
ganz von dem innigsten Dankgefühle durchdrungen sey, womit es Ihre 
schmeichelhaften Ehrenbezeugungen erfüllen, und daß ich einst mit 
wahrer Seelenruhe von meiner Laufbahn abtreten werde, da mich der 
süße Gedanke belebt, daß mein Platz nie unbesetzt bleiben wird, weil sich 
alle Verdienste vereinigen, diese Kunst in ihren Schutz zu nehmen. 
Ich bin [mit aller Hochachtung 

Hochgelahrte Herren 
Dero ergebenster und gehorsamster Diener] 
Joseph Haydn 
Eisenstadt, den i8 tn 8 br [Oct.] 1801. 2 

O (Autograph?) verschollen. ED: Pohl III, 182-18}. Eine zeitgenössische holländische 
Übersetzung befindet sich im Gemeente Archief Amsterdam, Arch. Felix Meritis, 
Nr. 7^-,7<?(hievonistuns eine durchs. v.Hoboken besorgte Fotokopie überlassen worden). 
1. entschließt: Pohl III liest hier „anschließt", was nur ein Lesefehler sein kann. — 2. Im 
deutschen Original Haydns, für das Pohl III, 182/ die einzige Quelle ist, bricht der Text 
mit „Ich bin usw." ab, läßt Begrüßungsformel und Datierung demnach weg. Diese haben 
wir (dem Vorgehen Londons CCLN 19) folgend) aus der in Amsterdam aufbewahrten 
amtlichen holländischen Übersetzung rückübersetzt und ergänzt. 

Die Gesellschaft „Felix Meritis" in Amsterdam hatte Haydn im März 1801 zu ihrem 
Ehrenmitglied gewählt (vgl. die diesbez. Korrespondenz unter Nrn. 265, 276 dieser Aus- 
gabe). Mit vorliegendem Dankschreiben Haydns ist diese Angelegenheit abgeschlossen. 
Die gewundene Formelhaftigkeit unterscheidet dieses Schreiben ziemlich stark von den 
eigenhändigen Briefen Haydns; es macht den Eindruck eines diktierten oder gar von 
jemand anderem für Haydn aufgesetzten Briefes. 



286. Haydn an den Baron Gottfried van Swieten, Wien 

[Eisenstadt, den 21. Oktober 1801] 
Excellence! 

Die Menge der arbeiten verschiedener Copiaturen für den fürstlichen 
Chor verursachten diese lange Verzögerung: 

383 



ich war so frey Euer Excellenz die ganze Partitur 1 mit zu schücken, indem 
ein und andere kleinigkeiten, welche von mir spätter beygefügt wurden 
aussen geblieben sind, wie Eure Excellenz aus dem zeichen 2 ersehen 
werden: 

Seit langer Zeit hab ich weder von Herrn Hartel [sie] noch von ' ; seinem 
geschäftstrager H. v. Griesinger einige Nachricht erhalten, und wundere 
mich sehr über seine Ankündung, da er mir versprach die Erstem Ab- 
drücke der Correctur wegen nach und nach einzuschücken; ich bitte dem- 
nach Eure Excellenz gehorsambst den H: v. Griesinger zu sich zu berufen 
und Ihme alle nöthige Vorstellungen zu machen, damit Eure Excellenz 
befriediget werden. künftige woche werde ich selbst die gnade haben 
meine gehorsamste aufwartung zu machen, der ich indessen mit tiefester 
Ehrfurcht bin 

Euer Excellenz 

unterthänigst gehorsambster diener 
Joseph Haydn mppria 
Eisenstadt, den 21' 8 br [Oct.] : 8oi. 

[Keine Adresse. Links oben in der Ecke (von späterer Hand hinzuge- 
fügte) Notiz:] An den B oc van Swieten K. K. Oberbibliothekar, und Ver- 
faßer des Texts zu Haydn's „Schöpfung" und den „Jahrzeiten". 

0: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landon CCLN )}8 festgestellt: David 
Salomon Kat. 10, Nr. 90 (mit Faks.) ->■ C. F. Peters-Walter Hinrichsen (New York). Eine 
Fotokopie ist uns durch H. C. R. Landon übermittelt worden. ED: Pohl III, ipi (sehr 
ungenau, mit vielen Lesefehlern und Lücken). (eÜb) Landon CCLN 19} /(nach dem Auto- 
graph). 

1. Es handelt sich um die Partitur der Jahreszeiten, die Haydn (etwaiger Textkorrekturen 
und der fremdsprachigen Übersetzung wegen) an den Textdichter van Swieten sandte. 
— 2. Der Platz für das gewünschte Zeichen ist von Haydn leer gelassen. 



287. Haydn an den Verleger George Thomson, Edinburgh 

Vienne. ai 27" d'ottobre / 1801, 
Stimatissimo Amico. 

Vi mando dunque le Arie 1 desiderate comminciando dal Numero 14 fin 
al N ro 22. Spero sicuramente, che sareste contento, potrei far i Rittor- 



384 



nelli ancor piü lunghi ma la proporzione del Canto non lo permette. mi 
darö tutta la pena per finir e mandarvi in poco tempo tutte l'altre. pregho 
solamente d'assegnarmi un altra persona invece del Signor Straton. 2 fra 
tanto sono 

caro Amico 

il vostro Sincerissimo Amico 
e servitore 
[Unterschrift vergessen] 
[Keine Adresse. Auf S. 2. Archiwermerk Thomsons:] Haydn / Vienne 
27. Oct. / 1801. — / With Symph" and Accp" to 9 Scottish Airs. 

(Autograph Haydns) im Sammelband der Thomson -Korrespondenz, B. M. Add. 35263, 
Fol. 130. ED (in deutscher Übers.) : Botstiber, Der Merker ]g. I. H. 19. (eÜb) London CCLN 
194. Eine K. nach dem Autograph ist uns von H. C. R. Landon überlassen worden. 
1. Mit den „Arien" sind natürlich die von Thomson bestellten schottischen Liedbearbei- 
tungen gemeint (in den späteren Briefen nennt Haydn sie meist „Arietten" oder „Canzonet- 
ten"). — 2. Haydn wiederholt hier seine Bitte aus dem Brief Nr. 284. 



288. Haydn an Georg August Griesinger in Wien 

[Wien, am 4. November 1801] 

[Landon CCLN 194 glaubt die einstige Existenz dieses Haydn-Briefes an Griesinger 
annehmen zu müssen. Er beruft sich dabei auf eine Bemerkung bei Pohl III, ipi, wo es 
heißt: „Am 4. November war er (Haydn) schon zurück, wie der Inhalt eines Briefes an 
(von?^ Griesinger beweist". Genau besehen, muß dieser Hinweis nicht unbedingt einen 
Haydn-Brief dieses Datums belegen; Pohl III schreibt nur vom „Inhalt eines Briefes". 
Der betr. Brief ist jedenfalls nicht zum Vorschein gekommen. Belegt ist übrigens von dem- 
selben Tag ein Brief Griesingers an Breitkopf (vgl. Brand, )6}).'\ 

289. Haydn an den Verleger George Thomson, Edinburgh 

[Wien, den 5. Dezember 1801] 
Stimatissimo Amico 

Vi mando dunque il resto delle Arie, e son tutto persvaso, che meglio non 
possono essere fatte: poiche m'ho dato tutta la pena per contentarvi, e per 
mostrare al mondo in quanto Puomo puö arrivare nella sua scienza, parti- 
colare in questo genere della modulazione, quando egli vuol applicarsi, 

2 5 385 



e vorrei, che tutti principianti della composizione facessero la proba in tal 
maniera, il frutto del loro fatigha sarebbe in tempo sicuramente ben 
rimunerato, con questo lavoro mi lusingho di vivere in Scozzia molti 
anni dopo la mia motte: Vi pregho solamente di mandarmi un esemplare, 
quando särä stampato. Sperando ben presto una grata risposta sond 
carissimo amico 

Vostro sincero ed umilissimo 
Servitore 
Giuseppe Haydn mppria 
Vienna. ai 5 10 di Decembre 1801. 
[dazugehörige Adresse:] 
George Thomson. Esq r 
Trustees Office. 

Edinburgh. 

North Britain. 
[Mit Haydns Siegel <JH> und zweifachem Poststempel (England und 
Schottland), vom 28. bzw. 31. Dez. 1801. — Auf der Außenseite Archiv- 
vermerk Thomsons:] Haydn / Vienna 5 Dec 1801. With more Scotish Airs 
harmonized etc. / by him — and mentioning HIS HOPE THAT HIS 
NAME WILL BY MEANS OF THESE AIRS LIVE IN SCOTLAND 
LONG AFTER HIS DEATH. 

O (Autograph Haydns) im Sammelband der Thomson-Korrespondenz, B. M. Add. 35263, 
Fol. 136-137. Eine K. ist uns durch H. C. R. Landon zur Verfügung gestellt worden. 
ED: (in deutscher Übers.) Botstiber in Der Merker Jg. I. (eÜb) Geiringer MQ iSj und 
Landon CCLN 194 f. 

Dieser Brief enthält jene berühmt gewordenen Sätze Haydns, aus denen hervorgeht, daß er 
sich des spezifisch altmodischen Charakters der schottischen Weisen bewußt war und daß 
er auf die Eigenart dieser alten Melodien besonders liebevoll einging (Geiringer MQ iSj). 
Geiringer weist auch darauf hin, daß Haydn bei der Bearbeitung dieser Stücke nur von 
den Melodien (nicht aber von den dazu gehörigen Texten) ausging. (Zitiert bei Unverricht 
GBT 60.) 



386 



290. Haydns Erklärung an Breitkopf & Härtel, Leipzig 

[Wien, den 6. Dezember 1801] 

[Kopistenschrift; nur die Unterschrift autograph] 

Ich erkläre hiermit, daß die Herren Breitkopf und Härtel in Leipzig die 
einzig rechtmässigen Verleger meiner Komposition, Die Jahreszeiten betiteh, 
für ganz Deutschland sind. 
Wien, den 6 ten December 1801. Joseph Haydn 

(Autograph Haydns) dem Bombenangriff auf Leipzig (am 4. Dez. 1943) zum Opfer 
gefallen; bis dahin befand es sich im Archiv von Breitkopf & Härtel. ED: Allg. Mus. Zei- 
timg, Intelligenzblatt V. De%. 1S01, 1 (heute die einzige Quelle). (eÜb) Landon CCLN 1?;. 

291. Luigi Tomasinis 1 Eingabe an den Fürsten Nikolaus II 

ESTERHÄZY, MIT HAYDNS GUTACHTEN 

[Eisenstadt, Anfang Dezember 1801.] 
Ihro Durchlaucht! 

Unterzeichneter würde gewiß mit keiner Bitte beschwerlich fallen, wenn 
nicht die allgemeine Klage der großen Theurung auf ihn und seiner Familie 
empfindlich wäre, und er ohnedies von allen Accedencien entblößt, auch seit 
einigen Jahren seine gewöhnlichen Winterreisen, die ihm doch immer einen 
schönen Zuwachs seiner Nahrung verschaften, entbehren müste. Allein über- 
zeugt von der großen Güte seines Fürsten, von der Menge nur in diesen 
Jahren ertheilten Unterstützungen, und dem edlen Bestreben, Niemanden 
darben zu lassen! überzeugt von allen diesen Wohlthaten wagt er mit größter 
Ergebenheit die Bitte, Ihro Durchlaucht wollten die hohe Gnade haben, ihm 
eine kleine Zulage zu ertheilen, für welche hohe Gnade er mit Dankbahrkeit 
und Diensteifer erstirbt 

Ihro Fürstlichen Durchlaucht 

unterthänigst gehorsamster 
Luigi Tomasini. 
[Außen Verordnung des Fürsten:] 

Dem Kapellmeister Haydn um Bericht und Gutfachten] 

[Auf einem besonderen Blatt Haydns autogr. Gutachten:] 

Nachdem S ne Hochfürstl. Durchlaucht Unser von Gott gesegnete fürst 

25* 387 



beynahe daß ganze in Hoch Seinen Diensten stehende Personale bey so 
Eusserst theuern Zeiten mit Seiner gnade unterstüzt, So bitte ich Auch 
dem alten Luigi Tomasini in etwas bey zu stehen. 

Jos: Haydn mppria, 

[Auf der Rückseite von Tomasinis Eingabe der Beschluß des Fürsten:] 
In Rücksicht der gegenwärtigen Theurung der Lebensbedürfnissen werden dem Suppli- 
canten zu seinem dermaligen Gehalt annoch jährlich Einhundert Fünfzig Gulden als eine 
Zulage in Gnaden resolviret. Wien am 7' en December 1801. 

Nicolaus Fürst Esterhazy mppria. 

O: Budapest, EA-TS, A. M.,Fasc. 19, Nr. 1308-9. BD: ValköII, 614 (Faks. daselbst, Tafel 
9). (eÜb) Lattdon CCLN ipf-ipt. 

1. Es handelt sich um eine Bitte des Violinkünstlers und Komponisten Luigi (Aloys) 
Tomasini (1741-1808), der seit 1757 im Dienste der Fürsten Esterhazy stand und seit 1761 
als Konzertmeister einer der engsten Mitarbeiter und Freunde Haydns war. 



292. Haydn an August Eberhard Müller, Leipzig 

[Wien, den 11. Dezember 1801] 

Wohl gebohrner 

Insonders hochzu verEhrender Herr! 

Ich bewundere abermahl Ihr Talent und den grossen fleiß, welchen Sie 
sich bishero über ein so schweres werck zu unternehmen gegeben haben: 
es ist alles leicht und fasslich übersezt, besonders die lezte fuge! Nur 
bitte ich, wenn es änderst möglich, meine eingesandte Abänderungen 
beyzubehalten; übrigens überlasse ich mich gänzlich auf Ihre Kenntniß 
und selbst Verbesserung nach Ihrer tiefen einsieht, allenfals Sie etwan 
noch einige kleine fehler treffen solten; ich bin zu alt und zu schwach, als 
daß ich ein so grosses werck So genau untersuchen solte. die Herrn 
Recensenten solten dahero etwas Nachsicht haben. Nichts ist voll- 
komen in dieser welt. Sed hoc inter nos. NB. da daß ungewitter in 
2" 1 theil wegen den geschwinden Tempo unmöglich So, wie es gesezt, 
kan gespielt werden, so wäre meine Meinung auf folgende arth: damit 
der Sänger desto sicherer Intonier — als — wie Sie aus beygelegten Blat 
ersehen werden, meine heutige Schwäche erlaubt mir nicht ein mehreres 

388 



zu schreiben; in hofnung bald wider etwas zu hören und zu sehen bin ich 
mit vorzüglichster hochachtung 



Dero 



ganz ergebenster diener 
Joseph Haydn mppria 



Wienn. den n tn December 1801. 
[Außen Adresse:] Monsieur 

Monsieur Müller Maitre 

de la Musique tres Celebre. 
[Das im Brieftext erwähnte, den Korrekturen „beygelegte Blatt" ist im 
Original nicht erhalten. Seinen Inhalt kennen wir nur bruchstückweise:] 
N 1 76. müssen die ersten Tacte der letzten Zeile so heissen: 




obwohl diese in der Partitur nicht so stehen. NB! diese ganze stelle als 
eine Imitazion eines frosches ist nicht aus meiner feder geflossen; es 
wurde mir aufgedrungen diesen französischen Quark niederzuschreiben; 
mit dem ganzen Orchester verschwindet dieser elende gedanke gar bald, 
aber als Ciavierauszug kann derselbe nicht bestehen. 

O: Sammlung Floersheim-Koch, Muzzano -Lugano (eine Fotokopie ist uns durch H. C. R. 
Landon übermittelt worden). ED: (eÜb) London CCLN 196 f. 

Der Brief ist an den Leipziger Kapellmeister und Komponisten August Eberhard Müller 
(1767-18 17) gerichtet, der für Breitkopf den Klavierauszug der Jahreszeiten anfertigte. 
Der vorliegende Brief enthält außer Haydns Urteil über diese Bearbeitung auch einige 
kritische Worte über den Text der Jahreszeiten. „Durch eine Indiskretion Müllers erhielt 
A. G. Spanier, der Herausgeber der „Zeitung für die elegante Welt". . . Kenntnis von 
dieser schriftlichen Äußerung Haydns. Spazier beeilte sich, die scharfe Stelle abzudrucken 
und bei dieser Gelegenheit die Komposition der Jahreszeiten, im Gegensatz zum Text 
van Swietens, möglichst herauszustreichen." Die Folge davon war die bekannte, aller- 
dings nur kurze Zeit währende Verstimmung zwischen van Swieten und Haydn, über 
die auch Griesinger berichtet (vgl. Pohl III, )6;; Geiringer/2, 1)7; usw.). 
Dieser Brief ist anscheinend durch Griesinger nach Leipzig expediert worden. Ein 
vom 12. Dezember 1801 datierter Brief Griesingers an Härtel ist bei Sandberger NH }4~) J 
erwähnt und auszugsweise mitgeteilt. Zur Affäre mit van Swieten vgl. auch Hase ))-34- 

389 



293 • Institut National des Sciences et des Arts (Paris) an Haydn, 

Wien 

Institut National des Sciences et des Arts 

ä Paris le / Nivose an 10 de la Republique 
[Paris, 26. Dezember 1S01.J 

Le President et les Secritaires de l'Institut National des Sciences et des Arts, 
ä Monsieur Haydn, ce'lebre compositeur de Musique ä Vienne. 

Monsieur, 

L'Institut National des Sciences et des Arts, dans sa seance generale de ce jour, 
vient de vous Slire associe-etranger, pour la classe de LittSrature et Beaux-arts. 
Persuades que vous apprendre% avec plaisir votre nomination, nous nous bdtons 
de vous r annoncer. 

Veuille^, Monsieur, agreer le sincere hommage de notre estime la plus haute, 
La Porte du Theil, SecrStaire Vincent 

Villat, SecrStaire President. 

O: Budapest, Musiksammlung der N. B. Szechenyi, Analecta Mus. Ha. I, 4 (aus dem 
Nachlaß Haydns). ED: Dies 18} f (ohne Unterschriften). Pohl III, zpß (mit falsch 
berechnetem Datum); (eÜb) London CCL.N 197J; usw. 
Haydns Antwortschreiben vom 14. April 1802 siehe unter Nr. 304 dieser Ausgabe. 



294. Haydn an den Verleger George Thomson, Edinburgh 

[Wien, den 2. Januar 1802] 
Stimatissimo Amico! 

Colla speranza, che fra questo tempo abbiate giä ricevuto il resto delle 
Arie rinchiuse in due differenti lettere, vi mando con questa PAria favorita 
the blue Bell of Scottland, 1 e vorrei, che questa piccola Aria fosse stampata 
tutta sola, e dedicata in Nome mio, come un piccolo piccolo Dono d'Ac- 
compagnamento [?] alla finomata M tris Jordan, 2 la quäle senza avere 
Ponore di conoscerla stimo estremamente per la sua gran virtü e ripu- 
tazione, io non volevo far un'accompagnamento piü brillante per non 
scoprire Pespressione e la bella voce di una virtuosa si garbata. 

390 



Io vi ringrazio per i Fazzoletti, che sono molto belli; mandatemi ben 
presto le parole 3 de Tun, e dell'altro, acciö mi presso [?] dare risposta, 
se sarö capace di contentarvi. fra tanto sono 

Caro Amico 
il vostro devotissimo Servitore 
Giuseppe Haydn mppria. 

ho ricevuto l'ultimo pacchetto col resto / delle Arie 

[die folgende Zeile ist von Haydn durchgestrichen:] 

Ma per dire la veritä, son stanco 4 di questo lavoro. 

Vienna. ai 2 do di / Gennaio 1802. 

[Außen Haydns Siegel und Adresse:] Georg Thomson Esq. / Trustees 

office / Edinburgh / North Britain. 

[Ferner Poststempel der Ankunft in England vom 1. Februar 1802; 

weiterhin Thomsons Archivvermerk:] 2 d Jan. of 1802 / Haydn / with 

Symph 8 Accomp 8 / &Variations to the / Blue Bell — / And desiring Eng : 

Verses to be sent htm as proposed — . 

O (Autograph Haydns) im Sammelband der Thomson-Korrespondenz, B. M. Add. 35263 
Fol. 138-139. ED: (in deutscher Übers.) Botstiber, Der Merker Jg. I, Heft 19. (eÜb) Geiringer 
MQ iStundLandonCCLN 19S. Eine K. nach dem Autograph ist uns von H. C. R. Landon 
übermittelt worden. 

1. Das Lied heißt richtig: „The Blue Beils of Scotland". — 2. Vermutlich ist hier die 
berühmte Schauspielerin des Drury-Lane-Theaters Miss Dora Jordan gemeint, die auch 
im zweiten Londoner Notizbuch als ein Liebling des Londoner Publikums (und als 
Geliebte des Herzogs von Clarence) erwähnt wird. — 3. le parole: Haydn erbittet hier 
die Texte zu den schottischen Liedern, die er für Thomson bearbeitete. — 4. son stanco: Landon 
CCL.N übersetzt hier sonderbarerweise: „I am proud of this work". Vermutlich handelt 
es sich um eine Verwechslung mit dem nächsten Brief (Nr. 295), in dem tatsächlich 
wörtlich diese (gegenteilige) Bemerkung auftaucht. Auf den ersten Blick scheint es be- 
fremdlich, daß Haydn innerhalb von etwa zwei Wochen so diametral entgegengesetzte 
Meinungen über diese Arbeit (die schottischen u. a. Liedbearbeitungen) äußert: am 2. 
Januar schreibt er in einer (offenbar spontanen) Anwandlung von Müdigkeit und Offen- 
heit : „ich bin dieser Arbeit schon müde" (was er aber dann sorgfältig durchstreicht, um 
den gut zahlenden schottischen Verleger nicht zu entmutigen). Mitte Januar schreibt 
er dann: „ich bin stolz auf diese Arbeit." Unterricht GBT 60 dürfte mit seiner neuesten 
Erklärung dieses Widerspruchs durchaus das Richtige getroffen haben. Haydn war der 
zermürbenden Kleinarbeit Anfang 1802 wirklich schon müde, denn Griesinger berichtet 
in einem Brief an Härtel in Leipzig am 20. Januar 1802: „Haydn arbeitet jetzt wieder 
an einer neuen Messe für Esterhäzy, und arrangirt dem Thomson in Edinburgh einige 

391 



schottische Lieder. Das sollen aber auch die letzten seyn." (Brand 4J1; Hervorhebung von 
mir.) Aber gerade um dieselbe Zeit mochte Haydn auf die glänzende Idee gekommen 
sein, sich in dieser gut bezahlten Arbeit durch seinen fleißigen und ergebenen Schüler 
Neukomm helfen zu lassen (vgl. dazu Haydns Billett an Neukomm, vom 3. April 1803, 
Nr. 325 unserer Ausgabe). Etwa Mitte Januar 1802 mochte, diese stille Mitarbeit Neu- 
komms schon tüchtig im Gange gewesen sein, so daß Haydn (mit seinem Brief Nr. 295) 
bereits zehn neue Arietten Thomson zuschicken und ihm noch weitere Stücke versprechen 
kann (um Thomsons Interesse wachzuhalten). Mit einer gewissen Dosis von Zynismus 
fügt er dann noch hinzu: „Ich bin stolz auf diese Arbeit." 



295. Haydn an den Verleger George Thomson, Edinburgh 

[Ohne Datum. Wien, Mitte Januar 1802] 1 
Stimatissimo Amico. 

Vi mando di nuovo dieci Ariette, e fra poco vi manderö il resto. Sperando 
anch'io le vostre promesse, sono 

Vostro umilissimo Servitore 
Giuseppe Haydn mppria 

MI VANTO DI QUESTO LAVÖRO 

[Außen Stempel Haydns <JH) und Adresse:] 
George Thomson Esq r / Trustees Office 
Edinburgh / North Britain. 

[Ferner Poststempel der Ankunft in England und Schottland, vom 8. 
bzw. 11. Februar 1802. — Archivvermerk Thomsons:] Jan. / 1802 rec d 
11 Feb f / Haydn / W Symph 8 & Accom" to 10 Airs — & ment g 

THAT HE IS PROUD OF THIS WORKl HE SAYS, MI VANTO DI QUESTO LAVORO. 

O: Die Besitzerfolge des Autographs ist durch Landen CCLN)ßf festgestellt: K. E. Henrici 
La gerkat. 7, Nr. 48 ->■ Sotheby, Kat. vom 17. Juni 1930, Nr. 225 (mit falschem Datum) 
-> Masters -> heute: Samml. Elisabeth Firestone, Akron, Ohio. Eine durch Professor 
Geiringer vermittelte Fotokopie ist uns von H. C. R. Landon überlassen worden. ED: 
(eÜb) Geiringer MQ 1&6. Landon CCLN 199. 

1. Das Datum des undatierten Zettelchens konnte Landon aus den Poststempeln der 
Ankunft in England ermitteln. Zum Inhalt vgl. unseren Kommentar zum Brief Nr. 294. 



392 



296. Haydn an Georg August Griesinger, Wien 

[Kein Datum; vermutlich Wien, Mitte Januar 1802] 1 
Hoch Schätzbarester Herr v. Griesinger! 

Gestern abends erhielt ich von H. v. Waßler ein schreiben wegen der 
Transportirung deren Platten und Exemplairen der Schöpfung an H: 
Hartel nach Leipzig, allein, es ist mir sehr unangenehm zu berichten daß 
ich' Herrn Hartel wegen einer Politischen Ursache, welche ich nicht 
vorgesehen, dermahlen noch nicht, sondern später hinaus damit bedienen 
werde, 2 indessen überschücke ich Ihme die Mess, 3 welche ich aber nach 
der zeit wider zurück zu erhalten wünsche; ich erhielte auch gestern 
ein schreiben von Herrn Music Directeur v. Müller, 4 welcher auch gerne 
eine Mess von mir haben möchte. Solte Herr Hartel es mittheilen könen, 
würde es mir lieb seyn wo nicht, so ist mir leyd Ihm nicht befriedigen 
zu könen. indessen bin ich 

Dero 

ganz ergebenster diener 
Giuseppe Haydn mppria 

[Umschlag und Adresse sind anscheinend nicht mehr vorhanden] 

O; Deutsche Staatsbibl. Berlin. Eine Fotokopie ist uns durch H. C. R. Landon übermittelt 
worden. ED: (eÜb) Landon CCL.N 199 f. — Haydn scheint diesen Brief in überaus 
großer Eile geschrieben zu haben, denn er bedient sich dabei ungewöhnlich vieler 
Abkürzungen. 

i. Das fehlende Datum ergibt sich aus einem Brief Griesingers an Breitkopf & Hartel 
vom 23. Januar 1802, in dem Griesinger auf den Inhalt dieses Briefes eingeht (Brand 41 j ) : 
„Haydn hatte in Müllers 4 Seiten langen Briefe . . . nur das Ende, eine Bitte um eine 
Messe gelesen. Müller wünsche als eine Reliquie eine Haydnsche Messe in der Thomas- 
schule zu bewahren, die er auch an großen Festen immer geben werde. Der alte Hiller 
lebe wieder auf, wenn er etwas von Haydn höre, usw." — 2. Haydn hat sich 1801 endlich 
entschlossen, den Vertrieb der Schöpfung Breitkopf zu übergeben. Die Übersendung der 
Platten nach Leipzig ist aber (vermutlich auf den Rat van Swielens) lange verzögert worden; 
Breitkopfs haben sie erst im Sommer 1803 erhalten. Vgl. Hase 14]$. — 3. die Mess: Hiermit 
ist vermutlich die Heiligmesse von 1796 gemeint; sie ist die erste von Haydns Messen, 
welche Breitkopf im Mai 1802 in Partitur erscheinen ließ. — 4. Der im Brief Nr. 292 
bereits genannte Kapellmeister, Musikdirektor (und seit 1804 auch Thomaskantor) in 
Leipzig, August Eberhard Müller (1767-1817). 



393 



297- Haydn an den Verleger George Thomson, Edinburgh 

[Wien, den 29. Januar 1802] 
Stimatissimo Signor mio! 

Ho ricevuto oggi ai 29" di gennaro 1802 la vostra dal 28'° di Decembre 

1801 con altri 15 canzonetti, 1 i quali d'aggiustarli come gl'altri mi darö 
tutta la pena in poco tempo. Spero perö che avreste giä ricevuto in tutto 
trenta due canzonetti, che vi ho mandati in diverse volte, restano dunque 
ancora otto, i quali giä finiti vi mando oggi per la posta, e potreste otte- 
nerli in 4" settimani. io avrei un grandissimo piacere, se voi mi vorresti 
assegnare subito il denaro, che fa in tutto quaranta guinee cioe quatro- 
cento fiorini di Vienna. in questa speranza sono con tutta la stima 

Signor mio 
Vostro umilissimo, devotissimo Compositore 
e Servitore 
Giuseppe Haydn mppria 
Vienna ai 29™ Gennaro 1802. 
[Dazu Adresse in Elßlers Handschrift:] 

N°3 
George Thomson Esq 1 / Trustees Office 

Edinburgh. / North Britain. 
Joseph Haydn 

Gumpendorf N'° 73 kleine steingasse 

[Ferner Poststempel der Ankunft in England und Schottland, vom 16. 
bzw. 19. Februar 1802. — Weiter Archivvermerk Thomsons:] 29 January 

1802 / Haydn / Of his having received/the 15 Scottish Airs / last sent & 
that he / will soon add Symph: / &Accompts to them — / and desiring 
a remittance for those unpaid. 

O (Autograph Haydns) im Sammelband der Thomson-Korrespondenz, B. M. Add. 35265, 
Fol. 140-141. Eine Textkopie ist uns durch H. C. R. Landon überlassen worden. ED: 
(in deutscher Übers.) Botstiber, Der Merker Jg. I, H. 19. (eÜb) Geir'mger MQ i86f; (nur 
Auszug) und (eÜb) Landon CCLN 200. 
1. canzonetti: die Fortsetzung der für Thomson bearbeiteten schottischen Lieder. 



394 



298. Haydn an den Legationsrat Fredrik Samuel Silverstolpe 1 

[Wien, den 6. Februar 1802] 

Wohlgebohrner 

VerEhrungswürdigster Herr v. Silverstolp! 
Ich bin so dreist beyliegende 10 F. dem guten Mädchen für Ihre mir 3 
dedicirte quartetten 2 als eine kleine Erkenntlichkeit durch Sie mein Herr 
v. Silverstolp 2u überschücken, anbey bedaure ich aber, daß ich die ver- 
sprochene zusage, in betref deren übrigen Exemplairen an die Liebhabers 
zu verkaufen nicht erfüllen kan: indem zwey sehr vermögende Cavaliers 
(deren Nahmen zu nennen ich mich schäme: und denen ich die erste 
Violin stimme zu durchsehen überschückt) sich Eusserten, diese quartetten 
noch vor den Kauf zu durchfiedlen. 

Aus dieser mir entgegen gesetzten handlung und der Delicatesse wegen 
mus ich auf die wohlthat für daß gute Mädchen verzieht thun. übrigens 
bin ich mit vorzüglichster Hochachtung 
Euer Wohlgebohren 

gehorsamster diener 
Joseph Haydn mppria 
Von Hauß [Wien] 1802 
den 6 to Febr. 

O (Autograph Haydns): Schloß Näs in Schweden (aus dem Nachlaß von Silverstolpe); 
Faks. bei Mörner ]WBS ^7 (ohne Übertragung). Eine Fotokopie ist uns auch durch das 
IMBA zur Verfügung gestellt worden. ED:C F. Hennerberg imBericbt des III. Kongresses der 
I. M. G. (Haydn-Zentenarfeier), Wien ipop, 430 (voller Lesefehler, unbrauchbar). (eUb) 
Latidon CCL.N 201. 

1. Der schwedische Legationsrat in Wien, F. S. Silverstolpe, war Haydn in Freundschaft 
zugetan. Er war es, der Haydn 1799 das Mitgliedsdiplom der Schwedischen Musikakademie 
überreichte (vgl. den Brief Nr. 218). — 2. quartetten: Es handelt sich um die Streich- 
quartette des schwed. Komponisten Johan Wikmanson (1753-1800), die nach seinem Tode 
seine Tochter, Christina Maria 1801 als Op. 1 in Stockholm mit einer Dedikation 
an Haydn herausgab und Haydn offenbar mit der Bitte zuschickte, davon Exemplare 
in Wien an Liebhaber zu verkaufen. Die Dedikation an Haydn ist bei Mörner JWBS 189 
mitgeteilt. 



395 



299- Haydn an den Schriftsteller August von Kotzebue, Weimar 

[Wien, den 24. Februar 1802] 
VerEhrungswürdigster Herr von Kotzebue 1 

Schon seit vielen meiner Jüngeren Jahren war stets mein heisser wünsch 
etwas von Ihrer erhabnen Poesie in Music setzen zu könen da ich nun 
aber ein 7o 21g jähriger immer kräncklicher alter Knabe bin, und dero- 
wegen mich nicht getraue mit jenen mir angezeigten grossen Meistern in 
Musicalischen Wettstreit einzulassen (in welchen ich sehr leicht unter- 
liegen könte) so muß ich leyder diesen meinen Wunsch gänzlich entsagen, 
und Sie Edler Mann um Vergebung bitten, daß ich Ihnen hierinfals nicht 
dienen kan indessen bin ich mit vorzüglichster Hochachtung 

Ihr 

gehorsamster diener 
Wienn den 24'° Febr. 1802 Joseph Haydn mppria 

(Autograph Haydns): Zentr. Histor. Staatsarchiv, Moskau. In Faks. mitgeteilt durch B. 
Brianzeivoi, Sowjetskaja Musika Jg. i960 Nr j. (Mai) 81-82. Eine kurze Inhaltsangabe 
dieses Briefes findet sich schon bei Griesinger 76 (Neuausg. Grasberger 41-42); danach 
Pohl III, 196; (eÜb) London CCLN 202. ED des kompletten Brieftextes: Unverricht GBT 77. 
Über die Veranlassung dieses Briefes schreibt Griesinger 76; „In einem Briefe aus Weimar 
vom 8ten Febr. 1802 [dieser Brief ist unseres Wissens nicht vorhanden] schrieb Herr von 
Kotzebue an Haydn, daß, um seinem vaterländischen Schauspiel, Die Hussiten in Naum- 
burg, den möglichsten Werth zu geben, er jeden Chor einzeln von einem unserer besten 
Meister (Weber, Reichardt, Danzi, Schuster, Vogler etc.) in Musik gesetzt wünschte, und 
er bitte daher Haydn, den Schlußchor des ersten Aufzugs zu übernehmen." Haydn hat mit 
diesem höflichen Absagebrief geantwortet, 
i. August von Kot%,ebue (1761-1819), der bekannte deutsche Lustspieldichter. 



300. Fürst Nikolaus II Esterhäzyan Haydn 

[Kan^leikon^ept in %wei Spalten] [Wien, den 4. Mär% 1802] 

[links:] H. Kapellmeister Haydn 

[Rechts:] Nachdem die Katharina Krines %u Eisenstadt, welche um eine Unter- 
stützung r^ur Erlernung des Singens bei mir bitlich eingekommen ist, vermag 
Bericht des Tenoristen Haydn, der Sie hiereinfalls ^u prüfen beauftraget war, eine 

396 



sehr schöne Alt-Stimme besi%t und eine vorzüglich gute Altistin werden kann, 
so erwarte ich ihre unterschriftliche Äußerung, welchen Beitrag man ihr %uf Hessen 
lassen könnte, und wer ihr den Unterricht im Singen %u geben hätte? Wien 
am 4"" März 1802. 
[Links:] exp. Esterhä^j. 

O: Budapest, EA-TS, A. M.,Fasc. 26 Nr. 1919. ED: ValköII, 612. (eÜb) LandonCCLN 202. 
Fürst Esterhazy hat den Tenoristen Johann Haydn am 21. Februar 1801 damit beauftragt, 
das musikalische Talent und die Stimme der Kath. Krines zu prüfen (EA-TS, A. M.,Fasc. 27, 
Nr. 1951; veröff. bei ValköII, Nr. 2/2). — Der Bericht Johann Haydns ist vom 27. 
Februar 1802 datiert (EA-TS, A. M. Fase. 26, Nr. 1918; veröff. bei Valkd II, Nr. 2)j\b); 
darin steht u. a.: „daß von jemahligen Singen lehrnen gar keine Spuhr vorhanden seye 
bei der Suplicantin, indeme diese nicht einmal die Anfang Gründe kenne. Das aber dieselbe 
eine besonders gute. . . Alt Stimme besitze, hat seine Richtigkeit. . ." Hierauf folgt am 
4. März der obige Erlaß des Fürsten an Joseph Haydn. 



301. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhazy 

[10. März 1802] 

Nachdeme S° Hochfürstl. Durchl: den auftrag, um daß Musicalische 
Talent der Catherina Krines zu prüfen meinem Bruder anbefohlen haben 
und er es für sehr gut befunden hat, so wäre meine unmaßgebliche Mei- 
nung und bitte sowohl derselben, als auch meinem Bruder für seine 
bisherige mühe in Unterricht den Nothwendigen Beytrag, [unten nach- 
getragen und mit Zeichen hieher verwiesen: Monatlich 4 FL] besonders 
bey einer so selten schönen Alt stimme zuerfliessen zu lassen. 

Joseph Haydn mppria 
den io' Mertz / 1802. 

P: S: Ich werde trachten sobald möglich stat des Werlems 1 einen andern 
Clarinetisten zu verschaffen. 

O: Budapest, EA-TS, A. M. Fase. 27, Nr. 1952. ED: Valkd II, 618. (eÜb) LandonCCLN 
202 f. — Haydn hat dieses Gutachten nicht auf den üblichen Kanzleibogen, sondern auf 
ein besonderes Briefpapier geschrieben. 

Auf Grund dieses Berichtes von Haydn folgt dann die Entscheidung des Fürsten am 13. 
März 1802, eine Verordnung an die Wirtschaftsdirektion, des Inhalts: der Tenorist Johann 
Haydn soll den Unterricht der Krines, gegen eine Extra-Besoldung von monatlich 4 Gulden 

397 



übernehmen (EA-TS, A. M. Fase. 27 Nr. 1953; veröff. bei Valkö II, 61S, Nr. 2j); 
(eUb) Landon CCLN 20}). — 1. Der Name dieses Klarinettisten wird in anderen Doku- 
menten und Listen auch Warlan oder Varlen geschrieben. 



302. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy 

[Kein Datum. Vermutlich Wien, März 1802] 

Nachdeme die Altistin Josepha Hammer sich seit einem Jahr solche 
Musicalische Fortschritte erworben hat, daß Sie beinahe fast alles a prima 
vista, gehörig absinget, und nebstbey eine so seltne schöne Alt stimme 
besizt, so wäre mein unmaßgebliches gutachten Ihre Bitte in Gnaden zu 
Resolviren. 

Joseph Haydn mppria 
Kapelmeister 

(Autograph Haydns): Budapest, EA-TS, A. M., Fase. 26, Nr. 1920. ED: Valkö II, 619, 
(eUb) Landon CCLN 20 }. — Wie die anderen Gutachten Haydns aus dieser späteren Zeit 
nicht auf Kanzleibogen, sondern auf ein Blatt kleinen Briefpapiers geschrieben. 
Die Sängerin Josepha Hammer aus Preßburg debütierte gleichzeitig mit der Diskantistin 
Anna Kimmfeld in einer Aufführung von Haydns Pankenmesse in Eisenstadt am 29. 9. 1797. 
Vgl. Pohl III, I2i und Brand 264. 



303. Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn 
[Reinschrift und zweispaltiges Kanzlei kon^ept] 

[Wien, den 24. März 1802] 

Aus besonderen Gnaden, und ohne aller ferneren Consequenz werden der supplicirenden 
Josepha Hamer z u ihrem dermaligen Gehalt annoch Jährlich Ein Hundert Gulden 
als eine Zulage resolviret, und bei meiner General Cassa zahlbar angewiesen. 
Wien am 24'" März 1802. 

Nicolaus Fürst Esterhdzj mp. 

in Budapest, in 2 Ausfertigungen: a: ein Kanzleikonzept in zwei Spalten, EA-TS, 
A. M., Fase. 26, Nr. 1921 und b: eine Reinschrift, daselbst, Fase. 19, Nr. 1315. Hinweis 
darauf bei Valkö II, 61?. ED: (eÜb) Landon CCLN 20). 

398 



304. Haydn an das Präsidium des Institut National, Paris 
[Kopisten-Reinschrift; nur die Unterschrift autograph.] 

Vienne le 14 Avril 1802. 

Joseph Haydn / au citoyen Vincent president / et aux citoyens La Porte 
du Theil, et Villat / secretaires de l'Institut national des sciences et des 
arts, ä Paris. 

Citoyens, 
L'honneur signale que m'a fait l'Institut national des sciences et des arts 
de m'elire Associe-etranger pour la classe de litterature et beaux arts, 
est d'un prix auquel la valeur de mes ouvrages, meme en les estimant 
d'apres celle que le public leur a bien voulu accorder, ne pouvoit jamais 
ä mes yeux paroitre un titre süffisant pour y aspirer. 
Je sens vivement tout ce que mon aggregation ä un corps aussi generale - 
ment revere que justement et depuis longtems celebre a pour moi de 
flatteur. Mes futurs efforts n'auront plus que le seul but de la justifier, 
et c'est ainsi que je voudrois temoigner ä la societe, qui m'a recu dans 
son illustre sein, les sentimens de respect et de reconnoissance dont je suis 
penetre. 

Je vous prie, Citoyens, d'en ofFrir l'hommage en mon nom ä nos confreres, 
et d'agreer pour vous-memes l'assurance de ma consideration la plus haute 
et la plus distinguee. 

Joseph Haydn mppria 
[Links oben Notiz Villats:] „ä communiquer aux deux autres classes. — 
8 floreal an 10. —Villat, scre [secretaire] 1." 

0: Boston, Public Library. Eine Fotokopie wurde uns von H. C. R. Landon zur Ver- 
fügung gestellt. BD: (eÜb) 'Landon CCLN 204. 

Dies ist Haydns Antwortschreiben auf den Brief des Institut National vom 26. Dezember 
1801 (Nr. 293 dieser Ausgabe). 

305. Haydns Eingabe an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy 

[Wien, April 1802] 

Um das seltene Genie des Bittstellers (so durch zufällige Krankheit und 
darauf folgende Dürftigkeit in etwas zerrüttet wurde) wieder in gehörige 
Ordnung zu bringen, wäre meine unmaßgebliche Meinung dasselbe 

399 



durch die Gnade der Hochfl. Durchl. mit einer jährl. Zulage von ioo Fl. 

oder wenigstens 50 Fl. zur größeren Thätigkeit seiner Dienste 1 fernerhin 

zu zwingen. 

[Wien, April 1802 ?] 

Joseph Haydh 
Kapellmeister. 

O verschollen; es muß sich einst im Esterhdzy -Archiv befunden haben. ED: Pohl I, 264 und 
noch einmal Pohl III, 219 (wie üblich, ohne Angabe der Signatur). Trotz aller Bemühungen 
ist es nicht gelungen, dem Schriftstück im Budapester Archivmaterial auf die Spur zu 
kommen. Dementsprechend fehlt es auch in der Dokumentensammlung von Valk6 I 
und II. Auch nicht bei London CCLN. 

1. seiner Diensie: diese zwei Worte fehlen im ED bei Pohl I, 264. — Der Name des durch 
Haydn hiermit empfohlenen Musikers ist im Dokument nicht angegeben, und auch das 
Datum fehlt. Aber schon Pohl I (und auch Botstiber) beziehen das Schriftstück auf den 
jungen Luigi Tomasini, zu dessen Charakterbild (vgl. Pohl I, 264 und II, }gi) diese Bitte 
vorzüglich paßt. Bei Pohl III, 210 ist dieses Stück unter die Dokumente des Jahres 1803 
eingereiht, ohne daß für diese Datierung ein konkreter Beleg beigebracht würde. Wir 
glauben, das Dokument mit dem folgenden fürstlichen Erlaß Nr. 306 in Zusammenhang 
bringen zu müssen, und möchten es daher mit April 1802 datieren. — Da bei 
Pohl I, 26) die Lebensdaten der zwei Musikersöhne Tomasinis: Antonio (1775-1824) und 
Aloys (Luigi) (geb. 1779 oder 1784 (?), f (?)) durcheinander gebracht sind (die dann 
bei Pohl II, )82 zwar größtenteils, aber immer noch mit unzureichender Dokumentation 
und lückenhaft korrigiert wurden), ist der Lebenslauf dieses leichtsinnigen Luigi jun. 
und dadurch die Chronologie der gesamten Familie in eine Unordnung geraten, die auch 
bis in die neuesten Publikationen (z. B. London CCLN 204Fußn. 1) und Lexika (z. B. 
Riemann-Lex. XII. Aufl. 1961; Baker-Slonimsky, Vth Edition, 19 j8 usw.) übel nachwirkt. 
Namentlich hinsichtlich der Geburtsdaten der vielen Tomasini-Kinder (mindestens neun) 
herrscht ein ganz heilloses Durcheinander, in das nur durch eine gründliche (und zugleich 
kritische) Durcharbeitung der neuerdings von Csatkai veröffentlichten Matrikeldaten aus 
Eisenstadt und Süttör (Eszterhdza) einige Ordnung gebracht werden kann. Vgl. 
hierzu A. Csatkai, Die Beziehungen G. J. Werners, J. Haydns und der fürstlichen Musiker zur 
Eisenstädter Pfarrkirche, inBurgenländ. Heimatblätter Jg. I Heft 1 (Eisenstadt 1932), S. ißffuad 
ders., Daten aus den Matrikeln der Gemeinde Süttör in Bezug auf Haydn und sein Orchester, in 
Zenefudomdnyi Tanulmänyok VIII (Budapest i960), 66} f (in ungar. Sprache). Um ein klares 
Bild von der ziemlich komplizierten Sachlage zu gewinnen, müssen die sehr durch- 
einandergewürfelten Daten dieser zwei sich überschneidenden Publikationen miteinander 
verglichen und kritisch kombiniert werden (die Geburten, Todesfälle und Heiraten der 
fürstlichen Musiker haben nämlich, je nach der Jahreszeit, abwechselnd in Eisenstadt 
bzw. Süttör-Eszterhdza stattgefunden). Leider sind bei Csatkai zumeist nur die Daten 
selbst, nicht aber auch die betr. Rufnamen des neugeborenen Kindes angegeben. Immerhin 
kann heute schon so viel festgestellt werden, daß in den zwei Matrikelbüchern folgende 

400 



Geburten in der Familie Tomasini verzeichnet sind: i: Eisenstadt 1767 (Taufpate Haydn ; 
geboren wurde ein Sohn namens Aloys Lonitschi, was offenbar nur eine Verlesung aus 
Louitschi = Luigi ist. Dieser kann unmöglich mit dem späteren Musiker identisch sein, 
da sich letzterer bei seiner Heirat (1808) als 25jährig angibt, also frühestens 1783-84 
geboren sein kann; dieser Luigi I muß demnach im Kindesalter verstorben sein); ■ — 
2 : Eisenstadt 1769 (Taufpate Haydn, Name des Kindes nicht genanntjauch dieses wird im 
Kindesalter verstorben sein); — 3 : Eisenstadt 1770 (Taufpate Fürst Esterhazy, Name des 
Kindes nicht genannt); — 4: Eisenstadt, 17. 2. 177} (Anton; mit dem späteren fürstl. 
Violinisten identisch, da dieser 1803 als Trauzeuge fungiert und sich dabei als 28jährig 
angibt, was mit diesem Geburtsjahr übereinstimmt); ■ — 5 : Süttör, 14. 6. 1778 (Name des 
Kindes unbekannt; wahrscheinlich im Kindesalter verstorben) — 6: Süttör, 10. 7. 1779 
(Name nicht genannt, vielleicht wieder Aloys-Luigi, nach dem Vater, anstelle des jung 
verstorbenen Luigi I; immer noch nicht identisch mit dem späteren Konzertmeister 
Luigi T., aus demselben Grunde wie Luigi 1); — 7: Silltör, ßi. 7. 17 So (Name unbekannt; 
wahrscheinlich früh verstorben); — 8: 17. 4. 17 84 (Name von Csatkai nicht genannt, aber 
höchstwahrscheinlich mit dem späteren Musiker Aloys-Luigi identisch, da dieser sich 
1808 bei seiner Trauung in der Eisenstädter Bergkirche als 2jjährig angibt, also 1783- 
84 geboren sein muß); — 9: Süttör, 8. 7. 1788 (Elisabeth Anna; Taufpate Haydn). 
Die hiermit dokumentarisch gesicherten Geburtsjahre der vielen Tomasini-Kinder sind 
also: 1767 (Luigi I), 1769 (?), 1770 (?), 1775 (Anton), 1778 (?), 1779 (Luigi II ?), 1780 (?), 
1784 (Aloys-Luigi III), 1788 (Elisabeth Anna). — Wenn wir nun noch hinzunehmen, 
daß nach den Toten registern von Süttör-Eszterhäza die Tomasinis in den Jahren 1772, 
1778, 1779 und 1782 je ein Kind begraben haben, so ergibt sich, daß von den in den Jahren 
1767, 1769, 1770, 1778, 1779, 1780 geborenen sechs Kindern zumindest vier (darunter 
zwei vermutlich mit dem Rufnamen des Vaters: Aloys-Luigi) früh verstorben waren, 
und sich als Musiker nur der 1775 geborene Anton und der 1784 geborene Aloys-Luigi 
einen geachteten Namen gemacht haben. — Aus obigem wird auch klar, woher das (hier- 
mit als falsch erkannte) Geburtsdatum „1779" (z. B. im RJemann-Lexikon usw.) für den 
Musiker Luigi Tomasini herkommt. In dem betreffenden Jahr ist tatsächlich ein Kind 
Tomasinis geboren, das den Rufnamen seines Vaters (d. h. Luigi) erhielt; dieses ist aber 
früh verstorben und mit dem späteren gleichnamigen Musiker nicht identisch. 
Über das weitere Schicksal dieses Luigi jun. lesen wir dann in der berichtigten Fassung bei 
Pohl II, }8z: „Luigi d. ä. [ein Schreibfehler; richtig; d. j.] heirathete ohne des Fürsten 
Wissen die Sängerin Sophie Groll (Croll); beide wurden sofort entlassen und traten in die 
herzogl. Mecklenb. Strel. Kapelle, L. als Konzertmeister. 1812 gaben sie in Berlin ein 
Concert, in dem Luigi Beethoven's Conrert »mit viel Fertigkeit und Kraft« spielte; seine 
Frau, eine Schülerin Righinis, wird sehr gelobt. 1814 gab Luigi in Wien im Kärntnertor- 
theater ein Concert, fand aber keinen Beifall. Von da an ist er verschollen. Beide Söhne 
wurden 1796 in die fürstl. Esterh. Kapelle aufgenommen." (Dieselben Daten im Riemann- 
Lex. usw.) Das Datum von Luigis Heirat und seiner Entlassung wird von Pohl nicht 
angegeben, wogegen wir aus den (neuerdings von Csatkai erarbeiteten) Matrikeldaten 
bereits wissen, daß die Trauung 1808 in der Bergkirche zu Eisenstadt erfolgt ist, was 
auch damit übe reinstimmt, daß dieser Luigi jun. letztmalig in den Musikerlisten des Jahres 

26 401 



1807 in der Esterhäzy-Kapelle nachweisbar ist (vgl. Brand ßi8, 4;6). Die Nichtkenntnis 
dieses Datums hat bei Brand 4} 8 zur chronologisch ganz abwegigen Darstellung geführt: 
„Aloys Tommasini jun. (Luigi) wurde wegen eigenmächtiger Heirat ohne Erlaubnis 
Fürst Nikolaus' des Prächtigen [f 17901] aus der Kapelle ausgestoßen. Unter Nikolaus 
Paul wurden jedoch beide Söhne in die Kapelle aufgenommen (1796)." Diese auf den Kopf 
gestellte unmögliche Chronologie erledigt sich einfach dadurch, daß Luigi jun. beim 
Tode Nikolaus* des Prächtigen (1790) knapp 6 Jahre alt sein mochte. — Eine Schwierigkeit 
bleibt freilich auch so noch bestehen: wenn unsere (nach Csatkai a. a. O. angegebenen) 
Daten stimmen, dann kann Luigi Tomasini Jim. im Jahre der Reorganisation der Esterhäzy- 
Kapelle (1796) erst 12 Jahre alt gewesen sein; mochte er in diesem zarten Alter bereits 
seinen Platz als Orchesterviolinist bestanden haben? (in der Musikerliste von 1796 ist er 
tatsächlich bereits als solcher verzeichnet. Vgl. Pohl III, 104-10;) . Oder sollte sich in die 
durch Csatkai mitgeteilten Daten irgendwo ein Irrtum eingeschlichen haben? Oder sollte 
es sich bei diesem, 1796 angestellten Violinisten Luigi Tomasini doch um ein anderes Mit- 
glied dieser großen Familie handeln? 



306. Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn, Wien 

[Kant(leikont(ept in 2 Spalten] [Wien, den ßo. April 1802] 

[Rechts:] Lieber Kapellmeister Haydn! 

Sie haben dem jungen Lougi [sie] Tomasini anzudeuten, daß sich Selber, indem 
sein Aufenthalt allhier [d. h. in Wien] nicht nur allein gant% unnüt%, sondern 
überdieß noch [links nachgetragen: mit der Gelegenheit] %um Retrieb seines Leicht- 
sinns verbunden ist, unverrveilt nach Eisenstadt ^ur Verrichtung seiner dienstes 
Obliegenheiten verfügen solle, wenn er anders nicht durch seine Beharrlichkeit und 
längere Absentirung den Stof[?] dazugeben will, daß er nicht mehr als Mitglied von 
den Gremio meines Chor musik-Personalis betrachtet werde, indeme ihm für seine 
Person kein Vorzug vor andren zustehet, und Selber eben so, wie die übrigen 
Musik-Individuen %ur dienstleistung verpflichtet ist. 
Wien, am ßo"" Apr. 1802. 
[Links:] Exp. F. Esterha^y. 

0: Budapest, EA-TS, A. M., Fase. 26, Nr. 1926. ED: Valkö II, 619 (nicht ganz buch- 
stabengetreu). (eÜb) Landon CCLN 204. 

Der hochbegabte Violinist Luigi Tomasini jun. scheint einen leichtsinnig bewegten Lebens- 
wandel geführt und den strengen Fürsten dadurch empört zu haben. Haydn schätzte ihn 
hoch (in der Eingabe Nr. 305 spricht er von einem „seltenen Genie") und es gelang ihm, 
Tomasini (zumindest bis 1807) im fürstlichen Dienst zu behalten (vgl. die Musikerlisten 

402 



bei Brand 4; 6). Seine Entlassung erfolgte schließlich wegen der unerlaubten Heirat mit 
einer Sängerin namens Sophie Groll (Croll)i. J. 1808. Vgl. unseren Kommentar zum 
Brief Nr. 305. 

307. Haydn an Gottfried Christoph Härtel, Leipzig 

Wienn, den 8 m May 1802. 
Allerliebster Freund! 

Da ich zu Ende dieses Monaths mit meinem Fürsten nach Ungarn zu 
gehen verpflichtet bin, so wäre es mir sehr angenehm, wenn ich die ver- 
sprochene zwey tausent fünfhundert Gulden durch H. Kunze bis dahin 
erhalten könte: in Erwartung einer mir gefälligen andworth bin ich mit 
vorzüglichster hochachtung nebst meinfem] ergebenstfen] Respekt an 
H. v. Griesinger Dero 

dienstfertigster 
Jos. Haydn mppria 

O gegenwärtig nicht zugänglich; es befand sich einst im Geschäftsarchiv von Breitkopf 
& Härtel; Faks. bei Hase 27. ED: Hase 28 (nicht ganz buchstabengetreu). (eÜb) Landon 
CCLN 20J (nach dem Faks.). 

Der Vertrag über den Verkauf der Jahreszeiten an Härtel wurde am 21. Juli 1800 von 
Haydn in Eisenstadt unterschrieben, nachdem ihm die erste Rate des Honorars (2000 Gul- 
den) durch Griesinger im voraus ausbezahlt worden war (vgl. Hase 28). Dieser Brief 
betrifft den Rest des Honorars. 

308. Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn, Wien 

[Kanzlei kon^ept in %wei Spalten.] [Eisenstadt, Anfang Juni 1802] 

[Links:] Hrn. [Herren] Kapellmeister Haydn 

[Rechts:] Welche Messen der Grosher^pg vonToskana aus ihren eigenen Werken 
schon besi^e, werden Sie aus der Beilage 1 , worin von jeder Piece die ersten Takte auf- 
gezeichnet sind, ersehen. Was Sie nun S r Königlichen Hoheit an derlei von Ihnen 
selbst verfaßten Musicalien annoch ^u verschaffen gedenken, darüber erwarte ich 
von Ihnen die weitere Nachricht, um S c Königl: Hoheit darnach verständigen %u 
können. 

[Links:] exp. f. Esterha^j. 
[Auf der Außenseite Archivvermerk: 1802] 

26* 

403 



O.-Budapest, EA-TS, A. M.,Fasc. 26, Nr. 1931. ED: ValköII, 6)0. (eÜb) London CCLN20/. 
1. Die hier erwähnte Beilage (mit den Incipits jener Haydn- Werke, die der Großherzog 
von Toskana schon besaß) ist nicht vorhanden. 



309. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy, Pressburg 

[Wien, den 14. Juni 1802] 
Durchlauchtigster 

Aus der eingeschückten Musicalischen Anzeige des Großherzogs v. 
Toscana ersehe ich, daß hochDemselben nur zwey Messen von meiner 
Composition, nemblich eine von denen Älteren, und die lezt neue 1 von 
verflossenen Jahr abgehen: da aber Ihro Hochfürstl. Durchlaucht Sich 
dazumal gnädigst Eusserten, daß diese Mess niemanden sol Communicirt 
werden, so konte ich mich auch nicht unterfangen dieselbe ohne vor- 
wissen Euer Durchlaucht jemanden zu geben: erwarte demnach den 
befehl, ob ich Sie alle beede abschreiben, und nach Presburg Addressiren 
sol, allwo sie leyder ohne meiner Direction der Delicatesse wegen den 
grösten theil des wehrts verliehren müssen, welches meinem fleiß sehr 
nachtheilig, und mir höchst unangenehm seyn würde, indessen bin ich 
an der Neuen Mess 2 sehr mühesam fleissig, noch mehr aber furchtsam, 
ob ich noch einigen beyfall werde erhalten könen. 
Wienn. den 14" 1 Juny 1802. 

Unterthänigster Diener 
Joseph Haydn mppria 

O (Autograph Haydns): Budapest, EA-TS, A. M.,Fasc. 26, Nr. 1933. ED: Pohl III, 200-201 
{mit kleinen Lesefehlern, nicht ganz buchstabengetreu). Valkö II, 620 f Nr. 2/p (Faks. 
daselbst auf Tafel 10); (eÜb) Landon CCL.N 20 J. — Wie die anderen Gutachten Haydns 
aus dieser späteren Zeit, nicht aufgefaltetem Kanzleibogen, sondern auf ein besonderes 
Blatt Kleinformat-Briefpapiers geschrieben. 

1. Die Scböpfungsmesse aus dem Jahr 1801. — - 2. Die gerade in Arbeit befindliche Kompo- 
sition ist die Harmoniemesse. 



404 



310. Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn, Wien 

[Kan^leikonyept in z Spalten.] [Preßburg, den 21. Juni 1802] 

['Links:] H. Kapellmeister Haydn. 

[Rechts:] Ich will es Ihnen gar nicht in Abrede stellen, daß es sehr beschwerlich 
seje, wenn besonders neuere Werke ohne persönlicher Direction des Compositeurs 
produciret werden; dagegen aber dürften Sie anderseits um so mehr der Delicatesse 
wegen unbesorgt seyn, indem bei dem bekannten Ruhm ihrer berühmten, allenthalben 
geschätzten Werke auch diese Messen in den Augen der Kennern an ihren Werth 
nichts verlieren werden. Überdies überlasse ich es ihrer eigenen Beurtheilung, was 
einem Großher \og auf sein geäußertes Verlangen t(u antworten wäre? da wirk- 
lich gar keine Aussichten vorhanden sind, auf was Art sich dieses Begehren ablehnen 
ließ, mithin bleibt nichts anders übrig, als daß beide Messen 1 abgeschrieben, und 
nach Presburg an mich addressiret werden. 

Übrigens, da ich von ihrem Herrn Bruder 2 gar keine Auskunft erhalte, so ersuche 
Sie, mich %u verständigen, ob? und wann er von Salzburg kommen wird? 

Presburg am 21''" Juny 1802. 
[Links:] exp. f. Esterha^j 

O: Budapest, EA-TS, A.M., Fase. 26, Nr. 1934. Teilweise zitiert bei Pohl III, 201. ED: 
Valkd II, 621 Nr. 260; (eÜb) Landon CCLN 206. 

Trotz der Einwände Haydns, besteht der Fürst darauf — zwar in höflicher Form, aber 
sehr entschieden — , daß die gewünschten Haydn- Werke dem Großfürsten von Toskana 
in Kopie überlassen werden. 

1 . Die Schöpfungsmesse und die Harmoniemesse. — 2. Bruder: Michael Haydn ist (um die 
Jahreswende 1801-1802) die Stelle eines Vizekapellmeisters beim Fürsten Esterhazy ange- 
boten worden. Ein diesbez. Aktenstück (A.M., Fase. 26, Nr. 1914) ist bei Valkd II, 
619. Nr. 2jj\b, veröffentlicht: „An den capellmeister Michael Haydn in Salzburg. / Da ich 
nicht zweifle, daß sie gröstentheils schon solche Anstalten zu ihrer Anherokunft werden 
getroffen haben, ... so werde Sie mit Vergnügen erwarten, und rechne zugleich auf jenen 
Beweis ihrer Attention gegen mich, bis letzten Monats August das Werk einer Solemnen 
Meß und Vesper deBea/a von ihnen zu erhalten. / Wien am i8tn Jenner 1802 / exp. Ester- 
hazy." — Die hierauf gegebene eigenhändige Antwort Michael Haydns ist ebenfalls im 
fürstl. Archiv erhalten (A. M., Fase. 26, Nr. 1916. ED: Valkd II, 620; ein Bruchstück 
schon zitiert bei Pohl III, 201-2). Aus diesem Brief geht hervor, daß sich Michael Haydn 
gar nicht beeilt hat, seinen Posten in Eisenstadt anzutreten. Er schreibt u. a.: „Nun diene 
ich zur Nachricht, daß ich unter dessen keine andern Anstalten getroffen habe, als daß 
ich meine gnädigste Aufnahm in Ew. D. Dienste habe publik werden lassen. Da Eure 
Durchl. Selbst den Termin b's zu Ende des August hinaus verschoben haben, während 

40 J 



weichet Zeit ich genug Muße habe an der Solemnen Meß und Vesper zu arbeiten, werde 
ich nicht früher als im Monath Juni oder Juli um meine Dienstentlassung [aus Salzburg] 
anhalten ..." Dies ist aber nicht geschehen; Michael war zu schwerfällig, um seine 
gewohnte Salzburger Umgebung zu verlassen; er hat seine Stellung in Eisenstadt nie 
angetreten. i 



311. Haydn an den Regenschori Anton Stoll 1 , Baden 

Wien, den 30. July 1802. 
Liebster Freund! 

Ich hatte gestern abend das vergnügen, Meinen Fürsten in meiner hütte 2 
zu sehen, welcher mich ersuchte, künftige woche nach Eisenstädt zu 
komen, um verschiedene neue Musicalien, worunter zwey Vespern und 
eine Meß v. Albrechtsberger 5 und eine Vesper v. Fuchs, 4 unter meiner 
Direction zu probiren: ich bedaure demnach, daß ich dermalen nicht nach 
Baden kommen kann: nebst dem erwarte ich auch eine Installirung eines 
Vice-Capellmeisters statt meinem Bruder. Der Nähme desselben ist mir 
noch unbekannt. Indessen danke ich Ihnen herzlich für Ihre guten antrage 
in Ihrer behausung und bin nebst einen warmen Kuß an Ihre Frau 
Gemahlin 

Liebster Freund 

Ihr aufrichtigster diener 

Jos. Haydn mppria 

P. S. Herr v. Albrechtsberger wurde für seine Composition fürstlich be- 
lohnt, über welches ich großes vergnügen hatte. 

O um 1847 im Besitz von L. C. Seydlerin Grätz -> V. A. Heck Katal. XXVI (1926) Nr. 45 
(mit Faks.) ->■ A. C. Meyer -> heute: Dommusikarchiv Salzburg (seit spätestens 1928). 
— ED: Wiener Allg. Mus. Zeitung 1847, Nr. i)z. Nohl 167 f. (eÜb) Landon CCLN 206. 
Ein Mikrofilm des Autographs ist uns von H. C. R. Landon überlassen worden. Aus 
letzterem ergab sich, daß die Veröifentlichung bei Nohl 167 (nach der A. M, Z.) nicht ganz 
formgetreu ist; außer den Namen Albrechtsberger und Fuchs sind im O auch noch eine An- 
zahl weiterer Worte durch lateinische Lettern hervorgehoben. 

i. Dem (mit Haydn befreundeten) Regenschori Anton Stoll in Baden (für den u. a. Mozart 
sein berühmt gewordenes^!»« Verum KV 618 im Juni 1791 komponierte) sind wir schon 
im Brief Nr. 223 und 245 begegnet. — 2. Haydn War sichtlich stolz darauf, mit einem 
Besuch seines Fürsten in Gumpendorf beehrt zu werden. Mit scherzhafter Bescheiden- 

406 



heit nennt er das stattliche Haus seine „Hütte". ■ — 3. Über den angesehenen Theoretiker 
und Komponisten Job. Georg Albrecbtsberger (1736-1809) vgl. unsere Anm. zum Brief 
Nr. 117. — 4. Johann NepomukFuchs, der bald darauf (statt des zurückgetretenen Michael 
Haydn) Vizekapellmeister des Fürsten Esterhäzy werden sollte. 



312. Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn 

[Kanzleikonzept in s>wei Spalten] ['Eisenstadt, den 14. August 1802] 

[links:] An den Kapellmeister Haydn. 

[Rechts:] Da ich den Ciaviermeister Fuchs 1 in Rücksicht seiner bisherigen dienst- 
leistung zum Vice-Kapellmeister meiner Chor- und Kirchenmusik bestimmet habe, 
so wird Ihnen Solches hiemit anerinneret, und zugleich aufgetragen, den neu resol- 
virten Vice-Kapellmeister dem gesamten Chor — und Musik — Personali vorzu- 
stellen, und Selbes (mit Ausnahme des Concertmeisters Lougi Tomasini 1 des älteren) 
Zur gebührenden SuBORViNATiONsleistung anzuweisen. 

So wie nun dem gedachten Vice-Kapellmeister in Chor- und Kirchendiensten die 
Direction in ihrer Abwesenheit anvertrauet wird, eben so solle der Concertmeister 
Lougi Tomasini die Direction bei der Kammermusik zuführen haben, und (nebst 
Ihnen) sowohl einem als dem anderen in diesem Verhältniß die gehörige Parition 
durch die Musik Individuen geleistet werden, wobei ich mich versehe, daß sich keine 
subordinationswidrige Auftritte ergeben, und dem dienst in beßter Ordnung ent- 
sprochen werden wird, worunter auch die Erscheinung in Uniformen und übrige gute 
Adjustirung verstanden ist. 

In diesem Zusammenhang wird dem Dienst-Personali z ur genauesten Befolgung 
anzudeuten seyn, daß die gesammte Kapelle mit Sänger und Sängerinnen ohne 
Ausnahme wöchentlich einmall öffentliche Probe z u halten hat; wozu die Bestim- 
mung des Tages denen Vorgesetzten einberäumet wird, so wie Selben auch die 
Musicalien nebst einem z u verfassenden Cathalog und zwar im Kirchenfach dem 
Vice-Kapellmeister, in Kammer- Musik-Piecen aber dem Concertmeister Lougi 
[sie] Tomasini unter ihrer Verantwortung anvertrauet werden, mit dem Beding, 
weder Sparten, noch sonstige Stücke, welche in unseren Musicalien Magazin, 
wozu ein besonderes Zimmer bestimmet werden wird, allein vor findig sind, unter 
schärf ester Ahndung abschreiben z u lassen, (od. herauszugeben). 1 
Im übrigen, da ich bishero auffallende Beweise der dienstvernachlässigung bei 
manchen Musik-Individuen nicht ohne Mißfallen bemerket habe, so wird z ur 

407 



Geldbuße bei derlei dienstverabsäumniß Ein Gulden für das betreffende Individuum 
bestimmet, und bei nicht hinlänglicher Eegitimirung des Ausbleibens von dienst 
%u erlegen sejn; die Abnahme solcher Geldstraffen aber werden die Vorgesetzten 
%u besorgen, und mir von Zeit %u Zeit ihre Anzeigen darüber %u machen haben. 

Bisenstadt am //'" August 1802 
[Links:] exp. f. Esterha^j. 

O: Budapest, EA-TS, A. M., Fase. 26, Nr. 1937. Mit kurzem Inhaltsauszug erwähnt bei 
Pohl III, 202. BD: Valkd II, 621-22. Nr. 26t (nicht ganz buchstabengetreu). (eÜb) London 
CCL.N 207. Die in der (zumeist leeren) linken Spalte des Originals angebrachten Korrek- 
turen bzw. Nachträge sind in unserer Mitteilung in runde Klammern gesetzt. 
1. Johann Nepomiik Fuchs, der nach Haydns Tod zum fürstlichen Kapellmeister ernannt 
und nach seinem Tode (1839) in derselben Gruft wie Haydn beigesetzt wurde. — 2. Der 
langjährige Konzertmeister Luigi Tomasini sen. (1741-1808), der seit 1757 im fiirstl. Dienste 
stand. Vgl. Pohl III, 202 Fußn. 1. — 3. In den strengen Vorschriften dieses Erlasses scheint 
der ungnädige Ton der ehemaligen Regula/io Chori Kissmartoniensis aus 1765 zu geistern 
(Nr. 5 dieser Ausgabe). 



313. Haydn an die Verleger Breitkopf & Härtel, Leipzig 

[Eisenstadt, den 22. August 1802.] 

O verschollen. Über sein einstiges Vorhandensein wissen wir nur aus der Erwähnung 
bei Hase 28. 



314. Haydn an Antonio Polzelli 1 , Wien 

Eisenstadt, den 28" 1 August / 1802. 
Lieber Pokelli, 
Sey von der gute, und übermache mir die Fugen quartetten von Gallus. 
so Er mir Dedicirte, 2 welche du schon kennst, Sie werden auf meinem 
Ciavier in Schlafzimer oder in den anderen gegen über auf den Kasten 
liegen; wie auch meinen Kalender von diesem Jahr, welchen ich und 
mein Johann 3 vergessen hat mit herab zu nehmen, nehme dich aber in 
acht, daß kein Papier oder Zettul heraus fallt. Sage es nur meiner 
Köchin, welche ich grüßen lasse; du must alles diß sehr gut einpacken 
und versieglen, und den fuhrman Härtl übergeben. Lessei 4 schrieb mir 

408 



gestern, daß du dich wohl befindest und öfters zu Ihme gehst, diß freuet 
mich herzlich, vermelde Ihm mein Compliment. ich hoffe, daß auch 
deine Mama sich wohl befindet, alles schönes an Sie. Heute hab ich 
erfahren, daß auch in meinem Hauß alles gesund ist: ich befinde mich 
auch bishero ganz gut; beyliegenden brief bitte ich künftigen Mittwoch 
auf die Post zu geben ich bleib indessen dein Schuldner und dein 

aufrichtiger Lehrer 
Joseph Haydn mppria 
überschücke mir auch ein teutsches büchl von 
denen Jahreszeiten, wan du eines finden kanst. 

0: Die durch Landon CCLN 340 festgestellte Besitzerfolge von Haydns Autograph ist 
durch Unmrricht GBT 61 ergänzt worden: Verst. Kat. Gilhofer und Ranschburg, vom 
21. Febr. 1898, Nr. 260 -»■ wahrscheinlich J. Ludwig (vgl. An Illustrated Catalogue of the 
Music Loan Exhibition. . . by the Worshipful Company of Musicians at Fishmongers 
Hall, June and July 1904, London 1909, 318) -> Haydn-Museum Wien -> heute: Stadt- 
bibliothek Wien, Sign. 99474. Eine Kopie danach ist uns von Frau Christa Landon (Wien) 
übermittelt worden. BD: (eÜb) Landon CCLN 208. 

x. Antonio Pol^elli (1783-1855) war der jüngste, in Eszterhdza geborene Sohn der Luigia 
Polzelli. Die einst ziemlich verbreiteten Gerüchte, er sei ein natürlicher Sohn Haydns 
gewesen, haben sich nicht glaubwürdig belegen lassen. Über sein bewegtes Leben vgl. 
Pohl 11, 94-9;. — 2. Werke des Theaterkapellmeisters Johann Ga/lus Mederitsch (1752-1835). 
Die in Frage stehenden Quartette waren als Op. 6 im August 1802 bei Artaria (PI. Nr . 1570) 
erschienen. — ■ 3. Johann Bißler, Haydns Bedienter. — 4. Der aus Polen gebürtige junge 
Komponist Franz, Lessei (um 1780, 11835; das abweichende Todesdatum bei Landon 
CCLN 208 ist zu berichtigen) kam 1797 nach Wien, um Medizin zu studieren; schon 
im nächsten Jahr wurde er Haydns Schüler und Berufsmusiker. Von seinem vielseitigen 
Schaffen sind die Klavier- und Kammermusikwerke die bedeutendsten. Er gilt als einer der 
Vorläufer der polnischen Nationalmusik. Vgl. MGG VIII. Sp. 667 ff. 



409 



3IJ- Haydn an den Musikvereinsleiter Jean Philipp Krüger, 
Bergen (Insel Rügen) 

[Wien, den 22. September 1802] 

[Kopistenschrift; nur die Unterschrift autograph] \ 

Meine Herren, 

Es war für mich eine wahrhaft angenehme Ueberraschung aus einer Ge- 
gend ein so schmeichelhaftes Schreiben 1 zu erhalten, wohin ich nie wähnen 
konnte, daß die Werke meines geringen Talentes dringen würden. Wenn 
ich nun aber sehe, daß mein Name bei Ihnen nicht nur bekannt, sondern 
meine Werke auch mit Beifalle und Vergnügen ausgeführet werden, so 
gehen dadurch die heissesten Wünsche meines Herzens in Erfüllung; 
von einer jeden Nation zu welcher meine Arbeiten gelangen würden, als 
nicht ganz unwürdiger Priester dieser heiligen Kunst beurtheilt zu werden. 
Sie scheinen mich über diesen Punkt von Seite Ihres Vaterlandes zu 
beruhigen, noch mehr, Sie geben mir die süßeste Ueberzeugung, die der 
ausgiebigste Trost in den Stunden meines bereits sinkenden Alters ist, 
daß ich öfters die beneidenswerthe Quelle bin, aus welcher Sie, und so 
manche für herzliche Empfindung empfängliche Familie in häuslicher 
Stille — ihr Vergnügen — ihre Zufriedenheit schöpfet. Wie beseligend 
ist nicht dieser Gedanke für mich! — Oft, wenn ich mit Hindernissen 
aller Art rang, die sich meinen Arbeiten entgegen stammten, wenn oft 
die Kräfte meines Geistes und Körpers sanken, und mir es schwer ward, 
in der angetretenen Laufbahn auszuharren, — da flüsterte mir ein geheimes 
Gefühl zu: „Es giebt hienieden so Wenige der frohen und zufriedenen 
Menschen, überall verfolgt sie Kummer und Sorge, vielleicht wird deine 
Arbeit bisweilen eine Quelle, aus welcher der Sorgenvolle oder der von 
Geschäften lastende Mann auf einige Augenblicke seine Ruhe und seine 
Erhöhung schöpfet." Dieß war dann ein mächtiger Beweggrund vor- 
wärts zu streben, und dieß ist Ursache, daß ich auch noch itzt mit Seelen- 
voller Heiterkeit auf die Arbeiten zurückblicke, die ich durch eine so 
lange Reihe von Jahren mit ununterbrochener Anstrengung und Mühe 
auf diese Kunst verwendet habe. Uebrigens dank' ich Ihnen aus vollem 
Herzen für Ihre gütigen Gesinnungen, und bitte mir es zu vergeben, wenn 
meine Antwort etwas spät erfolgt: Gebrechlichkeit die unzertrennliche 

410 



Gefährtinn eines 70jährigen Greises und unaufschiebbare Arbeiten raub- 
ten mir bisher dieses Vergnügen. Vielleicht gönnt mir die Natur noch 
diese Freude, für Sie noch ein kleines Denkmal zu verfertigen, aus welchem 
Sie die Empfindungen eines bereits allmählig hinsterbenden Greises erken- 
nen mögen, der auch nach seinem Tode in einem so schönen Zirkel noch 
gerne fortzuleben wünschte, von welchem Sie ein so herrliches Gemälde 
entwarfen. Ich habe die Ehre mit vollkommenster Hochachtung zu seyn 

Ganz gehorsamster diener 
Wien den 22" 1 -f" [Sept.] 1802. Joseph Haydn mppria 

[Adresse:] A Monsieur de Vienne 

Monsieur Jean Phillip Krüger 
Doctor Medicinae und königl. Assessor 
des Collegii Sanitatis in Stockholm. / a 
Bergen 
auf der / Insel Rügen 
in Schwedisch Pommern. 

O 1908 durch J. A. Stargardt (Kat. 23 Nr. 1328) versteigert -> heute: Sammlung van 
Hoboken, Ascona. Eine Fotokopie ist uns von H. C. R. Landon überlassen worden. 
ED: Allg. Mus. Zeitung (Leipzig) 1844, 14 jf; danach Nohl 168 f (nicht ganz buchstaben- 
getreu, mit kleinen Lesefehlern und Lücken, ohne Adresse). Pohl III, 203 f (ebenso); (eÜb) 
Landon CCLN 208 ff. 

Über die Veranlassung zu diesem Dankbrief berichtet Nobi 168: „In dem Städtchen 
Bergen auf Rügen hatte sich. . . eine Art von Musikverein gebildet, und als man nun 
dort zum erstenmale die Schöpfung aufführte und die Wirkung des Werkes eine außer- 
ordentliche war, erhob der begeisterte K. sein volles Glas und dankte dem Schöpfer. . . 
Lauter Jubel aber erfolgte, als er vorschlug, dieses überwallende Gefühl des innigsten 
Dankes jenem großen Manne einfach und wahr zu schreiben, wie sie es empfanden. 
Der Brief wurde sogleich aufgesetzt, . . . unterzeichnet und abgesandt. So berichtet der 
Sohn eines der Unterzeichner..." 
1. Der an Haydn gerichtete Brief der Rügener Musikfreunde ist verschollen. 



411 



316. Haydn an die Witwe Johann Gottlieb Naumanns,' Dresden 

[Wien, den 22. September 1802] 

[Kopistenschrift; nur Unterschrift und Postscriptum sind autograph] 

\ 

Wohlgebohrne 

Verehrungswürdigste Frau v. Naumann! 

Vor allem bitt' ich Sie unendlich mir zu vergeben, wenn meine Antwort 
auf Ihr so gütiges als schätzbares Schreiben, 2 später eintrift, als es Pflicht 
und Höflichkeit erheischt hätten. Mein kränkelnder Zustand, und zu- 
gleich unaufschiebbare Arbeiten für meinen Fürsten, haben mich dieses 
Vergnügens beraubt, und mich vielleicht in Ihren Augen als einen untheil- 
nehmenden Freund bezichtiget. Gewiß, meine verehrungswürdige Frau, 
empfind' ich tief in der Seele den Verlust, den Sie und die lieblichste aller 
Künste in Ihrem Herrn Gemahle erlitten, und unersetzbar dürfte der 
Platz seyn, den dieser würdige Priester mit allgemeinem Beifalle bei dieser 
schönen Gottheit verwaltete. Ganz Europa hatte nur eine Stimme, und 
dieß war Lob und Beifall den man dem entscheidenden Verdienste Ihres 
seligen Herrn Gemahles wiederfahren ließ. Es wäre Vermessenheit von 
mir zu wähnen, daß meine Stimme noch zum Ruhme des Seligen etwas 
beizutragen vermochte, es wäre nichts als das Echo von allen den Kennern 
und Meistern, die bereits ihr Urtheil über die unsterblichen Werke 
Naumanns gefällt, und dadurch jene gerechte Reputation gegründet haben, 
in welcher der Selige immer fortleben wird. Die allgemeine Stimme 
ist die Stimme Gottes, und gilt mehr als jene des Einzelnen, beson- 
ders wenn dieser mit der allgemeinen Stimme einverstanden ist. Der 
Biographe hat des Stoffes genug, ohne mein Urtheil nöthig zu haben, 
um dem Verstorbenen ein würdiges Monument zu errichten, welches auf 
Wahrheit und Uebereinstimmung aller Sachkundigen ruhen wird. Ich 
habe die Ehre mit vollkommenster Hochachtung zu seyn 

Ganz gehorsamster Diener 
Wien den 22" 7 bre [Sept.] 1802. Joseph Haydn mppria 

P. S. Die So herrliche Opera Aci und Galatea 3 hat Ihre Majestät die 
Kayserin zu übersehen verlangt, daß weitere werd ich mit nächsten 
berichten. 

412 



O: Staatsbibl. Berlin (jetlzt als Depot in der Staatsbibliothek Marburg/Lahn). Eine Foto- 
kopie ist uns von H. C. R. Landon zur Verfügung gestellt worden. ED: Pohl III, 208 
(nicht ganz buchstabengetreu, aber brauchbar). (eÜb) Landon CCLN 2iof. 
1. Der Dresdener Opernkapellmeister und Komponist Johann Gottlieb Naumann (1741- 
1801) war am 23. Okt. 1801 gestorben. Die Witwe wollte eine Biographie ihres Gatten 
herausgeben und erbat von Haydn einen Beitrag, in Form einer Würdigung von Naumanns 
Kompositionen. — 2, Dieser an Haydn gerichtete Brief der Witwe Naumanns ist ver- 
schollen. — 3. Es handelt sich um die 1801 komponierte letzte Oper Naumanns, die zur 
Gattung der opera semiseria gehörige A.ci e Galatea, ossia i ciclopi amanti. 



317. Das Co mite des „Concert des Amateurs" (Paris) an Haydn, Wien 

Paris le 7 Octobre 1802. 
Monsieur 

Six mois Scoules depuis nos concert s de V hiver dernier n'ont pu nous faire oublier 
/es succes que nous ont merite vos sublimes productions, et la promesse que vous 
ave% bien voulu nous faire de vous occuper de nous, en composant une Symphonie 1 ä 
l'exicution de laquelle nous apporterons des soins proportionnh ä notre recon- 
noissance. II nous etoit bien diffkile de nous taire sur une faveur qui nous fait tant 
d'honneur. Tout Paris sut bientdt que vous nous flatie% [sie] d'un espoir dont il 
est permis de s'ennorgueillir. Dejä de tous cötes, on le partage et l'on brüle de le 
voir se realiser. Juge^, Monsieur, combien nous serions heureux de repondre ä 
r enthousiasme universel, en offrant au public, pour Vouverture de nos prochains 
concerts, un nouveau chef d'oeuvre qui le rassurdt, ainsi que nous sur l'etat de votre 
santL Nous attendons avec la plus vive impatience une reponse favorable. 1 
Pardonne%, Monsieur, ä des instances qui seroient peut etre indiscretes si elles 
n'etoient le fruit de notre amour pour ce qui mar que le plus dans l'art que nous 
professons et l'expression de notre veneration pour votre genie. 

Nous avons l'honneur d'etre avec la plus haute consideration 

Monsieur 

Les membres du Comite du 
Concert des amateurs. 
Frederic Rousseau 
de Bondy 

Grasset Brevas [? BrevalJ 

Plantade 

Frederic Duvernoy 

4M 



O: Österr. Staatsarchiv Wien, Harrach-Archiv, Karl 773, Fol. 1-2. Eine Fotokopie ist uns 
von H. C. R. Landon zur Verfügung gestellt worden. ED: (eUb) "London CCL.N zu. 
1. Das Pariser Comite beruft sich hier auf ein Versprechen Haydns, das nicht erfüllt wurde 
und dessen Umstände uns unbekannt sind. Ein Brief Haydns an dieses Comite ist nicht 
vorhanden. — 2. Drei Monate später, im Januar 1803 bedankt sich dasselbe Comit6 
für einen seither verschollenen Brief und eine inzwischen eingetroffene Notensehdung 
Haydns (vgl. unsere Nr. 321). 



318. Haydn an den Oboisten Jacob Hyrtl (Hiertl) 1 , Eisenstadt 

Wienn. den 28'° c, br [Nov.] 1802. 
Liebster Hiertl. 

Ich überschückte Ihnen gestern durch meinen Copisten Elsler einen neuen 
Militair Marsch, 2 vergasse aber anbey zu schreiben, daß, wenn allenfals 
diese hier beygefügte Passage 



z etc. 



zu schwer seyn solte, Sie dieselbe auf folgende art 



oder 




blasen können. Ich überlasse es Ihrem gutachten, und empfehle eine 
gute Probe; in der Clarinet-Stimm aber sol nichts verändert werden. 

indessen bin ich Ihr ergebenster Diener 
Jos: Haydn mppria 
[Adresse (mit Haydns Siegel):] 
Monsieur 
Monsieur Hiertl Musicien de 

S: Alt: Monseig. [Son Altesse Monseigneur] le Prince Esterhazy 

a / Eisenstadt. 

414 



O: Stadtbibl. Wien (Sign. 6858). Eine genaue K. ist uns von Christa Landon besorgt 
worden. — ED: Pohl III, 204 (nicht ganz wortgetreu, mit ungenau notierten Notenbei- 
spielen). Brand ;o6 (mit denselben Fehlern, aus Pohl III.); (eUb) Landon CCLN 211-12 
(nach dem Autograph). 

1. Der Oboist Jacob Hyrtl (der Name wird auch Hirtel, Hiertl geschrieben) diente in der 
fürstlichen „Feldharmonie". Wir begegnen seinem Namen in den von Brand (ßiS, 4J6) 
veröffentlichten Musikerlisten der Jahre 1796, 1800, 1807, usw. — 2. Es handelt sich 
um das Haydn-Werk „Hungarischer National Marsch" (Hob. VIII: 4) von 1802, dessen 
Autograph mit dem Nachlaß Haydns aus dem Esterhazy-Archiv in die Musikabt. der 
N. B. Szechenyi Budapest (Sign. Ms. Mus. I. 43a) gelangte. 



319. Haydn an Ignaz Pleyel, Paris 

Wienn. den 6 tD io bris [Dec] 1802. 
Liebster Pleyel. 

Ueberbringer dieses mit Nahmen Haensel 1 mein Compositions Schüller — 
ein liebenswürdiger Junger Mann mit den schönsten Carracteur, zugleich 
ein sehr guter Violinspieler — wünscht durch mich deine bekantschaft, 
um ihm in nöthigem Fall an die Hand zu gehen, sein Talent wirst du 
aus seinen 3 neuen quartetten 2 nehmen, Er ist in diensten bey der 
Pohlnischen Fürstin Lubomirsky: ich empfehle ihn derowegen in deine 
wohlgewogenheit anbey Sage ich dir verbundensten Danck für die durch 
H: Pichl* überschückte außerordentliche schöne Auflag deren quartetten 4 
welche dich im ganzen wegen so schönen Stich, Papier — und Correctheit 
verewigen wird, nur schade, daß mir in den kleineren Format, welches 
ich von Pichl um 5 2 fl gekauft habe, zwey blätter von denen quartetten 
der Sieben worte abgehen, ich ersuchte derowegen H m Pichl um das 
abgehende zu ersetzen an dich zu schreiben, einen neuen beweiß deines 
Heißes erhielte ich vor kurzem durch H in Himmel' aus Berlin mit 3 
quartetten und einer Sinfonia in Es in taschen format, 6 schöneres und 
prächtigeres kan man nicht mehr sehen, der himmel belohne deine 
bemühungen, du vergrösserst dadurch mein und dein Musicalisches Ta- 
lent! nur wünschte ich 10 Jahr meines hohen Alters zurückzulegen, um 
dir noch etwas neues von meiner arbeith mittheillen zu können — viel- 
leicht — kan es doch noch geschehen indessen lebe wohl, und liebe 
deinen alten Haydn mppria — so stets dein freund war, und verbleiben 
wird. Amen. 

415 



Mein Compl: an deine liebe gemahlin 

Mein Fürst wird noch zu Ende dieses Monaths in Paris eintreffen, be- 
suche Ihn. 

Ich bitte den auf der Post an mich Addressirten schon lang liegengebliebe- 
nen brief aus zu lösen und anhero zu schücken. l 



(Autograph Haydns): Maison Pleyel, Paris. ED: Niecks, in Monthly Mus.Record, i. Sept. 
i88j. Comettant, Un nid d 'autographes , Paris iS8j t p-n (in französischer Übersetzung und 
mitFaks.; diese Ausgabe war uns nicht zugänglich); (eÜb) Lattdon CCLN 212. Faks. auch 
in Revue Musicale Mensuelle: Bulletin de la SociM Franfaise des Amis de la Musique (S. I. M.) 
Paris ifio. Eine Textkopie nach dem Faks. ist uns von H. C. R. Landon überlassen worden. 
— Das Autograph befindet sich eingerahmt in der Ausstellung der Maison Pleyel (Paris); 
so konnte die (auf der Rückseite vermutete) Adresse nicht kopiert werden. Vermutlich 
war sie ähnlich formuliert wie beim ebenfalls an Pleyel gerichteten Brief Nr. 264 (Notiz 
von Landon). 

1. Der Komponist Peter Haettsel (1770-1 831), der um 1792 einige Zeit Haydns Schüler war. 
Seine Kammermusik (darunter 55 Streichquartette) war seinerzeit hochgeschätzt. Vgl. 
MGG V, Sp. 1294 f. — 2. Vermutlich Haensels Quartette Op. 8, die 1801 bei Artaria 
erschienen (PI. Nr. 865). — 3. Der fruchtbare Komponist Wendel Picbl (1741-1805), der 
1769 als Primgeiger an das Hoftheater in Wien kam und 1775 Kammerkomponist bei 
Erzherzog Ferdinand in Mailand wurde. 1796 kehrte er nach Wien zurück, wo er zunächst 
als Geiger, von 1800 bis zu seinem Tode (1805) als Kapellmeister Erzhg. Ferdinands 
wirkte. Vgl. MGG X, Sp. 1249 ff. — 4. Die besonders schön ausgestattete Gesamtausgabe 
von Haydns Streichquartetten (in Stimmen) bei Pleyel. — 5. Der angesehene Komponist 
und Hofkapellmeister in Berlin, Friedrieb Heinrich Himmel (1765-1 814). Unter seiner Leitung 
fand u. a. eine Aufführung der Schöpfung am 5. Jan. 1801 in Berlin statt. Himmel kam Ende 
Oktober 1802 von London und Paris nach Wien, wo er Haydn begegnete. „Mit London 
ist er nicht zufrieden" (schreibt Griesinger an Härtel in Leipzig), „er kann aber nicht 
genug von dem Enthusiasmus erzählen, mit dem in Paris Haydns Werke aufgenommen 
und aufgeführt werden. Er wendet alle seine Beredsamkeit an, um Haydn zu einer Reise 
nach Paris zu bewegen. . ." Zwei Monate später, am 18. Dez. schreibt Griesinger wieder 
nach Leipzig: „Ich habe Ihnen schon erzählt, daß Himmel in Haydn drang, eine Reise 
nach Paris zu machen; in der Hitze der Unterredung äußerte Haydn, er würde wohl 
hingehen, wenn er wegen der Reisekosten gedeckt wäre. Himmel nimmt dieses als Ernst 
auf, schreibt es nach Paris, und in einigen Tagen erhält Haydn eine Einladung von einem 
Liebhaberkonzert [hiermit ist vermutlich das »Concert des Amateurs« gemeint], nebst 
einer Anweisung auf 4400 fl. zur Reise. Er nimmt es nicht an, aber der Eifer der Franzosen 
hat ihn geschmeichelt." (Vgl. Pohl 111, 20J-6.) Von dieser Einladung nach Paris steht 
erstaunlicherweise kein Wort in den beiden erhalten gebliebenen Briefen des Pariser Lieb- 
haberkonzerts (Nr. 317 und 321). Oder sollte sich der sonst ziemlich verläßliche Griesin- 
ger irgendwie geirrt haben? — 6. Bei der durch Pleyel in Taschenpartitur herausgegebenen 



416 



Ss-Dur-Sinfonie Haydns kommen zwei in Frage: Nr. 99 oder 103 (die letztere ist früher 
erschienen). Um genau welche Quartette es sich hier handelt, ist heute nicht mehr zu 
bestimmen. 



320. Haydns Verrechnung an den Fürsten Esterhäzy über 
verschiedene ausgaben 

[Wien, den 20. Dezember 1802] 
Specification 

verschiedener Ausgaben, so ich zum Diensten S r Hochfürstlichen Durch- 
laucht vermög Beylagen pro Anno 1802 entrichtet habe, als für 
Den Copiaturs Betrag meiner lezt Neuen Messe 1 

samt der 8 stimmigen von meinem Bruder Michael zusam 2 71 Fl. 10 xr. 

Einen neuen Marsch für die Harmonie, 5 1 Fl. — 

für die Musicalien von verstorbenen Rector* in Eisenstadt 60 Fl. — 

für die fuhr nach Eisenstadt und wider zurück mit Extra Post 22 Fl. — 



Summa 154 Fl. 10 xr. 

Wienn. den 20'° December 1802. 

Joseph Haydn mppria 
KapellMeister 

[Anschließend folgt die Genehmigung des Fürsten (datiert vom 26. Dez. 
1802) und darunter Haydns eigenhändige Quittung:] 

Das ich obstehende 154 Fl. 10 xr. aus der hochfürstl. Eisenstädter General 
Cassa richtig und baar empfangen habe, bescheine hiemit 

Joseph Haydn mppria 
KapellMeister 

0: Budapest, EA-TS, A. M., Fase. 19, Nr. 1322. BD: Valhö II, 622-3. Nr. 264. (Faks. 
daselbst auf Tafel 11). Nicht bei Landon CCL.N. 

1. Die 1802 komponierte Harmoniemesse. — • 2. Vgl. hierzu unseren Kommentar zum Brief 
Nr. 310, in dem eine vom Fürsten bei Michael Haydn bestellte Missa Solemnis erwähnt 
wird. — ■ 3. Der „Hungarische National Marsch" (Hob. VIII: 4), der auch im Brief Nr, 318 
erwähnt ist. — 4. Der verstorbene Rector in Eisenstadt, aus dessen Nachlaß Haydn 
Musikalien holte, hieß Carl Kraus; er war Regenschori der dortigen Stadtpfarrkirche 
(Mitteilung von H.C.R. Landon). 

27 4 I 7 



32i. Das „Concert des Amateurs" (Paris) an Haydn, Wien 

[Paris, den n. Januar 1803] 
Concert des Amateurs . 

Nous Administrateurs du Concert des Amateurs declarons que Son Altesse 
Monseigneur Le Prince D'Esterha^y a eu la bonte de nous remettre une Lettre et 
un Paquet cachete, contenant une Messe, une offer toire et un Te Deum de la composi- 
tion du Celebre Joseph Haydn et que ces trois ouvrages seront deposes dans nos 
Archives comme un monument qui attestera que ce savant compositeur a bien 
voulu jetter un regard de bienveillance sur notre Societe. Paris ce Vingt-un Nivose 
an 11. [11. Jan. i8oß]. [Unterschriften:] 

de Sorie [?] / Plant ade j B revas [Breval ?] J Frederic Duvernoy / de Bondy j 
Fr. Rousseau 

O: Österr. Staatsarchiv Wien, Harrach-Archiv, Karl 773, Fol. 3-4. Eine Fotokopie ist uns 
von H. C. R. Landon zur Verfügung gestellt worden. ED: Mencik, Musikbuch aus Öster- 
reich, zyop. Pohl III, 216 (mit mehreren Lesefehlern und falsch aufgelöstem Datum); 
(eUb) Landon CCLN 21} (nach dem Autograph). 

Vgl. den Brief Nr. 317. Die früher den Parisern versprochene (?) Sinfonie hat Haydn nicht 
mehr komponiert. Um seine glühenden Verehrer in Paris dennoch irgendwie zu ent- 
schädigen, läßt Haydn ihnen jetzt durch den (um die Jahreswende 1802-1803) nach Paris 
reisenden Fürsten Esterhäzy drei Kirchenwerke zukommen: eine Messe (vermutlich das 
Autograph der Schöpfungsmesse von 1801, welches um die Mitte des 19. Jhs. in Paris verstei- 
gert wurde), ein Offertorium (wahrsch. das Non nobis Domine) und das große (um 1799 
komponierte) Te Deum in C-Dur (diese Identifikationen sind von Brand 413 und Landon 
CCLN 213 Fußn. 1 erarbeitet worden). — Die Leitung der Liebhaberkonzerte, die von 
Haydn Orchesterwerke zu erhalten wünschte, wird diese Sendung Haydns mit einiger 
Enttäuschung empfangen haben; auf Kirchenwerke waren ihre damaligen Programme 
kaum ausgerichtet. So sind die erhaltenen Partituren im Archiv deponiert worden. Immer- 
hin hat Haydn als Zeichen des Dankes, außer diesem Brief, auch noch eine goldene Medaille 
aus Paris erhalten, die mit seinem Nachlaß in die Esterhazy -Schatzkammer gelangte. Eine 
Beschreibung dieser (seit 1945 verschollenen?) Medaille s. u. a. bei Pohl III, 216, 



418 



322. Briefkonzept Haydns an seinen Bruder J. Michael Haydn, 
Salzburg (Fragment) 

Vienna. 22. January 1803. * 

Ich danke herzlich für alle wünsche, So du mir neuerdings in deinem 
Schreiben beweisest. 2 stünde es in deiner Macht, so würde auch der 
wünsch meine vorige gesundheit (welche ich schon So lang vermisse) 
zu erhalten erfüllet werden, seit 5 Monath' bin ich durch eine anhaltende 
schwäche der Nerven zu allen Unternehmungen ganz unfähig, wie 
[durchstrichen: schwer] schmerzlich mich diese plözliche 4 Veränderung 
zu boden drückt, kanst du dir leicht vorstellen, indessen verzweifle ich 
noch nicht ganz, sondern hoffe zu gott, daß ich bey besserer Witterung 
meine vorige' gesundheit [gestrichen: wen nicht ganz] wenigstens die die 
[sie] helfte wieder erhalten werde. 

Deine ganze mir überschriebene wohl überdachte und unternehmende 
handlung in betref [gestrichen: des] S. kn. hocheit [Seiner königlichen 
Hoheit] des Erz Herzogs und meines Fürstens muß ich und die ganze 
weld beklagen. Es kan dir von keiner Seite unrecht [?] zu vorwürfen 
gemacht werden, beede diese sind groß 6 dein Herz und Kopf [durchstr.: 
aber] muß hier entscheiden, welcher bey dir den Vorzug haben wird, 
indessen wünsche ich dir zu dem jeden viel glück und hoffe darüber so 
bald möglich die entscheidende andworth [gestrichen: und bin zugleich] 
bis dahin, und noch weiter bin ich 7 

(Autograph Haydns, Fragment): im S. -Wolf-Museum, Eisenstadt. Eine Foto- 
kopie ist uns von H. C. R. Landon zur Verfügung gestellt worden. ED: Csatkai )) (mit 
mehreren Lesefehlern). (eÜb) Landon CCLN 214. 

1. Diese Datierung in englischer Sprache war ursprünglich offenbar für einen anderen 
Brief bestimmt (an einen englischen Freund?), was sich auch im Schriftbild verrät. Das 
Datum ist mit lateinischen, das übrige deutsche Briefkonzept mit gotischen Lettern 
geschrieben. — 2. Csatkai und Landon lesen hier (irrtümlich) „bewährtest". — 3. Ur- 
sprünglich stand hier: „7 Monath". Haydn hat dann die Zahl 7 durchstrichen und durch 
5 ersetzt. — 4. Csatkai und Landon lesen hier „klägliche", was aber mit dem Schriftbild 
nicht übereinstimmt. — 5. Csatkai und Landon lesen hier (fälschlich) „teure". — 6. Hier 
machte Haydn ein Merkzeichen, um am Ende des Konzepts noch diesen Satz einzu- 
schieben: „Nur ist die Liebe zur Musick und tiefere [?] Einsicht in die Tonkunst [diese 
3 letzten Worte sind gestrichen] bey dem Groß Herzog wichtiger als bey meinfem] 
Fürsten." — 7, Hiermit bricht dieses fragmentarische Konzept ab. 

2 7* 419 



Um diese Zeit sind Haydns Bruder, Michael sowohl vom Fürsten Esterhäzy als auch 
vom Großherzog von Toskana vorteilhafte Kapellmeisterstellen angeboten worden 
{vgl. weiter oben Nr. 310). Nach langem Zögern hat Michael beide Angebote ausgeschla- 
gen und ist in Salzburg verblieben. 



323. Haydn an den Verleger Barth, Breslau 1 

[Wien, den 3. März 1803] 

Eu. Wohlgeb. beehrten mich mit der Blumenlese, wofür ich den ergeben- 
sten Dank abstatte; in dieser für die Musik so wichtigen Herausgabe 
finde ich nichts der Tonkunst zuwider und wollte sehr gerne unter die 
Zahl der Wetteiferer mitgezählt werden; allein ein Alter von 72 Jahren 
und ein seit geraumer Zeit sich eingefundenes rheumatisches Nervenfieber 
versagen mir die hiezu erforderlichen Kräfte. Ich vermag kaum so viel, 
daß ich meinem Fürsten diene mit dem, was er für sein Haus bedarf. 
Noch schließe ich mich nicht aus, den Lorbeerkranz zu verdienen, dessen 
alle Komponisten (besonders aber Knecht 2 ) würdig sind. Gott gebe, 
daß meine Organe mit Kräften beseelt und die Natur ihre vorherige 
Freygebigkeiten mir nicht erlösche I so will ich mein Scherflein auch 
beitragen. . . 

[Schlußformel und Unterschrift sind nicht erhalten] 

O verschollen. Als Textquelle stehen uns nur die gedruckten Mitteilungen zur Verfügung. 
ED: Scblesiscbe Provincialblätter, Breslau 180). Echo (Berliner Musikzeitung) , Jg. 6, Nr. 48; 
Pohl III, 210; (eÜb) "London CCLN 214-rj. 

I.Aus der Nennung des Komponisten Knecht im Brieftext folgerte London CCLN 214, 
dieser Brief sei an Knecht gerichtet gewesen. Aus dem Inhalt und aus der Vorrede der 
Musikalischen Blumenlese Jg. 2, Heß 4 (Nachwort auf der letzten Seite) geht aber hervor, daß 
Haydns Brief an den Verleger der Blumenlese, Barth, gerichtet war(vgl. UnverrichtGBT 62.) 
— 2. Der seinerzeit angesehene Organist und Komponist Justin Heinrich Knecht { 1752 bis 
181 7) ist in der Musikgeschichte besonders durch seine „Portrait de la nature" betitelte 
Programmsinfonie bekannt, deren literarisches Programm den Gedanken von Beethovens 
Pastorale vorwegnimmt. Über ihn vgl. MGG VII. Sp. ii6(ff.'X5m diese Zeit war er Heraus- 
geber der periodisch erscheinenden Anthologie, Die Scblesiscbe Blumenlese. 



420 



324. Haydn an Georg August Griesinger, Wien 

[Wien, den 13. März 1803J 
Verehrungs-würdigster Herr von Griesinger! 

Aus mehreren wohl überdachten Ursachen entsage ich der Übersendung 
meiner Gesänge 1 an die russische Kayserin, 2 damit Herr Härtel durch 
baldige herausgab seinen Nutzen desto geschwinder befördern köne, ich 
bitte demnach es Ihm sobald möglich zu berichten. 

Ihnen aber, allerbester Herr v. Griesinger sage ich tausendfachen Dank 
für alle mühe, so Sie sich meinerweg [en] gegeben haben, und bin mit 
vorzüglichster Hochachtung 

Ihr gehorsamster 
Joseph Haydn 
[Wien] den 13' Merz 1803. 

O durch A. Cohn (Kat. 173, Nr. 1066) versteige« (wann?); es kam in unbekannte Hände. 
Unsere einzige Textquelle ist der ED: Pobl 111,210 /.; danach (eÜb) LandonCCLN zij. 
1. meiner Gesänge: es handelt sich um die 3-4Stimmigen Gesänge mit Klavierbegleitung, 
die Breitkopfs eben im Begriff waren herauszugeben. — 2. Die russische Kaiserin Maria 
Feodorowna. Haydn ist ihr anläßlich eines Hofkonzerts am Weihnachtstag 1781 in Wien 
begegnet, worauf sie einige Musikstunden bei Haydn genommen haben soll (vgl. unsere 
Anmerkung zum Brief Nr. 46). Haydn wollte ihr offenbar irgendeine Aufmerksamkeit 
erweisen. Er wartete aber, bis seine Gesänge bei Breitkopf erschienen und schickte der 
Kaiserin die gedruckte Ausgabe. Die Kaiserin bestätigte die Sendung mit dem Dankbrief 
Nr. 360 (vom 15. Februar 1805). 



325. Billett Haydns an Sigismund Neukomm, Wien 

[Wien 3. April 1803.]' 
Liebster Freund, 

Ihr diener, Jos. Haydn bittet dringend, beyliegende zwey Lieder sobald 
als möglich zu machen, und meinem Bedienten zu sagen, an welchen Tag 
er sie abholen kan ich hoffe vielleicht übermorgen. 

[Unterschrift ?] 
[Adresse:] An meinen Lieben Neukom. 

421 



O heute nicht zugänglich; es war früher in den Stargardt-Katalogen vom 24. März 1902 
(Nr. 642) Und von 1954 (Kat. 515, Nr. 550) verzeichnet. Eine K. ist uns von R. Landon 
und A. v. Hoboken überlassen worden. ED: (eÜb) Landon CCLN 32/. 
1. Das fehlende Datum ist vom Adressaten Neukomm nachgetragen. 
Der aus Salzburg gebürtige Sigismund Neukomm (1778-1858) ist um 1797 Haydns Schüler 
und bald dessen Vertrauter geworden. Über sein Leben und seine Werke vgl. MGG IX 
Sp. 1594 ff (Jancik). Im Jahr 1804 begab sich Neukomm (mit Empfehlungen Haydns 
versehen) nach Rußland, wo er zunächst Hofkapellmeister am Deutschen Theater in 
St. Petersburg wurde, und 1807 einen Briefwechsel mit Haydn führte (vgl. unsere 
Nrn. 374-375)- — 

Dieses zufällig erhalten gebliebene Billett Haydns wirft ein Licht auf das Rätsel der massen- 
weise entstandenen schottischen Liedbearbeitungen für Thomson und andere Verleger, 
wo doch Haydns Arbeitskraft um diese Zeit (1803 -1804) bereits sehr nachgelassen hatte. 
Haydn ließ sich von seinen Schülern und Freunden helfen. Im Falle Neukomms können 
wir diese stille Mitarbeit sogar dokumentarisch belegen. Haydns schwedischer Freund, 
der Legationsrat Fredrik Samuel Silverstolpe (den wir schon aus den Briefen 218 und 298 
kennen) ist Anfang 1803 aus Wien versetzt worden. Nach einer kurzen Zwischenzeit 
in Stockholm, kam er 1805 als Cbargl d' affaires der schwedischen Gesandtschaft nach 
St. Petersburg, wo er mit dem seit 1804 dort wirkenden Neukomm zusammentraf. In einem 
langenBrief an denSekretär der Schwedischen Musikakademie, Pebr Frigel gibt Silverstolpe 
einen interessanten Bericht über sein Gespräch mit Neukomm (im Auszug mitgeteilt bei 
MSrner JWRS 404). Er versichert, „Neukomm hätte die Harmonisierung zu einigen 70 
der Schottischen Lieder Haydns geschrieben, was vielleicht erklärt, warum diese so oft 
kritisiert worden sind" (vgl. auch Geiringer MQ). Neukomms Charakter wird allgemein 
als zuverlässig geschildert; wir haben keinen Grund, seine Angaben anzuzweifeln. Dann 
ist es aber sehr wohl möglich, daß der alternde Haydn sich in dieser gut bezahlten Massen- 
arbeit auch der anonymen Mithilfe noch anderer Schüler bediente, wie Landon CCLN 216 
vermutet. Vgl. hierzu auch die von Unverricht GBT 60 erstmals herangezogenen dies- 
bezüglichen Äußerungen von Kocblitz (Allg. Mus. Zeitung Jg. XV. 1813, 2))f): „Über 
seine letzten Arbeiten, besonders die Jahreszeiten, besprach sich H. [Haydn] mit ihm 
[Neukomm], nicht wie mit einem Schüler, sondern wie mit einem treuen Kunst- und 
Haus-Freunde; und mehreres Kleinere, was Vater H. um diese Zeit aufgetragen wurde, 
was ihm weniger zu Sinne war und von größern Werken abgezogen hätte, überließ er 
N.-n auch wol ganz, und that nur etwa hin und wieder noch etwas von seinem Eigenem 
dazu — wie dies z. B. besonders mit der, oft sehr schwierigen und häkelichen, harmoni- 
schen Bearbeitung der bekannten, reichen Sammlungen alter und nicht-alter schottischer, 
irischer und englischer Balladen, Volkslieder etc. der Fall war. Da dies H. so wenig zum 
Nachtheil gereicht, als Rubens' und andern großen Malern älterer Zeit, die ein Gleiches 
thaten; N.-n aber zur Ehre: so darf es wol unverholen gemeldet werden." 



42 z 



326. Der Wiener Stadtmagistrat an Haydn 

[Wien, den 10. Mai i8oß] 
Wohlgeborner 
Hochzuverehrender Herr! 

Nach den vielen Beweisen der Menschenfreundlichkeit, mit welcher Ew. Wohlgeb. 
die bemitleidenswerthe Lage der verarmten alten Bürger und Bürgerinnen %u 
St. Marx %u erleichtern mitgewirkt haben, fand sich die von höchsten Orten aufge- 
stellte Bürgerspitals-Wirtschaftskommission veranlaßt, hierorts dieses edelmüthige 
Benehmen vorstellig z u machen, und den Wunsch z u äussern, daß diese wohlthä- 
tigen Bemühungen nicht unbemerkt bleiben möchten. 

In Erwägung nun, daß Sie, verehrungswürdigster Herr Doktor der Tonkunst, zu 
der Bewunderung für die Meisterwerke Ihres Genies %u wiederholten malen unent- 
geldlich und in eigener Person die Direktion jener Kantaten 1 übernahmen, durch 
welche so viele Herren %iim Wohlthun gestimmt, und den armen Bürgern z u 
St. Marx so ansehnliche Beyträge bewirkt wurden, ergreift der Magistrat dieser k. k. 
Haupt- und Resident-Stadt Wien, der schon lange einer Gelegenheit entgegen sah, 
einem durch sein Talent unsterblichen, und bereits von allen gebildeten Nationen 
mit besonderen Ehren ausgezeichneten Mann, welcher die Vortrüge des Künstlers 
mit den Tugenden des Bürgers in thätige Verbindung setzt, diese Veranlassung, 
auf irgend eine Weise seine Achtung %u bezeugen. 

Um aber auch in Ansehung dieses bleibenden Verdienstes nur den entferntesten 
Beweis %u geben, hat der Magistrat einstimmig beschlossen, Ew. Wohlgeb. gegen- 
wärtige ^wölffache goldne Bürger-Medaille'- als ein geringes Merkmal des Dank- 
gefühles der erquickten armen Bürger und Bürgerinnen %u St. Marx, deren Organ 
wir hiermit vorstellen, anzuschließen. 

Möge sie so lange an Ihrer Brust glänzen, als die Segenswünsche für Ihre Edelthat 
dankbaren Herren entströmen werden; mögen Sie uns Gelegenheit an die Hand 
geben, die Beweise der ausgezeichneten Hochachtung %u vernehmen, womit wir 
verharren, 

Ew. Wohlgeboren bereitwilligste 
Joseph Georg Hörl, Mik. N. Oester. Reg. Rath und Bürgermeister 
Stephan Edler von Wohlleben, k. k. Rath und Stadtoberkämmerer in Wien 
Job. Bapt. Franz, derBürgerspitals-Wirtschafts- 
Commission Präses 
Wien am 10''" May 1803. 

423 



O verschollen. ED: Allg. Mus. Zeitung, Nr. 40 (180)) 66off.Griesinger 80-82 (Neuausg. 
Grasberger 44-4J); Dies 188 /(unter Weglassung der Unterschriften);?^/ IT/, 216-217 (nicht 
ganz form- und buchstabengetreu); (eÜb) Landon CCLN 216. 

1. Kantaten: hiermit sind jene Aufführungen der Sieben Worte, der Schöpfung und der Jahres- 
zeiten gemeint, die Haydn zu wohltätigem Zweck geleitet hat. — 2. Bürger- Medaille: Die 
wertvolle „Salvator-Medaille" der Stadt Wien. Haydn war über diese Auszeichnung sehr 
gerührt. Er sagte zu Griesinger (S. 80): „denn ich dachte dabey an das: vox populi, vox 
Dei". — Er scheute nicht die Mühe, dafür mit einem eigenhändigen Brief zu danken 
(vgl. Nr. 327). 

327. Haydns Dankschreiben an den Wiener Stadtmagistrat 

[Ohne Datum. Wien, Mitte Mai 1803] 
Wohl Löblicher Magistrat. 

Hoch wohl gebohrne Hoch zu VerEhrende Herrn! 
Als ich bemüht war zur Erquickung der Alten erarmten Bürger und 
Bürgerinnen etwas durch meine Kenntnisse in der Tonkunst beyzutragen, 
schätzte ich mich sehr glücklich einer meiner Angenehmsten Pflichten 
erfüllt zu haben, und konnte mir nicht schmeicheln, daß ein Wohl löb- 
licher Magistrat der Kays. Königl. Haupt und Residenzstadt meine ge- 
ringe bemühung mit Seiner aufmerksamkeit auf eine so Ausgezeichnete 
Art würdigen würde. 

Nicht sowohl das edle geschenk Wohlgebohrne Hochzuverehrende Her- 
ren, so ich alle tage, welche mir die Vorsicht noch beschieden hat, als 
ein Denkmal Ihrer Gewogenheit tief verehren werde, als noch weit mehr 
Ihre gütige Zuschrift, die ganz der Abdruk Ihrer edlen gesinnungen ist, 
läßt mein gerührtes herz in der Ungewisheit, ob ich mehr Ihr groß- 
müthiges Benehmen gegen mich, oder die Menschenfreundliche Sorg- 
falt, welche Sie gegen erarmte 1 Bürger tragen, bewundern soll. 
Indem ich hier für beydes mein innigstes Dankgefühl 2 feyerlich erkläre, 
erlauben Sie mir Verehrungswürdigste Herren! den warmen wünsch 
anzuschliessen, daß die Vorsicht einen so menschenfreundlichen Magistrat 
zum wohl dieser Kayserstadt noch lange erhalten möge: 

Ich verharre mit tiefer Verehrung 
Wohlgebohrne hochzuverEhrende Herren 
Dero 

gehorsamster Diener 
Joseph Haydn mppria 

424 



(Autograph Haydns) einst im Besitz des Barons Fritz von Reden in Linz; heute in der 
Sammlung Floersheim-Koch in Muzzano (bei Lugano). Eine Fotokopie ist uns von 
H. C. R. Landon zur Verfügung gestellt worden. — ED: in Allg. Mus. Zeitung Nr. 40 
(180)) S. 669 ff. Dies 189 f '(mit einer willkürlichen Einschaltung im letzten Absatz); Nohl 
i/o (aus Dies),- Pohl III, 217 (nach dem O oder dem BD) und versehentlich noch einmal 
Pohl III, 22/ (mitsamt der willkürlichen Einschaltung aus Dies übernommen und irrtümlich 
auf eine andere Auszeichnung im Jahr 1804 bezogen); (eÜb) London CCLN 21/. 
1 . erarmte Bürger: bei Dies, Nohl und Pohl III, 2 2 5 willkürlich geändert „in verarmte Bürger" . 
— 2. Bei Dies, Nohl und Pohl III, 225 ist an dieser Stelle der (im Autograph nicht vor- 
handene) Passus „in meinem und im Nahmen der verarmten Bürger" aus unbekannter 
Quelle willkürlich eingeschaltet. — Nach einer Angabe bei Pohl III, 217 ließ sich Haydn 
diesen Brief durch einen Freund, den Buchhändler Abbe" Felix Franz Hofstätter (1741-1814) 
aufsetzen. 



328. Haydn an den Vizekapellmeister Johann Nepomuk Fuchs 1 , 
Eisenstadt 

[Wien, den 18" 1 Mai 1803.] 

Liebster Fuchs ! 

Heft Diezl 2 ersuchte mich wegen wichtiger Angelegenheiten Ihm noch 
ein paar tage Aufenthalt in Wien zu erlauben, dafür wird er aber ganz 
sicher noch vor Pfingsten in Eisenstadt sich einfinden. Du wirst Ihm also 
Deinen gnädigen Seegen ertheilen. Übrigens vernehme ich, daß Du außer- 
ordentlich fleißig bist, wofür ich Dein schönes Weiberl herzlich küssen 
lasse und bin zugleich 

Dein alter, aber leyder noch unbrauchbarer freund 

Joseph Haydn 

verschollen. ED: Pohl III, 21 8 /(unsere einzige Quelle). (eÜb) Landon CCLN 217 f. 
1. Der im Sommer 1802 eingesetzte Vizekapellmeister (früher Klaviermeister) Job. Nep. 
Fuchs. Vgl. die Briefe Nr. 311, 312. — 2. Von den bei Pohl II, ß?2ffund Brand 318, 4j6 
verzeichneten verschiedenen Dietvjs in fürstl. Esterhazyschem Dienste (vgl. auch weiter 
unten den Brief Nr. 338) war zu dieser Zeit nur noch der ausgezeichnete Kontrabassist 
Johann Diet^l am Leben. Es wird sich also hier um diesen gehandelt haben. 



425 



329. Haydn an Joseph Elssler jun. 1 , Eisenstadt 

Wien den 5. Juny" 1803. 
Liebster Elsler! 

Seye so gütig, mir bey allererster gelegenheit die alte Sinfonie (genannt 
die Zerstreute) 2 herauf zu schicken, indem Ihro Majestät die Kayserin 
den alten Schmarn zu hören ein verlangen trägt, ich ersuche demnach 
den H tn Meßner 3 mir dieselbe auf etwelche tage zu leihen, ich werde 
daran nichts verletzen. Uebrigens wird es mich freuen, wenn du und all 
die übrigen Herrn sich wohl befinden; an alle alle [?] besonders meinen 
Bruder, Luigi, 4 Fex, und seine Helfte 5 etc. 

mein Compl. [Compliment] 
Jos. Haydn mppria 
[Außen Adresse:] 
Haydn ersucht um baldigste beförderung. 

An Herrn Elsler, Oboist bey S r Durchl. Fürst Esterhazy 

in / Eisenstadt. 

O heute nicht zugänglich; es befand sich 1873 im Besitz von Oberhofkapellmeister 
W. Tauben in Berlin, der es vom Sohn Elßlers erhielt; der gegenwärtige Besitzer ist un- 
bekannt. — ED: Nohl\z, L Vif (unsere einzige Textquelle). (eÜb) Landott CCLN 218. Im 
Auszug erwähnt bei Fohl III, 219 (nach Nohl). 

a. Bei Nohl steht „Junius", was aber nur eine willkürliche Änderung sein kann; Haydn 
selbst schreibt diesen Monat immer als „Juny". — 1. Joseph Elßler jun., der Bruder von 
Haydns Bedientem und Kopisten, war damals Oboist in der „Feldharmonie" des Fürsten 
Esterhazy. — 2. Haydn meint damit die (auch als Bühnenmusik zum Lustspiel Der Zer- 
streute verwendete) Sinfonie Nr. 60. Eine aus d. J. 1803 datierte K. Johann Elßlers befindet 
sich tatsächlich im Notenmaterial des ehemaligen Esterhäzy-Archivs (Musikabt, der N. B. 
Szechenyi, Budapest, Ms. Mus. I. 73). — 3. Dieser Meßner war damals offenbar mit der 
Aufsicht des Esterhäzy-Notenarchivs beauftragt. — 4. Luigi Tomasini sen. — 5. Fex, und 
seine Helfte: die zwei Söhne des älteren Tomasini: Luigi jun. und Anton. 



330. Haydn an den Verleger George Thomson, Edinburgh 

Vienna, ai 30 di Giugno / 1803. 
Carissimo Amico! 

Vi mando dunque il resto delle Ariette, sperando, che voi, e tutti gl'Altri 
Amanti di Musica saranno contenti con questa Musica; mi rincresce 

426 



solamente che in questo modo 1 sono obligato di servire a ciaschedun 
Galant Huomo chi mi paghi; ed oltra ciö, il Sig. Whyte z mi da due guinee 
per un'Arietta sola, che vuol dire il doppio. Amico cariss mo vorrei che 
fossi capace di' servirvi in un' altra occasione. fra tanto sono con tutta 
la stima 

Vostro Sincerissimo Amico ed Servitore 
Giuseppe Haydn mppria 
[Archivvermerk Thomsons:] 30 June 1803 / Haydn / Vienna / with a 
number / of Airs harmo- / nized by him / for me. / And that M 1 White / 
pays him 2 guineas / for each air he has / harmonized. 

O im Sammelband der Thomson-Korrespondenz, B. M. Add. 35266, Fol. 170. Eine 
K. danach ist uns von H. C. R. Landon überlassen worden. ED (in deutscher Übersetzung): 
Botstiber, Der Merker Jg. I, H. 19. (eÜb) Geiringer MQ 1S8 und Landon CCLN 218 f. 
1. Unsere einzige Textquelle, Landons K. liest und übersetzt an dieser Stelle „in questo 
mondo", was keinen Sinn ergibt und nur verlesen sein kann. — 2. Whyte: Haydn hat in- 
zwischen eine Serie schottischer Liedbearbeitungen (durch Vermittlung von Artaria) 
an Thomsons Konkurrenten, den Verleger William Wbyte in Edinburgh verkauft. Das 
Faks. einer eigenhändigen Quittung Haydns ist bei Landon CCLN (S. 106 gegenüber) mitge- 
teilt. Der Text lautet: „Quittung / Pr: drey hundert Gulden, So ich Endes gefertigter als 
den Rest deren fünf hundert Gulden für die Schottische Lieder des Mr Whyte aus Edin- 
burgh durch H: Artaria und Comp: richtig und baar empfangen zu haben hiemit be- 
scheine. / Wienn. den 3 ten February 1804 / Joseph Haydn mppria". Whyte hat 1804 
40 Bearbeitungen und 1807 noch 25 weitere Bearbeitungen Haydns veröffentlicht (vgl. 
Geiringer] 2, 293; und Geiringer MQpassim) . Thomson fühlte sich dadurch gekränkt und die 
1801-2 zwischen ihm und Haydn so rege Korrespondenz (im Laufe der 9 Monate zwischen 
April 1801 und Januar 1802 hat Haydn insgesamt 7 Briefe an Thomson geschrieben: 
die Nrn. 262, 284, 287, 289, 294, 295, 297) stockte für anderthalb Jahre, vom Jan. 1802 
bis 30. Juni 1803 (dem Datum dieses Briefes). Dieser Brief Haydns klingt tatsächlich wie 
eine Art Entschuldigung, mit der sich Thomson anscheinend zufriedengab. 



331. Haydn an den Verleger George Thomson, Edinburgh 

[Wien, den 1. Juli 1803] 
Stimatissimo Signor mio! 

Vi mando fra tanto quaranta nove Ariette Scozzese, e fra poco sarä ter- 
minato il resto. vi ringrazio inflnamente per ordine del Denaro. 120 
Zecchini che ho ricevuto 1 poco fa del Sig. Fries et Comp. e vi baccio 

427 



caro amico per i fazzoletti, che sono molto belli, particolarmente per 
quello destinato alla mia povera moglie, che giä sotto terra, tre anni 
sono. io l'ho dunque regalato ad una Dama maritata, che ha molti meriti 
in riguardo della Musica, sperando che sarete contento colla mia fatica. 
Sono con tutta la stima vostro sincerissimo amico ' 

giu seppe Haydn 
mppria 
Vienna, ai i mo di Luglio. 1803. 

[Auf der Rückseite Archivvermerk Thomsons:] Haydn / Vienna 1 July 
1803 / W 40 Airs harmon- / ized by him — / thanks for the money / 
paid him and for In- / dia handkerchiefs. 

O im Sammelband der Thomson-Korrespondenz B. M. Add. 35266, Fol. 171. Eine K. 
ist uns von H. C. R. Landon übermittelt worden. ED (in deutscher Übersetzung): Botstiber in 
Der Merker Jg. I. H. 19, 77 j. (eUb) Geiringer MQ 187 und Landon CCLN 21p. 
1. Haydns Quittung (Kopistenschrift, nur die Unterschrift autograph) ist mit 8. Juni 
1803 datierten B.M. Add. 35263. Fol. 168). 

332. Haydn an den Verleger George Thomson, Edinburgh 

[Wien, den 6. Juli 1803] 

[Kopistenschrift; nur die Unterschrift autograph] 
Mon tres chere Amis! 

J'ai recu l'argent par vos ordre du banquier Frise [recte: Fries], ne soyez 
pas fache de vous avoir fait attendre pour les 25 chants mais il y a 5 
mois qu'ils ete [recte: etaient] prets pour partir le Secretaire de Famba- 
sade Sir Stuard 1 ä manque l'avis ou plütot moi ne sachant l'heure de son 
depart; pour ä present je n'ai pas manque l'occasion de faire la mission 
en y ajoutant encore 14 chants pour les 11 qui sont encore ä faire je 
choisirai une occasion sür, de vous les faire parvenir. 
j'ai Phonneur de vous faire les remerciements düs ävosPresents je füts 
[sie] ourle les mouchoirs. 

L'exemplaire que vous m'envoyiez 2 est sans pareil tant pour le tipe que 
pour la beaute du Papier, je vous pries de m'envoyer le i me et le 2 me volume 
avec le 4 me car je souhait la Collection d'un oeuvre sans pareil et de musi- 

428 



ciens parfaits je paye volontier le prix de tout et je Suis avec grande 
estime votre tres avoue Serviteur. 
Vienne, le 6 mc Juillet 1803. 

Joseph Haydn mppria. 

[Auf der Außenseite Geschäftsnotiz Thomsons:] Haydn, Vienna 6 July 
1803 acknowledging to have rec d pay' from Frise & Co. of the price of 
the Ritornelles & Accomp' 8 soonto be sent me (120 ducats, or L 59. 13. 5) 
ack 1 " 8 [acknowledging] also to have rec d the presents I sent him and 
expressing his admiration of the manner in which the 3 d volume is 
printed — & requesting the other volumes . . . 

O im Sammelband der Thomson-Korrespondenz B. M. Add. 35266, Fol. 172-173. ED 
(in deutscher Übersetzung): Botstiber, Der Merker Jg. I, H. 19; (eUb) Geiringer MQ (nur 
Auszug) und Landon CCLN 219-220. 

1. Landon liest hier „Seward", was offenbar nur verlesen ist. ■ — 2. Laut einer angefügten 
Archivnotiz Thomsons hat dieser damals Heft III der Schottischen Lieder Haydn zu- 
kommen lassen. 



333. Fürst Nikolaus II Esterhäzy an Haydn 

[Eisenstadt, den iß. Oktober i8oß] 

[Kanajeikon^ept in 2 Spalten, mit Korrekturen] 
[Links:] An den Kapellmeister Haydn 

[Rechts:] Da die Uniformen abgäbe, um welche die Harmonie-Individuen samt dem 
Tenoristen in ihren hier nebenkommenden Suppliquen bitlich einschreiten, auf keine 
Cathegorie sjstemisiret, und bei Anstellung deren Musik-Individuen auch 
nicht %itm Gehalt bestimmet worden ist, mithin weder eine jährliche Uniform, noch 
eine Vergütung in Geld um so weniger Plat% haben kann, als es durch Beweiße 
dargethan ist, daß bey Austrettung dieses, oder jenen Musik Individuums einer, 
oder der andere den zurücklassenden Uniform übernehmen muß; [hier Nachtrag 
in der linken Spalte: „auch bey Entstehung der Harmonie kein Uniform bestand' 1 ] 
so ist es gan% einleuchtend, daß die Supplicanten einen Anspruch %ur Entschädigung 
desto weniger %u machen berechtiget sind, als selben in dem neuen Conventionali statt 
deren vorigen jährlichen ßoo Fl. eine jährliche Besoldung von 400 Fl. resolviret 

429 



worden ist. In welcher Gemäßheit Sie die supplicirenden Musik Individuen mit 
vollständiger "Erklärung dieser obwaltenden Umstände auf ihr vorgelegtes Gesuch 
belehren wollen. Eisenstadt, am iß tea S h " [Okt.] iSoj. 

Vidit Kärner mp. Dir. 
exp. Esterhd^j 

O: Budapest, EA-TS, A. M., Fase. 27, Nr. 1976. ED: Valkdll, 624 f. Nr. 270 (nicht ganz 
buchstabengetreu). (eÜb) Landon CCLN 220. 

Dieser ungnädige Bescheid des Fürsten steht in scharfem Gegensatz zur großzügigen 
Liberalität von Haydns erstem Gönner, dem Fürsten Nikolaus I, der die von Haydn 
vorgetragene gleiche Bitte des Orchesters im Oktober 1789 ohne Bedenken prompt ge- 
währt hat (vgl. unser Dokument Nr. 128). 



334. Haydn an Madame Moreau, Paris 

[Kopistenschrift; nur die Unterschrift autograph] 

Vienne le 1" 9 bre [Nov.] 1803. 
Madame, 

M. le Prince 1 Esterhazy m'a fait l'honneur de me dire que vous desiriez 
avoir une Sonate de ma composition; II ne fallait rien moins que mon 
extreme envie de vous plaire, pour me determiner ä m'oecuper de ce 
travail; mon äge et mes maladies me defendent toute application 2 depuis 
deux ans, et je crains bien que vous ne vous en apperceviez; 3 mais Pin- 
dulgence fut toujours Papanage 4 des Graces et des talents, II m'est donc 
permis de compter sur la votre. mes medecins me fönt esperer un 
adoucissement ä mes maux; je n'y aspire, Madame, que pour reparer la 
faiblesse de mon ouvrage, en vous faisant hommage d'une nouvelle com- 
position. Je voudrais que celle cy fut digne de vous et de M. le General 
Moreau; je tremble qu'il ne me juge avec rigueur, et qu'il ne se souvienne 
que c'etait au seul Thimotee' qu'il appartenait de' chanter pour Alexandre. 

J'ay l'honneur d'etre tres respectueusement 
Madame, 

votre tres humble et tres obeissant serviteur 

Joseph Haydn mppria 6 

430 



O: Von diesem Brief gibt es eine Reinschrift A. (Kopistenschrift, nur die Unterschrift auto- 
graph), und ein ebenfalls in Kopistenschrift entworfenes Konzept B; von beiden Text- 
quellen standen uns Fotokopien zur Verfügung. In den frühen Drucken der Sonate in der 
Version als Violin-Klaviersonate (Naderwann iSzo [?] und Clemenli 1S21; vgl. Hoboken 
71J-716) sind Faksimiles der Quelle A. veröffentlicht, die von den Besitzern vielfach 
für das O gehalten wurden. Die Besitzerfolge von A wird bei 'London CCLN 342 angege- 
ben: (um 1856) Kantor F. Dietrich in Berlin (war es wirklich das oder auch nur ein 
Faksimile?) -> Prof. H. Rauscher (1932) -> heute: ungenannte Privatsammlung in Basel 
(Unverricht GBT 61 vermutet, daß der Baseler Privatbesitzer auch nicht das 0, sondern 
nur einen der alten Faksimiledrucke von Nadermann bzw. Clementi besitzt und für das 
O hält, wie es ehemals auch die Bibliotheken in Stockholm und Leipzig getan haben). — 
Die Skizze B befindet sich in der Bibliothek des Pariser Conservatoire. — ED: Frankfurter 
Konversationsblatt Jg. 1841, S. 6)0 (Mitteilung von H. Unverricht). Berliner Musikzeitung 
Echo i8;6 Nr. 11, S. 81 (mit Faks. ?); dann Pohl III, 214 (mit kleinen Lesefehlern und 
unter Weglassung des Datums); Sandberger NH ßi (mit vielen sinnstörenden Lesefehlern); 
(eÜb) Landon CCLN 221. Alle genannten Mitteilungen (auch die von Sandberger, wie 
es sich gleich aus der Fassung des ersten Satzes ergibt) fußen auf der Reinschrift^. 
i.B:„M. le Comte [sie] Esterhazy", — 2. applicathn: Sandberger:„explication"(sinnlos). — 
3. apperceviez-' Sandberger: „Expercuviez" [?]. — 4. apanage: Sandberger: „apparage" [?]. — 
5. Thimoth: Sandberger: „Thimonee" [?]. — 6. B: J. Haydn (in Kopistenschrift, wie 
auch der übrige Teil der Skizze). 

Der bekannte General Jean Victor Moreau (1763-1813), der Sieger von Hohenlinden 
(Dezember 1800), war Napoleons gehaßter Rivale, der die ihm angebotene Hand der 
Caroline Bonaparte und der Hortense de Beauharnais zurückwies und dadurch (sowie durch 
seine legitimistische Gesinnung) Napoleons grimmigen Haß auf sich zog. Seine Gattin 
war eine Kreolin (eine Tochter des Generalschatzmeisters von Mauritius Hitlot), eine 
musikalisch wie künstlerisch hochbegabte und anziehende Persönlichkeit. Anläßlich 
seines Pariser Aufenthaltes muß Fürst Esterhazy mit ihr zusammengetroffen sein. Sie erbat 
sich bei dieser Gelegenheit vom Fürsten eine neue Sonate von Haydn. Haydn lehnte zu- 
nächst unter Hinweis auf sein hohes Alter und seinen Gesundheitszustand ab, etwas 
neues zu komponieren und schickte ihr ein Heft seiner gedruckten Klavierwerke (vgl. 
Pohl III, 21}). Der Fürst bestand aber auf seinem Wunsch, und Haydn schickte hierauf 
diesen höflichen Brief, mitsamt einer Sonate für Klavier und Violine, nach Paris. Damals 
wußte noch niemand (außer Haydn selbst, der sich darüber ausschwieg), daß diese Sonate 
(unter Weglassung der Cellostimme) identisch war mit dem zweisätzigen Klaviertrio in Es 
(Hob. XV: 31), das im August desselben Jahres in der Originalgestalt bei Traeg in Wien 
erschienen war. So haben noch Gerber NHBLT 602 und Griesinger 77-78 die nach Paris 
gesandte Sonate für ein neues Originalwerk Haydns gehalten und deren eventuellen 
Verlust beklagt. Mme Moreau hat das ihr überschickte Werk dem Pariser Verleger Na- 
dermann übergeben, der es 1820 [?] in dieser Form (als Violin-Klaviersonate) veröffent- 
lichte. Vgl. am ausführlichsten Hoboken 716 (mit weiteren Details). 



431 



3 35- Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy 

[Kopistenschrift Johann Elßlers; von Haydn nur die Nummern (Summen) 
und die Unterschrift] 

[Ohne Datum; Anfang November 1803] 

Nach meinen wohl überlegten, doch ohnmassgeblichen gutachten ver- 
dienen alle 4 Supplicanten, und zwar die Barbara Pilhoferin 1 Discantistin 
mit einer Jährlichen Zulage per 50 — die übrige drey aber jedes individum 
mit 25 Fl. begnadiget zu werden. 

Haydn mppria 
KapellMeister 

O: Budapest, EA-TS, A. M., Fase. 27, 1984. ED: Valkö II, 624. Nr. 268; (eÜb) London 
CCLN 221. 

Die von Haydn befürwortete Gehaltszulage ist den Supplikanten vom Fürsten bewilligt 
worden. Die diesbez. Weisung an die fürstl. Wirtschaftskanzlei (die auch die Namen 
der drei anderen Sänger bzw. Sängerinnen enthält) ist ebenfalls von Valkö II, 624 
Nr. 26p ermittelt und veröffentlicht worden (dann auch durch Unterricht GBT jy) . Sie lautet: 
„ . . . Über nebenliegende Bitschriften der Discantistin Barbara Pilhoferin, des zweyten Chor- 
Bassisten Johann Bader, dann der Magdalena und Josepha Schöringer, werden der Pilhoferin zu 
ihrem dermaligen Gehalt annoch jährlich 50 Gulden, demBader jährlich 25 Gulden, und de- 
nen Schöringerischen Töchtern Magdalena und Josepha einer Jedweden 25 Gulden 
jährlich als eine Zulage in Gnaden resolviret, und bey meiner General Cassa zahlbar ange- 
wiesen. / Eisenstadt, am i8 m0 <pber [Nov.] 1803 . . . Exp. Esterhäzy". Hierdurch werden die 
(u. a. beiBrand 4j6f mitgeteilten) Sängernamen aus der Musikerliste des Jahres 1807 z. T. 
richtiggestellt. Die zwei letztgenannten Sängerinnen sind dort als Magdalena Schöttinger 
und Josepha Schüringer angeführt. Um die Konfusion der Namen voll zu machen, bleibt 
noch zu bemerken, daß diese beiden möglicherweise Töchter des 1791 verstorbenen Ester - 
hazyschen Fagottisten und Kontrabassisten Karl Schieringer waren (vgl. Pohl II, 273 und 
Bartha-Somfai HOK 1/4 f). 

1. Barbara P/Äo/er (familiär auch „Babette" genannt) war eine der besten Sopranistinnen des 
Eisenstädter Ensembles. Sie ist auch im Testamentsentwurf Haydns vom 6. Dezember 
1801 besonders bedacht worden („39. Der Sängerin Babett — 50 fl."; vgl. Nohl 16)). 



432 



3 3 6. Haydn an den Verleger George Thomson, Edinburgh 

Vienna, ai i8 to di Decembre / 1803. 

Stimatissimo Amico mio! 

Vi mando alla fine i desiderati tredici Arie, sperando, che daranno l'istesso 
piacere a voi, ed alla vostra cara — carissima figlia, alla quäle il buon 
vecchio Haydn fa bacciar le mani. — Alcune di quest'Arie sono contra 
la mia Voluntä un po' difficili, ma quando saranno piü spesso produte, 
avranno l'istesso valore come le altre: — intanto rendo grazie per i 
50 Ducati, che ho ricevuto dal Sig r Fries et Comp.: 

di questo, che m'avete scritto nell' ultima vostra lettera (In circa a qua- 
tuordici giorni Io vi scrivero sopra una Composizione d'una spezie 
differente etc:) non ho ancora ricevuto niente: 

Poiche ho fatto tante Arie Scozzese per voi, m'obligo se commandate 
di fare ancora venti cinque e piü, e se la vostra bella figlia commanda 
alcune piccole Arie Inglese della mia composizione con accompag. del 
Pianoforte, io saro pronto di mandarle, basta che ella mi mandi un 
piccolo catalogo di queste, che ella forse giä avra ricevute di Londra: 
del resto Vi sono sempre con tutta la stima 

Vostro Sincerissimo Amico e Servitore 
Giuseppe Haydn mppria 

P: S: Milord Minto avra veduto il mio ritratto en Büste, 1 e non il Medalione 

fatto del famoso Grassi 2 in Vienna, d'una certa Massa quasi come la 

terra porcellana, che m'assomiglia assai bene, se non fosse la guerra, io 

cercherei di mandarvi uno. 

[Archivvermerk Thomsons:] 18 Dec. 1803 / Haydn / with 13 Airs, / 

chiefly Welsh, / and Receipt for the / piece declaring these / to be my 

property and / He agrees to do / more if wanted, and / öfters some Airs 

of his / comp" [composition] to my dau r [daughter]. 

[Hier angeschlossen (auf besonderem Blatt) Haydns Quittung:] 

I acknowledge to have received of M r Georg Thomson Esqu. of the 

City of Edinburgh in Scotland by the hands of Mess" Fries et Comp. 

per order of Mess e " CouttsetComp. of London Fifty ducats for com- 

posing Ritornelles et Accompaniments for the Piano forte etc. to twelve 

Welsh et Scottish Airs, and I declare these, in addition to the 158 

28 433 



which I before composed for the Said G: Thomson tobe his sole property. 
given under my hand at Vienna, the i8 th of December 1803. 

D r Haydn mppria 
[Adresse in Elßlers Handschrift; ferner Stempel der Ankunft in London: 
„JA 11 1804".] 

O (Autograph Haydns) im Thomson-Korrespondenzband, London, B. M. Add. 35266, 
Fol. 196-197. BD (in deutscher Übersetzung) : Botsliber in Der Merker Jg,I, H. ip,S. 776. 
(eÜb) Geiringer MQ 189 und Landon CCLN 222 f. 

i.LandonCCLN 22} Fußn. 1. bezieht diese Bemerkung Haydns auf seine anonyme Bleibü- 
ste, die zumeistv4»/o«G>V7.r/; zugeschrieben wird(reproduziertu.a. in MGG V.Sp. 1884). — 
2. Dem Bildhauer und Modellmeister bei der kaiserl. Porzellanmanufaktur Anton Grassi 
(t im Dezember 1806) verdanken wir die lebensvollsten und getreuesten bildlichen Dar- 
stellungen des alternden Haydn. Eine von Grassi 1799 modellierte Gipsbüste Haydns ist 
von der K. K. Porzellanmanufaktur vervielfältigt worden; Haydn meint hier vermutlich 
diese verkleinerte Darstellung. 



337. George Thomson (Edinburgh) an Haydn 

[Aus dem Kopiebuch Thomsons] T. O. Edinburgh 20 Dec i8oß. 

To D' Haydn j Vienna 
(translated into Italian & 
sent to M Coutts Trotter to 
be transmitted through j Fries & C°.) 
My dear Sir 

[Kopistenschrift:] Althd' I do not wish to harassyou with more business than may 
be agreable to you, I must beg leave to send jou 24* more Airs, Which Will 
most certainly be the last. Your Ritornelles & Accompaniments delight 
me so much, that I realy cannot bear the idea of seeking an inferior Composer 
to finish a work already so nearly finished by you. I do flatter myself therefore 
that you will not give me the pain & mortification of a refusal. I ask it as a most 
particular favour, &c I am willing to payyoU 4* ducats for each Air, & as the 
Airs are in general very short, they will not occupy much of your time. Let me beg 
you then that you will be so good as to do them in your usual charming manner, as 
soon as you can, & if you please to send me the one half without waiting tili the 
other half is finished, I shall be very glad to receive them. Mess" Fries & Co: 

434 



will pay the price of whatever number you deliver to them on my account. I am 
expecting every day to receive the Airs which I sentyou on the 6 th September last 
for the payment of which a draft of jo ducats was inclosed. I hope these airs are 
on the road to me. 

Allow me to mention, that ifyou find any of the Airs fit for an accomp t similar 
to that inyour i" Can^pnet in C, 1 published by Corri & Dussek, I am particularly 
fond of that kind of easj motion in accom t . 

I remain with Affectionate regard Sc the higest [sie] respect, Dear Sir Yours 
faithfully 

P. S. remember to send me your portrait the one which Lord Minto 2 saw in 
Vienna which he told me is very likeyou. 

O im Sammelband der Thomson-Korrespondenz B. M. Add. 35266, Fol. 17. Auszugs- 
weiser ED; Geiringer MQ 188, vollständig London CCLN 2Z). 
a. Die Zahlen 24 und 4 sind nachttäglich in den Text eingesetzt worden. 
1. Das von Thomson gemeinte Lied ist „The Mermaid's Song" (Anne Hunter), das erste 
Stück der Sammlung „Dr. Haydn's VI Original Canzonettas. . ." aus 1794, die schon im 
Brief Nr. 207 (an Burney) von Haydn erwähnt wurde. Neuausg. in der GA, Serie XX/i, 
Nr. zj. — 2. Lord Minto: vgl. hierzu auch den vorangegangenen Brief (Nr. 356). Thomson 
scheint Haydns Porträt wiederholt reklamiert zu haben. 

338. Haydn an den Fürsten Nikolaus II Esterhäzy 

[Ohne Datum; vermutlich aus dem Jahr 1803.] 

Meine ohnmaßgebliche Meinung wäre, der Madam Siessin 1 wegen Ihren 
besondern fleiß und guter Conduit eine Jahrliche Zulaage von 50 FL, 
und dem Jean Dörzel 2 als den einzigen guten Contra Bassisten in wienn 
und ganzen Königreich Ungarn seine Bitte in gnaden verabfolgen zu 
lassen. 

Jos: Haydn mppria 

O (Autograph Haydns): Budapest, EA-TS, A. M., Fase. 27, Nr. 1982. ED: Valkö II, J24 
Nr. 267 (nicht ganz buchstabengetreu). (eÜb) London CCLN 224. 

1. und 2. Aus den Eisenstädter Musikerlisten bei Brand 318 (und 486) ist uns weder eine 
Sängerin des Namens Süss, noch ein Kontrabassist namens Vorbei bekannt. Aus der 
(bei Valkö II, Nr. 266 mitgeteilten) fürstlichen Entscheidung auf diese Bitte wird aber 
klar, daß es sich um die wohlbekannte Sängerin Anna Rumfeld (verehelichte Siess) und den 
(ebenfalls vielfach genannten) Kontrabassisten Jobann Düt%l handelt; warum Haydn 
seinen Namen so verunstaltete, ist rätselhaft. — Über die vielen (durch Pohl z. T. durch- 

28* 435 



einandergebrachten) Djetzls der Esterhäzyschen Musikertruppe sind durch A. Csatkai 
(in Burgenländische Heimatblätter, Iji. I9}2, S. 16) aus dem Totenregister der Eisenstädter 
Pfarrkirche neue Daten ans Licht gekommen, die Pohls Angaben berichtigen, bzw. er- 
gänzen. Als ältestes Mitglied der Familie erscheint der Schulmeister und Tenorist Joseph 
Dietzl, als dessen Todesjahr Pohl 1777, Csatkai 1771 angibt. Da aber bei seinem T/od ver- 
merkt wird, daß er 25 Jahre im fürstlichen Dienste gestanden hat und laut Pohl ab 1753 
diente, wird sich wohl Csatkai im Jahr geirrt haben, und das durch Pohl angegebene 
Todesjahr 1777 richtig sein. Von seinen Söhnen diente der Kontrabassist Johann 1776- 
1790 und von 1796 ab wieder in der fürstl. Kapelle, bis zu seinem 1806 in Eisenstadt 
erfolgten Tode (er starb im Alter von 52 Jahren). Über diesen handelt der obige Brief. 

— Außerdem gab es noch zwei Dietzls; einen Joseph Wolfgang D., der nach Csatkai 1795 
in Eisenstadt verstarb (vermutlich mit dem laut Pohl II, ß/ß 1776-1790 nachweisbaren 
Hornisten Jos. D. identisch), und einen Joseph, der vor 1790 nicht vorkommt und in den 
Musikerlisten von 1796 und 1800 als Violinist verzeichnet ist (vgl. Brand ßi8 und 4J6), 
1807 dagegen nicht mehr genannt wird, so daß sich das von Pohl I, 261 angegebene Todes- 
datum (1801) höchstwahrscheinlich auf diesen bezieht. — Aus alledem geht hervor, daß 
es sich in diesem Brief nur um den Kontrabassisten Johann Dietzl (t 1806) handeln kann. 

— Es ist von L.andon CCLN 224 Fußn. 1 übersehen worden, daß Frau Siess und Anna Rum- 
feld (auch Rhumfeld) ein und dieselbe Person sind. 



339. Haydn an Karl Friedrich Zelter 1 in Berlin (Briefkonzept) 

[Wienn. den 2 5 to February / 1804.] 
Verehrungswürdigster Freund! 
Meine ausserordentliche Schwäche erlaubt mir nicht mehr als etwelche 
Worte, aber Worte von herzen an Sie zu schreiben. Sie sind ein seltenes 
beyspiel der Dankbarkeit, dieses erweist 2 die schöne Biographie Ihres 
Lehrmeisters Faschen.' Sie sind ein tief sehender 4 Mann der Tonkunst, 
dies beweist die wahre Zergliederung meines Chaos 5 dan Sie würden 
und hätten dasselbe eben so gemacht wie Haydn, ich danke Ihnen für 
das Interesse [?], 6 

noch mehr Dank aber werden Sie von der [gestrichen: schuldig] nachweit 
erhalten, daß Sie sich bemühen die schon halb verlohrne Singkunst durch 
Ihre Tonkunst [täglichen ?] Anstalten 7 wieder empor zu heben. Gott 
erhalte Sie noch viele Jahre. 

ich bin indessen 

mit vorzüglicher Hochachtung 

Ihr ergebenster diener 

[Unterschrift fehlt, da nur Konzept] 



436 



P: S: für die überschücktenPortraits 8 bin ich sehr verbunden, ausser dem 
kleinen Fehler statt 1733. NB: ich wurde im Jahr 1732 gebohrn, folglich 9 
um ein Jahr älter, sollt 173 z heißen sieht mir [durchstrichen: ziemlich] 
viel 10 ähnlich. 

Noch etwas, ich wünschte, daß sich mein lieber Zelter die mühe gäbe, 
daß Gellertsche" abendlied von meinem Singquartett Herr der du mir 
das leben 12 etc. für Seinen ganzen Chor abwechselnd theils mit 4 Solo- 
stim, und theils wieder mit halb oder ganzen Chor zu arrangiren: NB. es 
müste aber 1 ' durchaus das Pianoforte so wie ich es sezte dazu Accomp. 
[accompagniren]. 
[Adresse, von einem anderen Briefskizzenblatt:] 

A Monsieur Monsieur Zelter Maitre de la Musique 

tres Celebre / a Berlin. 

O: Die an Zeltet geschickte Reinschrift ist verschollen. Konzept Haydns: ÖNB, Sign. 
XXXIII, Nr. 109-4. ED: Nohl 171 (mit mehreren Lesefehlern). Pohl III, 226 (aus Nohl); 
(eÜb) Landon CCLiV 224 f. Emendationen zum Text von Nohl und Pohl sind uns von 
H, C. R, Landon übermittelt worden. 

Das Konzept ist nicht datiert. Doch unmittelbar davor, auf demselben Blatt, steht der 
genau datierte Anfang eines unvollendet gebliebenen anderen Briefes mit obigem Datum 
und der Anrede: „Hochzuverehrende Frau! Es gab eine Zeil! . . ." (die Fortsetzung fehlt). 
Wie aus Zelters unten folgender Antwort (Nr. 340) hervorgeht, war Haydns Brief an ihn 
von demselben Tag datiert. 

1. Der Komponist Karl Friedrieb Zelter (1758-1832), Goethes Freund und musikalischer 
Berater, war damals Leiter der (von Fasch 1791 gegründeten) Singakademie in Berlin. — 
■ — 2. erweist: Nohl, Pohl: „beweist". — 3. Carl Friedrich (eigentlich Christian Friedrich Carl) 
Fasch (1736-1800), Komponist und Hofcembalist Friedrichs IL, war der Gründer (1791) der 
Berliner Singakademie. Zelters Fasch-Biographie ist 1801 erschienen. — 4. tief sehender: 
Nohl, Pohl: „tief eingehender" (?) — 5. Haydn bezieht sich hier auf die Rezension der 
Schöpfung durch Zelter in der Leipziger Allg. Mus. Zeitung 1802, S.ßoof. — 6. ich danke 
Ihnen für das Interesse: Nohl, Pohl: „ich danke Ihnen vielmal dafür" (?). — 7. Anstalten: 
hiermit ist die Tätigkeit der Berliner Singakademie gemeint. — 8. Portraits: eine Identifikation 
des durch Zelter überschickten Haydn-Porträts versucht Landon CCLN 22; Fußn. 4, auf 
Grund des darauf mit 17)) angegebenen Geburtsjahres Haydns. Es mag sich demnach 
um den mit „A. Chaponnier del. Laurens sculp." signierten Stich aus dem Jahr 1803 
handeln. — 9. folglich: Nohl, Pohl: „also". — 10. Diese Worte sollt 1732 beißen sieht mir 
viel fehlen bei Nohl und Pohl. — 11. Geilerische: dieses Wort fehlt bei Nohl und Pohl. — 
12. Herr der du mir etc.: einer der Mehrstimmigen Gesänge mit Klavier, die 1803 bei Breit- 
kopf in Leipzig erschienen waren. — 13. es müste aber; Nohl: „da müßte er aber" 
(verlesen). 

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34o. Karl Friedrich Zelter (Berlin) an Haydn 

Berlin, den 16. März 1804. 
Ich kann Ihnen, verehrter Meister, mit keinen Worten die Freude ausdrücken, 
welche mir Ihr wohlmeinender Brief vom 2;. Februar gemacht hat, den ich als 
eine Reliquie, als einen Adelsbrief meinen eilf Kindern hinterlassen werde. Ich weiß 
daß ich ein solches Lob mehr Ihrer Güte und Liebe, als meinem Verdienste zu- 
schreiben muß; aber Ihr Lob ist so süß, daß ich es auch in vollemErnste %u verdienen 
mich eifrig bestreben werde. 

Sie mögen es wissen, daß die Beurtheilung Ihres Meisterwerkes* von mir ist, und 
daß ich Sie sehr lange vorher innigst verehrt habe; aber so, wie Sie, großer Meister, 
hätte ich es nie gemacht, und werde es niemahls können. Ihr Geist ist in das Heilig- 
thum göttlicher Weisheit eingedrungen; Sie haben das Feuer vom Himmel geholt, 
wo mit Sie irdische Herren erwärmen und erleuchten und z u dem Unendlichen leiten. 
Das Beste, was wir Andern können, besteht bloß darin: mit Dank undFreude Gott 
%u verehren, der Sie gesandt, damit wir die Wunder erkennen, die er durch Sie in 
der Kunst geoffenbaret hat. 

Was ich für meine Singakademie (die jet^t aus %wey hundert klingenden Stimmen 
besteht, von welchen 160 als thätig und nützlich anzusehen sind) von Ihnen, theurer 
Mann, z u erhalten wünschte, nämlich eine geistliche Musik von Ihrer Arbeit, 
habe ich allerdings schon sehr lange gewünscht; aber es haben ij fahre dazu gehört, 
die Kasse des Instituts in einen Zustand z H versetzen, eine Ausgabe für ein solches 
Meisterwerk bestreiten %u können. Ich fühle nur z u sehr, wie geringe der Preis 
ist, für ein Werk von Ihnen, das mit keinem Golde befahlt werden kann, und 
habe dabey allerdings mehr auf Ihre Liebe %ur Kunst und die Ehre Gottes, als 
auf unser geringes Geld gerechnet. Ich bitte Sie demnach, wenn es Ihr körperlicher 
Zustand erlaubt, sich dieser Arbeit %u unterziehen 1 , damit auch Ihr großer Nähme 
\ur Ehre Gottes und der Kunst in unserm Kreis erschalle, der den ausschließlichen 
Zweck hat, die jetzt so sehr vernachlässigte Kirchen-oder 
heilige Musik wieder z u erwecken und z u erhalten. 
Um nur etwas von Ihrer Arbeit z« besitzen, hatte ich mir die Freyheit genommen, 
die beyden Geller f sehen Lieder: „Herr, der du mir das Leben" 
und „Du b i s f s, dem Ruhm und Ehre gebühret" für unsern 
Chor z u arrangiren. Ihr Wunsch ist also schon seit länger als sieben Monathe 
erfüllet; ob ich es aber recht gemacht habe, werden sie aus den bey liegenden Parti- 
turen ersehen: und ich bitte Sie herzlich, was Sie daran z u verbessern finden, mir 
mitzutheilen. 

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Daß ich Ihnen nur die Freude gewähren könnte, Ihre Chöre bej uns %u hören, und 
sich an der Kühe, Andacht, Kernigkeit und Heiligkeit ^u erbauen, womit Ihr 
schöner Chor: Du b i s f s dem etc. hier gesungen wird! Die schönste und 
beste Jugend von Berlin, steht hier mit Vätern und Müttern, wie in einem 
Himmel voller Engel, bejsammen, fejert in Lob und Freude die Ehre des höchsten 
Gottes, und übet sich an den Werken der größten Kunstmeister, die die Welt gesehn 
hat. O kommen Sie z u uns, kommen Sie! Sie sollen wie ein Gott unter Menschen 
empfangen werden; wir wollen Ihnen ein Gloria etc. singen, daß Ihr graues ehren- 
volles Haar sich erheben, und %um Lorbeer werden soll, denn unser Meister 
F a s c h hat uns gelehret, wie man Meister ehren soll. 

Leben Sie wohl, geliebter, theurer Mann! Gott erhalte Sie noch lange, lange! 
Sie haben kein Werk hervorgebracht, woran man Ihr hohes Alter bemerket. Ihre 
Jahreszeiten sind ein Werk jugendlicher Kraft und alter Meisterschaft. Gott 
befohlen! 

Ihr 
Zelter 

O (Zelters Autograph): Sammlung Kippenberg, Düsseldorf; dieses war uns nicht zu- 
gänglich; eine K. ist uns von H. C. R. Landon übermittelt worden. ED: Dies 100-102. 
Nobl 172-17}; Pohl III,